• #91
Lieber Apfeldieb,

interessieren würde mich ja schon einmal, weshalb Deine Partnerin diese Spielchen spielt.

Ok, sie kann es. Sie hat ausgiebig ausgetestet, dass sie Dich behandeln kann wie einen Fußabstreifer und Du gehst nicht. Das weiß sie.

Ok, sie kann miese Stimmung offensichtlich viel besser aushalten als Du. Sie kann ungehemmt herumstänkern und ihren Willen durchsetzen, davon profitiert sie so sehr, dass der eine Weile schief hängende Haussegen ihr Nichts aus macht.

Du profitierst aber schon auch irgendwo oder weshalb bleibst Du?

Kann es sein, dass sie mit ihrer Taktik "Es muss alles Geld auf den Tisch und dann für meine Wünsche verballert werden" die Bildung jeglicher Rücklagen verhindert hat? Du kannst also weder eure jetzige Wohnung alleine halten ohne in Schwierigkeiten zu kommen noch einen Umzug finanzieren.
Sie kann es sowieso nicht, sie muss ja auf die Malediven. Und sie will ja auch gar nicht.
Steht sie im Mietvertrag?

Du weißt schon, dass es krank macht, wenn man die ganze Zeit mit einer Wut im Bauch herum läuft?
 
  • #92
Der Mensch führt eine Partnerschaft, um jemanden um sich zu haben, um nicht mit der Wand oder den Blumen reden zu müssen,
Lieber Apfeldieb, das klingt sehr bescheiden und so wirst Du auch behandelt. Aber kein Mensch gibt alles, ohne nicht auch etwas dafür zu bekommen. In deinem Fall ist es das Adrenalin, wenn Du dich aufregst und symbolisch deine Wünsche an die Wand redest. Wir stehen symbolisch für die Blumen, die dir nicht widersprechen, weil sie dich nicht erreichen können. Du brauchst diesen Kick und wärst vermutlich schnell weg, würde sie versuchen dir Wertschätzung entgegen zu bringen. Du könntest das gar nicht glauben, wenn Du wählen dürftest, weil dir das fremd wäre und keine Liebe sein kann, wenn der Kick fehlt.

Ich finde, das muss man so akzeptieren. Es ist deine Art zu sein und Du hast ja das Forum, wenn Du wieder einmal Schmerz hast und zweifelst, wenn Du andere siehst. Die spielen dir nichts vor, wenn sie liebevoll miteinander umgehen und sie wollen dich nicht damit ärgern. Sie leben das auch zuhause. Dieses langweilige Leben nennen sie angekommen und zufrieden sein, weil sie sich respektiert und geliebt fühlen.

Ich teile auch die Hinweise auf professionellen Rat, wenn der Druck wieder groß wird. Vorgestern war wieder so ein Tag, nicht? Und vorvorgestern … und es werden noch viele Tage kommen. Auch im größten Dilemma hat man immer noch eine Wahl. Hoffentlich könntest Du dann Geld abzweigen, ohne dass sie etwas mitbekommt …

Die Erinnerung, die Du später haben willst, solltest Du vorher auch gelebt haben. Angst ist auch ein guter Motor um etwas Neues zu schaffen, das man vorher nicht wollte und danach nicht mehr eintauschen möchte. Denke einmal darüber nach, wenn die Befindlichkeiten wieder kippen – und das werden sie.
 
  • #93
und es wird argumentiert, Du bräuchtest allein ja auch eine Wohnung? Sie doch auch!
Ja, die „geliebte” pragmatische Grenzwert-Argumentation – für die zweite Person ist es immer erheblich günstiger als für die erste, vor allem wenn man den Single-Aufschlag mitrechnet. Die zweite Person in einer Wohnung. Die zweite Person bei einer Reise. Die zweite Person beim Familienticket. Die zweite Person im Auto, da fährt sie sogar kostenlos mit. Zum Ausgleich dafür hat der Hauptzahler das Recht zu bestimmen, wie es gemacht wird.

Im Idealfall wird dieses Bestimmungsrecht so eingesetzt, daß zuerst einmal der andere glücklich ist, d.h. der Strandurlauber hat Freude daran, mit seinem Geld dem naturliebenden Partner den Bergurlaub zu ermöglichen, und dieser revanchiert sich, indem er dem Partner zuliebe einen Strandurlaub anstrebt. So hat man viel Freude an- und miteinander. Zerrt stattdessen der eine dahin und der andere dorthin, kommt unterm Strich zwar dasselbe heraus, nur eben ohne Freude. Denn der eine kann sich mit dem Wissen, daß der andere sich nur notgedrungen fügt, nicht so recht über seinen Sieg freuen, und der Unterlegene freut sich noch viel weniger. Immerhin herrscht aber wenigstens Ehrlichkeit.
warum machst Du mit, warum sagst Du nicht nein
Wahrscheinlich weil, bedingt durch meine Wesensart, inkompatible Vorstellungen von Beziehung aufeinander treffen. Hier der Wunsch, den Partner glücklich zu sehen. Und dort der Wunsch, sich selber glücklich zu sehen („aber ich wünsche mir diese Reise doch so sehr” – „ich wünsche mir meine Reise auch sehr” – „ja, aber mir ist sie zu streßig”). Wahrscheinlich läuft es bei meiner Grundeinstellung früher oder später dann immer in diese Richtung. Aber ich kann mir doch deswegen kein Geiz-Modul einpflanzen lassen?
...die Bildung jeglicher Rücklagen verhindert hat? Du kannst also weder eure jetzige Wohnung alleine halten ohne in Schwierigkeiten zu kommen noch einen Umzug finanzieren.
Ich bewundere immer wieder Deinen Scharfsinn, Saepe.
 
  • #94
Wahrscheinlich weil, bedingt durch meine Wesensart, inkompatible Vorstellungen von Beziehung aufeinander treffen. Hier der Wunsch, den Partner glücklich zu sehen. Und dort der Wunsch, sich selber glücklich zu sehen („aber ich wünsche mir diese Reise doch so sehr” – „ich wünsche mir meine Reise auch sehr” – „ja, aber mir ist sie zu streßig”).
Bisher habe ich diesen Thread nur kopfschüttelnd verfolgt - schien mir auch so, als seist du einfach beratungsresistent, lieber @Apfeldieb - es stehen hier ja eine Menge guter Hinweise, die du für dich nutzen könntest. Es sah mir aber auch danach aus, als spiegele der Thread hier deine Beziehung zuhause. Du hast halt Lust am Spiel und an der Diskussion, das kann ewig so weitergehen und nichts löst sich auf. Das bist dann eben du. Die Leute, die eher pragmatisch veranlagt sind und lösungsorientiert, verabschieden sich dann auch aus deinem Thread, wie sie es in einer realen Beziehung mit dir tun würden. Oder sie posten halt nicht mit, wie ich bisher. Alles kein Problem, es finden sich hier ja immer neue willige Kommentatoren, mit denen du weiterspielen kannst. Vielleicht willst du auch ins Guinnessbuch der Rekorde für den längsten Thread. Jetzt habe ich aber doch aufgehorcht. Deine Vorstellung von Beziehung - das mit Geben und Nehmen - klingt gut für mich. Den Partner und sich selbst glücklich machen auch. Dass dazu Kompromisse gehören ist auch klar. Erwartest du denn nicht, dass dich deine Partnerin so behandelt wie du sie? Ich meine hier nicht die Spielchen. Da scheint ihr gut zu passen. Ich meine das Aufeinanderzubewegen, das ausgeglichene Geben und Nehmen? Das müsstest du aber, um glücklich zu sein. Kannst du uns mal erzählen, ob du glücklich bist? Vielleicht bist du es ja...
 
  • #95
Geschickte Logik:
Der zweite Bewohner wohnt günstiger,
das Auto wird durch die zweite Passagierin nicht teurer,
das zweite Ticket ist günstiger
und im Doppelzimmer sind sowieso 2 Betten.
Die Taktik merke ich mir. Jemand anderes ist Nummer eins und ich zahle nur die Differenz für meinen zweiten Platz.

Mal sehen, ich sitze gerade im Zug.
Und wenn der Schaffner mein Ticket sehen möchte, dann habe ich keins. Denn der Zug fährt ja sowieso, also brauche ich kein Ticket.

Hui, Apfeldieb:
Wer etwas will, findet Wege.
Wer nicht will, findet Gründe
 
  • #96
Ich verstehe die Frage generell nicht. Wenn ich einen Konsens schließe, dann stellt sich die Eingangsfrage nicht mehr, weil ich dann der Sache zugestimmt habe.

Apfeldieb ist mit einer Partnerin zusammen, über die er sich hier im Forum ständig beklagt. Er hat der Partnerschaft zugestimmt und ist trotzdem nicht zufrieden. Und die User hier fungieren als sein Psychologenteam. Fällt das sonst niemandem auf?
 
  • #97
Apfeldieb ist mit einer Partnerin zusammen, über die er sich hier im Forum ständig beklagt.
Ich wette, dass hier so ziemlich jedem das Gesicht entgleisen würde, wenn sich Apfeldiebs Freundin ihm vorstellte. Sie wird eine ganz tolle Frau sein.

Wenn ich einen Konsens schließe, dann stellt sich die Eingangsfrage nicht mehr, weil ich dann der Sache zugestimmt habe.
Er möchte jetzt aber eine (rückwirkende?) Abänderung der Vereinbarung und braucht dafür die Unterstützung des Forums.

Und die User hier fungieren als sein Psychologenteam. Fällt das sonst niemandem auf?
Und auch hier möchte ich wetten, dass nicht objektiv, sondern in SEINEM Sinne beraten wird. Sitzen ja viele Profis im Boot. Aber auch ich als Laie schreibe nicht einen Bruchteil dessen zur Sache, was ich mir so denke.

Grundsätzlich ist meiner Meinung nach nichts Schlechtes daran, dieses Forum zu nutzen. Ich persönlich habe hier in nur wenigen Wochen unglaublich viel für mich herausziehen können.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #98
Er hat der Partnerschaft zugestimmt und ist trotzdem nicht zufrieden. Und die User hier fungieren als sein Psychologenteam. Fällt das sonst niemandem auf?
Doch schon. Der Reiz für das Hobby-Psychologenteam ist, ob sich die Apfeldieb-Nuss irgendwie noch knacken lässt. Der Reiz für ihn? Keine Ahnung. Das Team auflaufen lassen? Zu Fragen dieser Art äußerst du dich nicht, @Apfeldieb, richtig? Wessen Äpfel stiehlst du eigentlich?
 
B

bromelie

  • #99
Und die User hier fungieren als sein Psychologenteam. Fällt das sonst niemandem auf?
Doch , das haben schon einige geschrieben und sich verabschiedet. Das stört aber Dich, Apfeldieb, herzlich wenig, oder? Das ignorierst Du. Kannst Du ja auch, ist ja Deine Sache, wie Du Dein Leben strickst. Aber ich hör mir das ewige Gehetze gegen Deine Freundin nicht mehr an. Ich finde das schon richtig "fies".
Wenn die wüßte....
(manchmal denke ich ja, die gibt es gar nicht und Apfeldieb denkt sich das alles nur aus)
W
 
  • #100
Eigentlich ist es inzwischen wie die Diskussion mit einem kleinen Kind.

Viele versuchen konstruktive Lösungen, zu hinterfragen... - Und immer die Replik, nein, aber so geht es nicht. Mit Argumenten, die keine sind, mit neuen Beispielen, die keiner versteht.
Ein Aufstampfen eines kleinen Kindes mit seinem Fuß, der permanent sagt,
Doch, das ist aber so!

Lieber @Apfeldieb,
Es reicht tatsächlich, Du hast jetzt einen 4 seitigen Thread bekommen, selbst wenn Deine Geschichte so stimmt, wie Du schreibst, die Zweifel sind nachvollziehbar berechtigt.
Du wirst noch weitere x-Seiten lang bildlich mit dem Fuß aufstampfen und krude Beispiele bringen.

Mach es gut, Dir ist weder für den einen noch für den anderen Fall zu raten.
 
  • #101
Ich wette, dass hier so ziemlich jedem das Gesicht entgleisen würde, wenn sich Apfeldiebs Freundin ihm vorstellte. Sie wird eine ganz tolle Frau sein.

Er möchte jetzt aber eine (rückwirkende?) Abänderung der Vereinbarung und braucht dafür die Unterstützung des Forums.
Auch ich vermute, dass die Frau völlig normal und in Ordnung ist. Apfeldieb sucht hier in diversen Threads dringend nach Zustimmung, dass seine Partnerin ein kauziges, launenhaftes und nicht logisch denkendes Persönchen ist, welches man nicht ernst nehmen kann und deren wirren Kapriolen er leidgeprüft und wie ein Löwenbändiger gegenüber steht.
Er scheint mir hier im Forum lediglich Rechtfertigungen für seine Gedankengänge und seine Vorstellung von Partnerschaft und damit Munition für die innerpartnerschaftlichen Kämpfe zu holen. An einer Lösung an sich (z. B. eigene Weiterentwicklung, Kompromisse, Trennung) ist er nicht interessiert.
Das alles sagt für mich mehr über ihn als über diese Frau aus. Eigentlich kann man sich da tatsächlich nur mehr ausklinken, wenn man nicht Beihilfe zu ungesunden Verhaltensweisen leisten möchte.

Alles Gute Apfeldieb!
 
  • #102
Der Reiz für das Hobby-Psychologenteam ist, ob sich die Apfeldieb-Nuss irgendwie noch knacken lässt. Der Reiz für ihn? Keine Ahnung. Das Team auflaufen lassen?
Es wäre ihm zu gönnen, wenn er die Nuss durch den Austausch knacken könnte. Ich war nach dem Eröffnungsbeitrag gespannt: Wann kommt es, was ich aus dem Januar-Thread erinnere? Auflaufen lassen, kann schon sein. Vielleicht dürfen wir ein gutes Werk tun: Ein Mal ist er der Chef und setzt seine Interessen durch, indem er standhaft in der Argumentation bleibt. Zumindest vermitteln wir ihm das Gefühl, dass es da draußen nicht nur das ihm bekannte Schwarz gibt. Vielleicht lässt er sich bisheriges Verhalten spiegeln und ihm geht ein Licht auf? Ich habe erst im Forum gelernt, dass nichts unmöglich ist.

Und immer die Replik, nein, aber so geht es nicht.

Ein Aufstampfen eines kleinen Kindes mit seinem Fuß, der permanent sagt, Doch, das ist aber so!
Damit das innere Kind im Gespräch bleibt? Eine andere Form von Aufmerksamkeitsdefizit? Ich hätte mir die Mühe gemacht, einen Beitrag mit konkreten Fragen zu formulieren. Apfeldieb beantwortet keine Fragen, er bringt neue Geschichten.

Lieber Apfeldieb, ich will dein Anliegen nicht zerreden und glaube dir, dass es in dir brodelt. Da deine Beiträge in anderen Threads, wenn es nicht um dich geht, oft sehr reflektiert sind, denke ich, dass manche geschilderte Situation sicher in der Sache so war, real jedoch nur beispielhaft für ein Gefühl steht. Das eigentlich sagt, geh, sich dann aber wieder wandelt in: Ich versage schon jetzt und kann meine Bedürfnisse nicht einfordern. Wenn ich mehr will, wird es nur noch schlimmer. Und genau hier sehe ich den Denkfehler. If It Hurts, It Isn't Love, so einfach lässt sich dein Problem erklären. Wenn Du das nicht glaubst, bohre ein großes Loch in einen Eimer, fülle ihn dann mit Wasser und denke dabei an deine Geschichten.
 
  • #103
Ich wette, dass hier so ziemlich jedem das Gesicht entgleisen würde, wenn sich Apfeldiebs Freundin ihm vorstellte. Sie wird eine ganz tolle Frau sein.
Ich erinner mich so vage, dass Apfeldieb irgendwann schrieb, dass seine Partnerinnen ihm zunächst völlig normal erschienen und erst in der Beziehung zu - sagen wir - ziemlich dominanten und manipulativen Menschen mutierten. Schon damals schrieben mehrere User, dass Apfeldieb sehr starke Anteile an dem Problem haben muss. Er muss mit seinem Verhalten eine äußerst ungute Dynamik in Gang setzen, die die Beziehungen immer wieder scheitern ließ und vielleicht wieder lassen wird.

Er reflektiert sich selbst aber äußerst ungenügend, bringt immer wieder krude Beispiele und dreht sich im Kreis. Tja.

Viele Gedanken und viel Zeit, die die Teilnehmer hier freiwillig investieren und ein an sich selbst scheiternder Apfeldieb. Schade.
 
  • #104
Es wäre ihm zu gönnen, wenn er die Nuss durch den Austausch knacken könnte. (...) Vielleicht dürfen wir ein gutes Werk tun: Ein Mal ist er der Chef und setzt seine Interessen durch, indem er standhaft in der Argumentation bleibt. Zumindest vermitteln wir ihm das Gefühl, dass es da draußen nicht nur das ihm bekannte Schwarz gibt. Vielleicht lässt er sich bisheriges Verhalten spiegeln und ihm geht ein Licht auf? Ich habe erst im Forum gelernt, dass nichts unmöglich ist.
Okay, I'm on for it. Ich habe auch das Gefühl, dass @Apfeldieb ein echtes und kein gefaketes Anliegen hat, aber bevor ich hier erstmals postete, musste ich mich auch zunächst versichern, indem ich seine Beiträge las zu anderen Themen, die nicht ihn betreffen. Und die machen alle Sinn!
@Apfeldieb, trau dich raus und rede mit uns : nicht über Wünsche und deren Finanzierung, sondern über das, was jetzt gerade hier in deinem Thread passiert. Zu verlieren hast du ja nichts. Wir kennen uns nur durch unsere Beiträge, werden uns nie begegnen, und es posten genügend Leute mit, sodass ein ausgewogenes Bild entstehen kann. Und das Niveau stimmt.

Ich habe gerade eine heiße Forumsphase, weil ich nach langjähriger problematischer Ehe in einer neuen Beziehung bin - und möchte lernen, lernen, lernen, denn mir ist wichtig, dass die jetzige sich gut entwickelt. Wie ich die Möglichkeiten für mich hier sehe: Es gibt Threads, da geht es heiß her, mit 100 verschiedenen Ansichten, da lerne ich dann, meine Sicht mindestens zu hinterfragen und oft zu revidieren. Es gibt aber auch Threads, da herrscht nach einer Weile, sobald entscheidende Infos vorliegen (und da wo sich der/die FS auch auf Fragen einlässt), bald große Übereinstimmung. Da sehe ich dann : mensch, haste was wichtiges gesehen und verstanden - und der/dem FS ist das eigene Problem auch tatsächlich klarer geworden.

Wir sind jetzt hier mit Dir an einem Punkt, wo große Einigkeit herrscht. Die formuliere ich mal so : Du machst zu, wenn es ans Eingekochte geht. Du sitzt allerdings im fest verschraubten Marmeladenglas, bis du uns den nächsten stibitzten Apfel anbietest. Genau dieses Verhalten wird dir zuhause Probleme bereiten. Nimm mal diesen Apfel von uns in die Hand und beiß rein. Wie schmeckt er?
 
  • #105
Nun, ich gehe halt bei unpartnerschaftlichem Verhalten davon aus, daß nicht böser Wille dahinter steckt, sondern schlimmstenfalls Gedankenlosigkeit oder Bequemlichkeit, vielleicht auch Irrtum, üble Erfahrung, Überforderung im Beruf, Kopfweh, Hunger oder was auch immer. Und versuche also, als loyaler Partner die Fehlleistungen irgendwie aufzufangen. Natürlich ist es nicht schön, abends den Blitzableiter für die Unbilden des Tages spielen zu müssen, aber sich dagegen zu wehren liefe auf einen noch gründlicher verdorbenen Abend hinaus. Und wenn ich angemault werde, weil ich ihr Paket nicht unaufgefordert zur Post gebracht habe, dann denke ich mir: sie ist sich halt nicht bewußt, daß das Paket für mich genauso aussieht wie das, das gestern gekommen ist. Auch wenn es inzwischen einen neuen Inhalt und einen neuen Adreßaufkleber hat. Mit anderen Worten: kein böser Wille von ihr, sondern eine kognitive Fehlleistung. Und um auf das Thema „zu teurer Urlaub” zu kommen: auch wenn die Entscheidung durch mein Nachgeben zustande gekommen ist, trage ich sie selbstverständlich mit. Anders macht es ja auch keinen Sinn.

Anscheinend führt das alles aber dazu, daß die Loyalität, die hinter alledem steckt, auf Dauer dann gar nicht mehr als solche wahrgenommen wird. Und so schleifen sich die Verhaltensmuster eben ein – so lange, bis der Bogen überspannt ist und es darüber zum Eklat kommt.
 
N

nachdenkliche

  • #106
Nun, ich gehe halt bei unpartnerschaftlichem Verhalten davon aus, daß nicht böser Wille dahinter steckt, sondern schlimmstenfalls Gedankenlosigkeit oder Bequemlichkeit, vielleicht auch Irrtum, üble Erfahrung, Überforderung im Beruf, Kopfweh, Hunger oder was auch immer. Und versuche also, als loyaler Partner die Fehlleistungen irgendwie aufzufangen. Natürlich ist es nicht schön, abends den Blitzableiter für die Unbilden des Tages spielen zu müssen, aber sich dagegen zu wehren liefe auf einen noch gründlicher verdorbenen Abend hinaus. Und wenn ich angemault werde, weil ich ihr Paket nicht unaufgefordert zur Post gebracht habe, dann denke ich mir: sie ist sich halt nicht bewußt, daß das Paket für mich genauso aussieht wie das, das gestern gekommen ist. Auch
Nein, ganz bestimmt kein böser Wille, aber einfach GEWOHNHEIT!
Deine Partnerin weiß einfach, auf Apfeldieb ist Verlass, er wehrt sich nicht, gibt immer klein bei, des lieben Abendfriedens Willen?
Einmal Blitzableiter, immer Blitzableiter...ich spreche da aus eigener Erfahrung, wenn ich Dich richtig verstanden habe.
Ich selber bin gerade dabei in meinem beruflichen Umfeld mal aufzumucken und jetzt wird es eben ungemütlicher, aber es hilft langsam. Ich habe einfach keine Lust mehr mit einer Wut im Bauch nach Hause zu fahren und darüber nicht in den Schlaf zu kommen.
Haue doch einfach mal "mit der Faust auf den Tisch" (ich meine natürlich nicht richtig, und rede Klartext mit ihr. wenn Du gesund bleiben willst, musst Du Dich trennen, lieber Apfeldieb...mir tut das richtig weh, das hier zu lesen.
 
  • #107
@nachdenkliche
Mitleid ist hier meiner Meinung nach fehl am Platze.

Ich habe diese Sorte Mensch, die ihre Bedürfnisse nicht äußern kann oder WILL in den letzten Jahren ausgiebig kennengelernt.

Und zwar besser als mir lieb ist und jedem Anderen lieb sein könnte.

Letztere bestärken dich sogar noch in einem unerwünschten Verhalten, um es dann gegen dich zu verwenden. Das nenne ich Auflauferlassen in der verschärften Form.

Nicht selten findet man bei dieser Sorte eine Passiv-Aggressivität in einem Ausmaß, das hochgefährlich ist.

Wenn man mit einem solchen Menschen gar zusammenlebt, braucht man häufig keine Feinde mehr.

Auch in der weniger ausgeprägten Form ist es für Leute, die in der Regel mit Menschen ohne Selbstwertproblematik zu tun haben, unheimlich anstrengend, ewig auf jeden Zwischenton und jeden verklausulierten, beiläufig dahingesagten Nebensatz hören zu müssen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man irgendwann die Lust dazu verliert, insbesondere, wenn man selbst unter Druck steht (der Tag war ätzend, irgendwas ist schief gelaufen).

Mich würde aber auch nicht wundern, wenn Apfeldiebs Freundin gar keine Ahnung davon hat, dass er so hadert. Und da ist er dann irgendwie selbst schuld.
 
  • #108
sie ist sich halt nicht bewußt, daß das Paket für mich genauso aussieht wie das, das gestern gekommen ist. Mit anderen Worten: kein böser Wille von ihr, sondern eine kognitive Fehlleistung. (...) aber sich dagegen zu wehren liefe auf einen noch gründlicher verdorbenen Abend hinaus.
Und hier musst Du ansetzen.

Ich finde schon die Wortwahl "wehren" verräterisch. Es dürfte in einer von Liebe getragenen Partnerschaft eigentlich nicht darum gehen, "sich zu wehren". Du musst nur ganz ruhig und gelassen Deinen Standpunkt klar machen, dann ist der Abend anschließend auch nicht verdorben. Im konkreten Fall hieße das: "Meine Liebe, es tut mir leid, dass Dein Tag schrecklich war, aber ich bin nicht Dein Blitzableiter."

Die Paketsache lässt sich einfach aufklären. Und ich nehme mal stark an, dass dann umgehend eine Entschuldigung erfolgen würde.

Ich hatte einen Freund, der mir nicht nur das Meckern sehr effektiv abgewöhnt hat, sondern auch die beschriebenen - bei mir aus Paarunzufriedenheit resultierenden - Attitüden abgewöhnt hat. Und zwar mit ungefähr folgenden Worten: "Du benimmst Dich wie eine Prinzessin (unausgesprochen: auf der Erbse). Da habe ich auch gar nichts dagegen. Denn wenn Du eine Prinzessin bist, bin ich der Prinz. Und wir brauchen Dienstboten.

Hole Dir den Respekt zurück, indem Du mit Deinen merkwürdigen Spielchen aufhörst und endlich Deine Bedürfnisse benennst und vertrittst.

Kein ernsthaft denkender liebender Mensch übergeht fortlaufend die Bedürfnisse seines Partners, sofern er sie nur kennt und - meiner Meinung nach bei Dir maßgeblich - deren Bedeutung für Dich ERKENNT.
 
N

nachdenkliche

  • #109
@nachdenkliche
Mitleid ist hier meiner Meinung nach fehl am Platze.

Ich habe diese Sorte Mensch, die ihre Bedürfnisse nicht äußern kann oder WILL in den letzten Jahren ausgiebig kennengelernt.

Und zwar besser als mir lieb ist und jedem Anderen lieb sein könnte.

Letztere bestärken dich sogar noch in einem unerwünschten Verhalten, um es dann gegen dich zu verwenden. Das nenne ich Auflauferlassen in der verschärften Form.

Nicht selten findet man bei dieser Sorte eine Passiv-Aggressivität in einem Ausmaß, das hochgefährlich ist.

Wenn man mit einem solchen Menschen gar zusammenlebt, braucht man häufig keine Feinde mehr.

Auch in der weniger ausgeprägten Form ist es für Leute, die in der Regel mit Menschen ohne Selbstwertproblematik zu tun haben, unheimlich anstrengend, ewig auf jeden Zwischenton und jeden verklausulierten, beiläufig dahingesagten Nebensatz hören zu müssen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man irgendwann die Lust dazu verliert, insbesondere, wenn man selbst unter Druck steht (der Tag war ätzend, irgendwas ist schief gelaufen).

Mich würde aber auch nicht wundern, wenn Apfeldiebs Freundin gar keine Ahnung davon hat, dass er so hadert. Und da ist er dann irgendwie selbst schuld.
@Lisa.Blume es tut mir weh, apfeldieb hier so hilflos zu sehen, da er ja in anderen Threads durchaus auch zur Trennung rät. Das macht mich fertig, ehrlich. Da habe ich das Gefühl, gegen die Wand zu laufen. Lieber mal einige ungemütliche Abende, aber dann ist Ruhe.
Aber Du hast Recht, es reizt den anderen zum weiteren Quälen. Verschaffe Dir Respekt, apfeldieb.
 
  • #110
Und versuche also, als loyaler Partner die Fehlleistungen irgendwie aufzufangen.
Lieber Apfeldieb, Du machst dich klein, aus Angst allein zu sein. Es ist keine Loyalität, sich der Harmonie wegen als Schuhabtreter anzubieten. Damit verfolgst auch Du ein Ziel: Lass mich in Ruhe, ich bin es leid, nie gegen dich anzukommen. Es ist einfacher, die Schuld beim anderen zu suchen, als sich dem eigenen Anteil zu stellen. Erkenntnis ist schmerzhaft, aber sie bringt auch weiter. Was ihr habt ist nicht normal, deshalb bist Du ja auch unzufrieden. Loyal wäre, einen gemeinsamen Nenner zu finden und dazu zu stehen. Was doch das eigentliche Ziel ist, wenn man sein Leben mit einem anderen teilen will.

Bitte erkläre doch mal wie Du das auffängst, einen nicht ausgesprochenen Auftrag nicht ausgeführt zu haben?

Sie vergaß, ein Paket mitzugeben. Das kann sie dir für den nächsten Tag zum Aktenkoffer stellen, gefolgt von einem schönen Abend. Du verstehst dich als loyal in der Rolle des Blitzableiters, der sich, zugunsten eines weniger verdorbenen Abends, nicht wehrt. Wut hast Du trotzdem im Bauch, weil sie es wieder einmal schaffte, dir deinen Stellenwert bei ihr aufzuzeigen. Ich hätte den verdorbenen Abend hingenommen und sie, nach dem Theater, das Paket am nächsten Tag selbst zur Post bringen lassen. Könnte sein, dass Du dann ernst genommen und gehört wirst. Kann es sein, dass Du daran gar nicht mehr interessiert bist und Bestätigung durch uns suchst, um dem eigenen Gefühl wieder trauen zu können?

Freust Du dich überhaupt noch, nach Hause zu kommen? Beschreibe doch mal, wie ein guter Tag für dich aussehen müsste, damit ich mir den vorstellen kann.

Urlaub: Natürlich musst Du dazu stehen, was Du zusagst. Das hast Du aber auch wieder für eine (doch nicht-) Harmonie gemacht, von der keiner was hat, wenn einer widerwillig ja sagt. Schleifen lassen ist nur der scheinbar bequemere Weg, was deine Beispiele eindrucksvoll beweisen.
 
  • #111
Oh, jetzt versteh ich das Problem etwas besser. Du bist sehr harmoniebedürftig und Du bist sehr nachsichtig. Ich gebe Dir vollkommen recht, dass die andere Person es nicht mit Absicht macht und ich finde es auch gut, dass Du nicht gleich auch aufbrausend reagierst. Aber ich muss dazu noch was sagen: Es wird - das ist ganz, ganz harte Lebenserfahrung von mir - Dir nicht als Positives angerechnet, wenn Du keine Grenzen setzt, sondern sie werden immer weiter überschritten, die Person verliert total den Respekt vor Dir. Denn sie ist in ihrer Charakterbildung noch lange nicht so weit, dass sie durch Selbstreflexion mal erkennen könnte, wie sie ist und dass Du eine partnerschaftliche Leistung erbringst, wenn Du nachsichtig bist. Sowas klappt nur, wenn der andere selber weiß, wie stressig, diktatorenhaft und egozentrisch er manchmal ist und sich glücklich schätzen kann, dass er auch in diesen Momenten vom Partner "ertragen" wird, weil der weiß, dass man nicht immer so ist.

Was Du machst ist, dieses Verhalten zu fördern, weil Du keine Grenze setzt. Du nimmst Dich zurück und das sieht für sie so aus, als hättest Du gar nichts in der Hand, sondern wärst ihr ausgeliefert. Man kann auch freundlich eine Grenze setzen, aber wichtig ist, dass man es tut und auch Konsequenzen zeigt (für ne Weile weggehen, wenn wieder die Laune an einem ausgelassen werden soll z.B.). Die Menschen, die Aggressionen und Gedankenlosigkeit an einem auslassen und durch die Nichtsetzung der Grenzen auch nicht mitkriegen, was der andere sich gerade wirklich denkt, halten das Verhalten für Schwäche, und darauf trampeln sie bei anderer Gelegenheit rum.
Männer machen das mitunter gern, dass sie bei Frauen nachsichtig sind, weil sie sie nicht auf Augenhöhe wahrnehmen können und noch mit Beschützerinstinkt im falschen Bereich unterwegs sind, und dann lassen sie sich am Ende permanent annörgeln, schlechtmachen oder gar schlagen. Du bist ihr Partner, Du bist nicht ihr Vater und sie nicht Dein kleines Mädchen, das sich verzogen benehmen darf, weil ihm alles verziehen wird. Wenn Du das nicht einfließen lässt in Dein Verhalten und Handeln ihr gegenüber, wirst Du nie auch mal Deine Interessen durchsetzen.
 
  • #112
Schließe mich den vorigen Beiträgen an und ergänze noch: deine Auffassung von Loyalität ist verzerrt, weil du der perfekte Partner sein möchtest. Du hast den Anspruch an dich selbst, niemals Fehler zu machen. Gleichzeitig "fängst" du ihre Launen "auf", indem du sie entschuldigst und ihr die Verantwortung für ihr Handeln entziehst. Pappt sie dich an, so war SIE es nicht gewesen, sondern ihr Stress auf der Arbeit, oder irgendwas, die Laus auf der Leber eben. Die Laus ist die böse - damit du dir das Ideal deiner Partnerin nicht kaputt machst. Indem du deine Partnerin auf diese Weise idealisierst, kriegst du das Gegenteil von dem, was du dir wünschst. Nicht partnerschaftliches Verhalten, sondern übergriffiges. Und tatsächlich idealisierst du dich auch selbst. Du stellst dich ihr gegenüber dar, als habest du selbst keine Bedürfnisse - z. B. respektvoll behandelt zu werden. Ich habe die starke Vermutung, dass du ein Perfektionist bist. Stimmt das?
 
  • #113
Ich habe die starke Vermutung, dass du ein Perfektionist bist. Stimmt das?
Ja, das bringt es wohl auf den Punkt, danke für diese perfekte Analyse. Insbesondere erklärt sie auch das Scheitern des vorausgegangenen Beziehungsversuchs: Ich wollte vermeiden, daß die Frau mir zuliebe einem anderen die Treue bricht. Sie jedoch deutete mein Zögern vollkommen anders – Menschen scheinen halt oft nicht zu bedenken, daß ihr Gegenüber noch auf einem älteren Wissensstand ist, siehe „Paket”.

Als Kind wurde ich ein paarmal zu unrecht bestraft. Vielleicht ist das der Grund, warum ich Schuldzuweisungen – die ja falsch sein könnten – heute so konsequent zu vermeiden trachte.
 
  • #114
Gewissenhaft, pflichtbewusst, korrekt und ehrgeizig sein sind wichtig, um Erfolg zu haben. Perfektionismus und Ehrgeiz sind nur dann schlecht, wenn wir unsere Selbstachtung und unser Selbstwertgefühl vom Erfolg abhängig machen, und das tust Du m. E. in deiner Beziehung – nach dem Motto, nur wenn ich perfekt bin bekomme und verdiene ich Anerkennung und Liebe.

Perfektionismus hat immer Auswirkungen auf die eigenen Gefühle. Man hat ständig Angst vor Fehlern, Angst zu versagen, Angst vor Ablehnung und Angst vor Erfolg.

Die Ursachen für das Streben nach Perfektionismus liegen – wie Du bereits schon erwähnt hast – in der Kindheit. Wahrscheinlich hast Du nur dann Zuwendung und Anerkennung von deinen Eltern bzw. von einem Elternteil erhalten, wenn Du die Erwartungen erfüllt hast.

Mit Perfektionismus versuchst Du in deiner Beziehung Anerkennung zu bekommen, Ablehnung zu vermeiden und für deine Partnerin unangreifbar zu sein. Ich glaube nicht, dass dich das auf Dauer glücklich macht, weil Du irgendwann den Anspruch deiner Partnerin nicht mehr erfüllen kannst.

Und in Bezug auf den gescheiterten Beziehungsversuch, wolltest Du bestimmt auch perfektionistisch sein, doch leider ist so etwas gerade in der Anbahnungsphase sehr schwierig zu erkennen.
 
  • #115
Perfektionismus ist per se nicht negativ. Negativ ist der dysfunktionale Perfektionismus mit seiner Angst vor Gesichtsverlust und Abwertung und die Abhängigkeit des Selbstwerts von der Anerkennung durch andere. Meist findet sich die Ursache im Elternhaus. Ich denke aber auch an Mobbing, das selbst in mittleren Jahren, eine ähnliche Fehlsteuerung auslösen kann.
Als Kind wurde ich ein paarmal zu unrecht bestraft. Vielleicht ist das der Grund, warum ich Schuldzuweisungen – die ja falsch sein könnten – heute so konsequent zu vermeiden trachte.
Einen Zusammenhang gibt es ganz bestimmt, denn Du hast ja darunter gelitten und das brennt sich in die Seele. Wobei ein paar Ungerechtigkeiten, angesichts der beschriebenen Nachwirkungen, auch die Spitze eines weiteren Eisbergs sein können. Kannst Du dem Perfektionismus auch eine hohe Sensibilität zuordnen, könnte eine traumatische Erfahrung ausreichen, wenn sie unverarbeitet verdrängt wurde.

Es ist nicht so, dass eine Beziehung dominant / untergeordnet (ich schreibe bewusst nicht, unterdrückt) nicht geht. Es sind die Umstände, wie ihr das betreibt. Solche Beziehungen können durchaus glücklich sein, wenn jeder im anderen seinen Erfüllungsgehilfen findet. Wenn einer erst in der Beziehung ein zweites Gesicht auspackt (ich kenne die Berichte nicht, aber scheinbar hast Du solches geschrieben), fühlt sich der andere um seine Erwartung betrogen. Was ist Ursache und was ist Wirkung, wenn Du schwankst zwischen: Was tun, wenn man sich nicht trennen will und: Ich glaube, wir ziehen nicht mehr an einem Strang. Apfeldieb, wo willst Du hin?
 
  • #116
Als Kind wurde ich ein paarmal zu unrecht bestraft. Vielleicht ist das der Grund, warum ich Schuldzuweisungen – die ja falsch sein könnten – heute so konsequent zu vermeiden trachte.
Das kriegt man aber nicht ausschließlich hin, indem man versucht, besonders umsichtig und gut - oder wie man es nennen will - zu sein. Es gibt Menschen, die mit Schuldzuweisung manipulieren. Wenn man darauf anspringt wie ein Pawlowscher Hund und mit Rechtfertigung oder vorauseilendem Gehorsam beim nächsten Mal reagiert, wird man gelenkt durch diese Taktik. Ich sage nicht, dass Du das unbedingt tust, ich will nur sagen, dass das ist eine Achillesferse ist, wenn man sofort darauf anspringt, irgendwelche Situationen zu vermeiden oder sich zu rechtfertigen, statt mal zu überlegen, dem anderen zu sagen "das ist Blödsinn" und ihn stehenzulassen, damit ER drüber nachdenken kann, ob er mit seiner Schuldzuweisung nicht den Bogen überspannt hat.
Ich kenne das ähnlich wie Du und ich kenne auch, dass ich dann in anderen Situationen schon vorher wusste, dass ich beschuldigt werde und dann auch noch so reagiert habe, dass das danach aussah, als sei ich es wirklich, weil die andere Person mein Verhalten als Rauswinden deutete. Heute weiß ich, dass es gar nicht unbedingt um die Wahrheit ging, sondern darum, sich abzureagieren an jemandem, der sich wie ein Opfer verhält, weil er durch das, was er schon erlebt hatte, sich automatisch schon duckte.
Man muss seine Schwachpunkte merken und sich darin stärken, sonst schießt man sich selber ins Bein damit, dass man wieder und wieder auf diesen Knopfdruck reagiert.
 
  • #117
dem anderen zu sagen "das ist Blödsinn" und ihn stehenzulassen, damit ER drüber nachdenken kann, ob er mit seiner Schuldzuweisung nicht den Bogen überspannt hat.
Genau das ist auch meine Methode, solchem Unfug zu begegnen. Auch wenn es mir natürlich gegen den Strich geht, meiner Partnerin’ Erzieher zu sein. Ich hadere ganz allgemein auch damit, meinen Selbstanspruch verstecken zu müssen, nur um daraus resultierende Disharmonien zu umschiffen. Erst recht, wenn die verschiedenen Ansprüche miteinander kollidieren, wie es mir eben einmal in einer besonders heiklen Situation passiert ist: ich sah ein stummes „du würdest mit mir schlafen, obwohl du weißt, daß ich noch gebunden bin?” (Selbstanspruch Treue) vor mir, gleichzeitig aber auch ein „denkst du, ich würde mich hier so hinlegen, wenn ich noch gebunden wäre?” (Selbstanspruch Logik). Nun ja, das gehört nicht in die aktuelle Beziehung, aber es hat mich wohl sehr geprägt.