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Gast

  • #1

Woher kommt die negative Einstellung?

Vorsicht ist besser als Nachsicht, schon klar. Jeder hat heute genügend Möglichkeiten, zu prüfen, ob es jemand ehrlich meint oder nicht. Ein gesundes Maß an Menschenkenntnis ist hilfreich, eigene Erfahrungen sowie die Beobachtung des eigenen Umfeldes (inkl. Familie und Freunde) machen einen vorsichtiger. Aber wenn ich mir hier die threads so durchlese, ist ein stark negativer Tenor zu beobachten. Die potenziellen Partner werden ja schon fast als Verbrecher "behandelt", beinahe alles wird auf die Waagschale gelegt und bewertet. Drum prüfe wer sich EWIG bindet, ok, aber bei einem netten Kennenlernen gleich kriminelle Energien entdecken? Sind die diversen Medienberichte in denen tatsächlich über Straftaten in allen Variationen berichtet wird mit verantwortlich? Warum das große Misstrauen? Natürlich will ich nichts verallgemeinern, ich beobachte (nicht nur) hier einen leichten Hang zum Misstrauen und negativen Unterstellungen. Wie seht ihr das? w.29
 
  • #2
Liebe Fragestellerin!

PSYCHO-GRÜNDE
Ja, klar, der negative Tenor ist schon nicht zu übersehen, aber das hat auch ganz banale psychologische Gründe: Keine sucht dieses Forum, um dann zu schreiben, dass er zehn ganz normale, nette Kandidaten getroffen hat, aber leider keine passte. Das ist eine triviale, langweilige und auch von allen erwartete Sachlage. Wenn aber ein Kandidat sehr stark geschummelt hat, oder dich richtiggehend verarscht hat, wenn er geradezu groteske Ansichten hatte oder frech wurde, dann ist das ein Grund, darüber zu berichten.

Das ist doch in allen anderen Lebenssituationen genauso. Wir berichten nicht über hunderte Autofahrer, die ganz normal fuhren, sondern nur über den einen, der uns die Vorfahrt genommen hat. Jedder kluge Mensch weiß, dass man hier von einer AUSNAHME berichtet bekommt und trotzdem lernen wir daraus: Wachsam autofahren, an der bestimmten unfallträchtigen Kreuzung vielleicht besonders aufpassen oder möglichst nicht mit dem Uwe fahren, der so gefährlich dicht auffährt.

ONLINE-BESONDERHEITEN
Zweitens hat doch die Online-Partnersuche schon einige Aspekte, die sie grundlegend von der bisher gewohnten Partnersuche unterscheidet. Im Freundeskreis, im Verein, auf der Arbeit lernen wir Menschen kennen, deren Identitä wir uns sicher sein können, die auch andere Menschen kennen und die sich Frechheiten, Übergriffe oder gar Straftaten gar nicht leisten könnten, weil sie Dir persönlich sicher bekannt sind und auch weiterhin im sozialen Umfeld interagieren werden. Hier empfinden wir zu recht eine gewisse Sicherheit durch längere Bekanntschaft und soziale Integration.

Ganz anders beim Online-Dating: Wildfremde Menschen, denen wir uns aufgrund von ein paar Mails schon nahe fühlen, aber über die wir faktisch rein gar nichts wissen -- alles KANN gelogen sein. Name, Alter, Beruf, Wohnort -- in Wahrheit ist nur die Chiffre bekannt und nichts anderes ist sicher. Ein echtes bauchgefühl kann sich hier gar nicht entwickeln, weil letztlich alle Texte gefälscht sein können, ja sogar vom anderen Geschlecht, von drastischen abweichenden Alter, vom Aussehen, Körpergröße und Figur ganz zu schweigen. Vorsicht und Wachsamkeit ist hier also sogar angebracht und nicht etwa eine unnötig negative Einstellung.

Faktisch sieht es so aus, dass man bei recht sorgfältiger Vorauswahl durchaus sehr positive Erfahrungen macht. Ich habe mich mit recht vielen EP-Mitgliedern getroffen und kein einziger machte einen gefährlichen Eindruck, niemand hatte mich fundamental angelogen, auch Alter und Statur passten immer halbwegs. Fakt ist aber auch, dass andere Mitglieder hier durchaus auch mal negative Erfahrungen machen mit Männern, die mit ihrer Körpergröße schummeln, oder mit Frauen, die ihr erhebliches Übergewicht verheimlichen. Dritter Fakt ist aber zum Glück auch, dass echte Betrüger hier offensichtlich sehr selten sind, was wiederum beruhigend ist.

Schlussfolgerung ist für mich: Ja, sei gewarnt, sei wachsam, verwende Deinen gesunden Menschenverstand und beachte alle Tipps für ein erstes Date! Sei Dir bewusst, dass diese Menschen wildfremd sind, auch trotz der Mails. Lerne ihn ab dem ersten Live-Treffen noch einmal komplett neu kennen, achte auf Unstimmigkeiten und Widersprüche, hake rechtzeitig nach und versuche schnell, das soziale Umfeld zu ergründen und Fakten sicherzustellen wie zum Beispiel Festnetztelefon, Adresse, voller Name. Dann ist der Kandidat plötzlich ein normaler Bekannter.
 
  • #3
Ich glaube in der Tat, dass mit den negativen Erlebnissen und der jeweils negativen eigenen Einstellung ein Zusammenhang besteht.
Wie in einem anderen Thread, "er reagiert nicht unmittelbar auf eine SMS", kann fast alles negativ oder positiv ausgelegt werden. Wer aber dazu neigt, alles negativ auszulegen, wird unbewusst die Weichen auch für negative Erfahrungen legen (selbsterfüllende Botschaft).
Deshalb rate ich auch dahingehend, das eigen Selbst zu beleuchten und ggf. zu ändern.
 
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Gast

  • #4
FS-in zu Frederika:
Ich stimme zu 1000 Prozent mit deiner Ansicht überein.
Jedoch spreche ich auch über diverse Fragen zu Figur, Automarke, Allergien etc. Viele machen sich offenbar Gedanken darüber, nicht zu genügen und das wird erbarmungslos bestätigt. Dass Geschmäcker und Vorlieben verschieden sind, ist klar und notwendig, aber die Toleranz scheint oftmals (NICHT IMMER) zur Gänze zu fehlen. Heißt der Tenor: "Funktioniere so wie ich das will damit du meine Liebe verdienst?" Die herrliche Vielfalt, die es gibt, wird eher verachtet statt geschätzt.
Und diverse Unsicherheiten trägt jeder in sich, ob 18 oder 80. Deshalb halte ich das Forum für sehr gut. Doch aus manchen Fragen wird SOFORT negativ geurteilt, was auf eine negative Grundhaltung zurückzuführen ist. Oder?
 
  • #5
@1: Das Bewusstsein, dass es zunächst nur projizierte Nähe bei Plattform-Begegnungen gibt, ist ganz gewiss vielen hier nicht (ständig) zugegen. Deshalb ist große Vorsicht geboten, nicht aber ständig vorauseilendes Misstrauen. Auch halte ich das Forum nicht zwangsläufig für eine Art Müllabladeplatz, sondern für eine Informationsquelle und Austauschmöglichkeit bezogen auf überwiegend Positives.
@2: Auch ich bin eigentlich stets gut damit gefahren, Aufklärung abzuwarten, statt Vorurteile auszustreuen, deren Bewahrheitungsgrad doch oft sehr niedrig ausfällt.
@3: Ja - wir bemühen uns vielfach ums Ausmalen und Abgleichen, statt ums Entdecken. Darin liegt gerade in partnerschaftlicher Hinsicht viel Gelegenheit zum vorzeitigen Abwinken.
 
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Gast

  • #6
Ja, das ist auch mein Eindruck. Ich (w,29) habe selbst schon, sagen wir: vier Beziehungen/Anfänge erlebt, aus denen ich solche Weisheiten ableiten könnte, die eher immer vom Worst Case ausgehen... und immer schnell dabei sein, zu sagen: Finger weg, das wird nicht gut werden, er/sie hat die und die Probleme/meint es nicht Ernst/ hat Psychobrobleme/Beziehungsangst/ein schwaches Selbstbewusstsein/ist verheiratet...
Ich mag das nicht - und doch denke ich, dass diese "Negativeinstellungen" meistens leider wirklich auf entsprechenden Erfahrungen beruhen.
Und zu der "self fullfilling prophecy": ja, schon... was man erwartet, das bekommt man schon alleine deswegen meistens, weil man auch nur das sieht, was die Erwartung bestätigt (und das andere, was auch da ist, übersieht man). Aber zB ich bin, wenn ich mich verliebe, sofort ohne jeden (zumindest bewussten) Zweifel, vertraue immer wieder und glaube daran... nur gibt es echt viele kaputte Typen. Sind nicht böse oder machen so ein Mist vorsätzlich... aber es reicht, wenn Ängste oder Unreife oder was auch immer sie gedankenlos und verantwortungslos handeln lassen... insofern gibt es nun mal genug Geschichten, die diese negativen Einschätzungen rechtfertige. Trotzdem würde ich auch selbst immer wieder erst einmal daran glauben wollen, nicht gleich die Flinte ins Korn werfen bei ersten Schwierigkeiten... und: selbst wenn es dann weh tut und man denkt, dass man viel früher hätte gehen sollen... man überlebt es. Und geht hoffentlich produktiv damit um, so dass man nicht auch noch Mitglied im großen Lager der Beziehings-Geschädigten und -Geängstigten wird...
 
  • #7
ich muss auch sagen, das der Grundtenor scheinabr von vielen negativ ist und eigentlich hinter jedem möglichen Date ein Schwerverbrecher vermutet wird. Natürlich ist eine gewisse Vorsicht sinnvoll und einzuhalten, aber die muss nicht mehr sein, als wenn man einen unbekannten Mann in der Disco kennenlernt und sich am nächsten Tag mit ihm verabredet. Aber ich denke, viele hier in der Onlinepartnersuche sind total frustriert. Und wenn man im Reallife einen Partner sucht, dann hat man zumindest noch Spaß dabei, weil man raus kommt und weg gehen kann. Hier ist das eben alles etwas anders