A

Apollo

  • #1

Wieviel Albernheit verträgt eine Beziehung?

Welche Formen der Albernheit haltet ihr angebracht? Welche Formen sind das ultimative No-Go? Was wäre für euch absolut infantil in der Hinsicht?
 
M

Marianne

  • #2
Wenn ein Mann seine Stimme verstellt und denkt, er sei witzig. Also da möchte ich ins nächste Loch versinken. Ansonsten bin ich jedem Schmähhäferl gegenüber aufgeschlossen, aber es muss eben auch da die Chemie passen...
 
G

Gast

  • #3
Eine "sterile" Beziehung, in der jedes Wort wohlbedacht gewählt wird, wäre nichts für mich. Mir würde eine Frau verdammt viel Lebensfreude stehlen, wenn ich nicht mehr albern sein dürfte. Bis jetzt war das auch kein Problem. Sie mußte sich daran allerdings ersteinmal gewöhnen. Zur Höchstform darf ich erst später auflaufen. Erst wenn Frau erkennt, dass neben der kindischen Albernheit, genausoviel Ernsthaftigkeit vorhanden ist, alles noch zum richtigen Zeitpunkt, ist das eine Partnerschaft, die für mich "göttlich" ist. Was gibt es Schöneres, als sein zu dürfen, wie man ist?

NoGo's? Albernheit zu benützen, ihn/sie -bewußt- nicht mehr ernst nehmen, aber dafür lächerlich machen zu wollen.
 
  • #4
Humor und Albernheit muss einfach zur Situation passen -- ansonsten habe ich da keine kategorischen Einschränkungen. Gemeinsames Lachen, Lästern und Scherzen ist aber auf jeden Fall positiv -- anders wäre das Leben doch eher langweilig.
 
G

Gast

  • #5
Ich verstehe die Frage nicht.

Wenn es beiden gefällt auf allen vieren schnurrend durch das Schlafzimmer zu krabbeln um sich dann glücklich in die Arme zu fallen....? -:) Wem´s gefällt.

Spaß haben ist individuell. Auf jeden Fall fördert es die Beziehung, wenn man gemeinsam viel lacht. Ich persönlich habe sehr viel Humor, ein spaßarmer Mensch wäre für mich wohl nicht das Richtige. Mir gefällt am liebsten Humor auf der verbalen Ebene, der spontan kommt und in die Stimmung paßt.Nervig finde ich Dauer-Witze-Erzähler.

Ansonsten: wie schön kann ein Tag sein, an dem man viel zusammen gelacht hat oder sogar fast Tränen lacht! Das gehört für mich unbedingt dazu. Also austesten!
 
G

Gast

  • #6
Alberheit, Spass und Witz endet, wenn die Würde verletzt wird. Ab da beginnt die No-go-area.

Infantilität ist ebenso eine Verletzung der Würde.

Wie man's wendet: dies ist das Kriterium für mich.

Innerhalb dessen ist alles erlaubt und immer auch eine Sache des gottseidank göttlich ungezwungenen Moments...
 
A

Apollo

  • #7
#5 Witze machen kann man außerdem nur auf Kosten des Dritten. Gemeinsames Lästern und Schmähen stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Außer Frederika und mir scheint dies kaum jemand hier zu wissen.

Daß deutsche Idealisten keinen Sinn für Ironie und Zynismus haben, ist in der zivilisierten Welt bekannt wie befürchtet. Mit der Würde anderer gehen sie um, als wäre sie ihr Eingentum, über das sie die Definitionsgewalt besäßen.
 
  • #8
thema lachen, habe ich ein natürliches talent, also gezielt witze machen ist bei mir gar nicht nötig und wenn ich witze mache, dann meist auf eigene kosten, verfühge da über eine gute portion selbstironie.
 
A

Apollo

  • #9
#8 Witze machen über andere schließt bei mir keine Selbstironie aus. Da sind wir vielleicht einer Meinung.
#5 Also nochmal von vorne, weil mein Beitrag #6 von der Zensur gelöscht wurde. Meine Antwort auf den dräuenden Ernst: Was hat Albernheit mit Verletzung von Würde zu tun? Wie kommt es zu dieser Verknüpfung überhaupt?
Es heißt, die Würde des Menschen sei unverletzbar. In liberalen intellektuellen Kreisen macht man sich über diese Floskel des deutschen Idealismus seit eh und jeh lustig. Neu ist das auch nicht, denn das machte ihnen Max Stirner und nach ihm Friedrich Nietzsche im 19. Jahrhundert vor. Wer definiert denn, was Würde ist, wenn dafür eh keine allgemeingültige Definition gibt? DER MENSCH ist ein theoretisches Abstraktum. In Wirklichkeit gibt es nur MENSCHEN, deren Würde keine Abstraktion, sondern Wirklichkeit ist. Nur sie können sie bestimmen, wenn sie es können, niemand außer ihnen. Und ihre Würde ist so eigenartig wie sie einmalig ist.
Was hat Albernheit mit Verletzung von individueller Würde zu tun??? Wessen Würde bitte ist damit verletzt, wenn ich albern bin? Meine eigene oder die meiner Freundin? Auch Kinder sind in der Regel sehr albern. Wessen Würde verletzen sie denn mit ihrer Albernheit? Ihre eigene? Die ihrer Eltern? Oder etwa die der Kindergärtnerin? Bitte die Kirche im Dorf lassen. Oder noch besser: Bitte auf Spatzen nicht mit Kanonen schießen.
 
H

Hannah

  • #10
#Apollo
es ist leider sehr gut möglich die Würde eines nahestehenden Menschen zu verletzen in dem man sich öffentlich über ihn amüsiert bzw ihn bloß stellt.
Oft bemerkt das Umfeld noch nicht einmal die versteckte Spitze, die jemand seinem Partner oder anderen da entgegenbringt.
Find ich persönlich gar nicht zum Lachen.
Manchmal tarnt sich Bösartigkeit und Gehässigkeit als Humor, da hörts bei mir auf und mein Humor kann durchaus sehr ironisch sein.
 
A

Apollo

  • #11
Die Würde ist nicht verletzbar, die Eitelkeit oder der Stolz schon. Und warum sollte man nicht ironisch oder zynisch sein dürfen? Weil es jemandem nicht gefallen könnte? Ob ein Mensch mir nahe steht oder nicht, kann ich seine Würde nicht verletzen, selbst, wenn ich es wollte, da ich nicht weiß, was Würde bedeutet. Auf deiner Argumentationsschiene kann jeder kommen und sagen, daß diese oder jene Kritik zu vernichten und zu verschwinden sei, weil er sich in seiner Würde verletzt fühle. Woran verifizieren wir denn seine Behauptung? Woran verifiziert er sie? Über das Würde- und Diskriminierungsgeschwafel kann man wirklichen Gesinnungsterror und Zensur ausüben. Man härte sich ab. Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.

Würde ist schon deshalb nicht verletzbar, weil sie keinen Gegenstand darstellt. Man meint vielleicht physische oder seelische Verletzung und bezeichnet sie leider fälschlicherweise als Verletzung der Würde.
 
P

Persona grata

  • #12
Es heißt richtig: Die Würde des Menschen ist unantastbar (nicht unverletzbar). Sie ist nämlich durchaus verletzbar. Wenn eine Hella von Sinnen von sich selbst als "die dicke Frau" spricht, dann ist das Selbstironie, wenn ein Anderer das über sie sagt, dann ist das durchaus verletzend. Und im übrigen gilt: Albernheit: Man muss Geist haben, um ihn aufgeben zu können (Heinrich Böll).
 
A

Apollo

  • #13
Es gibt keine Möglichkeit, empierisch nachzuweisen, was Würde sein soll und ob es sie überhaupt gibt. Jeder redet davon, aber keiner weiß es. Es ist nur ein Wort ohne Subjekt. Die Frage bleibt also im Raum: woran verifiziert man die Verletzung einer Würde und woran falsifiziert man seine Nichtverletzung? Reicht es, wenn jemand dies behauptet und herumkrakeelt? Vor Gericht zählen nur Beweise.

Unantastbarkeit ist ein anderes Wort für Verletzung einer Würde im Sinne des Gesetzes. Da es jedoch immer wieder zur Verletzung einer Würde kommen soll, zeigt das nur die ultimative Ohnmacht solcher schöngeistigen Sprüche. Unantastbarkeit der Würde ist auch so eine Tautologie: was nicht materieller Herkunft ist kann man nämlich gar nicht ertasten, antasten, berühren usw.

________________________________________
MODERATION: Bitte das Thema beachten!
 
G

Gast

  • #14
Also das Leben soll grundsätzlich Freude machen und somit soll auch in einer Beziehung Platz sein für Spass, Humor, Witz, Fröhlichkeit, tiefsinniger Unsinn. Auch Ironie und Sarkasmus können lustig sein

No-Go's sind sich auf Kosten anderer lustig machen, Zynismus gegenüber anwesenden Personen, sexistische oder rassistische Witze, Sauglattismus, Spott, Hohn, Süffisanz. Diese Formen empfinde ich persönlich in den seltensten Fällen als lustig. Selbst die ewig kalauernden Zeitgenossen wirken auf mich eher bemühend als lustig. Diese Arten von Humor könnte ich mir in einer Partnerschaft nicht vorstellen.
 
G

Gast

  • #15
Ein Witz ist immer auf Kosten des nicht anwesenden Dritten. Bitte hierzu Siegmund Freuds "Theoretische Abhandlung über den Witz" lesen. Da findest du erörtert, was Witz, was Humor, was Ironie und was Zynismus usw. ist.
Selbstironie hat mit Humor zu tun. Man selbst ist ja nie Gegenstand eines Witzes, dessen Subjekte immer etwas Allgemeines darstellen: eine Frau, einen Mann, eine Ethnie, eine Nation, eine Rasse, einen Berufsstand usw.. Die Menscheit läßt sich zum Glück nicht zum halsstarrenden Ernst bekehren. Man muß natürlich wissen, wem man eine bestimmte Sorte von Witz erzählen kann und wem lieber nicht erzählen soll. Das reicht. No-Go ist in solchen Situationen ein No-Go. Lachen ist Befreiung aus den ketten des No-Go.