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Gast

  • #1

Wie wir als Kind behandelt wurden, so behandeln wir uns ein Leben lang?!

Dieser Satz stammt von Alice Miller - hab ich vor Tagen gesichtet und es interessiert mich, ob Ihr diesem Satz für Euch zustimmen könnt. Ich habe mich viel mit Männern getroffen, die mir eigentlich nicht gut tun, die mich nicht ernst genommen haben, hatte Bezieh. m Männern, die mir auch nicht gut taten, sie bevormundeten mich, machten mich klein bis hin zur Beleidigung. Ich ließ mir das meist irgendwie gefallen, dauerte immer lang, bis ich mich trennte. Jetzt dieser Satz und mir wird klar, dass ich mich selbst nicht ernst nehme, dass ich selbst wohl irgendwie nicht viel von mir halte, meine Eltern und Großeltern (wir wohnten alle in einem Haus) zeigten nie viel Interesse an mir, im Gegenteil. Wie seht ihr diesen Satz von A.Miller? Könnt Ihr da auch Parallelen ziehen in Eurer Geschichte? w/39
 
  • #2
Nein, gilt für mich und meine Geschwister absolut nicht. Auch meine Liebste macht es anders. Allerdingd machen wir alle es bewusst anders als unsere Eltern weil wir uns bewusst gemacht haben dass es nicht gut war.
 
  • #3
Wenn der Satz wahr wäre, müßten Geschwister (insbesondere Zwillinge), die von ihren Eltern gleich behandelt wurden, andere Menschen gleich behandeln. Dem ist aber nicht so.

Das heißt nicht, daß uns unser Elternhaus nicht prägt. Aber dieser Satz suggerierte eine eindeutige Wenn-Dann-Beziehung, die es nicht gibt. Beispielsweise kann sich Verhalten der Eltern darin auswirken, daß Kinder sich anpassen und fügen, aber auch daß sie Trotz- und Gegenreaktionen zeigen. Beides führt in völlig gegensätzliche Richtungen. Außerdem gibt es in der Entwicklung eines Menschen keine Monokausalität.
 
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Gast

  • #4
Kann passieren, muss aber nicht. Wenn es so ist, kannst du lernen, davon loszukommen.
 
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Gast

  • #5
Danke #1, hier die FS. Es geht mir nicht darum, dass wir heute anders erziehen wie unsere Eltern oder uns insgesamt anders verhalten. In dem Satz von AliceMiller gehts ja darum, dass jeder Mensch von irgendwelchen Erziehungsberechtigten behandelt wurden, das ist ja eine Prägung, wurde zB einem jungen Menschen, einem Kind immer wieder von Elternseite aus signalisiert, dass es gut ist, dass es gescheit ist oder dass sie dem Kind viel Aufmerksamkeit und Liebe geben, es einfach liebevoll behandeln, dann ist das doch eine Prägung für das Kind, was es mit ins Erwachsenenleben nimmt und wird sich selbst sicher auch mehr liebevoll behandeln, also so, dass es sich selbst ernst nimmt und von sich selbst eine gute Meinung hat. Umgekehrt gibt es aber auch Erwachsene, die als Kind eben nicht liebevoll behandelt wurden und sich als Erwachsene dann selbst nicht gut behandeln bzw. genauso mit sich selbst so umgehen, wie es die Eltern mit ihnen machten.
 
M

Mooseba

  • #6
Doch, liebe Fragestellerin, ich denke, da ist was Wahres dran. Und jetzt, wo du es feststellst, kann auch die Umkehr erfolgen.

Unsere Familie war und ist sehr stabil, aber immer auch sehr kühl. Gefühle hatten sich der Disziplin und dem Sich-benehmen unterzuordnen. Es waren also nur die erwünschten wie gute Laune und Freundlichkeit erlaubt, schlechte Laune hingegen war rechtfertigungspflichtig ("Du hast doch alles.") und Wut gar komplett verboten - bei den Kindern wohlgemerkt. Gleichzeitig wurde das Lernen und die Arbeit in den Vordergrund gestellt, eine Freundin zu haben, interessierte nicht besonders - wäre nett, sollte aber auf keinen Fall die schulische Laufbahn stören. Deshalb hat heute dieser Teil des Privatlebens meine Familie auch nicht zu interessieren.

Und dieser mangelnde Umgang mit den eigenen Gefühlen, bzw. dieses fehlende Bewusstsein über die eigenenen Gefühle war sicherlich auch für mein mangelndes Selbstwertgefühl verantwortlich. Nein, ich wurde auch oft von meinen Eltern gelobt, so war es nicht. Aber die emotionale Unterstützung fehlte eben - es war sehr einseitig auf das Funktionale beschränkt. Und somit funktionierte ich auch: Ich habe studiert, war stets fleißig, hervorragend darin, sich zu etwas zu zwingen - und meine erste Freundin habe ich erst vor kurzem gefunden. Viele Jahre war mein Selbstumgang sehr unterkühlt.

Lass dich von Männern nicht bevormunden und runtermachen. Und solche Männer sind nach meiner Ansicht auch keine echten Kerle, sondern haben wahrscheinlich Minderwertigkeitskomplexe, für die sie Frauen mit wenig Selbstbewusstsein benötigen.

m, 28
 
  • #7
Sicherlich gibt es Winflüsse die man aus der Kindheit mitnimmt. Aber zu deiner Beruhigung der mensch ist lebenslang lernfähig und kann durchaus ein paar Entscheidungen für sich fällen.
Die Hirnforschung zeigt das ganz klar.

Wer einen Hang zu Feuer hat, kann Pyromane werden oder zur Feuerwehr gehen (manche machen auch beides).
 
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Gast

  • #8
Nein, gilt für mich auch nicht mehr. Habe jahrelang Therapie gemacht, um aus den Mustern rauszukommen.

Viele Menschen sind aber schon so "krank", dass sie gar nicht mehr wahrnehmen, wie schlecht sie sich selber behandeln (Ernährung, Übergewicht etc.) und wo die wahren Ursachen zu suchen sind, dass sie sich selber so schlecht und auch andere Menschen so behandeln.

Die von dir beschriebenen Männer "durfte" ich auch kennenlernen. Die merken ja selber nicht, dass sie andere Menschen, auch Frauen, abwertend behandeln.Das ist ja das Drama an der Geschichte. Das Wort Drama finden wir bei Alice Miller glaube ich auch, ne?

Nur um vorzubeugen: Es gibt auch viele Frauen, die so drauf sind. Aber ich stehe ja auf Männer und schreibe deswegen speziell von denen :).

Ich wünsche dir, liebe FS, dass du es schaffst, deine Geschichte aufzuarbeiten. Rechne aber bitte damit, dass 80% aller Menschen so negativ drauf sind. Wenn man sich geändert hat, und andere Maßstäbe legt, wird man leider doch in gewisser Weise einsam, weil es von den guten 20% Menschen (auch Männer!), so wenige gibt.

w 47
 
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Gast

  • #9
Ich sehe da auf jeden Fall Parallelen. Bei mir war es so, dass meine Eltern mir immer extrem viel Aufmerksam geschenkt und emotional und finanziell sehr verwöhnt haben. Alles hat sich irgendwie um mich gedreht, trotzdem haben sie mir sehr viele Freiheiten gegeben, weil das Vertrauen sehr groß war. Ich kann sagen, dass ich die perfekten Eltern habe, was sich dann aber in der Beziehung als schwierig erweist, da ich das Selbe nicht von meinem Freund erwarten kann! Wenn ich zu wenig Aufmerksamkeit bekomme oder sich irgendwas anders ergibt, als das, was ich von meinen Eltern erwarten würde, kann ich ganz schön giftig werden.
 
  • #10
@4 Um konkret zu werden, sonderlich liebevoll war mein Elternhaus nicht. Unserem Vater waren wir relativ egal, er war auch recht selten überhaupt da. Wir haben dann jeder für sich beschlossen dass wir das nicht wollen und achten sehr auf uns. Gehen achtsam mit uns selbst und damit auch mit unseren Mitmenschen um.

Wichtig dabei war eben die Selbsterkenntnis und dass das was vorglebt wurde ungut für uns ist. Sicherlich war da die Geschwisterliche Unterstützung und Aufklärung ein wichtiger Baustein.
 
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Gast

  • #11
@7: Danke für den Beitrag, ich denke aber, dass wenn man sich selbst gut behandelt, also sich selbst genug ernst nimmt, sich selbst wert schätzt etc., dass man dann gar kein Interesse mehr an den für sich selbst sog. "schlechten" Menschen. Außerdem möchte ich eigentlich niemanden als "schlechten" Menschen bezeichnen, sondern eher die Kategorie: dieser Mensch passt zu meinen Werten und Vorstellungen oder dieser Mensch ist anders (nicht schlecht!), passt nicht zu mir, ist befremdlich für mich.
 
  • #12
Die Kernaussage des Satzes stimmt nicht, sondern ist sogar grundlegend falsch. Manche verhalten sich ähnlich wie ihr Elternhaus, anders ganz anders. Geschwister sind oft ganz unterschiedlich, obwohl sehr ähnlich erzogen.

Die Kindheit ist mit Gewissheit wichtig für das Bilden von Urvertrauen und Selbstbewusstsein, möglicherweise auch in gewissen Aspekten für Liebes- und Beziehungsfähigkeit. Aber eine 1:1-Beziehung zwischen "wie wir behandelt wurden" und "wie man sich selbst behandelt" gibt es beim besten Willen nicht -- die Lebenserfahrung zeigt alle möglichen Ausnahmen in beide Richtungen.
 
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Gast

  • #13
@Frederika, die FS: Ich glaube, es wird hier etwas falsch verstanden. Es geht nicht um die Erziehung, sondern darum, wie sich jeder einzelne behandelt gefühlt hat betreffend seiner eigenen Persönlichkeit und das ist selbstverständlich bei jedem Kind anders und fühlt sich auch für jedes Kind anders an. Ich finde diesen Satz von A.Miller hochinteressant, aber irgendwie scheint er von vielen falsch verstanden zu werden.
 
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Gast

  • #14
Auf jeden Fall ist da was dran. Erlebnisse und Erziehungsmuster in der Kindheit begleiten uns das ganze Leben. Nicht umsonst wird in jeder Therapie ganz besonders die Kindheit und das Elternhaus als erstes beleuchtet. Zeigt also deutlich, dass besonders in der Kindheit angelegte Ängste (Verlustangst, Beziehungsangst) nicht so einfach abgelegt werden können, wie einige hier versuchen glaubhaft zu machen.
Warum wird bei kriminellen immer wieder auf die schlimme Kindheit verwiesen, wenn alles erlebte so leicht zu händeln wäre??!!
Erich Fromm schildert in seinem Buch "Die Kunst des Liebens" sehr eingehend, welche Auswirkungen verschiedener Elternmodelle auf das spätere Leben des Kindes hat.
Ein Beispiel erlebe ich gerade selbst. Meine (Scheidungs-)Kinder sind heute erwachsen und werden sehr von den Jungs umgarnt. Aufgrund ihrer Erlebnisse und Zurückweisung, die sie von kleinauf durch ihren Vater erfuhren, lassen sie keinen Jungen näher an sich heran, aus Angst vor eventueller Verletzung.

Viele, viele Auswirkungen die in der Kindheit liegen, machen sich zudem erst im Alter bemerkbar
da man nicht bis zum Tode alles verdrängen kann.
Sorry, aber ich glaube niemandem, der sagt, er sei absolut frei von diesen Einflüssen!
 
G

Gast

  • #15
Ja, natürlich ist die Kindheit prägend. ABER: damit kann man sich auseinander setzen und man kann (bewusst) anders werden. Es gibt also keinen Automatismus, und das kann auch nicht die eigene Generalentschuldigung für sich selber sein. Denn die Menschen sind lernfähig, auseinandersetzugnsfähig (auch mit sich selber), sie können sich Hilfe holen, und manche schaffen es auch ohne. Aber das setzt Erkenntnis voraus, egal, an welchem Punkt und wodurch sie entsteht. Und da scheinst du ja auf einem guten Weg zu sein, indem du erkannt hast, dass du dich selber nicht wichtig genug nimmt und sich das auch in deinem Beziehungsverhalten widerspiegelt. Inwieweit das mit deiner Kindheit zusammenhängt, wirst du in der weiteren Auseinandersetzung mit dir selber erfahren.

Aber meine Erfahrung ist, dass es eben keinen Automatimus gibt, wie Menschen welche Erfahrungen verarbeiten. Menschen, die in der Kindheit ihren Eltern nie besonders wichtig waren oder das so wahrgenommen haben, könnten z.B. auch genau eine andere Schlussfolgerung ziehen und müssen immer im Mittelpunkt stehen.

Viel Glück dabei, deinen Weg zu finden
 
G

Gast

  • #16
Liebe FS, ja Du hast völlig recht, bzw. Alice Miller! Mit deiner Selbstwertschätzung und deinem Selbstbewusstsein stimmt etwas nicht. Du hast erkannt, dass die Ursachen für diesen Mangel wohl in deiner Kindheit zu suchen sind. Das eigene Leben wird nur gelingen können, wenn wir Liebe erfahren haben. Die erste Liebe seines Lebens erfährt der Mensch normalerweise durch die Mutterliebe. Eine absolut selbstlose Liebe. Wer als Kind diese nie oder nur unzureichend gespürt hat, dieses warme Gefühl das zugleich Vertrauen, Sicherheit, Wertschätzung verleiht, wird sich als Erwachsener schwer tun, sich selbst zu lieben, geschweige denn andere Menschen lieben zu können. Eine Erkenntnis die ganz tief in unserem Unterbewusstsein vergraben liegt.
Häufig ist es nur mit Hilfe eines Fachmanns möglich diese Defizite und Zusammenhänge beim Erwachsenen aufzudecken und eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Ein ebenso schwieriger wie langwieriger Prozess, wer sich darauf einlassen möchte.
Nicht weniger problematisch kann auch eine Überverwöhnung des Kindes werden, wie # 8 es bereits angedeutet hat. Kinder die im Status kleiner Prinzen und Prinzessinnen aufwachsen sind als Erwachsene mit geringer Frustrationstoleranzgrenze schnell enttäuscht, sobald sich nicht alles nur um die eigene Person drehen sollte.

Alles Gute, liebe FS, auf dem Weg zur Erkenntnis und Veränderung.
 
G

Gast

  • #17
Veto! Ich hatte auch kein liebevolles Elternhaus. Trage jedoch soviel Herzenswärme und Liebe in mir selbst, dass ich jederzeit genug davon verschenken kann. So, wie ich behandelt wurde, will ich niemanden behandeln! Das ist mein Leitfaden.
 
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Mooseba

  • #18
Liebe #16,
das ist bei mir exakt genauso der Fall. Aber erst nach einem Sich-bewusst-machen, erst nach der Einsicht gemäß der Aussage der FS. Aber vielleicht war diese Einsicht bei dir nicht notwendig. Am Ende kann als Fazit wahrscheinlich nur wieder stehen, dass jeder Mensch von der Veranlagung anders ist und unterschiedlich gut oder schlecht mit halbguter Erziehung umgeht.
 
G

Gast

  • #19
Ja ich gebe der FSin recht. wie man in der Kindheit behandelt wurde so verhält man sich unbewußt im Erwachsenenalter.
Schauen wir doch auf das primitive Berufsleben, die ähnlichen Charaktere von Berufsgruppen sowie zahlreiche Volksweisheiten a la "Die Gosse bekommt man aus einem Menschen nicht heraus (auch nicht mit Anzug und Krawatte)".
Deshalb gibt es doch soviele verhaltensauffällige Menschen (und immer mehr Jugendliche aus zerrütteten Elternhäusern).

Wer es nicht glauben mag der träumt auch bei Tageslicht !
 
G

Gast

  • #20
Ich find gerade den Satz von ihr jetzt nicht so sensationell.
Als sie ihn geschrieben hat, war es wahrscheinlich noch neu, revolutionär, aber heutzutage ist diese Erkenntnis doch ein alter Hut. Natürlich werden wir stark durch unsere Kindheit geprägt und viel mehr ist aus diesem Satz allein nicht herauszulesen. Ich hab mal gehört, dass man sich nur sehr bedingt und mit viel Arbeit ändern kann, es ist möglich und man sollte es unbedingt tun, wenn man leidet, aber leicht ist es nicht, v.a., weil ja sehr viel unterbewusst abläuft.

Andere ihrer Aussagen find ich aber schon gut.
Sie meint, Kinder werden auch – oft unbewusst - von den Eltern zur Erfüllung der eigenen Bedürfnisse missbraucht, andernfalls folgen negative Reaktionen z.B. Liebesentzug.
Als Kind bist du, um überleben zu können, gezwungen, die dich nicht (nicht als das, was du bist) liebenden Erwachsenen zu idealisieren. Das führt zu Verdrängung (in weiterer Folge evtl zu Erkrankungen wie Depressionen) und später glaubst du, deine Kindheit war "glücklich". Das finde ich so schlimm! Ich habe auch so lange gebraucht -und kann es immer noch nicht ganz- bis ich es geschafft habe, mir einzugestehen, dass meine Eltern mich wohl nicht bedingungslos lieben konnten. Miller bezeichnet das als größte narzisstische Wunde.
Erst dadurch, dass du dich der Wahrheit stellst, ist Heilung möglich.
Sie hat eines ihrer Bücher "Drama des begabten Kindes" betitelt, weil sie davon ausgeht, dass diese speziell betroffen wären, weil sie, da intuitiv besonders hoch entwickelt, mehr spüren würden.
Was sie als wichtig erachtet, ist ein "helfender Zeuge" - jemand, der einem uneingeschränkt Liebe gibt und dir so zeigt, dass es eben nicht "normal" ist, wie du behandelt wirst. Dadurch musst du nicht verdrängen und hast bessere Chancen, gesund zu bleiben.

Ich hab bis jetzt leider auch nur ein Buch von ihr gelesen und nicht ihr bekanntestes Werk, sondern "Evas Erwachen", das war zum Teil ganz aufschlussreich. Was mich allerdings sehr gestört hat, war, dass sie fast ausschließlich auf körperlich misshandelte Menschen Bezug nimmt und psychischem Missbrauch kaum Beachtung schenkt.

Parallelen:
Es fällt mir schwer, meine eigenen Bedürfnisse zu sehen, mich auch im Nicht-Funktionieren annehmen zu können, sowie meine Probleme im Allgemeinen ernst zu nehmen.
Ich weiß, dass das Erkennen allein nichts bringt, aber es ist der Grundstein - dadurch dass man um die Ursache weiß, fällt es leichter, Veränderung herbeizuführen.

Ist jetzt ziemlich lang, aber vllt schafft es etwas Klarheit in Bezug auf Alices Millers Aussagen, @16 -> du verdrängst es zumindest nicht!
 
  • #21
@#12: Ich habe den Satz schon verstanden, aber er ist einfach nicht zutreffend. Es gibt Menschen, die wenig Liebe erfahren haben und dennoch mit sich selbst im Reinen sind und es gibt auch welche, die liebevoll erzogen wurden und dennoch mit sich selbst nicht klarkommen.

Nein, alle Lebenserfahrung sagt, dass diese Behauptung einfach falsch ist. Sie hat sicherlich einen wahren Kern, den ich bereits angedeutet habe (Urvertrauen, Selbstbewusstsein, Liebe), aber eine enge Korrelation ist einfach nicht gegeben.
 
G

Gast

  • #22
Ich stimme dem Satz von Alice Miller zu und habe es bei mir zudem selbst erfahren, dass ich trotz dieses Bewußtseins oft dieselben darin begründeten Fehler in Beziehungen malchte. Als problematisch sehe ich daher an, dass viele, denen ihre "Diagnose" gelungen ist, sich darauf ausruhen und zuwenig Energie in das Jetzt investieren, um sich von den (negativen) prägenden Erfahrungen zu lösen.

Hier half mir "Die Liebesfalle" von Hans-Joachim Maaz. Er greift verschiedene ungute Eltern-Kind-Prägungen auf und gibt gute Ratschläge, worauf man in der eigenen Beziehung achten sollte, damit man nicht wieder in die "elterliche Liebesfalle" gerät und die Beziehung an die Wand fährt.

Viele Grüße
w36
 
G

Gast

  • #23
Dein Unterbewußtsein ist so gepohlt, daß der Satz tatsächlich stimmt. Unbewußt suchen wir automatisch nach selben Mustern aus der Kindheit. Dein Selbstwert ist nicht ausgeprägt, so daß Du automatisch in diese "Opferrolle" fällst, weil Du es Dir selbst nicht erlaubst, glücklich zu sein, respektiert zu werden, geachtet und geliebt zu werden.
Höchste Zeit, Dir selbst zu helfen!!!!
Suche Dir einen guten Therapeuten, beschäftige Dich mal eine Weile nur mit Dir selbst.
Nur so erkennst Du, wer Du wirklich bist, was Du brauchst und wer Dir wirklich gut tut.
Auf Deinem Weg dahin alles Liebe, Kraft und Mut!
 
G

Gast

  • #24
Es geht in dem Satz von A. Miller nicht darum, wie wir später ANDERE behandeln, sondern wie wir UNS SELBST später behandeln. Und selbstverständlich ist es heute eine anerkannte psychologische Grundweisheit, dass, um es mal ganz einfach zu sagen, ein Kind, dass von seinen Eltern nicht vermittelt bekommen hat, ICH BIN LIEBENSWERT, SICH SELBST später als Erwachsener auch nicht als liebenswert empfindet. Solch ein Mensch kann später schlecht dafür sorgen, dass es ihm gut geht. Häufig versuchen solche Menschen das gerade damit zu kompensieren, indem sie anderen gegenüber besonders liebevoll und hilfsbereit usw. sind. Sie können aber im Gegenzug nicht dafür sorgen, dass sie selbst auch etwas, bzw. genug, von anderen zurückbekommen.

Es geht bei der zitierten Aussage überhaupt nicht darum, wie solch ein Mensch andere behandelt - das wird hier von vielen missverstanden.

w42
 
G

Gast

  • #25
Danke Euch Allen, aber ich gebe es auf, auch @20Frederika: Es scheint nicht wirklich anzukommen um was es bei diesem Satz geht! Es geht NICHT darum, ob jemand viel Liebe bekommen hat und dann selbst viel Liebe anderen geben kann oder keine Liebe bekommen hat und dann keine geben kann. Meine Situation: Mein Elternhaus plus Großeltern haben meine Gedanken und Ideen immer belächelt, nicht ernst genommen, haben es abgetan mit Spleen, der vorübergeht, sie hörten mir oft einfach nicht zu, wenn ich Probleme hatte, dann wurden die auch nicht wirklich gehört oder gar ernst genommen, sie wurden abgetan mit Sätzen: stell dich nicht so an, augen zu und durch o.ä.
Jetzt merke ich beim näheren Hinschauen, dass ich mir selbst gegenüber genauso bin, ich nehm mich selbst nicht ernst, wenn ich Probleme hab, dann tu ich die auch ab, wenn ich ideen entwickle, bin ich zwar euphorisiert, will umsetzen, aber dann nehm ich meine ideen doch nicht ernst. Ich verhalte mich MIR SELBST GEGENÜBER genauso, wie sich mein Erziehungsumfeld mir gegenüber meist verhalten hat.
Ist jetzt auch egal, mich hat dieser Satz von A.Miller tierisch beschäftigt und wollte einfach ein paar Meinungen. Danke.
 
G

Gast

  • #26
Die FSin: @ 23 Super, danke Du hast mich verstanden um was es mir geht bzw. um was es in diesem Satz geht.
Eigentlich interessiert mich nun, wer denn Erfahrungen damit hat, also wem es genauso geht und welche Therape ihm geholfen hat, systemische Familientherapie ?
 
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Mooseba

  • #27
Also ich behaupte sehr wohl, verstanden zu haben, was du sagen willst, liebe FS. Ich wurde als Kind unter Druck gesetzt mit Sätzen "Sonst wird es irgendwann zu spät sein." oder "Sonst stehst du mit nichts da." usw - natürlich nur beim Thema Schule, nie beim Thema Freundin, was ja auch nicht wichtig sei, solange keine Familie gegründet werden soll (und somit kann es für die Eltern jetzt auch immer noch nicht wichtig sein).

Und so habe ich mich im Leben selbst weiterhin unter Druck gesetzt, ich habe selbst die Rolle meiner Eltern mir gegenüber übernommen und mich zu Dingen gezwungen und mich dabei NIE gefragt, ob ich auch Lust darauf hatte und ob ich während dieser Zeit das Leben auch genossen hatte, denn das wurde ich von meinen Eltern auch nie gefragt. Es wurde nur das Handfeste bewertet, also nur das Äußere, das man durch Arbeit und Anstrengung erreicht hat. Und diese Bewertungen und Behandlung habe ich bei mir genauso durchgeführt bis zur Selbsteinsicht.

Und diese hohlen Sätze "Stell dich nicht so an, Augen zu und durch!" oder "Beiß einfach die Zähne zusammen!" kenne ich auch zur Genüge. Ich hoffe, ich habe das alles so weit begriffen, dass ich dies meinen Kindern, wenn ich mal welche haben werden, nie antun werde.
 
  • #28
@#24: ja, für Dich persönlich trifft es dann zu. Kann Zufall sein, kann direkte Folge sein, kann ein Extremfall sein, keine Ahnung -- aber die Regel ist es gewiss nicht.

Solche Aphorismen klingen immer auf den ersten Blick schlau, aber meistens sind sie halt doch nur Sprüche und nicht immer tiefere Einsicht.
 
  • #29
Als Kind musste ich nie jemanden etwas beweisen und jetzt als Erwachsene muss ich das regelrecht ständig! Das war ein gewaltiger Schock für mich - denn ich wusste ja nie vorher ob ich das auch kann - aber wer nicht wagt der nicht gewinnt.

In diesem Sinne - gibt es wohl verschiedene Ansichten und Erziehungserfolge, manche leben Verhaltensmuster aus ihrer Kindheit heute immer noch und fahren gut damit andere haben sie abgelegt weil sie erwachsen geworden sind und mündig,wieder andere musste hart dafür kämpfen sie endlich loszuwerden.
So kann man sehen das der Satz zutreffen kann, es aber noch lange nicht muss!!

KayKay
 
G

Gast

  • #30
zu #24

Ich glaube, liebe FS, dich haben hier mehr verstanden, als du zu meinen/glauben scheinst. Mir scheint eher, du bist am Anfang deiner Geschichte, deines Aufräumens deiner Kindheit, noch ein wenig chaotisch und kannst daher mit den Gedanken, der Leute, die hier schon weiter sind als du, bzw. ihre Aufarbeitung schon fast abgeschlossen haben, nichts anfangen.

Auch das nicht angehört werden, das nicht ernst nehmen, so wie du es von deiner Familie beschreibst, hat was mit mangelnder Liebe, Wertschätzung, Respektlosigkeit, oder sogar emotionaler Mißbrauch zu tun. Das Wort Liebe ist m.E. nur der Oberbegriff.
Das hängt aber alles miteinander zusammen.

Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du es schaffst von deinen negativen Mustern, der mangelnden Selbstwertschätzung weg zu kommen. Sich dazu proffessionelle Hilfe zu holen, ist ein Zeichen von Stärke und nicht von Schwäche.

Alles Gute für dich.

w 47