G

Gast

Gast
  • #1

Wie Vertrauen (wieder) lernen?

Ich bin seit einem Jahr in einer Beziehung zu einem sehr warmherzigen, humorvollen, sensiblen Mann.
Er behandelt mich so, wie ich es mir immer träumte. Er ist absolut zuverlässig und herzensgut.
Er gibt mir überhaupt nicht das Gefühl, ihm nicht vertrauen zu können.
Wir sehen uns nicht täglich, telefonieren aber jeden Tag. Manchmal klappt es nicht, wenn er oder ich weg gehen und später heim kommen. Nun merke ich, dass bei mir sofort das Kopfkino anfängt und ich die ganze Beziehung in Frage stelle, weil ich denke, er meldet sich nicht, weil er den Kontakt ausschleichen möchte. Ich habe soetwas schon mehrfach erlebt und es hat wirklich Spuren bei mir hinterlassen. Bei Kleinigkeiten werde ich so misstrauisch. Ich bin keine Frau, die ihrem Mann hinterherspioniert oder jede Minute eine Sms erwartet, sicher nicht. Ich benötige ebenso Freiraum. Und trotzdem haut es mich jedes Mal wieder um und ich frage mich immer wieder, wieso ich so überreagiert habe, wenn er sich dann meldet und mir erzählt, was er so gemacht hat.

Ich sehe einen Bezug zu allgemeinen Verlustgefühl, welches sicherlich mit der Trennung meiner Eltern zu tun hat. Mir wurde die wichtigste Person (mein Vater) genommen und er hat sich danach nicht um Kontakt zu mir bemüht. Wie kann ich lernen, ihm wirklich zu vertrauen? Ich will das unbedingt! Ich kann ihn einfach nicht verantwortlich machen für diese schlechten Erfahrungen, die ich gemacht habe. Weiß jemand weiter?


w,26
 
G

Gast

Gast
  • #2
So leid es mir tut, aber einfach wird das nicht und alleine wirst du es meiner Meinung nach kaum schaffen. Wie komme ich da drauf? Vertrauen ist eines der wesentlichsten Punkte überhaupt. Die schlechten Erfahrungen, die man auf dem Gebiet macht, brennen sich tief in die Seele. Es ist meist sehr sehr aufwändig, diese Verletzungen zu heilen. Du schreibst leider nicht, ob du das Thema mit deinem Vater verarbeitet hast. Das ist sicher der Schlüssel zum Erfolg.

m48
 
G

Gast

Gast
  • #3
Erfahrungen prägen und so hast Du das schon gut bei Dir erkannt. Es hat ja nichts an schlechten Erfahrungen mit diesem Mann zu tun, daher versuche ihn auch nicht spüren zu lassen, dass Du es automatisch auf ihn überträgst.
Du solltest zunächst versuchen, Dich selbst zu beruhigen und auch vorsichtig mit ihm darüber zu reden. Pass auf, dass Du ihn dadurch nichts zu sehr unter Druck setzt, dass er meint, sich nun ständig melden zu müssen. Vielleicht macht er es ja aus lauter Rücksichtnahme von selbst, wenn er ein wenig darüber erfährt.
Darüber hinaus würde ich mal zu einer Therapie gehen, die Dir bei Deinen Verlust-Ängste sicher ein kleines Stück helfen kann.
Viel Erfolg - wenn auch in kleinen Schritten.
 
G

Gast

Gast
  • #4
Manchmal klappt es nicht, wenn er oder ich weg gehen und später heim kommen. Nun merke ich, dass bei mir sofort das Kopfkino anfängt und ich die ganze Beziehung in Frage stelle

Ich sehe einen Bezug zu allgemeinen Verlustgefühl, welches sicherlich mit der Trennung meiner Eltern zu tun hat. Mir wurde die wichtigste Person (mein Vater) genommen und er hat sich danach nicht um Kontakt zu mir bemüht. Wie kann ich lernen, ihm wirklich zu vertrauen?

Liebe FS,
Du bestätigst, was man hier immer wieder liest - die Scheidung der Eltern hinterlässt zerstörerische Spuren bis in die eigenen Partnerschaften. Und Du weißt auch, dass Du auf Dauer die Beziehung kaputt machst. Sich darüber klar zu sein, die eigenen Muster zu erkennen, ist der wichtigste Schritt überhaupt.

Ganz ehrlich: fang' mit richtig hartem Sport an, boxen oder Kampfsport. Das hat mir unglaublich geholfen, mir wieder selber zu vertrauen, meine Stärke und Entschlossenheit zu spüren.
Immer wenn ich mich innerlich so selbstzweifelnd fühle, nicht zum Sport kann, gehe ich auf den Boxsack los, den ich bei mir aufgehängt habe.
Das hilft enorm, denn die Unsicherheit macht mich wütend auf mich selbst und obwohl ich nicht daran denke, haue ich in der Situation die Wut auf meine Eltern raus, die mich so allein gelassen/verlassen haben. Klingt vielleicht blöd, wirkt bei mir aber sehr gut und macht zusätzlich gut definierte Oberarme sowie eine kraftvollen Rücken. Das war für mich ein richtiger Ego-Booster.
w, 55
 
G

Gast

Gast
  • #5
Was aus deinem Text noch nicht hervorgeht, aber eine sehr wichtige Frage ist:
verhält er sich wirklich zuverlässig oder meldet er sich manchmal einfach nicht, wenn er es versprach? D.h. kannst du dich wirklich auf ihn verlassen, wenn er sagt, dass er anruft oder vorbeikommt? Gibt er dir in bestimmten Situationen das Gefühl, dass er Dich verlassen würde oder ihm oft "anderes" wichtiger ist?

Falls er dich öfter versetzt oder immer wieder anderes vorzieht, wäre eine "Verlustangst" und Kopfkino in meinen Augen auch eine "normale" Reaktion.
Ich kann dir aus meiner Erfahrung berichten: Mit meinem letzten Freund hatte ich auch dieses Problem. Er meldete sich öfter nicht und war unzuverlässig und ich klammerte ängstlich immer mehr. Dabei gab ich mir immer mehr die Schuld, es liege an meinen vergangenen Erfahrungen und er mache sicher alles richtig, ich übertreibe. Dabei hatte ich nur die "Wahrheit" gespürt, er wollte mich nie richtig wie er später selber zugab. Beim ersten und jetzigen Freund habe ich diese Verlustangst nicht.

Wie sieht das mit der Verlustangst bei dir aus? Kläre bitte erstmal, ob das wirklich ein konstantes Problem bei dir ist. Hattest du diese Angst auch in den letzten Beziehungen oder erst jetzt? Verhält er sich zuverlässig?
Sollte sich dabei herausstellen, dass es wirklich nur an "dir" liegt, wäre es gut, dass du das Problem angehst, so wie es meine Vorposter beschreiben.
 
G

Gast

Gast
  • #6
Ich sehe einen Bezug zu allgemeinen Verlustgefühl, welches sicherlich mit der Trennung meiner Eltern zu tun hat. Mir wurde die wichtigste Person (mein Vater) genommen und er hat sich danach nicht um Kontakt zu mir bemüht. Wie kann ich lernen, ihm wirklich zu vertrauen? Ich will das unbedingt! Ich kann ihn einfach nicht verantwortlich machen für diese schlechten Erfahrungen, die ich gemacht habe. Weiß jemand weiter?

Am einfachsten mit Hypnose! Kein Scherz.

Alles Gute!
 
G

Gast

Gast
  • #7
Ich schreibe es wirklich nicht gern, aber leider - und es tut mir wirklich leid - ist meine persönliche Erfahrung die, dass IMMER wenn jm "Kopfkino" hat und sofort starke Verlustängste einsetzen oder man "ausflippt" weil man Fremdgehen vermutet, auch irgendwas tatsächlich nicht ganz OK war. Also der Beschuldigte gar nicht immer zu Unrecht beschuldigt wurde... Ich weiß nicht genau warum, aber manchmal wollen wir uns selbst zwingenn "wegzusehen" und "zu vertrauen", dabei wissen oder vermuten wir zumindest, dass da doch etwas Besorgniserregendes im Hintergrund abläuft. Vertraue doch auch mal auf dein Bauchgefühl. Nur weil er soooo ein lieber Kerl ist, muss auch er nicht immer die Wahrheit sagen. Ich habe es bisher noch nicht erlebt, dass jm, der so gern vertrauen möchte und sich nach einer stabilen und festen Beziehung sehnt, immer wieder grundlos so ein "ungutes Bauchgefühl" bekam (also man zweifelt hin und wieder mal, ja, aber das sind Augenblicke und dann ist damit auch wieder gut). Aber ein von dir beschriebenes ungutes Gefühl in diesem Ausmaß halte ich für bedenklich. Hinterfrage den herzensguten tollen Mann doch bitte auch einmal. Sei nicht blauäugig.
 
G

Gast

Gast
  • #8
Wenn es eine gute Beziehung wäre, würde sich m.E. die Frage gar nicht stellen. Zwischen "Vertrauen lernen" (sich vorreden, dass man keinen Grund zum Misstrauen hat) und wirklich kein Misstrauen zu haben ist ein himmelweiter Unterschied. Das Misstrauen hast man nicht wegen eines Kindheitstraumas oder ähnlichem psychologischen Geblubber, sondern weil es entweder der falsche Mann ist oder du überhaupt (noch) nicht weißt, wer er im Inneren ist.
 
G

Gast

Gast
  • #9
Ich kann dir auch nicht helfen, wollte aber doch kurz schreiben, da es mir ähnlich geht. Ich weiß auch nicht, woran das liegt. schon mal ist eine Beziehung daran zugrunde gegangen und meine aktuelle Beziehung leidet wieder an dem Problem. Ich stelle ganz schnell die Beziehung in Frage, wenn er sich mal nicht meldet, mir nicht antwortet oä. Objektiv gesehen verhält er sich total normal, er ist auch zuverlässig und ich vertraue ihm, habe aber eben diese Verlustängste. Ich reagiere dann schnell total über, weil ich mich einfach nicht mehr kontrollieren kann und im Griff habe.

Wie ein Vorgänger schrieb, Sport hilft mir dabei ein wenig, aber vermutlich wäre eine Psychotherapie mal der richtige Weg.
 
G

Gast

Gast
  • #10
Liebe FS, ich kann Dich sehr gut verstehen. Ebenso ein Scheidungskind, denke ich, dass sich
dieses "Schicksal" wie ein roter Faden durch unser ganzes Leben zieht.

Mir geht es genauso wie Gast 8, die Zeilen hätten 1:1 von mir sein können.
Ich leide in meiner jetzigen Beziehung auch unter Vertrauens-, Verlust- und Gefühlsangst.
Mein Partner und ich sprechen viel darüber. Ob er mich jedoch immer versteht, mag ich bezweifeln.
Selbstverständlich weiss ich auch, dass man dadurch eine ( vermeintlich gesunde ) Partnerschaft
kaputt machen kann.
Trotzdem ertappe ich mich immer wieder mit dem Gedanken, die Beziehung zu beenden, um mich
selbst zu (be)-schützen. Leider trifft es somit dann halt auch manchmal den richtigen Partner.

Den Vorschlag eine Psychotherapie zu machen, finde ich in dem Zusammenhang sehr sinnvoll.

Dir viel Glück,
w, 46 Jahre
 
Top