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  • #1

Wie verhalten wenn die Ehefrau schwer krank ist & nicht mehr zu Hause wohnt?

Ist es pietätlos oder niederträchtig oder charakterlos wenn ich übers Internet eine neue Beziehung suche? Meine Frau ist seit mehr als einem Jahr nicht mehr zu Hause, sie "lebt" in einem Pflegeheim und die Krankheit bringt es mit sich, dass sie sich immer mehr von mir in ihre eigene kleine Welt verabschiedet. Sie wird auch nie mehr nach Hause kommen. Ich liebe sie nach wie vor (über 20 Jahre verheiratet), besuche sie auch sehr regelmässig, der Wunsch nach einer Umarmung, einem gemeinsamen Spaziergang, gemeinsam wieder etwas unternehmen usw. ist aber halt auch da. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
 
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  • #2
Heißt es nicht "in guten wie in schlechten Tagen"?
Jetzt sind schlechte Tage und Du suchst gleich Ersatz für gute Tage?

Deine Aussage "ich liebe sie (die Ehefrau) nach wie vor" und ich suche schon neu, ist m.E. auch gegenüber einer eventuell Neuen nicht fair.
 
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  • #3
Oh ha, du kannst ja eine Freunschaft suchen - aber eine Partnerschaft / Beziehung - welche Frau sollte diese mit dir ausleben / leben wollen, wenn Du 1. behauptest, du liebst deine kranke Noch-Ehefrau und 2. diese Frau auf jeden Fall weiter existiert, ohne dass eine Trennung stattgefunden hat.

Sorry, aber du erwartest hier wohl zuviel - und ich gebe #1 Recht - jetzt sind eben die schlechten Zeiten...
 
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  • #4
Hallo FS, ich halte es nicht für pietätslos oder daneben, denn ich kann dich richtig gut verstehen! Mein Mann ist auch seit mehreren Jahren pflegebedürftig und ich habe einen neuen Partner. Ich liebe meinen Mann auch, wir waren 23 Jahre ein Paar und hatten gute und schlechte Tage. Nun ist er in seiner Welt, lebt im Pflegeheim und ich bin täglich dort. Allerdings hat sich meine Liebe verändert. Sie geht in die Richtung Fürsorge und Liebe wie zu einem Kind. Aber nicht mehr die Liebe, wie man sie zu einem Partner empfindet. Die Bedürfnisse nach körperlicher Nähe, gemeinsamen Unternehmungen und Gesprächen war nach einiger Zeit groß und ich habe das Glück einen sehr lieben Lebensgefährten zu haben, der völlig unkompliziert mit dieser Situation umgehen kann. Niemand hat mich jemals schief angesehen, der unsere Situation erlebt hat und alle freuen sich mit mir. Lass dich nicht bange machen und gehe auf die Suche. w42
 
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  • #5
Lieber FS,

im Gegensatz zu #1 kann ich Dich und Deine Sehnsüchte verstehen und finde sie in keiner Weise verwerflich. Du sagst ja nicht, dass Du Dich nicht mehr um Deine Frau kümmern willst. Ich finde nicht, dass Du sie hintergehst, wenn Du Dich nach einer richtigen Partnerschaft sehnst. Auch nicht, wenn Du diesen Wunsch in die Tat umsetzt. Wenn ihr so lange glücklich wart, dann wird sie nicht wollen, dass Du jetzt unglücklich und allein bist.

Das Problem wird sein eine Frau zu finden, die mit dieser Situation klar kommt. Das klingt jetzt vielleicht makaber, aber gibt es vielleicht Selbsthilfegruppen für Menschen in Deiner Situation? Dort könntest Du eventuell eine Frau treffen, die in der gleichen Situation steck und genau weiß, wie man sich da fühlt.

Und wenn es nicht DIE Frau, dann findest Du sicherlich zumindest Rückhalt und kannst Erfahrungen austauschen.

Ich befürchte einige der Menschen hier verurteilen gerne mal von ihrem hohen und unwissenden Roß herab. Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute.
 
  • #6
Ich glaube, keine Frau würde es akzeptieren, wenn Du Deine Ehefrau NOCH LIEBST. Niemand will Zweitfrau sein, nur damit Du Deine Sehnsüchte ausleben kannst.

Nein, ich hätte exakt Null Verständnis dafür, an einen Mann zu geraten, der verheiratet ist, seine Frau liebt, und weil sie nicht mehr kann dann eine Freizeit-Frau für Unternehmungen ALLER Art sucht.

Könntest Du denn Deiner Ehefrau in die Augen schauen und sagen, dass Du eine neben ihr hast? Wohl kaum. OK, sie mag das möglicherweise nicht mehr verstehen. Aber stelle Dir mal vor, sie täte es...

Sorry, "wir in guten, so in schlechten Tagen" ist nicht nur ein Spruch, sondern ein Versprechen.
 
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  • #7
Ich lese aus der Frage, dass die Frau in einem Pflegeheim ist, weil sie unter zunehmender Demenz leidet.
Theoretisch kann man in einem solchen Zustand noch sehr viele Jahre körperlich am Leben sein.
Eine partnerschaftliche Beziehung ist da nicht mehr vorhanden, und ich halte es nicht für verwerflich, da irgendwann einen neue Beziehung einzugehen.
Demenz ist eine sehr schlimme Situation, weil die Persönlichkeit langsam vor sich hin stirbt, bis irgendwann nur noch eine leere Hülle übrig ist.
Eine solche Situation wäre auch für eine potentielle neue Partnerin äußerst schwierig und für die neue Beziehung sehr belastend.
 
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  • #8
Also ich muss sagen, ich verstehe Dich sehr gut und ich habe ähnliches im Freundeskreis erlebt. Durch einen Unfall fiel die Bekannte in ein Wachkoma und ihr Mann lernte im Krankenhaus eine andere Frau kennen und lieben, die sich sehr gut in seine Situation hineinversetzen konnte. Man hört deshalb nicht auf, den Partner zu lieben, die Liebe verschiebt sich nur auf eine andere Ebene, etwa so, wie man sich auch um seine Mutter kümmern würde, wenn sie in eine solche Lage käme. Sogar die Kinder haben nach einigen Monaten akzeptiert, dass es eine neue Frau im Leben ihres Vaters gibt aber deshalb ihre Mutter nicht vergessen wird. Ich wünsche Dir viel Kraft und eine Frau mit einem großen Herzen - auch die gibt es. w 63
 
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  • #9
Wow, ich bin überrascht, wie viele Menschen sich damit arrangieren und diese Situation akzeptieren und trotzdem eine neue Partnerschaft eingehen. Hätte ich nicht vermutet, möglicherweise ist dies jedoch auch unterschiedlich Stadt / Land.
 
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  • #10
Erstaunlich finde ich, wenn Menschen auf das "in guten wie in schlechten Tagen" pochen und selbst ihre Beziehungen aus wesentlich geringfügigeren Gründen als einem so extrem schweren Krankheitsfall rigoros abbrechen und sich was Neues suchen.
 
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  • #11
Brauchst du eine erleichterung für dein schlechtes Gewissen ? Du kannst ruhigneuen Partner suchen das ist menschlich
 
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  • #12
Lieber Fragesteller: Auch ich kann Dich sehr gut verstehen. Ich hatte einen sehr lieben Kollegen, dem es ähnlich ging. Auch seine Frau, die nach einem geplatzten Gehirnaneurysma den ganzen Tag leblos und stumm in einem Rollstuhl saß, ist inzwischen in einem Pflegeheim untergebracht. Er hat sich viele Jahre aufopfernd um sie gekümmert und hatte nun endlich den Mut, wieder eine Partnerin lieben zu lernen. Auch bei ihm ist die bisherige Liebe zu seiner Frau einer liebevollen Fürsorge gewichen. Selbst seine Kinder, die das ganze Drama über viele jahre miterlebt haben, freuen sich für ihren Vater, dass er nun wieder neue Kraft tanken und seinen Lebensmut zurück gewonnen hat.

Einen anderen Fall kenne ich, der ebenfalls so gelaufen ist. Hier kümmert sich seit Jahren die neue Frau an seiner Seite liebevoll mit um die kranke Ehefrau, die in einem Heim lebt und nicht mehr am Leben teilnehmen kann.

Es wäre schön, wenn insbesondere junge Leute, die das Leben noch gar nicht von seiner schweren Seite kennen gelernt haben, etwas toleranter wären. Aber leider ist es nicht so und sie verurteilen kaltherzig andere Menschen, ohne etwas vom Leben zu verstehen. Wenn das unsere zukünftige Elite sein soll, dann wird mir um Deutschland bang!
 
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  • #13
an @5
"Ich befürchte einige der Menschen hier verurteilen gerne mal von ihrem hohen und unwissenden Roß herab."
Ich denke nicht, dass es eine Bewertung vom hohen Roß herab ist.
Eine neue Partnersuche, wenn der noch geliebte Partner nicht mehr in der Persönlichkeit der Gleiche ist, wie der ehemals geheiratete, ist m.E. doch recht bedenklich.
Wo ist die Grenze? Wenn der Partner dement ist, im Wachkoma, bettlägerig, durch Unfall im Rollstuhl ist oder anderweitig mehr bedürftiges Kind statt Partner?
Oder ist die Grenze schon da, wo der Partner auf Grund eines Unfalls z.B. bestimmte gemeinsame Unternehmungen nicht mehr machen kann. Beispiel: Partnerin kann aufgrund von Knieproblemen nicht mehr Bergwanderungen wie früher machen; Mann sucht deshalb neue Frau.
Ab wann also "darf" der Partner sich neuen Partner aufgrund gesundheitlicher Probleme einen neuen Partner suchen?
Wie würde sich der FS fühlen, wenn er aufgrund eines Unfalls im Rollstuhl sitzt und sich seine Frau einen Lover, Ski-Fahrer, oder oder oder sucht????
 
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  • #14
Du fragst, ob es niederträchtig ist. Diese Frage kannst du dir selbst beantworten.

Wenn du jetzt hier im Internet andere Frauen emotinal und sexuell aus-und benutzt und dann wieder wegwirfst, ist es gemein und niederträchtig. Ich kenne da einen Typen von dieser Sorte und hoffe, dass du es nicht bist.

Ich finde solch ein Verhalten von Männern verwerflich. Sie tun einen auf Mitleidsmasche, um andere Frauen ins Bett zu bekommen und hinterlassen nur verbrannte Erde.

Wenn es sich hingegen um echte Liebe zu einer neuen Frau handelt, dann steh zu deinem Gefühl und red nicht von Liebe zu deiner Noch-Frau, nur um dein Gewissen rein zu waschen.
 
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  • #15
Ich finde Deine Idee einfach geschmacklos.
Deine Frau, mit der Du 20 Jahre verheiratet warst, wohnt gerade mal seit einem Jahr im Heim und Du denkst schon daran eine Neue zu finden.
Du scheinst den bequemen Weg gewählt zu haben. Ich habe den Eindruck, dass Du Deine Partnerin austauschen möchtest, jetzt wo sie Dir nicht mehr das geben kann, was Du brauchst.
Und damit Dein Gewissen Dich in Ruhe lässt, behauptest Du dass Du sie liebst.

Ich finde Du solltest Dich zusammenreißen und für Deine Frau da sein, jetzt wo sie Dich braucht.
 
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  • #16
Um deine erste Frage zu beantworten: ja, ich schätze mich glücklich alleine zu leben und keinen Mann mit deiner Geisteshaltung an meiner Seite zu wissen. Alles hat seine Zeit - jetzt lebst du in einer Zeit des Unglücks und der Entbehrung. Nütze die Zeit um menschliche Reife zu erlangen. Oder gehe auf den Strich um deine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen! Denn darum geht es vermutlich in erster Linie.

Viele Menschen die frei sind, leben, manche seit Jahren, allein, ohne Umarmung! Für gemeinsame Unternehmungen sind Freunde oder Familie zuständig, um einer Vereinsamung zu entgehen.

Ich glaube kaum, dass das Forum dir vermitteln könnte wo jetzt dein Platz sein müsste! Denn genau in solchen kritischen Lebenssituationen zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen. Manches Mal kann Demenz und Alzheimer auch eine Gnade sein - man leidet nicht mehr an dem Verrat engster Familienangehöriger!
 
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Colourman

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  • #17
Mir stellt sich auch die Frage, wie weit sich jemand in seine eigene Welt zurückzieht. Ich kann also z.B. #4 voll zustimmen. Im Extremfall kannst du deiner Partnerin gar nichts mehr geben, es ist also gar kein "Verrat" wie etwa von #15 angedeutet möglich. Die Besuche sind dann nicht mehr für den Besuchten, sondern für sich selbst und daher finde ich es in Ordnung, dass man sein eigens Leben fortführt und nicht künstlichen zwängen unterliegt. Die Grenze zu einer verstorbenen Person kann je nach Fall schon gar nicht mehr weit sein. Mann liebt die verstorbene Person doch auch noch so wie sie war, besucht das Grab (für sich und nicht die verstorbene Person) und kann dennoch eine neue Partnerschaft eingehen. Mann kann durchaus mehrere Personen (siehe Kinder (#4) und Eltern) lieben, aber nur eine Partnerschaft haben, dass ist ja vermutlich der Wunsch des FS.
Anders sehe ich es, wenn der kranken Person, die Besuche, die Liebe und Bemühungen noch etwas bedeuten, wenn man hier einen Unterschied merkt, also die Besuche für den Besuchten sind und nicht für sich selbst. Sollte dies der Fall sein wird es schon schwieriger, und ich würde wohl nicht so bald nach einer neuen Partnerin Ausschau halten.
 
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  • #18
@ 15 Das hört sich für mich ein bisschen an, als wolltest Du sagen "Warum soll es anderen besser gehen als mir...". So wie Du schreibst "manche leben seit Jahren allein ohne Umarmung" hört sich das nicht so an, als wärest Du mit Deiner Situation zufrieden. Besser wäre es, Du würdest an Deiner eigenen Situation etwas ändern, statt auf dem FS rumzuhacken!

Lieber FS, fast alle, die schon in Deiner Situation waren, sagen doch ganz klar, dass sie Dich sehr gut verstehen können. Ich weiss nicht wie es Deiner Frau geht, aber wenn sie Dich nicht mehr erkennt, dann ist sie nicht mehr derselbe Mensch, mit dem Du verheiratet warst. Das ist zwar bitter und die Pharisäer hier im Forum werden jetzt aufschreien und von guten und bösen Tagen faseln. Nur: gute und schlechte Tage gemeinsam erleben, heisst eben, dass beide geistig dazu überhaupt in der Lage sind. Wenn einer nichts mehr "erleben" kann, weder im Guten noch im Schlechten, dann ist dieser Spruch verdammt leer.... Du lässt Deine Frau auch nicht im Stich, wenn sie Dich nicht mehr erkennt. Wie sollte das auch möglich sein? Sie weiss ja noch nichtmal wer Du bist! Würdest Du wollen, dass sie sich jemand anderen sucht, wenn die Situation umgekehrt wäre? Das und nur das muss Dein Maßstab sein.

Ich hoffe, dass weder mein Partner noch ich jemals dement werden. Aber sollte mich dieses schlimme Schicksal treffen, dann soll er sich jemand anderen suchen! ich würde es ihm gönnen seine letzten Jahre mit jemandem zu verbringen, der nicht nur körperlich am Leben ist.

Demenz ist ein entsetzliches Schicksal. Vor allem für die Angehörigen. Da sollte man sehr vorsichtig im Urteil sein! w 36
 
  • #19
#12
schön, daß es einmal so offensichtlich ist, daß es zwischen schwarz und weiß eine Unzahl von Grautönen gibt.

Wenn einer der Partner seine Persönlichkeit verloren hat, muß man sich natürlich um ihn kümmern und ist nach wie vor für ihn verantwortlich. Aber man kann keine Beziehung mehr mit ihm haben.
Ich würde mir von einem Menschen, den ich einmal geliebt habe nicht wünschen, daß sein Leben mit dem meinen zuende geht (erinnert mich ein wenig an die Wittwen-Verbrennungen in Indien...).

Wenn der Partner durch eine Behinderung am Skilaufen gehindert wird, kann derjenige, der keine Behinderung hat, natürlich mit Freunden seinem Hobby nachgehen - deshalb braucht man doch keinen neuen Partner.

Mir scheint, hier werden nicht nur Äpfel und Birnen, sondern sämtliche Obstsorten in einen Korb geworfen!
 
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  • #20
@#15
Ob Du so glücklich bist sei mal dahin gestellt!
Es soll auch Menschen geben, die nicht so dermaßen unterkühlt sind und Wärme, Liebe und Geborgenheit brauchen.
Was soll denn die miese Bemerkung mit dem Strich? Wäre das kein Verrat eines engsten Familienangehörigen?
Sollte ich jemals in diese Situation (Demenz o.ä.) kommen, mein Mann darf ohne ein schlechtes Gewissen sein Leben weiterleben ..... und dazu gehört auch eine wunderbare Beziehung!
Das gönne ich ihm dann von ganzem Herzen!
w
 

hanjo58

Gesperrt
  • #21
Vor Menschen, die diese neue Partnerschaft aus eigenem Erleben verneinen, habe ich hohen Respekt. Vor Menschen, die diese neue Partnerschaft aus eigenem Erleben bejahen, habe ich Respekt. Vor Menschen, die da meinen, in solch einem Problemkreis aus der Theorie heraus Ratschläge oder gar Missbilligungsbekundungen vom Stapel lassen zu sollen, habe ich keinen Respekt - ich wünsche ihnen aber dennoch, nie selbst in eine solche Situation zu gelangen.
 
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  • #22
Finde #9 hat mindestens die eine oder andere "Empörung" auf den Punkt gebracht.
Das trifft sicher nicht für alle zu.
Aber jene, die nicht aus eigenen, ähnlichen Erfahrungen sprechen, müssen sich dieser Situation gar nicht stellen. Sie wissen nur was sie tun würden . . . .
 
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  • #23
Wow, einige tun sich ja sehr leicht, den FS zu verurteilen. Mir fällt das nicht so leicht...

Lieber FS,
erst mal hab ich etwas gestutzt, als ich deine Frage gelesen hab und ich muss dir ehrlich sagen, es haftet dem ganzen schon erst mal ein negativer Touch an. Aber wenn ich mir die Sache genau überlege, dann siehts anders aus.
Du hast eine Frau, mit der du viele Jahre glücklich verheiratet warst. Dann ist sie erkrankt. Keine Krankheit, die sie rein körperlich einschränkt und sie nur bedingt ändert, sondern eine, die deine Frau dir entfremdet. Eine Krankheit, die dazu führt, dass sich deine Frau von dir entfernt, in ihrer eigenen Welt lebt, dich irgendwann vielleicht nicht mehr erkennt, dich vielleicht gar nicht mehr wahrnimmt. ANdere verlassen ihren Partner aus ganz anderen Gründen, z.B. weil da jemand anders interessanter ist, weil der PArtner den Job verloren hat, weil man in einer Krise steckt usw.
Bei dir sieht es anders aus: . Im Prinzip scheint es mir so zu sein, als würde die Frau, mit der du gelebt hast - durch die Krankheit langsam aber sicher verschwinden - nicht körperlich, aber psychisch. Ihr Charakter, ihr Wesen, ihre Persönlichkeit "stirbt" quasi... sie bleibt zwar als Mensch lebendig und da, aber der Mensch, den du geliebt hast und liebst entschwindet, und du kannst nichts dagegen tun, du kannst nur hilflos dastehen und versuchen, dich so um sie zu kümmern, dass sie nicht in dem Heim völlig isoliert ist und vereinsamt.
Ich finde es toll, dass du sie trotzdem weiterhin besuchst und damit das tust, was du eben noch für sie tun kannst. Damit erfüllst du gerade euer Eheversprechen, dass hier schon so oft genannt wurde, um es gegen dich zu wenden. Du lässt sie nicht fallen, sondern kümmerst dich um sie. Nun bist du aber nicht nur ein Mensch, der sich auf Pflege, Fürsorge etc. reduzieren lässt, sondern ein ganz normaler Mensch. Und als solcher sehnst du dich nach einem Menschen, der dir nahe ist, mit dem du Dinge unternehmen kannst. Freunde sind das eine. Aber in der Regel sehnen wir uns doch auch nach einer partnerschaftlichen Beziehung, nach der Liebe, die eine solche kennzeichnet, nach Zärtlichkeiten etc. Das alles hast du nicht mehr. Diese Bedürfnisse kann deine Frau dir nicht mehr erfüllen, sie hat sich extrem verändert.

Ich denke auch, dass sich die Liebe in solchen Fällen sehr ändert: Wenn du sagst, dass du deine Frau liebst, dann liebst du sie um der Jahre willen, die ihr gemeinsam hattet, du fühlst dich ihr immer noch verbunden, sorgst dich um sie; aber das partnerschaftliche fällt ja nun leider völlig weg. Das, was sie dazu befähigt hat, ist durch die Krankheit zerstört worden! Warum solltest du also nicht auch etwas tun, was deinen Bedürfnissen entspricht, was dir gut tut? Ich sehe keinen Grund. Im Gegenteil. Wenn du dich weiter um deine kranke Frau kümmern willst, dann brauchst du viel Kraft. Und diese Kraft schöpfen Menschen in der Regel nicht nur aus allg. soz. Kontakten. Ein Partner spielt da durchaus eine große Rolle.

Ich vermute, dass du nun über das Internet auf die Suche gehen möchtest, weil sich in deinem Leben sonst eben wenig bis nichts ergibt. Ich denke, dass es gerade in solch einer Situation scchwierig ist. Nicht nur, weil manche Menschen sich sicher daran stoßen werden, sondern auch, weil eben nicht immer im nahen Umfeld der/die Passende rumläuft. Und wo lernt man Menschen kennen, die zu einem passen? Das fällt schließlich vielen schwer. Ich gehe auch nicht davon aus, dass du auf die Mitleidsmasche bauen möchtest, um mit einer Frau ins Bett zu steigen. Mein Eindruck ist, dass du etwas anderes suchst, dass du dich nach einer neuen Partnerin sehnt, die mit dir ein Leben teilt.
Wenn du über diese neue Beziehung deine Frau nicht verdrängst, sondern dich weiterhin so um sie kümmerst, sie besuchst - dann hast du meinen vollen Respekt. Das bringen nicht alle Menschen zustande. Ich halte das für einen Weg, der euch beiden gerecht wird.
Aus Prinzip jetzt einsam zu bleiben.... Wem und was soll das was bringen? Warum solltest du dich selbst kasteien?
Ja deine Frau lebt noch, aber sie ist nicht mehr die Frau, mit der du dioe letzten gut 20 Jahre verbracht hast. Du verrätst sie nicht, wenn du dir eine neue Partnerin suchst. Deine Frau ist de facto schließlich nicht mehr deine Partnerin. Das hat sie sich nicht selber ausgesucht. Und du hast es dir auch nicht ausgesucht.
Das Tragische ist, dass ihr beide noch lebt, dass eure Partnerschaft aber durch die Krankheit zerstört wurde, dass sie durch die Krankheit gar nicht mehr fähig ist, eine Partnerschaft zu führen und zu leben. Wenn sie tot wäre, würden die Moralapostel hier nichts sagen, klar dürftest du dir eine neue Partnerin suchen. Und klar nach einem Jahr ist man auch so weit. Aber "dummerweise" lebt deine Frau noch... deshalb müssen manche Menschen auf den Prinzipien rumreiten. Aber Prinzipien werden dem Einzelfall leider allzu oft nicht gerecht.

Also geh auf die Suche, schöpfe die Kraft die du brauchst, um dich weiter um deine Frau zu kümmern und kümmere dich auch um dich und deine Bedürfnisse.

Für alle, die so sehr auf das kirchliche Eheversprechen pochen noch ein Satz: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." - Das ist das Gebot der Nächstenliebe und eigentlich ist es schon allein (ohne das vorstehende Gebot der Gottesliebe - beide zusammen bilden klassischerweise das doppelte Liebesgebot Jesu Christi) ein doppeltes: Du sollst deinen Nächsten lieben. Und: Du sollst dich selbst lieben.
Lange war das Christentum beherrscht von einer Moral, die absolut an bestimmten Prinzipien gehangen hat. Die alles über einen Kamm geschoren hat, die Menschen sehr schnell verurteilt haben, weil sie den Prinzipien und Moralvorstellungen der Kirche(n) nicht gerecht wurden. Aber wo im NT steht bitte, dass man sich selbst quälen muss, dass man allgemeinen Prinzipien folgen muss? Jesus ist auf Menschen zugegangen, die am Rand standen, die in schwierigen Situationen waren. Er hat gefeiert ("Fresser und Weinsäufer"), er hat Menschen eben nicht verurteilt.
Wir leben in einer Gesellschaft, die um viele Krankheiten und um deren Irreversibilität weiß. Wir wissen außerdem um die Bedürfnisse von Menschen. Und eine Moral, die nicht menschlich ist, ist für mich keine. Prinzipien, die an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigehen, sind für mich keine. Es geht darum menschlich zu leben, mit anderen und mit sich selbst achtsam und menschlich umzugehen. Darum geht es, um nicht mehr und nicht weniger: Menschlichkeit.

(w, 25)
 
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  • #24
Fragesteller - der Widerspruch ist doch schon in deiner Formulierung enthalten!

Der Charakter eines Menschen und der Wert seines Versprechens zeigt sich in schwierigen Zeiten (wie #15 bereits schrieb)!

Du schriebst von Liebe (?) für deine erkrankte Frau und von regelmäßigen Besuchen.... man kann trefflich darüber streiten, ob das nach 'Pflichtprogramm' klingt.

Ist es wirklich noch LIEBE für deine Frau, wenn ja, wie willst du das einer anderen Frau zumuten? - Wenn das, was du schreibst wahr ist und du nicht nur Verbundenheit zu deiner Frau aus vielen gemeinsamen Jahren fühlst, dann verbietet es sich von selbst, dies einer anderen Frau zuzumuten.

Die Lösung wäre hier, jemanden für gemeinsame Unternehmungen zu suchen. Möglicherweise in einer Selbsthilfegruppe für andere Angehörige von Kranken.

Gehen deine Wünsche in Richtung Sex - und du behauptest ja, deine Frau noch zu lieben - dann käme in diesem Fall wohl nur eine Dame, die du dafür entlohnst, infrage. Oder willst du einer anderen Frau sagen 'ich liebe meine kranke Frau immer noch, möchte aber mit dir schlafen, weil mir Sex fehlt'?

Nicht deine Bedürfnisse sind hier der Stein des Anstosses, sondern dein Umgang mit der Situation.
Ja, diese Bedürfnisse existieren weiter, auch wenn ein Partner krank wird und bleibt. Die Art des Umganges damit hat aber etwas mit dem Charakter des Betroffenen zu tun!!

Nur der Vollständigkeit halber: mich als Frau hat dies mit 35 Jahren betroffen, mein Mann erkrankte unheilbar. Ich habe ihn nicht nur regelmäßig besucht, sondern war für ihn da!

Nach gerade mal einem Jahr, kam es mir noch nicht mal in den Sinn, schon ein anderes 'Betthupferl' zu suchen. Ich habe mich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Kranken angeschlossen, wir haben einander geholfen und auch zusammen die ein und andere Unternehmung gemacht.
 
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  • #25
Fragesteller,

Du scheinst mir nicht charakterlos, pietätlos oder niederträchtig zu sein. Du machst Dir immerhin Gedanken.

Wenn sich Deine Frau immer mehr von ihrer eigenen kleinen Welt verabschiedet, verstehe ich, dass Dich das betroffen macht!

Ja und ich verstehe auch, dass Du Dich nach Wärme, Nähe und Zuwendung einer Partnerin sehnst.

Nur übers Internet würde ich das in Deinem Fall nicht machen, es gäbe sicherlich zu viel Enttäuschungen, Erklärungbedarf, und Unverständnis, und zwar auf beiden Seiten.

Warte!
"Mancher Tag heutet sich noch vor dem Abend, und wedet sich Dir zu".
 
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  • #26
Ich glaube, es gibt hier noch Missverständnisse oder zumindest unterschiedliche Meinungen davon, was LIebe ist.
Daher beanspruchen viele Menschen immer noch "Exklusivität" in der Liebe, d.h. man darf nur einen Partner "lieben" und die anderen Menschen und Freunde nur "mögen" oder so ähnlich.
Ich bin aber überzeugt, dass ein Mensch mehr als nur eine Person lieben kann, wobei Liebe ja nicht begrenzt oder besitzergreifend ist, sondern sich ausdrückt durch eine tiefe Wertschätzung und Verbundenheit mit der anderen Person und in dem Gefühl, dem anderen bedingungslos etwas geben und ihn beschützen zu wollen.

Sexuelle Partnerschaft wünsche ich mir auch monogam, aber ich kann doch niemandem verwehren, mehrere Menschen als nur mich im tieferen Sinn zu lieben.
Man liebt ja auch z.B. seine Eltern anders als seinen Partner, und diesen wieder anders als seine Kinder. Würde jemand abstreiten, dass es sich jeweils um Liebe handelt? Ein Mensch, der kein Partner mehr sein kann - z.B. eine schwerkranke demente Ehefrau, kann immer noch geliebt werden, aber dennoch kann man eine neue Partnerschaft aufbauen.

Es gibt da m.E. keine fixe Grenze und grundsätzlich "nichts, was es nicht gibt".

w45
 
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  • #27
Das kannst nur DU allein für Dich entscheiden.
Urteilen sollten nur die,die wirklich mitreden können,weil es sie selbst betrifft!!!
Alles andere ist anmaßend,jeder lebt nur einmal....also frag Dich, was DU willst.
Ob Du eine Partnerin findest,die Deine Entscheidung nicht nur toleriert sondern versteht, kann ich Dir nur wünschen.
 
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  • #28
Lieber FS,

für deine Frage gibt es keine pauschale Antwort.
Du schreibst weder warum deine Frau im Pflegeheim ist, noch wie alt ihr seid.

Ich glaube dir, dass du deine Frau noch liebst, doch als erstes solltest du dir darüber klar werden, ob es noch DIE LIEBE ist oder wie oben beschrieben (## 7, 11) eher eine andere Form von Liebe (z.B. fürsorgliche Liebe) ist?

Du musst sehr ehrlich zu dir sein, dass du am Ende weißt wo du stehst und was du möchtest.

Als nächstes stellt sich die Frage ob deine Frau dich noch liebt / lieben kann

- weiß sie wer du bist wenn du sie besuchst?
- sieht sie dich noch als ihren Ehemann oder eher als Freund oder guten Bekannten?
- hat sie noch Interesse an körperlicher Liebe?
- küsst ihr euch noch von beiden Seiten gewollt?
- ist sie nur körperlich eingeschränkt oder auch geistig, so dass sie evtl. gar nicht mehr realisieren kann was eine Ehe ist?

Ich meine wenn deine Frau sich ihrer / eurer Lage absolut bewusst ist und um die Rechte, Pflichten und Voraussetzungen der Ehe weiß und dich noch liebt, so ist es durchaus charakterlos sie jetzt im Stich zu lassen. Andererseits, wenn du sie nicht mehr so liebst wie ein Mann eine Frau lieben sollte, hast du auch das Recht dich zu trennen. Eine Ehe ist keine Garantie für die ewige Liebe.

Hakt es nur auf der körperlichen Ebene (Sex), so habe ich davon gelesen, dass es Paare gibt, die sich darauf einigen, dass der Partner ohne Gebrechen außerehelichen Sex haben darf, viell. wäre das auch eine Möglichkeit für euch.

Wenn deine Frau geistig so weit eingeschränkt sein sollte, dass sie nicht mehr erfassen kann was eine Ehe ist und was es bedeutet einen Ehemann zu haben, so besteht meiner Ansicht nach faktisch, wenn auch nicht formal keine Ehe / Partnerschaft mehr.

Nach 20 Ehejahren könnte es durchaus sein, dass du erst 40+ bist. Wer möchte da von dir verlangen den Rest deines Lebens allein zu bleiben und auf Liebe zu verzichten? Wer hier im Forum wäre selbst dazu bereit? Auch wenn du 20 Jahre älter bist, es ist dein Leben und du hast nur dieses eine.

Wäre ich deine Frau, würde ich mir wünschen, dass du bei mir bliebst, doch wenn dein Herz nicht mehr für mich schlüge, hätte es keinen Wert. Nichts ist verletzender als Mitleid.

Könnte ich nun aber gar nicht mehr verstehen wer du bist oder was eine Ehe ist oder es wäre mir egal, hätte für mich keine Bedeutung mehr, so könnte mich deine Entscheidung für eine andere Frau auch nicht verletzen.

Ich habe schon einige Plegeheime von innen gesehen und weiß, dass sich die Menschen dort freuen Besuch zu bekommen, weil die Pfleger dort so eingespannt sind, dass für jeden einzelnen Heimbewohner nur ein Minimum an Zeit bleibt.
Wenn du die Zeit hast, besuche deine Frau auch dann noch wenn du eine neue Partnerin an deiner Seite hast.

Alles Gute

w32
 
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  • #29
Wie selbstgerecht doch einige Forumteilnehmer sind.
Leider ist die Ehefrau sehr schwer erkrankt und leider kann sie keine Ehefrau mehr sein.
Der FS ist scheinbar ein gesunder Mann der noch Leben vor sich hat.
Auch der FS hat nur ein Leben. Das soll er leben so gut es geht.
Er geht zu seiner Frau und macht alles was sie braucht.Sie kann nichts für ihn tun.
Er möchte auch Spaß am Leben haben. Er kann seiner Frau das Leid nicht nehmen, aber er muss nicht selber noch mehr Leiden.
Ich finde seine Hoffnung in richtig und er soll seinem Leben ,Freude geben. Mit dieser Kraft kann er auch für seine Frau noch ein guter Pfleger sein. Denn mehr ist es bald nicht mehr.
 
  • #30
Ich kann dich, lieber FS, ganz gut verstehen. Und ich freue mich, dass das offensichtlich auch einige der jüngeren Forumsteilnehmer können.

Such dir eine neue Liebe, denn wenn du wieder eine Frau liebst, kannst du auch viel geduldiger mit der Situation um deine Ehefrau umgehen. Dir läuft die Zeit nicht mehr davon und du brauchst ganz sicherlich - neben der ohnehin für uns alle kaum nachvollziehbare Kraft, die die Pflege deiner Frau von dir verlangt - auch deine Rückzugsmöglichkeiten in eine Wärme und eine Zukunft für dein eigenes Leben.

Wer dich verurteilt, betrachtet deine Situation nur aus eigener, verständnisloser Sicht. Und hat vielleicht Angst davor, einmal in eine ähnliche Lage der Krankheit zu kommen, wie deine Ehefrau. "In guten und in schlechten Zeiten" ist ein schöner Spruch - der zeitweilig von der Realität überholt wird.
 
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