• #1

Wie verarbeitet ihr Trennungen - und seid ihr glücklich in Allein-Zeiten?

Hallo ins Forum,

ich frage so allgemein, da ich natürlich auch aus einer persönlichen Situation heraus über diese Themen nachdenke, aber auch weil ich denke, dass es doch allgemeine Lebensthemen sind. Ich denke sogar: Je besser man lernt, Trennungen im Leben zu verarbeiten, desto glücklicher ist man. Daher würde ich gern erfahren, wie andere damit umgehen.

Aktuell befinde ich mich in einer selbstgewählten "Beziehungs-und-Affären-Sperrzeit", da ich seit dem Alter von 16 Jahren nie lange allein war. In Beziehungen richte ich mich dann immer sehr nach dem Partner, bzw. gerate an solche, die dies implizit oder explizit verlangen. Weil ich das aber eigentlich nicht will, gibt es dann Konflikte.

Daher denke ich, ich sollte nun einige Zeit allein sein, um neu zu entdecken, was ich für mich will, ohne einen Partner. Ich denke dies ist für mich die Bedingung, irgendwann auch wieder mit Partner glücklich zu sein. Aber auch dann kann es ja zum Verlust kommen und davor habe ich offen gestanden stets Angst. Da ich mich bisher sehr schwer tue, jemanden loszulassen, selbst wenn ich nicht gut behandelt werde, würde ich gern lernen, besser damit umzugehen - auch um mich nicht so abhängig zu fühlen, wenn ich mich auf jemanden einlasse. Oder geht es darum, diese Abhängigkeit und den Verlustschmerz als Teil der Liebe zu akzeptieren?

Meine Vorstellung von "gut verarbeiten" ist: Die Erinnerung an jemanden, der einem ehemals nahe stand, als Teil der eigenen Persönlichkeit zu erkennen und zu integrieren, das Gute wie das Schlechte wertzuschätzen und kein Hadern mit dem Verlust mehr zu empfinden.

Klingt gut, ist aber nicht immer leicht. Rational kann ich das vielleicht sogar, aber ob das dann wirklich auch emotional so tief einsickert - na da bin ich nicht so sicher. Bzw. war es bei mir bisher immer erst nach ca. 5 - 6 Jahren so weit, einfach durch die vergangene Zeit.

Was denkt ihr?

Viele Grüße,

Jane
 
  • #2
Daher denke ich, ich sollte nun einige Zeit allein sein, um neu zu entdecken, was ich für mich will, ohne einen Partner. Ich denke dies ist für mich die Bedingung,
Eine gute gesunde Einstellung.
irgendwann auch wieder mit Partner glücklich zu sein. Aber auch dann kann es ja zum Verlust kommen und davor habe ich offen gestanden stets Angst.
Wenn du wieder zu dir optimal mit den “S“ gefunden hast, verschwindet auch diese Angst.
das Gute wie das Schlechte wertzuschätzen und kein Hadern mit dem Verlust mehr zu empfinden.
Das Schlechte werde ich niemals wertschätzen, das Gute behalte ich, und ich werde es niemals bereuen, mich von jemanden zu trennen, der überwiegend schlecht zu mir war.
aber ob das dann wirklich auch emotional so tief einsickert
Wenn du wieder in deiner Mitte bist, in deiner Balance bist, brauchst du dir über solche Gedanken keine Gedanken machen.
 
  • #3
Hallo ins Forum,

Meine Vorstellung von "gut verarbeiten" ist: Die Erinnerung an jemanden, der einem ehemals nahe stand, als Teil der eigenen Persönlichkeit zu erkennen und zu integrieren, das Gute wie das Schlechte wertzuschätzen und kein Hadern mit dem Verlust mehr zu empfinden.
du hast recht, "klingt gut" :) aber von Anfang an mit dem Gedanken ans Scheitern etwas zu beginnen und sich zu überlegen

Je besser man lernt, Trennungen im Leben zu verarbeiten, desto glücklicher ist man. Daher würde ich gern erfahren, wie andere damit umgehen.
halte ich jetzt auch für den falschen Ansatz. Mein Lebensziel ist doch nicht meine Persönlichkeitsentwicklung zu optimieren. Im Idealfall bin ich mit meinem Partner für den Rest unseres gemeinsamen Lebens zusammen. Dazu gehört es nun mal, dass es verdammt weh tut wenn es rum wäre. Aber wenn es nicht so wäre und ich nach einem halben Jahr schon wieder total auf der Höhe wäre und nach dem nächsten Ausschau halten würde, müsste ich mich doch retrospektiv fragen was falsch war, dass er so ersetzbar war.
Wenn ich einen Menschen so nah an mich heran lasse, gehört es dazu dass ich potenziell Schmerz erleben muss.
Wenn du das wegoptimieren möchtest nimmst du meiner Meinung nach der Beziehung auch etwas.

Beziehungen richte ich mich dann immer sehr nach dem Partner, bzw. gerate an solche, die dies implizit oder explizit verlangen. Weil ich das aber eigentlich nicht will, gibt es dann Konflikte.
ist dagegen ein anderer Schauplatz. Vielleicht wäre es wichtiger deine Partnerwahlkriterien zu überdenken als den Umgang mit Verlust?

LG Galli
 
  • #4
Jane, Trennungen sind Trennungen. Sie tun weh. Körperlich, seelisch, geistig. Die Hoffnungen, die du, ich, wir in etwas setzten, das, was auf Wachstum und Gedeihen stand, ist verkümmert und vorbei. Dabei spielt der Grund, wer trennt sich von wem, Zeit weniger eine Rolle. Die Schmerzen zuzulassen sind ein wichtiger Schritt, um genesen zu können. Niemand kann sagen, wie lange der Schmerz anhält und sein darf. Das Trauerjahr, in dem die Witwe früher schwarz trug ist symbolisch dafür, dass Trauer in Phasen verläuft und nach innen und aussen existiert.

Unterscheiden möchte ich von Blues, Weltschmerz und anderen depressiven Episoden, die jeder hat und haben dürfen sollte.

Das höchste Glück, die grösste Melancholie sind doch näher beieinander, als gedacht. Trauer als Gegengefühl zur Liebe zeigt auch, dass ich zu lieben vermag. Gerade, weil es manchmal nicht klar ist, ob es Liebe sein kann oder Liebe ist.
 
  • #5
Hallo,

und kein Hadern mit dem Verlust mehr zu empfinden.
Das wird so nicht funktionieren.
Wenn jemand geht, dann ist das Abschied. Und das kann immer Trauer bzw. Abschiedsschmerz bedeuten. Es geht nicht, dass man so tut, als sei nichts geschehen.
Wenn jemand einen schlecht behandelt hat, oder man zurückgewiesen wird, dann ist das verletzend.
Man muss dann eben auch die Zeit der Trauer akzeptieren. Das ist normal. Man vermisst natürlich die Menschen, die man liebt.

Ich glaube du bist auf dem richtigen Weg, wenn du sagst, du willst zu dir finden.
"glücklich sein" ist so ein dehnbarer Begriff. Ich denke niemand ist ständig glücklich, oder ständig unglücklich, egal ob mit oder ohne Partner.
Wenn man nun wirklich das Gefühl hat ständig unglücklich zu sein, dann ist das evlt. schon eine verfestigte Sache.
Da muss man dann genau hinsehen, woher das rührt und was helfen könnte. Es hilft dann auch meistens nichts wenn dann "der Richtige" auftauchen sollte. Diese Person kann auch nicht in die volle Verantwortung gestellt werden, dass man sich besser fühlt.
Das sollte man abklären lassen. Manchmal kann sogar schon eine Ernährungsumstellung helfen.

LG
 
  • #6
Für mich bedeutet „verarbeiten“, über das positive und negative in einer Beziehung nachzudenken, über meinen Anteil daran nachzudenken und Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Das kann Verhalten in der Beziehung, aber auch Partnerwahlkriterien betreffen. Aus Fehlern kann man lernen.

Das bedeutet sicher, mir über meine Ziele im Leben klarer zu werden. Das scheint mir bei Deiner „Anhänglichkeit“ unterzugehen. Singlephasen eignen sich hervorragend, um zu merken, dass man im Leben auch alleine klar kommt und ein Partner eine Bereicherung dazu, aber keine Lebensnotwendigkeit ist.

Und natürlich kann ich nach einer Trauerphase auch wieder alleine glückliche Momente erleben. Wer einen Partner braucht, um glücklich zu sein oder gar von ihm glücklich gemacht zu werden, ist in meinen Augen ein bedauernswerter Mensch. Für mich ist das der Schlüssel zum Unglück, weil man dann meint, zu schnell unbedingt wieder einen Partner haben zu müssen und diesen falsch wählt.
 
  • #7
Liebe Jane,
auch um mich nicht so abhängig zu fühlen, wenn ich mich auf jemanden einlasse. Oder geht es darum, diese Abhängigkeit und den Verlustschmerz als Teil der Liebe zu akzeptieren?
Ob du dich abhängig fühlst liegt daran, ob und wie weit du dich nur durch dich selbst definierst. Soll heißen in einer Beziehung gibt es ein ich, ein du, und ein wir.
Je stabiler dein „ich“ ist, durch Hobbys, Freundschaften, Dinge und Menschen, die dir unabhängig von deiner Beziehung Kraft geben und (nur) dich glücklich machen, desto weniger fühlst du dich grds. abhängig.
Manche sagen auch, dass das das Rezept ist um Trennungen besser und schneller zu verarbeiten. Weil man dann ein Netz hat, dass einen trägt.

Aber das ist nur die Theorie.
 
  • #8
Guten Morgen, und danke für die interessanten Gedanken..

Zu #1

Eine gute gesunde Einstellung.

Wenn du wieder zu dir optimal mit den “S“ gefunden hast, verschwindet auch diese Angst.
...
Wenn du wieder in deiner Mitte bist, in deiner Balance bist, brauchst du dir über solche Gedanken keine Gedanken machen.
Diese Worte haben mir etwas gegeben, vielen lieben Dank. Was meinst du allerdings mit "S"?

Mit "Wertschätzen" meine ich, das Schlechte als Möglichkeit zu sehen, mich weiterzuentwickeln. Wenn mich beispielsweise jemand über längere Zeit nicht wertschätzend behandelt muss ich mich ja fragen, ob ich mich selbst genug wertschätze - oder so eine starke Empathie für die inneren Konflikte des anderen entwickle, die zu seinem schlechten Verhalten führen - dass ich mein eigenes Glück aus den Augen verliere (und natürlich dann auch die glückliche Beziehung in immer weitere Ferne rückt). So in diese Richtung.

Ganz ähnliches klingt ja auch aus den anderen Antworten heraus. Und das ist ja auch meine "Strategie":

1. Neue Leute kennenlernen bei Veranstaltungen, die mich interessieren (und die ich mit meinem letzten Partner nie hätte besuchen können)
2. Kreative Tätigkeiten entwickeln (Schreiben, Malen)
3. Beruflich und finanziell Weichen stellen, um auch materiell unabhängig zu sein
4. Sport und Entspannungstechnicken
5. Stress vermeiden, möglichst gesund leben

etc. - so vernünftiges Zeug halt

Wann immer ich das so mache, fühle ich mich weniger sehnsüchtig, zwischendurch ist aber schon der Wunsch nach einer Partnerschaft nach wie vor stark. Und es fühlt sich ein wenig ungewohnt an, so ganz und gar nur für mich (und meine Freunde) da zu sein. Ein bisschen, als würde ein Teil in mir anfangen zu leben, der sich lange Zeit totgestellt hat. Es hilft also wirklich. Und die "Mission" ist, davon nicht abzulassen, auch wenn ich wieder in einer Partnerschaft bin. Meine "Sperrfrist" soll übrigens noch bis zum 12. Mai andauern.

Was ich dabei immer noch sehr schwer finde:

- alleine Schlafen (allerdings war mein Ex zB auch nie öfter als 1-2 Mal die Woche dafür zu haben, also fehlt mir gar nicht soo viel)
- das Gefühl zu haben, zu jemandem zu gehören; meine Freunde haben fast alle schon junge Familien.. da gehöre ich zur Nachbarschaft, aber es ist eben nicht das "Zuhause".
- regelmäßig mit jemandem "Gammelwochenenden" zu verbringen: Kochen, Spazierengehen, Filmsehen.. so etwas.

Und dann ist da noch der Fakt, dass diese so wichtigen Menschen (Expartner / Affären) meist aus dem Leben verschwinden.. und oft nur ein formeller Geburtstagsglückwunsch übrig bleibt.

So weit.. ich freue mich über weitere Gedanken / eigene Geschichten / Anregungen, gern auch zum Thema "Trennung als Weg zu sich".

Liebe Grüße und einen hoffentlich weniger verregneten Sonntag...

Jane
 
  • #9
Nun ich habe mich 2016 getrennt, weil meine 28 jährige Beziehung in meinen Augen spätestens seit 2014 tot war. Bei dieser Trennung habe ich keinenSchmerz gespürt. Mein Trennungsziel war primär ein neues Erleben mit einer neuen Frau.

Ich habe dann sofort mehrere unterschiedlich stark negative Erfahrungen gemacht und mir bei der Suche keine Pause zwischen diesen Erfahrungen gegönnt. Schmerzhaft waren diese Efahrungen vor allen als Beziehung. Bewerte ich sie als Affären sieht dies schon anders aus. Die Trennung habe ich z.T. als Befreiung empfunden.

Ich denke wenn man wirklich nach einer neuen Partnerschaft sucht ist die hier befürwortete Pause richtig. Wenn man nach Affären sucht ist sie unsinnig. Dann kann man sich befristet auch auf instabile Dramapersönlichkeiten einlassen.

Ich habe dies allerdings nicht wirklich getrennt. Mein Fehler. Meine emotionalen Erfahrungen dabei sehe ich aber nicht als unnötig sondern wegen sich der daraus ergebenen Lektionen als sinnvoll an. Aus solchen Lektionen lernen ist allerdings leichter gesagt als getan. Mein Eindruck ist ausserdem, dass es fast unmöglich ist eine Affäre ohne Täuschung zu beginnen. Vermutlich ist es so, dass entsprechende Profis es einfach nicht sehen, dass sie jemanden täuschen bzw. argumentieren "für seine Gefühle ist jeder selbst verantwortlich". Profis vergessen bei einer Anbahnung z.B., dass sie fest liiert sind.

Wie @Jane1989 neige ich dazu es jeder neuen Bekannten recht machen zu wollen. Bis zu einem bestimmten Punkt ist dies sicher sinnvoll, allerdings gebe ich einfach zu viel und wahre zu wenig Distanz. Ich bin mir nicht sicher ob ich das ändern kann weil der "Fürsorger" mir bereits in der Kindheit ins Blut geimpft wurde.
 
  • #10
Liebe FS,
ich habe sie in der Vergangenheit immer anders verarbeitet - die letzte aber so, dass es mir jetzt richtig gut geht. Ich sehe meinen Anteil am Scheitern (z.B. viel Unpassendes zu lange übersehen und dann gewundert, dass es nicht funktioniert, und immer wieder gehadert), aber auch seinen. In diesem Fall habe ich sogar den Kontakt ganz abgebrochen, weil vieles einfach so unterschiedlich ist und manches mich letztlich immer wieder verletzt hat, dass ich seinem Leben gar nicht mehr "beiwohnen" möchte, auch nicht aus der Ferne.

Zusätzlich habe ich mich sehr intensiv mit meiner Familie beschäftigt, um dort wieder mehr Halt zu finden, halte guten Kontakt auch zu Cousinen, zu Nachbarn und Freundinnen, habe mich verschiedenen Initiativen/Gruppen angeschlossen, die mir inhaltlich etwas bedeuten. Ich fühle mich jetzt integrierter, als wertvoller Teil eines Ganzen, auch ohne Mann. Dennoch suche ich hier jemanden, mit dem das Leben noch schöner ist. Aber nicht aus einer Bedürftigkeit heraus, so wie das vorher durchaus mal der Fall war, sondern aus dem Bewusstsein heraus, dass mir Austausch, Auseinandersetzung (im inhaltlichen Sinne) und Ergänzung gut tun. Und dass ich einfach ein soziales (und sexuelles) Wesen bin, das nicht für alle Zeit allein sein möchte.

Ich grüße dich herzlich und wünsche dir viel Glück auf deinem Weg!
w55
 
  • #11
Ich denke, man verarbeitet Trennungen je nach Beziehung ganz unterschiedlich. Ich hatte Trennungen, da war ich am Tag darauf schon nicht mehr traurig und welche, da war ich auch 3 Jahre später noch nicht wirklich drüber hinweg. Und 3 Männer später immer noch nicht.
Zeiten ohne Beziehung lassen einen sicher auch mal reifen. Manche Menschen halten allerdings die Zeit mit sich selbst gar nicht aus, weil sie sich dann mit sich selbst und dem eigenen Scheitern beschäftigen müssten.
Andere definieren ihren Selbstwert über Beziehungen, fällt mir vor allem bei Frauen auf. Manche meinen, dass sie mit Mann mehr wert sind oder triumphieren, wenn sie angegraben werden nach dem Motto: "Schau wie begehrt ich bin".
Ich selbst muss sagen, ich habe keine Richtlinien, wie ich sein muss.
Wenn mir danach ist, einen Mann zu haben, dann suche ich eben einen - und zwar ziemlich aktiv - online, offline - egal. Ich mach Dates aus und dann klappt das auch.
Manchmal fühlt man sich aber auch nicht dafür bereit, weil der Alltag einen auffrisst oder man nicht bereit ist für etwas Neues.
Dann ist es eben so. Unglücklich war ich deswegen nie
Ich bin gerne alleine und brauche auch Zeit für mich alleine.
Aber wenn ich eine schlimme Trennung mit viel Herzschmerz zu verarbeiten hatte, dann war auch das volle Programm mit Heulen, 10 kg abnehmen, exzessiv feiern, nächtelange Freunde-Abende mit Tröstgesprächen und wochenlangem Zurückziehen mal dran.
Ich finde, man sollte gerade in Trennungstzeiten das tun, was einem guttut und wonach einem ist - ganz ohne Regeln.
Andere können einen vielleicht etwas unterstützen, aber man muss es doch alleine durchstehen, also sollte man auch alleine entscheiden was man wie macht.
 
  • #13
Deinen Entschluss finde ich gut. Denn:

In Beziehungen richte ich mich dann immer sehr nach dem Partner, bzw. gerate an solche, die dies implizit oder explizit verlangen.
Dazu tut man ja immer selbst seinen Anteil. Entweder man wählt sich solche Leute oder man sagt an entscheidenden Stellen in der Beziehung nicht "nein" zu dem dominanten Verhalten bzw. geht weg. Vielleicht bist Du als Frau auch speziell, also bräuchtest an sich einen Partner, der flexibler ist, als sonst so üblich.

Ich denke, wenn man besser "bei sich" ist, also weiß, was man für sich selbst will und begriffen hat, dass es wichtig fürs Richtigfühlen im eigenen Leben ist, und SO in die Bez. geht, fühlt sich der Verlust nicht mehr so hart an, weil man schneller und besser einsieht, dass es nicht passte.
Aber der Weg dahin ist hart. Man braucht ja eine Art Übergangsphase, in der Verstand und Erkenntnis zusammenkommen mit dem Gefühl und dem Handeln. Das kann sein, dass es eine Bez. ist, bei der man merkt, dass man wieder in alte Verhaltensweisen reinrutschen könnte, die einem nicht guttaten, und man deswegen den neuen Partner künstlich auf Abstand hält, damit er einem nicht so nah kommt, dass man wieder alles für die Beziehung tun will für das "Bedienen" der Verlustangst und gegen die Erkenntnis, die der Verstand schon gemacht hat. Und auch, weil auf Distanz gehaltene Menschen einem nicht so wichtig werden, dass es ein großes Loch reißen würde, wenn sie wieder gehen.
Wenn man darin schon sicher geworden ist, ohne Verlustangst auch "nein" zu sagen, wenn man was nicht will, braucht man den künstlichen Abstand nicht, sondern kann den anderen emotional an sich ranlassen.

Emotionale Unabhängigkeit bedeutet nicht, dass man nicht mehr lieben kann oder keine Liebe von anderen mehr wahrnimmt, sondern genau das Gegenteil: Man liebt und braucht aber nicht.
Andere zu brauchen, versetzt einen ja immer in eine Abhängigkeitsposition, so dass man entweder schnell alles macht, was der Partner will, oder emotionale Machtkämpfe gewinnen muss, damit der machen muss, was er nicht will, aber trotzdem bleibt.

Ich habe es so erlebt, dass emotionale Unabhängigkeit zwar nicht bewirkt, dass man locker einen Verlust wegsteckt. Denn die Trauer um das Gescheiterte oder das Nie-wieder-Kehrende bleibt. Aber die Angst ist nicht mehr dabei. Also man hat wirklich nur die Trauer und die Zeit, die sie braucht, und nicht noch eine Belastung dadurch, dass man seine emotionalen Ängste mitbearbeiten muss, einen Persönlichkeitsreifeschritt bewältigen muss. Man kann "gehen lassen" wegen Einsicht, statt sich anzuklammern aus Angst, und doch "abgerissen" zu werden.
 
  • #14
Wichtig ist: setze Dich nicht unter Druck, wie schnell es zu gehen hat, bist Du ruhig und zufrieden bist und Deine Mitte gefunden hast.

Du kannst sogar googlen, dass man fast immer alle Schritte eines Liebeskummer durchlaufe musst.
Bei einigen geht's schneller und bei anderen nicht.
Selten kommt man da mit Abkürzungen ans Ziel.
Ich habe nach meiner Ehe fast 4Jahre gebraucht...ok ich könnte mich auch mit kleinen Kindern, immer um mich kümmern.
Nach einer 7 jährigen Beziehung, wo man öfters nicht so nett mit mir umgegangen bin, wollte ich nicht nochmal 4 Jahre brauchen.
Bin so schnell wie möglich zu: ich habe mich auch so behandeln lassen und nicht alles war schlecht.
Eins habe ich mir aber nicht getan: getrauert
Nach 3 Jahren Knoten tief in mir habe ich: Gregor Meyle ..keine ( keiner hört man bei dem genuschel auch) ist wie Du angehört.
Passte völlig, habe 2 Tage geheult und dann war's weg.

Lasse es zu, probiere aus und sei nicht frustriert, wenn es Deine Zeit braucht.
 
  • #15
Deinen Entschluss finde ich gut. Denn:

Dazu tut man ja immer selbst seinen Anteil. Entweder man wählt sich solche Leute oder man sagt an entscheidenden Stellen in der Beziehung nicht "nein" zu dem dominanten Verhalten bzw. geht weg. Vielleicht bist Du als Frau auch speziell, also bräuchtest an sich einen Partner, der flexibler ist, als sonst so üblich.

Ich denke, wenn man besser "bei sich" ist, also weiß, was man für sich selbst will und begriffen hat, dass es wichtig fürs Richtigfühlen im eigenen Leben ist, und SO in die Bez. geht, fühlt sich der Verlust nicht mehr so hart an, weil man schneller und besser einsieht, dass es nicht passte.
Aber der Weg dahin ist hart. Man braucht ja eine Art Übergangsphase, in der Verstand und Erkenntnis zusammenkommen mit dem Gefühl und dem Handeln.

...

Ich habe es so erlebt, dass emotionale Unabhängigkeit zwar nicht bewirkt, dass man locker einen Verlust wegsteckt. Denn die Trauer um das Gescheiterte oder das Nie-wieder-Kehrende bleibt. Aber die Angst ist nicht mehr dabei. Also man hat wirklich nur die Trauer und die Zeit, die sie braucht, und nicht noch eine Belastung dadurch, dass man seine emotionalen Ängste mitbearbeiten muss, einen Persönlichkeitsreifeschritt bewältigen muss. Man kann "gehen lassen" wegen Einsicht, statt sich anzuklammern aus Angst, und doch "abgerissen" zu werden.
Das sind sehr kluge Worte, klingt etwas nach Erich Fromm. :) Und das "brauchen weil man liebt" statt "lieben weil man braucht" ist absolut mein Ziel.

Was meinst du damit, dass ich vielleicht "speziell" bin? Tatsächlich benötige ich ein relativ hohes geistiges Einvernehmen neben dem körperlichen, vielleicht noch mehr als andere.. aber ich glaube das meinst du nicht (?).

Allerdings stellt sich mir trotzdem die Frage, ob man nicht eine gewisse Abhängigkeit einfach in Kauf nehmen muss, wenn man sich wirklich einlässt. Aber klar, es wird einfacher (und es ist auch wahrscheinlicher dass man zusammen bleibt) wenn man Beziehungen als gefestigte Persönlichkeit mit der Fähigkeit Grenzen zu setzen eingeht.
Dann lässt man sich andererseits auch nicht vorschnell und kopflos ein, da klar ist, wie viel auf dem Spiel steht. Wenn man sich aber einlässt, dann vertrauensvoll und mit genug Raum für beide (Individuen).

Na, mal sehen wie das so wird, wenn ich das "Datingparkett" im Mai wieder betrete..

Vielen Dank für eure Geschichten und Gedanken. :)
 
  • #16
... einen Partner, der flexibler ist, als sonst so üblich.

Ich denke, wenn man besser "bei sich" ist, ... man deswegen den neuen Partner künstlich auf Abstand hält, damit er einem nicht so nah kommt, dass man wieder alles für die Beziehung tun will für das "Bedienen" der Verlustangst und gegen die Erkenntnis, die der Verstand schon gemacht hat. Und auch, weil auf Distanz gehaltene Menschen einem nicht so wichtig werden, dass es ein großes Loch reißen würde, wenn sie wieder gehen. ... Man kann "gehen lassen" wegen Einsicht, statt sich anzuklammern aus Angst, und doch "abgerissen" zu werden.
Zu Beginn schreibst du, dass die FS ggf. einen Mann brauch der flexibler ist als andere Männer, sprich einen Mann der sich an die FS anpasst sowie sie es bisher gemacht hat (?). Diese Umkehrung wäre auch nicht besser als das bisherige der FS. Tatsächlich ist in einer Partnerschaft sinnvoll, dass beide nicht auf ihren Standpunkt absolut beharren und sich in der Regel entgegen kommen.

Du beschreibst, dass Frau dahin kommt, dass sie sich zwar traurig aber angstfrei trennt. Angst ist ein sinnvoller Warnindikator. Ich habe einige Menschen kennen gelernt die offenbar keine Angst vor Verlieben und trennen haben. Deswegen suchen sie das Verlieben und trennen sich schnell wieder.

In den 28 Jahren meiner Beziehung waren diese Menschen vielleicht zwanzigmal verliebt und haben sich entsprechend oft angstfrei getrennt. Dies ist ihnen ganz besonders gelungen weil sie immer auch durch Fernbeziehung, LAT, Arbeit Distanz gehalten haben, sich zwar sexuell aber nie in eine Partnerschaft haben fallen lassen, zwar verliebt waren aber nie liebten.

Was ist nun besser, aus Bequemlichkeit wie ich die letzten 7 Jahre meiner Ehe in dieser verharren oder sich alle zwei Jahre neu zu verlieben/ zu trennen. Steckt nicht hinter beidem Angst.

Wenn ich mich richtig erinnere @void hast du dich bereits einmal von dem Mann mit dem du jetzt zusammen ziehen willst (oder ist das schon passiert?) getrennt und erst später diese Beziehung wieder reaktiviert.

Hast du dich ein zweites mal in ihn verliebt? Glaube ich nicht. Waren deine Motive hierfür wirklich frei von Angst. Wie wird es werden wenn ihr zusammen lebt. Habt ihr damit schon Erfahrung, nicht mit euch aber mit anderen Partnern?

Die FS will jetzt ab Mai die Suche wieder aufnehmen, ihre Auszeit beenden. Ich glaube, dass so ein Termin falsch und richtig ist. Richtig ist er als Strohhalm der beim Durchhalten überhaupt einer Pause hilft. Falsch ist er, weil man so eine Pause zeitlich überhaupt nicht planen kann.

Angst lässt sich auch nicht wegplanen, wegdenken, wegdiskutieren o.ä. Sie ist da. Was geht, ist zu versuchen sich nicht von ihr beherrschen zu lassen und mit ihr bewusst und rational umzugehen.
 
  • #17
Zu Beginn schreibst du, dass die FS ggf. einen Mann brauch der flexibler ist als andere Männer, sprich einen Mann der sich an die FS anpasst sowie sie es bisher gemacht hat (?).
Ich meine nicht das Anpassen und damit nicht klarkommen, sondern einen, der da wirklich flexibel sein kann. Angenommen, sie wäre Musikerin und hätte abends oft mal einen Auftritt oder am WE Proben. Wenn sie einen Mann hat, den das wirklich nicht stört, sondern der selbst so tickt, dass er viel Zeit für sich braucht und es ihn überhaupt nicht stört, die Zeit dann zu nehmen, wenn sie probt, und der sich DENNOCH nicht abkapselt aus der Beziehung, wäre das ein Flexibler. Dasselbe kann man auch bei Frau mit Kind sagen - wenn der Mann nicht denkt "oh, schön unverbindlich", weil die Frau eben nicht so viel Zeit für ihn hat, sondern wenn er Verbindlichkeit fühlt, aber auch allein klarkommt, ohne in der Zeit den Single zu spielen, dann geht er flexibel um mit der Situation.
Eine Frau, die sich nicht verwirklicht als Musikerin oder die keine weitere Verantwortung hat, ist "pflegeleichter", fordert nicht so viel Flexibilität und darauf beruhender Anpassung. Wenn der Mann sich nur anpasst aus Bedürftigkeit, weil er die Bez. behalten will, die gar nicht zu ihm passt, und er gar nicht flexibel ist, wird er unzufrieden in der Beziehung und das geht am Ende schief. Oder er versucht, die Frau umzumodeln und zu dominieren und dann passiert diese ungute Anpassung von der Frau, obwohl sie sich vielleicht als Musikerin verwirklichen MUSS, weil sie sich sonst nicht richtig fühlt in ihrem Leben.

Was ist nun besser, aus Bequemlichkeit wie ich die letzten 7 Jahre meiner Ehe in dieser verharren oder sich alle zwei Jahre neu zu verlieben/ zu trennen. Steckt nicht hinter beidem Angst.
Seh ich so. Einmal die Angst vor Veränderung, das andere Mal die Angst, sich tief zu binden. Wer so viele Bez. hat, hat mE Angst vor Nähe und gibt einer Bez. überhaupt keine Bedeutung.
Wenn ich mich richtig erinnere ...hast du dich bereits einmal von dem Mann mit dem du jetzt zusammen ziehen willst (oder ist das schon passiert?) getrennt und erst später diese Beziehung wieder reaktiviert.
Das muss jemand anderes hier sein. Mein Ex hatte sich von mir getrennt und wollte es nach 2 Wochen nochmal probieren. Schluss ist Schluss, weil ich dem anderen nicht mehr vertraue und wenn er sich wieder denkt, er müsse es beenden, soll ich nochmal den Schmerz durchleben. Das ist mir zu leichtfertig mit meinen Gefühlen umgegangen. Ich war der Typ, der Angst vor den Veränderungen hatte, ich wollte meine Bez. unbedingt behalten, obwohl schon sichtbar war, dass unsere Wege nicht mehr passen. Und ich hab mich 1 Jahr, nachdem Schluss war, total verliebt und gemerkt, dass ich zwar gedanklich schon weiter bin, aber gefühlsmäßig den neuen Mann auf Distanz gehalten hätte, um mich selbst vor nochmaliger ungesunder Anpassung zu schützen.
 
  • #18
Was meinst du damit, dass ich vielleicht "speziell" bin?
Im Beitrag an @Ejscheff habe ich es mit der Musikerin beschrieben.
Allerdings stellt sich mir trotzdem die Frage, ob man nicht eine gewisse Abhängigkeit einfach in Kauf nehmen muss, wenn man sich wirklich einlässt.
Die Frage ist vielleicht nicht, ob man abhängig wird (ich denke, das ist immer so, wenn man eine Bez. eingeht, weil sich zwei Leben ja verknüpfen), sondern ob man "das Kind" wird, also so abhängig, dass man allein nicht mehr überlebensfähig wäre. Was steht vorn: Die Abhängigkeit oder das Vertrauen? Ist es das Vertrauen, so würde, falls es verletzt wird, schlagartig die Abhängigkeit zumindest emotional vorbei sein, weil man so enttäuscht ist. Also man klammert nicht, weder an der Beziehung, so dass man alles wortlos erträgt, was der Andere tut, damit bloß nicht die Bez. kaputt geht, noch am Partner, so dass man ihm dauernd doch noch neue Chancen gibt in der Hoffnung, er würde sich noch ändern, wenn man es wieder und wieder sagt, was einen verletzt.

Ich seh das auch so, dass wenn man WEISS, dass man allein klarkommt seelisch, weil man schon mal so eine Phase im Leben hatte, wo man klarkam damit, man auch WEISS, dass es einen nicht umbringen wird, wenn der andere einen verletzt durch Vertrauensmissbrauch. Also kann man ein "höheres Risiko" eingehen, also sich angstfreier binden als jemand, der Angst hat, er ginge komplett ein, wenn der Partner ihn verließe. Der erste bindet sich wie ein autonomer Erwachsener, der zweite wie ein Kind.
@Ejscheff hat zwei gute Beispiele genannt, finde ich: Die Angst vor Veränderung und die Angst, sich tief einzulassen (also so interpretiere ICH das). Beides für mich eigentlich zu einer Medaille gehörend. Denn auch die Angst, sich tief einzulassen, ist ja die Angst vor der Wunde, die bei Zerbrechen der Bez. gerissen wird.
es wird einfacher (und es ist auch wahrscheinlicher dass man zusammen bleibt) wenn man Beziehungen als gefestigte Persönlichkeit mit der Fähigkeit Grenzen zu setzen eingeht.
Genau, weil Du dann auch besser wählst und gleich die aussortierst, bei denen Du nicht flexibel sein kannst, sondern Dich wieder verbiegen müsstest.