• #1

Wie können Geschwister sich so unterschiedlich entwickeln?

Liebe Foristi,

ich habe heute auch mal eine Frage, über die ich wirklich schon lange nachdenke, und auf die ich partout keine zufriedenstellende Antwort finde. Ich weiß auch gar nicht, ob sie wirklich in dieses Forum passt, aber in jedem Fall passt sie in diese Rubrik, und da es hier ja doch den ein oder anderen klugen, besonnenen, lebenserfahrenen Kopf gibt, hoffe ich auf gedankliche Anregung.

Ich frage mich, wie Geschwister, die die gleiche Kindheit hatten und die unter gleichen Bedingungen aufgewachsen sind, so diametral entgegengesetzt unterschiedlich sein können, dass das Leben solche unterschiedlichen Wege geht. Mir ist schon klar, dass die gleiche Kindheit für die Geschwister nicht auch die selbe Kindheit bedeuten muss, weil jedes Kind natürlich ein Individuum ist, aber ich verstehe es dennoch nicht...

Ich nenne die beiden Schwestern mal A und B. A ist 3 Jahre jünger als B, wird aber eher für die Ältere gehalten. Beide bei der Mutter aufgewachsen, die beide gleich gut behandelt hat. Beide kein Vater durch frühe Scheidung der Eltern.

A ist selbstbewusst und selbständig, robust, auch körperlich etwas kräftiger, glücklich verheiratet über Jahrzehnte, 1 Tochter (Wunschkind), guter Ehepartner, gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe, berufstätig, weil sie das immer wollte, auch als das Kind in den Kindergarten ging halbtags, eine Frau, die ihre Frau steht, Entscheidungen treffen kann, Freundinnen und Bekannte hat, Top-Familie, beide Elternteile haben eine sehr gute Beziehung zu ihrer Tochter.

B ist das genaue Gegenteil von A, schon immer ohne Selbstbewusstsein und unselbständig, körperlich sehr fragil, tendenziell eher kränklich, 1 Tochter (Wunschkind), Scheidung nach 6 Jahren (Ehemann fremd gegangen), sofort neuer Ehemann innerhalb eines Jahres, dominant, schlägt die Kinder (2 eigene Söhne) und misshandelt sie seelisch, zu B verhält er sich gut, ist aber der "Bestimmer" und Ernährer, B ist seit der ersten Ehe nie mehr wieder berufstätig, offenbar kein Interesse und sehr unselbständig, kann keinerlei eigene Entscheidungen treffen (nicht mal eine eigene Kaufentscheidung z.B. über ein Paar Schuhe), hat keine Freundinnen, keine Bekannten, keine Hobbies, absolut keine emotionale Beziehung zum eigenen Kind, zweite Ehe friedlich, aber vollkommen unterm Pantoffel, alle Kinder flüchten früh aus dem Elternhaus, die Söhne durch sehr frühe Ehen (mit 20 Jahren), die Tochter verlässt das Elternhaus mit knapp 18 Jahren mit Polizeischutz wg, gewalttätigem Stiefvater und bricht Kontakt zu allen ab, auch das nimmt B vollkommen passiv alles hin...

Wie können A und B dermaßen unterschiedlich sein?

Kann ein Kleinkind (B) möglicherweise durch sein 1. Lebensjahr noch zu Kriegszeiten (Flucht) so traumatisiert sein, dass es sich so vollkommen anders entwickelt als die zwei Jahre später (2 Jahre nach dem Krieg) geborene Schwester, die an einem "sicheren" Ort zu Welt gekommen ist?

Danke für Euren Input!
 
  • #2
Wir haben 3 Kinder, 2 Jungs, 1 Mädchen, alle 3 eigentlich gleich aufgewachsen, eigentlich, weil das natürlich nicht stimmt, weil der Große zumindest am Anfang nicht teilen musste, es immer eine interne Geschwisterhierarchie gibt, und man als Eltern ohne Erfahrung manches beim Ersten anders handhabt als beim letzten, Sandwich ist eh noch anders.
Das sind unterschiedliche Persönlichkeiten, unterschiedlich im Kontakt nach außen, mit unterschiedlichen Interessen. Es verbindet sie genug, dass es heute harmonisch ist, es sind Geschwister im positiven Sinn, es gab aber so manche stürmische Zeit.
Eine Grundausstattung hat jeder, dann kommen die ersten Einflüsse in der Schwangerschaft, und je nach Persönlichkeit wirken die gleichen Einflüsse von außen anders.
 
  • #3
Ich frage mich, wie Geschwister, die die gleiche Kindheit hatten und die unter gleichen Bedingungen aufgewachsen sind, so diametral entgegengesetzt unterschiedlich sein können, dass das Leben solche unterschiedlichen Wege geht.
Das ist simpel zu beantworten. Menschen kommen nicht als weiße Blätter Papier auf die Welt, sondern sind mit einer genetischen Disposition ausgestattet, die zu ca. 50% bereits ihren späteren Charakter ausmachen wird.

Demnach entwickeln sich Menschen bei ähnlichen Bedingungen dennoch unterschiedlich.

Du kannst ja nur etwas ausbilden, was in dir bereits angelegt ist. Daher reagiert der eine Mensch auf einen äußeren Einfluss so, und der nächste eben anders.
 
  • #4
Zwillinge sind sich vielleicht in vielem ähnlich, "normale" Geschwister eher nicht.
Meine beiden Söhne (36 + 32) sind sehr unterschiedlich, im Aussehen, in den Anlagen, Begabungen usw. verstehen sich aber sehr gut:) Geschwister eben.
 
  • #5
Ich habe sogar eine Zwillingsschwester und wir denken zwar sehr gleich und verstehen uns gut, sind aber völlig verschieden, was Stil, Ausbildung/Arbeit, Freizeitinteressen und Beziehungen betrifft. Wir hatten schon als Kinder eine gemeinsame beste Freundin, sonst aber andere Freundeskreise und Interessen, sind in gewisser Hinsicht ganz verschieden sozialisiert. Wir haben auch nie die gleiche Kleidung getragen oder Ähnliches und waren in verschiedenen Klassen.

In meiner Familie haben sich alle Geschwister ganz unterschiedlich entwickelt: Meine Oma hat studiert, sich viel in der Welt herumgetrieben, Kinder bekommen, ist ausgewandert, hat Bücher geschrieben, Dinge aufgebaut und so weiter, ein sehr aktiver, lebensfroher Mensch. Ihr Bruder hat sein Leben lang im gleichen Zimmer bei seiner Mutter gelebt, war eher träge und hatte nie eine Frau oder Kinder und ist einsam gestorben.

Meine Mutter war und ist abenteuerlustig, selbstbewusst und gesellig, ist ausgewandert, hat Kinder bekommen, war als Geschäftsfrau aktiv und erfolgreich, ist total kreativ und ein sehr positiver Mensch mit vielen Projekten. Ihr Bruder ist früh abgestürzt, hat nichts richtig auf die Reihe bekommen, hat Drogen und viel Alkohol genommen und ist schließlich daran gestorben.

Ich halte solche Unterschiede für ganz normal und denke, man entwickelt eben jeweils seinen eigenen Charakter und wird auch sehr durch seine Umgebung, die Menschen, die man trifft, und die Erlebnisse, die man hat, geprägt, da macht ja schon jedes einzelne gelesene Buch, jedes Gespräch und eben jede Erfahrung einen kleinen Unterschied, das summiert sich. Ich halte es auch für wichtig, die "richtigen" Menschen zu treffen, mich haben manche Menschen sehr geprägt, inspiriert und positiv beeinflusst, es gibt aber natürlich auch negativen Einfluss bzw. die Frage ist, wie man auf was reagiert. Meine Schwester und ich haben zum Beispiel schon früh ganz andere Vorbilder, Werte und Interessen gehabt, wir haben ein tiefes Verständnis füreinander und ticken im Grunde gleich, sodass wir unsere wahren Hintergründe, Gedanken und Motive immer durchschauen und uns immer unterstützen und nicht verurteilen, auch wenn wir uns mal heftig streiten, also wir haben eine besondere Verbindung und besonderes Wissen übereinander, das durch die gemeinsamen Erfahrungen zustandekommt, leben aber sehr verschiedene Leben.
w27
 
  • #6
Ich frage mich, wie Geschwister, die die gleiche Kindheit hatten und die unter gleichen Bedingungen aufgewachsen sind, so diametral entgegengesetzt unterschiedlich sein können
Die Antwort gibst Du Dir doch selber:
Mir ist schon klar, dass die gleiche Kindheit für die Geschwister nicht auch die selbe Kindheit bedeuten muss, weil jedes Kind natürlich ein Individuum ist, aber ich verstehe es dennoch nicht...

Die Kindheit in der gleichen Familie kann jenseits von unterscheidlicher genetischer Ausstattung sehr verschieden sein (Rolle des Kindes in der und für die Familie) und das hat Auswirkungen.
Ich habe das sowohl in meiner Familie wie auch in der Familie meines Exmannes gesehen - jeweils kinderreiche Familien (also schon größere Erkenntnisbasis) und kein Kind wie das andere.

Wenn man genau hinguckt und die familiären Hintergründe von den einzelnen Protagonisten erläutert bekommt ist offensichtlich wer sich warum so entwickelt hat wie er als erwachsener Mensch ist.

Ich nenne die beiden Schwestern mal A und B. A ist 3 Jahre jünger als B, wird aber eher für die Ältere gehalten. Beide bei der Mutter aufgewachsen, die beide gleich gut behandelt hat. Beide kein Vater durch frühe Scheidung der Eltern.
Schon da liegt Dein Trugschluß hinsichtlich "gleich aufgewachsen". Du musst lernen, genauer hinzugucken und nachzudenken über das, was Du siehst.
Von Gleichbehandlung sehe ich bei Dir nichts, denn üblicherweise wäre Kind A das ältere, Kind B das jüngere. Du aber kehrst das um und das hat einen Grund., deine im weiteren offensichtliche Beschreibung wer die gute und wer schlechte Schwester ist.

Ein Altersunterschied von 3 Jahren ist enorm bei kleinen Kindern. Und frühe Scheidung heißt dann auch, dass es sie nur für das jüngere Kind gilt: das ältere Kind B hat eine Menge vom Vater mitbekommen - auch die ganze Streitigkeiten zwischen den Eltern bis es endlich zur Scheidung kommt.
Sowas prägt fürs Leben und zeigt sich in späteren Beziehungen (auch schon Kinderfreundschaften).

Darüber hinaus: wenn frühe Trennung dann hat das ältere Kind mit 4-5 Jahren eine Menge emotionalen Stress auch bei der Mutter mitbekommen, war aber noch nicht reif genug, das alles verstehen zu könnnen - was wiederum Unsicherheit und Ängste auslöst.
Das jüngere Kind hingegen blieb mit max. 1-2 Jahren bei Trennung von alledem emotional deutlich weniger unbelastet und hatte daher ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten.
 
  • #7
B ist .... schon immer ohne Selbstbewusstsein und unselbständig, körperlich sehr fragil, tendenziell eher kränklich
Oha, Empathie ist nicht Deins wie mir scheint.

Krank sein heißt ja auch, dass das durch die Elternkonstellation eher ängstlich-unsichere Kind in deutlich mehr Lebenssituationen kommt, die verunsichernd sind, z.B. ärztliche Behandungen, die es nicht versteht, wo es Erlebnisse hat "tut nicht weh" und dann oh doch, es tut weh. Auf so einem Lebensacker können (Selbst-)vertrauen und Zuversicht nicht gedeihen.

Kann ein Kleinkind (B) möglicherweise durch sein 1. Lebensjahr noch zu Kriegszeiten (Flucht) so traumatisiert sein, dass es sich so vollkommen anders entwickelt als die zwei Jahre später (2 Jahre nach dem Krieg) geborene Schwester, die an einem "sicheren" Ort zu Welt gekommen ist?
Wieso jetzt 2 Jahre und vorher 3 Jahre Altersunterschied?
Natürlich hat sowas auf das ganze Leben Auswirkungen und zwar so heftige wie Du sie beschreibst, grad weil die Eltern ja mitbetroffen und auch psychisch geschädigt waren.

Wie kann man bloss so ahnungslos sein angesichts der Bedeutung welche die ganzen Fluchtwellen seit vielen Jahren auf unsere Gesellschaft haben - oder Langeweilethread?
 
  • #8
Ist doch ganz einfach, jeder Mensch hat seine eigenen Gefühle, die alleine ihm gehören, die genau dafür verantwortlich sind und nicht der fremd konditionierte Kopf!
 
  • #9
Meine Schwester und ich sind völlig unterschiedlich.
Wir sind aber nicht gleich behandelt worden. Das ist sicher ein nicht wesentlicher Faktor. Denn Eltern lieben ihre Kinder selten auf die gleiche Art. Selbst wenn sie es schaffen, sie gleich zu behandelt, wird das auf einer hören Ebene ein Faktor sein.
Ich glaube daran, dass jede Seele ihren eigenen Plan hat. Wir haben unterschiedliche Lebensaufgaben.
Mir gefällt die buddhistisch Idee vom Rad des Samsara. Jede Seele braucht etwas anderes um es im augenblicklichen Leben weiter drehen zu können.
Man kann es auch pragmatischer sehen und jedem Mensch einen eigenen Charakter zusprechen, der mit den selben Voraussetzungen dennoch gänzlich anders umgehen wird.
 
  • #10
Geschwister streben nach meiner Erfahrung nach Abgrenzung zum anderen Geschwister. Nach Eigenem. Besonders in jungen Jahren, während sie sich im Erwachsenenleben auch wieder annähern können. Dann wird gern auch Gleiches wieder betont. Es gehört zur Entwicklung eines eigenen Selbst, der Individualität, nach der wir (auch) streben, sich deutlich und gesund abzugrenzen. Manchmal gibt es diese Möglichkeit in der Familie nicht. Dann werden auch Extreme gewählt um das ICH deutlich zu machen.

Ich kenne das auch so, momentan ist der Stand wohl so: Charakter 50% Vererbung, Rest Sozialisation etc.
 
  • #11
B ist das genaue Gegenteil von A, schon immer ohne Selbstbewusstsein und unselbständig, körperlich sehr fragil, tendenziell eher kränklich
Oha, Empathie ist nicht Deins wie mir scheint.
Woraus schließt du das bei dem, was sie geschrieben hat? Ich kann doch auch als empathischer Mensch meinen, dass jemand ohne Selbstbewusstsein und unselbständig ist. Und jemanden als fragil und kränklich tu beschreiben, erscheint mir auch nicht unempathisch.
 
  • #12
Eine Grundausstattung hat jeder, dann kommen die ersten Einflüsse in der Schwangerschaft, und je nach Persönlichkeit wirken die gleichen Einflüsse von außen anders.
Ich erinnere mich noch an den Moment im Geburtsvorbereitungskurs an dem die Hebamme sagte, unsere Babys im Bauch haben schon jetzt eine eigene Persönlichkeit und genauso ist es auch.
Manche Babys sind total lieb und ruhig und entspannt, schlafen viel und manche sind eben eher Schreikinder obwohl kein Pups quer sitzt und das obwohl diese vielleicht Geschwister sind. Ich denke ein paar Eigenschaften bzw. die Anlage zur Begünstigung bestimmter Wesenszüge wird schon mitgegeben, die Umwelt beeinflusst diese nochmal ein wenig.
Ich denke wir sind in der Forschung noch nicht so weit wie man es sich vorstellen kann.
seinen eigenen Charakter und wird auch sehr durch seine Umgebung, die Menschen, die man trifft, und die Erlebnisse, die man hat, geprägt, da macht ja schon jedes einzelne gelesene Buch, jedes Gespräch und eben jede Erfahrung einen kleinen Unterschied, das summiert sich.
Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und sagen jeder geht mit den erlebten Situationen anders um, unabhängig davon ob man verwandt ist, Beispiel wenn Schwester A und B zusammen sind und auf irgendeine bestimmte Situation treffen, müssen diese dann dazu nicht die selbe Einschätzung, die selben Gedanken haben auch wenn sie zusammen aufgewachsen sind.

Außerdem erlebt man nicht immer das selbe, man ist ja nicht aneinander gebunden, man bewegt sich frei, trifft unterschiedliche Menschen etc. man denkt ganz anders, man ist einfach ein anderer Mensch, ein Individuum.

W 28
 
  • #13
Vielen Dank für alle Antworten! Ich werde sie noch ein weiteres Mal in Ruhe lesen und alles sacken lassen...

Nein, kein Langeweilethread. Macht das wirklich den Eindruck?
eine Frage, über die ich wirklich schon lange nachdenke

Wie kann man bloss so ahnungslos sein angesichts der Bedeutung welche die ganzen Fluchtwellen seit vielen Jahren auf unsere Gesellschaft haben
Öhms, danke für die Schelle...
Ich habe mich durchaus mit der Flüchtlingssituation auseinandergesetzt und beziehe sie in mein Gedankenkarussel mit ein, deshalb frage ich ja:
Kann ein Kleinkind (B) möglicherweise durch sein 1. Lebensjahr noch zu Kriegszeiten (Flucht) so traumatisiert sein, dass es sich so vollkommen anders entwickelt als die zwei Jahre später (2 Jahre nach dem Krieg) geborene Schwester, die an einem "sicheren" Ort zu Welt gekommen ist?
weil ich eine Antwort suche, die mir weiter hilft

Oha, Empathie ist nicht Deins wie mir scheint.
Ich beschreibe die Charaktereigenschaften so sachlich wie möglich. (Danke @Steinbock89)

(Fragil und tendenziell eher kränklich übrigens im Erwachsenenalter, als Kind robust. Aber manches, was wir erlebt haben, äußert sich ja auch erst im Erwachsenenalter psychosomatisch... falls das hier überhaupt eine Rolle spielt und nicht zufällig ist)

Vielen Dank noch mal für Eure Antworten, ich lasse sie sacken...
 
  • #15
Die Genetik ist ja durchaus ein interessantes Ding... Es kann ja durchaus sein, dass ein Mensch bedingt durch die Genetik, z.B. einem Großelternteil oder einer Tante oder einem Onkel optisch oder von der Art her ähnlicher ist als den Eltern...

Bleiben wir bei den Schwestern A und B
Wieso jetzt 2 Jahre und vorher 3 Jahre Altersunterschied?
ca. 2,5 Jahre Altersunterschied

Genetik, die einen Menschen so ausgeprägt beeinflussen kann, kann nur durch Verwandte der geraden Linien (Eltern) und der Seitenlinien (Geschwister der Eltern) und Großeltern entstehen, richtig? Über die Großeltern von A und B weiß ich nichts. Elternteile sind bei beiden die selben. Die Tanten (keine Onkel) sind sich ähnlich, ebenso wie die Mutter, eher wie Schwester B.

Ich sollte vielleicht eher das Erleben von A im Mutterleib und als Baby während des Fluchtjahres der Mutter und die ersten Jahre bis zur Geburt von B als wesentlich mit auslösende Ursache in Betracht ziehen?
 
  • #16
Ich sollte vielleicht eher das Erleben von A im Mutterleib und als Baby während des Fluchtjahres der Mutter und die ersten Jahre bis zur Geburt von B als wesentlich mit auslösende Ursache in Betracht ziehen?

Vielleicht ist es auch einfach so, dass durch solch ein zartes, sensibles, filigranes Pflänzchen von Mensch dann später durch die Ehe mit Scheidung und die zweite Ehe mit einem bestimmenden Familienernährer zunehmend ein Mensch geworden ist, der sich irgendwie im Nichts aufgelöst hat... seelisch wie körperlich? Und der dann eigentlich gar nicht mehr "vorhanden" war und nur noch so etwas wie eine "leere menschliche Hülle"... Kaputt gemacht? Aber weshalb ist sie nie an ihre eigenen mentalen Reserven gegangen, z.B. als es galt, das eigene Kind zu schützen? Ich habe letztens mal eine Doku gesehen, da hat eine winzige Mäuse-Mama ihr Neugeborenes vor einer Schlange verteidigt! Die Mama hat alles gegeben und tatsächlich die Schlange in die Flucht getrieben.

Wiederum gibt es (sehr grausame) Labor-Tests mit Farbratten, die belegen, dass die Genetik von traumatisierten Tiere anders ist (hat sich verändert) als die von mental gesunden, kräftigen Tieren, und die traumatisierten viel eher aufgeben, wohin gegen die unbelasteten Ratten länger und stärker um ihr Leben kämpfen (das waren grausame "Schwimm-Tests").
 
  • #17
Warum sollten zwei verschiedene/unterschiedliche Menschen gleich oder ähnlich sein?
 
  • #18
Woraus schließt du das bei dem, was sie geschrieben hat?
Aus dem Kontext.
Sie beschreibt doch im Eingangsthread, dass das ältere Kind seine Heranreifung im Mutterleib in einer Kriegssituation verbracht hat und seine ersten Lebensjahre seiner Kindheit von Flucht vor dem Krieg, ankommen im fremden Land bestimmt waren, dann ohne Beruhigungschance kommt das nächste Kind, die Ehe scheitert usw.
Da muss man schon weitgehend empathiefrei sein, um nicht zu sehen: oh, das hat genau die Auswirkungen, die sich bei der Frau zeigen und die Schwestern hatten vollkommen ungleiche Bedingngen in der am stärksten prägenden Lebensphase - nix mit gleicher Kindheit.

Ich erinnere mich noch an den Moment im Geburtsvorbereitungskurs an dem die Hebamme sagte, unsere Babys im Bauch haben schon jetzt eine eigene Persönlichkeit
Mehr als das. Sie sind am Blutkreislauf der Mutter angeschlossen. Hat die Mutter also einen hohen Stresslevel (der bei Krieg und Flucht anzunehmen ist), dann wird auch der Cortisolgehalt im Blut der Mutter durch das Kind gespült und bestimmt dessen Ausgestaltung des vegetativen Nervensystems (robust oder empfindlich gegen Reize), d.h. körperliche Anlage von die Persönlichkeit bestimmenden Faktoren.

Ja. Denn das was die Antwort auf Deine Fragen bei zeitgemäßer Gesundheitsbildung ist stellst Du ganz ans Ende - Kriegs- und Fluchterfahrung. Sowas (allerdings spätere Nachlieferung um die Debatte anzuheizen) ist üblicherweise Kennzeichen von Fakethreads.

weil ich eine Antwort suche, die mir weiter hilft
Achso. Ich hätte nicht gedacht, dass ein durchschnittlich gebildeter Mensch die Antwort nicht kennt, wo die Auswirkungen doch schon so lange unsere Gesellschaft prägen, nicht nur aus der neueren Geschichte, sondern auch aus der Elterngeneration der älteren von uns. Da gibnt es Kriegs- und Fluchterfahrung doch reichlich mit gravierenden Auswirkungen und das im gleichen Sprach- und Kulturraum.

Aber manches, was wir erlebt haben, äußert sich ja auch erst im Erwachsenenalter psychosomatisch...
Genauso ist es: wenn viel bis alles geschafft ist im Leben, dann bröckeln die Mauern und es tritt zutage was so lange verdrängt wurde - bei den einen früher (wie hier bei Kind B), bei den Tüchtigen später, meistens erst ab 50 wenn eigentlich Ruhe und ernten der Früchte stattfinden sollte.

s.o. es gibt andere, deutlich wichtigere Einflüsse als Genetik, z.B. die geschilderten biochemischen.
 
  • #19
Ich sollte vielleicht eher das Erleben von A im Mutterleib und als Baby während des Fluchtjahres der Mutter und die ersten Jahre bis zur Geburt von B als wesentlich mit auslösende Ursache in Betracht ziehen?
Richtig - biochemische Wirkung während der Schwangerschaft und die Zeit der Flucht, Ankunft, erlebte Fremdheit und auch Hilflosigkeit der Eltern (sozialer Einfluß).

Aber weshalb ist sie nie an ihre eigenen mentalen Reserven gegangen, z.B. als es galt, das eigene Kind zu schützen?
Weil sie keine hatte. Woher hätten Reserven denn kommen sollen? Die verlangen ja erst mal eine Zeit des Überschusses um sie anzulegen. Ich sehe nicht, wo die Reserven bei ihr hätten herkommen sollen.

Wiederum gibt es (sehr grausame) Labor-Tests....
Du zeigst mit diesen Einwürfen, Du weißt genau, was Sache ist - die KO-Ratten geben auf statt zu kämpfen und genau das zeigt die angeschlagene Frau B doch ganz genauso - keine Kraft, keine Hoffnung.

Warum also auf der Frau rumhacken, die es nicht schafft sich ein schönes Leben zu machen? Warum kannst Du die relevanten für Dich noch offenen Fragen zum Thema bei bereits vorhandenem hohem Kenntnisstand nicht stellen ohne Hackerei auf einen Menschen dessen Schicksal Du selber nicht haben wolltest und wahrscheinlich auch nicht besser bewältigen könntest?

Die Kinder machen es richtig: sie verlassen frühestmöglich das destruktive Elternhaus um sich ein eigenes Leben aufzubauen. Das gibt ihnen Chancen, die sie im Elternhaus unter Dauerstress nicht haben.
Ob ihnen ein besseres Leben gelingt wird sich zeigen.
 
H

Hammurabi

Gast
  • #20
Ich war selbst als jüngerer Bruder immer introvertiert, schüchtern und zurückhaltend, mein Bruder stets mutig und aufgeschlossen. Die Ausgangslage war für uns beide die gleiche, gutes behütetes Elternhaus auf dem Land, schöne Kindheit, aber strenge Erziehung. Wir bekamen immer gleich viel und wurden gleich behandelt, unsere Interessen klafften anfangs aber schon immer auseinander, ich der Streber, er der Ausgeher und Frauenheld. Das ging etwa bis ich 20 war und erst durch meinen Ausbruch aus dem behüteten Elternhaus konnte ich mich wandeln, hin zu einem selbstbewussten und frohsinnigen Menschen. Erst über die Jahre haben wir dann beide unterschiedlichste Erfahrungen gemacht die uns am Ende wieder zusammengebracht haben. Nun sind wir beide weltoffen, strebsam und genießen das Leben, möglichst außerhalb konservativer Konventionen. Da wir in unserer Kindheit immer die gleichen Chancen und Möglichkeiten hatten und ähnlich sozialisiert wurden, kann ich daraus nur schließen dass wir genetisch eben vorkonditioniert waren. Ich war auch immer der Schwächere, bis ich explizit Kampfsport trainiert hatte. Man kann es also beeinflussen, aber es gehören Überwindung und harte Arbeit dazu, und das Brechen mit anerzogenen Dogmatiken. Mich hatten diese stärker beeinflusst als ihn.🤷🏻‍♂️
 
  • #21
Die Tanten (keine Onkel) sind sich ähnlich, ebenso wie die Mutter, eher wie Schwester B.
Ich sollte vielleicht eher das Erleben von A im Mutterleib und als Baby während des Fluchtjahres der Mutter und die ersten Jahre bis zur Geburt von B als wesentlich mit auslösende Ursache in Betracht ziehen?
Entschuldigung vielmals, ich bin doch eine dusselige Knalltüte, habe hier A und B vertauscht 🥴, sorry. Aber ich glaube, man versteht trotzdem, was ich meine...
 
  • #22
Achso. Ich hätte nicht gedacht, dass ein durchschnittlich gebildeter Mensch die Antwort nicht kennt, wo die Auswirkungen doch schon so lange unsere Gesellschaft prägen, nicht nur aus der neueren Geschichte, sondern auch aus der Elterngeneration der älteren von uns
Jein @Vikky . Das kann man auch aus den Antworten heraus lesen. Ausser Dir ist keiner auf diesen Satz angesprungen. Die Flucht Deiner Eltern ( ich meine mich erinnern zu können, dass es Ostpreußen war) ist biografisch in Dir verwurzelt. Logischerweise bist Du damit vertrauter als jemand, der diesen Background nicht hat. Und ob die FS ihn hat, wissen wir nicht.

Mir sprang der Satz ebenfalls direkt ins Auge. Aber ich bin die Tochter einer Mutter, die als Kind die Bombardierung Dresdens überlebte, deren Schwester dabei umkam, und die dabei war als meine Großmutter von russischen Soldaten vergewaltigt wurde. Über nicht verarbeitete ( falls man diese überhaupt jemals verarbeiten kann)Kriegstraumata im Kindheitsalter, muss mir niemand etwas erzählen. Diese wirkten bei meiner Mutter bis zu ihrem Tod. Über psychologische Nichtbetreuung nach dem Krieg, muss ich Dir auch nichts erzählen.

Gerade in den letzten Jahren ist das Thema ziemlich intensiv aufgearbeitet worden @lilalotus. Sabine Bode hat einige Bücher hierzu geschrieben. Das neueste Buch zu dem Thema ist von Miriam Gebhardt "Unsere Nachkriegseltern."
Falls Interesse.

Und nein @Vikky , ich sehe dies nicht als Allgemeinbildung. Es interessiert zumeist nur diejenigen, die biografisch davon betroffen sind oder die, die eventuell noch gerne ZDF history sehen. Aber ja, eigentlich schade.
W, 57
 
  • #23
Warum sollten zwei verschiedene/unterschiedliche Menschen gleich oder ähnlich sein?
Das habe ich so nicht in den Raum gestellt...

Vielleicht vermag ich mich auch nicht besonders gut auszudrücken oder es ist mir nicht wirklich möglich, das gut zu beschreiben. Aber das was mich drängt, ist im Grunde die Frage, warum? Wie konnte das entstehen? Wie kommen diese exorbitanten Unterschiede zwischen dem Rest der (weiblichen) Familienangehörigen (Mutter, Schwester, mehrere Tanten, aber auch Cousin) und ihr zustande? Niemand von denen hätte jemals zugelassen, dass ein Mensch ihre Kinder misshandelt, schlägt, töten will. Auch nicht die Frauen, die den Krieg miterlebt haben. Ich will wissen: was ist passiert, dass es so gekommen ist? Wie ist sie als Mutter so geworden?

Vielleicht nicht mal, wo ist die "Schuld" bei der "schwachen" Schwester, dass sie all die Katastrophen, die später in ihrer eigenen Familie (zweite Ehe) geschehen sind, nicht wenigstens versucht hat, zu verhindern. Oder weshalb ist sie nicht eingeschritten? Klar, man kann sagen, die beiden Söhne des zweiten Ehemannes waren nicht ihre Kinder, soll er sie halt verprügeln. Aber sie hatte ein leibliches Kind, das genauso schutzlos war wie sie als Kind (wobei sie ihre Mutter hatte, die sie geschützt hat)... Weshalb hat sie nicht versucht, das zu schützen? Zumindest im Rahmen ihrer Möglichkeiten? Ich verstehe das nicht... Ich habe keine Kinder, ich habe einen Hund, aber nicht mal den würde jemand grob anfassen! Ich würde es auch nicht zulassen, dass fremde Kinder zusammengeschlagen werden, wenn ich es mitbekomme. Und sie war eine Mutter... Alle anderen in der Familie waren aber nicht so, die hätten so etwas auch nicht zugelassen. Keine Katze und keine Hündin, nicht mal eine Maus lässt zu, dass man ihren Jungen etwas antut... selbst kleine Vögel, deren Brut von größeren Vögeln angegriffen wird, versuchen zumindest, die Vögel, gegen die sie gar keine Chance haben, zu vertreiben...

Ich verstehe das nicht, wodurch eine Mutter so wird. Ich möchte es aber verstehen... Vielleicht konnte ich mich jetzt besser ausdrücken.
 
  • #24
Ja..... Sowas (allerdings spätere Nachlieferung um die Debatte anzuheizen) ist üblicherweise Kennzeichen von Fakethreads.
Das bedaure ich. War mir nicht bewusst, dass es jemand so auffassen könnte, auch wenn ich zugebe, dass ich hier in diesem Forum häufig selbst den Gedanken habe, dass es sich um Fakethreads handelt. Ich kann versichern, dieser ist keiner, für so etwas wäre mir meine Lebenszeit viel zu schade, um so etwas zu konstruieren. Ich suche tatsächlich nach einer Antwort...
Ich habe das Kriegsthema nicht "nachgeliefert", es steht im Eröffnungsthread und ich habe es dort erwähnt, weil ich inzwischen vermute, dass es eine wesentliche Rolle spielt...

das ältere Kind seine Heranreifung im Mutterleib in einer Kriegssituation verbracht hat und seine ersten Lebensjahre seiner Kindheit von Flucht vor dem Krieg, ankommen im fremden Land bestimmt waren, dann ohne Beruhigungschance kommt das nächste Kind
Ja, die Zeit im Mutterleib und das erste Lebensjahr hat sie auf der Flucht vor dem Krieg erlebt. In ein und demselben Land, sie sind vom Osten in den Westen geflohen, aber das spielt ja keine Rolle. Es war Krieg.

Weil sie keine hatte. Woher hätten Reserven denn kommen sollen? Die verlangen ja erst mal eine Zeit des Überschusses um sie anzulegen. Ich sehe nicht, wo die Reserven bei ihr hätten herkommen sollen.

Mehrere Jahrzehnte in Friedenszeiten und im Wohlstand und mit einem "Beschützermann" (der an sie hätte nie etwas kommen lassen) in "geregelten" Familienverhältnissen reichen nicht aus, um so viele Reserven zu sammeln, sich vor jemanden zu stellen, der das eigene Kind misshandelt? Im Ernst? Okay, dann gebe ich zu, mir fehlt wirklich die Empathie... davon habe ich tatsächlich nicht so wahnsinnig viel, da hast Du recht, aber ich versuche rational zu verstehen, was ich emotional nicht erfassen kann...

Ich versuche, Deine Spitzen zu überlesen und an mir abprallen zu lassen und suche mir das aus Deinen Beiträgen heraus, das mir weiterhilft. Danke.

Unterm Strich kann man wohl sagen, dass die Zeit im Mutterleib und ca. die ersten beiden Lebensjahre die prägendste Zeit sind. Verstehe ich. Waren sie dann auch bei mir und allen anderen. Aber ich verstehe immer noch nicht, dass die einen ihre Kinder schützen und andere nicht...

Vielen Dank auch für alle anderen Antworten! Jede Antwort hilft mir ein bisschen weiter.
 
  • #25
Die Frau ist tief traumatisiert, deswegen ist sie so, Vikky hat es schon erklärt, sie KANN nicht einschreiten, ihre Lebensleistung ist es zu leben, mehr als irgendwie überleben kann sie nicht.
Ich frage mich da eher, warum greift denn der Rest der Familie nicht ein? Warum sieht seit x Jahren niemand, dass da ein Mensch ist, der Hilfe braucht, es ist nicht nur das Erleben des Krieges, die Familie hat bei diesem Kind vollständig versagt, das Kind hat keinen Halt gefunden, keine Sicherheit,
Schon immer ohne Selbstbewusstsein und unselbständig, körperlich sehr fragil,
Das ist nicht nur durch das Trauma, das die 1 jährige erlitten hat, was war danach in der Familiendynamik, die Kleine als Randfigur im Schatten der tollen, jüngeren Schwester.
Was ist passiert, dass es so gekommen ist? Wie ist sie als Mutter so geworden
Sie ist nicht als Mutter so geworden, sie war vorher schon nicht lebensfähig, solche Erfahrungen in so kleinem Alter sind Urerfahrungen, nur sehr mühsam mit spezieller Traumatherapie zu korrigieren, und zudem haben alle ihre Erfahrungen hinterher, mit ihrer Familie, mit ihren Partnern immer wieder bestätigt, dass sie nichts taugt. Gewalt physisch und psychisch, sie ist Opfer, nicht Täterin.
 
  • #26
@lilalotus Die Entwicklung eines Menschen ist ein sehr multifaktorielles Geschehen. Man wird nicht nur durch Genetik, sondern durch alle, bewusste und unbewusste, auch noch so kleine Ereignisse geprägt. Und da niemand genau dieselben Erfahrungen gemacht hat wie eine andere Person gemacht hat, gibt's auch keine zwei gleichen Persönlichkeiten auf der ganzen Welt. Da ändert auch der Umstand nichts, dass man ein Geschwisterteil oder Zwilling ist. Ganz einfach.
 
  • #27
Liebe FS, Du kennst zwei Menschen, die in deinen Augen unterschiedlich sind. Ob der Krieg Schuld war? Hm, sicherlich hat der Krieg eine Rolle gespielt aber beide waren sehr jung als der Krieg vorbei war. Vielleicht ist die Mutter der beiden Frauen schuld. Viele Frauen wollten früher als erstgeborenes Kind einen Jungen haben. Vielleicht hat die Mutter deswegen Minderwertigkeitskomplexe gehabt und ihre Unsicherheit an das Kind weitergegeben. Vielleicht sah das Kind auch nicht sehr hübsch aus oder sah aus wie die Schwiegermutter 😀.
 
  • #28
Man kann es also beeinflussen, aber es gehören Überwindung und harte Arbeit dazu, und das Brechen mit anerzogenen Dogmatiken.
Dankeschön. Ich wünschte, sie (die "schwächere" Schwester) hätte es auch getan oder gekonnt... Ich gratuliere Dir dazu, das hast Du gut gemacht. Ich bin auch solch ein Mensch, der der Hölle entkommen und aus dem Gully rausgekrochen ist. Ich habe es widerlegt, das die Zeit im Mutterleib und die ersten Lebensjahre (und eine ganze beschissene Kindheit und Jugend mit sämtlichen Verkettungen danach, die wie kleine Uhrenrädchen ineinandergreifen), einen vollkommen passiven Menschen aus einem machen müssen. Womöglich kann ich es einfach auch deshalb nicht erfassen, dass die "schwächere" Schwester niemals aus dieser Position herausgekommen ist, selbst dann nicht als es galt noch etwas (vermeintlich) Wertvolleres zu schützen, als ich ihr eigenes Leben (man sagt ja immer, dass Mütter für ihre Kinder sogar töten würden...)

@Vikky Ich hacke nicht auf dieser Frau herum, das interpretierst Du vollkommen falsch. Wirklich nichts liegt mir ferner... ich will das alles nur verstehen...
 
  • #29
Die Frau ist tief traumatisiert, deswegen ist sie so, Vikky hat es schon erklärt, sie KANN nicht einschreiten, ihre Lebensleistung ist es zu leben, mehr als irgendwie überleben kann sie nicht.
Ja, es ist wohl einfach genau so... Sie konnte nicht anders.

Ich frage mich da eher, warum greift denn der Rest der Familie nicht ein? Warum sieht seit x Jahren niemand, dass da ein Mensch ist, der Hilfe braucht
Ich glaube, der Rest der Familie hat getan, was er konnte... vielleicht "sahen" sie es auch nicht, weil sie alle selbst ihre eigenen Päckchen zu tragen hatten?
Den eigenen Vater hatte sie wohl nur in ihrer Frühkindheit zwei, drei Mal gesehen. Er hat den Krieg überlebt, die Eltern haben sich durch den Krieg auseinandergelebt, dann kam die Scheidung.
Die eigene Mutter, dann lebenslang ohne Mann, die Schwestern der Mutter alle ebenso.
Die Mutter hat sich regelmäßig mit ihr getroffen, sie hatten ein gutes Verhältnis für die Verhältnisse seinerzeit (ob das nun sehr emotional war, wage ich zu bezweifeln). Mit den Tanten, also Schwestern der Mutter das gleiche. Trümmerfrauen, ohne Männer, mit Kindern, die hatten auch ihr Päckchen zu tragen.
Die Schwester der "schwächeren" Schwester hat sich immer viel um sie gekümmert. Alle haben sich regelmäßig gesehen.
Der (zweite) Beschützer-Ehemann glaubte vermutlich, sie auch vor ihrem eigenen (sehr ruhigen, artigen, unauffälligen, selbst traumatisierten) Kind schützen zu müssen, ich weiß es nicht...

Ja, sie konnte wohl nicht anders...
 
  • #30
Nicht alles ist auf die Entwicklung in der Kindheit zurückzuführen.
Die Entwicklung hört nicht nach der Kindheit auf.
Im Gegenteil wird man geprägt durch die Erfahrungen, die man unabhängig vom Elternhaus macht.

Wenn nun die eine Schwester eine "erfolgreiche" Ehe führt, dann ist das ja nicht alleine von ihr abhängig, sondern eben auch von dem Partner.

Wenn die Ehe der anderen Schwester scheiterte, ist das auch nicht alles auf Sie als Person zurückzuführen.
Und natürlich haben gravierende Lebensereignisse, wie z.B. eine Scheidung, Einfluss auf das Selbstbewusstsein. Manche Ereignisse können auch krank machen. Es folgen dann Anpassungsreaktionen aus Angst, die nicht immer zielführend sind.

Es kann jemand von Schicksalsschlägen verschont bleiben und ein anderer eben nicht.
Hat nicht zwingend etwas mit der Entwicklung in der Kindheit zu tun.

Grundsätzlich ist es jedoch sicherlich auch genetisch angelegt, wenn die eine Schwester robuster erscheint und die andere kränklicher und labil.
Es kann auch ein Geschwister Downsyndrom haben und das andere nicht.
Es kann ein Geschwister seelisch erkranken und das andere nicht.
Usw. usf.
Es ist eben nicht immer alles Rosenwasser.

auch das nimmt B vollkommen passiv alles hin...
A scheint gesund zu sein, während B offensichtlich seelisch krank ist.
Das ist wie wenn A gesund ist und B Krebs hat.

Das Problem ist immernoch, dass eine psychische Erkrankung nicht wie eine Krebserkrankung gesehen wird. Es wird immer noch geglaubt, es läge in der Person und sie könne das beeinflussen.
So als könne sich ein Krebskranker selbst heilen.
 
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