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Gast

  • #1

Wie kann ich meine Gehemmtheit bei seinen Sexphantasien ablegen?

Wir kennen uns seit bald 19 Jahren und sind seit 10 Jahren verheiratet, haben Kinder. Die sexuelle Unzufriedenheit seits meines Mannes war von Anfang an da. Ich habe einen zeit- und kraftraubenden Beruf ausgesucht als Ärztin. Aus meiner Familie habe ich viele Hemmungen, wortlose Erwartungen und starre Vorstellungen mitgebracht. Sex hatte ich länger als 1 Jahr nicht zugelassen, obwohl mein Mann sich danach gesehnt hat. Als mein Vater mich Schlampe nannte (er dachte sich viel mehr als da war), gab mir das grünes Licht. Ich wollte damals meinen Freund und will jetzt meinen Mann nicht verlieren. Mein Mann liebt mich sehr, hat sich auch sehr geöffnet und teilte mir immer seine geheimen Wünsche mit. Er war mir immer um Welten voraus. Mein Mann hat versucht mit mir über das Thema "SEX" und "Sexwünsche" zu reden, aber ich hatte nichts beizutragen, hatte sogar ihn mit seiner Sexualität/Wünschen abgelehnt. Erst wenn mein Mann einer seiner Sexwünsche in sich abgetöten hat, habe ich gemerkt, dass die Sache mir doch gefallen könnte. Ich hatte sogar ein Problem in einer wirklich einsamen Bucht nackt zu schwimmen. Ich konnte nichts annehmen und konnte (obwohl mein Mann da sehr offen und verständnisvoll ist) mich selber nicht einbringen.
Es gibt so vieles was mir im Weg steht: die unendliche Müdigkeit, die wenige Freizeit, meine Passivität und Gehemmtheit, nun auch die Kinder (Grosseltern wohnen hunderte von km weit weg). Und doch möchte ich versuchen meine Ehe noch zu retten. Kennt Jemand eine Möglichkeit eines Neuanfangs? Wie findet man Gemeinsamkeit?
 
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Gast

  • #2
]Jammer nicht so viel! Leiste dir zwei mal pro Woche für 2-3 h einen Babysitter! An dem einen machst du Sport+Duschen im Sportstudio/ Saunaabend mit Mädels/ Entspannung ect. und an dem anderen unternimmst du was mit deinem Mann. Macht regelmäßig ein Päarchenabend, Kino, Essen gehen, Tanzen, ohne Hinteredanken (ala jetzt müssen wir endlich aufregenden Sex haben), klammert das Thema Sex aus (natürlich muss das vorher gemeinsam ausgemacht werden!), entspanne dich, setzte sich nicht unter Druck und genieße die Zeit mir deinem Mann. Der Rest erledigt sich dann schon ganz von alleine.

25 w. (auch Medizinerin)
 
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  • #3
...die unendliche Müdigkeit...

Mache zunächst eine Bestandsaufnahme Deines Lebens. Was läuft gut, wo verlierst Du Energie? Eventuell mit Hilfe eines Coachings. Ich kenne diese Müdigkeit. Obgleich ich viel zu tun habe, resultiert sie bei mir aus dem Unvermögen, mit meinen Kraftressourcen, sprich mit mir, sinnvoll und gut umzugehen und immer alles 1000-prozentig machen zu wollen.

Sucht Euch dann eine gute Paarberatung. Vor Dritten lässt sichs oft leichter sprechen, auf einer anderen Ebene.

w 44
 
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  • #4
Klingt etwas traurig, was du schreibst, aber auch sehr einfühlsam, reflektiert und voller Respekt vor deinem Mann. Du bist intelligent, hast die Lage erkannt und wendest dich trotzdem oder deswegen an dieses Forum.

Man weiss ja auch nicht, worum es nun genau geht bei den beiderseitigen Wünschen.

Gegen Müdigkeit hilft bei mir ein Glas Sekt. Einen "Neuanfang" würde ich (Mann) an deiner Stelle vielleicht so machen, dass meine Liebste und ich uns nackt im Bett gegenübersitzen, ich ihr erkläre, wie toll ich sie finde und wie dankbar ich bin, dass sie bei mir ist und ihr das erklären, was du hier geschrieben hast.

Vielleicht solltest du über deinen eigenen Schatten springen.

Mir geht es so, dass ich es das schönste von der Welt finde, den Körper des anderen zu erkunden und sich auszutauschen, was man schön findet und was man gerne machen möchte.

Allerdings solltest du es auch wirklich wollen und nicht bloss ihm zuliebe...

m
 
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  • #5
Im Grunde hast Du Dir doch selber eine Bestandsanalyse erstellt und weißt was für Probleme Du hast. Und die Lösung ist: mehr Freizeit, mehr Unternehmungen, mehr Nähe und hoffentlich mehr Sex
 
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  • #6
Liebe Fragestellerin,

ich glaube, alte Angewohnheiten abzulegen ist schwer. Es ist so wie mit dem Rauchen: manche können das von heute auf morgen aufgeben, manche brauchen immer weniger und manchen gelingt es nicht. Ich glaube, dass der "Entschluss" wichtig ist. Wenn Du Dich entschieden hast, etwas FÜR Deine Ehe zu tun, dann wird Dir das gelingen. Du schreibst es größtenteils so, als ob es für Dich klar wäre, dass Du die "Schuldige" in Euerer Beziehung bist. Ich will jetzt nicht mit "dazu gehören immer zwei" anfangen, aber Deinem Mann ist es ja offensichtlich nicht gelungen, Dich für seine Wünsche zu interessieren. Vieleicht war zu viel Druck da - wenn auch nur unterschwellig. Ich habe auch ein kleines Kind und bin Ärztin (allerdings ohne Rufdienste) und die Großeltern wohnen weit weg - wir haben seit kurzem einen Babysitter und das Leben ist völlig anders seitdem. Wenn man weiss, dass man sicher einige Stunden zusammen verbringen kann. Das ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss, aber es entspannt unheimlich. Lass Dir alles abnehmen - nehmt Euch eine Putzfrau, einen Babysitter, es ist eine Investition, aber es lohnt sich. Was nützen 400 Euro mehr im Monat, wenn die Ehe den Bach runtergeht.Das zu dem Organisatorischen.
Zu der sexuellen Gehemmtheit. Weisst Du, du schreibst, dass Dein Vater Dich für eine Schlampe gehalten hat und dass er jetzt Hunderte von km weit weg wohnt. Offensichtlich hat Dich Dein Vater nicht gut gekannt. Ich glaube, wie Du schreibst, dass Du noch sehr beeinflusst bist von den strengen Erziehung Deiner Eltern. Willst Du es ihnen unterbewusst immer noch rechtmachen? Dass Du als "anständiges Mädchen" eben nicht in der Öffentlichkeit nackt schwimmen darfst (auch wenn es eine abgelegene Bucht ist), dass Sex nur in der Mussionarstellung im Ehebett im Dunkeln unter der Bettdecke stattzufinden hat - und das (übertrieben ausgedrückt) vielleicht auch nur zum Kinderzeugen? Dass der Orgasmus einer Frau Unsinn ist (obwohl man natürlich in der Partnerschaft keinesfalls über Stellungen oder Gefühle beim Sex sprechen kann, weil sich das nicht ziemt).. Willst Du es Deinen Eltern recht machen? Du bist Ärztin geworden, hast Kinder... Sind sie zufrieden mit Dir?

Mach es nicht mehr Deinem Vater recht, mach es Dir recht.

Ich glaube, es ist sehr schwer, jemandem, der kaum Zeit zum Atmen hat, vorzuschlagen zur Paarberatung zu gehen. Das wirst Du nicht tun. Ich glaube Ihr müsst schonungslos offen miteinander sprechen. Und dann es abschließen. Und von da an weitermachen. Nach fast 20 Jahren schauen was gut, was schlecht war... Und dann von vorne beginnen. Weil Dir da nicht Dein Vater im Nacken sitzt, für den Du eine Schlampe warst. Diese Kränkung scheint noch sehr präsent zu sein und ich glaube, dass darin eine sehr große Aufgabe und Chance liegt, Dein Problem zu lösen. Löse Dich von den Verboten der Kindheit... Du brauchst kein "anständiges Mädchen" zu sein, Du bist eine Frau.

Alles Gute! (W/32)
 
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  • #7
zu dem was #32 schreibt möchte ich noch hinzufügen:
Mir scheint bei der FS eine erziehungsbedingte Grundeinstellung vorzuliegen, die die Erforschung und Verfolgung "eigennütziger" Wünsche und Bedürfnisse verbietet und dazu anhält die eigene Person weitgehend hinter die Erwartungen und Bedürfnisse anderer zu stellen.
Das ist nicht vollkommen falsch, sollte aber nicht übertrieben werden.
Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich und somit auch für sein eigenes Wohlbefinden. Man kann diese Verantwortung nicht übertragen ohne auf Dauer Schaden zu nehmen.
Der offensichtlichste Schaden ist in ihrem Fall ein gespanntes Verhältnis zu ihrem Körper und ihrer Sexualität.
Beispiel: Sie schreiben sie hätten Sex zugelassen. Ich denke man lässt Sex nicht zu, sondern man hat Sex. Wer Sex zulässt hat keinen Sex, sondern lässt sich benutzen.
Sex hat man nicht wenn gerade Zeit ist, sondern man nimmt sich Zeit wenn man Lust hat.
Ja, das ist mitunter schwierig, aber nicht alles ist immer so wichtig und dringend, dass es nicht noch eine Stunde länger Zeit hat. Man muss aber auch die Gedanken daran, was noch alles zu tun ist, mal abschalten können. Man kann seine Sorgen ruhig mal ein Weilchen vergessen. Sie bringen sich schon selbst wieder in Erinnerung.
Die Seele kann dem Körper ungeahnte Kraft verleihen, wenn es ihr gut geht. Andererseits kann sie ihm sehr viel Kraft entziehen wenn es ihr schlecht geht.
 
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  • #8
Der Beruf als Ärztin ist kräfteraubend und dazu noch Kinder. Ich verstehe dich. Arbeitest du im Krankenhaus oder in einer Praxis? Kannst du vielleicht kürzer treten? Weniger Dienste, vielleicht sogar nur Teilzeit? Kannst du dir einen Babysitter leisten? Du brauchst zunächst einmal Zeit für dich und dann Zeit für euch zwei zusammen. Stress baut man durch Sport ab. Gönn euch zwei Mal eine Auszeit. Kinder bei der Oma abgeben und dort in der Umgebung ein Wochenendtrip zu Zweit buchen....keinen Druck machen...einfach die Zeit mal genießen...

Ängste legt man nur ab, indem man Dinge einfach mal tut. Reflektiere dich öfters z.B. was ist an nackt schwimmen in der Bucht schlimm? Im Urlaub kennt einen meist niemand. Ist es dir so wichtig,w as andere denken oder denkst du, du tust etwas Unerlaubtes/Schmutziges? Versuch doch mal einen Schritt davor und geh in die Sauna (vielleicht etwas entfernt vom Wohnort). Ich hatte dort auch so wahnsinns Hemmungen, aber nach ein paar Mal sind sie fast weg und man bekommt ein anderes Körpergefühl. Du hast Lust etwas neu aus zu probieren? Probieren, reden und wenns keinen Spaß macht, abbrechen. Nur so fallen die Hemmungen. Du musst deine Einstellung zur Sexualität ändern!!!! Du bist Ärztin und weißt, dass die Gefühle/Wünsche normal sind und SEx auch normal ist. Lerne deinen Körper kennen. Ich glaube, dass deine Eltern dich so erzogen haben, wie du bist. Schreib dir eine Liste, was du nicht darfst und dann tue das, was du gerne aber mal probieren möchtest.....Trau dich...du kannst jetzt nur gewinnen!

Nimm dein Leben in die Hand und schau nicht länger zu !!!!!!!!!!!!! Nur du kannst aktiv werden !!!!!!!
 
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  • #9
Rede mit ihm einfach darüber, warum du momentan so bist. Sag ihm, dass der Stress dich grad kaputt macht! Ich glaube, das ist der einzig mögliche erste Schritt.
Er wird auf jeden Fall Verständnis haben und ihr könnt versuchen, es beide zu kompensieren.
Vielleicht nimmt er sich einfach etwas mehr Zeit um dich zu verwöhnen, auch ohne Sex und du bekommst deinen Kopf wieder frei, indem du deine negativen gedanken versuchst auszusperren, wenn du mit ihm allein bist. Sag ihm, dass er dir seine Wünsche offenbaren soll und du jetzt etwas gereifter bist, um besser darauf ein zu gehen und sie sogar oft teilen würdest. Frauen entwickeln ihre Sexualität, also ihre Wünsche, oft seeeeehr viel später als Männer. Manchmal zu spät, leider!
Aber probiere einfach deinen Mann zu ermutigen und ihn aus seiner Resignation, die er durch viele Ablehnungen garantiert entwickelt hat, wieder raus zu holen. Sei du die Offensievere, denn er wird sich das nicht mehr trauen und auch keine Luste mehr dazu haben... auch gute Deutsch: "DU musst ihn auftauen!"

Ich spreche aus der gleiche Situation heraus, nur ist meine Frau noch nicht so weit und ich hoffe, dass ich das noch so lang durchhalte, dass sie mich noch auftauen kann!
 
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  • #10
Du hast die Zeichen der Zeit klar erkannt. Nun bist du an einem Punkt angekommen, bei dem du selbst nicht mehr weiterkommst und du dir nicht mehr alleine helfen kannst.

Gut ist, dass dein Mann zur dir hält und dich ermuntert, mit dir gemeinsam Lösungen zu finden.

Nutze nun die Chance einer Therapie - erstmal für dich, um deine Erziehung mit allen einengenden Facetten aufzuarbeiten. Du trägst ein Paket aus deiner Kindheit mit dir rum, das beinhaltet: was sagen die Leute, Sex nur mit dem Ehemann und wichtig ist er auch nicht. Vielleicht bist du katholisch erzogen, wie ich auch. Ich kann dich und deine Probleme so gut verstehen. Erst vor wenigen Jahren habe ich angefangen, in die Sauna zu gehen. Ich war auch langjährig verheiratet und habe ein Kind. Heute, mit 43 bin ich nach einer Therapie in der Lage, Sex einfach um der Lust willen zu genießen. Mein jetziger LG ist sehr verständnisvoll und hilft mir noch heute. Du kannst während der Therapie dann auch mal deinen Mann mit zum Gespräch nehmen - das wird euch beiden helfen.

Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg der Abnabelung von deiner Vergangenheit - und viel Glück auf dem Weg in deine Zukunft! Denn auch deine Kinder werden es dir danken, wenn die eben nicht die gleichen Maßstäbe von Funktionieren und Schuldsein bei ihrer Erziehung anwendest, unter denen du noch heute leidest. w/43