• #1

Wie gelingt ein ausgewogenes Geben und Nehmen in der Beziehung?

Hallo Ihr Lieben! Ich bin weiblich, 48 Jahre und bin vielleicht das, was man 'beziehungsscheu' nennt. Grundsätzlich fällt es mir leicht, Männer kennenzulernen und für mich zu interessieren. So lange es locker bleibt, empfinde ich es auch als angenehm. Wird es enger, bildet sich das immer gleiche Schema: Ich empfinde den Mann ähnlich einem 'Kuckucksei', das ich 'mir ins Nest gelegt' habe. Er wird immer 'größer und gefräßiger' (das ist jetzt nur symbolisch gemeint) und ich fühle mich immer mehr 'an den Rand gedrängt'. In der Realität heißt das, dass die Männer in meinen Beziehungen nach meinem Empfinden zunehmend versuchen, so viel als möglich FÜR SICH aus zu mir herauszuquetschen; mich dazu zu bringen, ihre Hobbys und Interessen zu teilen, ihre Bedürfnisse zu stillen. Grundsätzlich gehe ich ja auch gerne auf Vorschläge ein, lasse mich inspirieren und mein Leben mit Neuem anreichern. Aber: Was MICH bewegt, berührt und beschäftigt, wird oft einfach ignoriert. Ich wünsche mir ja genauso, dass der Mann auch an MEINEM Leben und an MEINEN Interessen Anteil nimmt.

Bleibt natürlich die Frage offen, weshalb ich offensichtlich meinen Platz nicht ausfülle und Männer geradezu dazu einzuladen scheine, mehr Raum einzunehmen, als mir lieb ist. Deshalb meine Frage: Wie gelingt es EUCH, eine größtenteils befriedigende und erfüllte Beziehung zu gestalten?
 
  • #2
Grundsätzlich fällt es mir leicht, Männer kennenzulernen und für mich zu interessieren.
Klingt so passiv und genau nach dem, was dann passiert: Du zeigst anfangs das, was Deines Empfindens nach angenehm ist für einen Mann und er geht davon aus, dass Du allgemein und immer so bist, wie er Dich gerade sieht: Ohne eigenes Leben und total interessiert an spannenden Dingen anderer Leute. Dass er dafür mit eigener Aufmerksamkeit "zurückzahlen" soll irgendwann, kommt gar nicht an. (Das Wort "zahlen" ist nur übertragend gemeint, ich weiß, was Du meinst und finde es normal, dass Du Dir das wünschst. Ich meine das Wort hier nicht im Sinne von Berechnung.)

Ich weiß natürlich nicht, ob mein Eindruck stimmt, aber es klingt nach typischem "Frauenverhalten": Du hörst zu, lachst über ihre Witze, findest interessant, was sie tun, stellst Deine Aufmerksamkeit ganz auf den Mann ein - alles das, was gut ankommt, aber: Du verlierst Dich dabei aus den Augen. Statt selber auch gleich mal was zu erzählen (natürlich nicht die ganze Zeit), selber witzig zu sein, selber interessantes über Dich zu berichten, und zu gucken, ob der Mann auch mal eine Frage zu Deinen Themen stellt. Wenn nicht, hast Du einen, wie in Deinem obigen Beitrag beschrieben: Er interessiert sich nicht für Dich, sondern nur dafür, dass er von Dir toll gefunden wird und endlich jemanden hat, der ihm beim Modellflugzeug-Kleben zuguckt.

Das ist so ähnlich wie mit Freundschaften, wo man selber immer nur zuhört und wenn man ein eigenes Problem hat, wird man stehengelassen. Sowas kann man eigentlich gleich bei den ersten Kontakten rausfinden. Du kriegst diesen Typus auch nicht geändert, dh. nimm es hin oder lass es. Genauso denke ich ist es bei Deinem Typ Mann, dem Du signalisierst, dass er näherkommen kann. Mal abgesehen davon, dass es natürlich nicht allein an Dir liegt. Es gibt sehr viele Menschen, die sich nur für sich und ihre Bedürfnisse interessieren und im anderen nur Publikum, Verfügbarkeit und Bewunderung suchen. Bei manchen findet auch eine Entwicklung statt, aber man hätte ja lieber von vornherein jemanden in seinem Leben, der von allein Interesse hat.

Ich würde an Deiner Stelle mal mehr von mir erzählen in der Anfangsphase. Wenn dann jeweils ein "schön, aber weißt du, was ICH..." kommt, kannst Du ja schon erkennen, dass der Mensch sich nur für sich interessiert.
 
  • #3
Deshalb meine Frage: Wie gelingt es EUCH, eine größtenteils befriedigende und erfüllte Beziehung zu gestalten?
Indem es "meinen Männern" wichtig war/ist, nicht meinen Unwillen zu erregen...

Mit mir hat man eine phantastische Zeit, wenn ich eine Beziehung will und mich darin wohl fühle. Es war und ist aber immer klar, dass ich keine Beziehung so sehr brauche, dass ich faule Kompromisse eingehen würde - im Zweifelsfall würde ich gehen.

Da die Herren das auf keinen Fall wollen, kommen sie mir auf der Suche nach Kompromissen selbstverständlich entgegen. Nein, das Resultat ist nicht, dass ich eine Tyrannei ausübe, das ginge mit den Männern, die ich mir aussuche, nicht. Diese Männer sind aber selten, ich will die Beziehung dann wirklich und suche deshalb bereitwillig nach einer Balance.

Liebe FS, wenn ein Mann von sich aus bemerkt hat, an was Dein Herz hängt und dann auf etwas verzichtet um es Dir zu gönnen oder zu ermöglichen - dann ist es der Richtige und Du solltest Himmel und Hölle für ihn in Bewegung setzen, er wird es auch für Dich tun.
 
  • #4
Die Bemerkung mit dem Raum den du für dich ausfüllen musst, ist sehr gut, das wäre nämlich meine Antwort gewesen. Warum du es noch nicht machst, weiß ich nicht.
Vielleicht denkst, du, dass du weniger wert, wichtig oä bist, kannst dich schlecht abgrenzen....
 
  • #4
In Beziehungen geht es immer auch um Macht (bevor einige hier wieder aufschreien, das ist eine sozialpsychologische Formulierung).

Du hast in einer Beziehung offenbar i.d.R. nicht die Macht, sprich die stärkere Position. Es gibt Frauen, denen fressen Männer generell aus der Hand und machen fast alles was diese wollen um die Frau nicht zu verlieren.

Du bist offenbar der Typ Frau, den Männer für eine Beziehung suchen: "weiblich" (bedeutet: schwach und nachgiebig, wenig durchsetzungsfähig, beschönigend: "herzlich" oder "gütig" genannt), zuhörend, mitfühlend, kompromißbereit, nicht zickig usw. Dass deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse da eher auf der Strecke bleiben ist klar.

Wenn du dich so schlecht durchsetzen und den Mann auch nicht unbemerkt in Richtung Wunscherfüllung manipulieren kannst, dann solltest du dir einen der "netten" Männer suchen, die sonst immer in der Freundesschiene landen, ich befürchte nur auf die stehst du nicht. Gegen einen maskulinen, dominanten Mann braucht es ein anderes Kaliber Frau um sich durchzusetzen, das bist du offenbar nicht.

FAZIT: Du mußt einen anderen Typ Mann (Softie) als bisher auswählen, der leichter zu lenken ist. Einen feurigen Hengst kann auch nicht jede Frau reiten, ein Pony schon.
 
  • #4
Ich sehe die Schwierigkeit eher darin, dass die meisten Frauen fast nie eigene Hobbys oder Interessen haben. Sie haben auch nur selten eine Passion für irgendwas und erwarten immerzu unterhalten zu werden ohne selbst mal etwas Interessantes beizusteuern. Das ist leider das übliche passive Frauenverhalten welches ich kennengelernt habe. Daher ist es natürlich, dass der Mann in iner Beziehung versucht die Frau mitzunehmen. Da Frauen sich aber nur selten für Hobbys begeistern lassen kommt es zu Spannungen bei welchen dem Mann vorgeworfen wird, dass er nur sein eigenes Ding durchzieht ohne zu bemerken, dass ohne die Initiative des Mannes das Leben des Paares aus Essen, Schlafen und Quatschen bestehen würde, was für die meisten Männer eine langweilige Vorstellung ist.

Das ist übrigens auch der Grund, warum sich Frauen bei kennenlernen so einfach mit "ausgefallenen" Hobbys beindrucken lassen - sie selbst haben ja keine eigenen.
 
  • #5
Liebe FS,
offensichtlich bemühst Du Dich zu Anfang zu sehr, machst es den Männern zu leicht, gibst Ihnen zuviel Interesse, sodass sie glauben - so geht das immer weiter.
Du musst bereits im Kontaktaufbau auf Ausgewogenheit achten. Später das Ruder umzulegen klappt nicht.

Das Phänomen ist mir von Freundinnen ü40 wohlbekannt, die unbedingt eine Beziehung wollen, sich von Männern einreden lassen, dass sie altersbedingt nichts mehr zu fordern haben, sondern dankbar für seine reine Existenz sein sollen. Sind sie aber nicht, sie sind unzufrieden, beenden es, weil sie keinen Benefit davon haben, um ein paar Wochen später mit dem nächsten Mann in das gleiche Desaster zu stolpern, weil sie ihr Verhalten nicht ändern. Willst Du was anderes, dann musst Du was anderes tun.
 
  • #6
Hallo und vielen Dank schon einmal für eure ehrlichen Gedanken und Worte, die für mich sehr wertvoll sind. Ja,ich habe mich in vielem wiedererkannt. Ich bin tatsächlich 'herzlich' und 'gütig' und zicke selten (bis es mir dann zu viel wird und ich den Kontakt beende). Dahinter steckt tatsächlich, dass ich zu wenig Initiative ergreife, kaum die Führung übernehme und 'mich nicht zeige' mit allen meinen Ecken und Kanten. Ich habe mich in Beziehungen oft geärgert, wenn ich überstimmt und überhört wurde - aber dann nachgegeben - vordergründig, weil ich nicht 'zickig' wirken wollte. Wahrscheinlich stecken dahinter wirklich Minderwertigkeitsgefühle. Vielleicht Angst vor Ablehnung in Beziehungen. Interessanterweise gibt es das gleiche Problem in allen meinen anderen Lebensbereichen, zb. im Beruf, nämlich nicht! Nur in engen Beziehungen.
Dort scheine ich mich immer automatisch 'hinten anzustellen'.....
Also den 'Autopilot' mal abschalten und beginnen, bewusster mitzugestalten
 
  • #7
Sich für einen anderen Menschen interessieren, heißt für mich auch, wenigstens mal zu sehen, was der andere so macht. Wenn man sich nun nicht brennend als eigenes Hobby dafür interessiert, kann man auch nichts dafür. Es geht aber gar nicht darum, sondern um den Menschen, der es ausübt und dem es was bedeutet.

Sie haben auch nur selten eine Passion für irgendwas und erwarten immerzu unterhalten zu werden ohne selbst mal etwas Interessantes beizusteuern
Mein Eindruck ist eher, dass Männer das einfach als uninteressant einstufen, wofür sich Frauen interessieren (ich meine jetzt nicht "Shoppen"), während die Frau aufgrund des Wunsches, eine soziale Verbindung herzustellen, sich zumindest anfangs für die Hobbys des Mannes interessiert, weil ER es ist. Ich denke, das macht die FS. Wenn man jemanden kennenlernt, den man nett findet, passiert das doch automatisch, dass man aufeinmal irgendwas spannend finden will, weil es dem anderen so viel bedeutet. Ich denke aber, dass viele Männer das nicht so sehen und deswegen für sich entscheiden, dass es sie nicht interessiert. Das ist ehrlich, aber ich glaube, eine Frau wünscht sich, dass der Mann es IHRETWEGEN nun doch interessant findet. Nicht das Hobby an sich, sondern weil er sich für sie interessiert und wissen will, was sie begeistert. Man sieht doch auch viel vom Wesen eines Menschen, wenn man weiß, was er so macht in seiner Freizeit.
 
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G

Ga_ui

  • #8
Dann lass dich nicht mit "Neuem anreichern". Das tut kein Mensch. Niemand hat so viel Platz im Kopf und in seinem Leben, um alles mit offenen Armen empfangen zu können.

Es gaukelt den Männern ein falsches Bild von Interesse vor, du gibst dich passiv als unkompliziertes Anhängsel, und man geht davon aus, du hast keinen Plan fürs Leben, bist gelangweilt und brauchst unbedingt Interessen, und wartest nur darauf, dass ein Mann daher kommt und dich einspannt.
Genau darauf warten doch die meisten Menschen!

Später das Ruder rumreißen klappt nicht!

Ich finde daher, was void und PfefferundSalz geschrieben haben, eine sehr wertvolle Information für dich und alle anderen Frauen!

Und was PfefferundSalz geschrieben hat, trifft es dann exakt: Die Männer denken dann, du hast keine eigene Interssen für dein Leben, so ziehen sie sich sofort in ihren Lebensplan rein. Rücksichtslos und egoistisch. Wie ein Sprichwort besagt: Nur weil man selber ein gutes Herz hat, darf man nicht annehmen, dass andere ein genauso gutes Herz haben.

Und ganz ehrlich: Als Frau ziehst du bei Männern ganz schnell bis fast immer den Kürzeren, wenn du nicht weißt, was du willst.

Nein, du sollst nicht auf Vorschläge eingehen. Das ist doch dumm! Du bist viel zu nachgiebig! Du musst hinter deinen eigenen Prioritäten stehen und dich nicht sofort beugen, weil dir jemand was anderes erzählt.
 
A

Ares

  • #9
.mich dazu zu bringen, ihre Hobbys und Interessen zu teilen, ihre Bedürfnisse zu stillen. ...
Bleibt natürlich die Frage offen, weshalb ich offensichtlich meinen Platz nicht ausfülle und Männer geradezu dazu einzuladen scheine, mehr Raum einzunehmen, als mir lieb ist.
Grundvoraussetzung ist, dass Du selbst ein eigenes ausgefülltes Leben hast, eigene spannende Hobbies hast, die Dich bereichern und die Du eventuell teilen kannst.
Vielleicht sollte Dein Anspruch an eine Beziehung auch nicht sein, alles gemeinsam machen zu müssen. In unserem Alter haben viele ihre langjährigen Interessen und die Beziehung lebt auch davon, dass jeder seine Interessen ausleben kann, ohne dass Partnerin oder Partner immer teilhaben müssen.