G

Gast

  • #1

Werde ich je wieder Lebensfreude spüren ?

Viele viele Jahre haben mein Partner und ich unser Leben gemeistert und wir wurden Eltern mehrerer Kinder, die jetzt im jugendlichen Erwachsenenalter sind. Auch wenn mein Partner Jahrzehnte lang - getrennt von seiner gesetzlichen Ehefrau - mit mir gelebt hat-ist mein Partner gesetzlich verheiratet mit ihr - leider verstorben. Ich fühle mich auch nach Monaten noch wie betäubt, wirtschaftlich unabgesichert - was aber schmerzhafter: "ohne das Gefühl einer Witwen - Identität", stattdessen mit einem Gefühl, als wären die Jahrzehnte mit ihm nicht Wirklichkeit gewesen, sondern ein seltsamer Traum. In mir ist eine Leere und stumme Verzweiflung, als hätte die Geschichte mir mein/unser Leben genommen. Zwischen meiner Jugend und meinem Alter scheint sich eine Wüste zu offenbaren, auf dem Sandgrund liegt ein undefinierbares Knäuel Geschichte. Werde ich es schaffen, wieder Lebensfreude zu empfinden?
 
G

Gast

  • #2
Du wirst hier wie gewohnt, standardüblich und und und einige Zusprüche erhalten. Tatsache ist aber, dass es sehr schwer machbar sein wird, ich drück dir die Daumen. m49
 
G

Gast

  • #3
Ja, Du wirst es wieder schaffen, auch wenn Du Dir das jetzt kaum vorstellen kannst. Auch die schwärzesten Stunden vergehen. Ich weiß sehr wohl, das man in Situationen kommen kann, in denen es unmöglich zu sein scheint. Aber das täuscht! Es braucht einige Zeit, aber es geht.

Wenn Deine Gedanken immer schwärzer werden, dann gehe zum Arzt! Schiebe es nicht auf, eine medikamentöse Unterstützung kann Dir erst einmal helfen, das tägliche Leben im Griff zu behalten.

Versuche, unter Menschen zu kommen, in einem Gesprächskreis in der Kirche, in einem Verein, auch wenn es Dich zunächst Überwindung kostet. Auch die Telefonseelsorge ist eine gute Möglichkeit, wenn die Gedanken nur noch im Kreis gehen können.

Du kannst wirklich darauf vertrauen: alles geht vorüber, auch die dunkelsten Wochen.

Ich wünsche Dir alles Gute.
 
G

Gast

  • #4
Wenn ich mit einem Mann jahrelang lebe ,würde ich klare Verhältnisse wollen.Warum hat er sich nicht scheiden lassen und sich nicht eindeutig zu dir bekannt? Er hat nicht an die Zukunft gedacht.
Eine Absicherung für euch beide.Jeder kennt doch die Erbfolge .Warum die "Nochehefrau" witwenmäßig absichern.Vielleicht kann dir diese Überlegung helfen ,deinen Schmerz mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Beerdige deinen Kummer und fang ein neues Leben an ,du hast es dir verdient.w.53
 
G

Gast

  • #5
Wie dramatisch und zu Herzen gehend und wie schön und treffend Du Deine Gefühle in Worte fasst!
Du hast mein Mitgefühl, die Lage kommt mir vertraut vor.
Hier wirst du bestimmt gebasht von all denjenigen, denen Stand und Ansehen einer gesetzlichen Ehefrau wichtiger sind als Gefühl, nach dem Du gelebt hast.
Ich kenne die Situation, meine Lebensfreude und ein neuer Partner sind auch Jahre später nie wiedergekommen. Ich denke, das Leben ist vorbei, zumindest das Private und das mit gerade 41. Beruflich stehe ich allerdings gut da. Würde Dir empfehlen, versuche beruflich es zu etwas zu bringen, wenns irgend geht, wandere notfalls aus. Wie alt bist Du?
Was man emotional hatte, wird nie wieder kommen.
Alles Gute für Dich.
 
G

Gast

  • #6
Es gibt sie noch, die idealistischen Frauen, die nicht fordern, keinen Druck ausüben, mit dem Leben zufrieden sind, so wie es ist.

Aber irgendwann, und das sind vor allem Menschen, die fähig sind, tiefer zu empfinden , wachen sie auf, aus ihren Träumen, da ist sie dann die Leere, die Verzweiflung.

Und da ist sie dann die Frage, weshalb, warum, und in der Regel müssen wir uns die Frage selbst beantworten! Das Zauberwort heißt "Selbstreflektion".

Und um wieder Lebensfreude spüren zu können, denke ich, musst Du Deine "Wüste" durchqueren, den Knäuel den Du als Idealistin hinterlassen hast, entwirren, und Dich auf den Weg zur Realistin machen!

Ich wünsche Dir alles gute dabei!
 
  • #7
Liebe Fragestellerin,

auch ich habe vor 3 Jahren einen sehr lieben, mir sehr nahestehenden Menschen überraschend verloren und hatte Schwierigkeiten, mit der Trauersituation lecht umzugehen. Heute weiß ich, dass ich - wenn ich wieder in eine solche Situation komme - vermutlich professionelle Hilfe suchen würde, also Ratschläge oder Gespräche mit anderen Trauernden, ggf. auch Hilfe durch einen Psychotherapeuten oder durch eine Selbsthilfegruppe. Erst nach ca. einem Jahr, als es mir langsam wieder besser ging, ist mir klar geworden, dass ich an einer durch die Trauer ausgelösten Depression gelitten haben muss.

Ich kann mir vorstellen, dass Deine Gefühle insbesondere mit Deiner Trauer zusammenhängen; sicherlich auch mit der Tatsache, dass Ihr nicht verheiratet wart und dass Dein Partner (noch) nicht geschieden war. Aber der größere Knackpunkt dürfte für Dich evtl. der Verlust des geliebten Menschen sein?

Vielleicht hilft es Dir zu wissen, dass der Trauerprozess wissenschaftlich in definierte Phasen eingeteilt werden kann und ich habe diesen Trauerprozess bei mir wiedererkannt. Manche Autoren, die sich mit dem Thema Trauer beschäftigen, benennen 3 Phasen, andere 4.

Ich zitiere hier einmal eine Einteilung in 4 Phasen, die natürlich nicht streng voneinander getrennt ablaufen.

1. PHASE. Nicht-Wahrhaben-Wollen
Der Verlust wird verleugnet, der oder die Trauernde fühlt sich zumeist empfindungslos und ist oft starr vor Entsetzen: „Es darf nicht wahr sein, ich werde erwachen, das ist nur ein böser Traum!“ Die erste Phase ist meist kurz, sie dauert ein paar Tage bis wenige Wochen.

2. PHASE: Aufbrechende Emotionen
In der zweiten Phase werden durcheinander Trauer, Wut, Freude, Zorn, Angstgefühle und Ruhelosigkeit erlebt, die oft auch mit Schlafstörungen verbunden sind. Eventuell setzt die Suche nach einem oder mehreren „Schuldigen“ ein (Ärzte, Pflegepersonal …). Der konkrete Verlauf der Phase hängt stark davon ab, wie die Beziehung zwischen den Hinterbliebenen und dem Verlorenen war, ob zum Beispiel Probleme noch besprochen werden konnten oder ob viel offengeblieben ist. Starke Schuldgefühle im Zusammenhang mit den Beziehungserfahrungen können bewirken, dass man auf dieser Stufe stehenbleibt. Das Erleben und Zulassen aggressiver Gefühle hilft dem Trauernden dabei, nicht in Depressionen zu versinken. Weil in unserer Gesellschaft Selbstbeherrschung ein hoher Wert ist und abhängig von familiären und gesellschaftlichen Prägungen sogar die Tendenz bestehen kann, Trauer ganz zu verdrängen, bestehen oft große Schwierigkeiten, diese Phase zu bewältigen. Indem die adäquaten Emotionen auch tatsächlich erlebt und zugelassen werden, kann die nächste Trauerphase erreicht werden.

3. PHASE. Suchen, finden, sich trennen
In der dritten Trauerphase wird der Verlorene unbewusst oder bewusst „gesucht“ - meistens, wo er im gemeinsamen Leben anzutreffen war (in Zimmern, Landschaften, auf Fotos, auch in Träumen oder Phantasien …). Mit der Wirklichkeit konfrontiert, muss der oder die Trauernde immer wieder lernen, dass sich die Verbindung drastisch verändert hat.

Der Verlorene wird bestenfalls zu einem „inneren Begleiter“, mit dem man durch inneren Dialog eine Beziehung entwickeln kann. Im schlechteren Fall lebt der Trauernde eine Art Pseudoleben mit dem Verlorenen, nichts darf sich ändern, der Trauernde entfremdet sich dem Leben und den Lebenden. Wenn der Verlorene aber zu einer inneren Person wird, die sich weiterentwickeln und verändern kann, wird die nächste Phase der Trauerarbeit erreicht. Besonders hilfreich erweist sich, wenn in dieser Phase des Suchens, des Findens und des Sich-Trennens auch noch ungelöste Probleme mit der verlorenen Person aufgearbeitet werden können. Bisweilen kommt es in der dritten Phase auch zu Wutausbrüchen.

4. PHASE: Neuer Selbst- und Weltbezug
In der vierten Phase ist der Verlust soweit akzeptiert, dass der verlorene Mensch zu einer inneren Figur geworden ist. Lebensmöglichkeiten, die durch die Beziehung erreicht wurden und die zuvor nur innerhalb der Beziehung möglich gewesen sind, können nun zum Teil zu eigenen Möglichkeiten werden. Neue Beziehungen, neue Rollen, neue Verhaltensmöglichkeiten, neue Lebensstile können möglich werden. Dass jede Beziehung vergänglich ist, dass alles Einlassen auf das Leben an den Tod grenzt, wird als Erfahrung integrierbar. Idealerweise kann man sich dann trotz dieses Wissens auf neue Bindungen einlassen, weil man weiß, dass Verluste zu ertragen zwar schwer, aber möglich ist und auch neues Leben in sich birgt.


Es gibt viel gute Literatur zum Thema Trauer. Vielleicht kannst Du zu diesem Thema im Internet googeln oder Dich in einer größeren Buchhandlung umschauen und ggf. beraten lassen.

Und dann habe ich noch etwas anderes festgestellt: Die Zeit heilt Wunden - das ist auch in der Trauer so.

Heute ist der Mensch, den ich verloren habe, nach wie vor SEHR OFT in meinen Gedanken. Aber der Zorn und die Depression sind nicht mehr da.
 
G

Gast

  • #8
JA.
Aber das wird dauern.
Und es geht besser und schneller wenn Du aktv wirst.
Reden hilft oft. Wenn es nicht mit Familienmitgliedern oder Bekannten geht dann mit der Telefonseelsorge oder mit einem Therapeuten.
Solltest Du das Gefühl haben das Dir Hilfe gut tun könnte so suche sie.
Gibt es Dinge die Du lange aufgeschoben hast dann tue sie.
Gehe dahin wo du Kontakt zu anderen Menschen bekommst.
Falls Du noch keinen Sport betreibst dann beginne damit.
Ich drücke Dir die Daumen und bin überzeugt das Du es schaffen wirst.
Ich wünsche Dir alles Gute !

Ich schreibe aus eigener Erfahrung. M 53J
 
G

Gast

  • #9
Zitat:
Ich fühle mich auch nach Monaten noch wie betäubt, wirtschaftlich unabgesichert - was aber schmerzhafter: "ohne das Gefühl einer Witwen - Identität", stattdessen mit einem Gefühl, als wären die Jahrzehnte mit ihm nicht Wirklichkeit gewesen, sondern ein seltsamer Traum.

Auch, wenn das jetzt nicht die Frage der FS beantwortet: parallel wird gerade eine Diskussion über Sinn und Unsinn von Ehe/Heirat geführt. Hier haben wir die beste Antwort, die der Ehe auch heute noch eine Daseinsberechtigung bescheinigt. Ehe ist eben nicht nur Steuern sparen, gemeinsam wirtschaften und, und, und. Ehe ist: gemeinsam LEBEN, zusammen zu gehören. Das kann eine lose Partnerschaft einem Menschen nie geben, weil die Verbindlichkeit fehlt. Alles andere ist nur Nebensache. m,51
 
G

Gast

  • #10
#8 Ja, ich finde, Du hast es mit Deinen Worten sehr schön auf den Punkt gebracht: Ehe heißt sich trauen, Verbindlichkeit schenken. Jeder Lebenspartnerschaft ohne Trauschein fehlt das Wesentliche. Und es ist das WESENTLICHE, was hier nun vermißt wird und das verzweifelt.

Die vielen Fälle, wo ein(e) Lebenspartner/in unerwartet verstirbt und hinterbliebene Frauen, Männer, und Kinder verunsichert, unabgesichert, rechtlos und ohne "Witwe(r)nidentität" zurückbleiben zeigen mir, dass kein Mann und keine Frau ohne Trauschein eine Lebenspartnerschaft eingehen sollten.

Denn eine solche Lebenspartnerschaft ohne Trauschein wird letzlich den Bedürfnissen mindestens einen Partners nicht gerecht. Und mindestens ein Partner ist nicht wirklich entschlossen, eine Verbindlichkeit auch vor Gott und den Menschen zu bekennen.
 
G

Gast

  • #11
@#8
Ich kann nur zustimmen . Ich bin Witwe und konnte trauern. Offen
Zur Fs.
Mein Beileid
Diesmal ist es keine Floskel sonder wirklich empfunden.
Ich habe meinen Mann verloren und habe nicht geglaubt jemals wieder richtig froh zu werden.
Die Trauer war wie eine Hülle um mich herum. Jeder Schritt den ich machte war mit dem Gedanken warum kann er dies oder jenes nicht mehr mit mir erleben. Ich schwankte zwischen Wut und Traurigkeit. Wenn ich kurz Freude empfand, hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil er das nicht mehr erleben konnte.
Meine Ziele und Wünsche für die Zukunft waren nicht mehr möglich. Ich musste mich neu sortieren und neue Ziele finden. Ich musste mich damit abfinden jetzt nicht mehr "wir " zu >denken sondern "Ich". All das hat Zeit gebraucht. Nach einem Jahr war ich soweit wieder auf andere Menschen zu zu gehen. Ich wollte wieder richtig Leben.

Wie ein Mantra,: Ich lebe, ich darf leben! Meine Aufgabe im Leben ist glücklich zu werden.

Ich habe meine Chance gesehen jetzt mein Leben zu Leben und auch wieder Lebensfreude zu empfinden. Ich sagte mir immer wieder:
Das Leben ist schön, ich Lebe und bin nicht tot.
Mein Mann hat viele Sachen auf später verschoben. Er hat viel im Leben versäumt.
Ich mache jetzt alles was Spaß macht und für mich Freude bedeutet sofort. Ich lebe und werde bis zu meiner Letzten Minute glücklich leben. Auch Rückschläge sind Leben. Alles, wirklich alles ist für Dich vorbei, wenn die Augen zu gehen. Deswegen nutze die Zeit und Lebe was das Zeug hält. Lerne aus Deinem Verlust, auch der ist Leben. Leben bedeutet auch loslassen können, Platz schaffen für Neues. Ich habe für mich richtig viel Glück gefunden. Meinen Mann habe ich nicht vergessen, er lebt in mir. Aber auch diese Empfindung wird schwächer und ich vermisse ihn nicht mehr. Es ist als ob ein naher Verwandter gestorben ist. Irgendwann erinnert man sich nur noch und sagt sich: Weißt Du noch? Damals lebte er noch. Man lächelt über die Erinnerung schickt einen Gruß, reibt sich das Herz und lebt weiter . Mit FREUDE.
 
G

Gast

  • #12
Die Gefühle hängen auch mit der Trauer zusammen, dass ein Partner trotz vieler Jahre mit neuer Familie/Kindern/neuem Lebensumfeld, nicht geschieden war (was oft finanzielle Gründe hat).

Die "Ehe"frau in der Ferne hat nach vielen Jahren ungelebter Ehe plötzlich den Status der Witwe und ALLE Rechte. Da wird jede Lebenspartnerin und jedes gemeinsame Kinder sich sehr schlecht fühlen.
 
G

Gast

  • #13
Sorry wie lange wußtet Ihr ob Euerer Lage und wie lange habt Ihr nichts geregelt ?
 
G

Gast

  • #14
#12 ... mehrere Jahrzehnte. Danke ganz viel für Eure Beiträge, sie helfen mir sehr. LG