• #91
Was genau erwartest Du, wenn Du wesentliche Eigenschaften verschweigst? Würdest Du, wenn Du nach einem halben Jahr merkst, dass die Frau doch keine Kinder möchte, wenn Du unbedingt welche haben möchtest, das akzeptieren?
Hallo Lebens_Lust, ich sprach vom ersten Date. Beim ersten Date muss man nicht seinen kompletten Lebenslauf einreichen und auch nicht alle Eigenschaften offenbaren. Ich finde Fragen wie die Familienplanung sehr wichtig und das sollte man unbedingt frühzeitig erörtern. Aber dafür ist auch in den weiteren Dates noch Zeit, finde ich.
 
  • #92
Du hast auch eine Psyche. Und ich soll als dein Partner keine Rücksicht auf sie nehmen?
Nein, soll oder gar muss ich nicht. Hier besteht keine Partnerschaft, es bahnt sich höchstens eine an. Und da muss ich keine Rücksicht nehmen. In meinem eigenen Interesse sollte ich auch keine Rücksicht nehmen.
Wenn jemand hohe Schulden hat und das nicht sagt, sollte ich mich ja auch nicht "aussaugen" lassen. Und (ernsthafte) psychische Probleme saugen aus.

Im Thread werden einige Dinge verallgemeinert.

Selbstverständlich ist die Situation eine andere, wenn jemand in einer Beziehung psychisch erkrankt.

Selbstverständlich hat auch jeder von uns "psychische" Macken, vielleicht sogar welche, die einer Therapie bedürfen. Ich bin sogar ziemlich sicher, dass viele die haben, mich eingeschlossen. Sich damit auseinanderzusetzen, auch im Rahmen einer Therapie, ist für mich eher ein gutes als ein schlechtes Zeichen.
Diese Macken sind sicher nicht alle so "schlimm" oder beziehungsrelevant, dass man deshalb zu Beginn keine Beziehung möchte. Sie sind oft auch dem Betroffenen gar nicht bekannt und stellen sich erst später heraus. Wenn aber ein Problem bekannt ist und und für eine Beziehung relevant, dann sollte man es auch äußern. So wie ich auch außergewöhnliche Schulden äußern sollte. Wenn jemand wirklich depressiv ist oder ernste Psychosen hat oder plötzlich auftretende Ängste, sollte das mitgeteilt werden.

Selbstverständlich äußert man solche Dinge auch nicht gleich beim Vorstellen, es muss auch niemand das beim ersten Date dem anderen auf die Nase binden. Aber irgendwann bei den ersten paar Dates merkt man ja, ob es auf eine Beziehung hinausläuft. Und dann sollte man das sagen.

Nehmen wir mal den (zugegeben drastischen) Fall, jemand hat wegen Vergewaltigung 5 Jahre im Knast gesessen. Er könnte sich auf den Standpunkt stellen, die Strafe ist verbüßt, sozusagen "therapiert", ich erwähne das nicht mehr. Ich als Frau würde das wissen wollen, bevor ich eine Beziehung beginne.
Und so will ich von einer Frau wissen, wenn sie z. B. ernsthafte Depressionen hat. Die Grenze mag für jeden woanders liegen. Aber ein Anrecht darauf, das selbst zu entscheiden hat wohl auch jeder.
 
  • #93
@ Rabentochter:
Deine ganzen Ausführungen zeigen mir, dass Menschen in Psychotherapie, die beim ersten Date darüber reden müssen, eher nichts für mich sind. Deine Art zu schreiben fühlt sich für mich unterschwellig auch irgendwie aggressiv an.Das hier ist ein Forum und jeder kann seine eigene Meinung dazu schreiben, auch Meinungen, die Dir nicht gefallen.
Ich habe auch Freunde, die in Therapie sind oder waren. Von denen würde aber keiner öffentlich darüber reden - und schon gar nicht beim ersten Date. Ich finde es einfach falsch. Und die, die es tun, mit denen kann und will ich nicht täglich zu tun haben, weil sie einen den ganzen Tag oder Abend als Therapeuten missbrauchen und nur über sich reden. Solche Freunde meide ich.

Es ist an sich schon ein Minuspunkt, jahrelang (!) in Psychotherapie zu sein, aber erst recht, wenn es sofort erwähnt wird - der Mann wäre dann einfach "draußen". Mich nerven Menschen mit Psychoproblemen einfach grundsätzlich, wenn sie sie mir sofort ungefragt außerhalb der Sprechstunde aufs Auge drücken müssen und dauernd über sich reden müssen. Ich will das Leben genießen und einen Partner, der mein Leben bereichert und keinen, der mich gleich am 1. Tag runterzieht und mir zu verstehen gibt: NIMM RÜCKSICHT auf meine kranke Psyche, denn ich habe Schreckliches erlebt.
Ich will einen Mann GANZ normal behandeln dürfen - mit allen Ups and Downs, ohne Angst haben zu müssen, dass er aufgrund unsensiblen Verhaltens meinerseits Extrastunden dazubuchen muss. So ein zerbrechliches Pflänzchen ist dann doch eher etwas für andere Menschen.
Ich hätte auch das Gefühl, dass der Mensch viel zu sehr mit sich beschäftigt ist, um mir wirklich gerecht zu werden.
Wenn schon Psychotherapie, dann bitte zumindest beim ersten Date mal nicht den Focus auf sich selber legen.
 
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  • #94
Naja du solltest mal genauer lesen - es geht in diesem Thread darum, wann man seine Probleme outet, wenn man welche hat und wie man als Nichtbetroffener ein Outing beurteilt.
Danke, dass du uns zurück zum Thema führst.
Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass wir alle unsere Schwächen, Macken und Probleme haben. Wir sind erwachsen und ich bin ja nicht naiv.
Will ich aber sämtliche Leiden und Schwierigkeiten gleich beim ersten Date wissen? Nein danke!
Das ist nicht einfach ehrlich - es gibt tausend andere Aussagen, die auch ehrlich sind. Wenn man sich entscheidet, gleich über Probleme zu reden, ist das eher mitleiderregend. Und wenn ich mit jemandem schon beim ersten Date grosses Mitleid verspüre, triggert das meinen Beschützerinstinkt, aber sicher keine Schmetterlinge im Bauch. Anziehung funktioniert ja oft so, dass man etwas am anderen bewundert.
Wenn jemand es geschafft hat, über 2, 3 Dates hinweg erwachsen, charmant und unterhaltsam zu sein - also nicht primär über den "Mitleidskanal" an mich appelliert - dann darf über alles Seltsame, Problematische und Schwierige gern gesprochen werden. Auf Augenhöhe und nicht als versteckte Bitte, dass ich mich kümmern soll.
 
  • #95
@Tini_HH
Das mit dem Forum sehe ich genau wie du, und deine Meinung muss mir nicht gefallen! Und gerade weil sie mir nicht gefällt - in diesem speziellen Thread - sage ich ja was dazu. Du kannst das gern aggressiv nennen, finde ich aber nicht fair, ich würde konfrontativ dazu sagen. Ich räume auch gern ein, dass mich deine Schreibe ungeduldig macht. Die Konfrontation hat aber immerhin bewirkt, dass du deine Meinung jetzt auch als Meinung kennzeichnest anstatt zu behaupten, dass sich die Dinge so oder so verhalten - und damit kann ich persönlich gut leben. Ich poste hier jedendalls nicht, um einfach eine Meinung abzulassen (denn die kenne ich schon), sondern möchte mich auseinandersetzen -über einThema, das ich ansonsten nicht so offen bereden kann - aus guten Gründen, die jaGegenstand dieses Threads sind.
Ich habe auch Freunde, die in Therapie sind oder waren. Von denen würde aber keiner öffentlich darüber reden - und schon gar nicht beim ersten Date.
Was genau meinst du mit öffentlich? Ich tue das auch nicht - meine privaten Dinge geht die Öffentlichkeit nichts an. Ein Date ist allerdings privat (und das Forum hier anonym - das kannst du ja auch nicht meinen, denn du erzählst hier ja auch sehr viel über dich).
Dass du nicht auf Menschen stehst, die über Jahre hinweg eine Therapie machen, hab ich verstanden. Okay. Ansonsten verstehe ich dich so, dass die Erwähnung einer Therapie (auch nebenbei??) bei dir Alarmglocken schrillen lässt - das ist dann für dich ein Mensch, der dich in Zukunft mit seinen Problemen zuschwallen wird. Habe ich das richtig verstanden? Hast du so etwas von einem Date schon erlebt? Verallgemeinern lässt es sich bestimmt nicht.

Da meine Erfahrung bei meinem Date positiv war, und ich zu dem frühen Zeitpunkt auch genau seine Akzeptanz brauchte (sonst hätte ich keine Lust auf IHN gehabt) würde ich wieder so handeln (habe allerdings nur erwähnt, keine Details ausgeführt und bis jetzt kaum vertieft, nur Koordinaten geliefert. Ich tobe mich mit dem Thema lieber hier aus).
 
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E

EarlyWinter

  • #96
Hast du so etwas von einem Date schon erlebt? Verallgemeinern lässt es sich bestimmt nicht.
Verallgemeinern lässt sich im Leben gar nichts - auch deine Sichtweise nicht, übrigens. Es gibt richtig üble Fälle und es gibt Menschen, die sich selbst Mühe geben, alles im Griff zu haben weil sie trotz ihrer Erkrankung das Leben lieben und es im Griff haben und glücklich sein wollen. Aber genau diese Menschen haben es gar nicht erst nötig, sofort mit ihren Problemen hausieren zu gehen denn - wie gesagt - sie haben alles weitgehend im Griff.
Und ich brauche kein Date, um Menschen zu erleben, die nur um sich selbst kreisen, mit ihrer Krankheit gerne die Mitleidsschiene fahren und das bei allen, die hören und nicht hören wollen, im Kollegenkreis genauso ungeniert wie bei Freunden. Wer nicht bereit ist, sich darauf einzulassen wird automatisch als Feindbild identifiziert. Das Anstrengende ist, dass jedes Wort so auf die Goldwaage gelegt wird wie der "Täter" im Leben nicht darauf gekommen wäre. Jeder Kollege leistet plötzlich Therapiestunden ab. Im Freundeskreis dreht sich alles nur um diese Person, 90% der gemeinsamen Zeit wird nur über deren Themen gesprochen, immer und immer wieder. Es ist für alle einfach nur extrem anstrengend.
Ich sage das weil ich sowohl für Freunde als auch für Kollegen jahrelang den Therapeuten gespielt habe bis irgendwann die Kraft aber auch das Interesse komplett weg war. Rücksicht war eindeutig in diesen Fällen eine Einbahnstraße. Jedes Gespräch endete so, dass man selbst nur noch völlig erschöpft war.
Und wegen solcher Fälle kann ich jeden verstehen, der sagt, das tue ich mir nicht mehr an, erst recht nicht in einer Partnerschaft. Wir sind alle keine 20 Jahre mehr und haben unsere Erfahrungen gemacht, ich behaupte mal, dass die wenigsten hier nur aus puren Annahmen heraus schreiben. Und wir alle haben mehr oder weniger unschöne Zeiten hinter uns und möchten den Rest unseres Lebens mit einem Partner schöne Dinge erleben und nicht ewig kämpfen, weinen, Angst haben, was man sagen darf und was nicht, sich immer wieder rechtfertigen müssen für Dinge, die man so nicht gemeint hat usw. Das haben die meisten in verschiedenen Formen alles schon erlebt und möchten jetzt endlich gerne entspannt mit dem Partner leben und lieben denn das Leben ist schon anstrengend genug und nach Hause sollte man kommen, um sich wohl zu fühlen statt noch schlimmere Kämpfe zu kämpfen als "draußen".
 
  • #97
Moin,

es gibt sicher "psychische Probleme", deren Erwähnung auch bei einem ersten Date unproblematisch ist... wenn ich z.B. gerade eine De-Sensibilisierungstherapie meiner Arachnophobie mache, ist das wohl weder als Gesprächsthema besonders geschmacklos noch als Beziehungsargument besonders negativ.

Ansonsten geht meine Erfahrung dahin, dass das "Hervorbrechen" von "Psycho-Bekenntnissen" beim ersten Date ganz einfach darauf hinweist, dass es sich um sehr bestimmende, schwerwiegende Probleme handelt. Je nachdem, auf was sie sich beziehen, kann ich mir dann eben frühzeitig ein Bild der "Problemzonen" machen.

Ein erstes Date erzählte mir z.B. einen Großteil der Zeit von diversen parallel agierenden Exen, derentwegen sie auf verschiedene Weise Aufarbeitung betreibe. Leider wären die betreffenden Männer überwiegend nicht dazu bereit, an solchen - eher esoterisch orientierten - Aktivitäten, Sitzungen, Kursen etc. teilzunehmen....
Diese Ehrlichkeit ist zwar sicher lobenswert... aber ist sie dienlich...? Nunja, sie gibt immerhin die Möglichkeit, rechtzeitig die Beine in die Hand zu nehmen....

manchmal
 
  • #98
@EarlyWinter
Ich verstehe dich - ich finde Menschen, die mit ihren Problemen "hausieren" gehen, wie du es formulierst, auch sehr anstrengend - bin selbst immer wieder und viel zu häufig an solche Menschen geraten - was sicher auf meine Baustellen verweist. Den Beratungsmodus, den wir ja alle hier gerne mal einnehmen, auch Tini, du und ich, nimmt man (im RL) meistens auch nicht ganz selbstlos ein. Ich habe meine Frage nach Tinis Erfahrungen mit Dates aber nicht gestellt, um ihr mit der Goldwaage zu kommen, sondern um das Selbsterlebte mit diesem Problem (Date spricht früh über Psychotherapie) zu hören. Das interessiert mich persönlich sehr, negative Pauschalurteile hingegen gehen mir auf den Keks. Aber von Menschen, mit denen ich mich reiben kann, kann ich auch etwas lernen. So: bring it on!

Zeig(t) mir auch , wo ich pauschalisiere, ich bin da gerne bereit, zurückzunehmen, zu korrigieren etc. Wie gesagt, mich interessiert die Ausgangsfrage des FS aus vielleicht nachvollziehbaren Gründen immens, bin ich doch auf beiden Seiten: einerseits mache ich eine langjährige Therapie, die mich verändert, so etwas muss ein neuer potenzieller Partner wissen, bevor er sich auf mich einlässt, denke ich zumindestens jetzt noch, andererseits kann ich ja genauso auf Menschen mit Problemen stoßen, von denen ich wissen sollte, allein, damit ich mich darauf einstellen kann und mir überlegen kann, ob ich das will. (Ein Mensch, der gerade seine Verschuldung in den Griff bekommt, kann vielleicht über Jahre keine Reisen finanzieren, mal so als Beispiel).

Ich erlebe es einfach, dass über Psychotherapien sehr schlecht gedacht und geredet wird, und zwar ganz allgemein und pauschal, ohne dass ich jetzt Leuten meine Geschichte auf die Nase binde. Die Frage ist also auch: macht einen das selbst bei grundsätzlich lernfähigen und beziehungsfähigen Menschen makelbehaftet, oder sortiere ich lieber schnell in 'dem Thema gegenüber offen / nicht offen '.

Oder sollte man so etwas schon geklärt haben, bevor es zum ersten Date kommt, sodass man sich auf den Schmetterlingsflug haben kann (im RL erübrigt sich die Frage ja).

Ist euch die Frage zu kopflastig? Macht man einfach nach Gefühl?
 
  • #99
Und die, die es tun, mit denen kann und will ich nicht täglich zu tun haben, weil sie einen den ganzen Tag oder Abend als Therapeuten missbrauchen und nur über sich reden. Solche Freunde meide ich.
Da stimme ich voll überein. Informationen zu psychischen Krankheiten finde ich zu Beginn einer Beziehung wichtig. Menschen, die damit hausieren gehen und ständig ihre Leidensgeschichte erzählen, sind unerträglich.
 
  • #100
Hallo,
also meine Erfahrung mit solchen Menschen sind sehr negativ. Ich kann nur raten: Finger weg! Mir ist das in meinem Leben und ich bin immerhin schon fast 48 Jahre, zweimal passiert. Mit solchen Menschen eine Beziehung eingehen endet meistens in einer riesigen Katastrophe. Sie bringen ihre Probleme mit in die Beziehung und werden sie auch beim Partner abladen! Dann werden ihre Probleme die deinen! Am Anfang wenn man verliebt ist denkt man daß man das gemeinsam schaffen wird und eines Tages wird der Partner glücklich und somit auch die Beziehung. Das ist jedoch nicht so! In solchen Beziehungen ist der Stress vorprogrammiert! Auch habe ich feststellen müssen dass es solche Menschen mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.
 
  • #101
Ich finde es nicht richtig, seinen Gegenüber beim 1. Date mit so etwas zu belasten. Es ist das Zeichen, sich dringend mitteilen zu müssen, sich wichtig zu nehmen in der Anbahnung und nicht in 1. Linie seinen Gegenüber. Ich- Bezogen und etwas rücksichtslos gegenüber dem Anderen empfinde ich es. Und es raubt die geheimnisvolle Aura, wenn der andere sich gleich so aufdrängt, sich so wichtig nimmt.
Entdecken kann man sich nach und nach bei Interesse und zurückziehen jederzeit. Es gibt keinen Anlass einer Outung beim 1. Treff. Selbstverliebt und egozentrisch würde ich es empfinden, da man seine Fühler nicht vorsichtig zum anderen ausstreckt, sondern zuerst sich selbst darstellt.
 
R

RumTaTa

  • #102
Irgendwie interessant wie Menschen hier in Schubladen gesteckt und stigmatisiert werden. Wer hat denn heutzutage bitte keine psychischen Probleme? Diesem Faden nach zu urteilen, Menschen die einen Großteil ihres Lebens damit verbringen auf diesem Forum in jedem Thread ihre Meinung kund zu tun und deren Namen man hier immer und immer wieder liest? Normale Menschen schreiben nicht in Internetforen. Das weiß jeder. Und das ist nicht sarkastisch gemeint, sondern Fakt.

Wenn ich mir vorstelle ich wäre jetzt Single und würde einen Mann kennen und lieben lernen und irgendwann erfahren dieser Mensch hätte Schizophrenie (wo ich mir vorstelle das dies mit die schlimmste Erkrankung überhaupt ist), aber ich hätte bis dato nie was davon gemerkt und der Mann hätte seine Krankheit im Griff und behelligt mich nicht damit, wer wäre ich denn diesen Menschen deswegen abzulehnen? Würde er es mir beim ersten Date erzählen, würde ich vermutlich auch wegrennen. Aber man lernt doch einen Menschen kennen und lieben so wie er ist, nicht so wie er war oder evtl sein könnte.

Gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen haben doch Liebe und Zuneigung am meisten nötig. Es ist natürlich etwas anderes wenn die psychische Erkrankung immer Thema ist und die Beziehung belastet. Genau das würde sie, wenn man mir sowas beim ersten Date erzählen würde. Genauso verhält es sich mit der Vergewaltigungsgeschichte. Sorry, aber ich würde sowas einfach nicht wissen wollen. Vielleicht nach Monaten, aber besser nie. Beim ersten Date schon garnicht.

Beim ersten Date solche Geschichten auszubreiten sorgt im besten Fall dafür, dass man Vorurteile entwickelt und den Menschen nicht mehr richtig kennenlernen kann (und auch nicht will). Und diese No Go's wären nicht nur etwas in der Vergangenheit wie eine Vergewaltigung, nein, die Liste ist eigentlich endlos lang bei mir wenn ich den Menschen gerade erst kennen gelernt habe.

Schizophrenie? - Ich bin weg!
Sadistisch veranlagt? - Ich bin weg!!!
Schon mal einen Dreier gehabt? - Ich bin weg!
Bei einer Prostituierten gewesen? - Ich bin weg!
Neigung zu Wutausbrüchen? - Ich bin weg!
Schon mal Fremdgegangen? - Ich bin weg!

Das sollte man dann auch alles beim ersten Date erzählen. Ist nur fair. Die nicht diagnostizierte Persönlichkeitsstörung am besten auch, wobei, das geht ja garnicht.
 
  • #103
@RumTaTa
Toller Beitrag, finde ich (#101) - du sprichst mir aus der (psychisch angebufften) Seele. Gut finde ich nicht nur, dass du Toleranz und Offenheit gegenüber Menschen mit psychischen Störungen zeigst, diesen Menschen auch nicht die grundsätzliche Beziehungsfähigkeit absprichst, sondern dass dein Text auch der erste ist, der mir persönlich wirklich begreiflich macht, warum das eigene Problem nicht zum Gegenstand des ersten Dates werden muss (aber wohl darf).

Wie man an das Thema herangeht, so kapiere ich jetzt durch deine Beispiele (bei Prostituierten gewesen etc), hat auch etwas damit zu tun, ob man zu seinen Problemen steht - und wenn man zu sich steht, auch den gerade therapierten Macken bis ernsthaften Problemen, braucht der potentielle Partner davon nicht sofort etwas zu wissen - er wird es erfahren, wenn der Zeitpunkt passt und das KANN je nach Richtung, die das Gespräch nimmt, ja auch das erste Date sein, wieso nicht.

Der Thread hier hat mir persönlich vor allem aufgrund der offenen und verdeckten Stigmatisierungen allerdings nicht dabei geholfen, zu meinem Problem zu stehen (ganz im Gegenteil), da hilft eher die Therapie selbst. Aber jetzt nimmt er doch noch eine sehr interessante Wendung, indem hier nämlich auch das Dauerposten problematisiert wird (ich bin ja auch eine derjenigen, die sich häufig äußert, und mir ist sehr bewusst, dass das extrem seltsam ist). Allerdings verweist du, @RumTaTa, auf diejenigen Dauerposter, die sich hier mit ihren überall zu findenden, teils sehr herabwürdigenden Antworten offenbar auch von den eigenen Problemen ablenken, die teils sehr gravierende Probleme sind und die in eigenen Threads auch offen diskutiert werden - Threads, wo im übrigen von mehreren Foristen auch bereits zur Therapie geraten wurde.

Sehr spannend das alles. Mein Fazit nun also: wenn psychische Probleme beim ersten Date erzählt werden, höre ich hin - wie ich mir ja auch alles andere anhöre. Entscheidend dafür, ob ich mich wieder treffen wollte, wäre die Art und Weise, wie mit der Krankheit umgegangen wird, und wie darüber gesprochen wird. Ähnlich würde ich es halten, wenn von Hobbies und Interessen erzählt wird! Ob ich selbst von meinen Schwierigkeiten erzähle, mache ich vom Augenblick abhängig. Vielleicht passt es, vielleicht nicht.
 
  • #104
Diesem Faden nach zu urteilen, Menschen die einen Großteil ihres Lebens damit verbringen auf diesem Forum in jedem Thread ihre Meinung kund zu tun und deren Namen man hier immer und immer wieder liest? Normale Menschen schreiben nicht in Internetforen.
Das stimmt. Macken haben wohl viele Schreiber hier und auch sonst viele Menschen.
Die Ausgangsfrage bezog sich nicht auf Männer die schonmal bei einer Prostituierten waren oder Frauen, die schonmal einen Dreier hatten oder fremdgingen, sondern um eine Frau, die aktuell Ängste hat, die sie beruflich stark einschränken und eine Psychose hinter sich.
Das entspricht für mich im körperlichen Bereich einem Risikosportler, der sich ab und an mal einen Knochen brechen könnte im Vergleich zu einem akuten Schlaganfall mit noch vorhandener halbseitiger Lähmung.

Es ist richtig, Menschen nicht allgemein zu stigmatisieren, das betrifft aber eher den Umgang mit solchen Menschen im Freundeskreis oder im Alltag. Bei Partnerschaften ist die Sachlage anders, weil die Verbindung intensiver und enger ist und die Auswirkungen erheblich größer sind. Da sollte jeder das Recht haben, zu entscheiden, was akzeptabel ist. Vielleicht nicht beim ersten Date, aber doch, wenn es um eine Beziehung geht. Genauso, wie ich wissen möchte, ob eine Frau völlig überschuldet ist, zwei kleine Kinder hat oder sich jeden Tag 2 Stunden um ihr Pferd und 2 Hunde kümmert und deshalb keine Reisen macht.

Mein Onkel hatte eine Frau, die psychische Probleme entwickelt hat. Er war so lange bei ihr, bis die drei Kinder groß waren. Natürlich hat sich jeder aufgeregt, dass er sich dann hat scheiden lassen. Dass er fast 25 (schwierige) Jahre bei ihr war, würdigt niemand.

Es gibt Menschen mit Helfersyndrom, sicher auch hier im Forum viele. Oder welche, die schlicht mitreden wollen. Es gibt Menschen, die nehmen eine Obdachlose bei sich auf, weil sie sich verlieben. Andere machen einen großen Bogen um solche potentiellen Partner. Alles hat seine Berechtigung. Auch Menschen, die keinen Partner möchten, der erhebliche psychische Probleme hat, sollten nicht stigmatisiert werden!
 
R

rosenmann

  • #105
Jeder wie er möchte, ich hatte eine Beziehung zu einer Frau mit Persönlichkeitsstörung, wir lernten uns über den Bekanntenkreis kennen, insofern gab es kein erstes Date in diesem Sinne, aber sie sagte es schon früh, machte kein Geheimnis daraus.

Nur, da fand ich sie dann schon recht toll und war verliebt, es passte erstmal alles. Was soll ich sagen...

Es hatte vermutlich seinen Sinn, dass ich das durchgemacht habe, so als Lernaufgabe. Aber gerade deshalb brauche ich so etwas nicht nochmal, es dreht sich am Ende nur um "Sie" und ihre Krankheit, wer will das haben?

Das Problem ist in der Kennenlernphase, die Macken, wie wir sie alle haben, die uns mitunter liebenswert machen, zu trennen von ernsthaften Störungen. Und da denke ich inzwischen, kein Risiko mehr, ich will so was nicht noch einmal erleben.
 
  • #106
Das Problem ist in der Kennenlernphase, die Macken, wie wir sie alle haben, die uns mitunter liebenswert machen, zu trennen von ernsthaften Störungen. Und da denke ich inzwischen, kein Risiko mehr, ich will so was nicht noch einmal erleben.
Ich will auch dieselben Fehler nicht wiederholen und habe mich nach langjähriger Ehe mit einem Alkoholiker jetzt (leider!) in der Frühphase von jemandem trennen müssen, den ich sehr schätze - und der Zwangsstörungen hat, die vor Jahren auch Gegenstand einer Therapie waren. Ich habe mich nicht wegen der Störung an sich getrennt - es hat mich nicht abgeschreckt, dass er sie hat (er hat sie relativ früh erwähnt), sondern weil er damit nicht gut umging. U. a. hat er versucht, die Symptome zu verheimlichen, um mich nicht abzuschrecken. D. h. er zeigte sich mir nicht - was, mal abstrakt formuliert, zu einer Schieflage in der Nähe-Distanz-Regulierung führte. Konkreter: Ich wollte Nähe, die er nicht zulassen konnte (z. B. wir waren meistens bei mir, denn bei mir konnte er entspannter sein, aber von ihm kamen kaum Gegeneinladungen, denn ich hätte bei ihm die Abläufe durcheinander gebracht). Es ging bei ihm eben gerade nicht andauernd um die Störung - er hat sich ihrer Behandlung nicht hinreichend gewidmet! Bei mir war, als ich ihn kennenlernte, sicher irgendwie das Co-Muster getriggert - aber ich bin eben inzwischen gut genug zu mir selbst, dass ich sein Problem seines lassen kann, und mich verabschieden kann, wenn ich merke, er wird auch nichts ändern, wenn ich meine Schwierigkeiten mit seinem Problem anspreche.

Gerade weil ich hier für Offenheit gegenüber Menschen mit psychischen Problemen plädiere und sie auch nicht als Partner ausschließe (dann müsste ich mich ja selbst auch ausschließen), möchte ich auch betonen, dass ich nichts davon halte, sich unkritisch einzulassen.

Und genau, die Schwierigkeit ist, gravierende Störungen von Macken zu unterscheiden, aber das gilt, wie @RumTaTa eindrucksvoll formuliert hat, ganz besonders auch für die vielen, vielen Menschen, die komplett unreflektiert nichts von der eigenen Störung ahnen oder auch die, die das Problem kennen aber nichts tun. Ich glaube, diese stellen das größere Risiko dar, als diejenigen Menschen, die sich beim ersten Date (oder wann auch immer) zu den eigenen Problemen bekennen.