• #61
wer extrem labilen Menschen zum knallharten Online-Dating rät, gehört geschlagen
Denk vielleicht auch mal an die andere Seite, an das "Trainingsgerät", sprich i.d.R. die Männer auf der Plattform, die auf die zu therapierende Kandidatin treffen, die sich Hoffnung auf eine "ganz normale" Beziehung oder zumindest eine ernst gemeinte Anbahnung machen...
Ja, ich kann das bestätigen, das gibt es. Finde ich ganz schlimm.

manchmal
 
  • #62
Deswegen bin ich ja auch der Meinung, dass man zumindest nicht gleich beim ersten Date von seiner Psychoerkrankung erzählen sollte.
Jemand der aufgrund einer psychischen Erkrankung zb. nicht arbeitsfähig ist....: Bei jedem ersten Date wird nachgefragt was man arbeitet. Wie sollte man da dieses Thema umgehen ohne zu lügen? Da kommt man unweigerlich auf die Gesundheit zu sprechen. Was würde es für einen Eindruck hinterlassen wenn man aus der Tätigkeit eine Geheimniskrämerei macht? ich würde es lieber gleich wissen was dahinter steckt um für mich selbst entscheiden zu können "komme ich damit zurecht oder nicht".

Wenn ich lese, dass eine Frau beim ersten Date davon erzählt, dass sie vergewaltigt wurde und zeitlebens Therapie braucht, frage ich mich, welcher Mensch da nicht reißaus nimmt!?
Ein ExPartner von mir hatte als Kind einen Schlaganfall, war natürlich nicht zu übersehen. Dennoch war er als Mensch sehr herzlich und es passte. Die Behinderung hatte ich nach kurzer Zeit nicht mehr als solche wahrgenommen. Wenn er mal Hilfe benötigte um sich zb. die Jacke anzuziehen war das meinerseits ein automatisierter Vorgang über den ich nicht mehr nachdachte. Da schmierte ich ihm nicht jeden Handschlag aufs Butterbrot. Würde mir jemand beim ersten Date von einem Missbrauch berichten kommt es schon auch sehr auf die Situation, auf die Art und Weise an. Reißaus würde ich nicht nehmen sondern mir dazu Gedanken machen, hinterfragen in wie weit das im Alltag einschränkt und mir weiters überlegen, kann ich damit umgehen, ja oder nein und das würde ich auch dem-/derjenigen gegenüber offen thematisieren. Wer vorverurteilt, sich nicht mehr die Arbeit machen möchte, einen vorbelasteten Menschen näher kennenzulernen und den Stempel "Psychotussi" aufdrückt, da hat diese "Psychotussi" an dem potentiellen Partner sicher nichts wertvolles verloren.
 
  • #63
Ein ExPartner von mir hatte als Kind einen Schlaganfall, war natürlich nicht zu übersehen.
Ich denke, jeder hat das Recht, sich einen Partner oder eine Partnerin frei auszusuchen und dabei zu entscheiden, ob Handicaps jeglicher Art in Frage kommen oder nicht. Du schreibst ja selbst, beim ersten Date war seine Behinderung offensichtlich. Bei psychischen Problemen ist das nicht so.
Und ich stehe dazu: Partnerinnen mit psychischen Problemen, die dauerhafter Natur sind, möchte ich nicht haben. Ich halte das für ein wesentliches Merkmal für eine Beziehung und wesentliche Merkmale sollte man frühzeitig bekanntmachen.
Im Parallelthread schreiben Frauen klar, dass sie schon bei mangelndem Status die Beziehung abbrechen, sobald sie das erkennen....
 
  • #64
Du bist ja immer für eine Provokation gut - aber gehst du nicht zu weit? Du würdest wohl, wenn dein Partner krank würde - egal ob physisch oder psychisch - das Handtuch schmeißen, weil er neben seinen Arztterminen die Dates mit dir nicht mehr bewältigen könnte? Wahrscheinlich passierte das deinem potentiellen Partner jedoch nicht, denn du verpartnerst dich ja nur mit Alphamännern, wie in einem anderen Thread zu lesen war. Aber dein anderes unerreichbares Ideal, die lange Beziehung seit Jugendtagen, sieht sich oft mit solchen Szenarien konfrontiert. Was macht eine Alphafrau eigentlich mit einem der Demenz verfallenen Alphamann?

Mich macht die marktwertanalysierende, geradezu menschenverachtende Shoppingmentalität, die hier von einigen (wenigen) hochgehalten wird, sehr traurig - und frage mich, ob diese nicht eigentlich behandlungsbedürftig ist.

Auf die Ausgangsfrage bezogen, möchte ich damit sagen, dass sich natürlich niemand freiwillig ein Problem ans Bein binden muss wenn er eine Beziehung sucht. Menschen, die sich um ihre psychischen Probleme kümmern, wissen das. So mancher Mensch, der sich als ideale Partie sieht, weiß mitunter weniger über sich als ein psychisch belasteter Mensch. Und solche Menschen, die das mit der Selbstreflektion nicht so drauf haben, haben auch selten Aussicht auf gelungene Beziehungen. Also wie immer würde ich von Pauschalisierungen Abstand nehmen.
Hier geht es nicht darum, wenn ein langjähriger Partner (den man gesund kennenlernte) psychisch krank wird, sondern es geht darum von Anfang an schon einen psychisch Kranken in sein Leben zu lassen. Sorry, man sollte dies nicht durcheinanderwerfen.

Natürlich würde ich zu meinem langjährigen Partner stehen, wenn er Depressionen bekommen würde, ich kannte ihn ja vorher ohne, aber ich wollte niemals eine neue Bindung mit einem Depressiven.

Und das würde ich auch keinem raten, denn eine solche Krankheit belastet rund um die Uhr und ich kann mir nicht vorstellen dass jemand auf Partnersuche, der sich verlieben will Lust auf psychische Therapien hat.
 
  • #65
Ein ExPartner von mir hatte als Kind einen Schlaganfall, war natürlich nicht zu übersehen. Dennoch war er als Mensch sehr herzlich und es passte. Die Behinderung hatte ich nach kurzer Zeit nicht mehr als solche wahrgenommen.
Es ist aber etwas Anderes, ob man körperlich oder psychisch i Behandlung ist. Eine Lähmung in der Hand oder im Arm/Bein spielt in der Beziehung schnell keine Rolle mehr, wie Du selber schreibst.
Die Frage ist aber meines Erachtens eher, ob eine Person, die in psychischer Behandlung ist, überhaupt beziehungsfähig ist. Manche ja, manche nein. Ich glaube, dass man mit einer Person, die in Behandlung aufgrund einer Vergewaltigung ist keine normale Beziehung führen kann und auch kein normales Sexleben haben kann. Zumindest würde ich mir in diesem Fall als Mann diese Frage stellen.
Und als Frau würde ich einen Menschen nicht in einer Beziehung wollen, der psychisch instabil ist. Ich wäre damit schlichtweg überfordert, da weiß ich ja nie, wenn er mal überreagiert, ob das Teil seiner Persönlichkeit ist oder Teil seiner psychischen Störung. Und ich will meinen Freund nicht in Watte packen müssen und Rücksicht auf ihn nehmen - so weit ist mein Helfersyndrom nicht ausgeprägt.
 
  • #66
Und das würde ich auch keinem raten, denn eine solche Krankheit belastet rund um die Uhr
Naja du solltest mal genauer lesen - es geht in diesem Thread darum, wann man seine Probleme outet, wenn man welche hat und wie man als Nichtbetroffener ein Outing beurteilt. Ob du Ahnung von den verschiedenen Ausprägungen von Depressionen hast und den Behandlungsverläufen und Stadien, wo man es vielleicht doch zu einem Date schafft und gar mehr, wenn es denn passt, bezweifle ich. Jemand, der so schwer depressiv ist, dass er 24 Stunden belastet ist, hat gar nicht die Kraft, sich in einer PB anzumelden. Da kannst du ganz beruhigt sein, der wird auch dein Profil nicht lesen und dich behelligen.
ich kann mir nicht vorstellen dass jemand auf Partnersuche, der sich verlieben will Lust auf psychische Therapien hat.
Das ist eben das schöne an der Partnersuche, dass man davon ausgehen darf, dass auf jeden Topf ein Deckel passt - wenn man nur die Vorstellungskraft hat. Du musst Therapien nicht gut finden. Niemand muss das. Ich gehe allerdings offensiv mit dem Thema um, weil ich hier viel Unkenntnis sehe und teils Herablassung (aber auch sehr viele sehr differenzierte Beiträge). Zum einen ist die Hemmschwelle sehr hoch, sich Hilfe zu suchen (könntest du z. B. auch tun, weil du niemanden findest. Ehrlich jetzt, den psychischen Gründen könntest du nachspüren ). Zum anderen sind Berührungsängste hoch mit Menschen, die ihr Problem nicht verheimlichen. Meistens wiederum aus Unkenntnis. Wäre es dir aber lieber du gerätst an jemanden, der aus Angst vor Ablehnung seine Probleme verschweigt? Und viele Probleme kann man gut und lange überspielen. Mein Selbstwertproblem beispielsweise sah man mir auch dann nicht an, als es noch ziemlich heftig war. Ich habe niemanden mit Gedanken ala "ich bin blöd" behelligt, und weil ich nicht ganz so blöd bin, wie ich mir gern weismachte, merkte das auch niemand. Nicht-therapierte Menschen mit psychischen Problemen sind mitunter kranker als du es je für möglich hältst, therapierte oftmals normaler.

Ich plädiere deshalb dafür, sich beim ersten Date den Menschen anzusehen. Wenn er von Problemen spricht, die er hat, dann nach dem Umgang damit fragen. Und wenn sie einem nicht behagen trifft man sich eben nicht. Eine grundsätzliche Offenheit - wir der FS sie zeigt - finde ich jedenfalls sehr attraktiv. Menschen mit pauschalisierten Ansichten eher nicht so.
 
  • #67
Und ich stehe dazu: Partnerinnen mit psychischen Problemen, die dauerhafter Natur sind, möchte ich nicht haben.
Da hast du mich natürlich schön aus dem Zusammenhang zitiert. Natürlich kann sich jeder seinen Partner selbst aussuchen darum geht es hier wohl nicht. Ich schrieb auch weiters, dass ich gerne wissen würde wenn ein psychisches Problem vorliegt um zu entscheiden ob ich damit zurecht käme oder eben nicht. Es ist deine Sache dich gegen einen Menschen mit Handicap zu entscheiden genauso wie sich auch ein Mensch mit Handicap gegen dich entscheiden kann. Es ist nicht so als wären mir in meinem Leben noch nie Menschen mit psychischen Erkrankungen begegnet. Mein akueller Partner leidet unter einer Angsterkrankung und komme damit auch gut zurecht. Was andere machen ist mir Schnuppe dennoch nehme ich mir die Freiheit heraus hier andere Ansichten zu kommentieren.
 
  • #68
Es ist aber etwas Anderes, ob man körperlich oder psychisch i Behandlung ist. Eine Lähmung in der Hand oder im Arm/Bein spielt in der Beziehung schnell keine Rolle mehr... Die Frage ist... eher, ob eine Person, die in psychischer Behandlung ist, überhaupt beziehungsfähig ist. Manche ja, manche nein.
Du argumentierst nicht sauber, denn es gibt sehr schwere physische Erkrankungen, die einen beziehungsunfähig machen - als Ärztin hast du da mehr Beispiele parat als ich. Wenn man den Vergleich anstellen will, dann sollte man eher sagen: es SCHEINT auf den ersten Blick einfacher, die Beziehungs(un)fähigkeit eines psychisch belasteten Menschen einzuschätzen, als die eines physisch belasteten. Aber das ist wiederum ein Pauschalurteil - hat mit Berührungsängsten zu tun und nicht mit der Sachlage im Einzelfall. Ob jemand beziehungsfähig ist, ist sicher mit psychischer Stabilität verbunden - aber es gehören so viele andere Dinge noch dazu. Wer jemanden nicht in Betracht ziehen will, nur weil er "eine Therapie macht", der soll das tun. Vielleicht entgehen einem dann aber auch besonders beziehungstaugliche Menschen. Beziehungstauglichkeit zeigt sich nicht beim ersten Date. Aber ob sich jemand Gedanken gemacht hat über seine eigene Beziehungstauglichkeit - das kann man erkennen. Therapierte Menschen tun das, das gehört mit zur Therapie. Einer guten jedenfalls.
Ich glaube, dass man mit einer Person, die in Behandlung aufgrund einer Vergewaltigng ist keine normale Beziehung führen kann und auch kein normales Sexleben haben kann. Zumindest würde ich mir in diesem Fall als Mann diese Frage stellen.
Genau die Frage könntest du stattdessen dem Date stellen. Dann würdest du vielleicht mehr über den Menschen erfahren als dir deine eher verschlossene Haltung erlaubt.
Und als Frau würde ich einen Menschen nicht in einer Beziehung wollen, der psychisch instabil ist. Ich wäre damit schlichtweg überfordert, da weiß ich ja nie, wenn er mal überreagiert, ob das Teil seiner Persönlichkeit ist oder Teil seiner psychischen Störung. Und ich will meinen Freund nicht in Watte packen müssen und Rücksicht auf ihn nehmen
Instabilität wird hier im Thread immer gebracht, um psychische Probleme grundsätzlich als problematisch hinzustellen. Die Frage ist doch wohl eher: möchtest du auf einen beziehungstauglichen Partner mit psychischen Problemen Rücksicht nehmen. Du möchtest das nicht, ist doch ok.
 
R

rosenmann

  • #69
Diese Frage lässt sich allgemein eher schwer beantworten. Wenn die Erkrankung tagtäglich spürbar ist, sollte es schon frühzeitig erwähnt werden, wenngleich ich nicht unbedingt finde dass es beim 1. Date geschehen muss. Im Falle einer erheblichen Einschränkung fällt das doch sowieso bald auf, sowas lässt sich nicht lange verstecken.

Ich kenne da einen Fall aus dem Bekanntenkreis, da leidet die Frau seit Jahren, mal mehr, mal weniger unter einer Psychose. Es gibt Tage, wo man es kaum merkt aber früher oder später kommt es zum Vorschein, da passieren einfach Dinge, wo sich jeder der es mitkriegt dann fragt, was das gerade ist...

Ein Freund von mir lernte diese Frau kennen und war mehrere Jahre mit ihr zusammen. Eine ganze Weile waren die beiden auch einigermaßen glücklich, aber ihre Spinnereien kamen immer mehr zum Vorschein und es waren dann eben nicht mehr die ganz gewöhnlichen Differenzen, die in jeder Beziehung mal auftauchen, sondern sie hatte Verhaltensweisen, die schon ziemlich schwierig auszuhalten waren. Nur, wenn dann Gefühle im Spiel sind, trennt man sich ja nicht mal eben...

Letztendlich ging die Beziehung in die Brüche. Es ist schwer zu beurteilen, ob die Psychose der Frau hier die Hauptschuld trug, oder ob es einfach nicht gepasst hat. Vermutlich liegt die Wahrheit igrendendwo dazwischen.

Wer erheblich an einer psychischen Krankheit leidet, tut meiner Meinung nach gut damit,sich jemanden zu suchen der ebenfalls betroffen ist, oft lernen sich Menschen da ja im Rahmen einer Therapie in einer Einrichtung kennen, so haben beide das nötige Verständnis füreinander.

Ist einer bis auf die "normalen" menschlichen Macken gesund und der andere tickt ständig aus... schwierig.
 
  • #70
@Rabentocher

Psychisch instabil ist nunmal kein guter Start in eine neue Beziehung, da brauche ich kein Fachmann bzw. Fachfrau sein.
Es ist und bleibt ein Defizit, eine psychische Störung bricht meist unerwartet hervor, denn ich kannte sehr wohl Menschen mit solchen pychischen Geschichten und weiß dass diese Leute sehr anstrengend sein können.

Eine Aktivität in Heilung einer psychischen Störung wäre somit eher von Nöten, als auf Partnersuche zu gehen, denn aktive Partnersuche kann auch stressen.
Warum Fremd-Stress, wenn man ihn schon mit sich selbst hat?

Sie können von einer Sekunde auf die andere von heller Freude in Schwermut verfallen, mitten auf dem Stadtbummel oder in einer Unternehmung, wollen sofort nach Hause, sind unleidlich und keiner weiß was los ist. Die Leute selbst nicht.

Wer sich dies am Anfang einer neuen Partnerschaft antun möchte, bitte. Also ich nicht, dazu ist das Leben zu kurz, außerdem kostet es Kraft, Energie, welche ins Leere laufen.

Mir kann niemand erzählten, der sich verlieben will, dass er scharf auf unberechenbare und instabile Partner ist - wohlbemerkt - am Anfang einer neuen Bindung.
 
  • #71
Mir kann niemand erzählten, der sich verlieben will, dass er scharf auf unberechenbare und instabile Partner ist - wohlbemerkt - am Anfang einer neuen Bindung.
Also das erzähle ich hier nicht! Ich wäre auf so etwas auch nicht während einer Beziehung scharf. Es gibt hier verschiedene Fragen, die sich teilweise überschneiden. Ich kann ja mal versuchen, den bisherigen Konsens hier zu formulieren, wie er sich mir darstellt.
Q: Woher weiß ich, ob ein Partner psychisch stabil ist?
A: Beim ersten Date kann ich es nur wissen, wenn er es mir sagt oder sich wirklich auffallend verhält.
Q: Sind Menschen mit psychischen Problemen instabil und unberechenbar?
A: Manche ja, manche nein.
Q: Kann ich auf psychische Instabilität schließen, wenn ein Partner mir nach einem gefühlt gelungenen Date absagt? Sogar neue Dates in Aussicht gestellt hatte (siehe Ausgangsfrage)
A: Nein
Q: Ist es legitim, Menschen mit psychischen Problemen als potenziellen Partner auszuschließen?
A: Ja
Q: Sind Psychosen schwere psychische Erkrankungen?
A: Ja
Q: Kann man Psychosen in den Griff bekommen?
A: Das kommt sehr auf den Einzelfall an
Q: Kann man mit einer Psychose beziehungsfähig sein?
A: Einzelfallabhängig. Kommt auf die Schwere der Erkrankung an, auf den Umgang mit ihr.
Q: Wann sollte man psychische Probleme / seine therapierten und untherapierten psychischen Baustellen während der Partnersuche erwähnen?
A: Das ist, finde ich, eine wichtige Frage, die hier noch zu kurz kommt.

Bisher geht es für meinen Geschmack in diesem Thread zu sehr darum, ob man sich bei ausdrücklichem Interesse an einer guten Beziehung wen mit einem psychischen Problem anlachen sollte. Na ja, das ist hoffentlich geklärt.

A: Es hängt vom Einzelfall ab oder man sagt grundsätzlich nein.

Ich persönlich bevorzuge in dieser Frage Offenheit und würde das Date einfach mal erzählen lassen und mir dann ein Bild machen. Ein Partner, der eine Spinnenphobie hat würde mich nicht groß einschränken. Einer der schlimme Alpträume hat, auch nicht, einer der Messie ist durchaus, einer der einen Ordnungstick hat, na ja, da würde ich wissen wollen, wie es ihm da mit seinen Mitmenschen bisher ergangen ist usw usw.

Lasst uns doch mal auf die Ausgangsfrage richtig einsteigen, wann man psychische Probleme erwähnt und wie und wie man als Nichtbetroffener damit umgeht.
 
  • #72
Psychisch instabil ist nunmal kein guter Start in eine neue Beziehung, da brauche ich kein Fachmann bzw. Fachfrau sein.
Es ist und bleibt ein Defizit, eine psychische Störung bricht meist unerwartet hervor, denn ich kannte sehr wohl Menschen mit solchen pychischen Geschichten und weiß dass diese Leute sehr anstrengend sein können.
Du hattst vorher mal geschrieben, dass es etwas anderes wäre wenn der Partner in einer bestehenden Partnerschaft eine psychische Erkrankung bekommen würde. In wie fern wäre das für dich etwas anderes? Wäre die emotionale Belastung nicht dieselbe? Wenn ein Partner über Jahre krank ist wo ist der Unterschied ob es von Anfang an so war oder im Laufe der Beziehung auftritt? Dann hättest du doch auch das was du nicht möchtest .... einen unberechenbaren, instabilen Partner. Wäre das dann nicht nur mehr ein hinterherhängen alter Erinnerungen an einen Menschen der real so nicht mehr existiert?

Mir kann niemand erzählten, der sich verlieben will, dass er scharf auf unberechenbare und instabile Partner ist - wohlbemerkt - am Anfang einer neuen Bindung.
Wie schon geschrieben hatte ich persönlich damit kein Problem. Ein Mensch besteht nicht nur aus Erkrankung und das ist es auch nicht was ihn ausmacht. Da stecken oft ganz tolle Persönlichkeiten dahinter die eben im Leben nicht so viel Glück hatten aber dafür noch abgestraft werden durch Stigmatisierungen und Benachteiligungen in allen Bereichen aber es ist auch ok wenn du das anders siehst.
 
  • #73
Du hattst vorher mal geschrieben, dass es etwas anderes wäre wenn der Partner in einer bestehenden Partnerschaft eine psychische Erkrankung bekommen würde. In wie fern wäre das für dich etwas anderes? Wäre die emotionale Belastung nicht dieselbe? Wenn ein Partner über Jahre krank ist wo ist der Unterschied ob es von Anfang an so war oder im Laufe der Beziehung auftritt? Dann hättest du doch auch das was du nicht möchtest .... einen unberechenbaren, instabilen Partner. Wäre das dann nicht nur mehr ein hinterherhängen alter Erinnerungen an einen Menschen der real so nicht mehr existiert?


Wie schon geschrieben hatte ich persönlich damit kein Problem. Ein Mensch besteht nicht nur aus Erkrankung und das ist es auch nicht was ihn ausmacht. Da stecken oft ganz tolle Persönlichkeiten dahinter die eben im Leben nicht so viel Glück hatten aber dafür noch abgestraft werden durch Stigmatisierungen und Benachteiligungen in allen Bereichen aber es ist auch ok wenn du das anders siehst.
Du hast mich oben zitiert, obwohl der Text nicht von mir kommt. Ich glaube, er kommt von @Herakles. Aber ich beantworte deine Frage trotzdem, weil ich sie sehr wichtig finde. Wenn ein Partner im Verlauf der Beziehung psychische Probleme bekommt (was ich erlebt habe - mein langjähriger Ex-Partner ist alkoholkrank), dann erwarte ich (inzwischen), dass ER sich darum kümmert. Es ist seine Verantwortung. Ich stehe ihm nach Kräften bei, indem ich mich informiere, wie ich ihn unterstützen kann usw. Ich habe mich selbst beraten lassen usw. Und weil genau das nicht passiert ist, dass er sich selbst gekümmert hat, habe ich mich getrennt. Bei einer Psychose z. B. - auch das könnte ja passieren und passiert öfter als man denkt - würde ich ähnlich handeln. Ich würde meinem Partner bei gravierenden psychischen Problemen immer beistehen und mich nicht einfach trennen - aber niemals mehr ohne mich selbst beraten zu lassen. Wirklich gravierende Probleme wären mir eine Nummer zu hoch um sie allein zu händeln. Meine Jahre der Selbstüberschätzung sind vorüber.
 
  • #74
Wer erheblich an einer psychischen Krankheit leidet, tut meiner Meinung nach gut damit,sich jemanden zu suchen der ebenfalls betroffen ist, oft lernen sich Menschen da ja im Rahmen einer Therapie in einer Einrichtung kennen, so haben beide das nötige Verständnis füreinander.
Aber soll ein kranker Mensch nicht auch die Chance haben sich an gesunden Mustern zu orientieren und in der Gesellschaft als vollwertiges Mitglied angenommen zu werden oder sollte es Ziel sein eine Klassengesellschaft zu fördern. gleiches zu gleichem?! Ich kann mich erinnern es gab hier mal einen Thread zum Thema Flüchtlinge was ähnliche Auswüchse annahm wie das Thema hier. Man kann gucken wo man möchte. Das was nicht nach Schema F funktioniert, leistungsfähig ist, angepasst ist, das will man nicht haben. Der Schwächere hat sich dem Stärkeren anzupassen um angenommen zu werden und das ist meiner Ansicht nach sehr sehr traurig. Ich finde ein gewisses Maß an Toleranz und Menschlichkeit täte jedem gut.
 
  • #75
Aber soll ein kranker Mensch nicht auch die Chance haben sich an gesunden Mustern zu orientieren und in der Gesellschaft als vollwertiges Mitglied angenommen zu werden oder sollte es Ziel sein eine Klassengesellschaft zu fördern. gleiches zu gleichem?! Ich kann mich erinnern es gab hier mal einen Thread zum Thema Flüchtlinge was ähnliche Auswüchse annahm wie das Thema hier. Man kann gucken wo man möchte. Das was nicht nach Schema F funktioniert, leistungsfähig ist, angepasst ist, das will man nicht haben. Der Schwächere hat sich dem Stärkeren anzupassen um angenommen zu werden und das ist meiner Ansicht nach sehr sehr traurig. Ich finde ein gewisses Maß an Toleranz und Menschlichkeit täte jedem gut.
Toleranz und Menschlichkeit haben nichts damit zu tun, wenn ich einen neuen Partner in mein Leben lasse und er mir durch seine psychische Krankheit Energie und Lebensfreude raubt.
Denn dies wird ein instabiler Mensch tun, somit sollte man auch die Leute verstehen, welche diesen "Sorgen" von Anfang an aus dem Wege gehen, weil sie nicht Seelentröster sein wollen, sondern eine Partnerschaft wollen, die frei und unbeschwert ist, zumindest am Anfang, wie sie sich weiter entwickelt steht eh in den Sternen.

Hier wird so getan, als wenn es geradezu strafbar wäre einem seelisch instabilen neuen Partner keine Chance zu geben - ich unterstütze das. Ich kann nichts dafür dass ein Mensch seelische Probleme hat, welch er nicht lösen kann, sehe mich aber auch nicht in der Pflicht diese zu lösen, woran andere schon gescheitert sind.

Somit gebe ich zu auch einem Raucher keine Chance zu geben oder jemanden, welcher nicht auf Gesundheit und Ernährung achtet, denn die Gesundheit ist das höchste Gut.

Somit beginnt ein seelischer Defizit allein schon dadurch, dass jemand sein Leben nicht in den Griff bekommt und seine Seele ebenfalls nicht. Ob sich jemand dieser Leute dennoch erbarmt und eine Partnerschaft mit vielen Tiefen eingeht - so what.

Ich würde es nicht tun, denn was damit beginnt ist keine schöne und angenehme Zeit der Verliebtheit, sondern ein gefühlsmäßiges Chaos. Natürlich toleriere ich das, wer "so was" sich antun will.

Aber ich möchte auch Toleranz für diejenigen, welche sich das nicht antun wollen!
 
  • #76
@Rabentochter

Natürlich hat jeder sein Paket im Leben zu tragen.
Nur manche verarbeiten ihre Altlasten und mache tragen sie noch im Greisenalter mit sich und in neue Bindungen hinein.
Dafür habe ich null Einsicht, da diese Menschen einfach nicht mehr an sich arbeiten oder will sagen, andere es für sich tun lassen.
Wie schräg ist das denn??

(Ich kannte depressive Leute, sie waren Egoisten pur - never)

Manche haben kein gutes Leben hinter sich und sind dennoch frei von seelischen Defiziten, weil sie daran gearbeitet haben und nicht andere für ihre Leiden ewig verantwortlich machten. Hut ab!

Andere tragen ewig und drei Tage ihre vergangene Negativbilanz mit sich herum, für diese Leute habe ich null Verständnis, absolut null.

Wenn mir also jemand reinen Wein bei einem Date einschenkt, er ist mit sich nicht im reinen, okay, die Ehrlichkeit schätze ich, aber das war es auch schon für mich und für ihn.
Denn ich bin mit mir im reinen und habe keine Lust auf die Sorgen und Nöte eines erwachsenen Menschen, der immernoch nicht weiß was mit ihm los ist.
 
  • #77
Man kann gucken wo man möchte. Das was nicht nach Schema F funktioniert, leistungsfähig ist, angepasst ist, das will man nicht haben. Der Schwächere hat sich dem Stärkeren anzupassen um angenommen zu werden und das ist meiner Ansicht nach sehr sehr traurig. Ich finde ein gewisses Maß an Toleranz und Menschlichkeit täte jedem gut.
Finde ich toll, wie du das formulierst - denke auch so. Wer sich ein bisschen mit Foucault u. ä. beschäftigt hat, weiß auch, dass die Entwicklung der Gefängnisse und der geschlossenen Anstalten ähnlichen politischen Diskursen unterworfen sind. Um aber nicht zu weit wegzuführen vom Thema Beziehungsfähigkeit /Partnerwahl könnte man den Spieß einfach umdrehen und sagen: die Toleranten zu den Toleranten, die Intoleranten zu den Intoleranten.

Möchte mich aber mal in hoher Thread-Diplomatie versuchen. Es ist keine Frage der Toleranz, ob man einen in jeder Hinsicht gesunden Partner sucht. Die Art und Weise, wie man seine Partnerwahl begründet, lässt aber durchaus auf den Grad der Toleranz, Menschlichkeit, Empathiefähigkeit usw schließen. Und dieser Grad ist für mich einer der wichtigsten, damit ich mich für jemanden begeistern kann.
 
  • #78
Liebe @Rabentochter,

Ich gehe so absolut mit Dir konform und finde dieses Engagement, die Vielfalt psychischer Probleme darzulegen, richtig profund, nachvollziehbar und plausibel. Befürchte nur, es läuft ins Leere, die einen beharren darin, die anderen haben bereits eine gewisse Offenheit bzw. die eigene Erfahrung.

Nur mein Erleben, gerade diese Thematik ist dermaßen mit Pauschalisierungen, Vorurteilen und daraus resultierenden Berührungsängsten belastet, es wäre schön, es würde sich mal ändern.
Ein BurnOut ist gerade noch akzeptabel, wobei es i.d.R. ein Etikett / Symptom ist hinter dem sich sehr viel anderes verbergen kann.
Ansonsten gibt es eine immense Bandbreite an Störungen / Krankheiten im psychischen Bereich, genauso nochmal innerhalb der Störung bei der Symptomatik, Depressionen z.B. äußern sich bei jedem anders.
Es hängt zudem von der Persönlichkeit jedes einzelnen Betroffenen ab, wie er damit umgeht, welche Resilienzen er hat, welche ergänzenden Ressourcen und Skills er erworben hat, Therapieresultate...

Als Fazit - Es kommt immer auf den ganz individuellen Menschen an, es ist eben nur eine Facette eines Menschen, der Mensch ist nicht die Störung per se.
Deswegen fand ich die Haltung des FS richtig positiv.

Ich kenne genügend Leute, die ein "normales" Leben führen, die gelernt haben, mit Symptomatiken der verschiedensten psychischen Probleme, Störungen, sogar Psychosen achtsam und adäquat umzugehen. Die nur einen sehr kleinen Kreis einweihen - aus der begründeten Angst vor Stigmatisierungen heraus. Es gibt die gesamte Bandbreite der Einschränkungen, von kaum merkbar bis zur quasi Lebensunfähigkeit.

Für mich gilt - ich selbst spiele mit offenen Karten, je relevanter das Thema, desto früher findet es Erwähnung in der Anfangsphase.
Mein Bauchgefühl sagt mir, wann welche Vertrauensstufe für welches Thema geeignet ist.
Aber jemand, dem ich wesentliche Informationen über mich verschweigen müsste, käme als Partner nicht in Frage. Wenn er mit dieser meiner Facette nicht klar kommt, ist es schade, aber zu akzeptieren. Geht mir umgekehrt mit anderen Menschen auch.
Das gilt für alle Themen, nicht nur für psychische Probleme.

Generell - Wer kann von sich sagen, dass er alle Altlasten und negativen Erfahrungen verarbeitet hat, keine problematischen Beziehungs-, Verhaltens- und Denkmuster aufweist.
Mit sich ganz und gar im Reinen ist? Innere Zufriedenheit, Gelassenheit, stabiler Selbstwert...
Einmal hier im Forum quer lesen.
 
  • #79
Aber soll ein kranker Mensch nicht auch die Chance haben sich an gesunden Mustern zu orientieren und in der Gesellschaft als vollwertiges Mitglied angenommen zu werden oder sollte es Ziel sein eine Klassengesellschaft zu fördern. gleiches zu gleichem?!
Doch natürlich. Von der Gesellschaft (und jedem einzelnen) soll niemand diskriminiert werden, weder aufgrund seiner Krankheiten noch aufgrund von Religion, Hautfarbe, Intelligenzquotient, Bildungsgrad oder BMI.

Darum geht es aber nicht. Partnerwahl muss nicht gesellschaftlich korrekt sein. Und deshalb darf ich psychisch kranke Menschen genauso ausschließen oder nicht wie blonde Schwedinnen. Und Gutmenschen dürfen natürlich jeden als Partner nehmen, um nur ja niemanden zu diskriminieren (tun sie mit Sicherheit auch nicht!).

Zurück zum Kern der Frage: Wann erzähle ich von psychischen Problemen? Für mich ist ein erstes Date dazu da, grundlegend zu prüfen, ob eine Frau für eine Beziehung mit mir in Frage kommt. Rein subjektiv für mich. Dazu sollte ich die wesentlichen Informationen bekommen. Für mich ist psychische Stabilität wesentlich. Ist sie es für die anderen Forumsteilnehmer und für die breite Masse der Bevölkerung auch? Vermutlich ja. Zumindest möchten die meisten Menschen sich nicht mit den Psychosen oder Depressionen einer Partnerin belasten.

Folgerung: Das Thema gehört bei den ersten Dates erwähnt. Ohne wenn und aber. Entscheiden kann dann ja jeder selbst, ohne jegliche moralische Beurteilung der Entscheidung. So wie bei jemandem, der im Rollstuhl sitzt, einen Schlaganfall hatte oder mit blonden Haaren geboren wurde auch, nur dass es da jeweils offensichtlich ist.
 
  • #80
Ich persönlich bevorzuge in dieser Frage Offenheit und würde das Date einfach mal erzählen lassen und mir dann ein Bild machen. Ein Partner, der eine Spinnenphobie hat würde mich nicht groß einschränken. Einer der schlimme Alpträume hat, auch nicht, einer der Messie ist durchaus, einer der einen Ordnungstick hat, na ja, da würde ich wissen wollen, wie es ihm da mit seinen Mitmenschen bisher ergangen ist usw usw.
Das ist eine zweischneidige Sache. Auf der einen Seite wünschen wir uns Offenheit und Ehrlichkeit beim potentiellen Partner gleich beim ersten Treffen. Gleichzeitig strafen wir aber genau diese Menschen ab, wenn sie in ihrer Offenheit Eigenschaften zugeben, die uns nicht gefallen. Wenn ich beispielsweise ein Messie wäre, dann würde ich das auch nicht beim ersten Date erzählen, eben weil ich genau diese Erwartung habe, das mich Frauen sonst ablehnen würden.

Mit anderen Worten, nenn mir all Deine Schwächen, aber wehe es ist die falsche dabei, dann breche ich den Kontakt ab. Ich fürchte, das kann in der Praxis nur zu unehrlichen Aussagen führen, wenn man seine Chancen wahren will.

m/41, der FS
 
  • #81
In den ersten paar Gesprächen/ Dates würde ich sowas nicht erzählen. Ich finde übrigens einen schlechten Charakter viel negativer für Beziehungen als diverse leichte bis mittlere psychische Probleme. Also ich wäre z.B. lieber mit jmd zusammen, der zu Depressionen neigt oder einem der Agoraphobie hat, als mit einem Lügner, Intriganten, Angeber, Choleriker, Geizkragen. Niemand erzählt dir von Anfang an (oder jemals) dass er so gerne betrügt oder intrigiert, also warum sollte man dann gleich von psychischen Problemen erzählen? Auch von körperlichen Fehlern die negative Assoziationen wecken, wie z.B. Hämorrhoiden, Hühneraugen, Warzen etc erzählt man nicht. Kennt jemand schon viele positive Seiten an mir, kennt man sich etwas länger, dann kann auch über diverse Probleme geredet werden. Das kann der andere dann doch erst richtig einordnen und es gibt kein verfälschtes Bild. Es ist doch Vertrauenssache, von (psychischen) Problemen zu erzählen; Vertrauen kann aber nicht gleich von Anfang an vollumfänglich vorhanden sein.
 
E

EarlyWinter

  • #82
Nun ja, was Viele aber offenbar vergessen ist, dass sich Psychosen, genau wie die eigentlichen Charakterzüge am Verhalten so oder so bemerkbar machen und relativ früh ganz von alleine in die Erscheinung treten, egal, ob man sie anspricht oder nicht und dann ist die Sache sowieso vorbei.
Ich möchte es mir echt nicht anmaßen, zu urteilen, wann jemand von seiner psychischen Krankheit einem potentiellen neuen Partner erzählen will. Einerseits geht es einen Fremden, den man vielleicht niemals wieder sehen wird rein gar nichts an. Andererseits ist es aber noch schlimmer wenn der Kontakt abbricht wenn man sich schon ein paar Mal getroffen und angefangen hat, Gefühle zu entwickeln. Wieder andererseits denken bestimmt Viele, die es nicht direkt erzählen, dass der andere sie erst einmal ganz "normal" kennenlernen soll und jetzt spalten sich die Beweggründe dafür: die einen denken, dass das Gegenüber dann schon merken wird, dass man sein Leben ganz normal meistert und alles im Griff hat, auch nicht zu den emotionalen Terroristen gehört, die ihren Mitmenschen sämtliche Energien aussaugen oder eben die andere Fraktion, die denkt, ach wenn ich den Anderen so weit habe dann wird er/sie schon bei der Stange bleiben. Sie spekulieren regelrecht auf die Manipulierbarkeit Ihres Gegenübers, suchen sich gezielt auch die Opfer-Persönlichkeiten aus.
Es ist nämlich nicht so, dass alle Menschen mit psychischen Störungen gleich sind und gleich damit umgehen. Nur weil jemand krank ist, hat er noch lange nicht automatisch einen noblen Charakter, das scheinen Viele zu vergessen. Einige arbeiten sehr hart an ihrer Genesung und andere wiederum stecken mehr Energie rein in die Strategien, andere zu manipulieren und gehen dabei gerne über die Mitleids- oder Schuldzuweisungsschiene.
Ich kann jeden verstehen, der das Risiko nicht eingehen möchte, auch aus Angst, wie sich der Mensch im Falle einer späteren Trennung verhält. Bevor man sich Probleme einhandelt und seines Lebens nicht mehr froh wird. Die wenigsten psychisch gesunde Menschen können sich auch nur annähernd vorstellen, zu welchen Gedanken und Handlungen psychisch kranke Menschen fähig sein können. Ich habe in unmittelbarer Familie die übelsten Erfahrungen mit Psychosen gemacht und werde mir das niemals freiwillig antun. Wohlgemerkt auch im Wissen, dass so etwas jeden treffen kann, mich eingeschlossen.
 
  • #83
Wenn ich beispielsweise ein Messie wäre, dann würde ich das auch nicht beim ersten Date erzählen, eben weil ich genau diese Erwartung habe, das mich Frauen sonst ablehnen würden.
Was genau erwartest Du, wenn Du wesentliche Eigenschaften verschweigst? Würdest Du, wenn Du nach einem halben Jahr merkst, dass die Frau doch keine Kinder möchte, wenn Du unbedingt welche haben möchtest, das akzeptieren?

Psychische Probleme sind heikel, bemerken kann man sie auch nicht. Niemand wird am Anfang gezielt danach fragen. Ob du ein Messie bist, merke ich genau, wenn ich Deine Wohnung zum ersten mal betrete. Dann wird die Frau, die Probleme mit einem Messie hat, Dich eben nach drei Monaten ablehnen. Was hast Du davon?

Ich würde mich bei dem Verschweigen wesentlicher Eigenschaften ziemlich sauer sein und mich alleine schon aufgrund des Vertrauensbruches trennen. Und als Vertrauensbruch empfinde ich, wenn ich wesentliche Eigenschaften verschwiegen bekomme. Da geht es nicht um kompletten Striptease beim ersten Date, aber ab dem zweiten oder dritten steuert man auf eine Beziehung zu und dann gehört das dazu.
 
K

KG XS

  • #84
Jeder kann doch so offen sein, wie er will. Früher war ich naiverweise auch offener. Mittlerweile bin ich viel vorsichtiger geworden.

Übrgens machen Massen von Menschen ne Theraphie. Nur die wenigsten erzählen es beim ersten Date.

Für mich heißt das erst mal nicht mehr als, dass der andere ein Problem hat, bei dem er sich Hilfe sucht.

Denn viele Theraphien bringen Null. Was mich auch nicht im Geringsten wundert, da ich beruflich und privat schon etliche Psychologen und Psychotherapheuten kennen gelernt habe.

Ich erinnere mich an 2 frühere "Kandidaten", die in Gesprächstheraphie waren, und dies relativ früh (definitv nicht beim 1. Date) erzählten.

Bei Kandidat 1 hatte es mich massiv gestört, da seine Therapheutin auch mich beurteilte, (wenn auch nicht negativ) was er mir dann berichtet hatte, obwohl sie mich nie sah und die Dinge nur aus seinen Erzählungen erfuhr.

Bei Kandidat 2 war es so, dass er mir mehrfach vorgeschlagen hatte, dass wir auch gerne mal zusammen hingehen könnten und das, obwohl wir noch gar nicht in einer Beziehung waren und es auch nie dazu kam. Diesen Vorschlag fand ich in dem Zusammenhang sympathisch. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass der Hauptgrund, weswegen er in Theraphie war, mich durchaus beschäftigt hatte und ich mich fragte, ob ich mit diesem "Problem" klar käme, bzw. ob es wohl schnell lösbar wäre.

Ich würde nie jemanden stigmatisieren (so liest es sich hier nämich) der in Therapie ist, denn aus meiner Erfahrung sind die Psychologen die gestörtesten und schwierigsten Menschen überhaupt. Ich könnte hier seitenweise persönliche Erfahrungen auflisten....

Und noch einmal zur Kandidatin des FS: Auch sie hat das Recht, trotz Theraphie, Dich (warum auch immer) abzulehnen.
Ob ihre Gründe der Wahrheit entsprechen wirst Du ohnehin nie erfahren.
 
  • #85
Instabilität wird hier im Thread immer gebracht, um psychische Probleme grundsätzlich als problematisch hinzustellen. Die Frage ist doch wohl eher: möchtest du auf einen beziehungstauglichen Partner mit psychischen Problemen Rücksicht nehmen. Du möchtest das nicht, ist doch ok.
Wenn ich auf die Psyche eines Menschen Rücksicht nehmen muss, ist er psychisch nicht stabil und deshalb nicht beziehungsfähig.
Ansonsten muss ich da keine Rücksicht nehmen und er macht eben seine Therapie, weil er irgendwelche Dinge überarbeiten muss, die aber mit einer Beziehung nichts zu tun haben.
Trotzdem ist es total übergriffig, gleich beim ersten Date von Vergewaltigung und Psychotherapie zu reden. das ist genau so ein Nogo wie beim ersten Date von seinem doofen Ex zu reden, davon, dass man schnell Kinder will oder über Sex zu reden.
Das ist einfach tabu beim ersten Date.
Psychisch stabile Menschen müssen das auch nicht gleich erwähnen, weil es für sie in einer Beziehung nicht wichtig ist, sondern es ihre persönliche Baustelle ist. Wenn jemand das sofort erzählen muss, dann hat er das nicht ansatzweise verarbeitet und dann macht eine Beziehung auch keinen Sinn. Mit so etwas kann man einen fremden Menschen nicht belasten und dann bleiben sowieso nur noch die Männer mit Helfersyndrom übrig.
Wie wäre es, erst einmal den Menschen kennenzulernen und es dann zu erzählen? Wenn die Psychotherapie und die vergangene Vergewaltigung so einen wichtigen Platz einnehmen, dass man es sofort erzählen muss, ist man doch nicht fähig, eine unbelastete und unbeschwerte Beziehung einzugehen. Das impliziert gleich so ein: "nimm Rücksicht auf mich, ich bin ein Opfer!"
Ich wollte auch nicht hören, dass die Ex eine ganz böse hinterhältige Frau war, die ihn nur ausgenommen und betrogen hat und ich wollte einfach GAR NICHTS NEGATIVES beim ersten Date hören. erst mal will man doch wissen, was es Positives über einen Menschen zu erfahren gibt - wenn mich der Mann als Mensch dann interessiert, darf er mich später ALLES erzählen, aber nicht beim 1. Date.
 
  • #86
... hatte es mich massiv gestört, da seine Therapheutin auch mich beurteilte, (wenn auch nicht negativ) was er mir dann berichtet hatte, obwohl sie mich nie sah und die Dinge nur aus seinen Erzählungen erfuhr.
Es ist tatsächlich so, dass man sich als Partner darauf einlassen muss, andauernd von einem Dritten besprochen zu werden. Therapeuten gestalten mit. Das ist nicht leicht auszuhalten - und allein deswegen kann ich es verstehen, dass man davon Abstand nehmen möchte, jemanden zu daten, der sich therapieren lässt. Allerdings ist es nicht lege artis, als Therapeut den Partner zu be- oder verurteilen. Auch wird man angehalten, nicht die Inhalte der Therapie auszuplaudern. Dass dein Kandidat es trotzdem tat, heißt nicht, dass er die Anleitung nicht hatte. Ich wäre jedenfalls, wie du, auch gestört gewesen durch so etwas, habe aber selbst auch schon kritische Situationen gehabt, weil ich mich selbst nicht an die Regel hielt (und dann verstand, warum sie so wichtig ist).

Ich würde nie jemanden stigmatisieren (so liest es sich hier nämich) der in Therapie ist,...
Danke dir, du hast recht, für mich auch und das ist wohl auch der Grund, weshalb ich mich hier so engagiere - nur verstehe ich deinen Satzanschluss danach kein bisschen, den hier:

... denn aus meiner Erfahrung sind die Psychologen die gestörtesten und schwierigsten Menschen überhaupt. Ich könnte hier seitenweise persönliche Erfahrungen auflisten....
Das ist ein dickes fettes Klischee, und ich schreibe das, obwohl auch ich gestörte Psychologen privat kenne - wie das aber mit der Stigmatisierung von Klienten zusammen geht, verstehe ich Null, kannst du das noch mal erklären? Du stigmatisierst stattdessen einfach die Psychologen, oder wie?

Man sollte sauber unterscheiden zwischen der Beziehung Therapeut-Klient und Freundschaft etc mit Psychologe als Privatperson. Würdest du hier als nächstes davor warnen, Psychologen zu daten, nachdem wir darüber geredet haben, wie es ist, ein erstes Date als Therapierte/r zu gestalten bzw als psychisch unbelasteter Mensch auf ein Bekenntnis zu reagieren?
 
  • #87
Ich würde nie jemanden stigmatisieren (so liest es sich hier nämich) der in Therapie ist, denn aus meiner Erfahrung sind die Psychologen die gestörtesten und schwierigsten Menschen überhaupt. ....
Wer tut das hier? Die Frage bezog sich auf Ängste, die im Berufsleben stark behindern, Phobien und Psychosen, die schon seit 10 Jahren bestehen. Da klingt nichts nach Problemen, die man vernünftigerweise behandeln lässt und die dann erledigt sind. Das habe ich in meinem Bekanntenkreis mehrfach und das ist für mich eher ein gutes Zeichen, wenn sich jemand darum kümmert.
 
  • #88
Wenn ich auf die Psyche eines Menschen Rücksicht nehmen muss, ist er psychisch nicht stabil und deshalb nicht beziehungsfähig.
Teilweise haust du Sätze raus, die keinen Sinn machen. Du hast auch eine Psyche. Und ich soll als dein Partner keine Rücksicht auf sie nehmen? Ok. Wenn du meinst.... Oder doch? Aber dann hättest auch du eine instabile Psyche bzw wärst nicht beziehungfähig (falls dein Satz Sinn machen soll). Schau doch noch mal hin, was du schreibst. Da wir das Thema jetzt schon ziemlich intensiv haben, ist mir nicht klar, was du eigentlich sagen willst. Bitte leg noch mal nach.
Ansonsten muss ich da keine Rücksicht nehmen und er macht eben seine Therapie, weil er irgendwelche Dinge überarbeiten muss, die aber mit einer Beziehung nichts zu tun haben.
Da irrst du dich einfach, und zwar gewaltig. Jede Psychotherapie hat mit der Beziehung zu sich selbst zu tun. Und diese Beziehung, wenn sie sich ändert, hat Auswirkungen auf alle weiteren wichtigen Beziehungen. Neben der zu den Kindern ist die zum Partner wohl eine der wichtigsten, findest du nicht?

Psychisch stabile Menschen müssen das auch nicht gleich erwähnen, weil es für sie in einer Beziehung nicht wichtig ist, sondern es ihre persönliche Baustelle ist.
Ah, ich glaube, ich verstehe jetzt, worauf du hinaus willst. Du willst einfach weiterhin darauf bestehen, dass jemand, der seine psychischen Probleme beim ersten Date offenlegt, gaga (=psychisch instabil) ist. Kannst du dir wirklich nicht vorstellen, dass das eine strategische Entscheidung sein kann, eine völlig gesunde?
Wenn die Psychotherapie und die vergangene Vergewaltigung so einen wichtigen Platz einnehmen, dass man es sofort erzählen muss, ist man doch nicht fähig, eine unbelastete und unbeschwerte Beziehung einzugehen.
Wir haben noch nicht über das WIE des Ansprechens geredet. Wenn das ganze Date darum ginge, wäre ich deiner Meinung, aber einfach aus Prinzip? Das WIE hätte da keine Bedeutung für dich? Z. B. könnte ich mir vorstellen zu sagen sowas wie "du solltest vielleicht über mich noch wissen, dass ich wegen eines heftigen Erlebnisses, das ich hatte, eine Psychotherapie mache, die sich wohl noch mehrere Jahre hinziehen wird. Ich hab das einigermaßen im Griff, und wenn es dich interessiert, erzähle ich dir irgendwann auch mehr davon, etc. " So kann man sich ggfs viel Enttäuschung ersparen.
 
K

KG XS

  • #89
Es ist tatsächlich so, dass man sich als Partner darauf einlassen muss, andauernd von einem Dritten besprochen zu werden. Therapeuten gestalten mit. Das ist nicht leicht auszuhalten - und allein deswegen kann ich es verstehen, dass man davon Abstand nehmen möchte, jemanden zu daten, der sich therapieren lässt. Allerdings ist es nicht lege artis, als Therapeut den Partner zu be- oder verurteilen. Auch wird man angehalten, nicht die Inhalte der Therapie auszuplaudern. Dass dein Kandidat es trotzdem tat, heißt nicht, dass er die Anleitung nicht hatte. Ich wäre jedenfalls, wie du, auch gestört gewesen durch so etwas, habe aber selbst auch schon kritische Situationen gehabt, weil ich mich selbst nicht an die Regel hielt (und dann verstand, warum sie so wichtig ist).

Dieser besagte Kandidat 1 war im übrigen selbst Psychotherapheut. Das hatte ich schon ganz vergessen und ändert ja auch nichts an der Sache. Er wäre auch ein gutes Beispiel für den Nachbarthread, warum Frauen Beziehungsversuche nach ca. 3 Monaten beenden..

Das ist ein dickes fettes Klischee, und ich schreibe das, obwohl auch ich gestörte Psychologen privat kenne - wie das aber mit der Stigmatisierung von Klienten zusammen geht, verstehe ich Null, kannst du das noch mal erklären? Du stigmatisierst stattdessen einfach die Psychologen, oder wie?

Da die Psychologen, die ich kennen gelernt habe zu 90 % gestört waren, denke ich mir als erstes, wenn mir jemand erzählt, dass er/sie ne Theraphie macht, oh jeh, einem wildfremden Menschen schüttest Du Dein Herz aus, hoffentlich war es eine gute Wahl.

Ich bin im Übrigen trotzdem mit einem Psychotherapheuten aus der Nachbarschaft befreundet. Ein Mensch, den ich sehr schätze.
 
  • #90
Liebe @KG XS,
Da haust Du aber schon ein paar Vorurteile heraus.
90% - also jetzt zu der Stigmatisierung von Leuten mit psych. Problemen auch noch die Stigmatisierung einer Berufsgruppe?
Da gehen wir bitte mit der Liste weiter - welche Bilder erfüllen welche Gruppen.
(Ich bin z.B. Architektin - also die spinnerte Künstlerin?)

In wie weit der Therapeut gefühlt in der Beziehung integriert ist, hängt vom Einzelnen ab und welche Problemstellung er hat, welche Themen jemand bearbeiten möchte.

Natürlich trage ich z.B. Verlustängste in eine Therapie, Zweifel, aber da geht es nicht um den Partner, sondern um mein persönliches Thema, in das ich einen Partner gar nicht einbeziehen wollen würde. Kopfkino und Realitätscheck. Die Überprüfung, was ist vielleicht altes Muster, wo sollte ich an mir arbeiten.
Es gab hier genau den entsprechenden Thread zum Thema Verlustängste, und den Umgang als Betroffene/r damit.

Der Partner explizit ist nicht gefragt.
Es gibt außerdem viele Themen, bei denen es überhaupt nicht um den Partner geht. Das wäre evtl. ein Nebenthema, da ist sogar der zeitliche Rahmen zu kurz.

Eine konkrete Handlungsanweisung oder eine Beurteilung des Partners habe ich selbst noch nie von Seiten eines Therapeuten erlebt. Wäre wohl ziemlich unprofessionell.
Würde ich nicht wollen, ein ehrliches Feedback ja, kritische Anmerkungen gerne - auch und gerade bezogen auf mich.
Aber ansonsten - alles was ich entscheide, tue, obliegt meiner Verantwortung.

Nur am Rand, es gibt Therapeuten, da ist man nicht Patient, sondern Klient, und begegnet sich auf einer erwachsenen Ebene - Augenhöhe, bei der nur die Fachkompetenz den Unterschied macht.
Das ist aber auch die persönliche Wahl jedes einzelnen, wen man sich für eine professionelle Unterstützung und Begleitung sucht.