• #1

Welche Rolle spielen Dialekte bei der Partnersuche?

In einem Nachbarthread erwähnte eine Userin, dass sie für ihre Liebe von Norddeutschland nach Süddeutschland ziehen wird.

Automatisch hatte ich ein angenehmes nordisch angelegtes Hochdeutsch und einen deftigen süddeutschen Dialekt im Kopf und bekam unwillkürlich Gänsehaut.

Ich persönlich finde deutliche Dialekte zutiefst unerotisch und ein derbes bayrisch, schwäbisch oder saarländisch, etc., wäre wohl schon beim ersten Telefonat der totale Abtörner.

Wie steht ihr zu Dialekten?
Gehört eine dialektarme Aussprache des potentiellen Partners zum erwarteten Bildungsniveau oder könnt ihr diese als spezielle Eigenheit des anderen genießen?

Beeinflussen Dialekte für Euch die Attraktivität des anderen und damit Eure Partnerwahl?


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  • #2
Ich hab den Eindruck, dass sich bestimmte Dialekte besser "verstehen". Berlinerisch und Ruhrpott/Niederrhein passt z.B. gut zusammen. Ich denke, auch die Sachsen und irgendein Süddialekt passen, jedenfalls habe ich manchmal Probleme, sächsisch von dem anderen zu unterscheiden.
Bayrisch und Fränkisch find ich irgendwie gut, ich hab versucht, das von bestimmten Kabarettisten zu lernen. Ich mag auch den Wiener Schmäh (nenne ich hier auch mal, obwohl ich schon mal gehört habe, dass das kein Dialekt sein soll, sondern eine andere Sprache).
Ich weiß nicht, ob ich mit allen Dialekten klarkäme. Ein erotisches Schwäbisch kann ich mir im Moment nicht vorstellen.

Gehört eine dialektarme Aussprache des potentiellen Partners zum erwarteten Bildungsniveau
Was hat Dialektfreiheit mit Bildungsniveau zu tun? Ob jemand einen großen Wortschatz hat und sich ausdrücken kann, merkt man doch nicht an der Dialektfreiheit. Insbesondere, wenn man sich schreibt, erkennt man doch eigentlich schon viel.
Dialektfreiheit ist für mich eher was Berufliches. In bestimmten Positionen muss es hochdeutsch sein. Das klingt aber mitunter recht aufgesetzt, also passt das für mich nicht in eine Beziehung.
 
  • #3
Nun, jetzt stamme ich aus der "dialektfreien Zone" zwischen Hannover und Braunschweig und höre sogar sofort, wenn jemand aus einem "Dialektgebiet" "erlerntes hochdeutsch" spricht und im Dialekt aufwuchs. Wobei derjenige meint, man würde ja "nicht hören, woher er stammt". Ich höre es meist, behaupte ich mal.

Insofern gilt es hier in unserer Ecke wirklich meist: Dialekte sind unerotisch. Und ausgrenzend für den hochdeutsch sprechenden. Wie oft fing man in meiner Nähe an, mit mir oder auch mit anderen tiefsten Dialekt zu sprechen (vom gegenüber mit einem inneren "ha ha, das verstehst du nicht"). Da war so einiges im Leben. Mir kommt gerade die Erinnerung: ich Mitte 20, Urlaub, Sonne, Strand und Meer. Geflirtet in der Urlaubsdisco mit wunderhübschem Mann. Es kommt am Rand der Tanzfläche zum Gespräch. Und er beendet jeden Satz mit einem langgezogenen "weischt". Da ging nichts mehr.... Oder Ex-Schwiegervater, der jeden, ja jeden Satz mit "hömma" startete. Ich kann gar nicht sagen, wie anstrengend ich das finde. Als bilde sich ein permanentes Echo im Kopf.
 
  • #4
Ich rede auch dialektfrei, weil in der Nähe von Hannover aufgewachsen. Ich finde manche Dialekte aber dennoch gut, andere nicht (z.B. schwäbisch und sächsisch finde ich persönlich schlimm)
Wichtig ist für mich, dass man den Dialektgebrauch bei Bedarf auch abstellen kann, bzw. sich so artikulieren kann, dass auch andere - diesen Dialekt nicht sprechende Menschen - einen noch gut verstehen.

Aber wenn mir ein Dialekt grundsätzlich gefällt, dann kann ich das bei einem Mann aufgrund dieser Andersartigkeit mir gegenüber schon sehr interessant finden. Ich erinnere mich sehr gerne an einen tollen Mann aus der Eifel - bei dem empfand ich den Dialekt als Sahnehäubchen obendrauf.
 
  • #5
Bayrisch und Fränkisch find ich irgendwie gut, ich hab versucht, das von bestimmten Kabarettisten zu lernen.
Das liegt eventuell auch am TV und den Serien wie Rosenheim Cops + Der Bulle von Tölz. Früher gab es ja noch das Ohnsorgtheater im TV und dadurch wurde auch das Hamburger Platt gesellschaftsfähig.


Eigentlich ist derjenige, der keinen Dialekt spricht bildungstechnisch sehr begrenzt. Er spricht nur Hochdeutsch und nichts anderes.

Ich persönlich habe eher eine Schwäche für das Schwizerdütsch.
Welchen Dialekt man liebt oder hasst, hat auch etwas mit den Wurzeln, woher man stammt zu tun.
Manche Dialekte sind mir so fremd und da verstehe ich so gut wie gar nichts. Ob ein Hamburger Dialekt spricht oder Schwedisch, ist für mich dasselbe. Ich verstehe beides nicht. :)

Deshalb verurteile ich es aber auch nicht. Das Problem liegt bei mir und nicht bei den Anderen.
 
  • #6
Ich verurteile Dialekte auch nicht, zum Teil finde ich sie lustig und liebenswert.
Auch verstehe ich fast jeden deutschen Dialekt recht problemlos.
Allerdings finde ich sie so gar nicht sexy.
Naja... eventuell den schweizer Akzent eines, für schweizer Verhältnisse, Schnellsprechers.... ein kleines bisschen.

Für mich wäre die Unfähigkeit auf ein recht klares Hochdeutsch umzuschalten schon ein Ausschlusskriterium, fürchte ich.
 
  • #7
Jeden Dialekt finde ich in dezenter Form in Ordnung. Ich stamme aus Nordostwestfalen, nicht weit von Hannover entfernt, und bin mit einem Mann verheiratet, dem man die sächsische Herkunft leicht anhört, nicht auf Anhieb vielleicht (ich allerdings hab's sofort gemerkt). Hat mich von jeher eher amüsiert als gestört.
 
  • #8
Zunächst einmal: Wer aus der Region Hannover kommt, spricht zufällig "dialektfrei". Es ist eigentlich ein regionaler Dialekt, der per Definition zur Deutschen Standardsprache (Hochdeutsch) wurde. Folglich kann es mit Bildung etc. nicht zu tun haben - es ist Zufall. So viel dazu.

Ich bin in meinem Leben in der Südhälfte rel. viel rumgekommen, habe eine Zeitlang im Großraum Stuttgart gelebt. Das ginge für mich heute gar nicht mehr. Sächsisch (und deren Ableger), und heftiges schwäbisch gehen für mich gar nicht. Da geht bei mir selbst bei der schärfsten Frau des Universums nichts. Fränkisch, alemannisch, Plattdeutsch finde ich ganz attraktiv. Eine Frau mit Bayrischen Dialekten (von Südtirol über weiter Teile Österreichs bis nach Bayern hat bei mir grundsätzlich einen Pluspunkt). Das ist auch gut so, denn südlicher als ich wohnen in D nicht mehr so viele. Bei uns spricht praktisch kein Mensch hochdeutsch und wenn wird er rel. schief angeschaut. Fehler in der Sprache werden hier gerne akzeptiert. Alles andere wirkt auf viele arrogant

Ich denke, auch die Sachsen und irgendein Süddialekt passen, jedenfalls habe ich manchmal Probleme, sächsisch von dem anderen zu unterscheiden.
Void leider, leider sächsisch und bayrisch passen gar nicht. Der Unterscheid ist ja fast so groß wie zwischen Französisch und Letzeburgisch...Bei dieser Aussage fühlen sich wahrscheinlich alle Parteien beleidigt.

M 46 (aus dem südlichen Südbayern)
 
  • #9
Ich wohne bei Heidelberg und habe mir mit ca. 14 Jahren den hiesigen Dialekt angelernt wie ein Fremdsprache. Hier in der Gegend hat jedes Dorf seinen eigenen Dialekt und Einheimische hören genau, wo der andere herkommt.
Ich spreche gutes deutsch und trotzdem hört man die "Region" heraus.
Wenn mir jemand sagt ich klinge wie Daniela Katzenberger, dann finde ich das schlimm, denn Ludwigshafen bzw. die Pfalz haben ein völlig anderen Dialekt. Aber für Menschen aus anderen Regionen hört sich das manchmal so an.
Es liegt also auch immer im Gehör eines jeden. Ich tue mich auch schwer mit sächsisch oder extrem schwäbisch und habe auch schon einen potenziellen Partner abgelehnt, der nur pfälzisch gesprochen hat und bei dem der Versuch "hochdeutsch " zu sprechen komplett in die Hose gegangen ist.
Nach 4 x Treffen habe ich gemerkt, dass ich auch damit nicht klar komme. Aber es war natürlich nicht nur der Dialekt!

w52
 
  • #10
Gehört eine dialektarme Aussprache des potentiellen Partners zum erwarteten Bildungsniveau
Mit »Bildung« hat ein Dialekt überhaupt nichts zu tun (unser erster Bundespräsident, Th. Heuss, sprach reinstes Schwäbisch, im Amt und überall; er konnte gar nicht anders). Ich finde es auch schade, dass Dialekte oft verteufelt werden. Sie gehören, meines Erachtens, zu unserer Kultur und ich freue mich immer, wenn ich Menschen kennenlerne, die sich hier nicht verbiegen. Ein Dialekt kann die Persönlichkeit des Sprechenden deutlich unterstreichen.

Wenn jemand einen (schwäbisch, sächsisch, bayrisch oder sonstwas sprechenden) Menschen »unsexy« findet, spielen hier andere Dinge mit. Mich macht so ein Mann eher neugierig, ich lerne dazu, kann ihn »einmalig« finden und freue mich über jeden neuen Begriff, den er in die Beziehung einbringt.

Ich selbst habe in meiner Kindheit die Dialekte der jeweiligen Gegend, in die meine Eltern aus beruflichen Gründen gezogen sind, »astrein« erlernt, genauso meine Geschwister. Das waren insgesamt 4 unterschiedliche. Heute hört bei mir niemand mehr heraus, wo ich überall aufgewachsen bin. Fast schade.
 
  • #11
Liebe FS,

genießen kann ich den Dialekt, wenn ich mich in diesen Menschen verliebe, oder für einen Menschen Sympathie empfinde. Liebe lässt die Sinnesorgane anders stimmen. Was mich bei dem Einen nervt, finde ich bei dem Anderen liebenswert. Ich hüte mich grundsätzlich davor, solche Gedanken zu hegen und von vornherein schon auf Ablehnung getrimmt zu sein.
Beispiel: Kunden von mir, (beide Ärzte) sächseln, dass es quietscht. Als ich sie bezüglich eines Auftrages, mehrere Tage erleben durfte, fand ich immer mehr Gefallen an dem Schnütchen der Frau, wie sie es verzog, wenn sie sächselte.
Die Kombi macht es........
 
  • #12
Mich hat der Dialekt ganz klar beeinflusst! Ich komme aus dem Rheinland, mein Partner kommt aus Schleswig-Holstein. Ich liebe seinen Käpt’n-Blaubär-Schnack und würde behaupten, dass der Dialekt beim "Prozess des ineinander Verliebens" eine erhebliche Rolle gespielt hat. Hätte er rheinisch oder akzentfreies hochdeutsch gesprochen, wäre er mir sicherlich nicht so sehr aufgefallen.

Zur Attraktivität würde ich sagen, dass ich norddeutsch sehr sexy finde, während Männer mit süddeutschem Dialekt (bayrisch, schwäbisch) und ostdeutschem Dialekt (sächsisch, berlinerisch) auf mich eher unattraktiv wirken. Ich höre auch sehr gern zu, wenn ein Luxemburger deutsch spricht, das klingt auch sehr attraktiv.

Grundsätzlich teile ich mit einigen hier die Meinung, dass Dialekte durchaus toll sind, der Kerl aber in der Lage sein muss, auch hochdeutsch zu sprechen. Wer nur Dialekt spricht (dazu auch noch einen für mich unverständlichen), erweckt bei mir persönlich den Eindruck, dass er sein ganzes Leben lang bei Mama und Papa in (s)einem konservativen Dorf gelebt und nie den Sprung in die weite Welt geschafft hat. Natürlich ist das Quatsch, aber das ist eben meine sofortige Assoziation mit entsprechenden Minuspunkten auf der Attraktivitätsskala.

w 34
 
  • #13
'Bi uns cha ma a alemannisch schwätze! Un selli wu ä bledi gosche über unser sproch hän, solle sich schäme, wel selli sin dumm.'
Alle Deutschen, welche über die vielfältigen deutschen Dialekte lästern, möchte ich hiermit der Unwissenheit, in einigen Fällen auch der Arroganz bezichtigen.
Im Fach Sprachwissenschaften an der Päd. Hochschule Freiburg i. Br. durfte ich lernen, dass alle Menschen welche in einem echten Dialekt aufwachsen und später in der Schule Hochdeutsch lernen, zweisprachig aufwachsen. Die Deutschen sollten aufhören, sich ihrer vielfältigen Dialekte zu schämen. Es ist kein Zeichen von Plumpheit wenn Deutsche auch einen Dialekt können, sondern ein Zeichen höchster Intelligenz. Ich stamme aus dem Badener Land, genauer gesagt aus dem Breisgau. Das liegt in der Nähe von Elsaß und Schweiz. Mein Herkunftsdialekt Alemannisch, ist sprachwissenschaftlich eine eigene Sprache: mit eigenem Wortschatz, eigener Betonung und Lautbildung, eigener Satzmelodie, eigener Grammatik.
Vom Alemannischen stammen ab das Schwäbische und das Fränkische. Interessanterweise ist zu beobachten, dass durch die französische Besatzung im ersten Weltkrieg und die Nähe zum Elsaß, sich auch französische Begriffe in die Alltagssprache meiner Heimat integriert haben: 'Ma lauft halt uf'm trottoir. Mir schlofe gern unterm plumeau. He jo gell, un wenn ebbis passiert isch, holsch halt de gendarm.' Was will ich den Forumteilnehmern mitteilen: Sprache ist lebendig. Kleine Kinder haben keine Vorurteile. Und ihr Erwachsenen, bitte erhebt euch über eure albernen Vorurteile, die ihr euch irgendwo eingefangen habt. Bildet euch! Auch in Sachen Dialekt!
Gruß von Samtina
 
  • #14
Ja, es gibt sie. Die entstellenden Dialekte, vor allem dann, wenn sie völlig ungefiltert und breit gepflegt werden.

Man stelle sich ein Fotomodell vor. Und das macht den Mund auf und heraus kommt das breiteste:

"Als'sch mir ne Fettbemme jemacht hab is mir e Modschekiepsche nebm de Bemme jeflochn. Der is denne of n Griebsch vom Abbl drof und hat dann de Fregge gemacht."

Kaum zu verstehen und von der Phonetik her einfach unerträglich, wobei ich zugeben muß, dass ich es sehr erheiternd finde, Sachsen zuzuhören. Aber erotisch finde ich es nicht gerade.

Neben Sächsisch ist Schwäbisch auch sehr "beliebt". Es sind beides Bauchdialekte. Nun hat sich hier in der Landeshauptstadt eher das Honoratiorenschwäbisch entwickelt, die verhochdeutsche schwäbische Version. Auf der Schwäbischen Alb beispielsweise kann man noch die volle schwäbische Dröhnung bekommen. Da kommt man "vo dr Alb ra"

Umfragen haben übrigens ergeben, dass der fränkische Dialekt der beliebteste und auch der erotischte sein soll. Das für alle, die vielleicht noch einen lernen möchten:)
 
  • #15
Ich komme aus dem Allgäu und spreche daher auch unseren eigenen Dialekt, der übrigens auch hier von Ort zu Ort abweicht. Leider wird das inzwischen bei der Jugend immer weniger, wahrscheinlich weil es vor vielen Jahren hieß, dass man damit dem Kind den Schuleinstieg erschwert. - Was ich als völligen Quatsch empfinde. Ich hatte damals genauso wenig Probleme als alle anderen in der Klasse.
Dass ein starker Dialekt auf einen Intelligenz- oder Bildungsdefizit zurückzuführen ist, halte ich auch für völligen Blödsinn von Leuten die keine Ahnung haben.

Klar sind einige Dialekte subjektiv empfunden "schöner" als andere. Während ich unseren eigenen, bayrisch, fränkisch und den Hamburger Dialekt besonders schön finde, kann ich mit schwäbisch, sächsisch und den Dialekten vom Rhein am wenigsten etwas anfangen.
Ein Dialekt der mir gefällt wäre kein Hinderungsgrund zu einer Beziehung sondern eher ein Pluspunkt :)
Bei den Dialekten die ich nicht mag wäre es eine Frage wie intensiv es ausgeprägt ist aber ich würde einen tollen Mann der zu mir passt deswegen wohl nicht ablehnen.
 
  • #16
Für mich wäre die Unfähigkeit auf ein recht klares Hochdeutsch umzuschalten schon ein Ausschlusskriterium, fürchte ich.
Ja, das ist schon was anderes. Wenn einer nicht anders kann, hätte er in der Berufswelt womöglich ein Handikap.


Void leider, leider sächsisch und bayrisch passen gar nicht.
Nee, die meinte ich auch nicht. Es ist was anderes. Bayrisch kann ich doch ein bisschen, ich weiß, dass das nicht so klingt ;)
Und wieso sollten sie beleidigt sein? Keins ist doch schlechter.


Ich hab von zwei Hannoveranern gehört, dass sie das traurig finden, dass sie keinen Dialekt haben, weil irgendwie was Individuelles fehlt.
Ich finde es auch interessant, wenn man raushört, dass da doch ein Dialekt hinter dem Hochdeutsch steckt. Das kann sehr charmant sein.
 
  • #17
Und warum sollte der Dialekt welcher eine eigene Sprache ist in 'dezenter Form' vorgetragen werden? Sollen wir englisch und französisch vielleicht auch nur noch in dezenter Form vortragen? Sollte jemand sich schämen, nur weil er von Kindheit an zuerst 'Shakespeare English' gelernt hat, bevor er in die Schule kam, und diese alte Sprache daheim und bei Freunden weiterhin praktiziert hat, zusätzlich zur Schulsprache ... ?
Bitte werdet vernünftig! Ein Dialekt ist eine sprachliche Begabung und kein Zeichen von Dummheit. Wie lieblos, deswegen Menschen zu verachten oder die Beziehung zu beenden, weil dieser etwas lebt und kann, was der andere nicht gelernt hat.
Wenn jemand afrikanische oder schottische Dialekte studiert, wird er doch auch bewundert und nicht verachtet.
Die Liebe hat es wirklich schwer mit manchen Leuten ...
 
  • #18
Heute hört bei mir niemand mehr heraus, wo ich überall aufgewachsen bin
Das kenne ich auch, da ich in der Vergangenheit in Frankreich, Spanien war und jetzt in Österreich. Manchmal spricht sogar meine Mutter (Ü70) mit mir in hochdeutsch, das ja alles verstanden habe.:)

Ich wohne bei Heidelberg und habe mir mit ca. 14 Jahren den hiesigen Dialekt angelernt wie ein Fremdsprache.
Das finde ich sehr gut und man hat sich dann dort auch integriert. Von den Menschen mit nichtdeutschem Background erwartet man es auch, dass sie sich integrieren. Wenn man selber dazu nicht in der Lage ist, wie soll man dies von anderen erwarten.

Der Dialekt hat auch manchmal seinen Vorteil. Als gebürtiger Franke rolle ich demzufolge auch das R ein wenig oder auch mehr :) und beim Spanischen hat dies mir sehr geholfen. Oft erkenne ich auch schon bei Deutschen, die Spanisch sprechen, wo sie gebürtig herkommen.
 
A

Allegria

  • #19
Sehr interessante Fragestellung!

Es ist glaube ich kaum möglich, sich diese Frage aus der Brille eines anderen Dialekts vorzustellen, d.h. z.B. ein Bayer kann schwer eine verlässliche, d.h. repräsentative Aussage für den Sachsen, der Hamburger für den Hessen machen. Inwiefern Dialekte als erotisch empfunden werden ist höchst individuell. Ich denke, dass es grundsätzlich bestimmte Affinitäten gibt, die sich auch geographisch nachvollziehen lassen. D.h. ein Bayer findet den Dialekt eines Menschen aus Rheinland-Pfalz möglicherweise attraktiver sowie ein Sachse, den eines Thüringer. Ich vermute dass, weil diese Dialekte nicht so weit voneinander entfernt sind, ähnlicher im Klang sind. Dass würde bedeuten, dass folglich das Sprechen in demselben Dialekt oder einem ähnlichen - also tendenziell eine der reinen Wahrnehmung nach sprachlich relativ hohe Neutralität - am attraktivsten erscheint. Und so ist es auch für mich, dass ich (aus Südwestfalen stammend, in Ostwestfalen lebend, weitgehend aber dialektfrei sprechend, da meine Eltern wieder aus anderen Regionen stammen und nicht mit Dialekt aufgewachsen sind - insgesamt wenn eine allgemein westfälische Färbung) die Dialekte, die sich in Westfalen oder in norddeutschen Gebieten oder eben dem neutralen Hannover erotischer finde als ein Dialekt des Ostens oder Südens Deutschlands. Für mich ganz persönlich ist Bayerisch, Sächsisch nicht erotisch, was nichts über diese Menschen aussagen soll, sondern nur darüber, dass das Hören und der Singsang, der einem am nächsten steht, auch am attraktivsten erscheint.

Es ließe sich aber auch anders herum mal fragen, ob man, wenn man einen Menschen aufgrund seines Charakters, Humors, Aussehens, Haltung, Lebenseinstellung etc. sehr attraktiv findet, nicht am Ende auch seinen Dialekt anfängt attraktiv zu finden - obwohl man vielleicht einmal gesagt hat, dass man diesen Dialekt unerotisch findet. Sprich: Sind wir überhaupt ansatzweise in der Lage hierzu eine objektive Aussage zu treffen und zwar auch über uns selbst zu treffen. Und wie verändert sich eigentlich das Hören und später auch Sprechen bei einem Menschen, wenn er verliebt ist? Gerade in Partnerschaften gleicht man sich auch sprachlich mit der Zeit unbewusst an.
 
  • #20
Es muss immer zum Menschen passen. Ein Dialekt als Ausschlusskriterium? Nicht wirklich., auch wenn ich so meine Schwierigkeiten mit schwäbisch und sächsisch in der ausgeprägten Form habe.

Ich bin selbst ein Chamäleon, ich nehme sehr schnell den Dialekt meines Gegenübers an.
Das kann auch peinlich werden, wenn ich auf einmal eine sächsische Klangfärbung annehme, nur weil mein Gegenüber Sachse ist.
Klangfärbung habe ich sicher, switche etwas, richtig Hochdeutsch wird es als gebürtige Unterfränkin (Bärch statt Berg) und jetzt an der Grenze Oberbayern / Allgäu lebend mit einer sehr bunten, vielfältigen Palette an Dialekten nie werden.

Wobei es bitte "unterfränkisch" nicht gibt, es gibt für jeden Ort eigene Spezifikationen. Ja, damit kann man einen schnöseligen Auswärtigen ordentlich auflaufen lassen ;-)

Aber irgendwie hat Dialekt auch etwas Gemütliches, und ich verstehe inzwischen einiges an Dialekten inkl. des spezifischen Vokabulars.

Im Verkauf (Industrie) bevorzugten übrigens die schweizerischen und österreichischen Kunden einen Betreuer aus dem süddeutschen Raum, Betreuer aus der Gegend um Hannover mit dem reinen Hochdeutsch kamen ihnen zu arrogant und zu hart herüber.
 
  • #21
Wie lieblos, deswegen Menschen zu verachten oder die Beziehung zu beenden, weil dieser etwas lebt und kann, was der andere nicht gelernt hat.
Ich denke, das liegt an anderen Dingen. Menschen, die sehr stark in einem Dialekt sprechen, traut man eine gewisse Bodenständigkeit zu. Zu dieser Bodenständigkeit werden aber auch recht konservative Werte assoziiert - auch was das Verhältnis Mann-Frau betrifft.

Weil man unbewusst annimmt, dass so starke Dialekt-Ausprägungen dann kaum existieren, wenn man in Hamburg und Berlin aufwuchs, in London Wirtschaft studiert hat und nun bei der Unternehmensberatung in Frankfurt/M. arbeitet. ;-)

Je älter ich werde, desto mehr neige ich auch dazu, einen (leichten) Dialekt-Anklang liebenswert und authentisch zu finden. Besser als die kosmopolitischen Säuberlinge, die gar keine Regional-Prägung mehr erfahren haben, weil sie sowieso entwurzelt sind.

Aber ein schwäbischer Liebhaber, der mir Berlinerin sagt, das er jetzt "Luscht" auf mich hat, bringt mich auch ein wenig zum Schmunzeln...
 
  • #22
Erotisch finde ich gar keinen Dialekt, wohl aber Akzente und Sprachen. Portugiesisch, z.B.

Wenn ich eine Person mag, kann mich der Dialekt eigentlich eher nicht schrecken.
Ich habe eher Probleme mit unklangvollen Stimmen, würde das aber bei einer Partnerbeziehung vermutlich nicht als Unattraktivitätspunkt nehmen. Glaube ich. Ich weiß es aber nicht, vielleicht bin ich oberflächlich in dem Punkt. Menschen mit hohen Stimmen oder irgendwie quäkig liegen mir nicht so.

Hochdeutsch klingt schon sehr fein. Aber ich hab mal in einer Bahn eine junge Dame, so Hipster-Richtung, reden gehört. Wirklich sehr schönes Hochdeutsch, auch sehr artikuliert ohne Nuschligkeiten, aber sehr gewöhnlicher Wortschatz und auch noch ordinär (fragte ihren Begleiter "Bist du jetzt irgendwie pissig?!"). Und solche Leute finden Dialekt dann "prollig".
 
  • #23
Und warum sollte der Dialekt welcher eine eigene Sprache
Also erstmal sind Dialekte keine eigenen Sprachen, sondern gesprochene Varitäten ein und der selben Schriftsprache.
Ich bin schon der Meinung, dass man die muttersprachliche Schriftsprache beherrschen sollte und hier spreche ich nicht von Akzenten, Klangfärbungen und Sprachmelodien, welche in ihrer Vielfalt sehr schön, berreichernd und völlig in Ordnung sind.

Wenn sich jemand, auch was die Partnerwahl betrifft, nie großartig aus seinem heimatlichen Umfeld herausbewegt.... seis drum.
Aber heute agieren wir doch zumeist überregional und da sollte einem das sprechen der Hochsprache des Ursprungslandes, neben dem eigenen Dialekt, doch möglich sein.

Kommunikation hat für mich, im entsprechenden Rahmen, durchaus einen sinnlichen Aspekt, der mir auch wichtig ist. Tatsächlich auch Attraktivitätsmerkmal.
Wobei ich norddeutsche Dialekte persönlich anziehender finde als süddeutsche. Aber auch da, ist es mehr als ein Akzent finde ich diese Dialekte urig, lustig, interessant und unterhaltsam aber ins Bett könnte mich so niemand 'quatschen'. Ergo, auch nicht in eine Beziehung.
 
  • #24
Ich komme aus Hessen und der hiesige Dialekt steht auf der Beliebtheitsskala nicht gerade oben.
Ich kann hochdeutsch sprechen und denke, man merkt nicht, wo ich herkomme.
Ich kann auch hessisch sprechen und das tue ich, wenn ich es mit Handwerkern auf der Baustelle zu tun haben. Weil ich dann eher für voll genommen werde. Hochdeutsch hat halt auch was Schnöseliges.
Mein Schwiegervater ist ein sehr gebildeter Mann, promovierter Physiker und seine Sprache ist mehr als nur hessisch eingefärbt. Allerdings ist es auch nicht so stark ausgeprägt, dass man Untertitel braucht.
Er ist 84 und in dieser Generation haben viele Leute noch mehr Dialekt gesprochen als heute, wo wir alle von Kleinauf Zugang zur Hochsprache z.B. durch das Fernsehen haben.

Ja, ich gebe es zu, auch ich verknüpfe einen ausgeprägten Dialekt mit geringer Bildung, die Ausnahme bestätigt die Regel.

Weitere Ausnahme: Bayern. Meines Wissens sind die Eingeborenen dermaßen stolz drauf, Bayern zu sein, dass sie nicht nur entsprechendes Brauchtum pflegen, sondern eben auch ihren Dialekt. Selbst gebildete Menschen.

Ich stehe den meisten Dialekten neutral gegenüber, sofern schwach ausgeprägt.
Mir mißfällt hessisch, bayrisch und schwäbisch.
Mir gefällt der sächsische Dialekt, der in Dresden gesprochen wird. Ich habe da eine angenehme Assoziation.

Richtig stark mißfällt mir das, was ich in meinem Fitnessstudio höre, sowas zwischen deutsch mit hessisch und türkisch. Das hört man auch bei den Trash-TV-Sendern.
DAS wäre für mich ein Punkt, den Mann schon am Telefon zu verabschieden.

w 49
 
  • #25
Mein Heimatdialekt kölsch hat den Vorteil, dass ich sehr gut den Niederländer verstehe und er mich. Ist schon witzig. Ich war als Junge mal in ein bayrisches Mädchen verliebt. Sie hatte diesen typischen Dialekt. Aber ich denke es war dann doch eher ihr Aussehen und ihr Wesen was mich so begeisterte.
M45
 
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  • #26
Ich finde regionale Spracheigenheiten interessant und charmant. Jede Region hat ihre Dialekte, auch um Hannover herum: da heißt ein Tisch "Tüsch", Fisch heißt "Füsch", Zug heißt "Zuch", Hannover heißt "Hannova". Sprache war und ist etwas Lebendiges. Abgesehen von Dialekten hat auch jeder Mensch seine individuelle Art zu sprechen. Was mir nicht gefällt ist z.B. kaum Hebungen u Senkungen in der Sprachmelodie, also monotones Reden, sowie undeutliche, nachlässige Aussprache (Nuscheln), oder zu schnelles (übereiltes) oder extrem langsames Sprechen. Letzteres kann sehr nerven, finde ich.
 
  • #27
Nun. Ich will mich mal outen, und mit ein paar Irrtümern aufräumen, auch wenn das, was ich jetzt schreibe nicht in allen Einzelheiten bierernst zu nehmen ist:

Ich bin geboren, aufgewachsen und wohnhaft in Sachsen. Und durchaus schon viel in Deutschland und dem Rest der Welt herumgekommen. Ich kann euch, liebe Forengemeinde, versichern: wir sind durchaus in der Lage, uns einer deutschen Hochlautung zu befleißigen, und richtiges Vulgärsächsisch spricht hier eigentlich nur das eher bildungsferne Milieu. Natürlich haben Eingeborene wie ich auch eine gewisse sächsische Sprachmelodie am Leibe und wenn wir unter uns sind, geht es sicher auch sprachlich etwas zünftiger zu. Es liegt in der Natur der Sache, dass ich Sächsisch natürlich nicht als unerotisch empfinde. Weiter oben mutmaßte jemand, dass wohl sächsisch und bayrisch gut zusammengingen. Das muss ich leider strikt verneinen. Man kann vielleicht verallgemeinernd sagen, dass für uns Sachsen alles oberhalb von uns fast hochdeutsch klingt, und alles unterhalb von uns leicht komisch (ist aber nicht so wild). Zu Thüringen hören wir fast keinen Unterschied, nur in den Grenzgebieten im Westen. Allerdings gibt es alleine in Sachsen 5 verschiedene Unterdialekte, je nach Region, die im Süden klingen schon fast bayrisch, die im Norden schon sehr preußisch. Es gibt nicht DIE Sachsen. Was allerdings gar nicht geht für unsere Ohren, ist, wenn einer komplett hochdeutsch daherredet, das wirkt auf uns sehr hochnäsig, und da ist das ohnehin schon niedrige Selbstwertgefühl der Kaffeesachsen sehr empfindlich.

Insofern, alles gerne, nur kein Hochdeutscher! :p
 
  • #29
Beeinflussen Dialekte für Euch die Attraktivität des anderen und damit Eure Partnerwahl?
Gute Frage!
Auf alle Fälle beeinflusst ein Dialekt bei mir den ersten Eindruck.
Ich komme aus Südbaden. Hat jemand einen "verwandten" Süddeutschen oder weichen Dialekt löst das bei mir ein Gefühl von Vertrautheit aus. Bezogen aufs Dating kann man daher wohl sagen, dass der jeweilige Dialekt wie eine Art Verstärker auf die Erstsympathie wirkt - sowohl im positiven als auch im negativen.

Wobei es nicht der Dialekt alleine ist. Meistens geht damit ja auch eine gewisse regionale Mentalität (Umgangsart) einher und die hat für mich durchaus Bedeutung.
 
  • #30
Geht für mich gar nicht. Komme selbst aus dem Süden und bin mit Dialekt aufgewachsen. Hochdeutsch zu sprechen gilt in meiner Heimat als arrogant. Die meisten, auch recht gebildete Leute (Anwälte, Ärzte etc.) können es nicht einmal wirklich! Ich hab scheinbar eine seltsame Begabung, weil ich nach 20 Jahren nur Dialekt mittlerweile fast vollständig dialektfreies Hochdeutsch sprechen kann (manche Laute oder Satzkonstellationen und Wörter verraten einen vielleicht noch). Also jemand, der NUR Dialekt sprechen kann und auch keine Ambitionen hat, etwas daran zu ändern, käme für mich nicht in Frage. Wenig sexy finde ich Dialekte generell auch.