• #1

Welche Abmachungen müssen in Beziehungen getroffen werden?

In meinem Freundeskreis hat eine Paar massive Beziehungsprobleme. Ursächlich ist wohl, dass Lebensperspektiven nicht in dieselbe Richtung gehen. Das Paar (er 34 , sie 31) kennt sich schon aus gemeinsamen Studienzeiten (sie hat allerdings das Studium nie abgeschlossen). Sie wohnen seit vielen Jahren zusammen.
Ich kenne sie auch von früher, sie war immer der wilde Typ (habe sie oft mit Baggy-Jeans grünen Haaren in Erinnerung, oder auch im schwarzen Szenelook ) hat auch ein bisschen Drogenerfahrung, war in jungen Jahren Mitglied in der autonomen Szene.
Sie ist seit zwei Jahren selbständig als Tischler-Meisterin.

Ich kenne beide und weiß von ihm, dass er als eher ungebundener und freiheitsliebender Typ ist, der viel reisen möchte. Kinder sind ihm nicht wichtig.

Sie hatte mich Anfang des Jahres gefragt, warum er sie noch nicht nach Heirat gefragt habe und warum er denn nicht mit ihr in die alte Haus ihrer Eltern (sind kürzlich verstorben) ziehen wolle. Das könne man schön renovieren.
Ich habe ihr geantwortet, dass nach meiner Kenntnis heraus er eigentlich nie heiraten wollte, da er das für überkommen hält, und sie gefragt, ob sie über das Thema schon gesprochen hätten. Es kam heraus, dass sie ja damals "diesen bürgerlichen Scheiss" zwar zweiweise ablehnte, aber doch davon immer davon ausgegangen sein, dass er halt irgendwann mal fragen werde, und sie zusammen eine Familie gründen würden.
Sie hätte zu ihm doch schließlich nie gesagt, dass sie nicht heiraten wolle; er sei doch ein Kerl und würde das eben schon wissen. letztens hat sie es auch ihm gegenüber angesprochen und es gibt Krach.
Ich weiß, dass er eigentlich nichts ändern will und (das wußte sie auch) er irgendwann eine Haus in Südeuropa erwerben möchte um dahin zu ziehen und (vielleicht, wenn sie es unebdingt wünscht) auch Kinder zu haben. Dafür wird er als Seeoffizier bei der Bundeswehr (Meistens ist er hier, hat kaum Auslandseinsätze) aber noch viele Jahre sparen müssen.

Die Frage lautet also, was hätte er (als Mann) wann wissen müssen.
Führen Beziehungen immer zu Familiengründungen? Was darf Frau vorraussetzen? Welche Dinge müssen schon am Anfang einer Beziehung geklärt werden.
 
  • #2
Der arme Mann. Das ist keine Frau mit Ansprüchen,.das ist eine Frau der man ihre Ansprüche auch noch von den Lippen lesen soll. Sie hat sich klar gegen
die Ehe entschieden und damit ist der Drops auch schon gelutscht.

Der Mann soll Verantwortung für ihr beider Leben übernommen und gleichzeitig instinktiv so agieren, wie sie es gerne hätte. Die doppelte Entmachtung des Mannes. Bei solchen Anwandlungen der Frau sollte man die ganze Beziehung in Frage stellen.

Die Frau ist erwachsen und mit 30 Jahren erwarte ich, dass man sich zu den grundlegenden Fragen des Lebens Gedanken gemacht hat. Wer meint da von Wankelmut befallen zu sein, muss halt in die Röhre gucken. Der Mann muss überhaupt nichts wissen. Nur ein Bruchteil der Beziehungen führen zur Familiengründung. Frau sollte gar nichts voraussetzen. Grundlegene Dinge müssen sofort geklärt werden.
 
  • #3
Führen Beziehungen immer zu Familiengründungen?
Die Frage ist wohl rhetorisch gemeint? Nein, wie du sicher selbst weißt, führen Beziehungen aus den verschiedensten Gründen nicht immer zur Familiengründung.

Nichts.
Man/Frau selbst kann viele Wünsche, Ideen, Vorstellungen haben - ob die mit denen des Gegenübers konform gehen, ist eine andere Sache. Der Mann hat schließlich genauso das Recht, seine Vorstellungen etc. zu haben. Da finde ich es sinnvoller, über die Dinge, die mir wichtig sind, zu reden und die Meinung meines Partners (?) dazu zu erfahren als irgendwas vorauszusetzen und dann aus allen Wolken zu fallen, wenn er mit mir nicht einer Meinung ist.

Welche Dinge müssen schon am Anfang einer Beziehung geklärt werden.
Ich halte es für sinnvoll, die Sachen auf den Tisch zu packen, die mir wirklich wichtig sind. Das wird wohl bei jedem was Anderes sein. (Klassiker: Ehe, Kinder - ja/nein, wie viele Kinder etc.) Letztendlich gibt es aber keine Garantien für irgendwas. Ideen und Wünsche sind ja nicht in Stein gemeißelt und können sich im Laufe des Lebens ändern (Gott sein Dank) oder äußere Umstände zwingen einen zur Umplanung (z. B. Unfruchtbarkeit bei vorhandenem Kinderwunsch). Normalerweise merkt man doch, ob es grundsätzlich passt oder nicht. So wird sich der superfreiheitsliebende Mann, dessen Traum es ist, mit dem Rad drei Jahre um die Welt zu fahren, wahrscheinlich nicht die Frau zur Partnerin nehmen, die mit Reihenhäuschen, zwei Kindern und Cluburlaub auf Mallorca zufrieden ist.
Nichts ist statisch, Leben ist Veränderung. Sinnvollerweise bleibt man miteinander im Gespräch und schaut von Zeit zu Zeit, wer wo steht.
Bei deinen Bekannten klingt das für mich nach einem grundsätzlichen Kommunikationsproblem.
 
  • #4
  1. Die Frage lautet also, was hätte er (als Mann) wann wissen müssen.
  2. Führen Beziehungen immer zu Familiengründungen?
  3. Was darf Frau vorraussetzen?
  4. Welche Dinge müssen schon am Anfang einer Beziehung geklärt werden.
  1. Gar nichts. Sie lehnte zum Kennenlernen das gutbürgerliche Spießertum ab und kannte vermutlich auch seine Einstellung zu Kindern. Der Mann hat nichts falsch gemacht.
  2. Nein. Romanzen führen zunächste einmal nur zu Partnerschaften. Nicht mehr und nicht weniger.
  3. Gar nichts. Ist alles Verhandlungssache.
  4. Man könnte theoretisch zu Beginn einer Partnerschaft den Wunsch nach Ehe und Familiengründung besprechen. Allerdings bringt das nicht besonders viel, solange man nicht eine gewisse Zeitspanne (meiner Meinung nach mind. 5 Jahre) miteinander verbracht hat. Der Umstand, dass man gemeinsame Ziele verfolgt ist zwar schön und gut, bedeutet aber letztlich nicht, dass sie miteinander umsetzbar sind.
 
A

ak18

Gast
  • #5
Durch ihren damaligen gemeinsamen Lebensstil haben sie sich ja schon ein "Versprechen" gegeben. Wahrscheinlich konnte sich damals niemand ein anderes Leben vorstellen. Aber Leben ist was passiert, während du andere Pläne machst.

Egal was man abspricht, verspricht - Lebenssituationen und Lebenspläne ändern sich - Menschen ändern sich.

Dein Beispiel zeigt das ganz schön:

Während er sich ziemlich treu geblieben ist, tendiert sie zu Nestbau und Mutterschaft.
Das hätte er wohl nie von ihr erwartet und sie wohl von sich selbst auch lange Zeit nicht.

Unterm Strich ist dies dann wohl der Grund, warum man von "Lebensabschnittspartnern" spricht.
 
A

Ars_Vivendi

Gast
  • #6
Ich finde nicht, dass man in Beziehungen "irgendwas" selbstverständlich voraussetzen darf. Warum sollte eine in jungen Jahren geschlossene Beziehung automatisch in Heirat und Familiengründung übergehen? Warum sollte es selbstverständlich sein, in ein ererbtes Haus zu ziehen? Solange Deine Freundin "alternativ" war, war eine Heirat unmöglich, jetzt wartet sie auf den Antrag? Klingt für mich nach "er hat sich immer nach meinen aktuellen Wünschen zu richten".

Am Anfang einer Beziehung kläre ich das, was mir grundlegend wichtig ist im Laufe einer Beziehung (gerade langjährig) prüfe ich, ob das noch so ist (nicht: ich erwarte, dass meine Partnerin mir Änderungen ihrer Absichten automatisch mitteilt, dann wäre sie ja in der Pflicht gewesen mit dem doch vorhandenen Heiratswunsch).

In einer Beziehung redet man miteinander über das, was einem von beiden gerade wichtig ist. Und wenn Freunde genauer Bescheid wissen als die Partner, ist das eigenartig...
 
  • #7
Frauen um die 30: Die Meisten wollen nun Kinder bekommen, wenn sie noch Keine haben.

ggf. dabei auch noch verheiratet sein, um sich und die Kinder rechtlich und existenziell abzusichern.

Das ist ihnen (in diesem Alter) wichtiger, als die Liebe.

Der Mann dagegen will ggf. nur eine Partnerin haben. Aber er fühlt sich erpresst. Weil die Partnerin nur dann die Beziehung mit ihm fortsetzt, wenn er ihre Wünsche nach Kinder und ggf. Heirat erfüllt. Weil sie in ihrem Leben nicht darauf verzichten will.
.. dass er (34) als eher ungebundener und freiheitsliebender Typ ist, der viel reisen möchte. Kinder sind ihm nicht wichtig.
Wenn er das immer noch ist, dann ist er evtl. (noch) nicht reif, für eine Familiengründung ?

Man kann auch mit Kindern viel reisen. Besonders, wenn sie noch nicht schulpflichtig sind. Es gibt viele (ungewöhnliche) Reiseberichte von Eltern mit (kleinen) Kindern, ohne Pauschaltourismus.

Mit Kindern = die nächsten 20 Jahre fast täglich mit Kindern zusammen. Mit all ihren Vor- und Nachteilen.
Und mit 34 J. das Einem noch leichter fällt, als erst mit 44 oder 54.

Heiraten und dessen mögliche Folgen ist ein anderes Thema, womit sich Jede/r gründlich informieren und auseinander setzen soll.
Scheidungsratgeber lesen - bevor dem heiraten.
..und warum er denn nicht mit ihr in die alte Haus ihrer Eltern (sind kürzlich verstorben) ziehen wolle. Das könne man schön renovieren.
Das mag für die Frau schön sein, und ggf. viele Erinnerungen aus ihrer Kindheit dort. Aber das Haus muß dem Mann nicht automatisch auch gefallen.

Ein Eigenheim ist eine Festlegung an dessen Ort. Die Frau will ein "Nest" für ihre Familie schaffen. Der Mann denkt eher an die Endgültigkeit solcher Entscheidungen. Und an seine Lebenspläne, von einem Haus + Leben in Südeuropa.

Entweder dieser Mann entscheidet sein Leben zugunsten der Lebenspläne seiner Partnerin: Heirat, Kinder, und wohnen in ihrem Elternhaus.
Oder er entscheidet sich für seine Lebenspläne: Ein Leben ohne Kinder, und mit der dafür passenden Frau.
Dafür wird er als Seeoffizier bei der Bundeswehr (Meistens ist er hier, hat kaum Auslandseinsätze)
Wie will er diesen Job vereinbaren, mit wohnen + leben in Südeuropa ? Oder hier wohnen bleiben, und in Südeuropa ein Ferienhaus ?

Wie geht es weiter ? Und weiter gemeinsam, oder getrennt ?
 
  • #8
Ich denke nicht, dass Beziehungen per se in Familiengründungen enden. Und wenn man sich hier manchen Beitrag ansieht, wieviele Menschen der Meinung sind, lieber irgendwen zu haben als jemand, der genau passt, kann man schon ausrechnen, dass diese Menschen in Beziehungen, die schon gefühlsmäßig halbherzig anfangen, lieber keine Verbindlichkeiten eingehen wollen und so lange mit dem Menschen zusammenbleiben, bis ihn was Passenderes begegnet.
Fatal wird das nur, wenn einer der Beiden meint, den Partner des Lebens gefunden zu haben. Dann steht man vielleicht als Mann irgendwann vor vollendeten Tatsachen, wenn die Frau schwanger ist und man eher konventionell gestrickt ist und meint, heiraten zu müssen.
Und es gibt ja auch Männer, die sich hingehalten fühlen, weil die Frau zaudert und nicht zusammenziehen will usw.

Bei dem Freundespaar hätte ich gesagt, woher soll der Mann es denn wissen, dass die Frau, die früher punkig war, auf einmal anders denkt. Da kann man es ja nur falsch machen und wenn eine Frau schon mal sagte, dass sie nicht heiraten will, dann würde ich als Mann auch nicht fragen, da ich die Antwort kenne.

Ich bin der Ansicht, dass nur klar sein sollte, dass man zusammen ist (das ist ja heute auch nicht mehr so klar, ob es F+ wird oder Affäre) und dass man sich treu ist, also keine Überraschungen nach 5 Jahren mit "ich dachte, wir haben eine offene Beziehung" oder "Jeder geht fremd, selber schuld, wenn du das nicht machst".
An sich erwartet man schon, dass irgendwann zusammengezogen werden könnte, aber nicht in eine 30qm Wohnung, sondern mit Berücksichtung, was jeder zum Leben braucht an Raum.

Das alte Haus der Eltern ist ein schwieriger Punkt. Es gibt wenig Männer, die ins Haus der Frau ziehen. Irgendwas scheint da zu hemmen, weil der Mann sich damit nicht mehr ... als Mann? fühlt. Ich kenne zwei Fälle, wo es lieber eine olle Wohnung sein könnte, aber nicht das Haus der Frau. Und es geht nicht darum, wo es steht, sondern, dass der Mann nicht der Besitzer ist.
 
G

Gast

Gast
  • #9
Die haben sich im Laufe vieler Jahre auseinanderentwickelt - und offensichtlich auch aufs miteinander reden vergessen.

Die Frage ist also nicht,
was hätte er (als Mann) wann wissen müssen..
sondern wann hätte er es sagen müssen - und die Antwort ist klar: Als es ihm bewusst war. Für die Frau gilt natürlich das Gleiche.

Welche Dinge müssen schon am Anfang einer Beziehung geklärt werden.
Soviel wie möglich von allem, was man unbedingt möchte.

Es ist keine Seltenheit, was dieses Paar erlebt.
Reden heißt das Zauberwort, und sich in die selbe Richtung entwickeln - alles andere geht unweigerlich irgendwann schief.
 
  • #11
Na genau solche Sachen wie du ansprichst, sollte man natürlich nach ein paar Monaten auch mal nebenbei ansprechen, aber:

Haben sie doch gemacht!!

Und damals wollte sie keine Kinder, nicht heiraten, kein Spiesserhaus....

Natürlich ist es gar nicht ungewöhnlich dass auch solche Paare über die Jahre von ihrem ehemaligen Ideal abkommen und sagen: naja, wär ja doch ganz schön so... (also auch der Mann)

Aber Automatismus ist es eben keiner....

Ich finde ihr Verhalten reichlich kindisch, sie wusste doch was Sache ist und hätte ja auch mal "im laufenden Betrieb" ein paar Updates geben können wenn sich ihre Einstellung dazu ändert statt ihm das jetzt geballt vor den Latz zu knallen und wie ne Furie zu reagieren wenn der Partner nicht zufällig insgeheim den selben Sinneswandel gehabt hat.....

Und ja: grundsätzlich sollte man zumindest grob seine Lebenspläne aufskizzieren und abgleichen beim Kennenlernen bzw. in einer frühen Phase der Beziehung.

Das geht ja ganz zwanglos nebenbei und ergibt sich meist sowieso automatisch?! So zumindest meine Erfahrung....
 
  • #12
Na genau solche Sachen wie du ansprichst, sollte man natürlich nach ein paar Monaten auch mal nebenbei ansprechen, aber:

Haben sie doch gemacht!!
Richtigstellung.
Nein, das haben sie nicht gemacht. Jeder hatte damals von ihr zwar den Eindruck, dass sie Heiraten ablehnt (da sie extrem gegenüber "Bürgerkram" eingestellt war (und teilweise auch noch ist) nur gesagt hat sie das ausdrücklich nie; jedenfalls wohl nicht zu ihrem Partner.
Der äußere Eindruck war nur eben derart, auch mein Freund hat das wohl so angenommen.
 
  • #13
Muss der Mann irgendwann "reif" sein für eine Familiengründung? Wenn mein Freund also seinen geplanten Lebensweg so weiter verfolgt, ist er dann eben nicht "reif"?
Ja !
Das Paar (er 34 , sie 31) Ich .... weiß von ihm, dass er als eher ungebundener und freiheitsliebender Typ ist, der viel reisen möchte. Kinder sind ihm nicht wichtig.
Also wären für ihn Kinder dabei hinderlich oder gar lästig.

Ich kenne Männer, die nie reif für Familie sind, sondern ständig damit überfordert wären. Oder gar keine Kinder haben wollen. Egal in welchem Alter.

Ich kenne Männer, die sich persönlich nicht für (eigene) Kinder interessieren. Und entweder folgerichtig auf Kinder verzichten.

Oder "nur der Frau zuliebe" sich Kinder zulegen. Was dann aber die Beziehung sehr belastet, und psychisch besonders diese Kinder ausbaden müssen.
Mit einem Vater, dem seine leiblichen Kinder nichts Besonderes bedeuten.
Und einer Mutter, die ggf. den Vater zu Kinder überredet oder gar gezwungen hat. (Mehrere solcher Familien erlebt)

Kinder bekommen - ist die radikalste Umstellung in einer Beziehung. Auch für den Mann. Er muß innerlich dazu bereit sein, auch für die kommenden Nachteile.
Und Kinder auch selber mögen und lieben, um das Alles mit durchzustehen.

Mit 30 J. wäre ich (m) vielleicht für eine Familiengründung auch überfordert gewesen. Da arbeitete ich noch an meiner beruflichen Karriere, die anfangs sehr schwierig verlief. Dazwischen sogar einen Berufswechsel.
Mit 35 J. ..... vielleicht. Mit 40 J. passte es aber genau.

(m,53 - der Junge ist 13 J. alt, hat schulisch große Probleme und braucht meine Mithilfe)
 
  • #14
Da ist gerade auch eine Frage, die mich umtreibt.
Muss der Mann irgendwann "reif" sein für eine Familiengründung?
Wenn mein Freund also seinen geplanten Lebensweg so weiter verfolgt, ist er dann eben nicht "reif"?
Ich sehe das so, dass Reife bedeutet, dass man es a) wirklich will und b) einem auch bewusst ist, dass es Schwierigkeiten geben kann, die beide lösen müssen.

Man kann nicht davon ausgehen, dass alles 100% gut läuft. Von daher unterscheide ich den Reifen, der dann nach Lösungen sucht, und den Unreifen, der das Handtuch wirft bzw. froh ist, der Frau alles zu überlassen und sich auf der Arbeit zu verkriechen.

Was anderes ist es, wenn sich jemand gegen irgendwas entscheidet. Dann hat er das durchdacht, ob er es will oder nicht, und handelt danach.
Die schlimmsten Typen sind die, die was wollen und wenn es dann nicht ohne Anstrengung klappt, das sinkende Schiff verlassen.

Für mich ist Reife eine Frage, ob man Verantwortung für seine Entscheidungen übernimmt bzw. auch mal über sich hinauswachsen muss. Im Falle Kind würde das bedeuten, wenn eine Frau ohne Absprache mit dem Mann schwanger wurde und er sie dann zwar nicht heiratet, wie sie das vielleicht geplant hat, sondern sich um das Kind kümmert, so gut er kann, aber sich nicht zu Heirat oder weiterer Beziehung nötigen zu lassen, wenn er das nicht will.

Verantwortung für die eigene Entscheidung heißt auch, dass ich jemanden nicht ausnutze, wenn ich sehe, dass er unter einer Situation leiden wird, die mir aber nützt. Im Falle des befreundeten Paars wäre Reife für mich, dass der Mann die Beziehung beendet, FALLS er merkt, dass sich die Lebenswege entzweien. Ich meine als unreif und verantwortungslos, sie mit dem Kind "glücklich zu machen", weil sie es ja unbedingt will, aber selber weiter sein Ding durchzuziehen und sie mit der Verantwortung und dem Kümmern um das Kind sitzenzulassen, obwohl die Beziehung weiterbesteht.

Wenn sie früher so eine "Wilde" und freiheitsliebend gegen "Spießerkram" war, dann hat sie jetzt den falschen Partner, wenn sie sich geändert hat und er nicht. Wäre er dieser Familienmensch, wäre sie damals nicht mit ihm zusammengekommen. Aber das ist ja in vielen Beziehungen so, dass man dann trotzdem zusammenbleibt und das gemeinsame Leben sich auf einen winzigen Rest zusammenkürzt, während beide unglaubliche Kompromisse machen, die sie mit neuen Partnern, die besser passen, gar nicht machen müssten.
 
  • #15
Richtigstellung.
Nein, das haben sie nicht gemacht. Jeder hatte damals von ihr zwar den Eindruck, dass sie Heiraten ablehnt (da sie extrem gegenüber "Bürgerkram" eingestellt war (und teilweise auch noch ist) nur gesagt hat sie das ausdrücklich nie; jedenfalls wohl nicht zu ihrem Partner.
Der äußere Eindruck war nur eben derart, auch mein Freund hat das wohl so angenommen.

Das kommt aber aufs gleiche raus, denn wenn JEDER im Umfeld diesen Eindruck von ihr hatte wie du sagst.... So ein Eindruck entsteht nicht aus dem Nichts....

Ist aber sowieso völlig Latte, auch wenn die zwei das beredet hätten, hätte die Dame wahrscheinlich vor Jahren als sie noch extremer drauf war sehr wohl "keine Kinder, keine Heirat, kein Haus" gesagt.

Die hat sich doch selbst erst in letzter Zeit umentschieden, sonst hätte sie doch vorher nicht jahrelang völlig konträres Zeugs rausposaunt hinter dem sie gar nicht steht....

Jede Wette drauf.
 
G

Gast

Gast
  • #16
Wenn in früheren Zeiten Mann und Frau zusammenkamen, war völlig klar, dass rasch geheiratet wird. Und Hauptsinn und -Zweck der Ehe war dann die Familiengründung. Sex war ja strenggenommen eh nur zum Kinderzeugen erlaubt und die meisten Menschen waren auch auf Nachkommen angewiesen - als Stammhalter, zusätzliche Arbeitskraft, Altersversicherung.

Heute leben wir in einer völlig anderen Gesellschaftsordnung - doch ich habe das Gefühl, dass sehr viele Frauen gedanklich noch in dieser früheren Zeit hängengeblieben sind. Das sieht man schon am Umgang mit Sex: er wird nicht als beglückende Erfahrung unbeschwert genossen, sondern wie eine Ware gehandelt und an Bedingungen geknüpft. Und Beziehungen werden, so mein Gefühl, häufig mit einer ganz bestimmten Absicht eingegangen. Man tut sich mit einem Menschen zusammen, um einen vorher festgelegten Lebensplan - i.d.R. eben Hochzeit, Kinder, Hausbau - zu verwirklichen. Der Partner ist mehr Erfüllungsgehilfe als geliebtes Individuum - so mein Eindruck.

Mir selbst ist diese Herangehensweise sehr fremd. Ich habe keinen "Plan" im Kopf. Schon allein deshalb, weil Pläne meiner Erfahrung nach eh selten aufgehen.

Da das "alte" Modell aber noch in so vielen Köpfen vorherrscht, ist es wohl klüger, zu Beginn einer Beziehung abzuklären, was die Erwartungen der Beteiligten sind. V.a. das Kinderthema würde ich so bald wie möglich thematisieren. Die Entscheidung für oder gegen Kinder ist m.M.n. wesentlich wichtiger als die Entscheidung für oder gegen die Ehe. Die Ehe ist letztlich nur eine Formalität; außerdem kann man sie jederzeit schließen. Kinder sind wohl der größte Einschnitt im Leben. Man hat dafür nur ein begrenztes Zeitfenster und kann sie dann nicht "rückgängig machen".
 
  • #17
Jede/r kann im Laufe seines Lebens seine Meinung, Einstellung, Überzeugung, etc. ändern. z.B. weil er sich weiter entwickelt.
Aber soll nicht von sich auf Andere schließen.

Wenn die Frau "älter" wird, und doch noch Gefallen an Ehe, Familie und eigene Kinder findet - schön für sie. Aber das muß nicht automatisch auch ihrem Partner gefallen, nur weil er auch "älter" geworden ist.

Meine letzte ex-Partnerin wollte mich sogar heiraten, und ein zweites Kind = ein Kind gemeinsam mit mir. (Nach mehreren Jahren zusammen leben, mit ihr und ihrem Kind. Also keine fixe Idee). Oder zumindest mit mir wieder zusammen kommen. Ich schätze, davon träumt sie noch heute.

Aber sie wird nie verstehen, warum ich das nicht haben wollte. (Zumindest nicht mit ihr.) Und warum meine Entscheidung dagegen - die bessere Entscheidung war. Obwohl wir Beide inzwischen Singles sind.

Frauen scheinen da anders zu denken, als die meisten Männer.
Die Frauen denken sehr emotional, und sehen nur ihre Vorteile dabei. Männer denken eher rational, und eher an die Nachteile für sich selber.

Beim Thema Ehe, Kinder, Familie etc. - ist man sehr vorgeprägt durch das eigene Elternhaus. Wie erging es seinen Eltern dabei ?
Befürchtet man das Gleiche bei sich ? Oder glaubt, es besser zu können ?

Es kommen zwei Menschen zusammen - aber aus verschiedenen Elternhäusern. Und ggf. verschiedenen Prägungen und Erfahrungen. Also auch dadurch möglich, dass sie nicht der gleichen Meinung sein werden.
 
  • #18
Und Beziehungen werden, so mein Gefühl, häufig mit einer ganz bestimmten Absicht eingegangen. Man tut sich mit einem Menschen zusammen, um einen vorher festgelegten Lebensplan - i.d.R. eben Hochzeit, Kinder, Hausbau - zu verwirklichen. Der Partner ist mehr Erfüllungsgehilfe als geliebtes Individuum - so mein Eindruck.

Ich verstehe nicht, was an einem Erfüllungsgehilfen für Möglichst-viel-Spaß haben besser sein soll als an deiner Beschreibung. Ich würde mich jedenfalls nicht als Individuum geliebt fühlen, wenn der Partner zwar Spaß mit mir haben will, aber sonst bitte keine gemeinsamen Ziele.

Insofern: Man sucht sich einen Menschen, der idealerweise den gleichen Plan fürs Leben hat und arbeitet daran gemeinsam. Wenn sich einer als "Erfüllungsgehilfe" sieht, sollte er darüber nachdenken, ob er den richtigen Partner hat und nicht beleidigt sein, weil dieser einen Plan für sein Leben hat und denkt, dass der Partner diesen mit-trägt.

Ja, Beziehung IST auf Kinder und Familie ausgerichtet. Weil nämlich ein großer Teil der Menschen immer noch nicht nur einen Sexualtrieb hat, sondern auch den Drang zur Arterhaltung. Völlig natürlich, auch wenn wir Fortpflanzung und Sexualität mittlerweile entkoppelt haben. Das liegt tief in uns drin und wird sich nicht durch ein paar Jahre neue Möglichkeiten plötzlich ändern.
 
  • #19
Ja, Beziehung IST auf Kinder und Familie ausgerichtet. Weil nämlich ein großer Teil der Menschen immer noch nicht nur einen Sexualtrieb hat, sondern auch den Drang zur Arterhaltung. Völlig natürlich,... Das liegt tief in uns drin und wird sich nicht durch ein paar Jahre neue Möglichkeiten plötzlich ändern.
Die meisten Paare in meiner Familie in meiner Generation - wollen und haben bewusst keine Kinder. (Lediglich zwei Paare haben Kinder)
Die Hälfte meiner Partnerinnen, wollte gar keine Kinder haben/bekommen.
Ich (m,53) habe bis heute keinen Drang auf leibliche Kinder oder gar Arterhaltung. (Habe aber einen Stiefsohn (13)
 
  • #20
Die meisten Paare in meiner Familie in meiner Generation - wollen und haben bewusst keine Kinder. (Lediglich zwei Paare haben Kinder)
Die Hälfte meiner Partnerinnen, wollte gar keine Kinder haben/bekommen.
Ich (m,53) habe bis heute keinen Drang auf leibliche Kinder oder gar Arterhaltung. (Habe aber einen Stiefsohn (13)

Ja und? Soll das jetzt die Widerlegung einer biologischen Gegebenheit sein? Wenn es um Sex geht, wird doch auch immer mit unserer "Natur" argumentiert. Und Kinder sind schon immer die logische Folge von Sex gewesen. Dass wir das mittlerweile verhindern können, ändert nichts an der ursprünglichen Verbindung.

In meiner nächsten Familie sind zwei Paare ungewollt kinderlos (das eine hat zu spät angefangen, beim anderen hat die Frau gesundheitliche Probleme), deshalb sind mein Mann und ich die einzigen, die Kinder haben. Im weiteren Familienkreis (alle älter als mein Mann und ich) gibt es allerdings jede Menge Familien, wo zum Teil schon Enkel vorhanden sind.

w, 47
 
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