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Gast

  • #1

Was machen, wenn man Angst hat, dass das Kind bestimmte Charaktereigenschaften hat?

Meine Frau und ich möchten ein Kind. Jedoch kommt meine Frau aus teilweise schwierigen Verhältnissen. Sie hat sehr unter ihrem alkoholabhängigen älteren Bruder gelitten. Der Vater verstarb sehr früh und die Mutter mußte arbeiten, daher war sie oft allein. Meine Frau hat Angst, dass unserer Kind ebenfalls ein Versager wie ihr Bruder werden könnte. Ferner hat sie eine Tante und eine Cousine, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, der Familie zu schaden und einzelne Personen zu peinigen. Meine Frau könnte es nicht ertragen, wenn das Kind diese Charaktereigenschaften erben würde oder diesen Personen in irgendeiner Weise gleichen würde.
 
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Gast

  • #2
Erst mal möchte ich euch sagen, dass es euch ehrt, dass ihr euch so viele Gedanken macht und natürlich nur das Beste wollt für euer Kind. Dass man entsprechende Ängste hat, gerade bei so einer Familiengeschichte, kann ich absolut nachvollziehen.

Ich denke aber, es ist sehr wichtig, innerlich etwas Abstand von den Geschichten zu bekommen, weil es auch passieren kann, dass man sehr viel in das Kind hineinprojiziert und ihm damit unrecht tut. Jedes Kind wird mal einen Fehler machen. Vielleicht lügt es mal, vielleicht trinkt es als Jugendlicher viel zu früh den ersten Alkohol...Dann gleich zu unterstellen "du bist wie die Tante" oder "genauso war es bei meinem Bruder auch" fände ich sehr krass. Damit schadet man mehr, als dass man nutzt, denn das Kind kommt sich total missverstanden vor und wird vielleicht dann erst recht über die Stränge schlagen (es gibt ja den Begriff der sich selbst erfüllenden Prophezeiungen).

Also: alte Geschichten abhaken. In erster Linie hat das Kind am meisten von euch. Ihr seid die Eltern und ihr werdet Positives weitergeben.

Alles Gute für euch!
 
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Gast

  • #3
Das eine sind angeborene, vererbte Eigenschaften, das andere sich vorgelebte und erlernte Werte. Von den aus eurer Sicht "schädlichen" Personen solltet ihr euch dann eben fern halten, alles andere hat auch etwas mit Liebe, Erziehung, Aufmerksamkeit und Wertevermittlung zu tun. Doch andererseits, du kannst nicht das komplette Leben deines Kindes voraussehen und vorausplanen. Entscheidet euch für oder gegen ein Kind, nach Katalog aussuchen, funktioniert nunmal nicht - und ein paar gute Eigenschaften werdet ihr doch auch haben - warum sonst, liebt du deine Frau???
 
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Gast

  • #4
Gibt doch auch Familien, wo es keine schwarzen Schafe gab/gibt und das Kind ist trotzdem ein total missratener Satansbraten. Was ich damit sagen will: Natürlich spielt Genetik eine Rolle, aber wichtiger ist, was man daraus macht!
 
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Gast

  • #5
In jeder Familie gibt es Menschen, mit denen man lieber nicht verwandt wäre. Glücklicherweise vererben sich Charaktereigenschaften nicht eins zu eins und du hast durchaus Steuermittel, um Kontakte zu Ekelpaketen aufs Mindeste zu reduzieren. Nur Mut, das wird schon...
 
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Gast

  • #6
Ich denke nicht, daß diese Charaktereigenschaften vererblich sind.

Aber weißt, ich hatte auch eine sehr lange Streßphase in meinem Leben bis hin zu Selbstmordgedanken und es dauert lange, bis man da wirklich rauskommt - bestimmt 5 Jahre. Ich weiß nicht, wie alt Deine Frau ist aber hat sie sich an Deiner Seite wirklich von allem lösen können oder nicht ? Geht es, den Kinderwunsch noch etwas aufzuschieben ?

Ich glaube auch, daß der beste Weg ist, wenn Deine Frau die Kontakte zur bisherigen Familie abbricht. Sie wird dadurch nur konfrontiert. Ich hatte im Netz mal mit einer Frau zu tun, die mit 14 vergewaltigt wurde und seitdem (bis sie so Anfang 20 war) jeden Tag an der Stelle vorbei ging, an der es passierte. Meinst, daß sie es wirklich schafft, einen Deckel über die Vergangenhiet zu kriegen, wenn sie dauernd konfrontiert wird ?

Druck ihr doch mal aus, was wir hier schreiben, wenn Du es ihr sagst, daß sie den Kontakt abbrechen soll, dann sagt sie "Ja klar das sagt der nur weil er ein Kind von mir will"
 
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Gast

  • #7
Hallo Nr. 1!

"du bist wie die Tante"
Sehr gut, dass du dies erwähnst.
Ich mußte mir immer anhören, "Du wirst doch nicht wie Deine ältere Schwester werden wollen."
Das ging mir wahnsinnig auf die Nerven als Kind und Jugendliche.
Ich war, bin und werde auch immer anders als meine Schwester sein.

Schönen Abend.
Grüße aus Zweibrücken.
 
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Gast

  • #8
Dieser wahnhafte Hang zum Perfektionismus ist wirklich schrecklich. Nach dem perfekten Partner nun auch das perfekte Kind. Natürlich hat jeder Mensch neben den vielen positiven Eigenschaften auch einige wenige negative. Ist es schon grausam, einen nicht perfekten Partner zu entsorgen, um wieviel grausamer ist es dann für Kinder, wenn sie aufwachsen (bereits gezeugt werden) mit der Vorgabe "Was machen wir mit ihm, wenn es nicht perfekt ist".
So, jetzt habe ich meiner Entrüstung Luft gemacht, und nur zur Praxis: In meiner Familie gibt es einen ganzen Schwarm hysterischer Weiber und in der meines Exmannes geistern einige Spieler. Natürlich beobachte ich einige dieser Eigenschaften auch bei meiner Tochter, aber die Hysterie hat sich zur durchsetzungsstarken Zielstrebigkeit entwickelt und die Spielernatur äußert sich in einem grenzenlosen Optimismus, dass sich die Problem zur rechten Zeit schon lösen lassen. In beiden Fällen habe ich etwas entgegengearbeitet, hysterische Anwandlungen ignoriert und bei Wetten immer den betrügerischen Charakter der Sache betont. Zusätzlich sind mir viele positive Eigenschaften aufgefallen, die sie offensichtlich von dem einen oder anderen Verwanden geerbt hat. Nicht zuordnen konnte ich natürlich jene, die erst in dritter oder vierter Generation wieder aufgetaucht sind.
Kurz: Jedes Kind ist eine bunte unvorhersehbare Mischung aus geerbten und aus der Umwelt übernommenen Eigenschaften. Wird es geliebt, werden sich diese Eigenschaften positiv entwickeln, wenn nicht, dann eben nicht. Im Übrigen hat #1 Recht.
 
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Gast

  • #9
Vielleicht hilft Dir " Erfahrungen mit dem Doppelgänger" aus " So laßt uns denn ein Apfelbäumchen Pflanzen- Es ist soweit" von Hoimar v. Ditfurth weiter
 
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Gast

  • #10
siri

wenn ihr euch über diese Ängste zu viel Gedanken macht, kann das zu einer "sich selbst erfüllenden Prophezeiung" werden.

Bei mir wurde immer befürchtet, daß ich wie meine Tante A.... werde. Wurde ich nicht, sondern viel schlimmer :)
 
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Gast

  • #11
Was macht ihr, falls euer Kind behindert zur Welt kommt? Oder Charaktereigenschaften aufweist, die in eurer Verwandschaft gar nicht vorkommen , euch aber auch unangenehm sind?
Warum wollt ihr überhaupt Kinder bzw ein Kind? Ein Kind ist ein Geschenk, und man sollte es so lieben, wie es ist, oder es bleiben lassen. Es gibt schon genug ungeliebte Menschen auf dieser Welt, mit all seinen Folgen.
 
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Gast

  • #12
Lieber Fragesteller,

ich habe eine 12 jährige Tochter. Als ich mit ihr in der 20er Woche schwanger war, habe ich erfahren, das der Vater des Kindes ein Alkoholiker ist. Ich saß bei der Chefärztin und habe sie heulend gebeten, mich davon zu befreien, so groß waren die Panik und Angst, dass mein Kind krank oder behindert zur Welt kommt. Die Ärztin sagte, es sei zu spät und sie übernehme keine Verantwortung in der 20er Woche. Sie sagte: "Schauen Sie mich an: Ich bin die Tochter eines Alkoholikers. Ich bin schön, intelligent und erfolgreich und habe einen Mann, 2 Kinder und einen guten Beruf". Sie sagte, ich solle doch bitte nach Hause gehen und mir Gedanken darüber machen, was ich auch gemacht habe. Meine Tochter ist heute 12. Ein gesundes, hübsches und sehr begabtes Mädchen. Sie spicht 4 Sprachen und ihre Sozialkompetens bewundere ich. Ich bin der Chefärztin ser dankbar für die Worte, die sie mir an dem Tag sagte. Der Vater meiner Tochter ist vor 4 Jahren an Akoholismus gestorben. Auch wenn ich nicht so viel Glück gehabt hätte, würde ich mein Kind genau so lieben, wie jetzt. Es gibt kene Versicherung. Keine, was Eheglück anbelangt und keine, was Kinder betrifft.
 
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Gast

  • #13
Lieber Fragesteller,
mein Ex hat einen Bruder. Dieser Bruder ist ein Nichtsnutz, kifft seit über 20 Jahren, sitzt nur zuhause rum (bei seiner Mutter) und macht ihr das Leben schwer.
Mit einer Frau hat er vier Kinder, sie bekam das erste Kind mit 16 Jahren. Sie erzieht diese 4 Kinder seit einigen Jahren alleine, hatte selbst nur den Hauptschulabschluss und lebte vom Sozialamt.
Aber sie ist eine wunderbare Mutter, die älteste hat Abitur gemacht und studiert jetzt.
Du siehst, auch unter diesen Umständen kann man erfolgreiche, gesunde Kinder grossziehen.

Eine liebe Freundin hat mir nach Jahren gestanden, dass ihr Vater Alkoholiker war. Sie und ihr Bruder sind gesund und tolle Menschen.

Zieht weit weg von ihrer Familie und werdet glücklich mit euren Kindern.
Alles Gute
 
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Gast

  • #14
Ich habe auch Angst ein Kind zu bekommen, da ich eine schreckliche Schwester habe.
Sie ist nach unserer Tante gekommen. Und die trifft man auch besser nicht.
Ich scherze immer, dass ich mir wie in dem Film Rosemaries Baby vorkommen würde, wenn ich schwanger wäre.
 
M

Marianne

  • #15
Es ist sagenhaft, worueber Leute gruebeln. Mir wird oft klar, warum manche Familien so sind wie sie sind.
Um Gottes Himmels Willen, Eure "Gedanken" und Sorgen koennen ja wohl nicht ernst sein! Die Welt waere ausgestorben mit Leutchen wie Euch.
 
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Gast

  • #16
#14
Wenn die Menschen ausgestorben wären, wäre dies ein Segen für die Tiere und die Natur.
Also sind diese Gedanken gar nicht so schlecht ;-)