• #1

Was mache ich falsch? Das Leben läuft anders als erhofft.

Hallo an alle,
ich richte mich an euch, weil ich mich frage, ob vielleicht auch einige von euch mit Anfang / Mitte 30 das Gefühl haben, dass ihr Leben anders gelaufen ist als ihr gedacht habt?

Ich hatte eine wunderschöne Kindheit. Ich bin sehr behütet aufgewachsen, meine Eltern haben eine glückliche Ehe geführt. Mein Bruder und ich waren gesund, es gab immer genug Geld, daher musste meine Mutter nicht arbeiten und hatte immer Zeit für uns. Letztlich hatte auch mein Vater bei sehr guter Bezahlung ein geringes Arbeitspensum. Wie sind schon als Kinder sehr viel als Familie gereist. Dazu kam dass ich noch das Glück hatte zweisprachig im Ausland groß zu werden. Kurzum: Eine Kindheit wie im Bilderbuch. Nach dem Abitur habe ich Medizin studiert. Meinen ersten Freund auch während des Abis kennengelernt. Mein Brunder hat auch eine tolle Frau kennengelernt und vor 4 Jahren geheiratet.

Nun zum jetzt: Heute bin ich 33 und Fachärztin. Ich arbeite in einem Krankenhaus, nicht selten 80 h die Woche, viel Schicht- und Wochenendarbeit, daher habe ich keine Hobbies mehr. Meine damals erste große Liebe hatte sich (ohne große Ankündigung) bereits im Studium von mir getrennt. Der Freund danach hat sich auch nach 4 J. für eine andere von mir getrennt. Jetzt habe ich einen 10 Jahre älteren Freund, der selbstständig ist. Er arbeitet noch mehr als ich, allerdings bei viel geringerer Bezahlung. Er ist lebenslustig, gebildet und sehr liebevoll.

Wir arbeiten so vor uns hin und fahren nur etwa alle 2 Jahre in den Urlaub, mehr ist zeittechnisch nicht möglich. Mir fällt auf, dass während wir versuchen unser Arbeitspensum geregelt zu kriegen, immer mehr Leute eine Familie gründen. Ich habe einfach das Gefühl, dass das Leben an mir vorbeizieht. Und aus genau diesem Grund habe ich meine Kindheit angesprochen. Ich bin in einer Traumwelt groß geworden, meine Eltern und selbst mein Bruder haben perfekte Beziehungen (beide haben ihre ersten Partner geheiratet und sind glücklich!!!) und befinde mich jetzt in einer Lebenssituation die absolut nicht dem damals vorgelebten Bild einer Familie entspricht. Ich weiß auch nicht wie ich das rauskomme oder was ich ändern kann? Wieso hat es bei meinem Bruder und meinen Eltern geklappt auf Anhieb eine unkomplizierte, glückliche Beziehung zu führen (bei denen sich immer alles wie von "alleine" geregelt hat) und bei mir sieht es immer nach Lebensabschnittspartnern aus? Ich frage mich immer öfter was ich falsch gemacht habe?
 
N

nachdenkliche

Gast
  • #2
Sag mal, meinst Du das jetzt wirklich ernst, was Du da schreibst? Mir fehlen gerade die Worte! Willkommen im Leben! Du tust mir wirklich Leid, dass es Dir so schlecht geht und das, obwohl es Dir Deine Eltern usw doch so anders vorgelebt haben? Mach Deine Ansprüche auf ein ebenso gutes Leben geltend, das ist Dein gutes Recht!...Mir bleibt die Spucke weg..mal sehen, was die anderen so schreiben, ich kann im Augenblick nicht mehr. Dir einen guten Sonntag ohne Sorgen!
 
G

Gast

Gast
  • #3
Deine Kindheit, wie Du sie beschreibst, ist weit weg von selbstverständlich. Die meisten wachsen nicht so wohlbehütet auf. Meine Kindheit war alles andere als toll und es wurde bis zum Abi immer schlimmer. Von daher, sei erst mal dankbar, dass dir so etwas passiert ist. Aber nehme es nicht als selbstverständlich. Die meisten Menschen müssen arg in ihrem Leben kämpfen.

Im Grunde ist dein Hauptproblem das sehr hohe Arbeitspensum. Hier solltest Du ansetzen und deine Möglichkeiten durchspielen, wie Du von dieser 80-Stunden-Woche wegkommst. Evtl. wäre eine Spezialisierung nicht schlecht und später die Selbstständigkeit? Hier solltest Du aktiv werden. Letztendlich kommt es darauf an, sich die Punkte anzuschauen, die einen stören und dann zu versuchen, Abhilfe zu schaffen. Das sorgenlose Leben kommt nicht von alleine und sehr viele erreichen deinen geschilderten positiven Zustand nie. Man hat auch nicht das Anrecht darauf, es lebenslänglich erleben zu dürfen ohne eigenes Bemühen. Wenns so läuft, dann ist es super. Wenn nicht, dann änder die Dinge, die Du nicht magst.
 
  • #4
Dein Leben wird halt komplett von deinem Job bestimmt. Das ist es, was ich meine, wenn ich an anderer Stelle schreibe, keine Karriere machen zu wollen. Die Konsequenzen sieht man ja bei dir: keine Zeit mehr für Hobbies, für den Partner, nicht mal für regelmäßigen Urlaub. Nur im Hamsterrad, das ist kein Leben für mich. Da nehme ich lieber weniger Geld in Kauf, ich lebe trotzdem gut und habe mehr vom Leben. Mit 33 ist es auch schon ziemlich spät für die Familienplanung, du solltest dich, wenn du einen Kinderwunsch hast, also beeilen. Ist es denn möglich, dass dein Partner vorübergehend die Familie ernähren kann oder verdienst du viel mehr als er bzw. seid ihr auf dein Gehalt angewiesen?
 
  • #5
Guten Morgen liebe FS,

Du bist behütet aufgewachsen, immer war jemand für Dich da, nie gab es Reibungspunkte, im Leben lief es immer gradlinig und aufwärts? Nun herzlich willkommen im wahren Leben! Es frisst seine arglosen Kinder.

Du hast verpasst oder Dir wurde die Gelegenheit genommen, eine eigene ausreichende Persönlichkeit zu entwickeln und mit ihr in Verbindung zu bleiben. Deine Arbeit ist Dein Lebenssinn und (Ersatz)Religion geworden. Jetzt stellst Du fest, dass das nicht alles sein kann, irgendwann, dass es vergänglich ist und welche großen Opfer Dir dafür abgepresst werden.

Mir ging es jahrelang genauso bis ich brutal auf das Niveau Null gezwungen wurde. Nun gibt es (wieder) viele schöne Dinge für mich. Ich wünsche Dir, dass Du freiwillig eine andere (Ein)Sicht gewinnst und einen anderen Weg gehst.

Veränderungen lohnen sich! Nur Mut!
 
  • #6
Liebe Kasy, Du arbeitest als Fachärztin nicht selten 80 h in der Woche? Da hast Du keine Zeit für Beziehung und eventuell Familie. Auch bei Dir hat der Tag nur 24 Stunden und auch Du musst essen und schlafen.
Warum bleibst Du im Krankenhaus? Du könntest eine eigene Praxis eröffnen oder Dir eine Gemeinschaftspraxis mit einem anderen Arzt teilen. Dazu braucht es natürlich etwas Mut. Willst Du die nächsten 7 Jahre bis zum 40 .Geburtstag weiter in dieser Tretmühle ackern? 80 h, Schichten und an Wochenenden und Feiertagen? Deine Arbeitszeiten lassen sich mit Familiengründung und Familienleben einfach nicht vereinbaren. Du bist jetzt nicht glücklich, also ändere etwas. Dein Freund kann als Selbständiger nicht viel ändern. Du kannst es. Fachärzte werden immer gesucht und ein Bankkredit wird kein Problem sein. Trau Dir das zu und gib Dir dieses immense Arbeitspensum nicht mehr. Auch Deiner Gesundheit ist das auf Dauer nicht zuträglich, aber das weißt Du ja. Handle jetzt und warte nicht noch jahrelang, dass sich etwas ändert. Ohne Dein Zutun ändern sich die Umstände nicht. Es liegt in Deiner Hand. Alles Gute!
 
  • #7
Liebe Kasy,
ich war in der gleichen Situation (bin Internistin). Mein Leben bestand nur noch aus Krankenhaus, 80-h-Woche und Schlafen. Kleider bestellte ich per Katalog. Hobbys konnte ich aus Zeitmangel nicht mehr ausüben, da es unmöglich war, sich auch nur EINEN Wochentags abends z.B. für Sportverein regelmäßig freizuhalten. Bekanntenkreis gleich Null, da ich alle 1-3 Jahre wegen befristeter Stellen umzog. Freunde hatte ich ab und zu, aber wenn jedes zweite Wochenende durch Dienst blockiert ist, wird der verliebteste Mann irgendwann sauer. Ich habe damals mein durch die Arbeitsbelastung komplett eingeschränktes Leben gar nicht in Frage gestellt, in unserem Beruf ist das halt so, dachte ich.
Bis mir ein Buch in die Hände fiel -Die Entscheidung liegt bei Dir von Reinhard K. Sprenger- das mir die Augen öffnete und mein ganzes Leben veränderte. Leider erst mit 35. Erst durch das Buch begriff ich, dass ich nicht gezwungen war, in dieser unglücklichen Situation zu verbleiben, sondern Konventionen und die Erwartungshaltung Anderer mir völlig den Blick vernebelt hatten. Ich beschloss, nur noch Teilzeit zu arbeiten. Leider hat die "Selbstfindung" mit Ausprobieren verschiedener Jobs (Praxis, Anästhesie-Weiterbildung, Tauchmedizin, Plasmaspende...) jahrelang gedauert, so dass der Zug mit Familie abgefahren war.

Die Suche hat sich aber gelohnt, ich arbeite jetzt nur noch als Honorararzt im Rettungsdienst (mein Traumjob!), mache 5 Dienste à 24 h im Monat, die 4.500 € brutto einbringen. Ich gönne mir 3 Monate Urlaub p.a.. Der Job wäre auch mit Kindern problemlos möglich, wenn man für nachts eine Kinderbetreuung hat. In der Klinik kriegt ein Honorar-Facharzt etwa 80 € pro Stunde!. Da hast Du mit einer Woche arbeiten fast das Gehalt, wie jetzt als Angestellte mit 80-h-Woche.

Wenn Du finanziellen Background hast, um die Altersvorsorge zusätzlich privat zu sichern, könnte das eine Option für Dich sein.Ich bereue meine Berufswahl (nur wegen der Arbeitsbedingungen, der Beruf selbst ist toll!) und die vielen im Job vergeudeten Jahre zwischen 25 und 40 übrigens zutiefst. Ich wünsche Dir sehr, dass Du einen besseren Weg findest und Dein Leben wieder geniessen kannst! Du bist jetzt in einer viel besseren Situation als ich damals (Ärzteschwemme), Du hast doch sehr viel Auswahl bei Stellen (oder hast Du eine wenig gefragte Fachrichtung?).

VIel Glück und lebe Dein Leben!!!

w 54
 
G

Gast

Gast
  • #8
Was du falsch machst, ist, dass du zuviel jammerst, statt dir darüber klar zu werden, was du alles hast. Du bist super ausgebildet, hast einen toll bezahlten Job und einen Partner. Das ist viel mehr als viele andere haben. Und wenn du meinst, dass du zuviel arbeitest, dann sieh' halt, wie du dich beruflich verändern oder das Arbeitspensum runterschrauben kannst. Das Leben ist halt kein Märchen. Abgesehen davon: Das Glück deiner Eltern ist ein risikoreiches, auf Sand gebautes. Wenn du als Frau heutzutage den Weg deiner Mutter gehst und selbst nicht arbeitest, dann braucht die Beziehung nur auseinander gehen, und das Leben ist plötzlich alles andere als bilderbuchmäßig, nämlich Einsamkeit + Armut + maximal schlechtbezahlter Hilfsjob, weil keiner einen noch einstellt, wenn man ewig nicht gearbeitet hat, und das Unterhaltsrecht stark geändert wurde. Ganz zu schweigen davon, dass auch der Mann arbeitslos werden kann und dann niemand da ist, der den finanziellen Verlust zumindest abfedern kann.


w, 30
 
  • #9
Liebe Kasy, was hat denn die Beziehung deiner Eltern und deines Bruders mit dir zu tun? Nichts, denn jeder Mensch ist anders, jeder hat ein anderes Schicksal, eine andere Bestimmung, ein anderes Karma wenn du es im spirituellen Sinne siehst.

Genauso könntest du auch fragen, warum bin ich gesund und lebe in sicheren Verhältnissen und kein armer Flüchtling der im Mittelmeer jämmerlich ersäuft....du wirst keine Antwort finden weil wir alle unterschiedliche Schicksale und Leben haben.

Sprich mit deinem Freund dass du gerne heiraten und eine Familie gründen möchtest, vielleicht kannst du deine Arbeitszeit auf Teilzeit reduzieren. Oder sag ihm dass du schwanger werden möchtest und steig dann eine Weile aus dem Job aus.....es ist wichtig dass du mit ihm darüber sprichst. Und wenn er partout keine Familie gründen möchte, würde ich mir überlegen ob ich weiter bei ihm bleiben möchte.

Ich wünsche dir alles Gute und Mut neue Wege zu gehen...
 
  • #10
Ist das ein Fake? Eine Frau mit der Grundintelligenz einer Medizinerin stellt solch eine Frage... Meine Mutter war auch eine. - Das wundert mich ehrlich gesagt.
Und ich weiß nicht recht, wo ich anfangen soll.
An erster Stelle lässt du außer Acht, dass sich die Lebensumstände der Beziehung deiner Eltern, sowie der Status deiner Mutter und dein heutiges Leben nicht nur unterscheiden, sondern gänzlich ungleich sind.
Hätte deine Mutter nicht auf eine Berufstätigkeit verzichtet, wäre es dir aufgrund der Umstände vielleicht niemals möglich gewesen, Medizin zu studieren. Wahrscheinlich wäre das Familienleben so angespannt verlaufen, dass du gar nicht genug Ruhe für ein 1er Abi gehabt hättest, um einen Medizinstudienplatz zu erhalten.
Vielleicht solltest du dir auch mal ansehen, ob denn die Frau deines Bruders auch in einer 80Std/Wo. tätig ist, oder überhaupt arbeitet.
Wenn deine Definition von perfekter Beziehung aus Heirat und Familile besteht, dann schau mal genau hin, wer da an welchen Stellen welche Dinge in seinem Leben nicht erreichen kann, damit diese "glückliche" Beziehung auch so erhalten bleibt, wie sie für dich nach außen scheint.
Dir sage ich das Gleiche, was ich einem Freund aus der Forschung antworte, wenn der mal wieder am Jammern ist. - Du hast in deinem Leben bereits jetzt etwas erreicht, wozu 98% der Bevölkerung niemals in ihrem Leben auch nur eine Chance hatten. Also blicke auf das, was du hast und nicht auf das, was du nicht hast. -
Und mal ehrlich. Auch in der Medizin wird niemand gezwungen 80Std/Wo. zu arbeiten. Du willst Karriere machen und das ist der Preis dafür.
Also schraube entweder dein Pensum runter und verzichte darauf, weilterhin das Sternchen in der Abteilung mit Aussicht auf den Oberarztposten (oder was auch immer) zu sein, um eine Famillie zu gründen. Oder lerne zu akzeptieren, dass niemand alles im Leben haben kann.
- MfG

m/36
 
  • #11
Ich würde nicht sagen, dass du was falsch gemacht hast, es sei denn du hast alles als selbstverständlich gesehen, weil es bei den anderen äußerlich gesehen alles geradezu von selber klappt. Der Fehler ist die zu hohe Arbeitszeit. Dein Leben findet nur auf der Arbeit statt, den Eindruck haben ja schon Leute die 40 Std./Woche machen, das nennt man übrigens Vollzeitstelle, also 100 %. Demnach hast du eine 200 % Stelle. Wenn du eine Familie willst, dann musst du kürzer treten. Und in der Minizeit in der du deinen Freund mal siehst rausfinden, ob der auch eine will. Dann muss einer von euch beiden für ca. 10 Jahre mal drastisch auf die Bremse treten und das machen was eure Eltern taten. Einer kann zuhause bleiben oder heute Teilzeit arbeiten. Was aber auffällt: Du scheinst ob du es merkst oder nicht deine Beziehung gegen die der Eltern und Geschwister als Nichts zu sehen, da eh "nur Lebensabschnittspartner". Sie hat schlicht nicht den Wert. Ist nicht vollständig. Wenn dein Partner für dich kein Lebenspartner ist, brauchst du das bisschen Zeit alle zwei Jahre auch nicht verplanen. Oder du gehst den klassischen Weg und heiratest den Oberstationskrankenpfleger ;-) Oder machst eine Artzpraxis auf?
 
  • #12
Ich hatte eine wunderschöne Kindheit. Ich bin sehr behütet aufgewachsen .... Ich bin in einer Traumwelt groß geworden

Liebe FS,
... und nun bist Du erwachsen und solltest ausgeträumt haben und in der Realität ankommen.
Du unterliegst einem großen Irrtum, wenn Du meinst, Dein Leben sei anders gelaufen als geplant. Es ist noch nicht gelaufen, Du hast erst knapp ein Drittel geschafft.
Wenn Du allerdings so weitermachst und nicht selber die Zügel in die Hand nimmst, dann ist es wirklich gelaufen.


Ich arbeite in einem Krankenhaus, nicht selten 80 h die Woche, viel Schicht- und Wochenendarbeit, daher habe ich keine Hobbies mehr.....Wir arbeiten so vor uns hin und fahren nur etwa alle 2 Jahre in den Urlaub, mehr ist zeittechnisch nicht möglich.
Das ist kein Grund zu heulen, sondern sich die Optionen zu überlegen. Ohne in der Klinik zu kündigen wird sich wohl nichts ändern:
- wenn Du kein Geld hast, eine eigene Prarxis zu gründen und keine Fachrichtung in der Du ohne kassenärztliche Niederlassung überleben kannst, dann lass' Dich in einem medizinischen Versorgungszentrum anstellen. Dann hast Du einen 8 to 5-Job und bist vom Papierkram befreit - natürlich mit dem Nachteil ein ganz normales Akademiker-Angestelltengehalt zu bekommen, mit einer 40 Stunden-Woche und 6 Wochen Urlaub
- wechsel' die Region und geh' in ein unterversorgtes Gebiet. Die kassenärztliche Verreinigung wird Dir den roten Teppich ausrolllen und Dich bei der Niederlassung unterstützen. Dann bestimmst Du selber wieviel Du arbeitest.

Das gleiche gilt für Deinen Partner. Wenn er erfolglos ist, macht viel Arbeit nicht viel Sinn. Dann muss man es ebne aufgeben und ins Angestelltenverhältnis wechseln, andere Chef sein und sich was sagen lassen.

Wer immer nur das Gleiche weitermacht kann nicht erwarten, dass was anderes passiert.
 
P

Provence

Gast
  • #13
Liebe Kasy, begreife, dass du kein Spiegelbild deiner Ursprungsfamilie leben musst. Du weißt gar nicht, ob du in der dir dort vorgelebten Form auch glücklich geworden wärest. Vielleicht meinst du das nur, weil du mit deinem eigenen Leben gerade so unzufrieden bist.

Was mich nicht wundert. Eine 80-Stunden-Woche lässt dir keine Zeit, die schönen Seiten deiner Tage überhaupt zu entdecken, geschweige denn, sie zu genießen. Erzähle mir nicht, dass sich das nicht ändern lässt, du kannst dich auf eine Dreiviertel-Stelle setzen lassen, dann verdienst du zwar weniger, machst vielleicht auch keine »Karriere«, doch würde ich all das sofort gegen mein Glück eintauschen. Mach dir klar, dass »einfach so vor sich hin arbeiten« eine unbefriedigende Lösung sein muss und ändere es. Du rennst einem Phantom hinterher, willst so sein, wie deine Eltern oder dein Bruder, bist aber eine ganz andere Person. Stehe zu dir, begreife dich und wende dich wieder neuen Hobbys zu, trenne dich von deinem jetzigen Freund, falls er dich (dann) nicht mehr versteht; du wirst, sobald du wieder eine eigene Persönlichkeit bist, früher oder später dem Mann begegnen, der passt und der bei dir bleibt.

Von alleine regelt sich nix. Auch wenn du das bei deinen Eltern und deinem Bruder meinst, so sehen zu müssen. Du musst dein eigenes Glück schon in die Hand nehmen (vorher, das wäre gut, deine Vorstellung von Glück vielleicht der Lebenswirklichkeit anpassen).
 
G

Gast

Gast
  • #14
Bei der Arbeitsbelastung gibt es kaum noch ein Privatleben.
Ich weiß wovon Sie sprechen, nach beruflichen Fehlschlägen fahre ich seit über 10 Jahren Geldtransport und habe ein ähnliches Arbeitspensum. Die meisten Leute können sich eine Arbeit mit über 300 h im Monat gar nicht vorstellen.
Bei mir ist allerdings die Rente schon in Sichtweite.

Können Sie nicht noch irgendwie beim Staat unterkommen?
Als Akademiker haben Sie dort gesicherte, gut bezahlte Arbeit mit geregelter Arbeitszeit und können Arbeit und Privatleben in Einklang bringen
 
  • #15
Das liegt an dem immer noch schwierigen Stand, den "Karrierefrauen" (furchtbares Wort) in unserer Gesellschaft haben. Männer suchen sich für die Familiengründung immer noch die nette und beruflich nicht ambitionierte Frau. Kannst du hier im Forum auch nachlesen. Bei deinem Bruder (der wahrscheinlich ja auch studiert und erfolgreich ist) sieht das anders aus. Der hat als Akademiker aus gutem Hause einen tollen Stand bei allen Frauen und war als Ehemann begehrt.

Mir geht es ähnlich und ich habe beschlossen, zur Samenbank zu gehen, falls ich bis ca 35-36 noch keinen Partner gefunden habe (geht ja unproblematisch z.B. in Dänemark).

Vielleicht wäre es eine Lösungsmöglichkeit, ins Ausland zu gehen - da, wo das Frauenbild anders ist?

Was ich aber nicht verstehe: Was ist denn mit deinem Partner jetzt? Was sagt der denn zu deinen Wünschen?


w30
 
  • #16
Du hast nichts falsch gemacht.
Du schreibst es selbst: du bist in einer Traumwelt groß geworden.
Jetzt bist du in der Realität aufgewacht. Dein Leben ist alles andere als schwer; es ist normal

Mein Mann und ich (Musiker/Geisteswissenschaftlerin) haben ein kleines Unternehmen gegründet, arbeiten kreativ und selbstständig. Urlaub? Hatten wir 7 Jahre lang nicht gemacht. Letztes Jahr konnten wir uns zum ersten Mal wieder eine nicht allzu lange Reise leisten, dieses Jahr werden wir es auch tun, sogar 3 Wochen sind geplant.

Du hast einen schönen Beruf und einen sehr anstrengenden. Junge Fachärzte und -ärztinnen arbeiten oft viel, im Krankenhaus natürlich auch im Schicht- und Wochenenddienst - aber 80 Stunden? Das ist zu viel. Sprich mit deiner Chefin oder deinem Chef. Du bist bald völlig ausgebrannt (vielleicht bist du es sogar jetzt schon) und dann nicht mehr leistungsfähig.

Was du über deinen Lebensgefährten schreibst, klingt doch gut.
Seid ihr glücklich miteinander? Habt ihr mal über Familiengründung gesprochen? Aus deinem Beitrag klingt heraus, dass du dir Kinder wünschst. Ja, du bist in dem Alter, in dem eine Frau darüber nachdenken sollte. Aber keine Panik.
Du bist angestellt, und du kannst ein Babyjahr machen. Du wärst nicht die erste Fachärztin, die Erziehungsurlaub nimmt und danach ihren Arbeitsplatz wieder bekommt. Nein, nicht mit diesem Pensum; da musst du eine Lösung finden. Rede mit deinen Vorgesetzten, frag Kolleginnen, wie sie es gemacht haben.

Das Hauptproblem scheint mir zu sein, dass du viel zu viel arbeitest. Das, was du da beschreibst, ist nicht gesund. Dein Leben besteht aus arbeiten, essen und schlafen.
Heute ist viel von work-life-balance die Rede. Ich hab diesen Ausdruck noch nie benutzt, weil ich ihn lächerlich finde: natürlich ist Arbeit auch Leben. Aber das, was du schreibst - nein, so geht es nicht. Setz da an; du wirst sehen, dass sich dann viele Probleme nach und nach lösen.

Ein ganz leichtes Leben wirst du wohl nie haben. Sehne dich nicht danach. Du hast die Chance, zu wachsen. Nutze sie.
Nimm die Herausforderung an. Du darfst jetzt lernen, für ein gutes Leben zu kämpfen. Das ist für dich ungewohnt und neu. Lass dich niemals entmutigen! Am Ende wirst du zu Recht stolz auf dich sein.

Ich wünsche dir Kraft und Mut und ein erfülltes Leben. Du schaffst es!
 
  • #17
Zwei Sachen fallen mir ein.

1. Es ist nicht "falsch", keine Kinder zu bekommen. Das Leben ist vielfältig und unermeßlich in seinen Möglichkeiten, es zu bestreiten. Das Leben zieht nicht an dir vorbei, auch dein Leben ist das Leben. Sicher könnt ihr versuchen, arbeitszeitlich etwas kürzer zu treten. Wenn du dich aber nicht gedanklich von der Vater-Mutter-Kind-Idylle aus Puppenhaus-Zeiten befreien kannst, wird dir dein jetziges Leben immer mehr zur Last werden. Dein echtes Problem ist nicht dein Leben, sondern deine Einstellung dazu.

2. Ich vermute, dass wenn du heute mit 33 an soetwas verzweifelst, dir ein Schlüsselerlebnis fehlt. Auch wenn einige Mitforisten #aufschreien werden - dir fehlt ein echter Tiefschlag im Leben. Du hast noch nie wirklich verloren, dir stand noch nie etwas unwiderruflich im Weg. Deswegen kannst du verklärt bis ins Windelalter zurückblicken und stehst gerade wie der Ochse vorm Berg. In deinem "Lebenslauf" gibt es keinen wirklichen Bruch. Ein Problem, dass ich bei meinen studierten Generation-Y Kollegen auch immer wieder sehe. Wenn die bei der Feuerwehr wären, würden wir alle abfackeln. Mit kritischen Problemsituationen kommen sie nicht zurecht, denn bisher lief ihr Leben immer vorgezeichnet und stromlinienförmig.
Für mich eine der wichtigsten Erfahrungen im Leben - das Scheitern.
 
  • #18
Liebe Kasy,

so eine Frage ist schwer und leicht zugleich.

Leicht, denn jede Situation will uns was sagen. Schwer, weil man es oft nicht gleich erkennt bzw. wahrhaben will, was es ist. Weil es oft mit Anstrengung verbunden ist, etwas zu ändern.

Du sagst selbst, du bist in einer Art Paradies groß geworden. Mir scheint, du hast nie viel für dein „Glück“ tun müssen. Es war einfach da.

Jetzt ist es anders. Du musst sehr viel tun (z.B. lange arbeiten). Du merkst, dass Wichtiges fehlt in deinem Leben. Wie wichtig, musst du selbst entscheiden. Und auch, was du dafür aufgeben willst und kannst. Also wieder: „richtig“ was tun dafür. Frage dich genau, was du möchtest und auch was dafür nötig wäre. Überlege, was du bereit bist zu ändern – und ohne Reue, auch wenn „es“ nicht klappt. Wenn wir uns Harmonie, Frieden, Freude und Ähnliches in unserem Leben sehr wünschen und nicht haben, verhindern wir es aus irgendeinem Grund meist selbst. Das zu erkennen ist nicht immer leicht, aber es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Verabschiede dich von dem Gedanken, dass alles „einfach so da ist oder kommt“. Es liegt an uns, dass wir es anziehen. Beobachte mal genau deinen Bruder und deine Eltern. Irgendwas „tun“ sie für ihr Glück. Und sei es, dass sie genau in der Gegenwart sind und genau das lieben, was sie tun. Viel Erfolg.
 
  • #19
Liebe Kasy,
du hast viel Schönes erlebt bisher, aber du hast eines offenbar nicht gebraucht und nicht gelernt, für dich selbst das Beste zu tun. Alles lief seinen Gang. Behütete Kindheit, Intelligenz, Studium, toller Beruf.
Alles, um das dich viele Menschen beneiden könnten.
Aber du bist unzufrieden mit deinem Leben. Wo war bis jetzt in dir starker eigener Antrieb gefordert, um Situationen zu verändern? Es gab wohl kaum welche. Du hast das Wichtigste im Leben nicht gelernt. Sich durch Krisensituationen zu entwickeln, nach dem Besten - für dich - zu streben und dies einfach zu tun.
Du kannst deine Situation jetzt als Herausforderung annehmen und dich nicht nur fragen, was du aus deinem Leben machen sollst, sondern in dich gehen und es tun. Ohne Hadern und Zaudern. Aus neuer Lust und Liebe zum Leben. Dann wird es auch gut gehen. Jedoch gibt es keine Garantie, dass du damit dauerhaft dein Glück findest. Es sind immer nur Entwicklungsschritte, die uns auch mal zurück werfen. Letztendlich hat aber alles seinen Sinn im Leben. Nur meist wissen wir es erst danach. Alles Gute für dich!
w ü50
 
G

Gast

Gast
  • #20
Das ist eine Einstellungssache. Das Leben verläuft immer anders als erhofft, und das macht es doch so individuell und einzigartig. Wir leben nicht in einem Drehbuch! Und bei dem Rest scheinen mir deine Erwartungen einfach zu überhöht. Ich würde sogar meinen, es gibt nur Lebensabschnittspartner, weil man sich ja auch selber ganz massiv verändert. Ich würde das positive daran sehen.

Du willst ein möglichst bequemes, geregeltes Leben. Einen guten Job, ein perfektes Familienleben, das wird es so aber wahrscheinlich gar nicht geben. Auch dein Bruder und deine Eltern haben im Gegensatz zu ihren Familien wahrscheinlich auch ihre Probleme und Bereiche im Leben, in denen es dafür nicht so klappt.

Wenn du allerdings keinerlei Hobbies mehr hast und dich überarbeitest, frage ich mich persönlich, weswegen man so einen Job überhaupt macht, wenn man herumjammert. Facharzt hin oder her, ich wäre damit nicht glücklich. Das Leben ist zu kurz für so etwas. Selbstverständlich ist auch deine Arbeit schuld, dass du niemanden kennenlernst. Du hättest für einen Partner ja eh keine Zeit, und ein Partner ist nicht dazu da, dir den Rücken zu stärken, während du deinen ganzen Eifer in den Job steckst. Eben gerade dann läuft dir der Mann weg und du merkst es nicht mal, wenn es in eurer Beziehung krieselt.

Viele Menschen haben das Problem, in heutiger Zeit ihre ganze Motivation in ihren Job zu stecken, das ist auch der Grund, weswegen eine ausgeglichene Partnerschaft einfach nicht mehr funktioniert.
 
  • #21
Du fällst gerade in ein Loch, weil du das, was du erreichen wolltest, erreicht ist. Du bist Fachärztin.
Ich hatte in deinem Alter auch beruflich erreicht, was ich wollte und wir lebten auch so vor uns hin. Unser Ziel war, Kinder zu bekommen, und dann bekam das Leben auch wieder Sinn.
Nicht jeder lernt auf Anhieb den Lebenspartner kennen und ich bin auch froh, dass ich andere Erfahrungen sammeln konnte. Wieso vergleichst du dich mit den anderen?

Überlege dir, was du möchtest. Wie sieht dein Plan aus? KH-Dienste bis 65? Man kommt da raus, wenn man es möchte, aber dazu muss man wissen, was man will. Wenn du nur andere beneidest um ihr vermeintliches Glück, wirst du deine Zufriedenheit nicht finden.
 
G

Gast

Gast
  • #22
Liebe Kasy,
ich habe vor Ärztinnen, die im Krankenhaus ein derartiges Arbeitspensum bewältigen und auf Freizeit und Urlaub weitgehend verzichten müssen, großen Respekt. Ich glaube, so ein Leben funktioniert nur, wenn man den Beruf, der einen so fordert, wirklich liebt und in seiner Arbeit aufgeht. Wie ist es denn bei Dir ?

Ich kenne eine Internistin, die eine gemeinsame Praxis mit einem Kollegen führt. Sie ist ab Donnerstagmittag nicht mehr zu erreichen, denn das lange Wochenende gehört ihrem Mann und ihren Kindern. Reich wird sie mit ihrer Praxis natürlich nicht.
Vielleicht wäre die Selbstständigkeit mit einer eigenen Praxis eine Lösung für Dich?

Wie sieht denn Freund Eure gemeinsame Zukunft ? Wollt Ihr eine Familie gründen ? Ist er überhaupt der Richtige für Dich oder siehst Du nur einen Lebensabschnittsgefährten in ihm ?
Du bist noch jung und kannst die Weichen noch stellen. Wohin soll der Zug denn gehen ? Das müsstest Du Dich als erstes fragen, finde ich.
 
G

Gast

Gast
  • #23
Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, eine eigene Praxis aufzumachen? Dass du das Gefühl hast, das Leben "zieht an dir vorbei" liegt offensichtlich daran, dass du im Moment nur lebst, um zu arbeiten. Selbst für deinen Partner bleibt dir kaum Zeit, geschweige denn, dass du Zeit für dich selbst hast...

Ich bin ebenfalls in einer Traumwelt aufgewachsen, vor allem was die Beziehung meiner Eltern zueinander angeht. Für mich war immer klar: Sowas will ich später auch! Ich war jahrelang Single, und plötzlich trat mein jetziger Partner auf den Plan. Seitdem bin ich selbst in einer sehr glücklichen Beziehung. Und, ehrlich, ich habe mich oft gefragt, warum es so gekommen ist. Letztendlich, glaube ich, war es einfach extremes Glück, dass wir uns überhaupt getroffen haben und sich unsere Vorstellungen von Liebe und Beziehung so gleichen. Während meiner Single-Zeit hatte ich öfter Sehnsucht nach Nähe, wusste aber immer, dass ich mich nur auf etwas einlassen möchte, wenn ich das Gefühl habe, dass hier was Dauerhaftes auf dem Level entstehen könnte, den ich mir wünsche. Hohe Ansprüche....

Den Partner fürs Leben zu treffen.. Ich glaube schon, dass es da noch kleine Wunder gibt. Es auch eine Menge Beziehungsarbeit dabei (die kann vll auch unbewusst passieren, trägt aber trotzdem zur Stabilität der Beziehung bei). Gerade, wenn es immer so "unkompliziert" läuft, wie du schreibst.
Wie siehst du denn deinen jetzigen Partner? Auch nur als Lebensabschnittspartner?

Ich denke nicht, dass du etwas falsch gemacht hast. Eher glaube ich, dass dich dein jetziger Job in deiner persönlichen Entfaltung stört. Und dazu zählt eben auch die Verwirklichung deiner Liebes- und Beziehungsideale, die du in deiner Familie vorgelebt bekommst...
 
  • #24
Ich bereue meine Berufswahl (nur wegen der Arbeitsbedingungen, der Beruf selbst ist toll!) und die vielen im Job vergeudeten Jahre zwischen 25 und 40 übrigens zutiefst. Ich wünsche Dir sehr, dass Du einen besseren Weg findest und Dein Leben wieder geniessen kannst!

Hallo Kollegen :)
Merke dir diesen Satz, er ist Gold wert. Du wirst nicht jünger. Und als Frau wirst du auch nicht attraktiver.
Kein Mann will eine Frau mit 80-Stunden-Woche und dicken Augenringen.

Also veschwende deine besten Jahre nicht in der Arbeitswelt, wenn du es dir leisten kannst. Und als Fachärztin kannst du es dir sicher leisten.
Du ackerst dich kaputt, damit die Aktionäre noch mehr Rendite rausholen können? Würde ich nicht machen.

Was spricht denn gegen 70% und 19 Wochen Urlaub im Jahr?

Als psychiatrisch tätiger Mensch vermute ich mal, Definition
des Ichs über Leistung? Ich habe nur als (über)produktiver
Mensch einen Wert? Ein Irrglaube.

Welche Fachrichtung?
 
G

Gast

Gast
  • #25
Wieso hat es bei meinem Bruder und meinen Eltern geklappt auf Anhieb eine unkomplizierte, glückliche Beziehung zu führen ...? Ich frage mich immer öfter was ich falsch gemacht habe?
Kann ich Dir sagen: Du verhältst Dich wie ein Mann, was den Beruf angeht.
Dein Bruder hat eine Frau, die sich vermutlich ganz der Familie widmet. Er lebt sicher das nach, was Deine Eltern vorgelebt haben. Du lebst aber nicht wie Deine Mutter bzw. willst so nicht leben. Sonst hättest Du wie so viele Frauen Dein Studium benutzt, um einen Mann kennenzulernen und ihn bei seiner Karriere zu unterstützen, ihm den Haushalt zu machen und Kinder zu kriegen. Ihm eine Familie zu schenken eben.
Warum die Dich verlassen haben, weiß ich natürlich nicht. Aber ich bin sicher, dass von den Männern eine anschmiegsame und flexible Frau gewünscht wird, die nicht selber versucht, wie ein Mann zu arbeiten, sondern ganz in der Beziehung aufgeht und sich anpasst. So war im übrigen auch mein Ex. Die Frau soll gern einen "niederen" Job machen wie Putzen oder Kasse, solange er nicht genug verdient. Aber auf keinen Fall irgendwas Ambitioniertes in Sachen Beruf. Sie soll brennen für die Beziehung und nicht für so ein Egoziel wie Karriere. Dazu kam so eine Attitüde, dass er sich erstmal überlegen muss, was er als Karriere so machen will, denn es kommt nicht alles für ihn in Frage. Solange sollte ich das Geld ranschaffen, aber nicht durch diesen Egotrip, unabhängig sein zu wollen, irgendwelche beruflichen Ziele zu haben, wo er mir dann vielleicht noch den Rücken freihalten muss. Die wollte er haben und irgendwann großes Geld verdienen.

Was ich mir vorstellen kann ist, dass Du nie wie Deine Mutter werden wolltest. Keine Ahnung, ob Du nicht unterschwellig wahrgenommen hast, dass sie auch unzufrieden war oder abhängig und deswegen unglücklich oder zumindest in einer Situation zementiert. Aber die Männer, die Du beim Studium triffst, sind meist so wie Dein Vater. Sie wollen genau so eine Frau wie Deine Mutter.

Wenn Familie nicht Dein Ding ist, verwirkliche Dich im Beruf. Wenn nicht, überlege, wie Du beruflich kürzer treten kannst. Du musst keine Familie gründen, wenn Du das eigentlich nicht willst, aber es sich nunmal so "gehört" und alle anderen es machen.
 
  • #26
Im Grunde kann ich die FS verstehen.
Mir geht es ähnlich, sehr stabiles Elternhaus, keine Scheidung, auch bei den Großeltern nicht - alles moralisch im Lot auch finanziell.

Mein Bruder heiratete seine erste feste Beziehung, mittlerweile über 25 Jahre her, stabil, harmonisch.

Meine ehem. Freundinnen, ab 30 alle verheiratet, ich war da noch voll am ausgehen und Party machen, am reisen und beruflich weiter durchstarten. Mit Mitte 30 hatte ich dann eine Krise, der alte Freundeskreis war verheiratet, am bauen und bekam Kinder.
Ich lebte noch wie mit 20 sozusagen.

Ein Neubeginn stand an: neue Netzwerke bilden, Partnersuche habe ich nie aktiv betrieben, dazu bin ich wohl doch zu selbständig und gehe ungern Kompromisse ein, die mein Freiheitsgefühl einschränken. Es ergaben sich zwar Beziehungen zu Männern, aber niemals kam ein Zusammenziehen infrage.

Im Grunde vergleiche ich mich heute nicht mehr mit andern, viele Freunde haben im Grunde keine gute Ehe, ein Problem dass ich nicht habe. Ich bin unabhängig und niemandem Rechenschaft schuldig, ich habe mich daran gewöhnt und ich kann mir nicht vorstellen dies zu ändern.

Wenn ich für und wider abwäge muss ich sagen, ich habe selbst entschieden und mache nicht das "Schicksal" oder sonstwen dafür verantwortlich. Den Mann, mit dem ich mir ein Leben mit allem drunter und drüber hätte vorstellen können und dem ich mein Herz gegeben hätte, trat nicht in mein Leben und fertig.

Dennoch freue ich mich für alle Paare die das erlebt haben.
Es ist nicht jedem gegeben - aber das Leben kann auch ohne festen Partner unglaublich spannend, überraschend und vielseitig sein.
 
  • #27
Ich arbeite in einem Krankenhaus, nicht selten 80 h die Woche, viel Schicht- und Wochenendarbeit, daher habe ich keine Hobbies mehr.
Mir ging es beim Lesen wie #1! Aber jetzt mal hallo!
Für mich ganz einfach zu erklären, da brauch ich kein Arzt sein:
Du hast dich selbst in eigener Persönlichkeit über Jahre sehr vernachlässigt und hast dich zu 100% auf das Funktionieren und Existieren eingestellt, nicht auf deine persönliche Bedürfnisse, nicht auf ein selbst bestimmtes Leben! Hast deine Zügel in fremde Hände abgegeben, die dich voll so führen, wie du ungewollt geführt wirst. Keine Zeit für sich selbst haben und nehmen, keine Zeit und keine Inspiration/Muse für eine tägliche Selbstreflektion!
Selbstreflexion ist so wichtig!
Seit schon langer Zeit stelle ich mir jeden Abend vor dem Schlafengehen 6 Fragen. Zum Beispiel: Was habe ich heute gelernt? Bin ich mit meinem Leben aktuell glücklich und zufrieden? Oder: Wofür bin ich heute dankbar? Dieser kurze Moment der abendlichen Reflexion ist eine unglaubliche Bereicherung für meinen Alltag geworden. Denn es ermöglicht mir, mir Dinge bewusst zu machen, die sonst im Unterbewusstsein verloren gegangen wären. Das macht nicht nur glücklich, sondern liefert mir auch wertvolle Erkenntnisse über mich und mein Leben.
Es gibt genügend Raum und Zeit im Alltag um regelmäßige Selbstreflexion machen zu können, vorausgesetzt man ist sich das selbst wert, sonst existiert man nur für andere ohne echt selbst zu leben!

Fragen helfen einem weiter, aber es gibt auch Fragen die gestellt werden müssen, die unsere Gesellschaft betreffen. Muss ich jede Entwicklung mitmachen, bzw. erdulden?

Bin ich nur beliebt und erfolgreich, wenn ich alles mitmache, was andere von mir erwarten und wie hoch ist der Preis dafür?

Zum Beispiel haben viele Menschen keine Zeit mehr zum Durchatmen, genau so wie du in deinem beschrieben Fall.
Warum müssen wir immer mehr arbeiten, obwohl wir dank Maschinen und unglaublichem Fachwissen 100 Mal mehr leisten als früher.
Warum konnte früher ein ungelernter Arbeiter eine Familie ernähren, und warum kann sich heute ein gut ausgebildeter Fachmann kaum noch eine Wohnung in der Stadt leisten.
 
  • #28
Ich arbeite in einem Krankenhaus, nicht selten 80 h die Woche, viel Schicht- und Wochenendarbeit, daher habe ich keine Hobbies mehr.

Diese Fragen sollte man sich stellen, wenn man mit der Selbstanalyse nicht weiter kommt.

Unser eigener Einflussbereich sollte größer sein, als der von Außen!
Auch die Psychologie müsste langsam begreifen, dass unser Umfeld einen gewissen und großen, negativen Einfluss auf unser Leben hat. Und bei einer Selbstreflexion bekommen wir nicht unbedingt alle Antworten geliefert.

Deshalb funktionieren auch die meisten Therapien nicht, wenn ein gestärkter Klient aus seinem geschützten Bereich direkt wieder in den Reißwolf (unser funktionierendes System) marschiert.

Es ist eine Frage der Zeit, wann er hilfesuchend und zerfleddert wieder diesen geschützten Bereich aufsucht. Oder er flieht in körperliche Krankheiten oder in die Sucht. Auch arbeiten kann zu einer Arbeitssucht führen. Der Betroffene zeichnet sich in erster Linie durch überdurchschnittlichen Arbeitseinsatz aus, der mehr und mehr zu einem krankhaften Suchtverhalten führt. Arbeitssucht tritt meist bei Menschen auf, mit überdurchschnittlichem (auch krankhaften) Ehrgeiz. Jede Sucht ist eine Krankheit, das weißt du!

Das und noch viel mehr müsstest du als Ärztin wissen und deshalb für dich auch immer gut umsetzen können und auch wollen. Stell dir vor ein Patient kommt mit deinem Problem zu dir, um sich von dir fachärztlich beraten zu lassen, was sagst du diesem Patienten, kannst du da Vorbildfunktion mitteilen und ausstrahlen?
Schönen und entspannten Sonntag!
 
G

Gast

Gast
  • #29
Das ist natürlich sehr bitter, wenn man mit Mitte dreißig erst Fachärztin ist, eine Beziehung mit einem gut verdienenden lebenslustig, gebildet und sehr liebevollen Mann hat und als einziges Problem, dass man in der Hauptaufbauphase der Karriere nicht jedes Jahr in Urlaub fahren kann und noch keine Kinder "vorzuweisen" hat.
 
  • #30
@LiebesKind: Aber was hatte deine berufliche Umorientierung mit Kinderkriegen zu tun. Ab dem Moment, wo d nicht mehr deine 80h/Woche hättest, hättest du doch wieder mehr Zeit gehabt auch wenn der endgültige beruf dann noch nicht festgestanden hat.
 
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