M

markt

  • #1

Was hat er, was ich nicht habe – Eifersucht als Folge von Sexentzug?

Ich habe neulich mit einem Kollegen über „wenig Sex in der Partnerschaft“ und Eifersucht diskutiert. Wirklich sehr spannend: Er war der Ansicht, dass Männer, die ein ausgefülltes Sexualleben haben gar nicht eifersüchtig sind, weil sie zufrieden und satt sind. Ihnen mangelt es an nichts. Wenn das jedoch nicht der Fall ist müsste man sich ständig Sorgen machen, dass die Freundin anderen das erlaubt, was sie einem selbst verwehrt. Was meint Ihr? Ist da was dran?
 
  • #2
Nein, ich glaube, dass das zu laienpsychologisch gedacht ist.

Eifersucht ist in normalem Rahmen eine natürlich und gesunde, biologisch-evolutiv optimierte Gefühlsregung. Eifersucht ist ein Gefühl, das auftritt, wenn die eigenen sozialen Bindungen durch Dritte gefährdet erscheinen, insbesondere natürlich partnerschaftliche Bindungen, aber auch solche zu Vorgesetzten, Freunden oder Eltern. Eifersucht hat offensichtlich evolutive Vorteile, denn das Gefühl warnt, wenn eine solche Gefährdung auftritt.

Eifersucht ist erst dann übertrieben und störend, wenn sie eben außerhalb des normalen Rahmens auftritt, zum Beispiel in Situationen, die ungefährlich sind und die eigene Beziehung gar nicht bedrohen, oder wenn das Ausmaß der Eifersucht in keinem angemessenen Verhältnis zu der Bedrohung steht.

Es mag nun im Einzelfall so sein, dass regelmäßiger, intensiver Sex dazu führt, dass Dein Kollege sich in seiner Beziehung sicherer fühlt und daher weniger eifersüchtig reagiert, weil er sich angenommener, fester, sicherer in der Partnerschaft fühlt. Ich denke aber nicht, dass dies generell mit der Sexhäufigkeit zusammenhängt, sondern viel eher damit, dass sich Partner gegenseitig ohnehin das Gefühl geben sollten, dass der anderer sich ihrer sicher sein kann, dass er geliebt und begehrt wird und kein anderer Partner gesucht wird. Wenn das erfüllt ist, dann kommt Eifersuht eben auch viel weniger auf. Denn zurück zur evolutiven Ursache: Wo keine Bedrohung wahrgenommen wird, tritt auch keine Eifersucht auf. Je sicherer man sich seiner Partnerschaft ist, desto weniger Eifersucht. Auftretende Eifersucht hat daher nicht unbedingt nur damit zu tun, dass sich jemand unsicher fühlt, sondern vorallem auch mit dem vorhergehenden Kommunikationsdefizit, dass der Partner einem offensichtlich dieses Gefühl der Sicherheit nicht ausreichend vermittelt. Eifersucht ist regelhaft ein Problem beider Partner, nämlich ein Problem der Kommunikation und des Zeigens von Gefühlen.

Allerdings gebe ich dann ganz zum Schluss doch noch Deinem Kollegen insofern recht, als dass zumindest der Umkehrschluss durchaus beachtenswert ist: Wenn das Sexualleben nicht mehr passt, dann ist das oft ein Alarmzeichen für die Qualität der Partnerschaft und insofern auch ein gerechtfertigter Anlass für Eifersucht -- denn dann ist die Partnerschaft oft tatsächlich bedroht, egal ob konkret durch einen anderen Kandidaten oder generell durch Wackeligkeit der Beziehung.
 
J

Johann

  • #3
Hmh, ganz spannende Theorie und Frage...Ja ich kann mich der Meinung meiner Vorrednerin nur anschliessen: Eifersucht hat mit Sicherheit etwas mit natürlicher Verlustangst zu tun, aber nur in normalem Rahmen. Ich finde Eifersucht hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun..Wäre es denn nicht merkwürdig, wenn niemand mehr eifersüchtig wäre? Ich würde mich dann auch fragen: Wieviel bedeute ich Ihm eigentlich, wenn das so offensichtlich kein Problem ist, wenn man sich beispielsweise auch mit anderen attraktiven neu (!!) kennengelernten Männern oder Frauen trifft und hier nicht einmal eine Nachfrage kommt...Ich glaube viele Männer (ich gehöre unter Anderem auch dazu) sind sehr wohl eifersüchtig, aber wollen das der Partnerin nicht zeigen oder sich selbst eingestehen...Das mit dem Sex kann ich allerdings auch nachvollziehen (sehr guter Gedanke auch von Frederika): Wenn ich mein Partner plötzlich keine Lust mehr auf Sex hat, ist das natürlich schon irgendwie merkwürdig und gilt es weiter zu beobachten! Würde Dir also grundsätzlich schon recht geben...
 
  • #4
Dein Kollege hat Recht, wenn er meint, dass ein Mann, welcher in der Partnerschaft ein ausgefülltes und befriedigendes Sexualleben hat, wenig Grund zur Eifersucht hat.
Vorausgesetzt beide Partner haben ein ähnliches Sexualbedürfnis, in Bezug auf Häufigkeit, Intensität, Sexualpraktiken und Experimentierfreudigkeit. So hat keiner der beiden Partner einen Grund fremdzugehen oder eine längere Affäre zu beginnen.

Die Sexualität ist in einer gut funktionierender, ergänzender Liebesbeziehung das stärkste "Bindemittel". Das Hormon Oxitozin, welches beim Höhepunkt ausgeschüttet wird, ist dafür verantwortlich, dass Paare sich längerfristig aneinander binden, um Nachkommen zu zeugen. Darum denke ich, dass keine aussenstehende Person im Stande ist, dass Paar zu entzweien.

Eifersucht entsteht wie @2 schreibt, in den meisten Fällen aus Verlustängsten. Wenn einer der Partner bereits in der Kindheit einen schmerzhaften Verlust eines geliebten Elternteils durch Tod oder Scheidung erlitten hat, wird zeitlebens von stärkerer oder schwächerer Eifersucht geplagt sein. Die erwachsene Person will niemals wieder DEN VERLUSTSCHMERZ der Kindheit erleben. Darum wird sie aus Eifersucht und ANGST seinen Partner zu verlieren, nicht nur vermehrt kontrollieren, sondern sogar ihm Seitensprünge unterstellen. Mit seinem Verhalten treibt der Eifersüchtige seinen Partner erst Recht in die Arme eines anderen. Wenn der eine ZU STARKE VERLUSTÄNGSTE hat, dann nützt die schönste und beste Sexualität auch nichts.

Der Partner aber kann dem Eifersüchtigen, obwohl er ihn sehr liebt und ihm das auch regelmässig versichert, leider NICHTS bewirken. Die tiefsitzenden Ängste, welche dem Eifersüchtigen nicht bewusst sind, lassen sich in einer therapeutischen Behandlung aufdecken und verarbeiten.
 
G

Gast

  • #5
Dein Kollege hat insofern Recht, als Bedürfniserfüllung die Voraussetzung dafür ist, nicht eifersüchtig zu sein, bzw. umgekehrt Eifersucht auf unerfüllte (vielleicht sogar zuweilen unerfüllbare...) Bedürfnisse hinweist. Allerdings ist das nicht nur eine Frage von Sex. Selbst wenn man ständig Sex mit einer Frau hat, kann man eifersüchtig sein. Dann fehlt eben was anderes. Aber war das nicht von Anfang an klar ?

m41