• #61
Wenn ich das hier so lese dann frage ich mich ernsthaft, ob ich es mit erwachsenen Menschen zu tun habe.

Warum geht jemand in eine psychosomatische Kur?

Meistens sind es doch psychische Probleme, die nie aufgearbeitet wurden. Dies wird in einer Kur dann gemacht.

In den meisten Fällen spielt doch das familiäre Umfeld eine große Rolle bei den Problemen. Sehr oft wird doch selbst heutzutage eine psychische Erkrankung nicht für Ernst genommen. Die meisten stehen als Faulenzer dar, die keine Lust zu Arbeiten haben.

Durch die Erkrankung ziehen sich viele Personen zurück, man sollte einfach mal die Symptome googlen, egal ob bei Burn-Out oder anderen psychischen Erkrankungen.

Aber diese Symptome werden im Familienkreis belächelt - im besten Fall. Keiner gibt sich die Mühe, sich schlau zu machen. Das ist aber dann nicht nur das einzige Problem, dass in der Beziehung besteht.
In der Kur kommen die meisten Leute dann darauf, wo das Problem liegt, nämlich sehr oft in der Beziehung, die schon vorher einen großen Knacks hatte, man es sich aber nicht eingestehen wollte.

Dann kommt die Hilfe, man wird stärker, die Probleme bekommt man in den Griff - wenigstens teilweise - und dann ist es der nächste logische Schritt sich von dem zu trennen, was einen Krank macht.

Und das kann dann auch der Partner sein.

Dann die Schuld bei der Kur zu suchen ist natürlich der einfachste Weg. Das man selbst einen großen Anteil daran hat, wird natürlich verleugnet, ist ja auch einfacher so.

Vielleicht in der nächsten Beziehung auch mal auf den Partner eingehen, denn wenn die Beziehung stark ist und der Patient die nötige Unterstützung im familiären Umfeld erlebt, dann wird auch eine Kur kein Trennungsgrund werden.
 
  • #62
Deine Intuition lässt darauf schließen, dass Du ein "Patient" bist oder warst.
Es ist leider aber eben nicht so einfach wie Du es Dir hier zurecht schreibst.
Meistens sind es doch psychische Probleme, die nie aufgearbeitet wurden. Dies wird in einer Kur dann gemacht.
Das alles geschieht, wenn es denn geschieht - das setzt nämlich Ehrlichkeit zu sich selbst voraus-, in einem "gesicherten Umfeld" OHNE Einbindung des Partners oder des Lebensgefährten. Das kann man gut finden oder nicht, es ist halt KEINE Hilfe für die Partnerschaft sondern außschließlich für den Patienten.
Gerade in dieser Konstellation kommt es sehr auf die Therapeuten an, ob sie erkennen was der Realität entspricht oder eben nur der Blickwinkel des depressiven Patienten sein kann.
Dann kommt die Hilfe, man wird stärker, die Probleme bekommt man in den Griff - wenigstens teilweise - und dann ist es der nächste logische Schritt sich von dem zu trennen, was einen Krank macht
Wunderbar wie Du selbst diesen Konflikt benennst. Trenne Dich von dem was Dich krank macht !!!! Das Depressionen im behandlungswürdigem Umfang eine von "Anderen" übertragene, ausgelöste Krankheit sei und man sich nur trennen brauche und alles wird gut, ist wohl die bequemste Lösung von allen. Erstaunlicherweise wird das oft mit dem Slogan...Nimm endlich Dein Leben selbst in die Hand. Tschaka tschaka... verwechselt. Das es dabei um Selbsterkenntniss zum Krankheitsbild, um seine bisherige Entwicklung gehen soll....nun ja...... ist mit Sicherheit viel anstrengender als einfach das "Beil" rauszuholen.
Grins....Es wird nahezu immer der Partner "geopfert". Das geht am leichtesten und man ist frei fürs neue Leben ohne Depressionen. (Ironie off)

Das Angehörige oder Partner dann von solchen urgewaltigen Trennungsfeldzügen überrollt werden und die Therapie dann dafür verantwortlich machen ist zwar auch nicht richtig, aber zumindest nachvollziehbar. Oder ??
 
G

Gast

Gast
  • #63
Das Angehörige oder Partner dann von solchen urgewaltigen Trennungsfeldzügen überrollt werden und die Therapie dann dafür verantwortlich machen ist zwar auch nicht richtig, aber zumindest nachvollziehbar. Oder ??

Zum letzten Absatz. Der Betroffene, der (vielleicht auch zum ersten Mal in seinem Leben) von einer urgewaltigen und für ihn oft lebensbedrohlichen "Urgewalt" der Akutphase der Depression überrollt wird, dürfte sich ebenfalls so ziemlich am äußersten Limit des für einen Menschen erträglichen befinden.

Dieser Umstand ist den verlassenen Angehörigen hier aber nur Bemerkungen wie "Wir hatten doch so eine gute Beziehung" oder vielleicht auch "Es war so anstrengend mit ihm/ihr" wert. Die Problematik und die Wahrnehmungswelt der depressiven Partner wird vollständig ausgeklammert, vermutlich eher aus Überforderung und aus Nicht-Verstehen-Können denn aus tatsächlicher Gleichgültigkeit.

Wer mit einem jahrelang oder mittel-bis schwer Depressiven zusammenlebt, ein vollkommen normales Leben/ eine ebensolche Funktionsweise erwartet und nach der Trennung nur über die eigenen schlechten Gefühle und den ihn überraschenderweise überrollenden Güterzug klagt, der eignet sich nicht wirklich als (empathischer) Partner. Es gibt einiges an fachlich fundierter Fachliteratur, die sich jeder selbst anlesen kann, was von den meisten Angehörigen in der Regel aber nicht praktiziert wird. Ich war auf mehreren Angehörigentreffen und das Nichtwissen dort ist einfach nur erschreckend.

Von "Warum ist er so gefühlskalt und liebt mich nicht mehr" bis zu "Er stellt sich absichtlich blöd an und will einfach nicht gesund werden", weil nach den ersten sechs Monaten nach einer akuten Episode noch keine vollständige Heilung eintrat, bis hin zu esoterischen Ansätzen war so ziemlich alles an geballten Nicht-Wissen-(Wollen) dabei.
 
  • #64
Es ist doch unsinnig, den Therapeuten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Sie machen ihren Job. Das heißt, sie arbeiten mit dem depressiven Patienten und nicht mit dem psychisch gesunden Partner/in. Was der Patient mit ihnen bespricht, DÜRFEN sie dem Partner gar nicht mitteilen. Depressiv können verschiedene Lebensumstände machen. Auch u.a.eine belastende Beziehung. Nun schreit der Partner/in beleidigt"Stimmt nicht, unsere Beziehung ist so toll". Der Kranke sieht es mit räumlichen Abstand offenbar anders und zieht am Ende die Konsequenzen. Man sollte sich und seine Beziehung, spätesten, wenn ein Partner psychisch krank geworden ist, ehrlich reflektieren. Natürlich tut das auch weh, aber der Kranke braucht die Wahrheit, um aufarbeiten und gesunden zu können. Beziehungen, die einen über die Jahre krank gemacht haben, sollte man beenden. Ein Zusammenbleiben auf Kosten der Gesundheit mindestens eines Partners ist egoistisch.
 
G

Gast

Gast
  • #65
Ich komme gerade frisch aus so einer Reha und habe folgende Beobachtungen gemacht:

Meine Mitpatienten steckten bis auf wenige Ausnahmen in festen Beziehungen/Ehen. Und zwar, und jetzt kommt der entscheidende Punkt: oftmals in äußerst problematischen, destruktiven Beziehungen. Natürlich habe ich nur die Sichtweise der betroffenen Patienten hören können; nicht die Einschätzung der Partner. Mag sein, dass einiges verzerrt dargestellt wurde. Jedenfalls wurden mir schlimme Dinge berichtet: Betrug, Demütigungen, Bevormundungen, Ungerechtigkeiten. Umstände, die kein psychisch gesunder Mensch hinnehmen sollte. Die Betreffenden jedoch hatten dies getan; z.T. über viele Jahre hinweg. Oftmals aufgrund von Schwierigkeiten, sich abzugrenzen; "Nein" zu sagen ... aber auch aufgrund von Zukunftsängsten und weil sie süchtig danach waren, gebraucht zu werden. Gerade diese Abgrenzungs-Problematik war bei sehr vielen ein großes Thema.

In mehreren Fällen fiel dann aber im Verlauf der Therapie die Entscheidung zur Trennung.

Aufgrund dieser Beobachtungen vermute ich: die Trennungen, die nach solchen Klinik-Auftenthalten stattfinden, waren im Prinzip schon lange überfällig. Derjenige, der die Beziehung beendet, war schon vor der Reha ungücklich; hatte nur bisher nicht die seelische Kraft zur Trennung.

Ich habe es aber nicht so erlebt, dass Therapeuten leichtfertig zur Trennung raten und die Fehler nur beim abwesenden Partner suchen. In der Klinik, wo ich war, ging es schwerpunktmäßig um Beziehungsproblematiken - und JEDER musste sich dort mit seinen EIGENEN beziehungsschädigenden Verhaltensweisen auseinandersetzen. Eindimensionale Schuldzuweisungen fanden nicht statt; stattdessen wurden die Patienten aufgefordert, die Auswirkungen ihres Verhaltens auf Andere zu verstehen.

Es gab auch die Möglichkeit, ein Paargespräch zu führen, was rege genutzt wurde.

Mit ist dort noch etwas interessantes aufgefallen: die Männer (insgesamt krass in der Unterzahl) waren mehrheitlich Single; z.T. geschieden mit Kind. Die Frauen fast alle in Beziehungen, die aber, wie gesagt, oft nicht das Gelbe vom Ei waren. Ich frage mich, ob das Zufall ist, oder ob es da ein Muster gibt: psychisch labile Männer bleiben eher allein; psychisch labile Frauen geraten in destruktive Beziehungen und bleiben dort viel zu lang hängen.
 
A

Ars_Vivendi

Gast
  • #66
In der Kur kommen die meisten Leute dann darauf, wo das Problem liegt, nämlich sehr oft in der Beziehung, die schon vorher einen großen Knacks hatte, man es sich aber nicht eingestehen wollte.

Ich sehe das auch so. Das familiäre Umfeld kann durchaus der Grund für die psychischen Probleme sein. Der Partner oder die Partnerin fühlen sich damit wohl und möchten nichts ändern. Vielleicht hätte in manchen Fällen die Daheimgenbliebene therapeutische Betreuung nötiger...
 
  • #67
Es ist doch unsinnig, den Therapeuten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Sie machen ihren Job. Das heißt, sie arbeiten mit dem depressiven Patienten und nicht mit dem psychisch gesunden Partner/in.

Ja somit kann sich der Therapeut immer raus der Verantwortung stehlen. Gerade depressive Patienten kann man wesentlich besser beeinflussen. Ich kenne im Bekanntenkreis einen Fall, wo sich die Frau nach 12 J. getrennt hat. Ihr Ex-Mann darf jetzt monatlich 1.200.-€ Unterhalt für seine erwerbsunfähige Frau bezahlen. Hier hat ja der Therapeut der Frau zu der Scheidung geraten und wäre die Frau nicht verheiratet gewesen, dann hätte der Therapeut auch nicht zur Trennung geraten. Eine Trennung hatte dann der Frau wesentlich mehr geschadet. In diesen Fall sehe ich ja wie manche Therapeuten mit der Verantwortung umgehen.
 
  • #68
Wer mit einem jahrelang oder mittel-bis schwer Depressiven zusammenlebt, ein vollkommen normales Leben/ eine ebensolche Funktionsweise erwartet und nach der Trennung nur über die eigenen schlechten Gefühle und den ihn überraschenderweise überrollenden Güterzug klagt, der eignet sich nicht wirklich als (empathischer) Partner.
Vorweg....das ist wahrlich sehr eindimensional und zeugt eben auch nicht von Emphatie dem Partner gegenüber. Aber es zeigt sehr schön, wie man sich "Erkentnisse" zurechtbiegt, damit sie einem passen.
Oftmals aufgrund von Schwierigkeiten, sich abzugrenzen; "Nein" zu sagen ... aber auch aufgrund von Zukunftsängsten und weil sie süchtig danach waren, gebraucht zu werden. Gerade diese Abgrenzungs-Problematik war bei sehr vielen ein großes Thema.
Ich bin als ehemaliger langjähriger (25 Jahre !!) Partner eine sicher diagnostizierten manisch-depressiven Frau (bipolare Störung) wirklich bewandert auf diesem Gebiet UND ich bin emphatisch. Daher...LEIDER, bleibt es bei o.g. therapeutischen Betrachtung auf die Einzelperson Patient beschränkt und der Lebenspartner wird NICHT mit einbezogen. Das kann so eine Art Therapie wahrscheinlich auch nicht leisten und ich halte das für Patienten in einer Partnerschaft für einen großen Fehler. Man wird nicht "mitgenommen", selbst wenn man es anbot !!
Ja somit kann sich der Therapeut immer raus der Verantwortung stehlen. Gerade depressive Patienten kann man wesentlich besser beeinflussen.
Nun ja, vielleicht ein bißchen überspitzt, doch die Konsequenzen der intensiven "Neuausrichtung" im gesicherten Umfeld der Therapie auf das noch "alte" Umfeld bleiben eben unbesprochen...und wen doch verfallen sie von einem Extrem ins andere. Man hat ja jetzt gelernt Nein zu sagen (Ironie off).
In der Kur kommen die meisten Leute dann darauf, wo das Problem liegt, nämlich sehr oft in der Beziehung, die schon vorher einen großen Knacks hatte, man es sich aber nicht eingestehen wollte.
Auch dem stimme ich uneingeschränkt zu, den ich halte mich nicht für einen Engel. Mein Wunsch wäre eine Verbesserung beider Seiten nach der Therapie gewesen, doch Kompromissbereitschaft wurde von ihr als Rückfall in alte Verhaltensmuster gedeutet und da wären wir wieder bei der Konsequenz der Therapieausrichtung.
 
G

Gast

Gast
  • #69
Ja somit kann sich der Therapeut immer raus der Verantwortung stehlen. Gerade depressive Patienten kann man wesentlich besser beeinflussen.
Welches Interesse soll denn ein Therapeut haben, einen Patienten in irgendeine Richtng zu zu beeinflussen? Das ist doch absurd. Er hat weder einen Vor- noch einen Nachteil davon.

Hier hat ja der Therapeut der Frau zu der Scheidung geraten und wäre die Frau nicht verheiratet gewesen, dann hätte der Therapeut auch nicht zur Trennung geraten.
Das ist eine unbeweisene Behauptung. Aber so dreht man sich die Welt zurecht, um sie ertragen zu können.

Eine Trennung hatte dann der Frau wesentlich mehr geschadet.
Sagt wer? Der scheidungsgeplünderte Ehemann? Die Frau, die mit ihm nicht glücklich war und ohne ihn auch nicht?
Ich habe mcih selber nach mehreren Klinikaufenthalten scheiden lassen. Ich bin weit weg davon, dass es mir gut geht, aber es geht mir allein viel besser, asl mit einem mann, der mir eine zusätzliche Last ist.
Kein Therapeut hat mir jemals zu einer Trennung geraten, im Gegenteil, sie haben mir unisono davon abgeraten in einer tiefen depressiven Phase schwerwiegende, folgenreiche Entscheidungen zu treffen - so wie ihre Lehrbücher es ihnen beigebracht haben. Ich habe allein entschieden, weil die schlechte Phase 4 Jahre anhielt und kein Ende absehbar war, es immer schlechter wurde. Jetzt geht es wenig besser und das ist ein Reisenvorteil im Vergleich zu immer schlechter gehen in der Ehe.

In diesen Fall sehe ich ja wie manche Therapeuten mit der Verantwortung umgehen.
Welche Verantwortung hat der Therapeut? Die Frau war nicht entmündigt - sie trifft die Entscheidungen für ihr Leben selbst. Die meisten Angehörigen können nicht ertragen, dass sie den Einfluss verloren haben und der kranke Partner für sich selbst entscheidet. Eine falsche Entscheidung ist immer besser als garkeine und weitermachen mit dem schädlichen Verhalten in einem schädlichen Umfeld.
 
A

Ars_Vivendi

Gast
  • #70
Ja somit kann sich der Therapeut immer raus der Verantwortung stehlen.

Ich glaube kaum, dass sich Therapeuten generell aus der Verantwortung stehlen. Leider sind viele Menschen mit ihren Problemen ziemlich alleine und haben niemanden, der einfach mal zuhört oder mit dem sie über Probleme, die z. B. auch die Beziehung betreffen, reden können. Wer geht denn überhaupt in Therapien? Sicher niemand, der in allen Lebensbereichen glücklich und zufrieden ist. Neben dem Beruf ist die Beziehung ein wesentlicher Anker im Leben. Es ist völlig logisch, dass die Beziehung genauso Quelle von Problemen sein kann wie der Beruf.

Hier hat ja der Therapeut der Frau zu der Scheidung geraten und wäre die Frau nicht verheiratet gewesen, dann hätte der Therapeut auch nicht zur Trennung geraten.

Das hat Ihnen der Therapeut so gesagt? Oder woher sind Sie informiert? Sie kennen die Probleme, die in der Ehe offenabr vorhanden waren? Ich finde immer reichlich fragwürdig, wenn "Bekannte" urteilen.
Es ist verständlich, dass sich der Exmann aufregt, dass die Unterhaltszahlungen so sind, wie sie sind.
 
  • #71
Das hat Ihnen der Therapeut so gesagt? Oder woher sind Sie informiert? Sie kennen die Probleme, die in der Ehe offenabr vorhanden waren? Ich finde immer reichlich fragwürdig, wenn "Bekannte" urteilen.

Da ich den Therapeuten aus der Schulzeit her kenne, kann ich mir schon ein gutes Urteil erlauben.
O-Ton des Therapeuten: "Bei Verheiraten rate ich den Frauen gerne zur Scheidung, da dadurch die Frauen finanziell abgesichert sind. Bei Nichtverheirateten rate ich ab, da diese Frauen finanziell nicht abgesichert sind."

Leider gibt es keine Qualitätskontrollen bei den Therapeuten, was ich wieder sehr negativ finde.

Bevor jetzt jemand mutmaßt, dass der Mann im meinen beschriebenen Fall mitverantwortlich für die Lage ist. Die Frau war wegen Missbrauch auf der Arbeit in Therapie und somit ist der Mann auch unschuldig.

Vielleicht sollte man sich auch diese Berichte durchlesen, wenn man auf der Suche nach einem Therapeuten ist. Wenn man bei einen Schlechten landet, dann wird es umso schwieriger in meinen Augen.

http://www.stern.de/gesundheit/daran-erkennen-sie-einen-schlechten-psychotherapeuten-2165897.html

http://www.welt.de/wirtschaft/artic...ine-Qualitaetskontrolle-fuer-Therapeuten.html
 
G

Gast

Gast
  • #72
Ich frage bei einer gravierenden Diagnose IMMER mindestens zwei Fachärzte und haben in meinem Berufsalltag während der Jahrzehnte schon Sachen erlebt, das toppt absolut alles, was Laien sich vorstellen können.

Wenn ein Chirurg sagt: "wir müssen leider ihr Bein abnehmen", dann fragen die meisten Menschen auch noch einen anderen Arzt, sagt aber eine Psychologin z.B. in der Reha: "Ihr Mann ist nicht gut zu ihnen, sie sollten sich trennen", dann kam es schon vor, dass betroffene Frau noch im Ort der Reha zum Anwalt gerannt ist, auf einem Höhenflug auch noch gleich zum Friseur und meinte, nun fange ein neues Leben und somit ihr Glück an (habe ich selbst bei der Patientin einer Kollegin miterlebt).
Nach einem Jahr habe ich auf Nachfragen erfahren, dass besagte Patientin wesentlich schlimmer depressiv geworden ist als vorher (nun geschieden) und nun in der Psychiatrie ist. - Meine wesentlich jüngere Kollegin, die diesen fatalen Rat gegeben hat, wäscht natürlich ihre Hände in Unschuld und hat das so natürlich nie gesagt.

Drei Patient/innen haben sich nach einem mega konfrontativen "Therapiegespräch" mit einem viel zu konfrontativen Kollegen noch während des Klinikaufenthaltes suizidiert (aber das wissen natürlich nur einige Angestellte der Klinik, dass das auslösende "Gespräch" unmittelbar davor war), das wird unter den Teppich gekehrt, die waren ja eh alle psychisch krank und suizidal, da können sich die "Auslöser" oft noch aus der Affäre ziehen.

Es gibt in jeder Berufsgruppe Kompetente und total Unfähige.

Fortsetzung:

2 Jahre nach der Reha und begleitender Therapie habe ich die Bilanz gezogen, es ging mir immer noch nicht gut:

Alles das habe ich gemacht, unmanipuliert, begleitet von einer Therapeutin, immer unterstützt bei der Reflektion. Ich habe nie gehört "mach das oder mach so..." es ging darum, mit zu helfen, meinen Weg zu finden.
Es geht mir so gut, wie es mit schweren Depressionen möglich ist und ich bereue weder die Scheidung, noch die Zeit, die ich für die Entscheidung gebraucht habe - alles richtig gemacht.

Ich sage: Alles falsch gemacht! Wer nach Jahren Therapie und trotz Scheidung, Wechsel des Arbeitsplatzes immer noch schwer depressiv ist, der sollte mal die Kompetenz seines Therapeuten hinterfragen!
 
  • #73
Es ist erschreckend wie vielen das gleiche passiert wie mir. Ich bin 56 Jahre und seit 33 Jahren verheiratet mit einem depressiven Mann.
Vor 4 Monaten habe ich mich von ihm getrennt, da er seine Krise ausleben wollte.
Wir haben viel durchlebt in unserer Ehe. ( Selbstmord seiner Mutter, Tochter heroinabhängig) und in dieser zeit war ich immer der stärkere Part.
Aber immer zusammen gehalten und es auch gemeinsam durchgestanden. Ich habe auch viel für ihn aufgegeben. ( Heimat, Eigentum und Freunde) .
Seine depressionen hielten sich in Grenzen.
Dann kam der Tag wo er sich hilfe bei einer Psychologin holte, da er einen verdacht auf Prostatakrebs hatte ( was aber nie bestätigt wurde, da er sämtliche untersuchungen ablehnte). Dann meinte er die Ehe wäre ihm zu langweilig und er brauchte seine Freiheit. Wollte eine offene Beziehung. Und das alles auf anraten seiner Therapeutin.
Ich konnte das nicht und lies ihm seine Freiheit, was mich sehr schmerzte. Immer wenn ich ihn verlassen wollte, wollte er einen Neuanfang. Das haben wir auch irgendwie hin bekommen. Wir zogen in eine schöne wohnung und richteten uns sehr liebevoll ein.
Er war immer noch in therapeutischer Behandlung und ich fand es tat ihm gut. Allerdings fing er wieder an sehr viel zu trinken und immer zum tanzen zu gehen ALLEINE !!!!!!
68 Tage nach unserem Umzug sagte er mir das er schon seit monaten eine emotionale Beziehung hat.
Mir rutschte der Boden unter den Füssen weg.
Ich durchlebte eine schlimme Zeit. Immer wieder versicherte er mir das er mich nicht verlieren will, aber nicht anders kann.
Einmal in der woche ging er zur Therapeutin und jedesmal danach wurde es schlimmer.
Ich hielt es nicht mehr aus und zog 2 Monate später in eine andere Stadt.
Immer wieder kam er und wollte reden und ein gutes verhältniss. Vieleicht wird es ja nochmal etwas, waren seine worte.
Später machte er sogar noch Urlaubspläne für den Mai. Und dann plötzlich " kontaktsperre " und das er sich in eine andere frau verliebt hat.
Was soll man davon halten ?????
Ist es die Psychologin die ihm den weg ins Glück bereitet hat. Ihm zur endgültigen trennung und zu einer neuen Partnerin geraten hat, weil die alte ja Alltag ist ?
 
N

nachdenkliche

Gast
  • #74
Es ist erschreckend wie vielen das gleiche passiert wie mir. Ich bin 56 Jahre und seit 33 Jahren verheiratet mit einem depressiven Mann.
Vor 4 Monaten habe ich mich von ihm getrennt, da er seine Krise ausleben wollte.
Wir haben viel durchlebt in unserer Ehe. ( Selbstmord seiner Mutter, Tochter heroinabhängig) und in dieser zeit war ich immer der stärkere Part.
Aber immer zusammen gehalten und es auch gemeinsam durchgestanden. Ich habe auch viel für ihn aufgegeben. ( Heimat, Eigentum und Freunde) .
Seine depressionen hielten sich in Grenzen.
Dann kam der Tag wo er sich hilfe bei einer Psychologin holte, da er einen verdacht auf Prostatakrebs hatte ( was aber nie bestätigt wurde, da er sämtliche untersuchungen ablehnte). Dann meinte er die Ehe wäre ihm zu langweilig und er brauchte seine Freiheit. Wollte eine offene Beziehung. Und das alles auf anraten seiner Therapeutin.
Ich konnte das nicht und lies ihm seine Freiheit, was mich sehr schmerzte. Immer wenn ich ihn verlassen wollte, wollte er einen Neuanfang. Das haben wir auch irgendwie hin bekommen. Wir zogen in eine schöne wohnung und richteten uns sehr liebevoll ein.
Er war immer noch in therapeutischer Behandlung und ich fand es tat ihm gut. Allerdings fing er wieder an sehr viel zu trinken und immer zum tanzen zu gehen ALLEINE !!!!!!
68 Tage nach unserem Umzug sagte er mir das er schon seit monaten eine emotionale Beziehung hat.
Mir rutschte der Boden unter den Füssen weg.
Ich durchlebte eine schlimme Zeit. Immer wieder versicherte er mir das er mich nicht verlieren will, aber nicht anders kann.
Einmal in der woche ging er zur Therapeutin und jedesmal danach wurde es schlimmer.
Ich hielt es nicht mehr aus und zog 2 Monate später in eine andere Stadt.
Immer wieder kam er und wollte reden und ein gutes verhältniss. Vieleicht wird es ja nochmal etwas, waren seine worte.
Später machte er sogar noch Urlaubspläne für den Mai. Und dann plötzlich " kontaktsperre " und das er sich in eine andere frau verliebt hat.
Was soll man davon halten ?????
Ist es die Psychologin die ihm den weg ins Glück bereitet hat. Ihm zur endgültigen trennung und zu einer neuen Partnerin geraten hat, weil die alte ja Alltag ist ?
Vielleicht ist ja die Therapeutin die neue Geliebte? Ist schon starker Tobak was Du da schreibst. Ich hätte das Spiel so lange nicht mitgemacht. Da wirst Du ja noch selber depressiv!Schau jetzt nach vorne,alles Gute für Dich!
 
G

Gast

Gast
  • #75
Kurz und bündig: Weil während der Kur ENDLICH klar wurde WIE groß der Anteil des/der Partners/Partnerin an den Problemen war. Und eine falsche Entscheidung zwar sehr spät, aber dennoch nicht zu spät revidierbar ist - es gibt auch ein Leben nach dem Fegefeuer oder der Hölle!
 
  • #76
Vielleicht ist ja die Therapeutin die neue Geliebte? Ist schon starker Tobak was Du da schreibst. Ich hätte das Spiel so lange nicht mitgemacht. Da wirst Du ja noch selber depressiv!Schau jetzt nach vorne,alles Gute für Dich!


Natürlich ist die Therapeutin die neue Geliebte des Mannes und will ihn ganz für sich allein. Ironie aus. Manchmal frage ich mich hier, ob ich es mit erwachsenen Menschen zu tun habe. Die Frau sollte sich zur Abwechslung mal selbst reflektieren und nicht Dritten die Schuld am Scheitern ihrer Ehe geben. Wenn ein Partner depressiv wird, hat der andere Part meist einen Anteil daran. In der Therapie erkennt der Depressive krankmachende Beziehungen und Verhaltensweisen. Es ist aber einfacher, wenn der Verlassene dann zetert und der Therapeutin die Schuld in die Schuhe schiebt. Immer schön verdrängen.
 
  • #77
Hallo....noch alles ganz frisch bei mir.....Ich war mit meiner Frau 25 Jahre verheiratet, wir haben 3 Kinder. Dann kam es zur Scheidung (Die Ehe war quasie eingeschlafen)...Wir haben während der Trennungszeit (8 Jahre) immer ein gutes Verhältnis gehabt, und wir kamen uns stetig näher, so dass wir beschlossen hatten, Anfang diesen Jahres wieder gemeinsam zusammen zu leben...Ich bin 61, meine Frau 57. Ich habe meine Wohnung aufgegeben und bin zu ihr gezogen. 6 Wochen nach meinem Einzug begann für sie ein 9 wöchiger Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik. Seit Donnerstag letzter Wohe ist sie zurück und wie soll ich sagen....völlig von der Rolle...Anderer Mann, selbst Patient....Ich kenne meine Frau nicht wieder, weiß auch nicht so richtig wie ich damit umgehen soll. Jetzt wohnt sie auf meine Veranlassung bei ihrer Mutter, weint viel....weil ihr alles "so leid tut" ...Hat Kontakt mit dem Mann, weiß aber selbst nicht wie es weitergehn soll...Für mich ein absolut quälender Zustand. Ich schwanke zwischen Verständnis und Wut. Ich kann mit meiner Frau kein sachliches Gespräch führen.....Hals über Kopf verliebt....Der Kontakt während des Aufenthaltes war völlig unaffällig....Allerdings als sie nach Hause kam merkte ich schnell, dass etwas "nicht stimmt"...Sie ist relativ stabil dahin....jetzt ist sie nur noch "von der Rolle"....Wir sind 33 Jahre sozusagen miteinander, aber so hab ich sie noch nicht erlebt....Sie erwähnte auch immer wieder in den Telefongesprächen: ES GEHT HIER NUR UM MICH......Ich vermute, dass sie mit Selbstfindung etwas missverstanden hat....Auch sagte sie, sie könne damit nicht aufhören (dem Mann)....Wenn ich das nicht versuche, werde ich mir das für den Rest meines Lebens vorwerfen...Torschlußpanik ?

Warum ist das alles so belastend für dich? Es wird an einem Haus immer wieder eine Reparatur fällig sein, auch wenns kostet und mühsam ist, es lohnt sich. Ihr habt wieder einen Neubeginn geplant, ich bin sicher, der war wohlüberdacht und wohlüberlegt, weil ihr euch ja schon sehr lange kennt. Ich gehe davon aus, die Frau hat vor dieser neuen "Ehe" ( mit dir) noch gewisse Bedürfnisse zu stillen- vielleicht uralte Zwänge, die nachher, wenn sie ausgelebt wurden nicht mehr mitspielen und ihre Bedeutung verloren haben.
 
N

nachdenkliche

Gast
  • #78
Wenn die Ehe nach einer solchen Kur auseinander geht,bitte sehr! Reisende soll man nicht aufhalten und ihnen schon gar nicht hinterher rennen. Tut dann vielleicht beiden gut.Ist auch für den zurück gebliebenen Partner mal gut in sich zu gehen und zu reflektieren.
 
  • #79
Also ich habe dies auch erlebt und würde jetzt nicht so wie mancher hier die Schuld bei den Therapeuten suchen. Meine Ex hat sich durch die Therapie in meinen Augen zurückentwickelt.
Sie möchte jetzt mit Ende 30 nochmals das Leben genießen, das sie mit 20 verpasst hat. Daher kam dann auch die Trennung ich wollte die Frau, die ich vor ca. 10 J. kennen gelernt habe und sie wollte nicht mehr die Frau von damals sein. Ab und zu sehe ich sie in der Stadt und ihr fehlt zu ihrem bauchfreien Shirt nur noch ein T-Shirt mit der Aufschrift. Hallo Leute! Bin ich nicht ein süßes 40jähriges Teeniegirl.:)
 
  • #80
Ich finde es mittlerweile unerträglich, dass allen "Randgruppen" - in diesem Fall die "Depressiven" - mehr Verständnis und Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, als den Menschen, die Versuchen ihr Leben "Normal" in den Griff zu bekommen und ganz sicher über lange Zeit ihre Lebenszeit mit Verständnis und Entbehrung - zugunsten des Randgruppenmitgliedes - geopfert haben.

Ich habe z.B. einen diagnostizierten "Depressiven" kennengelernt, der nur zur Reha wollte, damit er mit Ende vierzig irgendwie seiner Rente ein Stück näher kommt. - Diagnose zur Reha: irgendwas mit Persönlichkeitsstörung.

Eine andere - persönlich Bekannte Person - hat berichtet, wie man sich bei der Reha verhalten sollte, um schnellstmöglich die gewünschte Diagnose zu erhalten - die zum persönlichen Ziel: nicht mehr arbeiten müssen - führt - ERFOLGREICH.

Und wenn sich einzelne trennen, weil die Partnerschaft wirklich unerträglich ist, dann mag das seine Berechtigung haben - doch auch für mich zeichnet sich hier schon länger ein Trend ab.
 
  • #81
Kurz und bündig: Weil während der Kur ENDLICH klar wurde WIE groß der Anteil des/der Partners/Partnerin an den Problemen war.
und hier gleich noch einen drauf...
Wenn ein Partner depressiv wird, hat der andere Part meist einen Anteil daran.
Schade, dass hier so leichtfertig mit dem Begriff Depressionen und deren wirklichen Ursachen umgegangen wird.
Ich schrieb ja schon einmal... Die Ursachen und deren Folgen an den eigenen Verhaltensmustern am Ende dem Partner zuzuschieben ist das bequemste was Menschen (egal ob in Therapie oder nicht) machen können. Als Krönung fehlt hier bloß noch...er/sie hat mich in den Alkoholismus getrieben.
Das langjährige Lebenspartner viel öfter selbst Hilfe brauchen, weil sie in ein Co-Abhängigkeit oder in eine Helfersyndrom abgleiten wird in einer Therapie ja nicht behandelt. Auch hier schrieb ich schon, dass der Partner NICHT mitgenommen wird. Bekanntes Motto: Trenne dich von dem was Dich behindert." Hat so ein bißchen was von Patienenten die "zurückkommen" und sagen.."Verbrannte Erde mag ich nicht..."
Und wenn sich einzelne trennen, weil die Partnerschaft wirklich unerträglich ist, dann mag das seine Berechtigung haben - doch auch für mich zeichnet sich hier schon länger ein Trend ab.
Danke für diese Zeilen.
 
  • #82
und hier gleich noch einen drauf...Schade, dass hier so leichtfertig mit dem Begriff Depressionen und deren wirklichen Ursachen umgegangen wird.
Ich schrieb ja schon einmal... Die Ursachen und deren Folgen an den eigenen Verhaltensmustern am Ende dem Partner zuzuschieben ist das bequemste was Menschen (egal ob in Therapie oder nicht) machen können. Als Krönung fehlt hier bloß noch...er/sie hat mich in den Alkoholismus getrieben.
Das langjährige Lebenspartner viel öfter selbst Hilfe brauchen, weil sie in ein Co-Abhängigkeit oder in eine Helfersyndrom abgleiten wird in einer Therapie ja nicht behandelt. Auch hier schrieb ich schon, dass der Partner NICHT mitgenommen wird. Bekanntes Motto: Trenne dich von dem was Dich behindert." Hat so ein bißchen was von Patienenten die "zurückkommen" und sagen.."Verbrannte Erde mag ich nicht..." Danke für diese Zeilen.

Dann soll sich der Partner auch Hilfe suchen. Das die Beziehung für Beide ungesund ist, wäre damit bewiesen. Ein Therapeut kümmert sich um den Kranken in der Reha, er ist kein Lebensberater für den Partner. Man sollte schon die Kirche im Dorf lassen.
 
A

Ars_Vivendi

Gast
  • #83
Wenn ich hier insgesamt so mitlese, dann leben doch eine Reihe Menschen in Beziehungen, in denen sie alles andere als glücklich sind. Auch diejenigen, die hier beklagen, dass Therapeuten ihnen ihre depressiven Partner "genommen haben", sind doch in der Regel sehr unglücklich und das über Jahrzehnte (#72).
Entweder sind alle diese Menschen zufrieden damit, dass das Leben aus vielen Problemen besteht oder erdulden das zumindest oder sie haben nicht den Mut, etwas zu ändern und dem Leben eine glückliche Richtung zu geben.

Vermutlich liegt das Problem, das der psychosomatischen Reha zugrunde liegt, in vielen Fällen an beiden Partnern, die aneinander hängen, obwohl sie sich vielleicht auch wechselseitig nicht gut tun?
Ich denke schon, dass einen Partner oder Partnerin durchaus genauso in Depressionen oder Alkoholismus "treiben" können (selbst erlebt) wie der Job, der mit "Burnout" meist vordergründig der Grund für die Reha ist. Es ist immer einfacher, die Gründe ausschließlich woanders zu suchen. Ich denke mittlerweile manchmal, manch ein Mensch ist nicht für lebenslange Beziehungen gemacht und glücklicher damit, ab und an mal etwas neues zu beginnen.

Vielleicht ist der Auslöser durch den Therapeuten einfach in manchen Fällen auch ganz hilfreich und einfach eine Chance dafür, dem Leben eine Wendung zu geben, die mit ein paar Jahren Abstand dann doch ganz gut war? Ich beobachte immer wieder mit Schrecken, wie viele Paare an Beziehungen festhalten, die eigentlich längst tot sind. Für mich genauso wie bei den Menschen, die den ganzen Tag über ihren Arbeitsplatz lamentieren, aber doch nicht wechseln schlicht die Angst, im Leben mal etwas neues zu starten, Angst vor Veränderungen, Bequemlichkeit. Ich glaube nicht, dass Therapeuten eine große Chance haben, in eine intakte, wirklich glückliche Beziehung einzudringen, genauso wie in einer intakten, glücklichen Beziehung kaum jemand fremdgeht.
 
G

Gast

Gast
  • #84
Zu einer Beziehung gehören mind. 2 Menschen - egal ob intakt und glücklich oder belastet. In der Reha wird aber nur einer behandelt - der Andere bleibt aussen vor. Vielleicht liegt hier das Problem: die Patienten in der Reha sind dort, weil sie in der sie belastenden Umgebung keine Möglichkeit haben zu reagieren; meist wissen sie gar nicht welche Faktoren alle zu ihrem BurnOut etc. geführt haben. Ein Faktor allein ist es aber meistens nicht. Die Beziehung leidet schon vorher - sie muss nicht die Ursache gewesen sein - ganz sicher war sie es in den meisten Fällen auch nicht, aber sie wird mit der Zeit Teil davon. Die Reha bietet einen Schutzraum für die Patienten - hier können sie zur Ruhe kommen und sich ganz langsam den Gründen ihrer Erkrankung nähern ... mit all`den Gefühlen, die man außerhalb der Schutzzone so wahrscheinlich gar nicht rauslassen kann ... ganz besonders dem Partner gegenüber nicht - aus Angst, Scham, Mitleid, Wut etc. . Während dieser Reha muss (glaube ich) alles auf den Prüfstand gestellt werden ... und nicht auf Alles wird es sofort eine Antwort geben können. Werden die Patienten dann wieder aus dieser Schutzzone entlassen und sind auf sich gestellt (die Therapeuten und die Gruppe fehlen) kann das fatal laufen: ganz viele Patienten werden es nicht schaffen die Probleme ohne therapeutische Hilfe anzugehen und fallen in ihr altes Verhaltensmuster zurück: was sich möglicherweise über Jahre aufgebaut hat können viele nicht in 5 Wochen ablegen: man stelle sich das vor: der Patient kommt nach Hause (schon mit dem Wissen im Nacken das entscheidende Gespräch allein mit dem Partner führen zu müssen). Andere machen "überstürzt" einen kompletten Schnitt, vielleicht auch aus der Angst heraus eben in diese alten Muster zurück zu fallen. Die Therapeutin die sich den Patienten "angelt" wird eine Ausnahme sein, zumal ein solches Verhalten den Regeln ihres Berufes wiederspricht. Bei einer psychosomatischen Reha sollte am Ende immer auch der Partner mit einbezogen werden - mit welchem Ausgang auch immer, denn sonst sitzen dort in der Zukunft die verlassenen Partner oder aber die Patienten mit Rückfall.
 
G

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  • #85
Das Zerbrechen einer solchen Beziehung erlebte ich soeben völlig unerwartet, nach ca. 2 Wochen Reha. Voran gegangen war eine, für mich zumindest, gute Beziehung, die über fast eine Dekade gedauert hat und uns, glaube ich, gegenseitig sehr bereichert hat. Mein Partner hatte schon früh Angststörungen, Bindungsprobleme und Aggressionen, dies aber in einem Maße, die in etwa meinen eigenen Problemen gleichkamen und es gab da vermutlich eine ungute, passive Patt-Situation. Wir pflegten eine regelrechte Symbiose, vorwiegend ohne Kontakte zur Außenwelt, weil wir es so wollten. Eine regelrechte Kapsel. Leider konnte ich trotzdem nie mit ihm intensiv über unsere Probleme sprechen. Allerdings hat er sich schon frühzeitig aktiv darum bemüht, sie über externe Hilfe in den Griff zu bekommen. Ich nicht, ich schob meine Probleme eher auf meine Lebensumstände. Nach der Reha hat er nun beschlossen, auszuziehen und sich in einer anderen Stadt völlig neu aufzusetzen. Seine Mitpatienten sind jetzt seine "wahren Freunde". Eine Einstellung, über die er sich vorher, rational betrachtet, lustig gemacht hätte. Unsere gemeinsame Zeit ist wie ausgelöscht, auch wenn er sagt, es liege nicht an mir, sondern an ihm. Ich bin weiterhin toll. Bei mehreren seiner Mitpatienten hat es dramatische Verläufe innerhalb oder nach der Reha gegeben. Jemand hat sich umgebracht, wurde verlassen, weil er/sie betrogen wurde oder kann jetzt nicht mehr die Wohnung verlassen. In der Reha hat er jeder geholfen, was er anfangs noch stolz erzählte. Jetzt ist er gerade an einem Punkt, wo die Empathie für mich überhaupt nicht mehr da ist, es ist wie abgeschnitten. Er hat mich nicht körperlich betrogen, da bin ich mir recht sicher. Aber er ist ein sehr attraktiver, unterhaltsamer Mensch und die Frauen/Männer dort waren sicherlich sehr von ihm fasziniert. Ich fürchte, wenn sich unser Schuttstaub gelegt hat, wird sich das Problemkarussell trotzdem weiterdrehen. Er bekommt jetzt immer noch Bestätigung, aber der Alltag wird wieder kommen. Was ich jetzt machen soll, weiß ich momentan noch nicht. Mittlerweile denke ich, ich hätte ihn in den sechs Wochen mindestens zwei Mal besuchen sollen, um meine eigenen Ängste zu dämpfen und bei den Therapeuten / Mitpatienten Präsenz zu zeigen, damit er sich nicht so gänzlich in die Welt (oder der Ausflucht) der "problematischen Beziehung" hätte flüchten können.
Ich suche nun selber therapeutische Hilfe.
 
  • #86
Ich erlebe gerade das was in diesem Blog so oft beschrieben wurde. Meine Frau ging zu einer psychosomatischen Reha. Ich bemerkte im Verlauf eine Veränderung in unserer bis dahin sehr guten und stabilen Beziehung (Silberhochzeit in 2 Monaten). Es fielen immer öfter in Telefonaten und den sonntäglichen Besuchen die Schlagworte "egoistischer sein", "nein-sagen". Ihre "Clique" (Mitpatienten und vermutlich "Kurschatten") wurde immer wichtiger. Telefonate mit mir wurden zunehmend als störend empfunden, so kurz wie möglich gefasst. Am 18. Tag konfrontierte ich Sie mit meiner Beobachtung. Ich machte Ihr sehr deutlich, daß Sie sich von mir gerade emotional entfernt. Ich zeigte Ihr auf, welches Ergebnis ich in den nächsten Tagen befürchtete. Ich eröffnete Ihr die Ehe zu beenden, sollte sich an Ihrem Verhalten und Ihrer Einstellung mir und Ihrer Familie (2 Kinder) gegenüber nicht umgehend eine Normalisierung einstellen. Meine Tochter rief Sie besorgt aus Australien an. Mein Sohn teilte meine Beobachtung ebenso.
Am 19. und 20. Tag reduzierte Sie offensichtlich die Kontakte zu Ihrer "Clique" (und "Kurschatten"). Es erfolgte ein Gespräch mit Ihrer Therapeutin am 21. Tag. Am Abend des 21. Tages beobachtete ich eine Normalisierung und offensichtliche Distanzierung zu Ihrem "neuen Leben". Offensichtlich erfolgte durch Sie selbst eine kritische Bewertung Ihres eigenen Verhaltens und daraus resultierend eine Veränderung und Stabilisierung.
Die Kur endet in zwei Tagen. Ich gehe davon aus (nachdem der "Osterurlaub" harmonisch verlief), daß die Ehe keinen weiteren Schaden nehmen wird und die Erlebnisse der vergangenen Wochen abgelegt werden können, vorausgesetzt, daß die nächsten Wochen keine weiteren Überraschungen mit sich bringen und sich die Situation weiter normalisiert.

Fazit und Empfehlung: Veränderungen bemerkt man, wenn man sich nahe ist. Beobachtet genau und schreitet unverzüglich massivst ein, wenn etwas aus dem Ruder läuft.
Die Rolle der Therapeuten sehe ich sehr kritisch. Hier wird ausschließlich der Patient fokussiert und die Rolle der Familie als stabilisierendes Element nicht gewürdigt (die familiären Umstände werden pauschal erst einmal als mitursächlich für den schlechten Gesundheitszustand angenommen). Man könnte es auch so formulieren: das Zerbrechen einer guten Ehe wird billigend in Kauf genommen, wenn nicht sogar gefördert.
Eine weitere Kur würde ich nicht noch einmal akzeptieren.

M, 50
 
  • #87
Hier wird ausschließlich der Patient fokussiert und die Rolle der Familie als stabilisierendes Element nicht gewürdigt (die familiären Umstände werden pauschal erst einmal als mitursächlich für den schlechten Gesundheitszustand angenommen).

Grundsätzlich finde ich das schwierig. Ja, die Familie ist von erheblicher Bedeutung für das psychische Wohlbefinden. Damit gehört sie mitbetrachtet, wenn jemand psychisch aus der Spur ist. Und es ist sicher richtig, wenn jemand, der z. B. wegen Burnout ein Problem hat, alle Faktoren in seinem Leben kritisch betrachtet. Die Familie davon pauschal auszunehmen, halte ich für falsch. Ich war und bin selbst in einer Situation, in der die Familie eine erhebliche Belastung ist. Und ich denke, dass die Familie in vielen Fällen zumindest besser unterstützen könnte. Auch wenn der Partner oder die Partnerin das natürlich vehement bestreiten werden...
 
  • #88
Meine Frau war insgesamt dreimal zu einer psychosomatischen Reha. Dabei konnte ich keinerlei beziehungsschädigendes Verhalten ihrerseits feststellen. Insbesondere während und nach der letzten Reha gab es zwar verstärkte Kritik an meinem zu "bequemen" Lebensstil (einmal davon innerhalb eines Gespräches in Anwesenheit der Therapeutin). Die Kritik war aber nachvollziehbar. Anders verlief meine dritte Reha in Folge einer zweiten Krebserkrankung. Meine Todesangst wurde mit Stimmungsaufhellern bekämpft. Kurz zuvor hatte meine Hormontherapie geendet, daher das Testoteron kehrte massiv zurück. Dann gab es Frauen die nach Bestätigung Ihrer Attraktivität nach einer Krebserkrankung suchten und Therapeuthen die meinten, alles was den Patienten Freude bereitet ist hilfreich. Das einzige was mich gebremst hat, waren Versagensängste. Die mir aufgedrängte Behandlung mit Psychopharmaka war letztlich destruktiv. Die Mittel habe ich sofort (seit 2,5 Jahren) und ohne Folgen abgesetzt. Insgesamt kann der Einfluß der Therapeuten einen negativen Einfluss haben. Dies muss aber nicht sein, siehe meine Frau.
 
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  • #89
Das langjährige Lebenspartner viel öfter selbst Hilfe brauchen, weil sie in ein Co-Abhängigkeit oder in eine Helfersyndrom abgleiten wird in einer Therapie ja nicht behandelt. Auch hier schrieb ich schon, dass der Partner NICHT mitgenommen wird.

Das stimmt so schlicht und ergreifend nicht. Man muss halt in der richtigen Klinik landen. Es gibt Therapiekonzepte, die den Schwerpunkt explizit auf die Behandlung von gestörten Beziehungsmustern legen und da ist natürlich die Paarbeziehung, sofern vorhanden, immer wieder Thema.

Es gibt allerdings leider wirklich miese Kliniken, in denen einfach stumpf Verhaltenstherapie nach Schema F betrieben wird.

Leider kann man es sich als Patient nicht immer aussuchen, in welche Klinik man kommt (die Krankenkasse hat da ein Wörtchen mitzureden), und man kennt die Einrichtungen und deren Konzept ja vorher auch nicht.

Ein einziges Mal habe ich es erlebt, dass eine Therapeutin wollte, dass sich die Angehörigen - in dem Fall die Eltern - komplett "raushalten", die auch unter keinen Umständen zu einem Gespräch bereit war. Ich würde diese Frau im Nachhinein als komplett inkompetent bewerten.

Schlechte Therapeuten gibt es natürlich, leider. Sicher auch nicht selten. Es ist ein anspruchsvoller Job, dem nicht jeder gewachsen ist. Das heißt aber nicht, dass Psychotherapie grundsätzlich Mist ist.

Was hingegen in meinen Augen wirklich Mist ist: ein Großteil der Beziehungen, in die ich in meinem direkten Umfeld Einblicke habe. Es wird ständig lamentiert über die "Wegwerf-Gesellschaft", in der Beziehungen nichts mehr gelten und sich voreilig getrennt wird - ich nehme es umgekehrt wahr: viele Leute bleiben viel zu lange in völlig kaputten Beziehungen hängen.
 
  • #90
ch sage: Alles falsch gemacht! Wer nach Jahren Therapie und trotz Scheidung, Wechsel des Arbeitsplatzes immer noch schwer depressiv ist, der sollte mal die Kompetenz seines Therapeuten hinterfragen!

Ich kenne mich in diesem Metier als Betroffene halbwegs aus, aber ich maße es mir nicht an, jemanden zu sagen, er/sie hätte alles falsch gemacht. Solche Anmassung finde ich psychologisch gesehen übergriffig. Das sagt eine Menge über den seelischen Zustand aus ,-).

Es gibt psychische Erkrankungen, die nur zu milden, aber nicht heilbar sind, weil die Schädigungen einfach zu groß sind.

w
 
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