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Gast

  • #1

Warum ist das so, dass scheinbar gebildete Menschen

sich unhöflich äussern und verhalten und damit das Gegenüber verletzten? Du bist zwar nett aber zu dick wird parallel heiss diskutiert. Euch fallen sicher noch mehr Beispiele ein. Immer wieder lese ich hier heraus dass viele derer, die sich zumindest hier zur Elite zählen, durch anscheinend unbedachte persönliche Äusserungen von anderen, die sich höchstwahrscheinlich auch zur Elite zählen, verletzt werden. Auch im richtigen Leben beobachte ich häufig einen wahrlich miesen und unhöflichen Umgang miteinander. Ist für die meisten Wissen alleine bereits Bildung und zählen Herzensbildung, Takt und Höflichkeit gar nicht (mehr)? Wo finde ich am besten einen auch herzensgebildeten Mann? Sind manche (wie ich) nur empfindlich oder sind die "Täter" die Trampel? Und inwieweit darf oder soll man sich bei der Partnersuche von Geschehnissen wie diesen beeinflussen lassen? Wie geht es euch damit und wie kommt ihr damit klar?
 
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Gast

  • #2
Gebildete Menschen sind meistens eher Kopfmensch als die weniger gebildeten. d.h. sie sehen "du bist nett aber zu dick" als simples Statement und nicht als Verletzend an. Einige davon würden Euphemismen in diesem Zusammenhang sogar als Lügen ansehen..
 
  • #3
Du hast Dir die Antwort doch selbst eigentlich schon gegeben, wenn auch nicht so explizit formuliert:

Es gibt weder einen unmittelbaren kausalen Zusammenhang noch eine signifikante Korrelation zwischen Intelligenz, Qualifikation und Bildung einerseits und Höflichkeit, Empathie oder Anstand andererseits. Beide Kategorien scheinen vergleichsweise unabhängig voneinander zu sein.

Selbstverständlich sind viele gebildete und intelligente Menschen empathisch und anständig, viele andere sind es aber eben auch nicht. Wer kennt nicht menschlich völlig ungeeignete Führungskräfte oder Intelligenzbestien ohne Gefühl? Aber umgekehrt gibt es natürlich auch viele einfache Menschen ohne Anstand und Höflichkeit. Also ich erkenne da wirklich keinen Zusammenhang. Das meiste scheint noch mit Erziehung und individuellem sozialen Umfeld zu tun zu haben.

Du musst bei der suche einfach auf die Werte und Attribute achten, die Dir wichtig sind. Mehr helfen kann man da gar nicht. Außerdem solltest Du auf keinen Fall übersensibel reagieren, wenn Du auf Typen triffst, die Deinem Ideal nicht entsprechend. Benimm Dich online einfach genauso wie offline. Auch offline trifft man nämlich unwahrscheinlich viele ungehobelte Menschen -- ein besonderes Phänomen der Onlinesuche ist es wahrlich nicht. Allerdings räume ich ein, dass mangelnde Höflichkeit bei reinen Onlinekontakten sehr häufig ist, offensichtlich weil anonyme Kontakte dazu verleiten, sich gehenzulassen.

Liebe Fragestellerin, definiere Du uns doch bitte mal "Herzensbildung". Was genau verstehst Du darunter?
 
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Gast

  • #4
Ein großer Fehler zu denken: Bildung hätte etwas mit Stil zu tun,- auch nichts mit Herzensbildung oder Empathie. So einfach, leider aber wahr.
 
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Gast

  • #5
@Beeinflussen lassen: Für mich ist mein Wunsch nach Höflichkeit ein Kriterium wie jedes andere auch. Wenn jemand hier unhöflich wäre (ist mir jetzt, bis auf ausbleibende Absagen/Rückmeldung, noch nicht passiert; aber das sind ja anscheinend auch die vielen kostenlosen "Scheinmitglieder" hier), würde mich das zwar stören, aber ich würde daraus kein Drama machen. Passt es eben nicht, na und...

@Warum: es ist überraschend selten so, dass Menschen bewusst andere verletzen. Es geschieht meist aus Unachtsamkeit, äußeren Zwängen ("Stress"), abweichenden Prioritäten (Ehrlichkeit>Takt), Missverständnissen sowie Voreingenommenheit durch abweichende Biografie ("schlechte Erfahrungen"). Warum sollten diese Faktoren bei Menschen mit höherem Bildungsstand keine Rolle spielen ?

m41
 
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Gast

  • #6
@4
Ja, diese Faktoren spielen da auch eine Rolle. Aber auf der anderen Seite könnte man vermuten, dass schlauere Menschen in der Lage sind erstmal langsam zu machen Missverständnisse: "Hab ich das jetzt richtig verstanden?", Unachtsamkeit: "Ich sollte vorsichtig sein, denn ich weiß wie Worte weh tun können." Äußere Zwänge, Stress: "Ruhig, der Andere kann nichts dafür." Voreingenommenheit: "Ich weiß, dass ich zunächst alle Menschen erst einmal kennenlernen muss, um mir ein Urteil zu bilden."

Die Sache mit der Ehrlichkeit "Du bist zwar nett, aber zu dick." würde ich als unhöflich bezeichnen, weil es die Wahrheit ist. Das finde ich besser als sich eine andere Ausrede einfallen zu lassen.

Ich kann schwer nachvollziehen, warum so viele gebildete Menschen sich nicht im Griff haben. Warum sind sie nicht so schlau, um andere so zu behandeln wie sie selbst behandelt werden möchten? Sie müssten doch eher unterscheiden können was richtig oder falsch ist.
 
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Gast

  • #7
Du schreibst: hier zur "Elite zählen" ist schon mal falsch. Dieses Unternehmen nennt sich nur "Elite", das ist alles! Ich erlebe sehr oft, dass "Kopf gebildete" Menschen noch lange nicht "Herz gebildet" sind. Im Job gut und privat eine große Nie***. Punkt. Ich lasse mich von solchen Geschehnissen nicht beeinflussen, da ich solche Kontakte strikt meide. Deine Beschreibung hier ist auch nicht geschlechtsspezifisch, wie so viele Themen. Ich erlebe das ganz genau umgekehrt bei Frauen! m/46
 
  • #8
Liebe FS:

Vielleicht meinst du auch explizit Leute wie mich. Mir ist zwar BMI von Menschen vergleichsweise egal, aber ich spreche gelegentlich Leute kritisch an, die aus meiner Perspektive zu selbstzufrieden und zu wenig selbstkritisch sind. Mir ist Wahrheit sehr wichtig, ich wende gelegentlich ziemlich vernichtende Kritik auf mich selber an. Im Eifer des Gefechts auf andere Menschen übertrage ich manchmal diese Wahrheitsliebe. Vielleicht hat #2 den Nagel auf den Kopf getroffen.

Ein Beispiel: Eine latente Lügnerin achte ich deutlich mehr als jemanden, dem egal ist was wahr oder unwahr ist. Der amerikanische Philosoph Frankfurter nannte letzte Bullshitter, wie ich finde eine treffende Bezeichnung. Als Lügner muss man hingegen genau wissen, was die Wahrheit ist, damit man eben gut lügen kann, insofern sind sie mir deutlich lieber, sie haben Bezug zur Realität.
Der besagte Mann vom Nachbarthread kann es als wichtig erachtet haben, seinen aktuellen Gefühlsstand offen darzulegen, weil er selber diese Offenheit als höflich erachtet. Ich sehe seine Äußerrung keineswegs als Beleidgung an sondern als ehrlichen Wettstreit seiner Gefühle, als Offenheit.
Auf die Gefahr hin, unhöflich zu sein: Er hat ja eben nicht gesagt, was du hier wiederholt hast. In Wahrheit hat er ja erst ein großes Lob ausgesprochen, dass er findet, dass sie eine sehr hübsche Frau ist, charmant, witzig, sympathisch, er nur nicht weiß, ob er mit ihrer Figur klarkommt, warum auch immer. Ich nehme diesen Satz so wie er da steht, versuche nicht zu interpretieren.

Nett und dick ist hingegen eine Interpretation eines anderen Mannes, die du hier bei der Eingangsfrage übernommen hast. Eigentlich würde ich gerne wissen, warum du hier die Interpretation und nicht das Original gepostet hast, aber üblicherweise frage ich so etwas nicht, weil ich in solchen Situationen dann oft den Eindruck habe, der andere wird wütend. Ich will das aber nicht.

Ich bezweifle, dass ich gänzlich unempathisch und ein sehr mieser Mensch bin, denn viele Leute heulen sich bei mir aus, vor 90 Minuten gerade meine Ex am Telefon für eine halbe Stunde, und ich versuche dann ihnen konstruktiv zu helfen.
m43
 
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  • #9
Nun ja, Liebe FS. Es ist ein Unterschied wie man in einem persönlichen Gespräch miteinander spricht und wie man sich allgemein in einem Forum äussert. Um Dein Beispiel zu nennen, wenn jemand fragt ob er weniger Chancen hat wenn er/sie einen BMI von über 30 hat dann sag ich im Forum, ja natürlich. Wenn ich einer unheimlich netten Frau gegenübersitze die ich aber körperlich nicht begehrenswert finde weil Sie einen BMI von 30 hat werd ich Ihr das natürlich nicht so deutlich sagen.
Übrigens halte ich es keineswegs für unhöflich jemanden auch mal die Wahrheit zu sagen (natürlich in einem entsprechenden Gewand). Und ich bin froh dass mir meine Freunde eben kein Weichspülergewäsch an die Ohren gelabert haben sondern Klartext.
 
  • #10
Geistige Elite hat nichts mit Herzenselite zu tun.
 
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  • #11
An der Erziehung /Elternhaus kannst Du auch die Gesprächskultur inkl. Empathie feststellen. Da ist es egal ob Akad. oder "norm.Arbeiter". Leider gibt es immer weniger Eltern/Mütter, nicht Väter-da ja berufstätig oder anderwertig abgelenkt- diese Eigenschaften mitgeben.(aus Zeitmangel ) In der Krabbelstube bzw. KiTa wird auf das leider nicht Rücksicht genommen bzw. eingegangen. Alles klar-was wir in Zukunft erwarten dürfen ???
w/57 deren Kind (16) ein Vorleben im Elternhaus genießt......
 
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  • #12
Hier im Forum wird uns ALLES geboten!

Einerseits mitfühlende, freundliche, höfliche Antworten, die der betreffenden Person Stütze, Halt und Zuspruch bieten. - Gut so!
Wir bekommen hier auch gut fundierte, fachliche Antworten!
Andererseits werden hier auch Realitäten angesprochen, die im wirklichen Leben niemand wagen würde, dermaßen glasklar zu äußern. Unhöflich? Ohne "Herzensbildung"? - Ich denke nicht!
Sich als Fragesteller richtig und realistisch einschätzen zu können, bedarf es doch gerade eines realistischen Spiegels der angefragten Verhaltensweisen, optischen oder altersbedingter eigener Einschätzungen. Mitfühlende Bekannte /Freunde hat doch fast jeder genügend, jedoch kaum jemand von denen spricht klar aus, was er wirklich denkt.