• #1

Warum daten so viele, wenn sie mit der alten Beziehung nicht abgeschlossen haben

Nur aus Interesse, als allgemeine Frage.

Ob hier im Forum oder draußen, scheint es regelmäßig so zu sein, dass man beim Daten auf jemanden trifft, der zwar äußerlich getrennt ist, aber innerlich noch vollständig in der alten Beziehung steckt.

Beim Warmwechsler weiß es der andere zumindest, da ist nicht mal die äußere Trennung gegeben. Dann startet das Ganze mit einer Affäre - und wird oft genug nie mehr als ein Riesendrama. Das ist das Risiko.

Aber inzwischen habe ich den Eindruck, dass die Chance beim Daten auf jemanden zu treffen, der damit nur sein Ego pimpen will oder freundlicher, seine Verletzungen verdrängen möchte, sehr hoch ist.
Oder dass man zum Bearbeiten der alten Beziehung benutzt werden soll - wenn diese das Hauptthema beim Kennenlernen ist, flüchte ich inzwischen.

Warum gibt man sich nicht die Zeit zum Verarbeiten und Verabschieden? So ist das m.E. nur die Grundlage für weitere Enttäuschungen und Verletzungen, eigene und dann noch für den anderen, den man datet.

Ob das ein geschlechtsabhängiges Verhalten ist, weiß ich nicht.

Ich würde nur gerne die Motive verstehen - ich für mich date nur, wenn ich wirklich frei bin und nach vorne schauen kann, statt permanent noch in der Vergangenheit zu stecken.

Freue mich über Erfahrungsberichte und Meinungen, bin einfach neugierig.
 
  • #2
Warum? Zur Ablenkung vom Alleinsein, das für zu viele Menschen unerträglich ist.
Ich denke, zu wenige Menschen haben die Selbstreflextionsfähigkeit, zu sagen: ich nehme mir jetzt die Zeit, zu reflektieren, meine Anteile zu erkennen, und dann bin ich bereit für den nächsten Schritt, für eine Beziehung, in die ich die Erfahrungen der vergangen einbringen kann.
 
  • #3
Wann ist man schon wirklich frei? Jeder hat seine Vorgeschichte und auch jeder hier hat irgendeinen oder mehrere Menschen, die ihnen trotz abgeschlossener Beziehung irgendwie noch etwas bedeuten.
Mit Ego pimpen hat das nichts zu tun. Und es sind auch nicht alles Warmwechsler - manche Beziehungen sind seit Jahren getrennt und trotzdem besteht irgendwie noch eine Verbindung.
Ich glaube, wenn ein neuer Mensch wirklich als Partner passt, ist es egal, ob man "warmwechselt" oder schon 4 Jahre getrennt ist.
Wenn es nicht passt, vergleicht man vielleicht eher die guten Eigenschaften seines Expartners mit dem jetzigen und stellt fest, dass der letzte irgendwie doch insgesamt gesehen besser war.
Das Risiko, dass es keine feste Beziehung sondern eine Affäre wird hat man immer. Eine Garantie für eine dauernde Beziehung hast du nie.
Wieso hast DU das Gefühl, dass alle nur Affären suchen und ihr Ego aufpimpen wollen?
Vielleicht hast Du auch Angst, Dich einfach fallenzulassen, weil du schon oft enttäuscht wurdest?
 
  • #4
Ganz einfach:

Weil wir in einer hoch konsumierten Welt leben, weil wenig Menschen gelernt haben, mit Verzicht jeglicher seelisch gesund umgehen zu können und weil viele Menschen für mich gesehen emotional unreif sind. Wäre es anders, würden sie mit sich selbst, mit ihrer Seele, ihrem Körper, mit der Menschheit allgemein, mit der Natur usw. ganz anders umgehen.

w
 
  • #5
Da gibt's sicher jede Mengen unterschiedlichster Motivationen.
Kompensationsdruck für noch vorhandenen Schmerz. Nicht-Aushalten-Können vom Alleinsein. Angst, was zu verpassen, tickende Lebensuhren etc. Bis hin zu einer euphorischen Aufbruchstimmung ("jetzt mach ich alles besser bei der/dem nächsten und ich kanns kaum erwarten, damit anzufangen")
Ich vermute, selbst 30er/40er sind sich oft gar nicht der Problematiken bewusst, die eine nicht verarbeitete Vorbeziehung mit sich bringen und geben dann den o.g. Impulsegebern einfach nach.

Dann gibt's natürlich auch Reflektiertere (zu denen würde ich mich zählen). Die stehen dann aber unter Umständen vor dem Dilemma beurteilen zu sollen, ob sie jetzt schon lange genug getrennt bzw. allein sind. Ab wann "darf"/"sollte" man sich denn mal ernsthaft neu umsehen? Wie misst man das? Dem Expartner nicht mehr nachzutrauern und nicht mehr das Bedürfnis zu verspüren, ihn zurückzuwünschen, mag ja noch eines der leichter zu verifizierenden Indizien sein. Aber die eine oder andere Wehmut über gemeinsam erlebte glückliche Momente kommt doch trotzdem hin und wieder mal hoch; z.B. wenn man sich gerade an Orten befindet, die einen an die alte Beziehung erinnern. Wie ordne ich die ein? Nach Häufigkeit oder Intensität? Denn wenn ich darauf warten sollte, dass ich die gar nicht mehr habe, bin ich alt oder dement.

Kurzum, ohne deinen Thread hijacken zu wollen, wäre für mich die viel praktischere und drängendere Frage: Wie/Woran erkennen wir, dass wir wirklich gelöst genug und bereit sind für eine neue Beziehung? m/43
 
  • #6
Warum gibt man sich nicht die Zeit zum Verarbeiten und Verabschieden? So ist das m.E. nur die Grundlage für weitere Enttäuschungen und Verletzungen, eigene und dann noch für den anderen, den man datet.
Ich gebe zu, im Jahr 2013, nachdem mich mein damaliger Freund verlassen hat, und ich dachte, ich sterbe vor Liebeskummer, habe ich auch gedatet. Genauer gesagt, habe ich mich auf anraten einer guten Freundin bei einer SB angemeldet. Und hatte ca. 6 Dates, von denen 2 intim wurden. Mein Motiv war dabei hauptsächlich die Ablenkung, und dass ich meinen EX irgendwie verglichen habe mit anderen, und ihn so von seinem Podest geholt habe. Als es intim wurde, merkte ich aber, dass mir das emotional nicht gut tut, deswegen habe ich das ganze nach einem halben Jahr beendet.

Den Männern hat es nicht geschadet, die wollten ausnahmslos keine Beziehung.
 
  • #7
Hallo Lionne,

hinter Deiner Frage steht für mich die Grundsatzfrage "Wie merke ich, dass ich (schon wieder) völlig frei bin?". Ich denke, vielen ist gar nicht bewusst, dass sie eben noch nicht wieder richtig frei sind. Dazu kommt, dass jeder hier seine Vorgeschichte hat und die natürlich in das Leben hineinspielt. Wenn Du jemanden suchst, der "frei" ist, musst Du unter 20 suchen und da sind die Menschen dann mindestens teilweise nicht frei von ihren Eltern. Die wenigsten Menschen werden wirklich "frei" sein. Du vermutlich auch nicht.
 
  • #8
Ich denke, vielen ist gar nicht bewusst, dass sie eben noch nicht wieder richtig frei sind.Die wenigsten Menschen werden wirklich "frei" sein. Du vermutlich auch nicht.
Das glaube ich auch! Das wird einem oft erst im Nachhinein bewusst.
Ich glaube aber auch, dass man ganz schnell "frei" wird, wenn es wirklich passt. Dann kann man sich auch verlieben, aber wie oft verliebt man sich wirklich?
Einmal im Leben? Zweimal? oder sogar fünfmal?
Gemessen an der Anzahl an Dates und Möglichkeiten, gemessen an der Anzahl der Sexualpartner vieler ist das trotzdem noch sehr wenig... Viele meinen, dass ein schönes Date in einer Beziehung münden muss, weil es ja gut war.
Passiert aber eben sehr selten, viele Dates werden Affären, manche gar nichts, wenige eine Beziehung.
Das liegt aber nicht immer nur daran, dass wir blockiert sind.
 
  • #9
Wann genau ist denn dieser Zeitpunkt des Abschlusses, wer will das beurteilen und wer sagt ihnen "Jetzt"?

Ich bezweifle eine "böse" Absicht - die meisten Menschen (geschlechterunabhängig), die zu früh nach einer gescheiterten Partnerschaft wieder auf die Suche gehen, werden voll und ganz davon überzeugt sein, sie hätten schon abgeschlossen. Das dem nicht so ist und sich nur eine Fortsetzung des Verlorenen mit einer anderen Person wünschen, merken sie eventuell erst später - oder auch nicht.
 
  • #10
Ich denke, vielen ist gar nicht bewusst, dass sie eben noch nicht wieder richtig frei sind.
Im schlimmsten Fall merkt es der andere, bevor sie es selbst merken. Und versucht dem, was er da spürt, gerecht zu werden, was ihm dann wiederum übel ausgelegt wird – ich bin nicht generell „zögerlich beim Sex”, nur weil ich nicht der fleischliche Ersatz für einen unbekannten Dritten sein möchte.
 
  • #11
Eigentlich habe ich auch immer die Meinung vertreten, dass man erst mit einer Sache abgeschlossen haben sollte, bevor man sich die nächste sucht. Nach meiner letzten Trennung war ich allerdings emotional so durcheinander, dass ich ständig Ablenkung gebraucht habe, sonst wäre ich schlicht durchgedreht.
Als ich mich dann ein paar Wochen nach der Trennung zum Online-Dating entschied, traf ich auch nur auf Männer die in der gleichen Situation waren wie ich. Frisch getrennt und noch kein Stück mit der Beziehung abgeschlossen. Der eine wohnte sogar noch mit seiner Ex zusammen. Während ich versuchte, durch meine Vorgeschichte nicht die Stimmung zu drücken, redete dieser Mann davon, dass er noch täglich alte Urlaubsbilder anguckt, an Orte fährt mit denen er Erinnerungen verbindet usw.
Es scheint also gängige Praxis zu sein Dating als Ablenkung nach einer Trennung zu nutzen und solange mit offenen Karten gespielt wird finde ich das in Ordnung.
 
  • #12
Vielleicht ist es irgendwann Zeit zu akzeptieren, dass man nach einer sehr schmerzhaften Trennung, auch wenn sie reflektiert und verarbeitet ist, nie mehr so unbefangen sein wird wie vorher. Leider sind viele Männer nicht ehrlich zu sich selbst und verletzen dadurch die nächste Partnerin, die nicht versteht, was falsch läuft. (Das gibt es sicher auch bei Frauen). Schön wäre es, sich trotzdem eine gewisse Offenheit zu bewahren-natürlich ist es nicht einfach.
"Offene Karten" finde ich auch wünschenswert. Dann kann das Gegenüber entscheiden, ob er/ sie damit umgehen kann!
Nach der ersten schmerzhaften Trennungsphase würde ich heute auch für neues Daten plädieren, denn zuviel Analysieren und Sezieren zementiert nur die Trauer und Wut. Diese Form der Ablenkung sollte nur offen kommuniziert werden und weder bei einem selbst noch beim Anderen zerstörerisch wirken-und da liegt der Hase im Pfeffer. Denn das zu regeln ist nicht einfach! Alte Gefühle brechen auf, Bedürfnisse entstehen, Ängste, Wünsche, und viel inneres Chaos. Letzen Endes müssen wir aber alle lernen, uns selbst zu schützen und dabei fair mit Anderen umzugehen. Und das heißt auch: nicht wegzusehen, wenn mir etwas nicht guttut oder der Andere leidet.
Den einen idealen Weg gibt es nicht, denke ich. Es ist, wie vieles im Leben, Versuch und Irrtum, Lernen und immer wieder Neuanfang ...
 
  • #13
Ein sehr guter Beitrag, welcher hier wiederholt erscheint, aber immer wieder aktuell ist.

Meiner Meinung nach gibt es so gut wie keinen begehrten,
sprich Alpha-Mann, welcher wirklich frei, unabhängig und schon einige Zeit alleine gelebt hat. Unter Alpha verstehe ich allerdings nicht den Top-Verdiener, sondern einen Mann, der charakterlich im Reinen, attraktiv und gepflegt ist, Manieren hat und sozial unabhängig ist.

Bingo - diese Männer sind in der Regel schon lange vergeben und treu.

Beta-Männer allerdings stromern zu Hauf herum, geben sich als Single aus und irgendwo hockt noch die Dauerverlobte und wartet schon seit 10 Jahren auf den Heiratsantrag - mal überspitzt formuliert. Diese Männer suchen ewig das Besondere, vergessen allerdings dabei, dass sie leider selbst nicht erste Wahl sind.

Diese Typen tummeln sich vorwiegend in Singlebörsen, Bars, Tanzlokalen herum und flirten gerne, sind charmant und mimen den "einsamen Wolf", der im Grunde gut versorgt ist.

Gerade im gewissen Alter noch einen wirklich "freien" Alpha zu ergattern ist die Nadel im Heuhaufen.
 
  • #14
Also, ich kann ein Lied von Getrennten singen, die behaupten, sie hätten wirklich abgeschlossen und seien deswegen auf der Suche, aber voll noch in der Auseinandersetzung und Bearbeitung gefühlsmäßig im "Früher" hängen. Da lebt man noch zusammen in einer Wohnung oder Haus, ist ja ok, oder ist auch schon räumlich getrennt, doch ist die Ex - Beziehung permanentes Thema. Die Orte werden verglichen, die Erlebisse usw. und - darauf angesprochen - noch nicht einmal bemerkt. Klar darf so jemand daten, aber mich frustriert das total und ich gehe. Abgeschlossen mit Früher hat man vielleicht nie, das ist völlig in Ordnung, man erzählt sich ja auch gegenseitig Geschichten von früher, es kommt nur darauf an, wie stark man auch im "Jetzt" leben und die neue Person an der Seite wirklich sehen kann. Also, ich habe darauf keine Lust, dem Anderen zu einer Verschiebung seiner Gefühlslage zu verhelfen. Ein Stück weit sollte er das schon hinter sich gebracht haben. Das gilt für mich, weil ich weiter weg von Früher bin. Vielleicht geht es, wenn Beide sich in einem ähnlichen Wirrwarr befinden.
 
  • #15
@AufdrSuche, ich lese Deine Beiträge immer sehr gerne, immer wieder sehr interessante Denkanstöße und für mich sehr reflektiert.
Es ist kein Hijacken, weil es ja die andere Seite ist, gehört zum Thema.

Nur für mich weiß ich in etwa, wann ich soweit bin und ich weiß aus früheren Erfahrungen, wann und warum ich viel zu früh wieder auf der Suche war.

Jeder Ex prägt einen, man nimmt Erinnerungen mit, gute, schlechte. Es kommen mal positive Gedanken, mal negative. Aber in der Trauerphase bin ich nicht bereit für Neues, dann ist es Ablenkung.
Sehnsucht / Trauer ist etwas anderes als das Gefühl der Dankbarkeit für gemeinsame schöne Erlebnisse.

Ich finde, solange ich in einem potentiellen Partner immer die Eigenschaften des vorherigen suche oder wahrnehme, habe ich nicht abgeschlossen. Ob bei positiven Eigenschaften, Verhalten, genau wie bei negativem.
Solange ich misstrauisch bin und mich nicht einlassen kann, ich Angst vor neuer Verletzung habe, etc. bin ich auch nicht frei. (Nicht eine gesunde Vorsicht gemeint)

Solange ich aus negativen Erfahrungen Pauschalurteile formuliere (alle Männer sind...), bin ich auch nicht frei.

Ich möchte den anderen als Mensch für sich wahrnehmen und nicht im Vergleich, mit seiner ganzen Vielfalt an Eigenheiten. Bereit sein für die ganze Gefühlspalette. Und dann beim Verlauf des Kennenlernens feststellen, ob die Passung zwischen uns ausreicht.

Letztendlich, aber dies dann der eigenen Lebenserfahrung geschuldet, braucht es Zeit für die Reflektion. Wenn regelmäßig die gleichen Probleme in Beziehungsanbahnung bzw. Beziehung auftreten, dann bedeutet es für mich inzwischen hinschauen und meine Muster überprüfen. Aber auch sonst ist jedes Ende erst mal ein Anlass zum Hinschauen und Bilanz ziehen.
Erst, wenn ich diesbezüglich an mir gearbeitet habe, bin ich wirklich frei für Neues. (Auch für andere, neue Fehler).

Und eine Erfahrung, was immer schief geht - man hat mit einem früheren Partner Lieblingsorte, o.ä. gehabt und hat die Erwartung, wenn man mit einem neuen Partner dort hin geht, ist es genau wie damals. Ist es nie. Selbst wenn es schön ist, ist es garantiert anders.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #16
Offene Karten können aber auch nach hinten losgehen. Also ich wollte nicht wissen, dass ein Mann noch an eine andere denkt. Und wenn ein Mann mir das auch noch sagt, wäre ich aber ganz schnell weg.
Und dann?
Vielleicht wäre es trotzdem etwas geworden.... nach einigen Trennungen, einer Scheidung oder vielen Verletzungen ist eine Beziehungsanbahnung vielleicht auch mal etwas, was nicht nach drei Dates im Kasten ist... vielleicht dauert es auch ein halbes Jahr oder länger...
wenn man natürlich erwartet, dass sofort alles klappt mit diesem fremden neuen Menschen, obwohl man sich kaum kennt, dann sind die Chancen groß, dass man enttäuscht wird.
Wenn man sich mit dem Kennenlernen und den Erwartungen mal etwas Zeit lässt, kann vielleicht aber etwas Neues wachsen....
 
  • #17
Warum gibt man sich nicht die Zeit zum Verarbeiten und Verabschieden?
Wer voreilig datet ohne mit der vorherigen Beziehung abgeschlossen zu haben, kann das Alleinsein, demzufolge sich selber nicht ertragen. Das sind die schlechtesten Vorrausetzungen für eine neue Beziehung.

Ich halte es für einen Irrtum, dass einer oder beide Beziehungsinteressierten nur an einer unbewältigten Trennnung zu knabbern haben oder mit Datingaktionismus verdrängen. Ab einem gewissen Lebensalter hat man es nicht nur mit einer unbearbeiteten Vorbeziehung zu tun, sondern aus diversen gescheiterten und unbearbeiteten Beziehungen hat sich ein nicht mehr auseinanderdifferenzierbarer Beziehungsmüllhaufen gebildet - kontaminiertes Gebiet von dem sich weitgehend unbeschädigte Partnerschaftsaspiranten im eigenen Interesse fernhalten sollten. Die Dauerabonnenten von Singleböärsen sind dieser Typ, ergo sollte man sich davon fernhalten.

Wer so gezielt nach einem Partner sucht, hat m.E. eine Menge unbewältigte Probleme und der neue Partner soll, ihm irgendwie vom Hals halten, dass diese sich die die Wahrnehmung drängen. Das passiert zwangsläufig beim Alleinsein.
Wer mit sich selber gut leben kann, der kann auch neue Partnerschaft und findet sie, ohne zu suchen.
 
  • #18
Ich kann mich hier vielen Beiträgen anschließen. Insbesondere die Frage danach, WANN man denn wieder bereit ist, und ob man das theoretisch weiß oder erst einen praktischen Versuch machen muss, um es zu merken.
Als meine Beziehung zu Ende war, war sie emotional schon zwei Jahre sehr unterkühlt. Als Schluss war, habe ich mich befreit gefühlt und mir ist bewusst geworden, wie feige und abhängig ich war. Aber auch in der Beziehung wusste ich nicht, was ich machen sollte, denn genauso, wie die andere Frage, besteht ja auch die, WANN ist es genug und die Beziehung passt nicht? Konnte ich nicht beantworten, weil ich meine Bedürfnisse nicht kannte.
Ein Jahr nach der Trennung habe ich mich unglaublich verliebt. Da der Mann verheiratet ist und ein Abhängigenverhältnis bestand, war klar, dass die Beziehung nicht stattfindet und dadurch, dass ich sie aber in Gedanken gelebt habe, habe ich gemerkt, wie mein Freiheitsdrang gegen den Drang, genau wieder so eine Beziehung einzugehen, die ich hatte und die mir nicht guttat, stand. Es wären wieder dieselben Probleme aufgetreten. Dadurch konnte ich trotz schlimmem Liebeskummer sehen, dass diese Sache vermutlich recht schnell wieder beendet gewesen wäre und ich meine alte Beziehung in dieser neuen verarbeitet hätte.
Ich hätte wieder aus "Liebe" zurückgesteckt, weil ich die Beziehung unbedingt hätte erhalten wollen, und genau das war es aber, das die alte Beziehung so unlebbar gemacht hatte.

Nun weiß ich besser, was ich will und was ich nicht will, und zufällig ist dabei keine Folge-Beziehung vonnöten gewesen. Wie es in einer nächsten aussehen wird, kann ich noch nicht sagen. Ich habe gemerkt, dass ich besser meine Bedürfnisse kenne und sie kommunizieren kann, aber man merkt es erst sicher, was los ist, wenn man real konfrontiert ist mit diesen Problemen.

Das Forum ist äußerst lehrreich, weil man so schonmal die Erfahrung von anderen in Situationen, die einem Probleme machen, lesen kann und deren Lösung für sich durchspielen kann vom Gefühl her sowie eigene "Motivationen" besser verstehen kann, irgendwie zu reagieren oder irgendwas auszuhalten. Denn es steckt ja z.B. nicht, wie so oft interpretiert, Liebe hinter destruktivem Verhalten des Partners, und man sollte das nicht als "Kompromiss" ausblenden, was alles wehtut und nicht passt.
 
  • #19
sondern einen Mann, der charakterlich im Reinen, attraktiv und gepflegt ist, Manieren hat und sozial unabhängig ist.
Klar werden einem Mann, wie Du ihn beschrieben hast, die Frauen die Tür einrennen, aber sind da wirklich solche top Frauen dabei, und müssten die nicht nach Deiner Rechnung auch schon lange vergeben sein?

Es lässt irgendwie außer Acht, dass viele Frauen auch "beta-mäßig schlimm" sind und dass nicht jeder "Alpha"-Mann eine nach Deiner Definition gesehene "Alpha"-Frau finden kann. Dann würde er als echter "Alpha" doch weiter suchen und eben lange nicht verbandelt sein.

Wenn einen "Alpha"-Menschen ausmacht, dass er sich trennt, wenn er merkt, dass sein Partner nicht mitgeht in der persönlichen Reife, dann ist er vielleicht lange allein, weil er mit sich selbst ins Reine kommen muss und keine passende Person trifft.
Ich habe den Eindruck, Du denkst, dass "Alpha"-Menschen ab 20 oder so schon "fertig" sind und deswegen automatisch die richtigen Partner wählen. Da fängt das Lernen fürs Leben und das Erwerben von Reife und Lebenserfahrung doch erst an, wenn man denn zu Selbstreflektiertheit fähig ist.
 
  • #20
Gerade im gewissen Alter noch einen wirklich "freien" Alpha zu ergattern ist die Nadel im Heuhaufen.
Ja, das stimmt. Wirklich frei sind Singles eben teilweise auch nicht. Sie hängen ihr Leben lang Träumen hinterher, idealisieren ihren Vater oder irgendwelche "Alphamänner", die sie vielleicht mal angehimmelt, aber nicht bekommen haben. Gefangen in Vater-Komplexen sozusagen.

Eigentlich auch eine Form von "nicht frei" oder "nicht abgeschlossen", oder? Wie geht ein potentieller Partner am besten damit um, dass die Partnerin (oder umgekehrt) irgendwelche idealisierten "Idole" anhimmelt? Es soll ja auch Männer geben, die ihr Leben lang von einer vollbusigen, langhaarigen Blondine träumen und doch nur eine kurzhaarige Brünette abbekommen.
 
  • #21
Wie ich ja schon desöfteren erwähnte, hatte ich noch nie eine feste Beziehung, nur Freundschaft+/Affären, aber ich war natürlich schon verliebt - einseitig. Und für einen der Freundschaft+-Männer empfand ich etwas, was ich nicht wirklich einordnen konnte. Wie Verliebtheit fühlte es sich nicht an, aber ich empfand definitiv mehr für ihn als er für mich, was mir ziemlichen Kummer bereitete, als es mit uns auseinanderging.

Ich will damit sagen: auch ohne Beziehungserfahrung i.e.S. kenne ich die Situation, innerlich noch an jemandem zu hängen. Und ich bin früher sehr oft in genau dieser Situation wieder auf die Suche gegangen.

Ich wollte den Liebeskummer nicht mehr spüren, bzw. die Leere, die sich nach Überwindung des akuten Liebeskummers einstellte. Ohne Beziehung kann ich gut leben, aber bis vor Kurzem fehlte mir etwas, wenn ich in niemanden verliebt bin.

Außerdem verspürte ich einen gewissen Druck, endlich einen Mann für eine feste Beziehung zu finden. Von Freunden, Familie und Foren wie diesem wurde mir immer vermittelt, dass es Zeitverschwendung sei, jemandem nachzutrauern. Und dass mein Fehler (der Grund, warum ich noch nie eine feste Beziehung hatte) darin liegt, dass ich mich zu sehr mit den Männer beschäftige, die ICH will und zu wenig mit denjenigen, die MICH wollen. Wenn ich jemandem erzählte, dass ein Mann Interesse zeigt, ich aber noch an jemand anders hänge, bekam ich zu hören: "Das ist doch kindisch! Gib doch mal den Männern eine Chance, die dich gut finden, statt unerreichbaren Typen hinterherzutrauern. Wenn du so weitermachst, kommst du nie zu was!"

Und so habe ich mich in den letzten Jahren immer mal wieder halbherzig mit irgendwem getroffen; quasi aus Pflichtgefühl mit jedem interessierten und halbwegs netten Mann ein paar Dates absolviert.

Aber jetzt ist Schluss damit. Ich habe beschlossen, wieder mehr auf mein Gefühl zu hören, statt mich von Anderen bequatschen zu lassen. Es ist mir mittlerweile wurscht, ob Andere es kindisch finden, Trauerarbeit über jemanden zu leisten, mit dem man nie fest zusammen war. Und in Zukunft werde ich mich nur noch mit einem Mann treffen, wenn ich wirklich das Gefühl habe, dass es was werden könnte.
 
  • #22
Alpha - Menschen sind wohl ein Ideal, Liebe @Herakles.

Keine/r würde wohl von sich ernsthaft behaupten, all diese Vielzahl von Eigenschaften auf sich zu vereinen.

So wie es für Arbeitgeber auch nicht die eierlegende Wollmilchsau gibt, so gibt es den Alpha- Menschen nicht, weder unter Männern noch unter Frauen.
Und dann ist diese Definition, was Alpha bedeutet, auch noch individuell.

Ich kann für mich dieses Ideal definieren, aber das ist dann mein Lebensentwicklungsziel, das sich im Lauf des Lebens und mir den diversen Erfahrungen immer wieder neu definiert. Nur falls ich es jemals annähernd erreichen sollte, bin ich leider altersbedingt nicht mehr jung und knackig und nur bedingt attraktiv.

Ich mag mich aber auch mit meinen Macken, und neben dem perfekten Alpha- Mann hätte ich wahrscheinlich ganz schöne Minderwertigkeitskomplexe. Vielleicht wäre es auf Dauer auch ganz schön anstrengend, immer einen verständnisvollen, empathischen, reflektierenden Partner neben sich zu haben - könnte mir auf Dauer so richtig auf die Nerven gehen und / oder ziemlich langweilig werden.

Perfektion ist letztendlich kein Ideal.
 
  • #23
Ich bin bei dieser Frage zwiegespalten. Ich habe schon erlebt, dass Menschen sich nach einer Trauerphase einfach aus Prinzip wieder ins Piranha-Becken des Datens geworfenhaben und dabei über die große Liebe gestolpert sind, meine Eltern zum Beispiel vor 30 Jahren. Ich selber bin da auch nicht ganz unschuldig. Nach der letzten Trennung habe ich mich nach 6 Monaten auch wieder ans Verabreden gemacht, auch wenn ich innerlich noch nicht darüber hinweg gewesen bin. Geklappt hat es dann erst nach einem Jahr des Single-Seins - und in der Datingphase habe ich leider auch einige Männer "zermürbt", weil sie dann doch in der Friendzone gelandet sind. Für mich war es ehrlich gesagt schon eine Form des "Darüber-Hinwegkommens". Ich hatte ihnen zwar nichts versprochen und auch gesagt, dass ich mir nicht sicher bin, aber irgendwie habe ich schon das Gefühl, sie nahmen es mir übel.

Ehrlich gesagt finde ich es auch in Grenzen normal, beim ersten Date vielleicht noch halbwegs gedanklich besetzt zu sein. Viele rekapitulieren doch ihre Fehler und Lektionen der letzten Beziehung, wenn sich das Leben gerade datingtechnisch im Leerlauf befindet. Man hat zudem keine Garantie gemäß der Formel "wenn ich so und so lang komplett alleine bleibe, taucht nach x Monaten der Mister Right auf und dann passt Alles", nein, in der Realität ist es dann eher so "wenn ich allzu lang weg vom Fenster bin, schließt sich vielleicht dieses Zeitfenster, in dem ich über jemanden stolpern könnte" und in so manche Liebe wächst man eher unerwartet rein.
 
  • #24
Wann ist man wirklich frei? Die Engländer sind mit ihrer liberalen Tradition etwas differenzierter und unterscheiden zwischen "to be free from..." und "to be free to...". Der Bettler ist von allem befreit, der Milliardär ist zu allem frei, also frei zu tun.
Die Mehrheit der Leute liegt irgendwo dazwischen, auch auf dem Partner"markt".
Nach meinem Eindruck herrscht da aber auch eine Art Chaosprinzip: Alle möglichen Leute machen alles mögliche und es passiert irgendetwas und es kommt irgendetwas heraus und wenn alle glücklich sind ist es gut und wenn es nicht so gut läuft wird herumrationalisiert und dann war eben das nicht-verabeitet-haben schuld.
Andererseits, eins ist klar: Bei der klassischen Warmwechselei (furchtbarer Ausdruck) sind die Chancen auf eine dauerhafte, feste Beziehung eher gering. Das weiß man heutzutage aber auch.
 
  • #25
- ich für mich date nur, wenn ich wirklich frei bin und nach vorne schauen kann, statt permanent noch in der Vergangenheit zu stecken.
Ja, das glaubst du vielleicht tatsächlich, das wünschst du dir, du hättest wahrscheinlich auch gerne, dass dir das dein Gegenüber, eventuell, warum auch immer, das Forum so abnimmt.

Der Punkt ist aber, dass (1) niemand jemals "wirklich frei" von seiner Vergangenheit ist, und dass (2) dieser "Zustand" so dynamisch, so subjektiv, so subtil von so vielen äußeren und inneren Faktoren abhängt, dass man sich über ihn kaum verständigen, ihn messen, beurteilen kann (was du natürlich in deiner Frage implizierst - viele Leute sind "unfrei" und wissen das nur zum Teil, du dagegen kannst das deiner Meinung nach gut beurteilen, bist selbst aber natürlich "frei"... vielleicht bist du in Wirklichkeit einfach nur besonders unkritisch mit dir selbst und besonders schnell dabei, ein Urteil über andere zu fällen?).

Eine sinnvolle Annäherung an diese Frage wäre eventuell zu klären, wie lange eine zurückliegende Beziehung im Durchschnitt noch zu schaffen macht, wie lange man zum anderen zurückgehen würde, wenn sich die Chance bietet.... darauf kommt es doch letztlich an, oder?

manchmal