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Gast

  • #1

Warum bekommt man Kinder, wenn man vollzeit arbeiten will / muss?

Ich lese immer wieder, dass Job und Familie so schwer unter einen Hut zu bekommen seien.
Und ich lese eben so oft, dass ein Leben ohne Kinder und Familie nicht lebenswert sei.
So stelle ich mir also die Frage:
Sollte man nicht dann eine Familie gründen, wenn man auch wirklich Zeit & Nerven hat, sich mit den Kindern zu beschäftigen?
Wenn man sie erziehen, sie prägen und sie aufwachsen sehen kann?
Wo ist der Sinn, Kinder in die Welt zu setzten, wenn an sie mit 6 Monaten in eine GanztagsKita gibt?
Ich schaff mir doch auch keinen Hund an, um ihn von 7:30 - 18:00 zum Hundesitter zu geben, ....oder doch?
 
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Gast

  • #2
naja, also einen Vergleich mit nem Hund?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich das ganze gejammer nicht verstehen kann. Frag mal Deine Grosseltern, wie sie das eigentlich unter einen Hut bekommen haben.

Die hatten richtig schwere Zeiten und sicher auch Existenzängste.

Kinder bekommt man, weil man gerne was von sich weitergeben möchte. Ob man ein Kind mit 6 Monaten in die Kita gibt ist jedem selbst seine Sache - für mich persönlich wäre das eher nichts.

Das Problem mit Zeit & Nerven ist: Die hat man NIE oder immer - das hängt von den Personen ab.

In einer Diskussion sagte ein Bekannter von mir: Jeder hat immer Zeit - keine Zeit zu haben gibt es nicht? Auf meine Frage wie er denn darauf kommt, meinte er:

Wenn morgen um 14:00 Uhr ein Topmodel XY mit Dir ausgehen würde (und NUR dann und sonst nie wieder) und du hast eigentlich einen anderen Termin - verschiebst Du diesen dann oder nicht?

Zeit haben ist immer ein abwiegen - Was ist mir wichtiger ! Für was nehme ich mir Zeit ?
 
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Gast

  • #3
Da treffen Sie einen wunden Punkt der "modernen emanzipierten" Gesellschaft. Aber auf Dauer wird das sowieso nicht gutgehen, siehe Untergang des römischen Reiches, der Griechen, usw.
 
  • #4
Können wir eine solche Frage auch mal ideologiebefreit stellen und beantworten?
Kein Vater und keine Mutter gibt sein Baby mit 6 Monaten in eine Ganztagskita! In der Regel wird das Baby zu dem Zeitpunkt noch gestillt und die Eltern sind in Elternzeit.

Leider sind die meisten nicht als Millionäre geboren und müssen und wollen arbeiten gehen um den Lebensunterhalt zu verdienen. Was glaubst Du, wie das auf der ganzen Welt abläuft? Wenn arbeitende Menschen keine Kinder bekommen und lieben dürften wäre die Menschheit schon ausgestorben.
Man prägt, erzieht und sieht die Kinder aufwachsen, auch wenn man nicht 24/7 um sie herumschwirrt.

Oder war die Frage mal wieder nur an die Frauen gerichtet und nicht an die Väter?? Die fragt doch auch keiner, ob sie es doof finden, ihre Kinder nur abends nach Feierabend zu sehen. Sind sie deswegen schlechte Väter?
 
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  • #5
Weil es heute einfach einen finanzielle Frage ist. Oft reicht ein Gehalt gar nicht aus. Oder man hat die Möglichkeiten der Großeltern in der Nähe die auf das Kind aufpassen.
 
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  • #6
Wenn die Leute doch nur einen analytischen Blick in ihre Einkaufswägen werfen würden, dann würden sie erkennen, dass das meiste, was sie kaufen, überhaupt nicht brauchen.

Work, buy and die, Slave!

Ich kann diese "wollen/müssen" nicht mehr hören. Wer glücklich ist, konsumiert weniger. Die meisten Leute, die ich kennen, schmeißen ihr Geld für das x-te Paar Schuhe raus, den x-ten schwarzen Pulli, gelbe Plastikeier für ihre Kinder, das x-te tolle neue Smarthphone. Wir haben diese Spirale durchbrochen und kaufen nur das, was wir brauchen, wirklich brauchen, Elektronisches auch gerne gebraucht über eine Rekauf-Plattform! Weder pinklila Mädchenspielzeuge noch irgendwelchen anderen Mist kaufen wir. Nahrungsmittel nur die Grundnahrungsmittel, gekocht wird mit Lebensmitteln der Saison. Wozu muss man Erdbeeren im Dezember essen?

Ein Auto reicht nun aus, der Rest wird mit Fahrrad erledigt. Betreuungskosten = keine. Und schaue da, das Geld reicht!!! Ein Gehalt reicht wieder aus! Ja komisch. Die Menschen verstehen nicht, welch großartige Einnahmequelle in der Sparsamkeit liegt. Ja, und die Medien machen alle panisch, und jeder zittert um sein Geld, von dem er doch nur Murks kauft. Wieso nach 3 Jahren eine neue Einrichtung, wozu?

Die meisten Käufe kompensieren die eigene Unzufriedenheit. Wenn jemand aus diesem Hamsterrad aussteigt, wird er oft beschimpft oder als "Heimchen" bezeichnet, was wiederum bezeichnend ist.

Viel Spaß weiterhin beim Kaufen, Kaufen, Kaufen - und jammern, das das Geld nicht reicht!
 
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Gast

  • #7
Du liebe Güte. Menschen, die Kinder bekommen, sollten zunächst den Lebensunterhalt sicherstellen und zwar selbst, das heißt, dies weder der Gesellschaft überlassen noch dem Partner. Das ist Verantwortung und ein gutes Vorbild. Dass Kinder von Menschen, die den ganzen Tag in der Nähe der Kinder sind, besser gedeihen als Kinder mit arbeitenden Eltern, die sich ihnen bewusst widmen, trifft erwiesenermaßen nicht zu. Mich ärgern die kleinen unsozialen Prinzen und Prinzessinnen immer am meisten. Die Zeiten, in denen die Kinder als Entschuldigung für eigene Faulheit dienen konnten, sind vorbei. Zu Recht.
 
  • #8
Weil diese Menschen Kinder haben, und mit ihnen zusammen leben wollen.

Auch um den Preis, daß die Eltern mehr arbeiten müssen, um genug Geld für die Familie zu verdienen.
Viele Paare nehmen sehr viel auf sich auf, um Kinder zu haben.

Im Leben gibt es auch Kompromisse. Wie z.B. arbeiten gehen, um das Geld zu bekommen.
Man könnte auch sagen: Den ganzen Tag arbeiten gehen, nachts schlafen, was hat man dann noch vom Leben ?

Trotzdem fühlen sich viele Menschen innerlich erfüllt, durch ihre Arbeit. Über die Anerkennung und Erfolgserlebnis dabei.
Selbst wenn eine Autofabrik geschlossen wird, sind die Mitarbeiter stolz auch auf das letzte Auto, daß sie gebaut haben.

Erfüllung durch Arbeit - Erfüllung durch Kinder - Erfüllung durch Partnerschaft - trotz deren Nachteile.
 
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Gast

  • #9
kinder waren schon immer eine finanzielle Frage. Der Unterschied ist der, dass man früher Kinder nebenbei mitlaufen ließ, sie mussten aber auch immer mit arbeiten, egal ob auf dem Land/Dorf, oder in den Städten. Die älteren Kinder haben den Eltern viel Arbeit abgenommen!

Daher war es damals so, dass Mütter immer Unterstützung hatten bei Hausarbeit, Ernte und sonstigem. Das kann man mit heute nicht vergleichen. Heute überlegen viele Menschen sehr viel genauer aus Zeitmangel z.B. gar kein Kind oder nur Eines zu bekommen. Der Trend zur Ein-Kind-Familie geht auch auf finanzielle und ökonomische Abwägungen zurück, sprich, er wird zum Modell von Familien mit weniger Einkommen, die sich aber Zeit für das Kind nehmen wollen!

zumindest ist das in meinem Bekanntenkreis teilweise so.

Familien mit mehrern Kindern sind das Lebensmodell von Familien mit ganz geringem Einkommen (z.B. Sozialhilfeempfänger) oder von recht wohlhabenden Familien. Dort kann die Frau auch länger zu Hause bleiben, oder Teilzeit arbeiten.

Personenkreise die wenig Zeit haben, bekommen weniger Kinder. Vor allem die Männer wollen das nicht mehr, sich zwischen Privatleben und Beruflichem aufreiben, sie sind die, die heute meistens Kinder verhindern in Beziehungen.

Mein Modell sieht so aus: EinKind-Familie, aufgrund der hohen Scheidungsraten und finanziellen Gründen. Ich wollte es mir leisten können Teilzeit zu arbeiten, das kann ich mir so leisten. Allerdings werde ich wohl einer der vielen kinderlosen Frauen bleiben, bin nämlich schon 36.

Vollzeit arbeiten und kinder ist eine viel zu große Belastung. Die Nachbarin meiner mutter macht das so, meine Mutter erzählt, diese Kinder sind schon verhaltensauffällig. Ständig muss meine Mutter auf die aufpassen und die Kinder sind schon irgendwie negativ geprägt dadurch: Unruhiger, Zappelig, leichte Konzentrations/Lernprobleme.

Dann lieber nur ein Kind und Teilzeit arbeiten können!
 
  • #10
Ich wäre WAHNSINNIG geworden, wenn ich x Jahre nur über Putzmittel und Windelmarken hätte nachdenken müssen.

Aber etwa ein bis eineinhalb Jahre sollte das Kind schon reine Nestwärme haben und dann langsam, je nach Charakter schneller oder langsamer in eine Kita integriert werden. Soviel Zeit sollte optimaler Weise schon sein.
 
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  • #11
Mit anderen Worten - warum haben Männer überhaupt willentlich Kinder gezeugt in den letzten Jahrzehnten (als noch in der Regel die Mütter komplett zuhause blieben und er arbeiten ging), wenn sie diese dann durch ihre Vollzeitberufstätigkeit gar nicht "richtig" aufziehen konnten? Hätten deiner Meinung nach diese Männer auch alle aufhören sollen zu arbeiten, sobald sie Väter wurden?
Oder machst du da unterschiede zwischen Männern und Frauen? Wenn ja, warum? Sie sind doch beide zu gleichen Teilen Eltern.

Mit Luft und Liebe allein kann keiner ein Kind groß ziehen, also müssen die meisten Menschen (Großerben und Lottogewinner mal ausgenommen) arbeiten gehen für ihren Lebensunterhalt.

Ein Kind, das vernünftig fremdbetreut wird, das erleidet dadurch auch keinen Schaden, im Gegenteil. Es wird ein ausgeprägteres Sozialverhalten seinen Mitmenschen gegenüber entwickeln und später viel selbstständiger sein im Leben als diejenigen Kinder, welche von kleinauf ausschließlich von den eigenen Eltern geprägt wurden.

Insbesondere, wenn die eigenen Eltern bzw. der betreuende Elternteil so "einfach gestrickt" ist, dass er/sie meint sich null Gedanken über seine eigene Zukunft machen zu müssen, und die Tatsache, dass ein Kleinkind nun eine (auf das gesamte Leben gesehen) doch relativ kurze Zeit der intensiveren Betreuung durch Erwachsene benötigt, als Anlass nimmt komplett aus dem eigenen Beruf auszusteigen.
Und was passiert dann nach der Kleinkind-Phase?
Was gibt man einem Kind mit auf den eigenen Lebensweg, wenn die einzige intensive Bezugsperson dem Kind gerade in der heutigen Zeit vorlebt selber so wenig Verantwortung für seine eigene Versorgung zu übernehmen?

Wann ist denn das Kind deiner Meinung nach alt genug, dass es Zeit wird auch durch andere Sozialkontakte gesellschaftliches Leben zu erlernen, um sich später in dieser Gesellschaft entsprechend zurecht zu finden?

Jedes Jahr habe ich schnell raus, welche unserer neuen Auszubildenden zuhause Eltern hatten, die beide gearbeitet haben und welche jahrelang ausschließlich von ihren Helikopter-Müttern betreut wurden. Erstere erkennt man daran, dass sie grundsätzlich viel selbstständiger sind, sich flexibler auf unterschiedliche Charaktere ihrer Kollegen einstellen und damit umgehen können, sie haben es dadurch in vielen Bereichen leichter und haben meistens eine viel sozialere Einstellung den Kollegen gegenüber als wie die "behüteten".
 
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  • #12
in den letzten Jahrzehnten gab es zumindest weniger verhaltensauffälige Kinder. Heute soll jedes 5. Kind schon Bewegungs- oder Verhaltensprobleme haben.

Auch ein pubertierender Mensch braucht Ansprechpartner. Von Bekannten von uns arbeiteten beide Vollzeit, sie war nur am Wochenende zu Hause, dass der Junge in die Drogenszene abdriftete bekam keiner mit. Nachher gab es nur Ärger. Es gibt gute Gründe, dass auch ältere Kinder Ansprechpartner brauchen.

Das es immer mehr verhaltensauffällige Kinder gibt, führe ich darauf zurück, dass die Familien immer weniger Zeit füreinander haben, immer mehr arbeiten Beide.

Ich selbst bin aufgewachsen als eine Mischung aus Schlüsselkind und vernachhlässigter Nachzügler. Meine Eltern haben sich mit Haus, 3 Kindern finanziell übernommen, also wurde viel gearbeitet, meine Mutter war immer nur gestresst, pöbelte dann rum.

Daher möchte ich mit kind nachher nur Teilzeit arbeiten und Zeit dafür haben! Ich kenn es ja anders. Diese Dauergestresse hat mich selbst total nervös und unruhig immer gemacht.

Man hat nur ein Leben, der Tag nur 24 Stunden, und man lebt nicht nur um zu arbeiten!
 
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  • #13
Mein Arbeitgeber fördert die VZ/Familie Kompatibilität.
Frauen verdienen gleich viel wie Männer, es gibt eine hauseigene Krippe, gleitende Arbeitszeiten, home-working, Elternurlaube und die Möglichkeit zu Teilzeitarbeit.
Dazu ist das Gehalt so bemessen, dass jeder die Möglichkeit hat sich eine Putzfrau, Babysitterin, Aupair zu leisten.
Somit gibt viele Frauen in unserer Firma, die nach 6 Monaten VZ gearbeitet haben, oder spätestens nach 1 Jahr wieder voll eingestiegen sind, u.a. auch ich, denn ich finde meine Arbeit spannend und mir ist meine (finanzielle) Eigenständigkeit wichtig.
Wir verstehen uns als echte Partner (er arbeitet in derselben Firma), d.h., wir teilen uns die häuslichen Aufgaben/Pflichten, sind beide für unsere Kinder da und tragen zu gleichen Teilen zur Haushaltskasse bei.
Für mich persönlich ist es ein sehr gutes Modell.
Es gibt aber auch einige Kollegen, bei denen die Frau zu Hause ist, oder mehrere Kollegen/Innen, die die Flexi-Angebote des Arbeitsgebers gerne annehmen. Was für einen passt muss im Enddefekt jeder für sich herausfinden....
w,41, 3 Kinder
 
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  • #14
Hundebesitzerin an FS

Also Kind und Hund würde ich nicht gleichsetzen wollen ...
Der Hund lebt je nach Rasse 7-15 Jahre.
Ihm ist es egal wieviel du arbeiten musst, Hauptsache es geht Gassi und das Fressen und Spielen mit anderen Hunden ist gesichert.

Führungsjobs: Mit Kind ist es problematisch mal eben nach Dubai zu fliegen weil der Boss es will.

Als Frau mit Kindern machst du selten Karriere bis in die Chefetage. Du bleibst irgendwo dazwischen hängen. Daher musst du ehrlich zu dir sein und ich fragen was dich im Leben wirklich antreibt.
Willst du was gestalten oder willst du eine Familie "gestalten" und hauptsächlich arbeiten um die Familie am Leben zu halten ?
Ausserdem gehen Kinder auch irgendwann aus dem Haus und dein Leben ist dann möglicherweise nicht mehr sehr interessant wenn es nur um Kind und Kegel kreiselte.
 
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Gast

  • #15
Ich bin auch Schlüsselkind gewesen.
Meine Mutter (später AE mit 3 Kindern) hatte zum Teil zwei Jobs, um uns irgendwie durchzukriegen. Als die Ehe noch funktionierte, war mein Vater 5 Tage die Woche im Aussendienst.

Ich würde meine Kindheit als "nicht schön" bezeichnen.
Meine Mutter war oft überfordert, mit den Nerven und den Kräften am Ende.
Ich denke, für SIE wäre es besser gewesen, nur ein Kind zu haben.
Heute ist sie knapp 70 und ein Wrack.
 
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  • #16
@#12:
Ja, schön und gut, was du schreibst. Aber deine Situation ist nicht unbedingt die Standard-Situation der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland. Was dein Arbeitgeber euch bietet, kannst du ja nicht einfach per se auf alle anderen übertragen. Mit euren Voraussetzungen ist das natürlich alles machbar und ein gelungenes Modell, aber wer bitte kann schon auf eine hauseigene Krippe UND home-working UND etc. pp. zurückgreifen?
 
  • #17
Wieso nur???

Hmmm, vielleicht weil der FS uns mal wieder ganz subtil unterjubeln möchte dass nur die Traditionelle Familie einen Wert hat?

Lieber FS: Es möge jeder nach seiner Fasson selig werden. Aber die Kinder sind in beiden Modellen gleich gut aufgehoben. Schau doch einfach mal über die Grenzen, Skandinavien zum Beispiel. Da ist es seit vielen Jahren völliger Standard dass beide Elternteile sich die beiden Blöcke 50/50 aufteilen. Die Kinde gedeihen dabei zu Selbstbewussten und Selbstständigen Menschen die auch nicht mehr Neurosen mit sich rumschleppen als unsere Kinder.

Man kann wunderbar seine Kinder erziehen, aufwachsen sehen wenn man auch noch Vollzeit arbeitet. Auch die Geschäftsreise nach Dubai geht- dann ist halt der Partner dran. Alles was bei uns unter 35 ist und Kinder hat macht das so, Im Bedarfsfall organisiert auch die Assistentin etwas damit klappt.

Ein Auto reicht nun aus, der Rest wird mit Fahrrad erledigt. Betreuungskosten = keine. Und schaue da, das Geld reicht!!! Ein Gehalt reicht wieder aus!
Och, das bezweifle ich in keinster Weise. Ein Facharbeitergehalt reicht aus wenn man nicht meint alles haben zu müssen.

Die Überlegung ist eine völlig andere: Zum einen verkümmern die meisten Vollzeithausfrauen geistig nach 10-15 Jahren in denen der Orbit ausschliesslich um die Kinder kreiselt. Zum anderen- was machst Du wenn die Kinder aus dem haus sind? Däumchen drehen? Das Wissen ist komplett veraltet, einen Job findet Frau dann eher nicht mehr so einfach.

Oder was ist bei Scheidung, Verletzung/Krankheit oder Tod des Ernährers?

Soll ja vorkommen.
 
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  • #18
Als Lehrerin an einer Ganztagsschule frage ich mich das auch. Viele Kinder werden hier nur geparkt, man ist froh, dass man sie los ist, sie haben fast eine engere Bindung zu mir als in vielen fällen zu den Vätern, die sie kaum sehen. Mütter reden dann gern von ihren selbständigen Kindern und sind superstolz: bei mir sitzen die Kleinen und weinen und weinen. Oft muss ich Gespräche führen, in denen die Kinder fragen, warum die Eltern so selten da sind - und das ist Sek I, keine Grundschule! Viele stehen morgens um 7h schon vorm Gebäude, wenn es aufgesperrt wird und verlassen es um 17.30, wenn es zu gesperrt wird. und fahren dann noch mit dem Bus nach Hause.
Ja, da bleibt viel Zeit für Familie und Erziehung. aber Hauptsache man kann in der Nachbarschaft mit den Kindern angeben - deren Sorgen und Nöte eine fremde Frau übernimmt jeden Tag, die zu ihrer Bezugsperson Nr. 1 geworden ist.
Schöne neue Welt.
 
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  • #19
Ich bin recht alleine aufgewachsen, während meine Eltern immer weit auswärts und Vollzeit arbeiten gingen. Meine Mutter war eine richtige Karrierefrau, die über Leichen ging. Sie waren dann nachts um 22 Uhr erst daheim. Manche Abende habe ich sie gar nicht gesehen. Im Prinzip war mir das ganz recht. Die Erziehung, Frühstück, Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung haben die Großeltern übernommen. Das fand ich nicht gut, denn bei den Großeltern ging es strenger und altmodischer zu. Die Großeltern haben mir zu veraltete Werte beigebracht, die einfach nicht mehr zeitgemäß waren, worüber ich sogar in der Schule und bei den Lehrern gemobbt wurde.

Meine Mutter war dagegen immer sehr modern, wollte aber scheinbar mit der Erziehung und Schule nicht sonderlich viel zu tun haben und mein Vater hatte kein Mitspracherecht. Bei meiner Mutter ging alles immer nur um Geld, Verdienst, Geldausgeben, Geldanschaffen, Luxus. Mein "Luxus" beschränkte sich darauf, dass ich nachmittags daheim in meinem Zimmer saß und Freundeverbot hatte.

Ich wusste immer, dass ich meine Kinder mal anders erziehen werde und dann daheim bleiben werde.
 
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  • #20
Ich habe mal kurz an einer Privatschule gearbeitet, an der nur Kinder aus wohlhabenden Familien waren und konnte dort zwei Arten von Müttern beobachten:
1. Die "Berufsehefrau und -mutter", die nicht arbeitet, sondern den Vormittag mit Shopping, Kaffee trinken und Wellness verbacht hat (für den Haushalt gab es Personal) und dann nach dem Mittagessen entspannt mit dem Porsche und der Guccihandtasche vor der Schule stand, um die Kinder zum Klavier, zum Ballett oder zum Geigenunterricht zu fahren.
2. Die Vollzeit arbeitende Mutter, die morgens schon total gestresst die Kinder abgeliefert hat und abends noch gestresster mit Handy am Ohr und Terminplaner in der Hand zurückkam und natürlich keinen Nerv mehr für irgendetwas hatte.

Das entspanntere Familienleben hat ganz sicher die Mutter aus Kategorie 1. Vollzeitjob und genug Zeit für die Kinder ist eine Illusion, das kann man drehen und wenden wie man will.
 
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  • #21
Gegenfrage: Muss ich als Frau unbedingt aufhören zu arbeiten? Männer, die Väter werden, stellen sich die Frage gar nicht. Berufstätigkeit sollte auch für Mütter endlich selbstverständlicher sein. Vorbild ist da z. B. Frankreich, da ist es selbstverständlich, das Kind auch als Baby betreuen zu lassen und weiter zu arbeiten. Wir haben zumindest die Möglichkeit der Elternzeit. Kinder, auch Kinder unter 3 Jahren, profitieren heute viel von einer frühen Kinderbetreuung, wenn diese gut ist, dies wird von Psychologen bestätigt. Die Klammermutter, die ihr Kind nicht loslassen kann und das dann in der ersten Klasse noch jeden Morgen losheult, wenn sie geht, ist das andere Extrem. Mütter, die ausschließlich das Kind betreuen, sind oft genervt und übertragen das auf das Kind, dann wäre es sogar besser, wenn das Kind in eine professionelle Betreuung geht. Kinder spielen auch gern mit anderen Kindern und nicht immer nur mit der Mama. Was willst Du denn machen, wenn Du für Deine Kinder aufhörst zu arbeiten, viele Jahre lang, dann kommst du in deinen Beruf nicht mehr zurück. Die Kinder sind relativ schnell flügge und spätestens in der Pubertät rächt sich das, wenn du bis dahin nur wie eine Glucke auf denen gesessen hast, dann rebellieren sie nämlich ganz extrem und sie werden eine solche Mutter nicht akzeptieren. Deine Ansichten sind wie vor 100 Jahren. Wenn alle Frauen so denken, kommen wir hier familienpolitisch echt nie einen Schritt weiter. Kinder sind glücklicher, wenn die Mütter glücklich sind und wenn sie im eigenen Leben auch berufliche Ziele und andere Ziele verfolgen, dann können sie auch Vorbild für ihre Kinder sein.
 
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Gast

  • #22
Danke für diesen Erfahrungsbericht, er ist sehr traurig. In den viel gerühmten skandinavischen Ländern dauert die "Ganztagsschule" übrigens oft nur bis 15.00 h oder 15.30 h, die Eltern holen ihre Kinder pünktlich ab. In DE schießt man wieder total über das Ziel hinaus und will Ganztagsschulen bis 18 h und ähnliches.

In Frankreich demonstrieren gerade Mütter für mehr Zeit für die Familie, dort hat man 35 Std-Woche meistens. In DE schafft man anscheinend einen 10 Stunden Tag für viele Kinder.

Ich halte gar nichts davon, wie in diesem Wirtschaftssystem sowohl Kinder als auch Alte immer nur wegorganisiert werden.
 
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Gast

  • #23
Danke für diesen Erfahrungsbericht, er ist sehr traurig. In Frankreich demonstrieren gerade Mütter für mehr Zeit für die Familie, dort hat man 35 Std-Woche meistens. In DE schafft man anscheinend einen 10 Stunden Tag für viele Kinder.
Ich lebe in Frankreich mit zwei Kindern. Das französische System ist nicht perfekt, aber die Frühkinderbetreuung ist nur in Ostdeutschland vergleichbar gut. Franzosen protestieren immer, weil ein Franzose von Kind auf über seine Rechte lernt, aber nicht über seine Pflichten. Das sagt nichts aus.

In Frankreich ist die Realität dass niemand der einen Vollzeitjob hat - ob Mann oder Frau - diesen freiwillig aufgibt. Viele haben hier nämlich nur Zeitarbeitsverträge oder arbeiten zum gesetzlichen Mindestlohn (1,200€). Auch viele Akademiker. Ein guter Job ist insbesondere ausserhalb Paris ein Sechser im Lotto. Da würde niemanden wegen Kindern einen gut bezahlten Festvertrag aufzugeben. Kaffe trinken und Ratschen kann die französische Frau auch im Betrieb - oft besser als zuhause. Da sich dort auch nur wenige Frauen (und Männer) zu Tode arbeiten ist auch die Kindererziehung nur wenig negativ beeinflußt. Zudem sind die Kinder ausser Mittwochs eh in der Ganztagsschule. Madame hätte also wenig zu betreuen.


Zudem ist in F ist "l'amour" sehr flüchtig - die Franzosen folgen kulturell bedingt Ihren Launen ohne Rücksicht auf andere. Bei Langeweile oder einem persönlichem Vorteil wird schnell mal eine Affäre angefangen. Ist gesellschaftlich völlig akzeptiert. Auf dieser Basis hat aber kein Mann Lust seine Frau zuhause zu lassen und Sie durchzufüttern. Da kann er sich die Hörner gleich selber aufsetzen...

Auch die Frauen haben wenig Interesse zuhause zu bleiben. Bei Scheidung gibt es nämlich keinen nachehelichen Unterhalt (wahre egalité halt).

Da in Frankreich Geschäfte und Betriebe oft erst ab 9:00 Uhr öffnen gibt es meist nur Abends etwas Stress mit der Logistik. Sobald die Kinder aber selber Bus fahren können (6-8 Jahre) ist auch das auch kein Problem. Problematisch sind in F Dinge die nichts mit arbeitenden Eltern zu tun haben - die Schulen fördern kein selbständiges Denken, es gibt viel zu viel Hausaufgabe und die Schulorganisation ist wenig kindgerecht (vier Wochen 9-16:00 Uhr Schule mit hoher Arbeitsbelastung und dann zwei Wochen Ferien).

m (47)
 
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Gast

  • #24
Wenn wir in einer perfekten Welt leben würden, gäbe es keine AE, die um zu überleben, arbeiten müssen. Es gibt tatsächlich Menschen, die alles tun, um nicht von H4 leben zu müssen.

Viele Schicksalsschläge kannst Du nicht steuern, da wird der Ernährer arbeitslos, trennt sich von Dir oder was auch immer im Leben dazwischenfunkt. Willst Du dann Dein Kind aussetzen? Prima Idee.

Es gibt aber auch genügend Frauen, die finden nur in der Mutter-/Hausfrauenrolle keine Erfüllung. Die Kinder sind ja schließlich auch mal aus dem Haus. Da wollen sie nicht zu Hause verblöden. Den Kindern tut es aber auch gut, nicht ihr Leben lang von Glucken bewacht zu werden.
 
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Gast

  • #25
An FS:

Weil man Kinder bekommen möchte, und vollzeit arbeiten gehen möchte/muss.

Was ist daran verkehrt ?

Ich bin nun schon 41, meine Eltern waren beide immer berufstätig und ich war bei Oma, Tanten, Nachbarn, Kindergarten und später Sportvereinen etc. immer gut untergebracht.

Was ist denn das Problem dabei ? In unserer Region war es ohnehin nicht üblich, dass ein Elternteil komplett zuhause bleibt, und soweit ich weiß, haben auch die anderen Leute meines Alters dadurch keinen Schaden davongetragen.

w, 41
 
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Gast

  • #26
Naja, in einem Bericht stand, dass in Frankreich nach der USA am
meisten Antidepressiva eingenommen wird.
Ich habe beides gehabt. Beim ersten Kind nach einem Jahr Vollzeit
gearbeitet und kaum was vom Kind gehabt. War immer müde nach der Arbeit.
Der Kleine wollte, aber gerne noch was mit mir spielen. Ich hatte auch
nicht mehr so den Draht zum Kind, weil der Alltag und bestimmte
gemeinsame Erlebnisse fehlten.
Ich habe nach einem Jahr die Notbremse gezogen und arbeitete Teilzeit.
Beim zweiten, wusste ich besser Bescheid und blieb zwei Jahre und
dann nur noch Teilzeit- Arbeit.
Die schönen Jahre mit meinen Kindern möchte ich genießen und
für sie da sein, aus Liebe.

Noch eine kleine Anmerkung: ich habe so den Eindruck, dass es zum
guten Ton gehört, sich als gestresste Mutter auszugeben bzw.
die Betonung immer wieder, wie stressig alles mit Kindern ist.
Ich hoffe, dass es mehr Frauen schaffen, sich diesem Grundton zu
widersetzen. All die wunderbaren, liebevollen Momente und auch
lustigen Momente sollten unbedingt erwähnt werden um auch anderen
unentschlossenen Menschen Mut zu machen.
 
G

Gast

  • #27
Ja, ja... immer dieses Theater, wenn man als Mutter arbeiten geht. Bla bla bla... Ich glaube, ein intelligenter und gebildeter, ja ein toleranter Mensch, der mit Weitblick agiert und sich auf mehr als Bildzeitungsniveau unterhalten kann, der stellt sich diese Fragen nicht sondern schaut, wie alle Menschen im familiären Umfeld glücklich werden können - und erfüllt nicht nur die Bedürfnisse einzelner.

Oh ja. Der FS oder die FS wünscht sich anhand solcher Kommentare wahrscheinlich, dass man sich jetzt als Rabenmutter fühlt. Buhuu... mir kommen gleich die Tränen. Mein armes Kind, wo ich doch in VZ arbeite. Hätte mir wohl besser einen Hund anschaffen sollen, was? Ohne einen Einblick zu haben, ohne Ahnung zu haben... ohne Worte...
 
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Gast

  • #28
Weil Kinder bekommen das Normalste der Welt ist. Ich stufe deine Frage als "typisch Deusch" ein.

Französin, 50
 
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  • #29
# 25
Du propagierst de facto die Botschaft, dass die französischen Mütter Kinder und Job nur mit Hilfe von Antidepressiva schaffen, das kann ich nicht stehen lassen. Auch Männer lassen sich Antidepressiva verschreiben. 2-3x entspanndender Urlaub im Jahr ist eine Geldfrage, wie die Teilnehmerin, die in Frankreich lebt, schreibt, verdienen die Meisten dort nicht gerade viel Geld. Pillen sind kostengünstiger. Tja, jetzt wissen die EP-Foristen um das wahre Geheimnis der französischen Gelassenheit!
 
  • #30
Danke für diesen Erfahrungsbericht, er ist sehr traurig. In den viel gerühmten skandinavischen Ländern dauert die "Ganztagsschule" übrigens oft nur bis 15.00 h oder 15.30 h, die Eltern holen ihre Kinder pünktlich ab.
Ähhh, nööö. Ja, die Schule geht "nur" bis 15h, nein die Kinder brauchen kein Taxi Mamma. Das ist genau das Problem dass viele Vollzeitmütter glauben damit Ihre Existenzberechtigung nachweisen zu müssen. Kinder finden völlig problemlos alleine nach Hause, sei es mit den öffentlichen oder per pedes/Fahrrad. Räumst Du Deinen Kindern jedes Hindernis weg wird es über Erbsen stolpern.

Leute- wir hatten eine Vollzeitmutter. Nun, hat Sie uns mehr gesehen als ich meine Kinder? Nein. Wir hatten Nachmittags besseres zu tun als uns von Mami betüddeln zu lassen. Hätte Sie Vollzeit gearbeitet wäre Sie nach dem Weggang Ihrer Kinder nicht in das leere Loch gefallen, hätte Sie ein weitaus Selbstbestimmteres Leben führen können, aber Sie hätte uns genauso aufwachsen sehen.

Klar, es gibt Eltern die mit Kindern eigentlich nix anfangen können und Sie in der tat wegorganisieren. Die Regel ist das aber keineswegs. Und da sind auch die Lehrer nicht die eigentlichen Bezugspersonen.
Das hat mit Vollzeit arbeiten oder Vollzeitmutter nichts zu tun, es ist eine reine Frage der Person.