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Ateliba

  • #1

Verstehe mich selbst nicht mehr

Hallo,
ich erzähle mal meine Geschichte und erhoffe mir ein paar Meinungen dazu. Ich habe mich vor 10 Monaten von meinem EX getrennt (Beziehung hat 7 Jahre gedauert). Vor 4 Monaten habe ich übers Internet einen Mann kennengelernt. Wir haben viel geschrieben, Fotos ausgetauscht, irgendwann mal täglich telefoniert. Da er mehr als 200km von mir entfernt wohnt, habe ich mit dem Treffen gezögert, von ihm aus, war das Interesse schon sehr früh da.
Vor einen Monat haben wir uns dann zum ersten mal getroffen, es war als würden wir uns schon ewig kennen. Wir haben uns super verstanden, sofort verabredet, dass wir uns in 2 Wochen wieder sehen (früher war es aufgrund der Berufstätigkeit von uns beiden nicht möglich). Auch das zweite Treffen verlief so ähnlich wie das erste, da kamen aber schon viele Berührungen von ihn, also über die Schulter streichen usw. Danach, hatte ich absolut das Kribbeln im Bauch, habe mich so sehr auf unser nächstes Treffen gefreut, er auch.Ich habe mir auch ausgemalt, dass wir uns dann vermutlich auch küssen, kam mir vor wie ein Teenager.
Das Treffen war gestern, wir haben was gegessen und sind dann Hand in Hand spazieren gegangen, und dann hat er versucht mir näher zu kommen und ich habe mich innerlich komplett versteift. Ich konnte ihn nicht an mich heran lassen. Er hat es gemerkt, hat sich auch sofort etwas entfernt, trotzdem konnte ich diese innere Versteifheit nicht bis zum Ende des Dates ablegen. Er hat mich zum Abschied umarmt, was sich wieder super angefüllt hatte.
ca. 20 Minuten nach dem Treffen hat er mich wieder angerufen, hat die Situation angesprochen, sich entschuldigt, wenn er mich bedrängt hat, gesagt, dass er mir alle Zeit der Welt lassen würde, dass er mich sehr attraktiv findet und deshalb evtl. etwas zu voreilig war. Und sofort waren die Schmetterlinge im Bauch bei mir wieder da.
Hatte jemand schon mal sowas erlebt und kann mir erklären, was mit mir los war?? Ich verstehe mich selbst nicht. Warum konnte ich die Nähe nicht zulassen obwohl ich sie mir im Vorfeld so gewünscht habe?
 
G

Gast

  • #2
Liebe Ateliba,
Phantasie ist immer ganz etwas anderes als Realität. Was ich schon alles in der Phantasie gemacht habe... Nur gut, dass das kein Staatsanwalt verfolgen kann! Wenn es nach meiner Phantasie ginge, wäre ich zudem mehrfache Millionärin und hätte ein Mittel gegen Krebs gefunden... ja und ich betrüge natürlich George Clooney mit Brad Pitt und Angelina Jolie ist eifersüchtig auf mich.

Wenn Du merkst, dass Du Dich bei einem Kuss körperlich versteifst, wollte Dein Herz / Deine Seele / Dein Unterbewusstsein (Suche Dir etwas aus!) diesen intimen Kontakt in der Situation nicht.
Gut, dass Du Dich nicht gezwungen hast.

Was der Grund dafür war, kannst nur Du beantworten.
Vielleicht gefiel Dir irgendeine Kleinigkeit in der Situation nicht. Vielleicht wolltest Du dringend eine filmreife Kussszene und es war zu viel Druck. Vielleicht wolltest Du mit ihm keinen so intimen Kontakt. Beim 2. Date kann frau schon küssen, muss es aber auch noch nicht.
 
  • #3
Nach 6 Monaten Trennung gehst du wieder in was Neues! Dein Gefühl teilt dir aber mit, dass du noch nicht so weit bist, achte darauf! Oft macht das Gefühl was anderes als der Kopf gern wollte!
 
  • #4
Ich denke auch das vielleicht die Zeit von erst sechs Monaten, die noch etwas hinterher läuft. Lass es langsam angehen. Er scheint doch einfühlsam genug dafür zu sein.
M44
 
  • #5
Vor 4 Monaten habe ich übers Internet einen Mann kennengelernt. Wir haben viel geschrieben, Fotos ausgetauscht, irgendwann mal täglich telefoniert......
Vor einen Monat haben wir uns dann zum ersten mal getroffen, es war als würden wir uns schon ewig kennen.
Typisches Online-Fernkontaktthema: es sind jede Menge Informationen über die Leitung gegangen und das wird "als sich kennen" interpretiert. Daraus folgt dann eine komplett unpassende Nähe:
Auch das zweite Treffen verlief so ähnlich wie das erste, da kamen aber schon viele Berührungen von ihn, also über die Schulter streichen usw
...Das Treffen war gestern, wir haben was gegessen und sind dann Hand in Hand spazieren gegangen, und dann hat er versucht mir näher zu kommen und ich habe mich innerlich komplett versteift. Ich konnte ihn nicht an mich heran lassen.
Dein Körper sagt Dir was Fakt ist: der Mann bedrängt Dich in ganz und gar unpassender Weise.
Dein Kopf trötet "ihr kennt Euch doch schon so gut" weil so viele Informationen geflossen sind. Information schafft keine Vertrautheit, die Nähe zulässt.
Vertrautheit entsteht durch Begegnungen, im klassischen Sinne von sich vertraut werden, daraus erwächst Vertrauen und dann geht es weiter. Offensichtlich will Dein Bauch sich nicht von Kopf überholen lassen.

Deine Reaktion hat nichts mit der 10 Monate zurückliegenden Trennung zu tun, sondern mit seinem für Dich unpassenden Tempo.

Und sofort waren die Schmetterlinge im Bauch bei mir wieder da.
Hatte jemand schon mal sowas erlebt und kann mir erklären, was mit mir los war?? Ich verstehe mich selbst nicht. Warum konnte ich die Nähe nicht zulassen obwohl ich sie mir im Vorfeld so gewünscht habe?
Die Schmetterlinge kommen zurück, wenn der Mann körperlich weg ist und Du auf sicherem Terrain elektronisch mit ihm verbunden bist - ist ja interessant. Dein Kopf hat sich die Nähe gewünscht und als die Nähe da war, stellt der Körper (Bauch) fest, dass das garnicht passt, was da passiert. Du hats Dir was zurechtgeträumt was dann doch nicht passt, z.B. die berühmte Chemie zwischen zwei Personen oder aber das Tempo der Annäherung nicht. M.E. macht letzeres die meisten Onlinekontakte kaputt.
 
  • #6
Unser Unterbewusstsein spricht auf viel Arten zu uns. Viele haben nur nie gelernt es zu bemerken oder richtig zu deuten. Bei einer Entfernung von 200km sollte man sich schon sehr früh bewusst werden was man da tut und was das bedeutet.
 
G

Gast

  • #7
Ich glaube, du hängst noch irgendwie an deinem Ex. Sonst hättest du ihn gar nicht erwähnt. Vielleicht ist dir das nicht bewusst.

Mir geht es ähnlich. Habe mich vor 7 Jahren getrennt, es war mein Wunsch, keine Gefühle mehr... aber dennoch sträubt sich irgendwie was in mir, mich scheiden zu lassen - er hat es auch keinen Wunsch danach - und ich bekomme seit dem keine Beziehung mehr gebacken.

Ich verliebe mich nur in Männer, die für mich nicht zu haben sind (liiert, kein Interesse an mir) und an denen, die mich wollen, finde ich immer was auszusetzen.

Neuerdings träume ich wieder von meinem Ex, was ich während der 15jährigen Beziehung fast nie tat.

Ich denke, bei mir ist da irgendwas im Busch, dem ich noch nicht auf die schliche gekommen bin.

Vielleicht geht es dir ja ebenso ??
 
  • #8
Deine siebenjährige Beziehung (wenn sie emotional tief war) ist zwar abgeschlossen, aber nach dieser kurzen Zeit noch lange nicht verarbeitet.

FS, ich vermute Du hast unterbewußt(!) noch das Gefühl Deinen Ex zu betrügen und das blockiert Dich, auch wenn es dafür keine sachliche Begründung gibt.

So lange wie Du nicht wirklich wieder offen für eine neue Beziehung bist, würde ich fairerweise bei anderen Menschen keine Hoffnungen schüren, die Du nicht erfüllen kannst.
 
G

Gast

  • #9
Ich teile die Meinung von Gast #6, diese Theorie scheint mir - auch aus eigener Erfahrung - am plausibelsten.
7 Jahre Beziehung ist eine Zeit, in der auch so Einiges "unter der Haube" passiert, was man also nicht merkt. Wahrscheinlich gibt es auch einfach einen Unterschied zwischen "Verliebt sein", "Liebe" und "Beziehung führen".

Ich selbst habe mich vor einem Jahr von meiner 10-Jährigen Ehe inklusive 3 Kindern verabschiedet. Es lief schon länger (ca. 3 Jahre?) nicht mehr gut, ich fühlte mich grauenvoll. Die Beziehung war trotz mehrerer meiner Gesprächs- und Rettungsversuche tot. Der Anstoß, etwas zu ändern, brachte dann eine andere Frau, in die ich mich sehr verliebt habe. Ich habe mich getrennt, bin bei der neuen Frau eingezogen, es war wie der Himmel auf Erden. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Aber was passierte? Der Rückfall kam. Sogar zwei Mal.

Ich glaube, dass eine lange Beziehung dafür sorgt, dass man sich auf diesen einen Menschen ausrichtet, sich an ihn anpasst und sich an ihn gewöhnt. Unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Beziehung ansich lief, denn Kontinuität, Verlässlichkeit und Gewohnheit sind Bedürfnisse, die in jedem Menschen verwurzelt sind. Entscheidet man sich nun, sich von diesem Menschen zu trennen, ist die grundsätzliche Ausrichtung, die Gewohnheit, aber noch da. Wie lange, das ist bestimmt von Mensch zu Mensch unterschiedlich, aber trotzdem kann man sich in dieser Zeit verlieben und/oder (sogar) lieben.

Ateliba, ich denke, mit Dir alles in bester Ordnung ist, da läuft nichts "falsch". Es dauert nur vielleicht einfach etwas länger, bis Du auch körperlichen Kontakt zu einem "neuen" Menschen zulassen kannst, und es sich gut anfühlt. Das ist ja in der Tat noch einmal etwas ganz Anderes, als "nur" digital... Vielleicht ist ja auch unterbewusst noch ein wenig schlechtes Gewissen dabei, da Du diejenige warst, die sich getrennt hat?
Was ich dem Mann zugute halte, ist, dass er Dein Verhalten nicht ignoriert hat, sondern Dich direkt darauf angesprochen und sich entschuldigt hat. Ich finde, das zeugt schon von Charakter, Sensibilität und Rücksichtnahme, was man ja leider nicht von jedem Menschen behaupten kann.

Offen und ehrlich reden, wie es sich gerade anfühlt (das scheint doch gut zu klappen), Zeit lassen, und dann seht ihr schon, wo es euch hinführt. Ob es wirklich funktioniert, merkt man ja eh erst immer, wenn man es ausprobiert. Also: Treffen, und immer genau so viel machen, wie es sich gut anfühlt. Just my 2ct...
 
  • #10
Ich glaube, dass eine lange Beziehung dafür sorgt, dass man sich auf diesen einen Menschen ausrichtet, sich an ihn anpasst und sich an ihn gewöhnt. Unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Beziehung ansich lief, denn Kontinuität, Verlässlichkeit und Gewohnheit sind Bedürfnisse, die in jedem Menschen verwurzelt sind. Entscheidet man sich nun, sich von diesem Menschen zu trennen, ist die grundsätzliche Ausrichtung, die Gewohnheit, aber noch da. Wie lange, das ist bestimmt von Mensch zu Mensch unterschiedlich, aber trotzdem kann man sich in dieser Zeit verlieben und/oder (sogar) lieben
Ich gebe dir vollkommen Recht. Ein Paar gewöhnt sich an einander im Laufe der Jahre, alle Akivitäten, die sie zusammen und mit den Kindern machten und sei es auch nur das Einkaufen im Supermarkt oder die neuen Blumen im Garten säen, verbindet das Paar.

Die Gewohnheit und Verlässlichkeit sind starke Wirkfaktoren und man erkennt das erst nach der Trennung, was einem Menschen fehlt bzw. was er u.a. verloren hat.
Aber hier lauert gleichzeitig auch die Gefahr: in der Phantasie bzw. in der Erinnerung an die Beziehung werden nur den wunderschönen, beglückenden Momenten nachgetrauert, man bekommt wieder starke Sehnsucht und es kommt zum Rückfall, weil die Bindung - ob positive oder negative - sehr stark ist.

Was kann man gegen die Sehnsucht nach der Ex/dem Ex tun und einem Rückfall vorzubeugen? Am besten sich entweder bewusst an all die Situationen und Szenen erinnern, die einen traurig, wütend, enttäuscht, verärgert, verlassen und einsam machten. Denn hätte man vorwiegend positive Gefühle, Freude, Glücksmomente, Verständnis, Unterstützung, Befriedigung der Bedürfnisse nach Annerkennung, Lob, Zärtlichkeit und Sexualität, so wäre es gar nicht zur Trennung gekommen! Mindestens einer war unglücklich und total unzufrieden und wollte gehen!

Eine kalte Suppe (alte Beziehung) aufzuwärmen schmeckt nicht besser. Es gab immer wichtige Gründe, weshalb man sich trennte. An diese Gründe muss man denken oder sie sogar auf ein Blatt Papier aufschreiben!