• #1

Vereinsamt man als Single?

Ich befinde mich mittlerweile in dieser Phase, dass ich kaum noch private soziale Kontakte habe und teilweise bin ich auch selber schuld, aber mich haben schon mit 16 diese sozialen Kontakte genervt und mit Ü40 umso mehr. Seit meiner Trennung genieße ich dieses vereinsamen, aber es macht mich auch sehr bedenklich. Irgendwann sterbe ich und niemand nimmt davon Notiz.

Erst letzte Woche ist mir aufgefallen, wie ich mittlerweile vereinsame. Ich hatte Geburtstag und niemand nach mich angerufen. Noch nicht einmal meine Mutter und jetzt überlege ich mir, ob ich am Sonntag zum Muttertag es auch so halten soll, obwohl dies wohl eher nur kindisch wäre. Bisher habe ich immer zu den Standesterminen Muttertag, Geburtstag, Ostern usw. mich gemeldet.
 
  • #2
Liebe Jutta,

dann melde dich bitte bei deiner Mutter. Ich bin sicher, dass sie sich freut. Irgendetwas scheint ja zwischen euch zu stehen, denn die Mutter-Kind Bindung ist sehr stark und geht nicht so ohne weiteres
entzwei. Sie freut sich und denke dir vielleicht eine Überraschung aus. Entweder frag sie, ob du mit einem Kuchen bei ihr vorbeischauen darfst, oder lade sie zum Essen ein. Mache einen
Anfang und du wirst merken, dass du dich besser fühlst. aber erwarte jetzt nicht, dass sie dir sofort um den Hals fällt, sondern sei offen und geduldig. Alles Gute!
 
  • #3
Also allein sein und einsam sein sind zwei Paar Schuhe. Und Single sein ist definitiv kein Synonym für Einsamkeit. Darüber entscheidest du ganz alleine.
Wenn du dich einsam fühlst, dann solltest du etwas daran ändern. Und wenn es dazu andere Menschen braucht, dann los!
Wenn du alleine (Single) bist dich aber nicht einsam fühlst, dann ist doch alles in Ordnung.
aber es macht mich auch sehr bedenklich. Irgendwann sterbe ich und niemand nimmt davon Notiz.
Das spricht allerdings eher für Einsamkeit!
Soziale Kontakte müssen nicht nervig sein. Schließlich bestimmst du doch alleine, ob du deine Zeit mit nervigen oder inspirierenden, netten Menschen verbringst. Auch über das Maß an sozialen Kontakten hast du doch die Kontrolle.

Ob du dich zum Muttertag bei deiner meldest sollte alleine davon abhängen was für einen Kommunikationsstandard und welche gesellschaftlichen Umgangsformen du für dich dich haben möchtest. Von diesem "wie du mir so ich dir" halte ich gar nichts.
 
  • #4
Ein paar wenige, aber dir guttuende Freunde/innen oder Bekannte wären schon besser als gar keiner. Ein riesen Bekanntenkreis, der auch das Aushalten nerviger Leute sowie organisatorischen Freizeitstress beinhaltet, ist sicher nicht jedermanns Sache. Und in jedem Fall ist es ein Vorteil, gut mit sich alleine sein zu können. Gehst du einem Hobby nach, hast du Lust auf diverse Kurse? Da trifft man u. U. Gleichgesinnte bzw Leute die passen.
 
  • #5
Du tust mir "leider" nicht leid.
Soziale Kontakte sind wichtig, ein Partner nicht (nicht für mich zumindest). Wenn man soziale Kontakte meidet, ich kenne da Leute, hat man eine Sozialphobie, aber man kann auch daran arbeiten, wie an allen Defiziten, maßgebend ist nur der Wille.

Wo ein Wille, da auch ein Weg.

Menschen, welche sich selbst bemitleiden gehen mir nicht ab, sie jammern, sind mit sich unzufrieden, tun aber weiterhin nichts dagegen.

Natürlich muss man Menschen finden mit gleicher Wellenlänge, ich gebe zu, dass ich mit der grauen Masse auch nicht kann.
Allerdings bin ich, allein schon beruflich sehr kommunikativ und es fanden sich immer Leute, welche ähnlich wie ich "ticken".

Also dieses einbrödlerische Dasein ist mir suspekt.
Im Umfeld habe ich ein paar ältere alleinlebende Menschen, die so vor sich hinleben, nicht weil sie gebrechlich sind, sondern weil sie niemand leiden können und sie auch niemand leiden kann.

Also ich möchte so nicht leben, tu allerdings auch was dafür.
 
E

EarlyWinter

  • #6
Liebe FS, das funktioniert nicht, dass dich die "nervigen" Menschen einerseits in Ruhe lassen wenn du "keinen Bock" auf sie hast, andererseits aber springen wenn du gerne Aufmerksamkeit hättest. Wenn Beziehungen nicht gepflegt werden, gehen sie eben zu Ende. Menschen merken auch, ob du dich nur pflichtmäßig meldest oder ehrliches Interesse hast. Eine Zeit lang bringen Freunde und Familie noch Verständnis auf aber irgendwann lassen sie die Bemühungen einfach sein weil sie das Gefühl haben, nicht wirklich wichtig zu sein. Stimmt ja auch bei dir.
Wenn du keine sozialen Kontakte wünschst dann ist das ok aber dann musst du auch mit den Folgen leben. Auch hier gilt es, man kann nicht alles im Leben haben.
Du musst ja nicht tausend Kontakte haben, ein paar richtige und ehrliche Menschen reichen völlig aus. Aber wenn du keine Verpflichtungen zur Pflege der Kontakte möchtest dann finde für dich einen Weg, mit dem Schattenseiten dieser Entscheidung klar zu kommen. Ich habe mich in einer Zeit, als es mir sehr schlecht ging, von meinen Freunden zurückgezogen weil ich sie nicht belasten wollte und auch einfach keine Kraft für irgendetwas anderes hatte, als zu funktionieren und meinen Job gut zu machen weil er nun mal meine Existenzgrundlage ist. Zwar hat mir diese harte Zeit gezeigt, wer meine wahren Freunde sind, aber ich musste wirklich danach sehr viel aufarbeiten, um deren Vertrauen wieder zu gewinnen und das Freundschaftsverhältnis wieder aufzubauen. Sie waren ja auch wirklich verletzt weil ich nicht zugelassen habe, dass sie für mich da sein konnten. Es tut mir leid aber ich habe keinen Rat, wie man bei der Einstellung echte zwischenmenschliche Beziehungen haben kann. Dafür fehlt jegliche Basis und es kann gar kein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Ich meine das überhaupt nicht böse, es ist einfach ein Fakt.
 
  • #7
Liebe FS,
Von nichts kommt nichts.
Ich gehe davon aus, dass du dich jahrelang mit deinem Partner eingeigelt und die restlichen Beziehungen nur noch oberflächlich gepflegt hast. Ein paar Standardtelefone zu obligaten Feiertagen vielleicht. Aber hast du andere Menschen von Herzen beschenkt mit deiner Freundschaft? Hast du aufrichtig Anteil genommen an ihrem Leben? Wenn du soziale Kontakte mehr oder weniger als Pflichtprogramm abgespult hast, dann hat man das wohl gemerkt.
Vielleicht wäre es Zeit, dein "Genervtsein" anderen Menschen gegenüber mal genauer anzuschauen. Wann, wie wo dich wer nervt und wieso? Einen Partner konntest du ja schliesslich um dich haben, also scheinst du Gesellschaft nicht generell und jederzeit abgeneigt.
Ich rate dir, nicht wortlos zu schmollen, weil deine Mutter dich nicht angerufen hat. Sie wird ja nicht wissen, dass es in Zusammenhang steht mit deinem Geburtstag und dann ist nichts geklärt, bloss eine Person mehr, die du langsam aus deinem Leben entfernst.
 
  • #9
Du tust mir "leider" nicht leid.
Soziale Kontakte sind wichtig, ein Partner nicht (nicht für mich zumindest). Wenn man soziale Kontakte meidet, ich kenne da Leute, hat man eine Sozialphobie, aber man kann auch daran arbeiten, wie an allen Defiziten, maßgebend ist nur der Wille.
Das Problem ist doch, dass ein Mensch vielleicht immer sich um soziale Kontakte bemüht und sie auch zustandebringt und dieser einzige Mensch auch sie aufrecht erhält. Wenn aber die anderen diesen Menschen gar nicht anrufen und auch mal von sich aus Freizeitaktivitäten vorschlagen, da frage ich mich auch, ob das nicht eine zwanghaft vorangetriebene Bekanntschaft/Freundschaft ist?

Mein Vater war ein extrem sozialer Mensch sehr kontaktfreudig und hatte viele Bekannte und Freunde und wir wurden als Familie von anderen Bekannten eingeladen. Mein Vater hat sich sofort revanchiert und hat diese Familie auch eingeladen. Sie kamen nicht und als wir wieder eingeladen wurden, gingen wir wieder. Mein Vater lud sie erneut ein, sagte er würde sich freuen wenn sie jetzt auch mal zu Besuch kämen. Sie kamen nie!

Dann hat mein Vater aufgegeben, er hat es max. 2x gemacht und zog daraus den Schluss, dass sie nicht wollen. Er sagte: "Ich falle nicht auf die Knie und bettele sie an zu Besuch zu kommen." Der einseitig aktive, welcher die Freundschaften und Bekanntschaften am Leben hält, hat das Gefühl, dass das gegenüber überhaupt kein Interesse hat und das nur gelegentlich aus Gefälligkeit tut aber nicht, weil es die Person mag. Es ist sehr schwierig einzuschätzen und ich würde nicht der FS pauschal die Schuld in die Schuhe schieben an ihrer Situation.

Ich meine, dass die Mutter den Geburtstag ihrer Tochter vergisst, kann passieren aber vielleicht sich am nächsten Tag daran erinnern? Vielleicht kommt das so mit dem Alter aber dann fragt sich vielleicht die Tochter: "Bin ich überhaupt meiner Mutter wichtig?"
 
  • #10
Kindisch ist, weil man beleidigt wurde, nicht mehr mit dem anderen zu reden! Beziehungen basieren auf Gespräche, indem man den ersten Schritt macht, auch wenn man sich im Recht fühlt.

Sein Schicksal kann man jederzeit umdrehen. Du kannst jederzeit zu jeder Minute Kontakte und Freundschaften knüpfen und das Verhältnis zu deiner Mutter verbessern. Nur wir übernehmen das nicht für dich.

Deiner Mutter zu gratulieren, zeugt von Stärke. Ich würde alte Geschichten aber nicht mehr aufreißen.

Ich sage mal, soziale Isolation ist nicht so schlimm, wie die Gesellschaft das immer hinstellt. Gerade wenn du, wie du sagst, schon mit 16 lieber alleine warst, bist du vermutlich ein stark introvertierter Typ und weißt du ja, wie man alleine seine Zeit gestaltet. Und tatsächlich tut der gesellschaftliche Abstand vielleicht besser zu deiner Entwicklung. Du kannst eine Sprache lernen, du kannst lesen, intensive Hobbys nachgehen, Haustiere halten, oder ähnliches.

Ich finde, es muss kein passives Schicksal bleiben.

Thema sterben: Wir sterben alle alleine.

Ein Tip: Ich habe für mich erkannt, dass ich lockere Bekanntschaften besser führen kann, aus denen man sich immer wieder distanzieren kann, ohne dass der Gegenüber irgendwelche Forderungen stellt. Wie mein Vorgänger sagte. Du musst lernen, deine sozialen Kontakte zu kontrollieren. Niemand darf dir einfach so auf den Kopf steigen. Nicht jeder tut einem gut: Menschen wollen fast immer was von einem, am liebsten deine gesamte Zeit und Energie, deswegen musst du für dich selber klare Grenzen ziehen und dich nicht wegen anderen Verbiegen lassen.
 
  • #11
Vereinsamt man als Single lautet die Frage. Und die ist falsch gesellt. Man vereinsamt nicht, weil man Single ist, sondern dann, wenn man selbst keine sozialen Kontakte pflegt. Wenn ich selbst niemanden zum Geburtstag anrufe, dann wird sich irgendwann auch niemand mehr bei mir melden. Ganz einfach.

Zuerst würde ich mir die Frage stellen, welche Kontakte ich mir wünsche und dann würde ich beginnen, sie zu pflegen. Wenn man allerdings ganz von Null an anfangen muß, dann kann es schon schwieriger werden.
 
  • #12
Also zuallererst finde ich Singlesein an sich überhaupt nicht schlimm. das hat auch viel Positives.
Dass kein Mensch Dich zu Deinem Geburtstag angerufen hat, finde ich allerdings erschreckend und das ist komplett Deine eigene schuld.
Die Frage ist aber eben, ob es Dich stört!?
Man muss ja nicht mit jedem Menschen eng verbunden sein, aber wenn man niemand anrufen kann an einem lauen Frühlingsabend, um mit ihm was trinken zu gehen oder mal mit Freunden ein WE zu verbringen, dann ist das doch irgendwie traurig.
Einerseits geht das sicher jedem mal so, aber wenn es ein Dauerzustand ist, sollte man was ändern.
Weil man sonst komisch wird so als Einsiedler. Und weil jeder Mensch ein paar Vertraute Menschen braucht.
Ich würde versuchen, im Sommer jetzt zumindest 2-3 Kontakte zu reaktivieren. DU muss sie ja nicht so eng halten, aber so, dass man mal zusammen etwas unternehmen kann.
Wenn man sich als Single nicht selbst kümmert, wird man vergessen.
Ich muss meine WE auch selbst gestalten, jetzt ohne Mann.
Ruf Deine Mama an oder besser noch: Ruf sie heute an und sag ihr, dass Du am Sonntag vorbeikommst.
Persönlicher Kontakt ist meist besser und tut durchaus gut.
Ich hätte an Deiner Stelle nicht nur Angst, irgendwann alleine zu sterben, sondern auch davor, verbittert zu werden.
Außerdem: Wenn man ganz alleine ist und keine Freunde mehr hat, ist man irgendwie lebendig tot.
Also "belebe" Deinen Freundeskreis, damit Du keine verbitterte alte Schachtel wirst ;-)
 
  • #13
Nach meiner Erfahrung gibt es Menschen, welche soziale Kontakte zur Erholung brauchen und es gibt Menschen welche Erholung von sozialen Kontakten brauchen. Ich glaube dass Beides legitim ist, aber Letztere sind halt die diskriminierte kleine Minderheit (siehe z.B. faule Langschläfer).
Ich selbst würde mich als Familienmensch bezeichnen, der Freundschaften wohl einen weitaus geringeren Stellenwert zuordnet, als allgemein hin üblich. Und ich meine wohl, reine Familienmenschen gibt es auch gar nicht so selten.
Da bleibt neben Frau, Kindern und Verwandtschaft gar keine Zeit, aber auch keine Lust, für Freunde und Bekannte. Man trifft sich mit den alten Freunden nur noch sehr selten, alle paar Jahre vielleicht mal, z.B. zu den ganz großen Feierlichkeiten, aber das war's dann auch.

Irgendwann zu sterben ohne dass Jemand Notiz davon nimmt, ist allerdings für mich auch eine schlichte Tatsache, die generell zum Leben dazu gehört.
Meine traurige Erkenntnis: Man kommt alleine und man geht alleine und selbst die besten Freunde und auch die beste Familie können daran nichts ändern. Spätestens auf dem Sterbebett beschleicht Jeden die Angst vorm Ende.
Das ist, wie geschrieben, durchaus traurig, ermahnt mich aber auch jeden Tag meines Lebens in vollen Zügen zu genießen.

... Naja, weites Feld ... Nach einer aktuellen Studie sind intelligente Menschen sogar angewiesen auf wenige Freundschaften, um glücklicher sein zu können. Man vermutet, dass es daran liegen könnte, dass zu viele soziale Kontakte die Verfolgung eigener Ziele stark behindern/einschränken könnten oder dass Menschen schlicht genetisch so programmiert sind, dass wir eigentlich große Lebensräume mit wenigen Mit-Menschen bevorzugen.

Ach und außerdem darf auch Mutti mal den Geburtstag vergessen, bzw. das Gratulieren ... is doch nur ein Geburtstag.
 
  • #14
Erst letzte Woche ist mir aufgefallen, wie ich mittlerweile vereinsame. Ich hatte Geburtstag und niemand nach mich angerufen. Noch nicht einmal meine Mutter und jetzt überlege ich mir, ob ich am Sonntag zum Muttertag es auch so halten soll, obwohl dies wohl eher nur kindisch wäre.
Das ist grausam, und ich "erlaube" dir eine kurze Runde Selbstmitleid.. ;)
Wir wissen natürlich hier nicht, was zwischen euch vorgefallen ist und welche alten Verletzungen es gibt.
Gleiches mit Gleichem vergelten ist jedenfalls wirklich kindisch und unreif, also tu das lieber nicht.
Vielleicht gibts für euch bessere Wege. Wenn das Urvertrauen zur Mutter fehlt, dann kann eben eine Folge davon sein, Angst vor sozialen Kontakten zu haben. Fang klein an, ein kurzes Gespräch mit einer netten Nachbarin kann dir schon einen Tag versüssen.
 
  • #15
Thema sterben: Wir sterben alle alleine.

Ein Tip: Ich habe für mich erkannt, dass ich lockere Bekanntschaften besser führen kann, aus denen man sich immer wieder distanzieren kann, ohne dass der Gegenüber irgendwelche Forderungen stellt. Wie mein Vorgänger sagte. Du musst lernen, deine sozialen Kontakte zu kontrollieren. Niemand darf dir einfach so auf den Kopf steigen. Nicht jeder tut einem gut: Menschen wollen fast immer was von einem, am liebsten deine gesamte Zeit und Energie, deswegen musst du für dich selber klare Grenzen ziehen und dich nicht wegen anderen Verbiegen lassen.
Also, das finde ich ein wenig kurz gedacht, bitte nicht böse sein. Natürlich sterben wir erstmal alle alleine, in den seltensten Fällen stirbt man mit jemandem gemeinsam. Aber es ist doch ein Unterschied, ob jemand beim Sterben alleine/ einsam ist, oder ob um das Bett drum rum alle seine Lieben stehen und ihm gemeinsam ein letztes Mal Wertschätzung und Geborgenheit schenken können. Ich stelle mir für meinen Tod lieber letzteres Szenario vor.
Aber das hält ja jeder wie er es für richtig hält. Wenn man dass Alleinsein beim Sterben vermeiden will, muss man aktiv werden, um sich eben soziale Kontakte herzustellen.

Und ich bin auch nicht so sicher, ob die Vermeidungsstrategie anderen Menschen gegenüber so gut für einen selber ist, nur weil man die Erwartungen nicht erfüllen möchte. Ich würde da anders handeln: mal bei sich gucken, warum man von den Erwartungen so überfordert ist, und warum man lieber gleich soziale Kotaktr ganz meidet, anstatt zu lernen, dass man nicht alle dieser Erwartungen immer erfüllen muss und dass man sich durchaus abgrenzen kann, ohne den Kontakt sofort abzubrechen oder gar nicht erst zu beginnen. Das klingt mir irgendwie nach dem einfacheren Weg, der da gewählt worden ist, vielleicht auch nach Konfliktvermeidung.
 
  • #16
Seit meiner Trennung genieße ich dieses vereinsamen, aber es macht mich auch sehr bedenklich. Irgendwann sterbe ich und niemand nimmt davon Notiz.
Wenn Du das Vereinsamen genießt, was interessiert es Dich dann, dass kein Mensch von Deinem Tod Notiz nimmt? Dann bist Du tot und merkst das doch garnicht. Sorry, das verstehe ich nun wirklich nicht.

Ansonsten solltest Du sehen, ob Du gern allein bist und das genießt, denn ich bezweifel, dass man Einsamkeit genießen kann. Ich glaube, Du hast die Begrifflichkeiten für Dich nicht geklärt und auch Deine Position dazu nicht, wie das Problem zeigt "Mutter ruft zum Geburtstag nicht an, soll ich jetzt aus Rache zum Muttertag nicht anrufen?".

Werd' Dir klar, was Du willst:
- in Bitterkeit vereinsammen und das Leid genießen sowie auf dauerhaftem Rachefeldzug gegen vermeintliche Übeltäter sein
- Dein soziales Leben von Störenfrieden freihalten und das Alleinsein zu genießen.
Das ist ein erhbelicher Unterschied.
 
  • #17
Statistisch gesehen ist es so, dass Frauen in einer Beziehung sogar eher innerlich vereinsamen.Also ist der Singlestatus keine Ausrede.
Liebe FS, ich bin auch ein Mensch, der seine Ruhe im Privaten dringend braucht (gerade weil ich beruflich viel kommuniziere, viele Menschen treffe, und das auch meistens gerne).
Wirklich leidend hörst Du Dich für mich nicht an. Mal abgesehen davon, dass heute die meisten Menschen nicht in ihrem Bett, sondern im Kankenhaus sterben, und die Angehörigen kaum 24 h dort herumgruppiert sind wie im Fernsehen: Es macht einfach doch Freude und tut gut, ab und zu etwas mit Anderen zu unternehmen.
Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, Freunde und Bekannte schon.
Wobei man auch Verwandtschaft so dosieren kann, dass es verträglich ist.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #18
Ich bin ein Einzelgänger und ertrage andere Menschen nur schwer.
Es strengt mich schlicht an.
Nach meiner Erfahrung gibt es Menschen, welche soziale Kontakte zur Erholung brauchen und es gibt Menschen welche Erholung von sozialen Kontakten brauchen.
Wunderbar formuliert, chapeau !

Am ehestens ertrage ich meine Tochter, weil wir uns zusammengerauft haben und uns sehr ähnlich sind.
Mit meinem Freund geht's auch noch so einigermaßen, aber da bin ich nach zwei Tagen immer froh, wenn ich wieder allein bin.
Alle anderen Menschen strengen mich einfach nur an.
Ich habe einen Beruf, in dem ich immer nur ganz kurz ( Konferenz, Ortsbegehung ) mit Menschen zusammen bin und ansonsten die Tür meines Büros zumachen kann, damit möglichst wenige reinkommen.

Der Gedanke an ein Eremitendasein, sagen wir, ich strande wie Robinson auf einer Insel schreckt mich nicht.
Nach Trennungen von Männern war ich vor allem erleichtert, da kann auch ich sagen, ich genoß danach die Einsamkeit.

Liebe Jutta, überlege dir, ob du so leben willst. Das kann sich hier zwar keiner außer mir vorstellen, aber es reicht, wenn du dich wohl fühlst, auch wenn das keiner versteht.
Du mußt nicht mal Kontakt zu deiner Mutter halten, wenn du das nicht willst.

Ich betreibe so einen Minimalaufwand, lade also z.B. ein paar wenige Leute zu meinem Geburtstag in ein Restaurant ein. Dieses mal waren es nur meine beiden Mütter und mein Freund. Tochter und Schwiegertochter waren weit weg, sonst hätte ich die auch noch eingeladen.

Zum Muttertag erwarte ich von ihnen null und selbst mache ich für meine beiden Mütter auch schon etwa 20 Jahre lang nichts mehr, nicht mal einen Anruf.
Ich will und brauche sowas nicht, auch nicht zum Geburtstag.
Ich habe viele Glückwünsche aus beruflichem Zusammenhang bekommen, aber das sehe ich als Acquise-Maßnahme an.
Dann nur von drei oder vier Verwandten, drei oder vier Freunden.
Und das alles hätte ich null gebraucht.
Ich vergesse immer, anderen zu gratulieren.

Was ich sagen will: wenn du dich wohl fühlst, mußt du gar nichts ändern. Jedenfalls brauchst du kein mulmiges Gefühl zu haben, nur weil du etwas gut findest, das in unserer Gesellschaft nicht üblich ist.

Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden (Rosa Luxemburg).

w 49
 
  • #19
Das klingt mir irgendwie nach dem einfacheren Weg, der da gewählt worden ist, vielleicht auch nach Konfliktvermeidung.
Was spricht dagegen, den einfacheren Weg zu gehen?

Ich habe viel zu viele Schlachten schlagen müssen, bis ich erst begriffen habe, dass ich manche Schlacht gar nicht gewinnen kann, bzw. muss.

So gehe ich inzwischen den Schlachten aus dem Weg und siehe da, mir geht es psychich und physich viel besser und.... ich habe gelernt, mit mir selber "allein" sehr zufrieden zu sein, es zu geniesen.

w
 
  • #20
Was spricht dagegen, den einfacheren Weg zu gehen?
w
Nun, wenn man das Leben und auch soziale Kontakte, einschließlich deren Herausforderungen als "Schlachten" begreift, in denen man kämpfen und sich schlagen muss, dann kann ich verstehen, dass man keine Energie mehr hat und auch die Erfahrung verliert, dass soziale Kontakte etwas sind, was das Leben bereichert. Klar, dass man dann überzeugt ist, dass Alleinsein die bessere Alternative für einen selbst ist.

Grundsätzlich kann ich die Frage, was daran so falsch ist, den "einfacheren" Weg zu wählen, nur aus meiner tiefen Überzeugung heraus beantworten:
Natürlich kann man es sich leicht machen. In Zukunft aus schlechter Erfahrung heraus alles meiden, was einem missfällt, sich also eine wunderbare Vermeidungsstrategie antrainieren. Man kann in Zukunft jeden Konflikt umgehen, in den man wegen anderen Menschen geraten könnte. Das ist aber kontraproduktiv. Es bringt dich persönlich null weiter. Es macht dich träge, faul in Bezug auf andere Menschen, mit der Zeit geht immer mehr die Empathie verloren, man kreist nur noch um sich selbst und seine eigenen Probleme und Ansichten, man wird wunderlich, störrisch, schweigsam, keiner mag einen mehr, weil man irgendwie nichts mehr beizutragen hat (geben und nehmen) und auch niemanden mehr versteht, und auch im eigenen Leben bleibt alles immer so wie es ist. Es geht irgendwie einfach nicht mehr voran. Das Ergebnis dessen -also was soziale Vereinsamung/ mangelnde soziale Kompetenz eigentlich anrichten kann - sehe ich im beruflichen Umfeld (psychiatrie) täglich. Schwerste psychische Krankheiten und Störungen werden dadurch angefüttert und führen durch Vereinsamung in Abwärtsspiralen.

Wie sagt man so schön? Wir haben alle unser Päckchen zu tragen, auch ich könnte ein Lied davon singen. Die wenigsten haben es immer nur leicht im Leben. Kontakt mit anderen Menschen ist nun mal auch nicht immer erfolgreich, ob es das Elternhaus ist, was schlecht war, oder Freunde, die einen enttäuscht haben oder energieraubende Partner, was auch immer. Daran wächst man doch, das formt eine Persönlichkeit, das macht sie aus. Deswegen einfach aufgeben und gleich alle Sozialkontakte einstellen, bloss damit keine potentiellen Konflikte mehr entstehen, die ich verlernt habe, für mich zu lösen, käme für mich niemals in Frage.

Aber vielleicht reden wir beide ja auch völlig aneinander vorbei.
 
  • #21
Das ist grausam, und ich "erlaube" dir eine kurze Runde Selbstmitleid.. ;)
Den Zynismus könnte man sich sparen, da ich auch nicht zynisch bin. Vielleicht muss man auch in einen Forum zynisch sein.

Ich bin mir hier keiner Weise etwas schuldig. Wie gesagt habe ich auch im Januar zu ihrem Geburtstag telefoniert und auch zu Ostern. In Regel haben wir so 5 x im Jahr miteinander gesprochen und diese praktiziere ich auch schon seit ca. 20 Jahren und wenn es ihr zu wenige ist, dann hat sie auch nie dies geäußert.
 
N

nachdenkliche

  • #22
Ich bin ein Einzelgänger und ertrage andere Menschen nur schwer.
Es strengt mich schlicht an.
Ja, das kann ich 100% tig nachvollziehen, ich gehöre auch dazu, es war auch schon immer so
Ich bin mit mir allein am zufriedensten, es reicht mir vollkommen. Ich schaffe pro Sonntag höchstens ein Telefonat mit der Familie, wenn überhaupt.
Liebe FS, ich weiß allerdings nicht, wie es ist, wenn ich dem letzten Lebensabschnitt entgegensehe, nämlich der Zeit ohne Arbeit. Kann sein, dass ich dann auch Menschen irgendwie brauche, um nicht zu vereinsamen. Ich weiß es nicht, ich fühle mich jetzt nur wohl so, weil ich tagsüber beruflich bedingt, komplett anders und fremdbestimmt leben muss...
Wie geht es Dir da, Du fühlst Dich nicht wohl mit Deinem Alleinsein?
aber mich haben schon mit 16 diese sozialen Kontakte genervt und mit Ü40 umso mehr. Seit meiner Trennung genieße ich dieses vereinsamen, aber es macht mich auch sehr bedenklich. Irgendwann sterbe ich und niemand nimmt davon Notiz.
Du bist Dir nicht sicher, ob das gut für Dich ist? Warum eigentlich?
Stehe doch einfach dazu. Beim Sterben bist Du sowieso alleine und was danach kommt, damit müssen wir uns dann nicht mehr befassen wie @Vikky schon richtig schreibt.
Mach nicht den Zwang mit, einen Rattenschwanz von Kontakten und "Freunden" um Dich zu haben. Jeder wie er es möchte.
Und liebe @frei , ich könnte mir vorstellen, wieder einen lieben Hund bei mir zu haben. Die sind ruhig, aufrichtig, sensibel...einfach treue Begleiter..Aber da würde ich schon wieder denken, ich missbrauche eine Kreatur, damit ich mich gut fühle. Ist schon schwierig alles! :)
 
  • #23
Den Zynismus könnte man sich sparen, da ich auch nicht zynisch bin. Vielleicht muss man auch in einen Forum zynisch sein.

Ich bin mir hier keiner Weise etwas schuldig. Wie gesagt habe ich auch im Januar zu ihrem Geburtstag telefoniert und auch zu Ostern. In Regel haben wir so 5 x im Jahr miteinander gesprochen und diese praktiziere ich auch schon seit ca. 20 Jahren und wenn es ihr zu wenige ist, dann hat sie auch nie dies geäußert.
Das war zynisch, in deinen Augen?
Hmmm... also nochmal, vielleicht klarer:
Es ist ok, wenn du dich kurz bemitleidest, und dann wieder raus aus dem Tief, erkenne alles was in deinem Leben gut und positiv ist, und verfalle nicht in die Schockstarre der Opferrolle.
So besser?
 
  • #24
Man muss kein Partygänger sein, war ich auch nie.
Dennoch habe ich Kontakte, welche ich niemals missen möchte und zwar für jede Lebenslage.
Mit jungen Leuten gehe ich zum Reitsport (kenne Mädels, die meine Töchter sein können, wir verstehen uns sehr gut), mit anderen gehe ich zum wandern, zwei Kolleginnen lieben Shopping und ich gehe mal hier und da am WE mit, vorher zum Brunch.

Als Dauersingle ist mein Leben ausgefüllt.
Ziehe ich mich zurück, auch okay, ich verreise auch alleine, genieße auch die Stille, aber auf Dauer könnte ich das nicht.
Da ich neugierig bin und gerne auch unter Menschen.

Dieses - ich will auf Dauer meine Ruhe und keine Menschen sehen - ist mir zuwider und geradezu suspekt, man sollte sich evtl. gleich begraben lassen, auf dem Friedhof ist immer Platz.
 
N

nachdenkliche

  • #25
Dieses - ich will auf Dauer meine Ruhe und keine Menschen sehen - ist mir zuwider und geradezu suspekt, man sollte sich evtl. gleich begraben lassen, auf dem Friedhof ist immer Platz.
Na, okay, das sollte man demjenigen schon selbst überlassen und zum Glück haben wir die Wahl, mit wem wir uns umgeben. Auch ich habe Kontakte, gebe aber zu, dass ich mich manchmal frage, ob das bei mir noch "normal" ist, oder das schon Symptome der Überforderung sind bei mir, keine Ahnung, noch ist alles gut.
Ich würde mich nie zu was drängen lassen, nur weil einer meint, nicht Du @Herakles , das ist ungesund. Wenn ich mich wohl fühle, ändere ich nichts daran, ansonsten weiß ich mir zu helfen.
Was ich auch schön finde, sind Ehrenämter. Sie lassen einen das eigene "Elend" vergessen und lehren, dass es noch "schlimmere Schicksale" gibt, als das Singledasein und das Alleine sein.
Lass Dich nicht entmutigen, liebe Fs. Ich hatte eben sehr netten Besuch von meinem Sohn auf dem Balkon! Hast Du Deine Mutter mal angerufen?