• #61
Liebe Nordbrise, ich habe Seite zwei nicht mehr ganz gelesen, aber auch auf die Gefahr hin zu wiederholen, was schon gesagt wurde: dein Freund versucht Dich zu dominieren und kleinzumachen, sehr vermutlich zur Stützung seines Selbstwertgefühls. Ich hatte eine sehr ähnliche Situation in meiner Ehe (ich war defizitär, Problem war nur meine Psychopathologie, meine familiären Verstrickungen, Egozentrik, Beziehungsunfähigkeit ect., ständig wurde mir psychologisierend etwas unterstellt). Auch bei uns war ich beruflich deutlich erfolgreicher (Glück oder Verdienst- egal). Jedenfalls habe ich 25 Jahre ausgeharrt und mich immer nach dem liebevollen Mann unserer Anfangszeit gesehnt- mache es nicht genauso- die letzten 10 Jahre waren sehr unglücklich und ich trauere um die verschwendete Zeit.
Im übrigen war ich die Nervenärztin und Psychotherapeutin- nein, den anderen "deuten" und "analysieren" gegen seinen Willen gehört in eine Partnerschaft nicht (und auch sonst in keine vernünftige, auch therapeutische, Beziehung!)
 
  • #62
oh, jetzt habe ich die zweite Seite gelesen! Ich kann Dich sehr gut verstehen, werde sehr an mich erinnert ("ich möchte doch nur auch geliebt werden"- solche Sehnsucht).
Du bist nicht verkehrt! (Es geht auch gar nicht um falsch oder richtig sein in der Liebe, sondern darum den anderen anzunehmen und als ihn/sie selbst zu lieben). Wenn eure Situation so bleibt, verschwende nicht soviel Zeit wie ich. Viel Glück!
 
  • #63
Kann es sein, dass die "Schieflage" ein wenig auch in deinem Verhalten begründet ist? Du machst und tust so viel für ihn, als wäre es nicht völlig ausreichend, du selbst zu sein. Das reicht aber. Wer sich nicht selbst liebt, wird oft erleben, dass andere sie/ihn auch nicht lieben können. Das ist jetzt keine Schuldzuweisung. Aber vielleicht haben dir deine Eltern das Programm eingepfiffen, dich immer anstrengen zu müssen, damit du liebenswert bist. Vergiß das. Wenn er dich nicht so mag wie du bist, hat er dich nicht verdient oder es passt einfach nicht.
MIr sind übrigens auch schon oft Menschen auf die Nerven gegangen, die ganz nah mit mir befreundet sein wollten. Das ging bis zu dem Gefühl, von ständigen Aufmerksamkeiten erpresst zu werden und reagieren zu müssen.
Billie, ich habe das ganz runtergefahren, rufe kaum noch am Abend an, keine SMS (haben wir tagsüber nie) und auch sonst hat er allen Freiraum. Unter der Woche ohnehin und am WE kann er auch gern allein losziehen, wenn er mag. Bin ja schon groß und habe selten Langeweile.
Nur so total auf Sparflamme - das macht mir keinen Spass.
Wir haben früher beide gern gegeben oder geteilt, inzwischen habe ich auch gemerkt, dass er keine Aufmerksamkeit will.
Nur .... weniger als wenig ist nichts ....

Es ist schon widersprüchlich:
Einerseits wird geschrieben, er bräuchte das Gefühl, ihm würde Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegengebracht, andererseits ist jedes "Geben" zuviel und eben "Einengung".
Wie soll man da noch unbefangen sein?
An einem Tag ist er verärgert, dass ich mein Ding mache und ihn nicht umschwärme, am anderen Tag ist ein Kaffee morgens an´s Bett zuviel.
Ich bin kein Hellseher und es ist abhängig von seiner Tagesform, wann nette Gesten und wann nicht.

Das ist ein hin- und Her, heute so und morgen anders,
da KANN ich nichts richtig machen.
"Komm-her-geh-weg" ist das Signal.
Neulich sah ich im Laden seinen Lieblingskuchen. Ich habe ihn nicht mitgebracht. Wie doof ist denn das?

Insgesamt Euch allen vielen Dank, auch für´s Kopfwaschen
 
  • #64
Eben, du bist kein Hellseher, und es kann auch nicht darum gehen, ihm vorrauseilend alles recht zu machen.
Ich würde dem Kerl gar keinen Kaffee mehr ans Bett bringen.
Was macht er eigentlich für dich?
 
  • #65
"Du mußt selbst für die Befriedigung Deiner Bedürfnisse sorgen. Ich bin nicht für Deine Bedürfnisbefriedigung zuständig." Als ich das wörtlich nahm und versuchte Kontakt zu einer anderen Frau nur zur Bedürfnisbefriedigung aufzunehmen, war die Hölle los.
Hier musste ich sehr schmunzeln! Genau das hasse ich, wenn es heisst: "du musst selber für deine Bedürfnisse sorgen". Wenn es so ist dann braucht kein Mensch überhaupt eine Liebesbeziehung, er kann immer für sich selbst sorgen und die Sexualität sowieso mit sich selbst leben.
"90% aller Psychologie-Studenten studieren Psychologie nicht weil sie Psychologen werden wollen, sondern weil sie etwas über sich selbst erfahren wollen" - Sagte meine Ex-Frau als ich sie während ihres Psychologie-Studiums kennen lernte. Da war sei schon seit ihrem 14. Lebensjahr sporadisch selber in psychotherapeutischer Behandlung.

Eventuell ist Dein Fall ja einer der 90%?
Damit hat sie schon indirekt zugegeben, dass sie Psychologie nur deswegen studierte, um sich selbst besser zu verstehen und ihre inneren Konflikte zu lösen. Psychologen sind auch nur Menschen und keine allwissende Götter. Ich hätte sie gefragt: "warum warst du dann selbst in einer psychotherapeutischen Behandlung, wenn mit dir alles in Ordnung ist und mit mir als deinen Partner nicht!"

@Nordbrise frag doch deinen Freund direkt: "wenn du ein Psychologe bist und inzwischen weisst, wie man mit seelischen Problemen und Konflikten umgeht, warum trinkst du dann Bier? Gerade du als Fachmann müsstest du wissen, wie man Defizite beseitigt aber sicherlich nicht mit Bier. Wenn du das als Fachmann nicht weisst ich als Laie noch viel weniger." Drehe den Spiess um und lass dir nicht Defizite andichten bzw. Unzulänglichkeiten, Frust auf dich projizieren.
 
  • #66
Einerseits wird geschrieben, er bräuchte das Gefühl, ihm würde Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegengebracht, andererseits ist jedes "Geben" zuviel und eben "Einengung".
Wie soll man da noch unbefangen sein?
An einem Tag ist er verärgert, dass ich mein Ding mache und ihn nicht umschwärme, am anderen Tag ist ein Kaffee morgens an´s Bett zuviel.
Ich bin kein Hellseher und es ist abhängig von seiner Tagesform, wann nette Gesten und wann nicht.
Du klingst irgendwie gehirngewaschen und komplett abhängig von dem was er tut, wie er reagiert, wie er reagieren könnte und scheinst völlig drauf geeicht zu sein, auf ihn zu reagieren. Deine ganze Welt dreht sich nur um ihn, auch wenn Du den Kuchen nicht kaufst, hast Du drüber nachgedacht, was Du tun sollst. Bei allem denkst Du nach, wie er das findet. Das klingt wie nach ner Sekte.
Das ist nicht böse gemeint. Ich finde sowas nur immer schlimm, wenn Menschen so auf einen anderen geeicht sind, dass sie klingen, als gäbe es nie seelische Entspannung, weil im Hinterkopf immer der andere ist, der durch unsichtbare Fäden das Leben des Partners lenkt. Wie sich verbiegen, dass man richtig ist.

Das ist Deine Sache, nun da auszusteigen. Ich finde es nie hilfreich, wenn man in so einem Fall sagt, Du bist ja erwachsen. Wenn man erstmal in so eine psychische Abhängigkeit geraten ist, und so sieht mir das aus bei dem, was Du schreibst, findet man nicht ohne Licht wieder raus, weil so viele Irrlichter da sind. Ich glaube auch nicht, dass sich das erst im letzten Jahr ergeben hat, ich denke, dass diese Abhängigkeit, die ich hier unterstelle, schon früher da war. Der Mann wird ja nicht auf einmal manipulativ. Und es gibt sehr wohl die leisen Aggressionen. Die lauten sind schnell zu erkennen, aber die leise Unterwanderung einer anderen Seele und eines anderen Verstandes kommt hintenrum, und wenn man sowas nicht erkennt, verbringt man kostbare Zeit damit, sich aus den Fäden zu entwirren. Jeder hat nun seine Lebens- und Beziehungsaufgaben und es dauert so lange, wie es dauert.

Ich denke, das beste Zeichen ist, wie man die Frage beantwortet, ob man sich in seinem Leben, mit sich selbst und in der Beziehung noch wohlfühlt und ob man das Gefühl hat, der Partner ist ein echter Partner.
Nach Deinen Worten kannst Du das Gefühl nicht mehr haben und weil das alles so schleichend klingt, denke ich, dass Du eine ganz schön große Illusion von Deiner Beziehung hast.
 
  • #67
Liebe Nordbrise, @void #65 hat deine Frage an mich beantwortet. Bitte nimm das Ernst. Auch @Pfauenauge #52 stimme ich 100% zu. Wenn ich die Schilderungen deines Erlebens lese, tut mir alles weh, wie Lily321. Selten herrscht in einem Thread (zumindest seit ich hier mitlese) so große Einigkeit wie in deinem. Der Begriff Co-Abhängigkeit ist gefallen - alles, was du schreibst, deutet darauf hin, dass es dich mächtig erwischt hat. Auch ich glaube nicht, dass du erst ein Jahr in dieser Situation bist. Vielmehr glaube ich, dass sich seitdem deine "Symptome" auswachsen und du langsam an den Punkt kommst, wo der Leidensdruck so groß geworden ist, dass du es nicht mehr schaffst, dich zu verbiegen. Und deshalb suchst du so langsam auch hier Rat. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du die Co-Abhängigkeitssache nicht angedichtet bekommen möchtest, dass du dich innerlich noch wehrst. Du bist eine kluge Frau und weißt das auch. Deshalb tut es auch so weh, deine Posts zu lesen. Hier schreibt eine nachdenkliche, besonnene, überaus eloquente und vor allem LIEBEVOLLE Frau - wie kann es sein, dass so eine sich in so einer grausamen Beziehung befindet - fragst du dich selbst (und zweifelst noch, ob sie wirklich grausam ist) und fragen wir uns. (Jetzt muss ich dir aber wahrscheinlich nicht mehr erklären, warum er nachts aufgelegt ist zu telefonieren, auch wenn du keine Kraft dafür hast und er morgens ewig nicht aus dem Bett kommt. Richtig. Es ist "nur" das Bier.) Die Antwort: Du bist extrem kopfgesteuert und vertraust deinen Gefühlen bzw. deiner Gefühlswahrnehmung nicht. Wahrscheinlich kennst du weder deine Gefühle, noch deine Bedürfnisse. Dein Kopf, der dir im Beruf zu großem Erfolg verhilft, hat dich vermutlich in der Kindheit oft gerettet - jetzt springt er automatisch ein, um deine Probleme zu lösen - an deinen Gefühlen vorbei. Die siehst du nicht, oder vertraust ihnen nicht, weil du es nicht gelernt hast. Bist du in einer extrem leistungsorientierten und gleichzeitig wenig liebevollen Familie aufgewachsen? Hattest du schon immer Leistungsdruck? Ich gehe davon aus. Du musst ja sogar das Gelingen deiner Beziehung alleine stemmen. Und du bist (unbewusst) der Überzeugung, dass so etwas möglich ist! Wenn du dich nur gut genug anstrengst, denkst du, kannst du es wuppen. Nicht erschrecken, wenn ich schreibe, dass dies eine heimliche Größenfantasie ist. Sich fürchterlich klein und hilflos und dann sich wiederum grandios fühlen gehen Hand in Hand.
 
A

Arcturus

  • #68
Damit hat sie schon indirekt zugegeben, dass sie Psychologie nur deswegen studierte, um sich selbst besser zu verstehen und ihre inneren Konflikte zu lösen. Psychologen sind auch nur Menschen und keine allwissende Götter. Ich hätte sie gefragt: "warum warst du dann selbst in einer psychotherapeutischen Behandlung, wenn mit dir alles in Ordnung ist und mit mir als deinen Partner nicht!"
Denk nicht, daß ich das nicht gefragt hätte - mehr als einmal.
Die professionelle Antwort war: "Es geht hier nicht um meine Vergangenheit sondern um unsere Gegenwart. Und ich befinde mich in Behandlung, weil ich mein Problem nicht verleugne."
Das Problem mit Psychologen in Beziehungen, was ich mittlerweile sehe ist, daß es einigen nicht gelingt, eine Grenze zwischen Profession und Beziehung zu ziehen.
Scheinbar hat die FS dasselbe Gefühl.

Gerade dann, wenn dem psychologisch geschulten Partner für ihn unangenehme Fragen gestellt werden, ist die Versuchung groß, zum Schutz des Selbstbildes auf die professionelle Schiene auszuweichen.

Denselben Effekt bis zur hin Übertragung kennen Psychotherapeuten ja aus ihrer beruflichen Tätigkeit, nur werden sie dort nicht von ihren Klienten unangenehmen Fragen ausgesetzt. Trotzdem müssen sich Psychotherapeuten regelmäßig einer Supervision unterziehen, um eventuell aus dem Ruder laufende Entwicklungen durch eine zweite geschulte Person zu erkennen.

Diese Supervision für den Bereich der eigenen Beziehung gibt es aber nicht - es sei denn, ein solches Paar begibt sich bei Beziehungsproblemen zu einem professionellen Paartherapeuten.
Wenn jetzt der psychologisch geschulte Partner aber nicht will, wird er kraft seiner eigenen Ausbildung und Kenntnisse eine von seiner Seite heile Welt vorspiegeln können - besonders, wenn der Paartherapeut die Profession seines Gegenüber nicht kennt.

m47

PS: Eventuell ist Verhältnis ja nicht 90/10 sondern 70/30 ;-)
 
  • #69
Noch ein kurzer Nachtrag, liebe @Nordbrise, zu deiner Aggressionsfrage. Jeder hat Aggressionen, jeder hat Wut. Wichtig ist der *Umgang* mit ihr, der sich je unterscheidet. Es gibt Menschen, wie mich zum Beispiel, die ein großes Problem damit haben, ihre Wut auf etwas überhaupt zu spüren. Sie ist aber da, und wenn man nicht gelernt hat, sie wahrzunehmen und gut (= auf gesunde Weise) mit ihr umzugehen, geht sie irgendwo hin. Bei manchen Menschen richtet sie sich gegen das eigene Selbst, das dann permanent fertig gemacht wird (dies äußert sich mindestens in einer depressiven Grundstimmung und kann im Extremfall zum Suizid führen). Andere trinken die Wut weg. Wieder andere pöbeln, manche hauen und stechen. Und manche manipulieren. Dein Freund macht, wie die meisten Menschen, die mit sich nicht im Reinen sind, eine Mischung. Und natürlich ist er nicht nur aggressiv. Das sind die wenigsten Menschen. Aber er richtet seine Wut AUCH gegen dich - und damit muss Schluss sein. Dein Anteil an der Misere ist, dass du dies bisher geduldet hast. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 
  • #70
Liebe Nordbrise,

Du wirkst auf mich wie hypnotisiert.

Natürlich ist dieser Mensch aggressiv. Passiv aggressiv. Er ändert nichts an seiner Situation, stellt sich keinem Konflikt, besäuft sich stattdessen lieber oder macht Dich fertig, streut Gift, und Du schluckst es, bis Du davon so verwirrt bist, dass Du hinter den sieben Bergen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr siehst.

Er kann keine Nähe zulassen - erst recht nicht, wenn er sich Dir gegenüber minderwertig fühlt. Wie er sich dann verhält, hast Du bereits eindrucksvoll beschrieben.

Da kannst Du machen, was Du willst, es wird nichts ändern. Also mach einfach, was Du willst. Ohne ihn. Vergiss ihn. Nein, lerne daraus.

Wahrscheinlich wirst Du ihm aber sehr fehlen, wenn Du Dich von ihm trennst, denn er braucht Deine Liebe für sein Selbstwertgefühl. Oder er findet eine andere Doofe, kann auch sein. Aber so wie ihr verstrickt seid, würde ich darauf wetten, dass er innerhalb weniger Wochen bei Dir angekrochen kommt und "alles einsieht", "sich ändern wird" usw. Und ich kann Dir versichern: Nichts wird sich ändern. Im Gegenteil. Er wird sich dafür hassen, dass er sich so erbärmlich gezeigt hat, und das dann wiederum subtil aggressiv an Dir auslassen. Klingt hässlich - ist aber so. Zumindest in Fällen wie von Dir beschrieben.

Sein Selbstwert ist abhängig davon, sich überlegen zu fühlen, während Du leidest und zunehmend verwirrter wirst. Dich abzuwerten und auseinanderzunehmen ist wohl eine Art Rache, weil er leidet, wenn Du erfolgreicher bist, ihm also eigentlich überlegen bist. Lasse nicht zu, dass er seine Erfolglosigkeit auf Dich projiziert und sein giftiges Verhalten sich nachteilig auf Deinen Selbstwert, Dein Leben oder gar Deinen beruflichen Erfolg auswirkt.

Wach auf, liebe Nordbrise. Der schöne Apfel ist nicht gesund. Er ist vergiftet. Spuck ihn aus.
 
  • #71
Ihr habt in so vielem Recht ....

Interessant die Frage nach meinen Gefühlen:
Ja, ich traue ihnen nicht mehr.

Zu Beginn der Beziehung war das leicht, diese mitzuteilen, sich auszutauschen, auch kontrovers.

Mit den Jahren schlich sich eine Veränderung ein:
Was ich fühlte war in seiner Bewertung
-entweder unangemessen
-oder falsch ausgedrückt

Und diese permanente Kritik an meinen Gefühlen bzw. der Art, wie ich diese beschrieb machte mich immer vorsichtiger, ich überprüfte mein Bauchgefühl mit dem Kopf.
„Ist es wahr und angemessen, was ich fühle? Übertreibe ich?“
Ich wollte sozusagen vorbereitet sein auf seine Gegenargumente.

So ist es entstanden, dass ich mir selbst nicht mehr traute und ihn verschonte, wenn ich traurig war oder ein Bedürfnis hatte.

Neulich sagte er einen Satz von sich:
„Ich will Nähe und Distanz zugleich!“
Auch so ein Verwirrsatz, der mich traurig macht, hilflos und vorsichtig.
Und ich versuche wieder mit dem KOPF, diesen Satz zu verstehen.

Ist es nachvollziehbar, was ich beschreibe über das angelernte Zerdenken der Gefühle?

Ach so, meine Herkunftsfamilie ist nicht leistungsorientiert, da habe ich dies mich verbiegen nicht gelernt.

Ich verstehe mich selbst nicht, was mich mir selbst so Misstrauen lässt.
 
  • #72
Hirigoyen, Die Masken der Niedertracht.
Dann, ich glaube der Vorschlag kam noch nicht, suchst du dir vielleicht selber eine Therapeutin, ohne deinem Freund zu erzählen.
Und zwar dass du dich wiederfinden kannst. Mit dir ist alles in Ordnung, nur scheint mir, dass du dich in diese Geschichte verstrickt hast, und da nicht mehr rausfindest.
Hast du eigentlich eine gute Freundin, der du das alles erzählen kannst? Oder schämst du dich, oder ist es dir peinlich?
Du zweifelst an deiner Wahrnehmung, fragst dich ständig, ob er nicht doch recht hat. Das ist gefährlich, denn dadurch wirst du manipulierbar.
 
  • #73
Diese Supervision für den Bereich der eigenen Beziehung gibt es aber nicht - es sei denn, ein solches Paar begibt sich bei Beziehungsproblemen zu einem professionellen Paartherapeuten.
Wenn jetzt der psychologisch geschulte Partner aber nicht will, wird er kraft seiner eigenen Ausbildung und Kenntnisse eine von seiner Seite heile Welt vorspiegeln können - besonders, wenn der Paartherapeut die Profession seines Gegenüber nicht kennt.

m47
Ja, ich sehe die Problematik und wie leicht es ist, wenn der eine Partner psychologisch geschult ist aber selbst massive Probleme in der Beziehung hat, die er dann auf den Partner projiziert. Und es wird ein leichtes sein, wenn beide doch zu einem Psychotherapeuten gehen, dem Therapeuten etwas vorzuspielen.

Um auch der @Nordbrise hilfreich zu sein, schildere ich ein Date, welches ich hatte mit einem Psychotherapeuten. Er sagte mir im Gespräch: "sehr viele Menschen im Rollstuhl sehen so mürrisch und frustriert aus aber du bist so anders" (Für die, die es noch nicht wissen, benutze ich einen Rolli und laufe zu Hause mit Stöcken wegen einer stabilen chron. Krankheit).

Ich fragte ihn: "hattest du denn schon überhaupt bis jetzt mit Menschen in Rolli gesprochen und mit ihnen Kontakt gehabt?"
Er: "Nein noch nie bis jetzt"
Ich: "wie kannst du dann so etwas behaupten? Vielleicht war das nur eine Momentaufnahme und die Person hatte Zahnschmerzen oder jemand ist gestorben und sie war traurig oder über jemanden verärgert. Wie kannst du dir nur von wenigen Sekunden ein Urteil über die ganze Persönlichkeit bilden?"

Das verdeutlicht auch, dass auch Psychologen nicht frei von Vorurteilen sind.
 
  • #74
Die professionelle Antwort war: "Es geht hier nicht um meine Vergangenheit sondern um unsere Gegenwart. Und ich befinde mich in Behandlung, weil ich mein Problem nicht verleugne."
Das Problem mit Psychologen in Beziehungen, was ich mittlerweile sehe ist, daß es einigen nicht gelingt, eine Grenze zwischen Profession und Beziehung zu ziehen.
Ich musste hier auch wieder schmunzeln. Ich hätte ihr entgegnet: "ich verleugne ja auch meine Probleme nicht, wenn ich weiss, dass ich welche habe aber mir sind keine bewusst ;-)"

Nein, im Ernst ich machte auch freiwillig eine Psychotherapie bei einem Psychiater, sie war nicht wirklich notwendig aber sie hat einen Prozess der Loslösung vom Elternhaus beschleunigt. Ich wollte mal in die Akte rein blicken. was er über mir schrieb aber er sagte wörtlich: "niemand kann sie so gut kennen, wie Sie sich selbst".
Später aber bei einer sehr schweren seelischen Krise machte ich auch wieder eine, die war aber sehr notwendig, weil ich in einer verzweifelten Situation war!

Das Problem ist schon bekannt, dass mehrere Psychotherapeuten sich nicht über die Problematik bzw. Diagnose einig sind! Wenn man nach DSM-V mehr als drei Wochen trauert ist das schon pathologisch aber früher nicht. Das ist viel schwieriger festzustellen, als eine körperliche Krankheit, weil sich Verhaltensweisen und Symptome bei mehreren psychischen Krankheiten überlappen. Man kann einen Tumor pathologisch untersuchen und ihn bestimmen und nicht Rätselraten und Vermutungen anstellen!

Darum @Nordbrise ich würde ihn gar nicht mehr ernst nehmen. Hat er klinische Psychologie studiert oder nur einige Kurse in dem Bereich besucht?
 
  • #75
PS: Eventuell ist Verhältnis ja nicht 90/10 sondern 70/30 ;-)
Ich glaube, es ist eher bei 100%. Aber ich sehe dabei kein Problem. Jedenfalls ist es mir bei der Berufswahl lieber, die Person sucht den Beruf danach aus, weil sie mehr über sich lernen will, als jemand will Psychologe werden, ohne über sich selbst zu reflektieren. Das wäre ja absurd!
Das Problem ist, wenn die Fachkenntnis passiv-agressiv dazu verwendet wird, den Partner zu manipulieren. Vergleichbar mit einem Bankbeamten, der seiner Partnerin das Konto in der Schweiz verschweigt, weil er es kann. Eine vermeintliche oder tatsächliche Überlegenheit auszuspielen, ist einfach eine Frage des Charakters, nicht der Ausbildung oder des Fachgebietes. Das begrenzt nur die Möglichkeiten.
 
  • #76
@ Rabentochter,
das mit dem Wut spüren und angemessen damit umgehen, das ist wohl ein sehr häufiges Thema.
Das zornige kleine Mädchen ist genauso wenig "geduldet" wie die Wut einer Frau.

Trotz angenehmer Kindheit und viel Freiraum habe ich für Wut auch kaum eine Ausdrucksformen gefunden.
Und wenn, dann fand irgendjemand das gewiss unangemessen.

PS:
Das zeitversetzte Antworten und Freischalten ist ein wenig verwirrend
 
  • #77
Du traust ihm mehr als dir. Das ist nicht gut, du verlässt dich quasi selbst. Du kannst im Moment nicht von ihm lassen. Dann hör auf Dinge für ihn zu tun, dich zu erklären, von ihm etwas zu wünschen.
Wenn er dich fragt, was du hast, sagst du Danke alles okay.
Lass keine Sezierversuche mehr zum sei einfach und schau was passiert.
Zu verlieren hast du nichts mehr.
 
  • #78
Ist es nachvollziehbar, was ich beschreibe über das angelernte Zerdenken der Gefühle?
Ja, das ist es, du hast es sehr gut beschrieben. Und ich kenne das: ich mache es auch (noch), bei mir damals das ständige Fragen "bin ich es nur?" Auch bei mir ein wie auf Eierschalen gehen, um alles richtig zu machen und bloß keine Fehler. OK, also Leistungsorientierung gab es in deiner Herkunftsfamilie nicht, aber darüber, ob es eine liebevolle Familie war, in der du aufgewachsen bist, schreibst du nichts - magst du dazu noch mal überlegen? Es ist erstaunlich, dass du den Zustand so lange ertragen hast. So etwas passiert, wenn man gelernt hat, genügsam zu sein mit liebevollen Gesten und (wiederum unbewusst) meint, für sie etwas tun zu müssen. Meistens ist so etwas auch sehr früh erlernt. Tatsächlich wird man nicht ohne Grund Partner/in eines Suchtkranken. Wenn du genau hinsiehst, wirst du in früheren Beziehungen Ähnlichkeiten zu deiner jetzigen entdecken, aber dazu ist es vielleicht noch zu früh. Jetzt erst einmal gilt es zu gucken, was von dir noch übrig ist! Dass du sehr angebufft bist, wird deutlich. Du musstest ja auch Deinen langjährigen Freund fragen, ob du in Ordnung bist - du schreibst, du fragtest ihn, ob du kompliziert bist. Übersetzt heißt das auch: gefalle ich dir (noch)? Irgendwo stand es schon, dass du deinen Selbstwert vom Gelingen der Beziehung abhängig machst. Das ist fatal, und du musst dich zumindest distanzieren und deinen Selbstwert wieder aufbauen. Nur wie machen?

@Pfauenauge hat dir zur Therapie geraten und ich schließe mich an. Ich sage das zwar in fast jedem Thread, in dem ich poste, aber ich poste meistens auch nur da, wo ich Parallelen zu meinem Erleben sehe und durch meinen Blickwinkel Erkenntnisse weitergeben kann, die ich ohne psychoanalytische Begleitung vermutlich nicht gemacht hätte. Und die Sache ist die, dass man das Vertrauen in die eigenen Gefühle nicht über den Verstand einschalten kann. Man braucht Zeit und Anleitung. Ich fand mich damals ziemlich mutig, als ich mich zu dem Schritt entschloss, jetzt bin ich mir selbst sehr dankbar. Guten Mut dir weiterhin.
 
  • #79
@ Arcturus
Das mit dem Ausweichen auf die professionelle Schiene, sobald es "eng" wird, den Eindruck habe ich auch. Wenn ich etwas äußere, das er als gegen ihn gerichtet interpretiert, dann wird meine Äußerung eben so lange in Frage gestellt, bis ich die Segel streiche.
Mein vieles Denken resultiert aus dem vielen Rechtfertigen.
Dass er sehr viel als gegen ihn gerichtet interpretiert, das ist mir schon länger bewusst geworden. Wenn ich es beispielsweise kalt finde, ist es für ihn der Angriff, er habe die Heizung falsch eingestellt.

@Pfauenauge
Mit einer Freundin spreche ich darüber, nur ist sie eben wie ich so eine, die dieses Zerlegen und Zerpflücken nicht kennt. Sie findet es einfach kompliziert. Und das finde ich eben auch.
Es ist kompliziert, wenn jedes und alles zerlegt wird, neulich im Streit sagte er mal, er bräuchte wohl besser eine Psychologin als Partnerin, die seine Denkweise nachvollziehen könne.

Wisst Ihr, ich komme mir vor, als sei ich ( neuerdings?) zu unbeholfen, um ihm in diesen Verquirlungen zu folgen.
Ein Beispiel:
Vor zwei Jahren hatte meine Schwester einen schweren Unfall, Intensivstation, ihr Leben hing am seidenen Faden. (Vorab: Es ist gut ausgegangen für sie.)
In dieser Zeit hatte ich einfach Angst und war traurig.
Und anstatt einfach nur da zu sein, mich zu trösten oder mir zuzuhören, kam die Frage:
"Was macht das mit Dir?"
Ich antwortete mit meiner Angst, Sorge, dass ich das Schlimmste befürchte, nicht schlafen könne etc.
Und gebetsmühlenartig: "Was macht das mit Dir?".
Ich habe diese Frage nicht beantworten können oder dachte, ich hätte sie beantwortet, (Angst, Trauer, Überforderung usw), wünschte mir einfach Trost.
Ich wollte in diesem Moment nicht diagnostiziert werden.
Wir redeten aneinander vorbei und ich hatte keine Idee, was er hören wollte. Ich weiß es bis heute nicht.
Es kam mir ein bisschen vor, als gäbe es eine "richtige" Antwort auf seine Frage, die ich jedoch nicht fand.

Ich habe übrigens nächste Woche einen Termin bei einer Therapeutin. Ich möchte mir wieder trauen und nicht mehr glauben, ich fühle "falsch".
 
  • #80
@Rabentochter
Meine Herkunftsfamilie war liebevoll und anerkennend, wir drei Kinder waren gefühlt alle "richtig", so verschieden wir sind. Wir hatten viel Freiraum und doch immer das Gefühl, wir sind jederzeit beschützt, selbst wenn wir mal über die Stränge schlugen.

Warum ich bei ihm gelandet bin, dem Suchtkranken ...
Mir war die Sucht nicht bewusst. Er war in seiner Tiefgründigkeit reizvoll, fast ein bisschen liebenswert-schrullig. Stundenlang philosophieren, auch sein zaghaftes Wesen, stundenlang durch Wälder traben, sogar ganz entspannt miteinander schweigen.
Herumtrödeln, er ist wie ich kein Partytyp, mag das Leise, Menschen beobachten. Es ist sehr viel, das ich an ihm mag.
Und all diese schönen, friedvollen Momente im "Gleichklang", die machen es mir so schwer, ihn jetzt zu sehen. Ich blende es aus, was da derzeit ist.
Das ist er irgendwie gar nicht.
Neulich fiel mir ein Buch in die Hände, es hieß irgendwie "der Schwarze Hund" oder ähnlich. Es war eine Art Bilderbuch über männliche Depression. Die Bilder darin sahen aus wie er. So voller trauriger Wut.
Und hinter der traurigen Wut ist der Mann, für den ich so viel Liebe empfinde. Es ist, als sei eine "Wutmaske" darübergestülpt, von der ich so lange hoffte, sie herunterlieben zu können. Ihm Freude zu machen.
Er lacht nicht mehr. Kein Übersprudeln mehr, wie ich es kannte.

Nein, ich will ihm nun keine Depression andiagnostizieren, davon habe ich kaum Ahnung.
Doch es ist eben diese traurige Wut, manchmal weint er auch, dann wieder Zorn.
Ich trauere um den dahinter und bin noch viel zu wenig distanziert.
Irgendjemand hier schrieb das Wort Illusion.
Und die ist bei mir noch sehr präsent (wenn es denn mal eine war).
 
  • #81
Ich habe übrigens nächste Woche einen Termin bei einer Therapeutin. Ich möchte mir wieder trauen und nicht mehr glauben, ich fühle "falsch".
Find ich super. Vielleicht brauchst du länger für dein Ziel, vielleicht auch nicht - aber entscheidend ist bei sowas die Motivation und die hast du - das klingt durch! Als ich mich auf Psychoanalyse einließ, hatte ich viel Motivation, aber allerhand Zweifel, ob mir das was bringt. Sicher auch eine Menge Vorurteile. Die hab ich dort alle angesprochen - und sie wurden mir genommen.

So, aus einer liebevollen Familie kommst du auch noch. Hm. Ich freue mich für Dich, bedeutet es doch, dass du die Krise schnell hinter dir lassen kannst, denn du kannst auf gutes Beziehungswissen aufbauen. Dann wiederum bin ich auch etwas skeptisch, denn mir fällt auch auf, dass du dazu neigst, Menschen zu idealisieren. "Das ist er gar nicht." Doch! Das ist er AUCH! Genau das! Und du schreibst selbst, dass Du derzeit Dinge ausblendest. Vielleicht hast du das seit jeher gut drauf. Musstest es draufhaben - musstest ein Pferd mit Scheuklappen sein, denn ohne wärest du in der Schlacht zugrunde gegangen. Das mit dem Alkohol war dir nicht bewusst sagst du, und siehst du, da geht es doch schon los. Es hätte dir ja THEORETISCH bewusst sein können, ohne Scheuklappen nämlich, denn du hast hier ja selbst all die Info geliefert, die man braucht, um darauf zu kommen. In deinem vorletzten Post ist noch so ein Hinweis, dass dein Freund ganz schön säuft: die Wiederholungen, die er gebetsmühlenartig vorbringt. Du kannst dich nicht darauf verlassen, dass er sich an den konkreten Inhalt bestimmter Gespräche erinnert. Wetten, dir fallen allerhand Situationen ein, wo du dachtest "hab ich ihm doch schon erzählt - oder etwa nicht?" Und dann zuckt er entwaffnend mit den Achseln, oder streitet ab, oder oder... Und wiederum lautet die Erklärung: "nur Bier", aber du denkst es lag an dir (war ich wohl langweilig, deswegen hat ers vergessen... Jeder vergisst mal was etc). Bestimmt beruhigt es dich, dass du nicht die einzige bist, die diesem Verhalten auf den Leim gegangen ist - trotz der sehr sichtbaren Anzeichen. Warum du es bist wird Thema der Therapie sein und du wirst lernen dich zu schützen. Vor allem lernst du, genau hinzugucken. Ist nicht immer einfach, sich zu sehen, wie/wer man "wirklich" ist, aber der Weg lohnt sich.
 
  • #82
Interessant die Frage nach meinen Gefühlen:
Ja, ich traue ihnen nicht mehr.
Weil Du dachtest, er weiß es aufgrund seines Berufes besser, was Du fühlst? Klingt, als hättest Du ihn über Dich gestellt.
Ich würde hier mal nachforschen. Anscheinend bist Du auch eher verkopft, wenn Dir jemand Gefühle "ausreden" kann. Das ist eine 1a-Manipulation, und niemand kommt wutentbrannt auf Dich zu und sagt "ich manipulier dich jetzt". Das geschieht auch durch Liebesentzug oder Dinge, die positiv klingen, aber einen eigentlich runtermachen.

Meine eine Freundin hatte einen Freund, der sie lobte (er war 14 J. älter). Er fing einfach damit an, sie bei Dingen wie Autofahren zu loben, und weil er selbstsicherer auftrat (war er nicht wirklich) wegen seines Alters, war es für sie auch klar: Er beurteilt sie und er hat das Recht dazu, weil er es besser weiß. Ab da fragte sie ihn bei allem, wenn sie sich unsicher war. Und weil sie vorher eigentlich keine Autofahrprobleme hatte, dann auch hierbei, dh. sie ist unsicherer geworden.
Deswegen ist Lob nicht unbedingt war Gutes, sondern der Lobende stellt sich drüber. Wenn man hier nicht aufpasst, bewirkt allein dieses Auftreten, dass man den anderen für kompetenter hält, allein aufgrund einer Anmaßung (bei dem Freund war das ja nur, weil sie ne Frau war und in seiner Welt alle Frauen Autofahrprobleme haben)

Deine Schwester hatte vor 2 Jahren den Unfall und er hat DIE Psychofrage gestellt: Und was macht das mit dir.
DA hast Du doch schon gesehen, dass der Mann unfähig ist, auf Gefühle zu reagieren. Das ist doch nicht erst sei einem Jahr.

Wenn ich es beispielsweise kalt finde, ist es für ihn der Angriff, er habe die Heizung falsch eingestellt.
Hat er ja auch. Kann sie doch aber hochdrehen, wo ist das Problem?

Und noch was: Nur weil jemand Dich nicht direkt angreift und vielleicht sonst lieb ist, kann er einem auch schaden. Ich bin sicher, er macht es nicht absichtlich, sondern weil er selbst ein Problem hat. Nur wirst Du mit in seine Probleme reingezogen und versuchst anscheinend, DIE zu lösen, statt Dich mal um Deine zu kümmern.
 
B

bromelie

  • #83
Es ist kompliziert, wenn jedes und alles zerlegt wird, neulich im Streit sagte er mal, er bräuchte wohl besser eine Psychologin als Partnerin, die seine Denkweise nachvollziehen könne.
Eine Psychologin würde unter Umständen mal Klartext mit ihm reden und seine Denkweise vielleicht nachvollziehen können, diese aber dem pathologischen Bereich zuordnen. Das müsste er eigentlich auch wissen, wenn er in diesem Bereich tätig ist. Vielleicht ahnt er, dass er mal jemanden braucht, der ihm Grenzen aufzeigt.
Was Du auch tun solltest. Ja, es ist kompliziert, aber je mehr ich von Dir lese, merke ich, auch Du machst es kompliziert. Ich verstehe das, Du bist sehr verstrickt in diesem emotionalen Geflecht.

Und gebetsmühlenartig: "Was macht das mit Dir?".
Ich kenne keinen guten Therapeuten, der noch mit diesem ziemlich abgelutschten Satz arbeitet. Dieser Satz bedient ja sämtliche Klischees, die man Therapeuten gegenüber überhaupt haben kann. Meine Klienten würden mir ins Gesicht springen, wenn ich diesen Satz aussprechen würde.
Dieser Dein Mann kommt mir sehr unprofessionell rüber, vielleicht daher auch diese Randaufgabe für ihn als Beamten, woanders ist er in der heutigen Zeit vielleicht nicht mehr einsetzbar. Und behalten müssen sie ihn ja irgendwie, er ist Beamter.
Ich finde es sehr gut, dass Du Dir nun auch Unterstützung suchst, um wieder ganz bei Dir bleiben zu können. Für ihn wird es hilfreich sein, wenn er eine feste Persönlichkeit vor sich hat, die sich nicht beirren und manipulieren lässt. Dann kannst DU IHN fragen....was macht das denn grad mit Dir....
Aber ob Du ihn dann noch willst mit diesen Persönlichkeitsstrukturen, das bleibt abzuwarten.
W
 
  • #84
Liebe Bromelie,
ich bliebe gern unkompliziert, einfach Bedürfnisse oder Gefühle mitteilen und dann schauen, ob es ankommt.
Nur kommt bei ihm nichts an, was ich nicht nach seinen Maßstäben begründe.

Mir geht dabei die Unbefangenheit verloren.
Beispielsweise eine Umarmung begründen müssen, das führt nicht dazu, dass mir noch danach ist.
Und ich mag nicht aus jedem spontanen Gefühl einen Vortrag machen müssen, woher dieses Gefühl nun kommen mag.
Ich fühle mich in einer "Bringschuld", nur Gefühl ohne Hintergrunderklärung reicht nicht.
Wenn ich Hunger habe, möchte ich etwas essen, ohne erst das Hungergefühl zu analysieren ,-)

Sowas habe ich noch nie erlebt und bin ungeübt, damit umzugehen.
 
  • #85
Void,
das mit dem Loben erlebe ich auch.
Wenn ich nach seinem Maßstab handele oder mich in seiner "Gefühlssprache" ausdrücke, bekomme ich ein Lob.
Das erzeugt diese "Schulsituation".
Eben die Regeln des anderen richtig anwenden.

Vielleicht ist es schlicht nur eine unbewusste Methode der Abwehr, eine Hürde bauen, die schwer zu überwinden ist.

Ich weiß nicht, wann und warum diese Hürde errichtet wurde.
 
  • #86
Void,
das mit dem Loben erlebe ich auch.
Wenn ich nach seinem Maßstab handele oder mich in seiner "Gefühlssprache" ausdrücke, bekomme ich ein Lob.
Das erzeugt diese "Schulsituation".
Eben die Regeln des anderen richtig anwenden.

Vielleicht ist es schlicht nur eine unbewusste Methode der Abwehr, eine Hürde bauen, die schwer zu überwinden ist.

Ich weiß nicht, wann und warum diese Hürde errichtet wurde.
Wann diese Hürde errichtet wurde, das weißt Du ganz genau. Es war nachdem Du beruflich erfolgreicher wurdest.

Und warum, nun ja, das lässt sich auch beantworten. Es ist vor allem seine gekränkte Eitelkeit, die ihn motiviert, sich schulmeisterlich bis hämisch über Dich zu stellen.

Was ich nicht verstehe, ist, dass Du sein Spiel so wenig durchschaust. Dass Du seine Abwertungen für bare Münze nimmst. Und dann fast schon sklavisch versuchst, es ihm recht zu machen ... Klar gibt ihm das Bestätigung, die er dringend braucht, aber respektieren kann er Dich so nicht - und das merkst Du auch.

Erfahrungsgemäß kann ich Dir sagen: Willst Du in so einer Beziehung eine Begegnung auf Augenhöhe, musst DU ihn mal gründlich analysieren. Und Dich dann distanzieren. Ich wette, er kommt ziemlich schnell angerannt, um wieder Dein Held zu sein. Fragwürdig aber, auf welche Weise.
 
  • #87
Liebe Burgfrau,
ich kann mir im Moment gar nicht vorstellen, dass da noch etwas geht.
Selbst wenn man das jetzt löst, so bleibt doch dieser Mechanismus bestehen, oder?
Muss ich dann immer mit solchen Verhaltensweisen rechnen, sobald etwas frustriert?
Ich mag nicht taktieren und mich wohlmöglich verbiegen, um so eine Schieflage zu vermeiden.
Das geht dann so in die Richtung: "Wer nachgibt, hat verloren", so eine Art Wettkampf oder Vergleich.

Dass er beruflich (wahrscheinlich) frustriert ist, davon erzählt er nichts. Ich brauche übrigens keinen Siegertypen, um zu lieben.
Nur - wenn Misserfolg an mir abreagiert wird, dann ist das zu viel.

Und ich beginne erst jetzt, das zu begreifen.
 
  • #88
Was ich nicht verstehe, ist, dass Du sein Spiel so wenig durchschaust.
Doch, ich kann das nachvollziehen. Das ist die Verstrickung. Man kann sich nicht innerhalb weniger Tage mit ein paar Posts daraus befreien. Du liebst ihn, richtig, @Nordbrise? Und hoffst, dass du ihn mitziehen kannst? Vielleicht gelingt es dir auch.
Dich zu distanzieren ist aber wirklich wichtig jetzt - hinsehen was du bist, was er, was Bild des Mannes, den du gerne hättest, aber leider nicht hast. Wichtig auch ihn zu konfrontieren. Das sind ziemlich anspruchsvolle Aufgaben. Dafür hast du ja dann die Therapie.
Ich wette, er kommt ziemlich schnell angerannt, um wieder Dein Held zu sein. Fragwürdig aber, auf welche Weise.
Hmm das ist nicht unbedingt gesagt. Er ist Alkoholiker - er manipuliert nicht einfach nur so, er hat auch ein Suchtproblem. Wenn @Nordbrise darauf besteht, dass er sich darum kümmert, kann es sein, dass er da nicht so schnell laufen kann, wie er vielleicht möchte! Und vielleicht will er sich lieber trinken. Das wird sich alles zeigen...

Nordbrise, ich verabschiede mich jetzt aus deinem Thread - finde du bist auf einem guten Weg. Weiteres Zeug von mir wäre vielleicht verunsichernd. Viel Glück dir!!
 
B

bromelie

  • #89
Sowas habe ich noch nie erlebt und bin ungeübt, damit umzugehen.
Das verstehe ich alles sehr gut. Ist ja auch nichts, womit man täglich zu tun hätte. Ich meine es auch nicht böse, wenn ich denke,dass Du auch schon ein wenig kompliziert bist. Kehr doch einfach zu Deiner Unkompliziertheit zurück mit dem Wissen, dass er eben einfach merkwürdig tickt im Moment. Du stellst Dich für meinen Geschmack viel zu sehr in Frage, dabei bist doch nicht Du es, die alles analysieren und verkomplizieren muß. Er ist da doch etwas ...nun...zwanghaft -im Moment- er war ja wohl nicht immer so.
Analysiere Deinen "Hunger" nicht, hab ihn einfach. Wenn er Dich nicht umarmen will ohne Analyse, woher dieses Bedürfnis kommt....tja, Pech gehabt, dann verhungert er emotional ja genauso. Was soll passieren? Vielleicht rutscht er in eine hilfreiche Krise, muss erst mit der Nase drauf gestoßen werden, was da bei ihm grad schief läuft, um dann vielleicht mit Unterstützung seine eigenen Probleme zu bewältigen.
So wie es jetzt ist, macht es beide krank. Dich und ihn auch immer mehr, weil sein Verhalten für mich schon zwanghafte Züge hat. Es ist SEINE Aufgabe, da auszusteigen. Wer wenn nicht Du (als vertraute Person, die Zuneigung oder Liebe empfindet) soll ihm denn einen Spiegel vorhalten? Die Kollegen wissen es offensichtlich schon und haben ihn in einen Bereich gesteckt, der niemandem schaden kann.
W
 
  • #90
Liebe Burgfrau,
ich kann mir im Moment gar nicht vorstellen, dass da noch etwas geht.
Selbst wenn man das jetzt löst, so bleibt doch dieser Mechanismus bestehen, oder?
Muss ich dann immer mit solchen Verhaltensweisen rechnen, sobald etwas frustriert?
Ich mag nicht taktieren und mich wohlmöglich verbiegen, um so eine Schieflage zu vermeiden.
Das geht dann so in die Richtung: "Wer nachgibt, hat verloren", so eine Art Wettkampf oder Vergleich.

Dass er beruflich (wahrscheinlich) frustriert ist, davon erzählt er nichts. Ich brauche übrigens keinen Siegertypen, um zu lieben.
Nur - wenn Misserfolg an mir abreagiert wird, dann ist das zu viel.

Und ich beginne erst jetzt, das zu begreifen.
Dir wurde erfolgreich jede impulsive und gesunde Reaktion abtrainiert. Es wird lange dauern, bis du das wieder erreichen kannst. Gsd scheinst du ja langsam aufzuwachen und zu kapieren, was hier vorgeht.
 
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