• #1

"Unsicherer Bindungsstil" - immer wieder in dieselbe Falle laufen?

Moin,

es gibt da ja die Theorie von den verschiedenen Bindungsstilen, die in der frühen Kindheit angelegt werden - sicher, unsicher, vermeidend... Als recht stabile Persönlichkeitsmerkmale bestimmen sie, wie man sich in Beziehungen verhält - selbstsicher, Nähe suchend und zulassend, oder ängstlich zu viel Nähe verlangend, oder Nähe eher ablehnend.

Ich selbst beobachte bei mir, dass ich in einer neuen Beziehung meistens irgendwie damit rechne, dass irgendetwas dazwischen kommt, plötzlich Schluss ist, dass ich deswegen versuche, mich gar nicht so tief auf jemanden einzulassen, damit die Verletzung dann nicht allzu weh tut. Das wäre laut Literatur der typisch "unsichere" Bindungsstil, natürlich ;) mal wieder von den Eltern, insbesondere der Mutter verschuldet... ja, ohne in Details zu gehen, das kommt bei mir ganz gut hin, leider.

Das Dumme daran ist natürlich, dass das eine schlechte Ausgangslage für eine Beziehung ist, dass gerade eine junge Beziehung schon alleine dadurch gefährdet wird, so eine Art Teufelskreis. Ich würde gerne mal hören, ob hier noch jemand mit diesem Problem herumläuft, und ob er/sie irgendwie geschafft hat, das erfolgreich anzugehen...

manchmal
 
  • #2
...meistens irgendwie damit rechne, dass irgendetwas dazwischen kommt, plötzlich Schluss ist, dass ich deswegen versuche, mich gar nicht so tief auf jemanden einzulassen, damit die Verletzung dann nicht allzu weh tut.

Ja, ist genau auch meine Selbstdiagnose, leider. Der Selbstschutz- und Vermeidungsmodus wird sogar immer größer, je älter ich werde, habe ich den Eindruck. Und das Fatale daran ist, dass sich bei dieser Sachlage "die Katze in den Schwanz beißt", d.h., man trifft mit so einer unbewussten Ausgangslage ja auch erst recht niemand, mit dem es dann auf einmal ganz anders wird. Die Vermeidung hemmt - in jeder Hinsicht. Auch wenn das kein positiver Beitrag von mir an Dich ist - ich weiß auch nicht, wie man dem entflieht - außer des berühmt-berüchtigten "Konzentrier dich auf dich selbst, sei dir selbst ein verlässlicher Freund" - das ist, womit ich mich "ablenke", damit ich mir mein Leben trotz dieses Dilemmas so gut wie möglich gestalte.
 
  • #3
Nun was du beschreibst, könnte auch auf mich zutreffen.

Wie man es meistert, kann ich dir leider nicht verraten.

Ein wesentlicher Punkt ist meiner Meinung nach jedoch das Thema selbsterfüllende Prophezeiung.

Je mehr Ängste und Unsicherheit ich entwickele, umso mehr tritt genau das ein, was ich vermeiden will. Wahrscheinlich strahlt man das dann aus, verunsichert sein Gegenüber mit.

Bei mir läufts immer gut, bis ich mich ernsthaft verliebe und das zeige. Dann geht's bergab. Muss wohl irgendwie an mir liegen...

Wie man diese Angst in den Griff bekommt, ob man sich selbst zu positivem Denken zwingen kann - ich werde es beim nächsten Mal probieren.
 
  • #4
Moin manchmal. Da bist Du ja so in etwa mein Spiegelbild. Meine Themen habe ich für mich sehr sehr analysiert. Ja, die Angst vor Verletzungen. Nicht so tief einlassen, dann tut es nicht so weh. Anderen immer gleich unterstellen, bzw. einfach befürchten, dass es bald wieder zur Enttäuschung kommt, einfach mal mit dem Schlimmsten rechnen.

Keine gute Ausgangslage für eine Beziehung, denn da werden unsere Sicherheitsgrenzen ganz automatisch überschritten. Da müssen wir uns einlassen und Verletzungen riskieren.

Mich persönlich kostet es UNENDLICH viel Kraft, meine Beziehung zu führen. Zunächst einmal: sie ist wunderschön, geradezu vollkommen. Und genau das macht mir ja die Probleme. Ist das wirklich für mich? Kann es sowas wirklich geben? Das kennt mein inneres Kind nicht, damit kann es gar nichts anfangen. Das kann es gar nicht glauben. Da muß doch ein Haken sein. Wenigstens ein kleiner. Aber ich finde keinen und mein inneres Kind auch nicht.

Er könnte doch bald weg sein. Dann war es nur wieder ein schöne Illusion. Warum sollte es diesmal anders sein? Anders als zuhause bei meinen Eltern, die ständigen furchtbaren Familienszenen, die ständigen Lieblosigkeiten. Der Vater, der öfters mal auf den gepackten Koffern saß und ausziehen wollte.

Dabei bin ich so unendlich stark und lebenstüchtig. Ich habe schon als gaaanz kleines Kind darüber nachgedacht, dass ich daheim ausziehen muß und was man dafür alles können muß. ich war das erste Kind in unserer Umgebung, das ganz früh schon alles konnte. Bettenmachen, brotschneiden, putzen, einkaufen. Wenn ich alleine auf mich gestellt bin, dann bin ich unschlagbar. Denn das Leben hat mich gelehrt,
dass es besser ist, wenn man nicht von anderen abhängig ist.

Und jetzt muß ich vertrauen oder deutlicher gesagt: meine Ängste aushalten. Das ist manchmal unerträglich. Aber man kann es lernen. Und nun habe ich einen Partner, der mir sehr sehr gesund in seiner Bindungsfähigkeit zu sein scheint. Ein Mensch mit einem sicheren Bindungsstil aus einer tollen Familie. Dem schaue ich zu, als wäre ich im Zoo. Das ist für mich eine wahre Attraktion. Der liebt mich. Einfach so. Kann das überhaupt sein?? Nein, meine Ängste zeige ich ihm nicht. Diesen Teil habe ich äusserst gut unter Kontrolle. Das ist der Virus auf meiner Festplatte, der ein erstaunliches Eigenleben führt.

Meine Verlustängste sind permanent verhanden, aber nicht mehr so panikartig wie noch vor einem Jahr.
 
  • #5
Hallo,

dazu habe ich eigentlich nur eine Frage bzw. Anmerkung...
wenn Du/ Ihr um euer Problem wisst, ist es dann nicht angebracht dagegen anzugehen!?

Es ist mir zu einfach zu sagen, dass ist so, dass war schon immer so - Schuld ist meine Mama.

Selbstreflexion.

Ich brauche auch manchmal einen Schubs in die richtige Richtung, aber dann stelle ich mich meinem Problem - ob ich dann immer die richtigen Entscheidungen treffe, mag vielleicht nicht jeder so sehen - aber ich probiere es.

liebe Grüße
perl
 
  • #6
Mit dem Problem stehst du nicht alleine da.
So lange du dich nicht wild in eine Beziehung stürzen kannst, auch mit dem Risiko, tierisch verletzt zu werden, wird das Problem immer an dem Punkt auftauchen.

Mein Rat: Versuch es mit einer Frau aus einer anderen Kultur, die viel familiärer und beziehungswilliger/heiratswilliger sind, um mal das volle "erdrückende" Programm zu erleben, um selber zu wachsen. Und dass dabei nichts großartig weh tun muss. Man muss seine eigenen Limits AUSDEHNEN, sich belastbar machen, sonst bleibst du ewig an deinem verklemmten Punkt. Gut wäre zur Erfahrung auch mal eine vollständige Hausfrau mit drei Kindern, die daheim bleibt, damit du merkst, was eine totalitäre Frauenrolle ist und dich in eine männliche Rolle drängt, raus vom ängstlichen Bubi-Junggesellen.

Mir hat das daten in anderen Kulturen geholfen, mal aus meinen Ängsten rauszukommen und neue Sichtweisen zu bekommen.

Das Problem ist, in Deutschland ist jeder Mann und jede Frau extrem distanziert, unterkühlt, extrem ängstlich, extrem angriffslustig, extrem verunsichert über sich selber, verletzt damit auch absichtlich den potentiellen Partner. Man baut hier in diesem Land gerne eine infantile Mauer um sich und zwischen den Partner aus Angst ständig angegriffen und verletzt zu werden. Ziemlich kindisch.
 
  • #7
Lieber Manchmal,

Ich hätte mir selbst die Klassifizierung unsicher-vermeidend gegeben. Karl Heinz Brisch formuliert nachvollziehbar die diversen Stile, die möglichen Ursachen.
Wogegen ich mich wehre, ist die Determination.
Nur weil man so war und ist, heißt es nicht, dass man so bleibt. Man kann seine Denk- und Verhaltensmuster ändern.

Das kann, je nach Ursachen, sehr schmerzhaft, sehr langwierig werden, meist geht es nur mit qualifizierter therapeutischer Unterstützung (gerade bei Kindheitstraumata als Ursache)

Möglichkeiten der Veränderung?
Wichtig war für mich, meine Selbst-X zu entdecken, zu entwickeln.
Mir Gefühle, Bedürfnisse, Grenzen zu erlauben und zuzulassen.
Mich selbst akzeptieren, mit allen Facetten, nicht permanent selbst abwerten, in Frage stellen.
Mir zu sagen - ich liebe mich. Ich bin ok. Ich bin es wert geliebt zu werden, wertgeschätzt, geachtet, respektiert.
Ich bin nicht automatisch schuld an Ablehnung, Angriffe anderer.
Ich muss aber auch nicht von jedem gemocht werden. Ich mag schließlich auch nicht jeden.

Mit der wachsenden Eigenakzeptanz ist mein Verhältnis zu anderen anders geworden. Selbstbewusst, mit der Akzeptanz, dass andere eben so sind, wie siesind, und das genauso ok ist.

Natürlich habe ich Zweifel, nur dann reflektiere ich, mache einen Realitätscheck, prüfe, ob es wirklich mit dem Jetzt zu tun hat, oder durch alte Erfahrungen geprägt.
Mein letzter Thread resultierte daraus, ich brauchte Eure Kommentare um zu reflektieren.
Früher wäre ich mit so einer Situation wohl anders umgegangen.

Zu einem sicher(er)en Bindungsstil gehört das Grenzen setzen und Nein sagen.
Es gehört das Risiko und die Bereitschaft dazu, Verletzungen und Enttäuschungen zu erleben.
Es gibt keine Sicherheit, wenn ich mich öffne, einlasse, vertraue. Ich kann aber das Positive daraus annehmen und die schönen Momente in den Focus rücken, statt den Schmerz, die sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Eine gewisse Gelassenheit gegenüber den vielen Unwägbarkeiten.
Es kommt, wie es kommen soll.

Und für mich wichtig, ich habe ein sehr feines Bauchgefühl entwickelt, das gibt mir sehr viel Sicherheit.
 
  • #8
Auch ich habe irre Angst vor dem Verletzt- und Verlassenwerden und auch ich lasse mich deswegen niemals auf jemanden richtig tief ein.
Auf keinen Mann, auf keine Freundin, auch nicht auf Verwandte, erst recht nicht auf meine Eltern.
Die haben sicher den Grundstein für mein Problem gelegt, aber ich kann den genauen Zeitpunkt benennen, als ich anfing, mich auf niemanden mehr einzulassen.
Es war zum Jahreswechsel '84/'85. Da verließ mich mein erster Freund an unserem Jahrestag für mich komplett überraschend.
Das hat mich sehr aus der Bahn geworfen und mir noch viele Wochen und Monate sehr weh getan.
Das wollte ich nie wieder und das hatte ich nie wieder.

Ich bin mit 25 mit meinem Freund zusammen gezogen, mit dem ich da schon 4,5 Jahre zusammen war.
Ich hatte da gerade mein erstes Diplom und verdiente wirklich wenig ( einzelne kleine Aufträge und sehr unregelmäßig ).
Mein Freund war schon jahrelang Kfz.-Mechaniker und verdiente viel mehr als ich.
Trotzdem ließ ich ihn bei mir gratis wohnen.
Die Wohnung gehörte mir, hatten mir meine Eltern zum Diplom geschenkt, aber auch alle Nebenkosten bezahlte ich allein ( btw: wie konnte der sich im Spiegel in die Augen sehen ? So im Nachhinein überlegt )
Der Grund war, dass ich immer Angst hatte, dass es auseinander geht und zum Schmerz dann auch die finanzielle Einbuße dazukommt. Da wollte ich lieber vorher schon so wenig haben, als sei ich allein. Krank, nicht ?
Als er dann auszog, lebte ich billiger, weil ich dann ja nicht mehr seinen Wasserverbrauch und sein Klopapier bezahlen mußte.

Auch heute, 25 Jahre später habe ich beim kleinsten Anzeichen Angst, abgelehnt oder verlassen zu werden.
Ich habe vor zwei Tagen versucht, meiner Cousine die Hand zu reichen, nachdem wir zwei Jahre keinen Kontakt hatten.
Hab' ihr bei fb eine PN geschrieben und dann dauernd nachgeguckt, ob sie geantwortet hat.
Und dann gesehen, dass sie on war aber nicht antwortete.
Was dachte ich ? Das war's wohl.
Gestern kam dann doch eine Antwort und zwar freundlich.
Tja, ich war wie immer voreilig. Ich hatte schon vorformuliert, was ich ihr nach Ablauf einer angemessenen Reaktionszeit ( eine Woche oder so ) schreiben würde. Dass ich es bedauere, ihre Entscheidung, keinen Kontakt zu wollen aber akzeptiere.

Ich denke, ich bin verkorkst für immer.
Ich empfinde für niemanden tiefe Liebe, außer für meine Tochter. Wahrscheinlich weil ich mir bei ihr sicher bin, dass sie mich nie verläßt.
Bei meinem Freund bin ich mir nicht sicher und innerlich daher immer noch autark.
Wenn er mich verließe, würde ich drei Tage weinen und dann würde ich nach vorn blicken.

w 49
 
  • #9
wenn Du/ Ihr um euer Problem wisst, ist es dann nicht angebracht dagegen anzugehen!?Es ist mir zu einfach zu sagen, dass ist so, dass war schon immer so - Schuld ist meine Mama.

Dass "wir" (ich summiere hier mal die Leidensgenossen) allein das schon mal merken, dass das mit uns so ist, ist ja schon ein Schritt. Dass wir darüber nachsinnen, woran es liegt, ist ein nächster (und da kommt man eben unweigerlich auf die kindlichen Prägungen).

"Dagegen angehen" ...und man bräuchte sich nur mal einen Schubs zu geben? Wohl kaum. Das ist - wenn überhaupt - ein langer Prozess. "Angehen"...klingt recht aggressiv - und das ist nicht immer der Weg, um mit sich selbst umzugehen und ein so tiefgreifendes Problem zu ändern, womöglich zu lösen.

Denn dieser Prozess bräuchte nach der Arbeit an sich selbst dann ja auch noch das Glück, einen richtigen Partner zu treffen, mit dem das Überwinden überhaupt erst vollzogen wird - so wie es bei Moona ja zu sein scheint. Denn die selbsterfüllende Prophezeihung ist ein Teil, aber da gibt es noch viele andere Baustellen.
 
  • #10
Mein Rat: Versuch es mit einer Frau aus einer anderen Kultur
Das mag das eine Problem lösen … um gleich danach ein neues aufzuwerfen: »die andere Kultur« in einer Beziehung darf eben nicht nur etwas Exotisches, Folkloristisches sein, das bedeutet nämlich auch, sich auf ein fast fremdes Verhalten einzulassen. Anstrengend - und es endet oft in Trennung.

Mir gefällt sehr, was @Moona unter #3 schreibt: mit etwas Glück findet man einen Partner oder eine Partnerin, der/die in sich gefestigt ist, eine zufriedene Kindheit hatte und an sich glaubt. So jemand hilft, die eigenen Bindungsängste in Schach zu halten, die Erfahrung zu machen, dass eine Beziehung eine gemeinsame glückliche Zukunft bedeuten kann. Ja, auch ich schaue so einem Menschen zu, als käme er »aus dem Zoo«, wie Moona schreibt. Weil diese stabilen Partner so selten sind, zumindest scheint es so, wenn man(n) oder frau sich selbstkritisch erlebt. Also jemanden finden, der/die auch einer kritischen Betrachtung (auf Bindungsfähigkeit) stand hält.
Mir ist das - leider - bisher auch noch nicht gelungen. Ich kann mich (nach einer gescheiterten, langen Beziehung) nicht mehr so einfach fallen lassen. Möchte aber diese Erfahrung zu gerne wieder machen. Ich arbeite daran.

Bis dahin: ganz mit dir, lieber @manchmal.
 
  • #11
Nur weil man so war und ist, heißt es nicht, dass man so bleibt. Man kann seine Denk- und Verhaltensmuster ändern.
Da stimme ich voll zu, aber es ist ein anstrengender Lern- und Reflexionsprozess, der einem sehr viel abfordert. Idealerweise gelingt das über kompetente psychotherapeutische Unterstützung und sofern dieser Bindungsstil stark ausgeprägt ist, sollte man die m.E. unbedingt nutzen. Sonst besteht die Gefahr, dass man sich u.a. durch falsche Partnerwahl und inadäquates Verhalten immer wieder in die gleichen Muster verstrickt und eine Beziehungspleite nach der anderen erlebt.
Auch ich habe dieses Muster in meiner ersten Beziehung gelebt, mit einem Partner, der das auch noch ordentlich "befeuert" hat. Sowas kostet unendlich Kraft und Energie, daher habe ich mich während und auch nach der Trennung noch eine Weile therapeutisch unterstützen lassen. Meine heutige Beziehung läuft "gesund" und entspannt, mein heutiger Partner ist nicht ansatzweise mit meinem ersten Partner vergleichbar. Und ich bin heute auch anders, sodass ich Beziehung endlich so entspannt leben kann, wie es mir gut tut. Ich kann nur empfehlen, sich Unterstützung zu holen, denn ohne sie ist man viel zu sehr in seinen eigenen Denkmustern und Ängsten gefangen. Nachhaltige Reflexion gelingt nur mit kompetenter Hilfe von außen. Und dann geht es auch deutlich bergauf... ich hoffe, das macht dem FS etwas Mut - denn man kann dieses Bindungsverhalten durchaus ablegen.
Viel Glück und Erfolg dabei!
 
  • #12
Ja, das Problem kenne ich, so wie Du es beschreibst. Zu der familiären Ausgangslage (die Mutter schient bei vielen Männern ein echtes Problem zu sein) kommen bei mir Beziehungserfahrungen, die in die Richtung gehen. Im Laufe des Lebens verstärkt sich das meiner Erfahrung nach. Volles Vertrauen fehlt, "Fallenlassen" in einer Beziehung ist schwer. Für mich ist klar, dass ich daran arbeiten möchte, ich gehe das Problem jetzt therapeutisch an.

Wenn man es etwas genauer betrachtet, zieht sich dieses Problem hier auch durch viele Threads, viele hier scheinen da ein Problem zu haben. Die "sicher" gebundenen sind ja auch langfristig gebunden und nicht in Singleforen unterwegs...
 
  • #13
Dass "wir" (ich summiere hier mal die Leidensgenossen) allein das schon mal merken, dass das mit uns so ist, ist ja schon ein Schritt. Dass wir darüber nachsinnen, woran es liegt, ist ein nächster (und da kommt man eben unweigerlich auf die kindlichen Prägungen).

"Dagegen angehen" ...und man bräuchte sich nur mal einen Schubs zu geben? Wohl kaum. Das ist - wenn überhaupt - ein langer Prozess. "Angehen"...klingt recht aggressiv - und das ist nicht immer der Weg, um mit sich selbst umzugehen und ein so tiefgreifendes Problem zu ändern, womöglich zu lösen.

Denn dieser Prozess bräuchte nach der Arbeit an sich selbst dann ja auch noch das Glück, einen richtigen Partner zu treffen, mit dem das Überwinden überhaupt erst vollzogen wird - so wie es bei Moona ja zu sein scheint. Denn die selbsterfüllende Prophezeihung ist ein Teil, aber da gibt es noch viele andere Baustellen.

Liebe Freyfrau,

auch ich bin (tief) verletzt worden, sprich betrogen, belogen und verlassen - das ganze Programm!
Und auch ich habe gelitten, gehofft, gebangt, an mir selbst gezweifelt, die Fehler bei mir selbst gesucht - alles das!
Was ich nicht gemacht habe, ich habe mich nicht sofort in eine andere Beziehung gestürzt (was viele oder alle hier auch nicht machen!).
Ich habe in mich, nach dem Weinen und Verzweifelt sein und endlich akzeptieren, - ich gebe zu, nach vielen langen Gesprächen mit einer guten Freundin und sehr vielen Menschen - hineingehört und (für mich) erkannt, dass ich erst mit allem "aufgeräumt" haben muss, damit ich wieder eine neue Beziehung haben kann - OHNE das ich diesem neuen Mann die Fehler von meinem alten Partner anhänge.

Ich wollte diesem Mann (Mensch) gerecht werden.

Dieses "Aufräumen" hat 2 1/2 Jahre gedauert - so lange war ich nicht bereit für einen neuen Mann.

Liebe Freyfrau, auch ich habe manchmal Zweifel und Ängste -
ich stelle mich diesen.
 
  • #14
Dank euch allen, das waren schon sehr hilfreiche und tröstliche Antworten, bin ganz bewegt...
Ein paar Rückmeldungen hätte ich schon mal zwischendurch:
Mich persönlich kostet es UNENDLICH viel Kraft, meine Beziehung zu führen. Zunächst einmal: sie ist wunderschön, geradezu vollkommen. Und genau das macht mir ja die Probleme. Ist das wirklich für mich?
Du beschreibst das haarscharf, geht mir ganz genauso. Darüber hatte ich noch gar nicht so nachgedacht, aber tatsächlich ist da einfach ganz viel dauerhafte Anstrengung bis hin zu Stress, viel davon unbewusst, aber man merkt, wie es zehrt.
Versuch es mit einer Frau aus einer anderen Kultur, die viel familiärer und beziehungswilliger/
Ja, das hatte ich tatsächlich getan, das hat auch sehr lange gehalten und mir wahrscheinlich in einer sehr wichtigen Phase des Lebens (Karriere, Kinder) auch genau das Quentchen Sicherheit gegeben, das nötig war. Eine "Heilung"... ist daraus allerdings nicht so ganz geworden, nach der Trennung (die zumindest beiderseitig ausgelöst wurde, eher von mir) falle ich in genau diese Denkmuster zurück.
Das noch dunklere Geheimnis unter diesem blöden unsicheren Bindungsstil ist wohl, dass man sich schwer damit tut, Leute zu lieben, die einen bedingungslos annehmen, weil man Liebe immer nur in Verbindung mit Angst kennengelernt hat.

manchmal
 
A

Allegria

Gast
  • #15
"Dagegen angehen" ...und man bräuchte sich nur mal einen Schubs zu geben? Wohl kaum. Das ist - wenn überhaupt - ein langer Prozess. "Angehen"...klingt recht aggressiv - und das ist nicht immer der Weg, um mit sich selbst umzugehen und ein so tiefgreifendes Problem zu ändern, womöglich zu lösen.

Stimmt genau, wenn man so einfach dagegen "angehen" könnte, hätte man das Problem nicht und außerdem handelt es sich hier nicht um ein Feindbild, das zu bekämpfen ist, sondern eine psychische Struktur, eine Angst, die gewissermaßen Teil von einem ist, mit der man "umgehen" möchte und zwar am besten so erfolgreich, dass man sich in einer Beziehung mehr entspannen kann, mehr vertrauen kann. Vielleicht könnte man, wenn man in einer Beziehung ist, in den Momenten, in denen man sein eigenes Vermeidungsverhalten/-denken/-fühlen beobachtet, etwas positiv dagegen setzen. Sich seinesn Selbstwertes bewusst machen, seine Präsenz, seine Handlungsmacht, dass eben nicht einfach etwas dazwischen kommen kann, weil man da ist, gebraucht wird, handelt. Also den kleinen Erfolg suchen und sich mal sagen, diesen Tag heute versuche ich völlig angstfrei zu erleben, heute will ich das fühlen, wie das ist, sich voller Vertrauen in das Gefühl zum anderen hineinzubegeben. Sich also kleinere Etappenziele setzen. Und dann immer mal wieder mit sich nach außen treten und auf die Situationen bzw. die Beziehung schauen - gibt es da tatsächlich gerade eine "Gefahr"? Die Angst trügt ja das Auge oft.

Vielleicht wäre es gut, wenn man das mit seinem Partner auch bespricht, das man Ängste hat sich fallen zu lassen, verlassen zu werden, das man aufgrund bestimmter Erfahrungen von Verlustängsten geprägt ist. Denn oft sind die Dinge, sind sie ausgesprochen, leichter zu ertragen. Natürlich darf man dabei keinen Druck bei dem anderen aufbauen. Doch oftmals spürt der andere ja ohnehin, wenn der Partner zwischen Nähe und Distanz pendelt. Eine Aussprache dessen muss also nicht automatisch Druck beim Gegenüber erzeugen, zumal der andere einen ja hoffentlich mag und wenn er echt empathisch ist, wird er gefühlvoll reagieren. Und dann gewinnt man doch ein Gefühl von Sicherheit, auf das man sich auch immer mal wieder berufen kann.

Ich selbst stelle fest, dass ich meine Ängste oder Gefühle dieser Art zu wenig kommuniziere und ich lerne gerade immer wieder, dass viele Menschen viel mehr Verständnis haben und rücksichtsvoller sind als ich manchmal fürchte, wenn ich nur sage, was ich fühle, was mir schwer fällt, was mich ängstigt. Es ist erleichternd und schwupps bin ich schon einen Schritt weiter, näher, vertrauensvoller, angstfreier. Und die, die mit Gegenwehr reagieren, sind dann auch nicht die richtigen Gesprächspartner etc.
 
  • #16
Ich würde gerne mal hören, ob hier noch jemand mit diesem Problem herumläuft, und ob er/sie irgendwie geschafft hat, das erfolgreich anzugehen...
Naja... Also ich denke, ich bin auch Typus "unsicher" gewesen. Ich konnte meine Grenzen nicht verteidigen und hab "im Namen der Liebe" zurückgesteckt und mich anzupassen versucht, um Zuneigung zu bewahren in meiner Beziehung und früher, um Zuneigung zu erhalten. (gelernt ist gelernt) Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass man so geliebt wird, wie man ist mit den ganzen Ecken und Kanten. Und dadurch verliebt man sich in Menschen, die einen nicht wollen und für die man meint, was leisten zu müssen oder nicht gut genug zu sein, weil man ja Ecken und Kanten hat.

Seit ich abgeklärter bin, was Beziehungen angeht (nicht, was Liebe angeht), also seit ich gesehen habe, dass das keine Wolke des grenzenlosen Verstehens ist ohne Reibung und Kompromisse, habe ich auch nicht mehr das Gefühl, ich werde tausend Tode sterben, wenn eine Beziehung nicht funktioniert. Ob man sich einen Partner wählt, der ehrlich ist, an einer Beziehung arbeiten will und wirklich lieben kann, sieht man ja recht bald bzw. auch vorher an seinem Verhalten und an den Handlungen. Das schließt natürlich nicht aus, dass man sich täuschen kann, aber es gibt eine gewisse Grundsicherheit wegen Menschenkenntnis. Und falls das nicht passt, wird man doch froh sein, wenn die Beziehung wieder zerbricht und muss nicht vorher schon Angst haben, dass der andere wieder geht.

Ich denke, man muss in jedem Moment wissen "will ich das" oder "will ich das nicht". Das bedeutet auch, dass man sich gut kennen muss und man muss genug Zeit haben zum Nachdenken. Und man muss dem anderen auch überlassen zu sagen "ich will nicht (mehr)" und verstehen, dass das nicht heißt, dass man schlecht sei oder versagt hätte.

Unterm Strich würde ich sagen, als ich emotional unabhängig geworden bin, wirklich richtig unabhängig, dh. wenn einer mir sagt, dass er auf meine Gefühle pfeift, frage ich mich, wie ich mich so getäuscht haben kann, statt zu denken, die Welt liebt mich nicht mehr, hat mich nie geliebt und wird mich nie lieben, seitdem habe ich keine Angst mehr, mich tief einzulassen. Das passiert auch nicht so schnell mehr wie früher, also ich bin nicht mehr so rosa-Wolken-begeisterungsfähig. Das ist aber kein Verlust, weil ich das nicht mehr mit dem kalten Verstand hinkriegen muss, nicht abzudriften in unrealistische Träume und das Gefühl zu verbieten (Mit dem Verstand musste ich das im Emotional-Erwachsen-Werden-Prozess bearbeiten, das war schmerzhaft), sondern weil es sich so richtig anfühlt, nicht gleich nach zwei Augenblicken des Kennens zu denken, das Paradies hätte sich aufgetan.
 
  • #17
Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der nicht nur mein Freund mich verließ (was aber längst fällig war, dass die Beziehung zu Ende geht), sondern auch meine bis dahin beste Freundin mir eins reinwürgte und mich stehenließ. Sie hätte einmal für mich da sein müssen und hat mit so einem sadistischen "nun gerade nicht" reingetreten. Die Frau hat anscheinend nicht damit gerechnet, dass ich die Freundschaft dann in "lose Bekanntschaft" umwandele. Sie hat noch ein paar wenige Versuche gestartet, bei einer anderen gemeinsamen Freundin ihre Freundschaft zu festigen und mich auszugrenzen, nachdem klar war, dass ich so eine "Freundschaft" nicht mehr weiterführe, aber das war mir dann egal. Das war ein seltsames, unbekanntes und freies Gefühl, dass ich mir dachte "ICH will nicht mehr" und ihr nachfolgendes Spitzenschmeißen bei der gemeinsamen Freundin mich eher amüsierte. Bislang war ich immer die Hinterherrennerin gewesen und anscheinend hatte sie damit gerechnet, dass ich das weiterhin bin.
Das mal als anderes Beispiel dafür, wenn man sich tief einlässt und Energie in eine Beziehung steckt, und dann einen Tritt kriegt. Es tut weh, aber man stirbt nicht daran und am Ende gibt es ein befreites Gefühl, denn sich so behandeln zu lassen für Zuneigung oder sogar nur Lückenfüllerzuneigung geht sehr auf Kosten des Selbstwertgefühls, und das dauerhaft. Ich glaube, dass bindungsängstliche Menschen nicht wissen, wie wertvoll ihre Gefühle bzw. sie sein können für einen anderen Menschen, und deswegen verschleudern sie es entweder an Menschen, die das ausnutzen (man muss und WILL vor allem für Liebe was leisten) oder aber halten die Gefühle ständig zurück und machen sich damit selber unglücklich.

Jede ungute Beziehung, die nicht entweder so verändert werden kann, dass man auf gleicher Augenhöhe respektiert wird, oder aber beendet wird, weil der andere einen emotional abhängigen Menschen braucht, den er manipulieren und beherrschen kann, zieht Energie.

Es reißt immer ein Loch, wenn einer geht, mit dem man sich emotional verbunden fühlte. Aber Du bist ja nicht mehr Kind und fürs Überleben darauf angewiesen, dass Dich jemand liebt und deswegen versorgt.

Was mich eine Zeitlang beschäftigt hat war, dass ich dachte, wenn ich emotional unabhängig bin, kann ich mich nicht mehr verlieben. Das geht trotzdem noch und wie mit 17. Nur verliert man nicht mehr den Kopf und lebt allein das Gefühl, den Mann des Lebens vor sich zu haben. Der Verstand ist - anders als früher - noch da und beobachtet genau, ob man auch glücklich werden könnte mit diesem Menschen, so wie er ist, bevor man sich näher auf ihn einlässt - das ist das, was ich meinte mit "kenne dich selbst" und "Menschenkenntnis haben", der man vertrauen kann.
Und m.E. tut es ganz genauso weh, ob man sich nun tief eingelassen hat oder nicht. Sowieso: Eine Liebesbeziehung, bei der man den anderen gefühlsmäßig nicht an sich ranlässt, ist sinnlos, weil es nur eine Hülle ist. Das ist wie "wasch mich, aber mach mich nicht nass".
 
  • #18
Einen Mythos kann man mit diesem Thread wohl ad acta legen.
Den Mythos der liebenden Mutter.
@Lebens_Lust, es sind nicht nur die Söhne, die unter Müttern leiden, es sind auch Töchter.

@manchmal
Es sind m.E. 2 unterschiedliche Komponenten.
Die eigenen Gefühle zu zulassen, gerade Gefühle, die einen angreifbar machen.
Für manche Gefühle muss man grundlegend bereit sein, sich zu öffnen, vertrauen. Will man Liebe überhaupt empfinden, weiß man, wie sich das anfühlt?
Richtig zulassen konnte ich es erstmalig bei meinem Bruder, deutlich jünger, und dann bei meinen Söhnen. Solche tiefen, einmaligen Glücksmomente wie bei ihrer Geburt, immer wieder die Fassungslosigkeit, wenn ich sie heute anschaue. Bedingungslos, grenzenlos.
Die ganz feste Bindung spüren, ihr Vertrauen zu mir.
Aber zu anderen Menschen, zu einem Partner? Das ist immens viel schwieriger, das macht schwach.

Die andere Komponente ist die tief erlebte Urangst, dass das kleine Kind Zuneigung braucht, Fürsorge, und eine unberechenbare Mutter mit psychotischen Ausfällen, Aggressionen.
Urangst, -misstrauen, -einsamkeit. Da lernt das Kind von kleinst auf, lieber nicht zu weinen, wer weiß, was dann passiert...auf jeden Fall kein Trost, keine Geborgenheit.
Ergänzend einen prügelnden, frauenverachtenden Vater.

Irgendwann die bittere Frage, warum konnten die eigenen Eltern das Kind nicht lieben, warum stattdessen Gewalt, Ablehnung, Hass. Was ist verkehrt an dem Kind, denn Eltern lieben doch ihre Kinder.

Es ist das Kind, das die Schuld bei sich sucht, die Lehre zieht, diese Behandlung verdient zu haben, nicht liebenswert zu sein.
Eine mögliche Lehre, man muss sich Liebe verdienen, durch Perfektion, Leistung.
Gibt noch ganz individuelle Folgen, ob dann so ein Kind eher der / die Kämpfer/in wird oder die/der bedingungslose Anpasser/in.

Dass Liebe ein wunderbares, selbstloses Gefühl ist, nicht verdienbar, einfach ein Geschenk, dass man Liebe empfinden und bekommen kann, einfach weil man ist, dass man diese nicht verdienen muss, sondern bekommt, weil man liebenswert ist, das zu glauben, zu begreifen, zu verinnerlichen, ist das allerschwierigste.
Wer hier kann mit voller Überzeugung sagen, ich liebe mich?

Wir sind wohl die Enkelgeneration - mit mehr oder weniger Weitergabe diverser Traumata der Eltern.
Ich hoffe, dass wir es zumindest bei unseren Kindern besser machen / gemacht haben.

Trotzdem, man kann diese Prägungen korrigieren. Es ist schwer, als Erwachsene Dinge zu lernen, die selbstverständlich sein sollten, aber es ist mit intensiver, qualifizierter Therapie und Wollen möglich.

Es lohnt sich, auch wenn es zwischendurch richtige Tiefpunkte geben kann. Die Entdeckung von aus guten Grund Verdrängtem ist manchmal kaum erträglich, aber die danach mögliche Aufarbeitung ermöglicht richtige, innere Freiheit, die Gestaltung des eigenen Lebens nach eigenen Bedürfnissen.

Dann Beziehungen ganz anders einzugehen, offen, vertrauensvoll, liebevoll.
 
  • #19
"Dagegen angehen" ...und man bräuchte sich nur mal einen Schubs zu geben? Wohl kaum. Das ist - wenn überhaupt - ein langer Prozess. "Angehen"...klingt recht aggressiv - und das ist nicht immer der Weg, um mit sich selbst umzugehen und ein so tiefgreifendes Problem zu ändern, womöglich zu lösen.

Denn dieser Prozess bräuchte nach der Arbeit an sich selbst dann ja auch noch das Glück, einen richtigen Partner zu treffen, mit dem das Überwinden überhaupt erst vollzogen wird - so wie es bei Moona ja zu sein scheint.
Ja dieses Problem kein Vertrauen in anderen, kein Vertrauen liebenswert und gewollt zu sein, Selbstvertrauen und -sicherechheit, dass man es schafft eine schöne angstfreie Liebesbeziehung zu führen lässt dich nicht mit dem Verstand lösen.

Die Erfahrungen im Säuglings- und Kinderalter als wir alleine auf uns gestellt waren und uns verlassen und einsam fühlten, sind tief in uns gespeichert und wirken weiter im Unbewussten. Bei jeder Beziehungsahnbahnung kriegen wir Angst und auch ich. Einerseits weil ich mich in jemanden verliebt habe und mit ihm gerne zusammen sein möchte und andererseits Angst, dass ich wieder verlassen und damit verletzt werde.

Wegen einer Krise machte ich eine Psychotherapie und erkannte selbst die Ursachen für meinen unsicher-ambivalenten Bindungstil in der eigenen Familie vor allem in der Beziehung zu meiner kühlen, distanzierten und verschlossenen Mutter, die mich niemals umarmte und generell selbst niemals den Körperkontakt suchte.
Als Kinder sind wir auf sichere Bindungen angewiesen, denn nur die sichern unser Überleben und vor allem unsere gesunde körperliche und psychische Entwicklung.

Unser Vertrauen, dass die Welt uns grundsätzlich freundlich und nicht feindlich eingestellt ist, Vertrauen in anderen, und Selbstvertrauen.

Um diese unsichere Bindungsstile zu überwinden, braucht es tatsächlich das grosse Glück, den Partner zu finden der eine glückliche Kindheit hatte und die sichere Basis mitbringt, damit man sich sorglos und vertrauensvoll in eine Beziehung fallen lassen kann, ohne die ständige Angst im Hintergrund wieder verlassen zu werden. Ist er auch selbst ein unsicherer Bindungstyp, so wird das nichts.

Jeder hält sein Verhalten für völlig normal, denn man kennt es ja nicht anders, so wie es für einen blind Geborener normal ist, blind zu sein.

Menschen mit unsicherem Bindungst (gehöre auch dazu) vermeiden Bindungen oder sind ambivalent (Jain), weil sie unbewusst Angst haben und denken: "wer sich nicht einlässt kann auch nicht verlassen werden". Aber wer sich nicht einlässt verpasst auch das schöne, intensive Liebesleben mit tollen, unvergesslichen Erlebnissen und viel. auch die Erfahrung, geliebt zu werden so wie man ist.

Wie @Lionne69 schreibt, Garantie gibt es wirklich nicht, dass es funktioniert und eine Beziehung dauerhaft wird. Garantiert ist uns allen nur der Tod.
 

Laleila

Cilia
  • #20
Ich würde gerne mal hören, ob hier noch jemand mit diesem Problem herumläuft, und ob er/sie irgendwie geschafft hat, das erfolgreich anzugehen...

Am Anfang von Beziehungen bin ich recht ähnlich, lernte allerdings, dass ich, wenn ich den Partner gut genug kenne 'sicher' werde.
Mit dem wissen überspiele ich die Anfangszeit. Lasse dem potentiellen Partner meine Unsicherheit nebst Fluchtgedanken nie anmerken.
Gehe ich dann doch, fällt der andere natürlich... leider... aus allen Wolken.

Aber für mich der einzig gangbare Weg, einen normale Beziehungsanbahnung, ohne ständigen Distanz/Nähe-Konflikt, überhaupt zu gewährleisten.
 
  • #21
Die andere Komponente ist die tief erlebte Urangst, dass das kleine Kind Zuneigung braucht, Fürsorge, und eine unberechenbare Mutter mit psychotischen Ausfällen, Aggressionen.
Urangst, -misstrauen, -einsamkeit. Da lernt das Kind von kleinst auf, lieber nicht zu weinen, wer weiß, was dann passiert...auf jeden Fall kein Trost, keine Geborgenheit.
Ergänzend einen prügelnden, frauenverachtenden Vater.

Wenn man derartiges erlebt hat, fällt es sicher nicht sooo schwer, als Erwachsener darauf zu kommen, dass die eigenen Probleme etwas mit den Eltern zu tun haben.

Es gibt aber auch viele, die gar nicht merken, dass ihre Kindheit alles andere als optimal war, auch wenn es keine Prügel oder offene Aggressionen gab.

So gibt es diese Helikopter Mütter, die alles für ihr Kind erledigen, dem Kind aber dabei keinen Freiraum geben, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln, weil Mutti immer alles besser kann und besser weiß und alles kritisiert. Diese Mütter halten das für einen Ausdruck ihrer Liebe, sind aber letztlich nur extrem konrollsüchtig und übergriffig. Das Kind wird dann auch gern dazu mit Psychospielchen manipuliert. Dazu passt ein Vater, der sich gegenüber der Mutter nicht durchsetzen kann, der resigniert oder einfach desinteressiert ist am Kind, weil die Frau unbedingt ein Kind wollte. Gern flüchtet er sich in Arbeit oder Hobbys. Das Kind bettelt dann um Aufmerksamkeit und Liebe.

Lerneffekt beim Kind: wenn ich Liebe bekomme, muss ich perfekt sein und muss ich mich davor schützen, weil sie mich sonst erdrückt (wie bei der Mutter) und wenn ich sie nicht freiwillig bekomme, muss ich darum betteln (Vater).

Man kann sich über all diese Dinge bewusst sein, aber man ist frühkindlich so geprägt und es ist nicht leicht das zu überwinden.

Ich für meinen Teil habe mal versucht mich ganz bewusst auf einen Mann einzulassen, der sehr stark an mir interessiert war. Rein verstandesmäßig war er ja auch ein netter Mann.

Aber ich bin mit seiner Liebe nicht klar gekommen ich habe Albträume bekommen, weil ich mich so eingeengt gefühlt habe.

Ich hatte mir da wohl auch das krasse Gegenteil von dem ausgesucht, was ich sonst hatte.

Ansonsten muss ich mal sagen, dass ich diesen Thread sehr schön finde, es hilft mir schon auch ein bisschen wenn ich sehe, dass es den meisten anderen doch letztlich genauso geht, andere genauso Angst haben.

Vielleicht kann man mit dieser Erkenntnis beim nächsten Mal doch etwas vertrauensvoller auf sein Gegenüber zu gehen, wenn man davon ausgehen kann, dass den anderen letzlich dieselben Ängste plagen.

Vielleicht bekommt man mehr Sicherheit, wenn man selbst mehr Sicherheit gibt?
 
  • #22
Geht mir persönlich auch so.
Ich sehe es allerdings so, dass von Männern erwartet wird, dass sie ihre persönlichen Probleme im Griff haben und sagen, wo es langgeht. Ohne Unsicherheit. Am besten recht schnell sagen, wo man hinsteuert, auch emotional. Quasi das Ideal des Alpha-Softie. Jedenfalls beim Kennenlernen.
Desweiteren glaube ich, dass das im Eingangspost beschriebene ein Phänomen des modernen Datings ist, wo sich wildfremde Menschen treffen im Gegensatz zu früher, wo man sich erst freundschaftlich kennengelernt hat inkl. der tiefgründigen Gespräche mit dem ganzen Psycho-Kram und dann zusammen gekommen ist.
Und last but not least glaube ich, dass das ein Problem der persönlichen Ressourcen ist. Also bspw. im Extremfall: Wenn du fünf Frauen "am Start" hättest, die an dir interessiert sind, würdest du schon irgendwie merken, bei welcher du dich am wohlsten fühlst und über deine Gefühle und Ängste plauderst und wo das dann auch passt.

Und aus küchenpsychologischer Sicht halte ich von Freud nicht so viel. Lieber Gras über die Sache wachsen lassen und sich mit dem Hier und Jetzt befassen.
 
  • #23
...ja ich gehöre auch zu den unsicherVermeidenden. Allerdings
Hat es sehr lange gedauert,bis mir das so klar wurde, vorher
habe ich oft meine Probleme mit meinem Äußeren mir erklärt.
Bisher hatte ich nicht das Glück als "Unsichere" einen "sicher
Gebundenen "Mann kennenzulernen, wie das hier der ein oder
Anderen passiert ist. Allerdings würde ich vermutlich dann
Auch sehr schnell glauben, daß ich für IHN nicht gut genug bin. Alles in allem ein ziemlicher Teufelskreis. Wer sagte einmal: "das beste Mittel ,um nicht sehr unglücklich zu sein ,ist es ,nicht sehr glücklich zu sein." So lebt es sich für mich derzeit und die Maxischwankungen im Lebensgefühl habe ich nicht mehr wie früher. Auch ein nicht zu unterschätzender Vorteil.....w
 
  • #24
Wenn man derartiges erlebt hat, fällt es sicher nicht sooo schwer, als Erwachsener darauf zu kommen, dass die eigenen Probleme etwas mit den Eltern zu tun haben.




Es gibt aber auch viele, die gar nicht merken, dass ihre Kindheit alles andere als optimal war, auch wenn es keine Prügel oder offene Aggressionen gab.

Liebe @Joggerin, vielleicht klingt es für viele befremdlich. Aber ich persönlich wusste zwar immer im Groben die Thematik um meinen Vater - mit entsprechenden Bagatellisierungen und einigen zwar relevanten aber gut verdrängten Details.
Die gesamte Thematik um meine Mutter kam erst etappenweise im Verlauf meiner Therapie zum Vorschein, dafür war über Jahrzehnte die schützende Verdrängung zu perfekt.
Ich hätte noch vor wenigen Jahren gesagt, dass ich eigentich eine gute Beziehung zu meiner - länger verstorbenen - Mutter hatte. Alles reine Selbsttäuschung
Bis diese ganz tiefen Verletzungen doch noch ihren Raum benötigten und mir innerhalb kürzester Zeit das ganze wacklige Lebens-Gebäude zusammenbrach.
Um im Bild zu bleiben - zwar ein imposantes Gebäude errichtet, immer weiter ausgebaut, verschönert und erweitert. Bis zu den Tag, wo sich heraus stellte, dass das Fundamente leider eklatante Mängel hat und die Statik nicht hält.
Und dann steht man vor der Aufgabe, Neuerrichtung, und vor allem diesmal mit einem stabilen Fundament. Das ist eine aufwändige und komplizierte Aufgabe.

Viel zu viel läuft eher im Verborgenen ab, auf subtile Art, die Verletzungen der unterschiedlichsten Art und Dimension bei den jeweiligen Kindern oft nicht auf den ersten Blick sichtbar, sondern wirlich erst Jahre / Jahrzehnte später.
Dann haben sich aber die schädlichen Denk- und Verhaltensmuster sehr verankert.
 
  • #25
So gibt es diese Helikopter Mütter, die alles für ihr Kind erledigen, dem Kind aber dabei keinen Freiraum geben, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln, weil Mutti immer alles besser kann und besser weiß und alles kritisiert.

Ist das wirklich ein Problem? Quasi zu viel mütterliche Kümmerung und zu viel Fürsorge? Habe ich in meinem Umfeld noch nie erlebt. Eher so: Mutter erzählt sie habe alles für die Kinder getan und dann mit einem Augenzwinkern "dass sie halt flügge geworden sind" und dann hat die Mutter Abstand genommen und die Kinder weiter unterstützt.
Das ist der Normalfall und so sollte es sein.
 
  • #26
Ich finde die Berichte hier auch sehr hilfreich... bei der Schilderung von @frei musste ich z.B. ziemlich.. nunja, schlucken.
dass von Männern erwartet wird, dass sie ihre persönlichen Probleme im Griff haben
Das ist sicher so. Wie @Moona schreibt, würde ich sie daher wahrscheinlich nie jemandem im RL anvertrauen, zumindest niemandem, mit dem ich eine Beziehung anstrebe oder zu bewahren hoffe. Das Bild vom "Virus auf der Festplatte" trifft es ganz gut. Man kann nur hoffen, dass er diesmal darauf verzichtet, Unheil anzurichten... aber man kann nicht erwarten, dass irgendein anderer sich ihm wissentlich aussetzt...
Ich weiß gar nicht, ob das von Freud kommt... aber auf jeden Fall ein recht brutaler Beweis für die Macht des Unterbewussten...
ein Phänomen des modernen Datings [...]Wenn du fünf Frauen "am Start" hättest, die an dir interessiert sind,
Ach nein, das zieht sich eher so durchs Leben, durch sämtliche Bekanntschaften. Das ist ja das Frustrierende daran. Durch mein etwas fortgeschrittenes Alter hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Formen des Datings kennenzulernen, daran liegt es nicht. Ich komme bei Frauen ganz gut an... das stärkt zwar das allgemeine Selbstbewusstsein, dafür bin ich auch sehr dankbar. Aber diese Sache sitzt eben tiefer.

manchmal
 
  • #27
Mein Eindruck ist, dass man gefühlsmäßig einfriert, wenn man als Kind nicht dieses Urvertrauen haben kann mit der Mutter.
(Ich hab vorhin eine sehr interessante Sendung gesehen, wie Traumata übertragen werden auf die Kinder. Die Menschen, die Kinder waren während des Krieges, konnten ihren eigenen Kindern nicht offen emotional begegnen und sich nicht einfühlen in die Bedürfnisse des Kindes.)

Wenn die Eltern das nicht vermitteln, dass sie mit den Gefühlen des Kindes was "anfangen" können, muss das Kind ja das Gefühl kriegen, es will was falsches. Aber es ist ein Grundbedürfnis, ich denke, weil es die Sicherheit vermittelt, dass man geschützt ist als hilfloses Wesen.
Ich denke, dass man später im Erwachsenenalter immer noch rumläuft mit dem Bedürfnis, dass jemand sich gefühlsmäßig so umfänglich und selbstaufopfernd einlässt, wie es die Mutter hätte tun müssen. Das sind die ganzen Listen von emotionalen Bedürfnissen an einen potentiellen Partner, die sich teilweise so lesen, als sei er wirklich ein ideales Elternteil ohne eigene Bedürfnisse.
Dass das nicht klappt, ist ja klar, weil niemand das nachholen kann und in einer Partnerschaft ja zwei Menschen mit zwei Bedürfnis"katalogen" aufeinandertreffen. Außer, einer findet sich gleich in die überlegene, unnahbare Elternrolle und der andere in die abhängige, gefühlsbetonte Kindrolle, der dann versucht, den anderen durch Gefühle "zu erweichen".

Es gibt viele Menschen, die Beziehungen führen und sich emotional nicht öffnen, zumindest in meinem Umfeld und in meiner Familie habe ich das gesehen. Die Beziehungen bleiben stabil, weil sie irgendwie wie eine Arbeitssache gesehen werden. Der Mann passt sich den Bedürfnissen der Frau an, um keinen Stress zu haben, also er reißt sich zusammen wie auf Arbeit, dass er funktioniert, ansonsten zieht er sich schonmal zurück und oberflächlich ist alles in Butter. Die Frauen sind zutiefst finanziell abhängig und leiden nach meinen Beobachtungen auch nicht drunter, dass der Mann so verschlossen ist. Sie haben Kinder und die sind ja emotional offen und geben Gefühle zurück, der Mann scheint wie ein nichtinvolviertes Wesen in das ganze. Er wirkt überlegen, wenn er sich aus dem Gefühlsgewusel raushält, aber eigentlich auch irgendwie isoliert.
Die Verschlossenheit und die Angst vor den Gefühlen stellen auch sicher, dass sich keiner fremdverliebt, weil man diesem Gefühl nicht traut und die gewohnten Bahnen mit dem Partner, der einen nicht verletzen kann, weil er einen emotional nicht tief berührt, leben will.
Vielleicht liege ich falsch, aber das ist mein Eindruck. Sie nutzen sich, aber emotional lässt der Mann nichts an sich ran und die Frau konzentriert sich diesbezüglich voll auf die Kinder.
 
  • #28
So gibt es diese Helikopter Mütter, ... nicht leicht das zu überwinden.

Den kompletten Absatz habe ich mir gerade rauskopiert, das hätte ich an einer Reihe anderer Stellen auch tun können. Interessant, dass es nicht nur mir so geht. Die Kriegsmütter-Generation ist wohl mit einem massiven Schaden ins Erwachsenenalter übergegangen, hatte Probleme mit der eigenen Partnerwahl, die Ehen waren dann alles andere als vorbildhaft und da sitzen die "Kinder" nun...

Eher so: Mutter erzählt sie habe alles für die Kinder getan und dann mit einem Augenzwinkern "dass sie halt flügge geworden sind" ...

Ich merke, wenn ich darüber nachdenke, dass das ich eher massives Eingreifen erlebt habe unter dem Vorwand, helfen zu wollen. Besserwisserei, mangelndes Vertrauen, dass ein Kind auch selbst seinen Weg findet und finden muss.

Aber blicken wir nach vorne: ein paar haben hier ja erwähnt, dass sie das schon in der einen oder anderen Form aufgearbeitet haben. Möchte jemand berichten? Welche Art von Therapie war hilfreich? Ich wäre für Tipps dankbar.
 
  • #29
Moin Void,
Ich denke, dass man später im Erwachsenenalter immer noch rumläuft mit dem Bedürfnis, dass jemand sich gefühlsmäßig so umfänglich und selbstaufopfernd einlässt, wie es die Mutter hätte tun müssen. Das sind die ganzen Listen von emotionalen Bedürfnissen an einen potentiellen Partner, die sich teilweise so lesen, als sei er wirklich ein ideales Elternteil ohne eigene Bedürfnisse.
Zumindest bei mir ist das nicht so simpel - der Partner als verspäteter oder nachgeholter Ersatz für eine Idealmutter. Eher so ein "Nachspielen" der Situation, der Empfindungen als Kind, wenn man sich mal wieder weggeschoben, nicht akzeptiert und sowieso ganz unliebenswert fühlte. Ich neige daher dazu, mich in Beziehungen (nicht nur in der Partnerschaft) quasi selbst in ein einsames, kaltes Eck zu stellen, dann fühlt sich das "stimmig" oder "vertraut" an, ziemlich irr. Wie @Moona so schön schrieb - wenn mich da dann jemand rausholen möchte, staune ich ihn an wie ein Zootier - und es ist leider keineswegs so, dass ich mich dann begeistert auf ihn stürze, weil ich endlich eine "Ersatzmutter" gefunden habe. Stürmisch verlieben tue ich mich vielleicht eher in Frauen, die signalisieren, dass sie eine gute Portion an Ambivalenz in sich tragen, bei denen abzusehen ist, dass das eine richtig dramatische, unglückliche Sache werden könnte.

Ich glaube, auch Menschen mit sicherem Bindungsstil versuchen, die emotionalen Verhältnisse ihrer Kindheit in der Partnerschaft wieder herzustellen (nach deinem Ansatz hätten die ja dann eher gar keine Ansprüche an ihren Partner mehr), nur sind es dann eben glückliche Beziehungen, die das Muster vorgeben.

manchmal
 
  • #30
@Lebens_Lust,

Mein ganz persönlicher Weg, der sich für mich als stimmig und hilfreich entwickelte.
Ich hatte anfänglich sehr hochfrequent Traumatherapie, heute immer noch begleitend, es sind langwierige Prozesse, aber nicht mehr ganz so frequent.

Geholfen dabei haben mir Techniken, wie Imaginationen, die Arbeit mit dem Inneren Team (u.a. Der innere Kritiker - den wir fast alle haben und hören; bei mir zu einem "Coach" umgewandelt, positiv- ermutigend, statt gnadenlos abwertend, der Innere Zerstörer, etc.), die Arbeit mit dem / den Inneren Kindern.
EMDR, Affirmationen, Klopf- und Entspannungsübungen, Achtsamkeitsübungen, mein Sport. Vieles einfach mal ausprobiert, manches war für mich gut, manches ungeeignet.

Ich habe sehr viel geschrieben, mich mit meinen Fragestellungen schriftlich und graphisch auseinander gesetzt.
Ich hatte/ habe zum Glück Therapeuten, die diese Texte lasen, ich musste also nicht endlos erzählen, sondern habe Zuhause über Stunden, Tage hinweg meine Gedanken, Gefühle, Bilder, sortiert und in Schriftform weitergereicht. Das war dann wiederum Grundlage für die nächste Stunde.

Es gibt viel Literatur dazu, man sollte sich nicht vom Begriff Trauma abschrecken lassen, es gibt Abstufungen, und sehr viele Techniken aus der Traumatherapie sind bei eben ähnlicher, wenn auch nicht so massiver Fragestellung, hilfreich.

Ein Buch, dass ich als sehr hilfreich empfinde, auch für Nicht-Traumapatienten, weil es grundlegende Fragen zeigt, "Traumabedingte Dissoziation bewältigen" O. Van Der Hart u.a.
Ebenso viel Literatur bei Jochen Peichl, Luise Reddemann. Aufsätze bei Michaela Huber, U. Sachsse, K.H. Brisch, usw.

Man kann quer lesen, nicht alles passt für einen, nicht alles in dieser Tiefe ist zutreffend, aber es gibt Denkanstöße.
Die eigene Position muss man selbst finden.
Jenseits aller Fachliteratur, mir haben die Bücher von Anselm Grün und seine Gedanken sehr viel gegeben.

Ich finde, für mich hat es sich gelohnt, ich bin absolut nicht freiwillig diesen Weg gegangen, aber es musste wohl sein - ich bin heute ein anderer Mensch, habe ganz andere Haltungen, Lebensqualitäten, ein ganz gutes Stück Inneren Frieden und Gelassenheit gefunden. Und ganz sicher einen anderen Bindungsstil, Bindungsfähigkeit. Work in Progress.

Das Leben ist schön.
Und irgendwann begegne ich auch dem Menschen, mit dem eine Partnerschaft einfach gut und stimmig ist.
 
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