• #1

Umgang mit Charakterschwächen bei der Partnerwahl

Angeregt von der Frage bez. Asperger und aufgrund meiner eigenen Erfahrungen denke ich, das ein allgemeiner Austausch, losgelöst vom speziellen Fall, eine gute Brücke schlagen kann zwischen dem Unverständnis und Unwissenheit auf der einen Seite und Erwartungen innerhalb der Kennenlernphase bzw. Beziehung andererseits.

Wo liegt bei euch die Grenze, jemanden kennenzulernen mit all seinen facettenreichen Charakterzügen und später auch so zu akzeptieren ohne Änderungsversuche ?
 
  • #2
Ich verstehe Deine Frage nicht. Du lernst jemanden kennen. Das, was Dir an seiner Persönlichkeit nicht gefällt, muss doch nicht eine Charakterschwäche sein(?)
Wenn ich eine Frau kennenlerne, sammle ich Informationen und nehme die Frau mit möglichst vielen Eigenschaften wahr. Irgendwann muss ich dann abwägen und entscheiden, ob es für eine Beziehung reicht. Dazu gehört auch, manche Eigenschaften oder Gewohnheiten anzusprechen und sich auf Kompromisse zu einigen.
 
  • #3
Für mich ist die Grundvoraussetzung Ehrlichkeit (vor allem mit sich selber) und Selbstreflexion und zwar auf beiden Seiten.
Ich würde über mich behaupten, dass ich eine relativ große Akzeptanz mitbringe. Auch bei per se schwierigen Charakteren.
Ich kann mich gut in andere hineinversetzen und muss vieles heute nicht mehr auf mich beziehen oder persönlich nehmen. Das hilft ungemein beim lassen können.

Wenn ich aber feststelle, dass mein Gegenüber nicht bemüht ist mich respektvoll zu behandeln und mit sich und anderen unehrlich ist, bin ich raus. Dazu gehört vor allem das manipulativen und abwertende Verhalten von narzisstischen Persönlichkeiten. Auch diese bestimmte Grundhaltung a la "ich bin eben so", als Freifahrtschein für emotional amputiertes Verhalten, akzeptiere ich nicht mehr.

Ansonsten habe ich gelernt erstmal bei mir selber zu gucken. Ich möchte sicher gehen, dass ich dem anderen nicht mehr Verantwortung für mein (Wohl)befinden zuschustere, als er eigentlich hat.
Ich erlebe es oft, das die Erwartungen an den anderen steigen. Das Gegenüber hat, soll und muss.....Dinge tun und mir geben, die ich mir selber nicht zu geben im Stande bin. Zusammenhänge die oft nicht mal klar benannt werden können, soll aber das Gegenüber verstehen. DAS kann nicht funktionieren. Das leidige Thema mit der Selbstliebe bzw. Eigenverantwortung.

Ich würde heute niemanden mehr ändern wollen. Das macht mich im Umkehrschluss natürlich weniger kompromissbereit, wenn es von meiner Seite her nicht passt. Aber jemanden ändern zu wollen funktioniert niemals. Außer derjenige leidet unter seinem eigenen Verhalten und möchte von sich aus eine Veränderung. Das ist bereits schwierig genug. Aber sehe ich diesen Willen, wäre ich bereit mitzugehen.
 
  • #4
zwischen dem Unverständnis und Unwissenheit auf der einen Seite und Erwartungen innerhalb der Kennenlernphase bzw. Beziehung andererseits.
Liebe HoneymoonGun, ich verstehe nicht,was Du da fragen willst.

Ich begegne einem Mann, ich finde ihn sympathisch, anziehend, die Chemie passt - diese Entscheidung in den ersten Sekunden.

Und dann beginnt Kennenlernen, das endet, wenn ich Facetten an ihm entdecke, die ich nicht mag, nicht akzeptiere.
Das können Facetten seiner Persönlichkeit sein, oder spezielle Verhaltens- oder Denkweisen, unterschiedliche Werte, Vorstellungen, die nicht kompatibel sind.
Es endet ebenso, wenn sich die Gefühle nicht entwickeln - Verliebtheit, Liebe, sexuelle Anziehung.

Du denkst an Besonderheiten wie Asperger, oder Anderes?

Für mich kommt es darauf an - Ich lerne den Menschen JETZT kennen, und treffe danach die Entscheidung.
Ich habe Vorstellungen von meinem Leben, Vorstellungen, wie die mich eine Partnerschaft sein soll - und ich erlebe, wie diese Facette ist, was es mit sich bringt.
Gerne mag ich mich noch einlesen, wenn ich den Menschen an sich toll finde...

Aber ich habe vor Jahren einem total lieben Mann einen Korb gegeben, weil er MS hatte, nach seinen Aussagen eine sehr aggressive Form, die eine Zukunft eher begrenzt ermöglichte. Das wollte ich nicht.

Und da ich viel in der Natur unterwegs bin, viel Sport mache, suche ich nach einem adäquaten Partner. Also fallen da einige Männer heraus, passt eben nicht.

Ich müsste mir den Einzelfall anschauen.

W, 51
 
  • #5
Ich gehe da nach meinen Erfahrungen die ich gesammelt habe .Natürlich sollte diese Person ein Emphatischer Mensch sein und nicht nur über sein Handy kommunizieren.

Finde ich die Person für mich Attraktiv, bleibe ich am Ball und versuche mehr zu erfahren.
Du lernst erst mit der Zeit wie diese Person tickt .
Sehe ich Charakterzüge die für mich unpassend wären , ziehe ich mich zurück ,und das war es dann .
Wie schon erwähnt kann man Personen nicht in ihrem Verhalten erziehen ,sondern nur akzeptieren oder gehen .
Je älter man wird umso weniger konfrontiert man sich mit Konflikten die einem nicht sonderlich weiter bringen ,sondern nur die eigene Energie ziehen .
 
  • #6
Na die Grenze liegt einfach da, wo sein Charakter / seine Krankheit / seine Schwäche mich in einer Art und Weise beeinträchtigen würde, die ich nicht bereit bin hinzunehmen.

Wenn ich jemanden kennenlerne und er fängt an mich zu ignorieren oderanderweit negative Gefühle bei mir durch sein Verhalten auszulösen, würde ich (heute) nicht mehr nachfragen, warum er das macht, sondern ich würde es zur Kenntnis nehmen und meine Konsequenzen daraus ziehen und das Kennenlernen beenden.

Denn dafür, dass ich mich dann schlecht fühle, spielt die Ursache seines Verhaltens keine Rolle. Es ändert nichts daran, wie ich mich dadurch fühle.

Ich würde niemanden nehmen, der absehbar mein Leben in der Zukunft negativ beeinträchtigt.
 
  • #7
Ehrlichkeit wurde bereits angesprochen. Hinzu kommen Kompromisslosigkeit, Pedanterie, Besserwisserei, Neid, Missgunst.

Daneben eher nicht charakterliche Eigenschaften die z.T. aber Einfluss auf den Charakter haben oder Rückschlüsse auf diesen zulassen.

Psychische Probleme, Suchtverhalten, Schulden ausser Kontrolle, keine verfügbare Zeit für Gemeinsamkeit, aggressives ggf. gewaltvolles Verhalten, Hygiene Defizite.

Für mich ist außerdem wichtig, dass ich keine Fernbeziehung will. Inakzeptabel wäre für mich auch meine Ausgrenzung aus der Familie und dem Bekanntenkreis bzw. umgekehrt die Ablehnung meiner Familie und meines Bekanntenkreises.
 
  • #8
ich denke, dass jeder für jeden ist die Grenze anders. Ich bin vermute ich sehr anpassungsfähige Person. Das heißt nicht dass ich alles hinnehme und mich unterdrücken lasse. Nein ich mache nicht aus jeder Mücke ein Elefant und versuche bestimmte Eigenschaften von meinem Partner verstehen und nicht sofort sagen geht nicht und schluß. Es gibt natürlich auch Persönlichkeiten oder Verhalten die ich nicht akzeptiere und nicht akzeptieren werde. Lügen ist absolutes no go bei mir.
Wir kamen mit meinem jetzigen Partner sehr schnell zusammen und haben uns erst richtig kennengelernt als wir zusammen gewoht haben. Wir haben uns von Anfang an geschworen so zu sein wie wir sind und haben uns nie verstellt. Daher denke ich kann ich keine Überraschungen jetzt nach bestimmte Zeit mehr erwarten. Ich bin auch davon fest überzeugt, dass man erst nach ca. 2 Jahren sagen kann ob es tatsächlich passt oder nicht. Natürlich wenn es vorher schon was vorgefallen ist oder wenn man vorher schon Eingenschaft am Partner gemerkt hat die man nicht aktzeptieren mag, dann ist schon vorher Schluß.
Mann muss doch selber wissen wo man die Grenzen setzt so das man in erste Linie selbst zufrieden ist.

LG W 36
 
  • #9
Da hat doch jeder seine persönlichen Wünsche und Grenzen.
Ich selbst würde z.B. nie wieder eine sehr extrovertierte Person als Partner überhaupt in Erwägung ziehen. Das stößt mich liebestechnisch aufgrund meiner Erfahrungen sofort ab. Ich hatte so einen Freund, das hat extrem zu Problemen geführt wegen Erwartungen seinerseits, auch so zu sein wie er - Freizeitgestaltung, ständig Neues ausprobieren, in Gruppen Anekdoten und Smalltalk usw. Man kann nicht alles mit Akzeptanz überwinden, jedenfalls beim Partner. Ich könnte auch nicht mit jemandem zusammen sein, der autistische Merkmale mit sich bringt, denke ich. Ich brauche offene und emotionale Männer, die auch gern mit mir reden.
Charakterschwächen sind das ja trotzdem nicht, es sind nur Eigenschaften, die nicht zu mir passen in einer Beziehung. Dazu gehören auch andere Dinge wie Statusdenken, übermäßiges Selbstvertrauen und Arroganz, Unehrlichkeit; für manche ist das aber nicht so ein Problem.
Es gibt Dinge, die mein Partner jetzt an sich hat, die ich aber leicht akzeptieren kann, da sie nicht mit mir direkt kollidieren. Daher haben diese "Schwächen" eben nicht dazu geführt, dass ich die Kennenlernphase abgebrochen hätte oder überhaupt darüber nachdenken musste.
w, 37
 
  • #10
Für mich zählen: Sympathie und Empathie, die stimmende Chemie, die Fähigkeit auch in der Tiefe adäquat und zeitnah zu kommunizieren, Kompatibilität in ganz wichtigen Bereichen, Aufrichtigkeit, Authentizität, ich muss die ganz besondere und eigene Persönlichkeit in Seele, Geist und Körper gut spüren können und nicht ausschließlich sein fremd konditionierter Kopf - was bei so vielen der Fall ist- und vor allen Dingen das Gefühl haben, dass der Gegenüber mir sehr gut tut, dass er das mit sich selbst auch ist, das ist schon alles!
 
  • #11
Ich verstehe Deine Frage nicht. Du lernst jemanden kennen. Das, was Dir an seiner Persönlichkeit nicht gefällt, muss doch nicht eine Charakterschwäche sein(?)
Wenn ich eine Frau kennenlerne, sammle ich Informationen und nehme die Frau mit möglichst vielen Eigenschaften wahr. Irgendwann muss ich dann abwägen und entscheiden, ob es für eine Beziehung reicht. Dazu gehört auch, manche Eigenschaften oder Gewohnheiten anzusprechen und sich auf Kompromisse zu einigen.
Im anderen "Fred" sind mir einige Dinge aufgefallen:

Da versteht jemand in der Kennenlernphase das Verhalten des Gegenüber nicht und will sich extern Meinungen erbeten

Die einen verstehen das Asperger typische Verhalten und möchten es erklären, näherbringen

Die anderen legen dies recht kompromisslos als schlechtes Verhalten aus und strafen es ab

Vielleicht geht es mir, als empathischer Mensch, nur einmal mehr sehr nahe wie schnell man pauschale Urteile fällen kann und ich möchte einen Denkanstoß geben
 
  • #12
Wo liegt bei euch die Grenze, jemanden kennenzulernen mit all seinen facettenreichen Charakterzügen und später auch so zu akzeptieren ohne Änderungsversuche ?
Meine Grenze liegt bei allem, was mir nicht guttut/was mich beeinträchtigt in meinem Wohlbefinden. Ehrlichkeit und Verlässlichkeit stehen bei mir ganz oben auf der Liste an Eigenschaften ohne die nichts geht, ebenso Abwesenheit von Süchten, sonstigen exzessiven Verhalten.

Wann immer sich jemand ändern muss damit es miteinanxer klappt, ist es der falsche Partner für ich. Der andere hat das Recht zu sein, wie er ist, wenn er so sein will - genauso wie ich.

Es geht aber nicht nur um Charaktereigenschaften sondern auch sozio-ökonomische Faktoren, wie @Ejscheff sie beschreibt.
Ich brauche einfach niemanden mehr in meinem Leben, der einen Rattenschwanz von täglichen Problemen mit sich bringt, die ich ohne ihn nicht habe. Sowas habe ich früher gemacht und es war auf Dauer nie erfreulich. Daraus habe ich konsequenzen gezogen.
Mit ansonsten netten Problembären kann man eine gute Bekanntschaft ohne emotionales Involvement pflegen.

Ich bin dafür verantwortlich, dass es mir gut geht - nicht der andere. Dazu gehört unbedingt, den passenden Partner zu wählen und einmal gemachte Fehler in diesem Punkt nicht ständig zu wiederholen.
 
  • #13
Wo liegt bei euch die Grenze, jemanden kennenzulernen mit all seinen facettenreichen Charakterzügen und später auch so zu akzeptieren ohne Änderungsversuche ?
Betreibst Du Framing? Der Mensch mit schwierigem Charakter ist "facettenreich". Der umgängliche Mensch ist dann was?

Freundschaft oder doch Beziehung- das macht einen großen Unterschied.

Vielleicht hast Du auch eine richtig gute Freundin/ einen guten Freund, mit denen Du aber niemals zusammen in einer Wohnung wohnen könntest und niemals gemeinsame Kasse machen würdest.

Es ist recht gut erforscht, was für verbindliche Beziehungen gute Grundlagen sind... dazu findest Du sicher etwas.
Die Beziehung hat bessere Chancen lange zu dauern, wenn ihr ähnliche Einstellungen in ein paar wichtigen Bereichen habt, z.B Geldausgeben, Wertigkeit der Familie, Vorstellungen von Treue.

Wenn Du einen festen Partner (m/w/d) für was Verbindliches suchst, konzentrierst Du Dich auf die Kandidaten, die in den wichtigen Bereichen eine ähnliche Vorstellung wie Du haben.

Wenn es einfach nur um Flirten, Daten und Spass haben geht, lernst Du kennen, was Dir gerade mehr Spassible (auch am Gruseln ?) macht.

So einfach ist das
 
  • #14
Vielleicht geht es mir, als empathischer Mensch, nur einmal mehr sehr nahe wie schnell man pauschale Urteile fällen kann und ich möchte einen Denkanstoß geben

Du verstehst 'die anderen' nicht. Natürlich kann man sich bemühen, zB den Asperger zu verstehen. Hilft vielleicht, sein Verhalten als weniger verletzend wahrzunehmen.
Dennoch verletzt es MICH.

Sollte man also deiner Logik folgend sich verletzen lassen und es ertragen, weil der andere krank/besonders/etc. ist oder eine schlechte Kindheit hatte? Ich meine Nein.
Das hat nichts mit unempathisch zu tun, sondern mit Selbstschutz und Selbstliebe.
Für dich ist es Egoismus, nicht wahr?



Ich brauche einfach niemanden mehr in meinem Leben, der einen Rattenschwanz von täglichen Problemen mit sich bringt, die ich ohne ihn nicht habe. Sowas habe ich früher gemacht und es war auf Dauer nie erfreulich. Daraus habe ich konsequenzen gezogen.
Der andere hat das Recht zu sein, wie er ist, wenn er so sein will - genauso wie ich.
Das sehe ich beides absolut genauso.

Ist vielleicht auch eine Frage der Lebenserfahrung.
Was hab ich mir früher den Kopf zerbrochen über anderer Leute Verhalten, was mich tangierte.
Was hat es genutzt? Nichts ! Es tat mir immer noch nicht gut.
Also meide ich einfach Menschen, wenn sie mir nicht guttun. Das wiederum tut mir dann gut.
Eigentlich gar nicht so kompliziert.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #15
Vielleicht geht es mir, als empathischer Mensch, nur einmal mehr sehr nahe wie schnell man pauschale Urteile fällen kann und ich möchte einen Denkanstoß geben
Aber es ist doch auch okay, wenn man gelernt hat, bestimmte Dinge passen nicht zu einem., denen geht man aus dem Weg? Ich kann bei bestimmten Sachen auch "pauschal" sagen, ne, das passt nicht zu mir. Warum muss man bei etwas persönlichem wie der Partnerwahl denn Verständnis über die eigenen Wünsche stellen? Also, wenn man so hohe Anforderungen hat, dass man keinen Partner findet, sollte man das mal überdenken. In der Regel ist es aber so, dass man aus Erfahrungen was dazulernt. Wenn man das nicht tut, sucht man sich immer wieder unpassende Partner, bei denen die Beziehungen nicht halten.
Ich kenne z.B. Paare, bei denen der eine extrem aktiv ist, der andere extrem faul. Da gibt es immer Streit deshalb, und bei dem einen Paar schon zweimal die Trennung. Da hätten sie meiner Meinung nach am Anfang schon die Konsequenzen ziehen können, statt jetzt dauerhaft vom anderen genervt zu sein und sich überall über den Partner zu beschweren.
"Facettenreich" ist für mich auch nicht das gleiche wie ein für MICH schwierig empfundener Charakter. Ich kenne zwei Autisten (Asperger wahrscheinlich) im Freundeskreis und ich könnte mir mit den jeweiligen Männern keine Beziehung vorstellen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich die pauschal verurteile oder so. Ich weiß nur, ich könnten mit der Art nicht umgehen. Bei dir schwingt da so eine Bewertung mit, als sei das nicht okay...
 
  • #16
Im anderen "Fred" sind mir einige Dinge aufgefallen:

Da versteht jemand in der Kennenlernphase das Verhalten des Gegenüber nicht und will sich extern Meinungen erbeten

Die einen verstehen das Asperger typische Verhalten und möchten es erklären, näherbringen

Die anderen legen dies recht kompromisslos als schlechtes Verhalten aus und strafen es ab

Vielleicht geht es mir, als empathischer Mensch, nur einmal mehr sehr nahe wie schnell man pauschale Urteile fällen kann und ich möchte einen Denkanstoß geben
Liebe HoneymoonGun,
Das ehrt Dich.
Jetzt aber mal von der anderen Seite. Ich habe eine psychische Diagnose - fällt nicht auf, ich bin aktiv, gesellig..
Therapie habe ich intensiv gemacht, verarbeitet, soweit möglich abgeschlossen.
Es bleibt aber etwas. (kompl. PTBS)

Im Alltag schränkt es mich kaum ein, ich muss aufpassen, dass ich mir nicht zuviel auflade - dazu neige ich immer noch. Ab und zu brauche ich dann mal eine Auszeit, Energie tanken. Und ich habe ein paar Trigger, da bin ich empfindlich.
Wahrscheinlich im Gesamten nicht anders als bei vielen anderen Menschen ohne Diagnose.

OK, ich war auf Partnersuche. Da war mein erster Test für mich, ob ich es diesem Menschen erzählen würde. Wenn nicht, war es sowieso erledigt.
Und wenn ich es erzählte, ist es mir lieber, wenn sich dann jemand zurück zieht, aus welchen Gründen auch immer.

Mein Partner weiß es, er akzeptiert, und er weiß, dass ich manchmal meine Auszeit brauche, oder weiß, wann ich ihn brauche ohne dass ich nachfrage. Die Diagnose war ihm immer unwichtig. Es gehört für ihn als ganz normal dazu.
Er liebt mich als Gesamtpaket.
So passt es.

Es bringt nichts, wenn sich jemand überwindet, erst recht nicht, wenn sich dann jemand als Kümmerer betätigen will...

W, 51
 
  • #17
Wenn ich jemanden kennenlerne und er fängt an mich zu ignorieren ...
Denn dafür, dass ich mich dann schlecht fühle, spielt die Ursache seines Verhaltens keine Rolle. Es ändert nichts daran, wie ich mich dadurch fühle.
Ich würde niemanden nehmen, der absehbar mein Leben in der Zukunft negativ beeinträchtigt.
So sehe ich das auch. Was habe ich von dem ganzen Verständnis und Verstehen-Wollen? Wo ziehe ich die Grenze für mich?
Im Beispiel Asperger hat dieser der FSin gesagt, er glaubt nicht an eine gemeinsame Zukunft und er hat diffuse Ängste sich bei der FSin zu melden, dann ignoriert er sie...so das der Kontakt abbricht. Die FSin will mit ihm eine Beziehung und würde sich auch auf seine spezielle Persönlichkeit einlassen, nur was machen, wenn einer einfach nicht will? Da bedarf es nicht einmal vermeintlicher Charakterschwächen oder Diagnosen, deren Kenntnis und Geduld, wenn der andere den Kontakt unterbindet, geht es nicht in eine Beziehung. Andersherum, wenn man den Kontakt miteinander hält, dann kann je nach eigener Toleranz und Liebe, eine Beziehung für jeden eine eigene neue Erfahrung sein, trotz schwieriger, komplexer, besonderer oder außergewöhnlicher Persönlichkeit.
Wenn Kontakt besteht und man sich beidseitig mag, kann man sich annähern, aber man sollte auch dabei genau hinschauen, kritisch hinterfragen und nicht alles ungefiltert an Verhalten ertragen, auch nicht seine eigenen Wünsche & Bedürfnisse dauerhaft zurückstecken und nahezu verleugnen, unter dem Deckmantel der Erkrankung, des Partners.
Ich finde es auch nicht gut, gerade in nicht gut laufenden Beziehungen, die auf eine Trennung hinauslaufen, dem Ex-Partner ein psychisches Etikett und scheinbare Störung aufzukleben, von Beziehungsunfähig, Narzisst, Psychopath, etc., nur um noch einige Zeit länger mit Verständnis und eigener Entschuldigung sich weiter mies behandeln zu lassen, das tote Pferd willentlich zu reiten.
Anders auch bei vorhandenen Krankheiten wie bspw. Diabetes, Rheuma, Bandscheibenvorfall, da sind mir die körperlichen Beschränkungen bewusst und man passt sich dem auch an, doch wenn man selbst andere Vorstellungen von seinem Partner hat oder keinen Ausgleich und sich gerne bewegt, beim anderen geht es nicht, da hilft auch Verständnis nicht viel, wenn man parallel selbst unglücklich wird, weil man für sich zu viele Abstriche macht.
 
  • #18
Es gibt allgemeine Nogos in der Beziehung, wie Egoismus, Zynismus, psychische Gewalt etc, bei allen anderen Eigenschaften ist es immer eine Ansichtssache, weil was für einen unmöglich oder zuviel ist, ist für den anderen genau das richtige oder sogar zuwenig. In der Klasse von der Tochter meiner Bekannten war ein italienisches Kind und Lehrer meinten, er hat ADHS, bis sein Vater in die Schule kam und sagte "warum ADHS, in Italien sind alle Kinder so".
Insofern kann man die Frage pauschal nicht beantworten, sondern immer individuell entscheiden. Ausserdem ist der Mensch kein starre Konstrukt, sondern entwickelt sich weiter und kann auch seine Denkweise oder Vorlieben, aber auch Abneigungen überdenken. Oder man trifft jemanden und denkt "hey, mit ihm kann ich mir das oder das vorstellen". Und zwar nur mit ihm. Ich habe früher Frauen nicht verstanden, die Männer mit Bauch akzeptiert haben, bis ich meinen Ex kennengelernt habe und festgestellt habe, dass sein Bauch mich null stört. Neulich habe ich einen Mann kennengelernt, der recht feine Art hatte. Ich stehe ehe auf grobere Kerle, fand aber seine Art erfrischend anders und angenehm. Ihm stand das irgendwie, obwohl ich solche Männer grundsätzlich für zu weiblich und fast tuntig halte.
 
  • #19
Die FSin will mit ihm eine Beziehung und würde sich auch auf seine spezielle Persönlichkeit einlassen, nur was machen, wenn einer einfach nicht will?
Das ist ja dann die nächste Schwierigkeit, dass man ständig unterscheiden und abwägen müsste, ob er einfach nicht will, weil er nicht will oder ob sein Verhalten der Krankheit geschuldet ist.

Darauf hätte ich keine Lust.

Denn mit Zuviel Verständnis verliert auch ein 'Kranker' den Respekt.
Mit Zuwenig fühlt er sich nicht ernstgenommen.
Zudem gibt es auch genug psychisch Kranke, die ihre Erkrankung als Freifahrtschein für schlechtes Verhalten einfordern wollen.

Dann alles was mir in seinem Verhalten nicht passt seinerseits als krank abzutun und seinen Willen zu ignorieren, weil ich ja vermeintlich viel besser weiß, was für ihn gut ist und was nicht) halte ich für ebenso bedenklich und übergriffig.
 
  • #20
Die anderen legen dies recht kompromisslos als schlechtes Verhalten aus und strafen es ab
Zu der Fraktion darfst Du mich auch zählen. Es geht aber nicht um "schlechtes Verhalten" oder gar um "abstrafen". Es geht darum, dass man sich Partner und Partnerinnen so wählt, dass sie zu einem passen und dass sie das Leben bereichern.

Manche Krankheiten sind einschneidend und haben eine Persönlichkeit zur Folge, die von vorneherein und dauerhaft sehr schwierig ist und das ohne jede Hoffnung auf Behandlung. Das ist traurig für die betroffenen Menschen, hilft aber in einer Beziehung nicht weiter. Meine persönliche Sicht ist deswegen, dass solche Menschen für mich als Partnerin nicht in Frage kommen. In der Tat kompromisslos. Wenn jemand emotional nicht wirklich zugänglich ist, mangelhaftes Einfühlungsvermögen aufweist und kaum zu sozialen Kontakten fähig sind (Wikipedia entnommen), finde ich das für eine Beziehung nicht tragbar.

Sozialer Umgang, sei es am Arbeitsplatz oder in anderem Umfeld, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Vielleicht geht es mir, als empathischer Mensch, nur einmal mehr sehr nahe wie schnell man pauschale Urteile fällen kann und ich möchte einen Denkanstoß geben
Ich finde eigentlich eher bedauernswert, wenn mir dann ja irgendwie pauschal fehlende Empathie vorgeworfen wird, wenn ich das so sehe. Ich schüttele hier oft innerlich den Kopf, wenn Menschen meinen, sie müssten es mit Partnern jahrelang probieren, die relativ objektiv für eine Partnerschaft sehr schwierig, um nicht zu sagen nicht geeignet sind. Manche brauchen für diese Erkenntnis eben etwas länger.

Allgemeiner Umgang und Beziehung sind völlig unterschiedliche Bereiche. Für eine Beziehung sortiere ich ohne jede Empathie Personen aus, bei denen Schwierigkeiten klar vorprogrammiert sind. Da nützt dann auch keine "Toleranz" oder "Empathie". Es fehlt dann eher an Empathie für sich selbst.

Alle Arten von in einer Beziehung auftretenden Krankheiten, sei es körperlich oder psychisch, fallen natürlich nicht automatisch auch in diese "kompromisslose" Schublade.
 
  • #21
Das ist eine sehr schwierige Frage. Erstens, weil man Menschen nicht zeitnah mit allen Facetten kennenlernt und zweitens weil fast jeder auch die schlechten Seiten am Anfang versteckt. Alle kleiden sich am Anfang sehr chic, sind durchtrainiert und schlank, es wird viel für Haare und Klamotten ausgegeben, man ist spendabel, alle sind glücklich und auf Wolke sieben etc. Erst nach und nach kommen die wahre Charakterzüge zum Vorschein. Kein Mensch kommt zum Date und sagt, Hallo, ich bin xy, ich bin geizig, habe fast immer schlechte Laune und manchmal rutscht mir auch die Hand aus und übrigens treu bin ich auch nicht. Von daher entscheiden sich die Leute sehr oft für die falsche Beziehung.
Für mich ist die Grenze mittlerweile da, wo ich mich nicht mehr wohl fühle und das ist leider fast immer der Fall. Das sagt aber auch zu meinem eigenen unflexibilität aus.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #22
Für eine Beziehung sortiere ich ohne jede Empathie Personen aus, bei denen Schwierigkeiten klar vorprogrammiert sind. Da nützt dann auch keine "Toleranz" oder "Empathie". Es fehlt dann eher an Empathie für sich selbst.
Ein gutes Beispiel für Menschen mit einer psychischen Problematik, die von vielen abgelehnt wird, ist die Borderline-Symptomatik. Ich kenne im Umkreis drei Borderliner. Alle von ihnen beschweren sich, dass viele potenzielle Partner von vornherein gleich "nein" sagen, sobald sie die Diagnose erfahren (auch im Internet lese ich das bei Diskussionen sehr häufig). Nun ist auch dort jeder anders, und es gibt schwache Ausprägungen, die in Beziehungen weniger ins Gewicht fallen. Aber für mich wäre diese Aussage auch sofort ein Warnsignal und ich glaube, ich würde heutzutage - mit meinem Alter und meinem Wissen - da sofort von Abstand nehmen, den anderen als Partner in Betracht zu ziehen. Das ist pauschal und kommt vielleicht gemein rüber, aber ich weiß, wie die Bekannten in Beziehungen agieren und könnte das niemals aushalten und möchte auch nicht in so eine Dynamik reingezogen werden. Da wäre z.B. jemand auf dem autistischen Spektrum für mich persönlich eher zu tolerieren; je nachdem, wie diese Person konkret ist. Ich bin da von Freunden vorgeschädigt und habe die gleichen Situationen bei mehreren Leuten beobachtet oder selbst erlebt in der Freundschaft; darunter bei einer sehr engen Freundin, zu der ich nach über zehn Jahren aus diesem Grund den Kontakt gekappt habe, bei einer guten Freundin einer Freundin und bei der Schwester einer anderen Freundin, die wir nachts in die Psychiatrie bringen mussten. Ich verstehe, dass du, liebe FS, an jeden Menschen positiv herangehen möchtest und offen sein, die jeweiligen Eigenarten hinzunehmen. So war ich mit 20 auch. Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass ich nicht die Energie habe für bestimmte problembeladene Leute, schon gar nicht als Partner. Für mich ist das jetzt eher eine naive Sicht. Vielleicht bin ich aber auch etwas verbittert :) Dagegen wäre übrigens für mich jemand im Rollstuhl oder mit einer körperlichen Behinderung kein Problem, sofern er sein Leben meistert.
 
  • #23
Oftmals ist man ja nur so lange Persönlichkeit, wie man nett ist, gelle?

Ich weiß nicht, ob dir meine Grenzen etwas bringen, weil ich auf ganz andere Typen stehe als normale Leute es tun. Z.B. sind mir Leute lieber, die Notlügen anwenden, als immer authentisch rauszuhauen, wie sie gerade denken und damit alles kaputt machen. Damit fühle ich mich komfortabler und das ist MIR wichtig - dass ich mich entspannt fühlen kann neben einem Partner. Mir ist es enorm wichtig, dass andere Leute auch mal den Mund vor mir halten können, wenn es nicht passt.
Anderen ist ständiger Kampf und demokratische Streits wichtig. Ich mag das nicht und damit fühle ich mich in einer Partnerschaft erst recht nicht wohl.

Wenn Leute sagen, "das ist aber eine Persönlichkeit" schüttele ich innerlich oft den Kopf. Meist sagen sie das nur, weil sie etwas zu hören bekommen, was der andere ihnen gerade entgegen bringt, sie wissen aber gar nichts über die wirklichen Charakterzüge und Intensionen so einer Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit ist oft nur eine sehr nette, souveräne Person, die alle anderen täuscht.
 
  • #24
Wo liegt bei euch die Grenze, jemanden kennenzulernen mit all seinen facettenreichen Charakterzügen und später auch so zu akzeptieren ohne Änderungsversuche ?
Meine Grenze ist da, wo ich mich nicht wohlfühle. Wenn ich daran "arbeiten" muss, jemanden grundsätzlich so gut zu finden wie er ist, ist er als Partner der falsche für mich. Eigentlich ganz simpel.

Und nicht falsch verstehen, ich bin auch so jemand mit "facettenreichen Charakterzügen" und hätte absolut Verständnis dafür gehabt, wenn mein jetziger Partner an irgendeiner Stelle die Notbremse gezogen hätte.
Ich empfinde mich manchmal selbst als anstrengend, wenn ich von außen auf mich schaue. Er nicht, für ihn bin ich ganz "normal". Und umgekehrt ebenso. Unsere Persönlichkeiten passen zueinander. Und danach muss man schauen. Nicht danach, nur jemandem nicht "Unrecht" zu tun.
 
  • #25
Wo liegt bei euch die Grenze, jemanden kennenzulernen mit all seinen facettenreichen Charakterzügen und später auch so zu akzeptieren ohne Änderungsversuche ?
Also, ich frage mich manchmal, so beim Kennenlernen, ob ich mich freue, mit dieser Person Zeit zu verbringen. Ob ich lieber diese Person treffe, als alleine zu sein. Ob ich denke, dass mein Leben mit dieser Person mindestens gleich schön wäre wie jetzt, oder ob dieser Mensch mich "herunterziehen" würde, insgesamt.
Für mich darf jemand Probleme, Ecken und Kanten haben. Haben wir doch alle. Aber ich kann schlecht damit umgehen, wenn jemand z.B. seinen Frust an mir auslässt oder Negatives ungerechtfertigterweise auf mich projiziert. Auch kann ich schlecht damit umgehen, wenn jemand sich sehr unzuverlässig verhält, lügt usw.
Das sind ja dann Verhaltensweisen, die mir aktiv schaden. Und so masochistisch bin ich nicht, dass ich das mit mir machen lasse und das noch ewig ausdiskutiere und verstehen will oder so.
Vielleicht geht es mir, als empathischer Mensch, nur einmal mehr sehr nahe wie schnell man pauschale Urteile fällen kann und ich möchte einen Denkanstoß geben
Du verwechselst da meiner Ansicht nach die Fähigkeit, Empathie mit belasteten oder besonderen Menschen zu haben, mit dem Anspruch (an sich oder andere), mit diesen auch eine Beziehung eingehen zu sollen. Für mich sind das zwei Paar Schuhe. Man muss weder unempathisch noch oberflächlich sein, um eine Beziehung abzulehnen.
Damit möchte ich im übrigen nicht sagen, dass ich keinen Mann mit dem Asperger Syndrom daten würde. Ich würde ihm nur nicht noch hinterherrennen, nachdem er mir bereits eine Absage erteilt hat, so wie es bei der Frau im anderen Thread der Fall war.
 
  • #26
@annie83
Diese Aussage finde ich richtig gut

Natürlich hat jeder seine persönlichen Grenzen und handeln wir auch aufgrund der Erfahrungen mal so und mal so

Aber was ich herausgelesen habe war ja auch der Rat zur Notbremse ad hoc, unmittelbar wenn man sich offenbart- und das finde ich falsch, ungerechtfertigt und zu früh

Die Erfahrung, jahrelanges standhalten an einer destruktiven Beziehung- habe ich leider auch gemacht und bin daran gebrochen aber auch gewachsen.

Ich stand damals vor der Wahl eine 'Therapie' zu beginnen nachdem ich mit mittelgradiger Depression einige Wochen ausgefallen bin, dringend dazu geraten hat mir der Arzt nach dem Gespräch nicht. Ich habe in vielen anderen Gesprächen damals aber für mich die Entscheidung getroffen das ich keine Therapie haben möchte um mich mit einem Alltag zu versöhnen der mich so ausgesaugt hat. Also habe ich mein gesamtes Umfeld ausgetauscht. Inclusive Umzug und Arbeitsstätte. Alles neu. Wenige Freunde blieben.

Weil ich endlich in mich gehört habe und akzepziert das ich autistische Züge habe, hochsensibel bin und mir viel zu oft Dinge aufgehalst um die Harmonie um mich herum aufrecht zu erhalten, und daran fast zerbrochen bin weil das Umfeld ein ums andere Mal meine Grenzen überschritten hat. Da habe ich mich mitgeteilt nur um dann DOCH verglichen und abgestraft zu werden.

Und ihr habt recht, wenn ein jeder, der seine Komfortzone bereits kennt diese zeitnah kommuniziert UND Konsequenzen daraus zieht

Aber, wie gesagt, Wesenszüge aus einem Spektrum muss man kennenlernen dürfen und nicht davor pauschal warnen. Und wenn dann, nach Offenbarung und Gesprächen wo dann vielleicht man auch mal über den Schatten springen muss für kurze Zeit nix draus wird dann ist das so
 
  • #27
Aber, wie gesagt, Wesenszüge aus einem Spektrum muss man kennenlernen dürfen und nicht davor pauschal warnen. Und wenn dann, nach Offenbarung und Gesprächen wo dann vielleicht man auch mal über den Schatten springen muss...
Du bist leicht autistisch und hochsensibel, andere sind leicht bi-polar, bi-sexuell, analytisch, richten hohe Ansprüche an sich selbst oder an andere, andere haben eine Suchterkrankung, Essstörungen oder versuchen durch Kompensation irgendwas auszugleichen, wiederum andere erleben Mobbing oder andere belastende Ereignisse, welche sie in eine Krise stürzen und eine PTBS auslösen, andere sind körperlich eingeschränkt oder entwickeln eine belastende Autoimmunerkrankung... usw. ein weites Spektrum aller möglichen Belastungen & Einschränkungen. Du willst Verständnis und Verstehen-Wollen für deine „Besonderheiten“ und das ein Kennenlernen fortgesetzt wird und auch man bereit ist, sich davon ein eigenes Bild zu machen. Ist ein wenig viel verlangt. Jeder Mensch hat seine Beschränkungen, Macken, komplizierten Persönlichkeitsanteile,... man kann nicht erwarten, mit Samthandschuhen angefasst zu werden oder das man sich mit Befindlichkeiten aller Art intensiv beschäftigt oder einen komplizierten Kontakt mit Neugier verfolgt. Wir müssen alle mit Ablehnung klar kommen und auch das Menschen in allen Belangen ihre Erfahrungen sammeln müssen/sollen. Manche haben schon ihre eigenen Erfahrungen mit menschlichen Besonderheiten gemacht, sind diese Negativ besetzt, will man keinen 2. Versuch oder Abstufungen kennenlernen, warum. Und warum soll ich mich mit den Befindlichkeiten anderer auseinandersetzen, ich kenne Leute, die Reden ohne Pause, andere sind nur unter Strom und laufen nonstop wie ein Duracell-Hase, andere fühlen sich bei jeder Frage/Antwort angesprochen und beziehen alles auf sich, obwohl man gar nicht mit ihnen spricht, sondern mit seinem Kollegen...muss ich das auch alles verstehen und ihnen ein gutes Gefühl vermitteln, Kontakt zu ihnen eingehen, obschon mich das Verhalten nervt? Was jeder kennenlernen will, was jeder tolerieren mag oder die Messlatte, womit er sich Verhalten geduldig anschaut, liegt bei einem selbst, ist nunmal so. Geht aber nicht nur besonderen Menschen so oder körperlich Gehandicapten, Dauererkrankten, wie MS oder Schmerzpatienten, selbst bei einer Erkältung kann man von anderen keine Rücksicht erwarten, wenn sie entweder meinen, man wäre ein Drückeberger oder sie gehen einem aus dem Weg, weil sie sich nicht anstecken wollen. Und es will nicht jeder besonderen Menschen, manche verbinden damit einen „kranken“Menschen. Ich bin auch nicht perfekt und habe auch meine Einschränkungen, Defizite; aber auch ich habe einen ADHS-Kontakt beendet, als ich davon erfuhr; auch wenn es nicht political correct ist, bin ich nicht auf dieser Erde, um es allen meinen Mitmenschen schön & gut zu machen.
 
  • #28
Aber was ich herausgelesen habe war ja auch der Rat zur Notbremse ad hoc, unmittelbar wenn man sich offenbart- und das finde ich falsch, ungerechtfertigt und zu früh
Also so möchte ich meine Postings gar nicht verstanden wissen, ich würde jemanden nicht pauschal ablehnen, wenn er mir eine Diagnose nennt. Ich würde mir das Ganze schon erstmal noch angucken, inwieweit es für mich einschränkend wäre und mich negativ belastet.

Und im Parallelthread wäre eben genau dieser Punkt überschritten. Der Mann weist ab und ignoriert die FS. Deswegen sage ich: es ist mir egal, warum er sich so verhält, es schadet mir und das unterbinde ich.


Die Erfahrung, jahrelanges standhalten an einer destruktiven Beziehung- habe ich leider auch gemacht und bin daran gebrochen aber auch gewachsen.
Wenn du selbst solche Erfahrungen hattest, wundert es mich, dass du es nicht verstehst, wenn andere sagen, dass sie versuchen, solche Probleme von vornherein zu vermeiden?


. Also habe ich mein gesamtes Umfeld ausgetauscht. Inclusive Umzug und Arbeitsstätte. Alles neu. Wenige Freunde blieben.
Da läufst du aber auch Gefahr, das Gleiche wieder zu erleben. Ich finde es wichtiger zu lernen, wie man sich abgrenzt, sich durchsetzt.

Und damit positiv zu erfahren, dass das funktioniert und man mehr respektiert wird.
Man kann ja nicht immer wieder wegziehen und von vorn anfangen, wenn man auf unangenehme Menschen trifft?
Das fühlt sich dann auch innerlich besser an, finde ich.
 
  • #29
Weil ich endlich in mich gehört habe und akzepziert das ich autistische Züge habe, hochsensibel bin und mir viel zu oft Dinge aufgehalst um die Harmonie um mich herum aufrecht zu erhalten, und daran fast zerbrochen bin weil das Umfeld ein ums andere Mal meine Grenzen überschritten hat. Da habe ich mich mitgeteilt nur um dann DOCH verglichen und abgestraft zu werden.
Damit jemand versteht warum ein HSP, Autist ... tickt wie er tickt muss dieser ersten wissen, dass sein Gegenüber solche Merkmale hat und zweitens wissen was dies konkret bedeutet.

Daher ist es grundsätzlich gut wenn ich offen diese Eigenschaften in einer Anbahnung mitteile.

Allerdings wie reagiert man z.B. darauf wenn einem eröffnet wird "ich habe eine narzisstische Persönlichkeit" und erklärt "diese basiert auf einer frühkindlichen Traumaerfahrung"?

Hier wurde häufiger angesprochen, dass man solche Informationen ernst nehmen soll weil sie nicht selten dazu dienen sich einen Freibrief für respektloses Verhalten einzuholen nach dem Motto "ich habe dich ja gewarnt also bis du selbst schuld wenn du nicht gegangen bist". Außerdem ist gerade auch das erörtern der Ursachen ein Apell an den Helfer in uns und das kann manipulative Züge haben.

HSP ist nun keine Störung aber eine Eigenschaft die unerklärt ausgelebt respektlos ankommt. Das Ausleben des Ruhebedürfnisses von HSP mit spontanen Dichtmachen oder Rückzug beansprucht die Toleranz eines Partners deutlich während der Partner von den wunderbaren Vorzügen dieser Eigenschaft in der Regel nichts merkt.

Wo ist da der Benefit wenn ich auf HSP, Asberger o.ä. Rücksicht nehme? Mir fällt da eigentlich nur das Ausleben eines Helfersyndroms ein. Das stufe ich dann aber als zu therapierenden Defizit ein.

@Mon Chi Chi hat sehr ausführlich die Verhaltensweisen von HSP erklärt aber auch betont was für eine fantastische Persönlichkeit sie inzwischen ist. Tja was nützt mir eine fantastische Frau die kompromisslos allein bestimmt wann sie für mich sprechbar ist. Ich bin doch nicht der Mann einer Seefrau ;) der sich darauf freiwillig eingestellt hat, dass man sich wochenlang nicht sieht.

Asberger wäre dann noch ein i Tüpfelchen. Das führt dann noch zusätzlich zu Kommunikationproblemen.
 
  • #30
Also so möchte ich meine Postings gar nicht verstanden wissen, ich würde jemanden nicht pauschal ablehnen, wenn er mir eine Diagnose nennt. Ich würde mir das Ganze schon erstmal noch angucken, inwieweit es für mich einschränkend wäre und mich negativ belastet.

Und im Parallelthread wäre eben genau dieser Punkt überschritten. Der Mann weist ab und ignoriert die FS. Deswegen sage ich: es ist mir egal, warum er sich so verhält, es schadet mir und das unterbinde ich.




Wenn du selbst solche Erfahrungen hattest, wundert es mich, dass du es nicht verstehst, wenn andere sagen, dass sie versuchen, solche Probleme von vornherein zu vermeiden?




Da läufst du aber auch Gefahr, das Gleiche wieder zu erleben. Ich finde es wichtiger zu lernen, wie man sich abgrenzt, sich durchsetzt.

Und damit positiv zu erfahren, dass das funktioniert und man mehr respektiert wird.
Man kann ja nicht immer wieder wegziehen und von vorn anfangen, wenn man auf unangenehme Menschen trifft?
Das fühlt sich dann auch innerlich besser an, finde ich.
Das fiel dann unter meine Erklärung das ich es abgelehnt habe das damalige Umfeld weiter aufrecht zu erhalten

Auch hat es keinen Sinn gemacht als HSP an der Arbeitsstätte festzuhalten wenn sich dort trotz Absprache dauerhaft keine zufriedenstellende Lösung findet. Im ersten Jahr, als Cheffe noch auf mein Know How angewiesen war, wars okay mir mehr Bürozeit einzubauen danach hätte er mich am liebsten gleich wie die anderen verheizt. Man musste sich trennen.

Getauscht habe ich es in eine Studentenstadt wo ein 'untertauchen ' niemand groß auffällt. Das Dorf mit 800 Einwohnern in das ich 14 Jahre lang gezogen bin wimmelt aufgrund ländlichen Mentalität nicht vor Möglichkeit neu anzufangen nach der Trennung

Sowohl mein ex als auch (durch ungewollte Übernahme der Arbeitsstätte) damals neuer Chef waren verbal zT unterste Schublade

Natürlich gilt für jeden Menschen ein sozial verträglicher Umgang ohne einen Freifahrschein für sich zu markieren

Aber pauschalisieren ist halt auch nix