• #1

Trennen oder bleiben?

Ich bin seit 9 Jahren mit meinem Mann zusammen, 2 davon verheiratet.
Seit ein paar Monaten bin ich mir einfach nicht mehr sicher ob ich ihn liebe. Ich war auch kurz davor mich zu trennen, weil ich Gefühle für einen anderen Mann entwickelt hatte (ohne das irgendetwas war) aber ich beschloss bei meinem Mann zu bleiben um zu versuchen mich wieder zu verlieben. Ich sagte ihm das auch so. (Nur die Gefühle für den anderen hab ich nicht erwähnt) Anfangs hatte ich auch das Gefühl, dass es wieder was werden könnte, er hat auch alles berücksichtigt was mich an unserer Beziehung gestört hat aber mittlerweile bin ich wieder an dem Punkt nicht zu wissen ob es reicht.
Ich will ihm nicht weh tun und ich weiß, wenn ich gehe, dass ich ihm das Herz breche. Zu der Zeit, als ihm sagte das meine Gefühle nicht mehr reichen, hat er sich fast kaputt gemacht, nicht gegessen nicht geschlafen usw. Aber wenn ich bleibe breche ich mein Herz und ich gehe kaputt.
Wir sind zusammen seit ich 24 bin und er ist meine erste richtige Beziehung gewesen. Aber wir haben uns beide verändert. Ich will nicht mehr mit ihm schlafen, noch nicht mal kuscheln oder sowas. Als Mensch bedeutet er mir sehr viel aber nicht mehr als Mann. Wir fahren bald für zwei Wochen in den Urlaub und mir ist jetzt schon schlecht bei dem Gedanken, dass er dann bestimmt Sex will. Es hat auch nichts mit dem Sex an sich zu tun, der war immer sehr gut aber es sträubt sich einfach alles in mir.
Er macht mir ständig Komplimente und sagt wie sehr er mich liebt aber es berührt mich nicht mehr.
Manchmal wünsche ich mir das mir etwas passiert und ich diese Entscheidung nicht treffen muss.
Ich weiß das ist feige aber es tut mir so weh daran zu denken ihn zu verletzen. Ich weiß einfach nicht was ich machen soll. Gibt es jemanden der ähnliche Erfahrungen gemacht hat?
 
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  • #2
Die Beziehung ist am Ende, wenn dir vor Sex graut.
Spätestens.
Ich verstehe, daß du dich verpflichtet fühlst, für ihn verantwortlich, weil er ja so viel für dich tut und dich wirklich mag. Das ist schon hart, aber dennoch mußt du dir klar machen, daß du nicht für ihn verantwortlich bist, auch wenn du dich trennst.
Verantwortlich bist du in erster Linie für dich - diese Verantwortung kann dir auch niemand abnehmen.
Wenn dir eine Freundin erzählen würde, sie mag ihren Freund zwar sehr, und er ist so lieb, aber ihr graut vor Sex mit ihm und sie hofft er verläßt sie bald damit sie es nicht tun muss - was würdest du ihr raten?
Du würdest ihr raten, nicht feig zu sein sondern ehrlich, und dich der schwierigen Situation stellen.
 
  • #3
Liebe Lara,

Mich erinnert das sehr an meine eigene erste Beziehung. Mit ihm war ich sieben Jahre zusammen, und zum Schluss habe ich mich genau so gefühlt wie du jetzt. Das schlechte Gewissen, weil ich ihn nicht mehr liebte, war unerträglich. Es hat mich wirklich fast kaputt gemacht. Er hat auch alle emotionalen Knöpfe bei mir gedrückt. Mir gezeigt wie sehr er leidet, dann wurde er gemein und manipulativ. Mein Gewissen hat mich erdrückt. Ich konnte mich am Ende nur mit einem ganz glatten Schnitt trennen. Ich habe alles abgebrochen und hinter mir gelassen.

Für mich ging es vom Tag der Trennung an nur noch bergauf. Ich habe gut geschlafen und fühlte eine wahnsinnige Last von mir abfallen. Erst ungefähr ein Jahr später habe ich wirklich begriffen, dass ich mich niemals so schlecht hätte fühlen müssen. Ich bin nicht fremd gegangen oder habe sonst irgendeinen Mist verbrochen, trotzdem habe ich mich wie der schlechteste Mensch auf Erden gefühlt. Gefühle ändern sich nun mal, dafür kannst du nichts.

Du solltest die Trennung durchziehen. Ja es wird ihm weh tun, aber er wird es überleben und er wird auch wieder glücklich werden. Er hat ja auch eine Frau verdient, die ihn voll und ganz liebt.

Alles Gute für dich!

w(28)
 
  • #4
Hallo Lara,

"Trennen oder bleiben?" Die Entscheidung hast du schon gefällt.

"Manchmal wünsche ich mir das mir etwas passiert und ich diese Entscheidung nicht treffen muss." Dir graut davor, die Entscheidung umzusetzen, nicht davor, sie zu treffen. Denn du hast sie bereits getroffen. Sie ist spürbar in jedem deiner Worte, die du geschrieben hast.

"Ich weiß das ist feige aber es tut mir so weh daran zu denken ihn zu verletzen." Das ist nicht feige, das ist menschlich. Jeder "normale", halbwegs empathische Mensch verletzt lieber sich selbst als den/die, er liebt. Deine größte Angst ist nicht, dass er es nicht aushalten wird. Deine größte Angst ist, dass du es nicht aushältst.

Ich war /bin nicht in exakt deiner Situation, aber ich kann gut nachempfinden, wie es dir geht. Die meisten menschen meinen, es sei am härtesten zu erleben, wie der andere einen Schlussstrich zieht. Aber das ist nicht immer richtig. Wenn man nicht ein völlig abgestumpftes Arschloch ist, ist es aus meiner Sicht härter, der aktiv "Beendende" zu sein. Man kann niemandem anderen die Schuld zuschieben, sich nicht in die Opferrolle flüchten. Oft kann man dem anderen auch gar nicht wirklich vermitteln, wie schwer einem selbst der Schritt fällt. Der Zweifel, ob man nicht doch das falsche getan hat, begleitet einen hartnäckig - diese Sorgen hat der andere nicht.
Liebe lässt sich nicht zwingen, Verliebtsein lässt sich nicht befehlen oder gewollt herbeiführen. Und das ist gut so. Es würde ohnehin nicht lange vorhalten. Versuche mal die Perspektive umzukehren. Würdest du an seiner Stelle sein wollen, wenn du wüsstest, dass sich deine Ehefrau förmlich zwingen muss, ihn als Mann zu lieben, zu begehren und bei ihm zu bleiben?

Innerlich hast du dich längst getrennt und deine Bemühungen, diese Trennung zu überwinden waren erfolglos. Das ist ok, akzeptiere das. Aus Schuldgefühlen und Pflichtgefühlen heraus bei ihm zu bleiben ist eiuch beiden gegenüber nicht fair. Mute es ihm zu und erhebe dich nicht über ihn, indem du meinst, ihn beschützen zu müssen oder zu können. Bist du wirklich sicher, dass du mehr aushalten kannst als er? Wie kommst du eigentlich darauf? Wie würdest du dich fühlen, wenn du erfährst, dass er nur aus Mitleid mit dir zusammengeblieben ist?
Darf ich fragen, was dich an der beziehung gestört hat (und das er entsprechend verändert hat)?
Viel Kraft wünsche ich dir/euch in dieser Situation...
 
  • #5
Man schlägt einem ja immer in die Magengrube, wenn man eine Beziehung beendet, in der man geliebt oder gebraucht wurde. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit, so wie Du das beschreibst. Ich könnte mir auch vorstellen, dass er das schon merkt, dass es zu Ende geht.
Schwierig und für ihn sehr schmerzhaft, aber ich finde Ehrlichkeit auch besser als Mitleid oder Aushalten.
 
  • #6
Ich war in derselben Situation. Er war auch meine erste Beziehung, wir waren lange zusammen, sogar verheiratet, Kinder, Haus - das volle Programm.
Mir graute auch vor dem Sex, obwohl er an sich ein guter Liebhaber war. Aber ich hatte keine Lust auf ihn. Als Person mochte ich ihn sehr, er ist ein toller Mann, aber geliebt habe ich ihn nicht/nicht mehr. Schließlich habe ich mich getrennt, nachdem ich einen anderen Mann traf, der alles in mir auslöste, was man auslösen kann. Ich bin ebenfalls nicht fremd gegangen. Bevor ich mit dem anderen Mann schlief, beendete ich meine Ehe. Es hing viel mehr daran als bei dir wegen der Kinder und des Hauses. Aber es war die richtige Entscheidung und ich bereute sie keinen Tag. Es war sehr hart für ihn, aber mittlerweile hat er auch eine neue Partnerin. Ich glaube, er würde mich immer noch zurücknehmen, wenn ich wollte. Aber das ist überhaupt kein Thema. Es ist wie bei dir: Ich mag ihn, aber er berührt mich nicht.
Wegen der Kinder haben wir viel Kontakt und können gut kommunizieren. Aber er wird mir vermutlich nie verzeihen, dass ich ihn nach so langer Zeit verlassen habe. Aber ich bin Anfang 40. Hätte ich den Rest meines Lebens so weiterleben sollen?
Ich kann durch gutes Einkommen für mich selbst sorgen, deshalb war die Trennung wirtschaftlich kein Problem. Ich genieße nun mein neues Leben, lebe alleine mit den Kindern (Wechselmodell), lebe meine neue Beziehung, die sehr glücklich ist und werde ganz bestimmt nicht in mein altes Leben zurückkehren.
 
  • #7
Liebe FS, mich erschüttert die Alternativlosigkeit mit der Du dir das Leben schwer machst. Du beschreibst eindrücklich die Konsequenzen des Aussitzens: Ich will nicht mehr mit ihm schlafen, mir ist jetzt schon schlecht bei dem Gedanken. Er erreicht dich nicht mehr, egal wie er sich bemüht.

Hast Du dir schon einmal Gedanken gemacht, wie sehr ihn die Erkenntnis verletzen wird, sich zur Rettung der Ehe zum Affen gemacht zu haben? Denn darauf läuft es hinaus, wenn einer Hoffnung hat und nicht weiß, dass der Zug längst abgefahren ist.

Hätte ich die Wahl, fände ich es fair zu erfahren wenn ich mir weitere Bemühungen sparen kann. Manchmal verändern sich Menschen und Liebe kann einseitig werden. Ich würde trauern über das Scheitern, aber verletzt wäre ich nicht. Ich wäre dankbar für diesen Rest von Achtung vor mir, mich nicht sinnlos an der Nase herum zu führen. Das würde ich brauchen, um in Frieden abschließen zu können.
 
  • #8
#1 Du hast recht, ich würde jedem meiner Freunde raten sich zu trennen auch wenn es schwer fällt.

#2 Ich kann noch nicht mal sagen das er gemein oder in irgendeiner Art und Weise unfair wäre. Er ist super lieb und würde alles tun damit ich bei ihm bleibe bzw. das ich glücklich bin. Wäre er anders würde es mir leichter fallen eine Entscheidung zu treffen.

#3 Ich bin mir sicher das ich mehr aushalte als er, da ich stärker bin. Er ist sehr sensibel und wie gesagt, er liebt mich abgöttisch. Aber ich weiß auch dass er nicht wollen würde, dass ich nur aus Mitleid mit ihm zusammen bleibe. Nur ist es, glaube ich, das einzige was mich hindert die Ehe zu beenden. Leider war ich schon immer so, dass ich, egal in welchen Bereichen meines Lebens, immer Rücksicht auf meine Mitmenschen genommen habe und selber zurück gesteckt habe.
Die Veränderung kam als vor ein paar Jahren seine Mutter gestorben ist. Das hat ihn total verändert und mich in Rolle der starken Person in unserer Beziehung gesteckt. Ich habe mich um alles alleine gekümmert. Vom Haushalt angefangen bis zu allem was zu einer Beziehung gehört.
Dann kommt dazu das wir im selben Haus wie mein Schwiegervater wohnen und dies eine zusätzliche Belastung für unsere Beziehung ist, da mein Mann sich noch nicht wirklich abgenabelt hat.
Es hat mich alles nicht gestört und habe einfach nur funktioniert.
Letztes Jahr im September bin ich morgens weinend aufgewacht und mir war plötzlich bewusst das es so nicht weiter gehen kann. Ein paar Wochen habe ich analysiert was schief läuft und bin dann für ca. zwei Wochen zu meinen Eltern gezogen um einen klaren Kopf zu bekommen. Ich entschied mich um meine Beziehung zu kämpfen und ihm die Chance zu geben sich zu ändern. Wir hatten lange Gespräche und er hat alles was mich gestört hat auch umgesetzt. Trotzdem bin ich seit ein paar Wochen wieder an dem Punkt nicht zu wissen ob ich bleibe oder gehe.

#4 Ich bin mir nicht sicher ob er es merkt. Unbewusst bestimmt aber er spricht es nicht an. Da ich beruflich viel Stress habe, schiebe ich meine keine Lust auf Sex haben da drauf und er fühlt sich beruhigt und denkt alles ist gut. Vielleicht hat er auch nur Angst vor meiner Antwort wenn er es anspricht.
 
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  • #9
Hallo Lara

Ich weiss genau wie du dich fühlst. Ich bin zur Zeit in einer ähnlichen Situation.
Mein Partner und ich sind zwar nicht verheiratet, haben aber vor Kurzem eine Wohnung zusammen gekauft. Auch bei mir haben sich die Gefühle geändert. Ich schätze ihn als Menschen sehr und er ist mein bester Freund. Aber mehr empfinde ich nicht für ihn. Auch ich bringe es nicht übers Herz mich zu trennen. Ich weiss, dass er leidet und dass es nicht fair ist, ihn hinzuhalten. Aber ich habe immer wieder diese - wohl ziemlich unsinnige - Gedanken, dass ich sein Leben zerstöre und ihm das Herz breche wenn ich mich trenne. Ich fühle mich schuldig und denke immer wieder, dass etwas mit mir nicht stimmt. Er würde fast alles für mich tun und bemüht sich um mich. Und das nicht erst, seit er weiss, wie ich fühle. Ich hoffe immer wieder, dass meine Gefühle für ihn wieder neu aufflammen. Eigentlich habe ich mit ihm alles was ich brauche - bis halt auf die romantischen Gefühle und das Bedürfnis, ihm körperlich nahe zu sein. Aber ist das wirklich so wichtig? Sind nicht das Vertrauen, die Geborgenheit und die Gespräche, die man mit seinem Partner führen kann das wirklich Wichtige? Manchmal denke ich, dass ich diesen Kompromiss eingehen sollte und mich damit abfinden muss, dass sich meine Gefühle geändert haben. Ich frage mich, ob ich nicht trotzdem glücklich werden kann in dieser Beziehung. Doch insgeheim weiss ich, dass ich ohne die romantischen Gefühle und die körperliche Anziehung wohl nicht zufrieden leben kann.
Einen Rat, was du tun sollst, kann ich dir nicht geben. Ich weiss es ja selbst nicht. Aber manchmal hilft es zu wissen, dass es anderen ähnlich geht, dass man nicht alleine ist.
Ich denke das Beste ist, weiter mit deinem Partner über die Situation zu sprechen. Vielleicht überlegt ihr euch beide, wie euer Leben in 10 Jahren aussehen würde, miteinander UND ohne den Partner. Was wären eure Wünsche? Familie, Freizeit, Beruf? Wie soll euer Leben aussehen, unabhängig mit welcher Person ihr eine Beziehung führt? Vielleicht siehst du in diesem Gespräch, dass er auch ohne dich noch eine Perspektive hat und dass du nicht für den weiteren Verlauf seines Lebens verantwortlich bist.
 
  • #10
Dein Mann ist also menschlich top, lieb, nett, gut im Bett usw. aber irgendwas fehlt dir. Bist du dir sicher dass du das erst nach 9 Jahren Beziehung und 2 Jahren Ehe hättest kommen sehen können? Weißt du überhaupt was genau dir in der Beziehung fehlt? Bevor du dir diese Fragen nicht beantworten kannst solltest du die Füße besser still halten. Ich persönlich schließe aus, dass es hier überhaupt mal "Liebe" gegeben hat. Mir scheint als wäre es eher ein Abhängigkeitsverhältnis gewesen. (in welcher Form auch immer) Wichtig ist dass du dies jetzt erkennst bzw. erkannt hast. Sonst könnten sich deine Beziehungsmuster in Zukunft ständig wiederholen.
 
M

Mio$Baby

  • #11
Einst war ich in einer ähnlichen Situation wie von Blair beschrieben. Erst später, als ich die Trennung vollzogen hatte, wurde mir bewusst, in welcher Schieflage die Partnerschaft war, und dass auch er einen grossen Anteil dazu beigetragen hatte. Im Moment sprechen deine Gefühle, doch bei genauerem Hinsehen wirst du möglicherweise mit etwas Distanz rationale Gründe erkennen. Es tragen immer zwei zum Gelingen einer Partnerschaft bei. Da du nichts von Kindern schreibst empfehle ich dir, gründlich zu überdenken, ob du versuchen willst, die Probleme mit deinem Mann anzusprechen und zu lösen und der Ehe nochmals eine Chance gibst, oder ob du gehen willst. Auf keinen Fall solltest du ausharren und jetzt Kinder in die Welt setzen.
 
  • #12
@lara und @Holly,
spürt mal bitte genau in euch hinein: Ist es wirklich so, dass der Noch-Partner es nicht aushalten würde? Woher wollt ihr das denn so genau wissen?
Oder ist es nicht vielleicht in Wirklichkeit so, dass ihr den damit verbundenen Schmerz nicht aushalten könnt/möchtet bzw. euch nicht zumuten wollt?

Ich frage das, weil ich (als Mann) alle diese Gedankenspiele und Grübeleien auch durch habe. (Ich habe viel zu viele Jahre in einer beziehung ohne echte Zärtlichkeiten, faktisch ohne Sex und körperliche Zuwendung gelebt und es Jahr für Jahr irgendwie ausgehalten, bis es einfach nicht mehr ging und ich vor ein paar Monaten endlich die Konsequenzen gezogen habe. Es ist durch die fehlende körperliche/sexuelle Zuwendung einfach eine gewisse Distanz entstanden bzw. geblieben und es hat mir ein wichtiges Element von Nähe und Verbindung gefehlt. Auch wenn fast alles andere gut oder sehr gut passte.)
Ich habe beim immer wieder Abwägen und Überlegen ( ob trennen oder es doch weiter versuchen) auch oft gefühlt und gedacht, ich könnte ihr das doch nicht antun. Aber ich entdeckte, dass tatsächlich noch etwas anderes hinter diesem Gefühl steckte: ICH konnte bzw. wollte es nicht aushalten, ihr Schmerz zuzufügen, ICH konnte/wollte das Gefühl nicht ertragen "schuldig" zu werden, ICH konnte/wollte nicht aushalten, sie zu verletzen und in eine Situation des Leidens zu bringen.

Aus meiner Erfahrung mit einer ganz ähnlichen Situation möchte ich noch folgendes dazu sagen: es gibt nur entweder Trennung oder aber aktiv etwas tun, um die verloren gegangene körperliche und emotionale Anziehung vielleicht doch wiederzufinden. (Irgendwie weiterwursteln und zusammenbleiben, ohne etwas gezielt zu ferändern, bringt nichts ausser verlorener Zeit und immer größeren Gewissensbissen. Die Hürde sich zu trennen, wird nicht kleiner mit der Zeit, sondern m.E. wird sie immer größer.)
Dazu werden aber beide etwas tun müssen, was bedeutet, dass man dem anderen auch das Problem so deutlich und ungeschminkt kommunizieren muss. Wenn Mann nicht (mehr) als Mann attraktiv ist, wird auch Mann etwas tun und verändern müssen im beiderseitigen Umgang - und ihr sehr wahrscheinlich auch. Ob da was geht, kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Was aber definitiv nicht funktionieren wird ist, dass ihr euch zwanghaft darauf konditioniert, ihn wieder als Mann begehrenswert zu finden.
 
  • #13
Liebe FS,
ich weiß nicht, wie lange Du noch so weitermachen willst und wieviel von deiner begrenzten Lebenszeit Du noch in einer unglücklichen Beziehung vertun willst.
Du merkst selber, dass der Leidensdruck sehr hoch ist für Dich und irgendwann wird Deine Gesundheit darunter leiden.

Du hast getan, was notwendig ist, Dich zurückgezogen, offene Gespräche mit Deinem Partner geführt, er hat vieles geändert, aber Deine Gefühle für ihn ändern sich nicht mehr. Du liebst ihn nicht mehr.
Ich kann das sehr gut verstehen. Du beschreibst einen schwachen Mann, der sicherlich einige gute Eigenschaften hat, die das Zusdammenleben mit ihm angenehm machen. Leider reicht das aber nicht für eine echte Partnerschaft.

Du bist mittlerweile erwachsen geworden (Miotte 30) und hast vermutlich andere Vorstellungen von einem Mann für eine gemeinsame Zukunft, möchtest einen gleichstarken Partner, auf den Du Dich auch mal verlassen kannst. Stattdessen hast Du einen Partner, der Dir jede Menge Last anhängt und trotz vieler Veränderungen die er ergriffen hat, ändert sich diese Basis nicht:
Die Veränderung kam als vor ein paar Jahren seine Mutter gestorben ist. Das hat ihn total verändert und mich in Rolle der starken Person in unserer Beziehung gesteckt. Ich habe mich um alles alleine gekümmert. Vom Haushalt angefangen bis zu allem was zu einer Beziehung gehört.
Dann kommt dazu das wir im selben Haus wie mein Schwiegervater wohnen und dies eine zusätzliche Belastung für unsere Beziehung ist, da mein Mann sich noch nicht wirklich abgenabelt hat.
Du bist eine von den Frauen mit einem Kümmerer-Gen, die schwachen Menschen alles abnehmen, ihnen nichts zumuten wollen. Das hat den Vorteil, dass Du in weiten Teilen bestimmst, wo es lang geht, aber eben auch den Nachteil, keinen Partner zu haben, auf den Du Dich mal verlassen kannst., sondern einen Mühlstein an Deinem hals. Nach vielen Jahren der Partnerschaft wird der Mühlstein nun zu schwer für Dich.
Gerade auch das enge Zusammenleben mit dem Schwiegervater, der nicht abgenabelte Partner, das ist nichts, was sich einfach ändern lässt und die Frage ist, ob es zwischen Euch was ändren würde - bezweifele ich, denn ihr habt das Maximum (ehrliche Gespräche) versucht. Ein Wegzug vom Schwiegervater wird bei Euch nichts mehr ändern.

Eure gemeinsame Zeit ist vorbei. Du wirst den Mut zur Trennung aufbringen müssen, wenn Du willst, dass es Dir besser geht. Das nimmt Dir keiner ab.
 
  • #14
Das:
Das hat ihn total verändert und mich in Rolle der starken Person in unserer Beziehung gesteckt. Ich habe mich um alles alleine gekümmert. Vom Haushalt angefangen bis zu allem was zu einer Beziehung gehört.
...
Wir hatten lange Gespräche und er hat alles was mich gestört hat auch umgesetzt.
beisst sich aber etwas mit dem:
Dann kommt dazu das wir im selben Haus wie mein Schwiegervater wohnen und dies eine zusätzliche Belastung für unsere Beziehung ist, da mein Mann sich noch nicht wirklich abgenabelt hat.
Es ist sehr schwer, eine Beziehung aus einer solchen Schieflage herauszuführen und auch da spreche ich aus eigener Erfahrung. Ich weiß nicht mal, ob das überhaupt machbar ist innerhalb einer bestehenden Paarbeziehung. Er muss ja quasi "erwachsen" werden und zu einem "richtigen Mann" (abgenabelt, selbständig, mit eigenem, stabilen Selbstwert) reifen und dabei seine bestehende Abhängigkeit und vermutlich auch Bedürftigkeit von dir überwinden. Parallel dazu spielst du in der Beziehung ja in gewisser Weise eine Mutterrolle - so stellt es sich mir jedenfalls dar. Dass du (bzw. dein Unterbewusstsein) keine Lust hast, mit deinem "Sohn" Sex zu haben, ist übrigens völlig normal.
Selbst wenn ihr beide es schaffen solltet, die bestehende Mama/Sohn- in eine Frau/Mann-Beziehung umzuwandeln, gibt es natürlich null Garantie, dass du ihn dann wieder sexy und begehrenswert findest.
 
  • #15
Ich war selbst in dieser Situation. Und ich behaupte, viele Paare um die 30, die schon rund 10 Jahre zusammen sind, kennen solche Phasen. Ich kenne zumindest einige, und auch wenn es hier im Forum anders klingt: Nicht wenige haben ihre Entscheidung zu gehen später bereut. Ich bin froh, dass ich damals meine Familie und meinen Mann nicht aufs Spiel gesetzt habe. Gefühle kommen und gehen und verändern sich. Lass dir Zeit - vielleicht sehen deine Gefühle für ihn in einem halben Jahr anders aus? Viel zu schnell wird immer auf Selbstverwirklichung, Egoismus usw. gedrängt und viel zu schnell werden langjährige Partnerschaften und Beziehungen wieder beendet - versuche zu analysieren: Was verbindet euch, was macht euch als Paar aus? Was hast du an deinem Partner gemocht? Und sind diese Stärken vielleicht doch wert, für sie zu kämpfen? Viele verlangen, dass ihr Partner in ihnen nach langen Jahren die frischen Verliebtheitsgefühle hervorruft - meiner Meinung nach ist das unrealistisch. Ich zumindest habe die Erfahrung gemacht, dass man sich mit einer stabilen Familie an der Seite sogar besser selbst verwirklichen kann als auf der ständigen Suche nach Verliebtheit und Romantik.
 
  • #16
Liebe FS,

da läuft es mir schon beim Lesen eiskalt den Rücken hinunter. Dein Mann müht sich einen ab, um die Ehe zu retten, und Du bist nach Deinen eigenen Worten nur noch aus Mitleid mit ihm zusammen, Dir graut gar vor dem Gedanken, er könnte Sex mit Dir wollen im gemeinsamen Urlaub. Mir wird wirklich schlecht, wenn ich sowas lese. An seiner Stelle würde es mich sehr verletzen, all dies im Nachhinein zu erfahren.

Wie einer meiner Vorschreiber bereits sehr richtig schrieb: Deine Angst ist nicht, ihn zu verletzen, sondern seine Reaktion nicht zu ertragen und auszuhalten. Die Entscheidung selbst ist doch längst getroffen. Oder glaubst Du, Du wachst eines Morgens auf und alles ist wieder gut? Vergiss das mal ganz schnell und bereite diesem Trauerspiel endlich ein Ende. Gib Deinem Mann die Chance, einen Menschen zu treffen, der ihn aufrichtig liebt.

"Leider war ich schon immer so, dass ich, egal in welchen Bereichen meines Lebens, immer Rücksicht auf meine Mitmenschen genommen habe und selber zurück gesteckt habe."

Das Schlimme daran ist, dass solche Menschen gerne denken, sie seien besonders nett und rücksichtsvoll und dass sie nicht verstehen, wie sie ihr Gegenüber nach Strich und Faden vera.....n und gar offen anlügen. An diesem "Selbst-zurück-stecken" solltest Du vor allem im eigenen Interesse dringend arbeiten.
 
  • #17
Zu der Zeit, als ihm sagte das meine Gefühle nicht mehr reichen, hat er sich fast kaputt gemacht, nicht gegessen nicht geschlafen usw. ..
Er macht mir ständig Komplimente und sagt wie sehr er mich liebt aber es berührt mich nicht mehr. ...
...Gibt es jemanden der ähnliche Erfahrungen gemacht hat?
Hallo Lara,

natürlich, diese Erfahrungen macht fast jeder einmal, leider wird meistens nicht verstanden, was sie zu bedeuten haben:

Es geht in solchen Fällen meistens nicht darum, dass der Partner irgendwas falsch macht oder gar der Falsche ist, und dass sich deswegen die Gefühle für ihn verändert haben. Es ist auch nicht so, dass "die Liebe" aus mysteriösen Gründen einfach verschwunden ist.

Es geht darum, dass die Beziehung sich in einer Weise so "verschoben" hat (das kann durch äußere Umstände, Krankheit, Arbeitslosigkeit... sein), dass einer der beiden attraktiver, erfolgreicher, unabhängiger usw. wird. Der andere wird dann fast automatisch mehr klammern, nachlaufen, "perfekt sein wollen", Komplimente machen, verzweifelt sein, und stößt genau dadurch seinen Partner automatisch immer mehr ab - und das bezieht sich insbesondere auf den sexuellen Bereich. Der andere klammert dann noch mehr... der allerschönste Teufelskreis.

Die gute Nachricht ist, dass diese Schieflage korrigiert werden kann, und dass dann auch die richtigen Gefühle "zurückkommen". Insofern finde ich unverantwortlich, wie hier wieder sofort für Trennung plädiert wird. Professionelle Hilfe ist allerdings wahrscheinlich unumgänglich, aber das Geld sollte einem die Sache doch wert sein, oder?

manchmal