• #1

Sollte man an einer Beziehung festhalten, obwohl man nicht zusammen passt?

Prinzipiell bin ich ja der Meinung, man sollte an einer Beziehung arbeiten und nicht gleich die berüchtigte Flinte ins Korn werfen.
Doch die Unterschiede treten immer deutlicher zutage, betreffen auch nur Oberflächlichkeiten, was allerdings immer mehr dazu führt, dass jeder eher sein Leben führt.
Der eine ist eher bodenständig, arbeitet gerne im Garten, kocht jede Mahlzeit, liebt schnelle Autos und verbringt jedes Wochenende und jeden Urlaub im Elternhaus. Der andere Part ist wurzellos, ist gerne mal unterwegs, gerne auch mal alleine, liebt Outdooraktivitäten wie Bogenschießen im Wald und sieht seine Familie vielleicht alle 2-3 Monate.
Es ist kein richtiges Problem. Eher Gejammer auf hohem Niveau.
Aber wo soll das hinführen?
Gibt es hier jemanden, der sich von seinem Partner stark unterscheidet und schon lange zusammen ist und evtl von seinen Erfahrungen berichten kann?
 
  • #2
Sollte man an einer Beziehung festhalten, obwohl man nicht zusammen passt?
Prinzipiell bin ich ja der Meinung, man sollte an einer Beziehung arbeiten und nicht gleich die berüchtigte Flinte ins Korn werfen.
Doch die Unterschiede treten immer deutlicher zutage, betreffen auch nur Oberflächlichkeiten, was allerdings immer mehr dazu führt, dass jeder eher sein Leben führt.
Wenn es nicht passt, wird es auch niemals passen, dann sollte man gehen, alles andere ist Krampf, Kampf, leiden und Zeitverschwendung!
Es ist kein richtiges Problem. Eher Gejammer auf hohem Niveau.
Doch es ist ein großes Problem, mit schönem Reden kommst du nicht weiter.
Garantiert zur Trennung und später bereut man es, warum man es nicht schon früher gemacht hat.
Gibt es hier jemanden, der sich von seinem Partner stark unterscheidet und schon lange zusammen ist und evtl von seinen Erfahrungen berichten kann?
Wenn andere Menschen bleiben und leiden was bringt dir das? Das einzige was hilft auf dein Bauchgefühl zu hören, dein Bauchgefühl kennt die Antwort und handle danach. Nicht umsonst wendest du dich mit deinem Problem hierher!
 
  • #3
Wenn beide die Unterschiede schätzen oder sich zumindest nicht daran stören, ist es kein Problem. Wenn du aber einen Partner willst, der dir IN DEN GENANNTEN PUNKTEN ähnlich ist, hast du nicht das was du möchtest. Dann hast du im Inneren einen dauerhaften Konflikt oder im Außen mit deinem Partner, weil er nicht so ist wie du es möchtest. W,33
 
  • #4
Mich stört es nicht, würde es nicht gut finden, (fast) alles nur gemeinsam zu unternehmen. Wirklich schwierig sind direkte Probleme des Zusammenlebens wie Geld, Ordnung, Sauberkeit.
Solange man oft genug miteinander spricht und auch mal Dinge gemeinsam macht, ist es doch in Ordnung. Aber da tickt jeder etwas anders.
 
  • #5
Wenn beide identische Interessen haben, ergibt sich eine symbiotische Beziehung, bei der jede Entwicklung zum Stehen kommen.

Unterschiede bereichern das Leben. Und durch neue Einflüsse und Sichtweisen gewinnen wir an Tiefe. Selbst dann wenn wir unsere Haltungen nicht ändern.

Problematisch für Beziehungen sind Unterschiede dann, wenn es um grundsätzliche Fragen geht, wie Kinder, Heiraten, Hausbau oder eben keine Kinder, lose Beziehung, Flexibilität und örtliche Ungebundenheit.

Aber ob jemand nun Fussball schaut oder sich die Hände beim Kosmetiker machen läßt, das alles nur eine Sache der gegenseitigen Toleranz. Man muss halt verstehen, dass man auch in der Beziehung zwei unterschiedliche Menschen bleibt, die unterschiedliche Interessen haben können und Freiräume haben dürfen.

Schön ist es aber, wenn man neben den Unterschieden auch einpaar Gemeinsamkeiten hat, die man gemeinsam genießen kann.
 
  • #6
Hallo,

auf irgendeiner Ebene, in irgendeinem Bereich, müsst ihr euch doch mal gut verstanden haben. So dass beide gesagt haben, "der/die ist es!". Welche Ebene war das?
Kann man diese Gemeinsamkeit, die ihr mal hattet, reaktivieren?

Dich stört erheblich seine Nähe zu seiner Familie. Kann ich verstehen. Mir wäre das "jedes Wochenende" auch viel zu viel.
Dich stört seine Introversion, während du die Welt sehen möchtest.
Das ist schon eine ungünstige Konstellation.

Ihr müsstet euch aufeinander zubewegen. Der eine könnte es schätzen, dass der andere gerne kocht/grillt und ein wohliges Zuhause schafft mit schönem Garten. Er könnte dieses Momente lieben. Der andere könnte sich mitreissen lassen bei Aktivitäten und besonderer Freizeitgestaltung neben dem Alltag, welche der andere organisiert und beiderseits befriedigend und schön gestaltet.
 
  • #7
Unterschiedliche Interessen können bereichernd sein, aber es gibt unterschiedliche Bedürfnisse, die nicht kompatibel sind.
Schwierig wird es bei:
-unterschiedlichen Nähe-Distanz-Bedürfnissen
-wenn einer Zärtlichkeit und Berührung mag und der andere eher kühl ist
-wenn einer zusammenziehen möchte und der andere nicht
-wenn einer Kinder möchte und der andere nicht
-wenn einer lösungsorientiert kommuniziert und der andere schweigt oder cholerisch wird

Das sind einige Beispiele, wo eine Trennung sinnvoller wäre.
 
  • #8
Dein Beitrag bewegt eine große Frage in mir.
Kann Beziehung nur gelingen, wenn man zu 100% das selbe Leben teilt? Mich erschrecken Beiträge wie deine. Ich persönlich kann Menschen gut lassen. Ich finde es wunderbar wenn mein Partner seine Hobbys hat und Dinge tut, die ihn glücklich machen und ihn erfüllen. Natürlich wünsche ich mir eine gewisse Schnittmenge und einen respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Dennoch sollte mein Partner ein Individuum bleiben, der innerhalb der Partnerschaft auch noch "seins" leben darf. Das muss doch möglich sein ohne in dem anderen ein Mangelgefühl auszulösen?! Damit meine ich explizit nicht die Menschen die nach dem Motto ICH, MEINS und MIR leben. Ich sehe aber immer mehr Partnerschaften, in denen es um Macht und Rechthaben geht. Da zwingt der bedürftige Partner dem anderen sein Leben auf, erlaubt keine Freiräume und verlangt, das seine Hobbys oder Freizeitplanung vorrangig ist. Für mich hat das mit Liebe wenig zu tun. So wie du das schilderst, verstehe ich das Problem nicht. Genieße die Schnittmenge, und freue dich für den Partner, dass er Dinge in seinem Leben hat, die ihn Glücklich machen. Geht das nicht, hinterfrage ehrlich deine Gefühle. Was erwartest du und warum brauchst du das Gefühl der absoluten Symbiose?! Die wird es nämlich niemals geben. Wenn man sich in einer Partnerschaft so sehr verbiegen musst (und das gilt für beide), dann kreiert man Leiden und am Ende gibt es Krieg um Belanglosigkeiten.
 
  • #9
Wie Carpe schon sagt, es geht um ein ähnliches Nähe-Distanz-Bedürfnis.

Wenn sich beide im gleichen Maße Zeit für sich selbst und Paarzeit wünschen und brauchen, passt es hervorragend.

Dann kann in Deinem Beispiel der eine in der Einzel-Zeit seine Eltern besuchen und im Garten arbeiten, während der andere allein mit seinem Bogen durch den Wald streift. Im besten Fall freuen sich beide danach auf einander und die gemeinsame Zeit.

Irgendwann fanden sich die beiden gegenseitig spannend und attraktiv. Hier sollten die beiden aufpassen, die Gemeinsamkeiten nicht zu verlieren.

Ich kenne viele Paare, z.B. er sehr durch Arbeit eingespannt, sie Hausfrau; er semi-professioneller Sportler, sie Couchpotatoe; Sie stark engagiert in Vereinsarbeit oder gesellschaftliches Engagement, er Stubenhocker.
Wichtig ist, dass der andere sich auch ohne Partner beschäftigen kann, dass die Gemeinsamkeiten durch Rituale, feste Termine nicht verloren gehen und beide verstehen, welches Glück sie mit dem Partner haben, der dies mit trägt bzw. etwas ganz anderes in das eigene Leben bringt.
 
  • #10
Hi,
Also solange man die gleichen langfristigen Ziele hat, können sich die Differenzen wunderbar ergänzen. Ich bin z.B. eigentlich aktiv und sorge dafür, dass wir den Hintern hochbekommen, und mein Partner zügelt mich manchmal, wenn ich wieder alles auf einmal und viel zu viel will. Ich bin quasi für Public Relations zuständig, weil sehr extravertiert, er für Finanzen und Heimwerken, mal ganz grob zusammengefasst. Bis zu einem gewissen Punkt, den jeder selbst finden muss, gehört das zu einer Beziehung, die Persönlichkeit des anderen zu respektieren, auch wenn man sich manchmal die Haare raufen könnte :D
w35
 
  • #11
... was allerdings immer mehr dazu führt, dass jeder eher sein Leben führt.
Unabhängig von Erfahrungen ist dieser Satz entscheidend.

Alltagsroutine führt eher zu einer Vertiefung solcher Differenzen. Rücksichtnahme und Toleranz schleifen sich dann ab. An ihre Stelle treten Frust oder schlimmer Gleichgültigkeit. Dann ist die Trennung überfällig.

Wenn ihr das abwenden wollt müsst ihr an eurer Beziehung arbeiten. Das bedeutet, dass man ausgewogen Vorlieben des anderen teilt und etwas allein für sich macht. AUSGEWOGEN!

Wenn Kommunikationsstörungen dies behindern hilft ggf. Paartherapie. Auch diese kann in eine Trennung führen. Wird sie von einer Seite verweigert kann man eigentlich mit der Trennung beginnen.

Wichtig ist ob und auch welche Pläne ihr habt. Z.B. Kinder. Mit Kindern ist Häuslichkeit und gut familiäre Vernetzung ein Geschenk. Verwandte die mal einspringen können in Krise und Krankheit entlasten oder dir auch einmal Freiraum für Bogenschießen im Wald verschaffen. Ähnlich ist es bei einem gemeinsamen Hausbau oder Immobilienkauf.

Beschränken sich eure Pläne auf getrennte Urlaube hat @INSPIRATIONMASTER recht. Dann trenn dich.
 
  • #12
Wir tun nichts "sollen" müssen! Das ist falsche Eitelkeit, um irgend jemandem etwas zu beweisen, der nicht gut für uns ist!
Es ist doch hier eine Frage, ob du 10 Jahre mit deinem Partner zusammen bist und leidest, oder erst 3 Monate und noch keine Beziehungshürden durchlebt hast und keine Ausdauer hast.

Die Tatsache ist aber, wenn Frauen schon solche Fragen stellen, dass längst was im Busch ist – länger, als dass es gut für sie wäre.


Prinzipiell bin ich ja der Meinung, man sollte an einer Beziehung arbeiten und nicht gleich die berüchtigte Flinte ins Korn werfen.
Man muss auch sich selbst gerecht werden und sich noch in den Spiegel gucken können! Viele Frauen können das nicht mehr, weil sie sich längst unter Wert verkauft haben und eben "mitmachen", was der Mann so will. Für manche Männer ist es auch "die Flinte ins Korn werfen", wenn du sie nach 20 Jahren (zu Recht) verlässt. Es ist doch alles nur ein Ausdruck der Macht, um dir Schuldgefühle einzubläuen.

Der eine ist eher bodenständig, arbeitet gerne im Garten, kocht jede Mahlzeit, liebt schnelle Autos und verbringt jedes Wochenende und jeden Urlaub im Elternhaus. Der andere Part ist wurzellos, ist gerne mal unterwegs, gerne auch mal alleine, liebt Outdooraktivitäten wie Bogenschießen im Wald und sieht seine Familie vielleicht alle 2-3 Monate.
Lustig! Ich finde das doch sehr similiar. Wie kommst du darauf, dass jemand wurzellos ist, weil er gerne mal unterwegs ist oder Outdoor liebt? Das ist ja unerhört! Man kann seine Wurzel auch überall auf der Welt haben, nicht nur in seinem kleinen Heimchen, wo nichts passiert und man bequem in seiner Komfortzone lebt.

Musst du selbst wissen, ob du dich trennst und warum! Warum brauchen Frauen immer erst eine Erlaubnis dafür?
 
  • #13
Das ist bei allen Paaren anders. Man kann sich mit Unterschieden arrangieren oder sich sogar gegenseitig bereichern. Statistisch sind viele Unterschiede jedoch häufig ein Trennungsrisiko. Gemeinsamkeiten binden viel mehr auf Dauer (mit symbiotisch hat das auch nichts zu tun; man kann sich sehr ähnlich sein und trotzdem hat jeder Zeit für sich). Der springende Punkt ist, ob es einen der Partner stört oder der Respekt vorm anderen verlorengeht, wenn der „nur schnelle Autos mag“ etc. Bewundert man auch auf Dauer die Dinge, die der andere macht, oder sein gutes Verhältnis zur Familie, führt das nicht zu Spannungen. Da du diese Frage hier stellst, ist aber eigentlich schon klar, dass dich das frustriert, und das wird wohl auf Dauer nicht besser... es ist letzten Endes deine Entscheidung, ob du damit zufrieden bist.

W,35
 
  • #14
Vielen Dank erstmal für eure Anregungen, die haben mich sehr zum nachdenken gebracht.

Zum einen bin ich diejenige, die manchmal "Freiraum" für sich beansprucht. Wenn ich den ganzen Tag in der Schule vor Klassen stehe, brauche ich auch einfach mal Momente, in denen ich mich "unbeobachtet" fühlen darf - das geht in seinem Elternhaus für mein Empfinden, da es eher ein aktives WG Leben mit gemeinsamen Mahlzeiten etc ist, kaum.

zum anderen ist sein Elternhaus dahingehend ein Problem, dass seine Mutter kleptomanisch, bulemiesüchtig und schizophren ist und sowohl seine Eltern sich ständig anschreien, als auch er auf Seiten seines Vaters auch mal mitschreit.
Ich hatte, als sie verbal auf mich losging, sogar einen Nervenzusammenbruch. Ich konnte nicht mehr, wollte nicht mehr hin, konnte zwei Nächte vor dem Wochenende nicht mehr schlafen, weil sich in mir solche Panik festgesetzt hatte.
Ich hatte sie, wenn ich mit dabei war ignoriert, beim Essen nicht angeschaut, nicht auf das reagiert, was sie sagte, etc.
Sowohl mein Freund als auch sein Vater haben mich belabert, ihr noch mal zu verzeihen, weil sie ja psychisch krank sei und nichts dafür könne.
Ich habe widerwillig und gegen meine eigene Überzeugung nachgegeben. Seitdem verstärkt sich meine Abneigung gegen dieses Haus immer mehr. Ich will nicht mehr hin, suche Ausreden bzw kann mich dort auch wirklich nicht auf meine Arbeit konzentrieren, weil jeden Tag geschrien wird.
Mein Freund kränkt das. Ich sage ihm ganz offen, dass die Abneigung in mir gegen sein Elternhaus, das ich mit seiner Mutter gleichstelle, wächst. Ich soll aufpassen, was ich sage, damit ihr das nicht zum Anlass gereicht, einen neuen Streit vom Zaun zu brechen, also sage ich nichts. Das wird mir wiederrum genauso vorgeworfen, da ich dann den Tag vorwiegend schweigend verbringe.
Dann bringt seine Mutter Äußerungen wie dass aufgrund des Ferienbeginnes wohl viel Stau zwischen München und Saudi Arabien wäre. Ich konnte mir die Aussage, dass sich die Hamas darum kümmern werde, nicht verkneifen.

Wenn ich sage, dass ich nicht mehr meine gesamte Freizeit in diesem Haus verbringen möchte, hört er nur, dass ich sie nicht mit ihm verbringen möchte. Dabei habe ich versucht ihm zu erklären, dass ich ihn nicht mit seinen Eltern gleich setze. Doch er sagt, sie sind Teil seines Lebens, also auch von ihm.
Er meint er hätte keine andere Wahl, da er seinen Vater nicht alleine mit seiner Mutter und mit dem Haus, das ihm gehört lassen kann. Das kann ich nachvollziehen. Aber dann muss er mir auch das Recht zugestehen, dass ich dem Ganzen gelegentlich entfliehe, mal bei meiner Schwester übernachte etc.
Ich kann nicht die ganzen Schulferien - und die Sommerferien stehen bald noch an - in diesem Haus zubringen!!
Letztes Jahr hatte ich mir dadurch Inseln geschaffen, indem ich ehrenamtlich beim Ferienspaß gearbeitet habe. Aber ein wenig mehr Erholung wäre mir sehr recht.
 
  • #15
Wenn ich sage, dass ich nicht mehr meine gesamte Freizeit in diesem Haus verbringen möchte, hört er nur, dass ich sie nicht mit ihm verbringen möchte.
Danke für Deinen ausführlichen Situationsbericht! Ich kann 100%ig nachvollziehen, die Du Dich fühlen musst.
Das Problem bist nicht Du, sondern Dein Freund und die Beziehung zu seinen Eltern. Er hat sich niemals abgenabelt, vermutlich fühlte er sich schon als Kind verantwortlich für seine Mutter. Oder ihm wurde diese Verantwortung aufgedrückt.
Wie auch immer, er hat anscheinend keinen Leidensdruck und denkt nicht daran, irgendetwas zu verändern. Außer, Dir den Schwarzen Peter zuzuschieben...
Puh, schwierige Situation für Dich! Wenn das so bleibt, wird Deine Liebe über kurz oder lang erlöschen.
ErwinM, 50
 
  • #16
Im Grunde geht es darum, wie Du mit der schwerst chronisch kranken Mutter Deines Freundes umgehen willst/sollst und um den Aspekt, dass Eure Beziehung wegen seiner kranken Mutter kriselt.

Nach deinen Angaben viel lauter Streit... Vater und Sohn scheinen nicht zu wissen, wie sie mit der kranken Mutter umgehen können. Jetzt wirst Du auch noch in das kranke Familiensystem mit reingezogen.

Es gibt Beratungsstellen und Angehörigenvereine für Angehörige psychisch kranker Menschen. Die haben sicher Tipps für Euch.

Es ist sehr gesund, dass Du Dich abgrenzen willst. Es gibt keinen Grund, warum Du dort wöchentlich Zeit verbringen und Deine Lebenszeit verschwenden sollst. Hast Du ein Helfer-syndrom? Beschränke den Kontakt auf ein Mindestmaß.
Es ist die Erkrankung der Mutter. Sie soll ihre Therapien einhalten. Wenn der Vater sich entscheidet, ihr beizustehen und zuhause zu versorgen, ist das seine Entscheidung. Das bedeutet aber nicht, dass das alle anderen auch müssen.

Wenn Dein Freund das nicht akzeptiert, geht das mit euch beiden nicht.
Wenn es Dir zu wenig Beziehungszeit ist, weil er ständig bei Mami und Papi sitzt, geht es auch nicht...
Hört sich für mich auch danach an, dass er sich noch nicht vom Elternhaus abgenabelt hat und keine guten Streitgespräch führen kann. Das wäre schlecht für die Beziehung.
 
  • #17
Das Problem ist hierbei, dass sich sowohl mein Freund als auch der Vater als Opfer fühlen. Sie kriegen die Mutter weder dazu auszuziehen, noch Scheidungspapiere zu unterzeichnen und sagen nur "ja, was soll ich denn machen".
Sein Vater hat schon so optimistische Äußerungen gebracht wie "bevor die Scheidung durchginge, hat die Alte ihn mit ihrem Psychoterror ins Grab gebracht. Auch mein Freund sieht sich in einer auswegslosen Situation und bemitleidet sich selbst.
Jeder andere hätte einfach mal die Schlösser ausgetauscht. Ich empfinde sehr viel Mitleid für beide,kann es aber kaum glauben, dass es keinen Ausweg geben soll
 
  • #18
Dein Partner ist so großgeworden und es sind seine Eltern. Die psychische Krankheit seiner Mutter ist eben in seinem Leben.
Ich weiß von so einem Fall, wo es auch um Aggressionen ging und wo es nur an den Medikamenten lag, weil die entweder als Depotspritze nicht gleichförmig wirkte oder die Dosis der Tabletten zu hoch/niedrig war oder einfach eine andere Tablettensorte hätte ausprobiert werden müssen, aber nicht ausprobiert wurde. Vielleicht ist es bei dieser Frau auch die Bulimie, dass Tabletten gar nicht genommen werden können, da sie die Wirkstoffe wieder erbricht. Darum müssten die sich aber selbst kümmern, also Mann und Sohn. Es wäre nur tragisch, wenn die Frau ein ganz anderes Leben führen könnte. Jedenfalls würde ich sagen, dass dort alle überfordert sind.
Aber Du kannst nichts dafür, Du kannst nichts tun und Du bist auch nicht nur dafür da, die Stütze Deines Partners zu sein. Klar, wenn man liebt, dann geht man durch Dick und Dünn, aber es sieht für mich so aus, als ob Du selbst schon da bist, wo es zum seelischen Problem nicht mehr weit ist. Immerhin grenzt Du Dich schon so weit ab, dass es geht, aber wie Du schreibst, Dein Partner versteht das falsch und sieht es als persönliche Ablehnung. Und hier denke ich, dass er Dich als seinen dritten Arm sieht - Du sollst, damit er sich geliebt fühlen kann, über Deine Grenzen gehen und funktionieren, damit er funktionieren kann. Du sollst Dich zusammennehmen und so agieren, als seiest Du ein Teil dieser Familie und müsstest Dich den Bedingungen, die Vater und Sohn leben, selbst auch anpassen. Wenn Du das aber nicht willst, ist es Dein Recht, auch zu gehen bzw. Deine Grenze zu setzen, damit Dein "Restleben" nicht soweit beeinträchtigt wird, dass Du z.B. im Beruf den Bach runtergehst.
Sie kriegen die Mutter weder dazu auszuziehen, noch Scheidungspapiere zu unterzeichnen
Ich hätte schon erwartet, dass die beiden sich erstmal um einen Termin beim behandelnden Arzt kümmern oder selbst dem eigenen Arzt schildern, wie die Lage ist, und zu fragen, was man tun kann, statt die Frau einfach wegschieben zu wollen. Ich finde Scheidung natürlich legitim, aber ich versteh irgendwie nicht, wie man sich so verhalten kann, sich so sehr anpassen, aber so hilflos sein kann und als einzigen Ausweg Kompletttrennung sieht, statt erstmal Unterstützung durch die Ärzte zu holen. Vielleicht haben sie es ja schon gemacht, aber für mich klingt es nicht so.

Also vielleicht - wenn Du das willst - könntest Du da mal einen anderen Weg aufzeigen als sowas wie Schlösser austauschen. Wo soll die Frau denn hin, sie wohnt doch da? Der Vater redet furchtbar über sie und scheint nicht mal in Betracht zu ziehen, dass es auch die falsch eingestellten Medikamente sein könnten. Haben die sich denn schonmal drum gekümmert, selbst Hilfe zu bekommen als Angehörige von psychisch Kranken?
 
  • #19
Dann bringt seine Mutter Äußerungen wie dass aufgrund des Ferienbeginnes wohl viel Stau zwischen München und Saudi Arabien wäre. Ich konnte mir die Aussage, dass sich die Hamas darum kümmern werde, nicht verkneifen.
Jeder andere hätte einfach mal die Schlösser ausgetauscht. Ich empfinde sehr viel Mitleid für beide,kann es aber kaum glauben, dass es keinen Ausweg geben soll
Ich muss sagen, ich bin erschüttert über euren Umgang mit der Mutter Deines Freundes. Lt. Deinen Angaben hat die Frau eine diagnostizierte schwere Geisteskrankheit, welche dringend ärztlicher bzw. medikamentöser Behandlung erfordern. Von einer Pädagogin wie Dir, hätte ich andere Vorschläge wie "einfach mal die Schlösser austauschen" und die kranke Frau draußen ihrem Schicksal zu überlassen, erwartet.
Sein Vater hat schon so optimistische Äußerungen gebracht wie "bevor die Scheidung durchginge, hat die Alte ihn mit ihrem Psychoterror ins Grab gebracht.
Ich denke, die Frau wäre in ihrem eigenen Interesse tatsächlich in einem betreuten Wohnen oder stationären Einrichtung besser aufgehoben. Ansonsten schlage ich vor, Du verbringst einfach Deine kostbare Freizeit nicht mehr in diesem Haus und Dein Freund kommt zu Dir.
 
  • #20
Ich könnte Dir ausführlich schreiben, mit mehr Empathie.

Ich fasse mich kurz.
Er wird sich aus dieser Situation nicht lösen. Keiner wird sie verändern. Du als Außenstehende erst recht nicht.Das müsste die Mutter, sie tut es nicht. Kein Leidensdruck.

Du sollst Dich integrieren. Das wird Dich Stück für Stück mehr belasten, auch nachhaltig beschädigen.

So hart es ist, die einzige Lösung ist zu gehen.
Ist es Dir zu hart, kannst Du Deinem Partner konkret Deine Grenzen benennen, Du betrittst dieses Haus nicht mehr, Du stellst ihm ein Ultimatum, dass er sich heraus löst.
Mit der Konsequenz , dass Du ohne diese konkreten Änderungen beendest.

Der längere Weg mit gleichem Ergebnis.

Toxische Familienkonstrukte kann man nicht von außen heilen.

M, 54
 
  • #21
Toxische Familienkonstrukte kann man nicht von außen heilen.
Tja wenn du nicht neben Vater und Sohn die dritte Koabhängige von Mutti werden willst und vermeiden willst, dass du selbst massive psychische Probleme bekommst solltest du den Ratschlag von @Aries befolgen.

Ich denke deine Vorgängerinnen sind ähnlich verfahren. Deinem Freund war dies keine Lehre. Daher vergiss es ihn retten o.ä. zu können.
 
  • #22
Was du nachgereicht hast, wirft ein völlig anderes Licht auf die Situation.
Die Familie muss sich Hilfe holen um eine Lösung zu finden. Ich würde mich einfach fern halten, denn du kannst dich dieser Situation schlecht anpassen ohne selber darunter zu leiden. ABER ich glaube auch, dass da noch mehr im Busch ist und die Mutter nur die Spitze des Eisberges. Die Beziehung zu diesem Mann will dir etwas über deine eigenen Muster sagen. Schaue da hin! Reibe dich nicht daran auf, die Mutter oder die Situation im Elternhaus ändern zu wollen. Ich habe keine Ahnung ob die Mutter Hilfe in Anspruch nimmt, das ist aber ihre Verantwortung, die kann ihr keiner abnehmen. Wenn der Vater da bleibt, wird das Gründe haben. Heute kann man sich durch aus auch ohne die Einwilligung des Partners scheiden lassen. Das geht dann zwar nicht so einfach durch ist aber möglich. Ich denke die Familie hängt in ihren Strukturen fest. ES ist ihre Verantwortung. Eine kranke Frau aus dem Haus zu werfen und dann zu hoffen das alles gut wird, kann kaum die Lösung sein. So viel Empathie solltest du als Pädagogin schon haben. Die Mutter ist das Symptom, die Krankheit hat aber andere Ursachen. Irgendwie deucht mich, das die Beziehung innerhalb der Ursprungsfamilie da nicht gänzlich unschuldig daran ist.
 
  • #23
Die Kombination Psychosen und Bulimie erinnert mich an eine schlechte Exbekannte, deren Hauptproblem nicht selbstreflektiertes Borderline war.

In ihrer Herkunftsfamilie lagen einerseits die Ursachen für ihr Problem, andererseits haben Teile der Familie sie gestützt und weitere Teile der Familie sie gemieden. Klar auf den Punkt gebracht hat es nur im Ramen seiner Trennung der immer noch Ehemann. Der ist mehr oder weniger geflohen.

Eine kranke Frau aus dem Haus zu werfen und dann zu hoffen das alles gut wird, kann kaum die Lösung sein. So viel Empathie solltest du als Pädagogin schon haben. Die Mutter ist das Symptom, die Krankheit hat aber andere Ursache.
Die Ursachen sind irrelevant. Die Mutter ist der Mittelpunkt eines toxischen Familienlebens. Entweder sie wird entfernt, was rechtlich schwer durchsetzbar ist oder man entfernt sich von ihr. Rücksichtnahme verdienen nur jene die selbst in der Regel respektvoll auftreten.

Dieser Thread würde auch gut zum Altlastenthread passen. @Metin B ist ja selbstreflektierender Borderliner. Wäre interessant wie seine Sicht auf diesen Fall ist.
 
  • #24
Vielen Dank für eure Ansichten und Ratschläge.

Ich bin gestern gegangen. Es war furchtbar.
Dass sein Vater mich beim Auszug angeschrien und seine Mutter mich beleidigt hst, hat mich allerdings dann nur bestätigt.
Rückblickend war es wie eine Beziehung zu viert mit einer kranken Mutter, die sich jeglicher psychischer Behandlung entzieht (um hier die Frage zu beantworten, warum ihr keine medizinische bzw psychologische Behandlung zuteil wird), und einem Sohn mit seinem Vater, die sich gegenseitig bemitleiden.
Ich hoffe aufrichtig, er findet sein Glück noch.
Ich konnte einfach nicht mehr
 
  • #25
Es tut mir so unendlich Leid. Jeder hat sich bereits von den dreien abgewandt. Die Mutter hat eigentlich noch eine ältere Tochter aus erster Ehe, Geschwister etc.
Auch von seiten seines Vaters würden noch Verwandte existieren.
Aber der Kontakt wurde schon vor vielen Jahren von allen Verwandten und Bekannten zu der Familie abgebrochen, sodass mein (seit gestern) Exfreund der einzige soziale Kontakt des bizarren Ehepaars ist. Er wusste nicht mal, was die Bezeichnungen Tante/Onkel/Neffe etc bedeuten.
Ich habe sowas noch nie erlebt.
 
  • #26
Es ist eine besonders üble Konstellation.
Bleibe bei Ex.
Dein Mitgefühl ehrt Dich. Nur ändern kannst Du nichts.

Nimm den Gedanken mit, dass es hart ausgedrückt, ihre eigene Entscheidung ist, so zu leben. Der Leidensdruck reicht nicht zur Veränderung.
Opfer sind hier 3, allerdings auch Täter. Jeder könnte für sich verändern. Jeder manifestiert durch Passivität das System.

Kein schlechtes Gefühl, Du hast die einzige richtige Konsequenz gezogen.

M, 54
 
  • #27
Liebe FS, das war mal wieder eine Lehrstunde, wie als erstes eine Frage mit einer (eigentlich) Nebensächlichkeit aufgebracht wird, die man in einer gesunden Beziehung problemlos lösen könnte. Und dann kommt der eigentliche Teil des Eisbergs, der sich versteckt unter Wasser befindet.

Wahrscheinlich hast du das vorsichtige Herantasten an das eigentliche Problem gebraucht.
Nach deinem zweiten Beitrag habe ich mich gefragt, wie du das überhaupt so lange ausgehalten hast. Ich wäre da nach den Entgleisungen der Mutter nicht mehr mit hingegangen. Man muss sich nicht selbst kaputt machen lassen, damit andere glücklich(er) sind.
 
  • #28
Ich finde auch richtig, dass Du gegangen bist. Aber die beiden Männer hätten sich längst mal zu einem Arzt begeben können und dem schildern, wie das mit der Mutter zu Hause ist und wie sie sich fühlen. Es gibt nämlich auch betreutes Wohnen, Selbsthilfegruppen, Krankenhäuser für psychisch kranke Patienten. Vielleicht wohnen sie auf dem Dorf, haben kein Internet und wissen sich nicht zu helfen, aber ich denke, mit ein bisschen Bemühung käme man drauf, wenigstens dem Hausarzt mal zu schildern, was los ist, dass der einem weiterhelfen könnte. Eine psychische Krankheit ist nicht ein schlechter Charakter, unter dem andere leiden. Das ist - soweit ich weiß - eine Stoffwechseländerung im Gehirn. und ich seh das so, dass diese Frau seit Jahren schon ärztliche Hilfe bräuchte, aber keiner mal die Verantwortung übernimmt, sie ihr zu verschaffen.

kleptomanisch, bulemiesüchtig und schizophren
und es klingt so, als sei sie überhaupt nicht in Behandlung.
Stimmt das überhaupt oder ist es nur ein handlungsunfähiger Ehemann, der das Haus nicht aufgeben will, seine Frau seit Jahren merken lässt, dass er sie hasst, und ihr irgendwelche Störungen andichtet? Der Mann benimmt sich ja auch sozial extrem auffällig, und als Paar funktionieren sie halt zusammen mit Anschreien und Beleidigen.
Dass eine kranke Frau von allein zum Arzt geht und sich in eine Klinik einweisen lässt, passiert manchmal eben nicht, aber auch da kann man als Angehöriger wenigstens mal zum Arzt gehen und erzählen was los ist. "So" wirkt es, als sei die Diagnose "kleptomanisch, bulimisch, schizophren" vom Vater erstellt worden.

Du bist Lehrerin, Dein Ex wusste nicht mal, was "Tante" usw. bedeutet? Hat er gar keine Bildung? Wie lange wart ihr zusammen? Du hast von Auszug geschrieben, aber zusammen gewohnt hattet ihr nicht, wenn ich Deinen anderen Post richtig verstanden hatte?