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  • #1

Seine Meinung nicht sofort sagen können.

Hallo,

ich bin ein Mensch, der seine Meinung nicht immer sofort sagen kann. Das heißt, ich schlucke meinen ganzen Zorn immer runter, weil ich in dem Moment zu geschockt bin und mir nie die richtigen Worte einfallen. Erst einen Tag später oder gar Wochen oder Monate später traue ich mich, meine Meinung darüber kund zu tun, wenn ich meine Gedanken soweit gesammelt habe. Bis dahin hat sich aber so viel Zorn angesammelt, dass ich über die Strenge schlage und andere extrem beleidige.

Am meisten regt mich meine Mutter auf, weil sie mir immer Dinge einredet, die ich nicht haben will (Kinder, Heirat, Erbe, Firma, etc. ) Ihr fällt immer etwas neues ein, womit sie mich schikanieren kann. Sie weiß, z.b. dass ich Kinder hasse, trotzdem bringt sie immer und immer wieder das Thema und lacht sich darüber kaputt. In solchen Momenten möchte ich ihr an die Gurgel gehen. Ich sehe rot und möchte sie am liebsten kräftig ohrfeigen. Aber ich bleibe ruhig und höre mir die Schikanen an.

Manchmal machen Freunde oder mein Partner Bemerkungen über mein Aussehen oder mein Verhalten (ich wäre zu schüchtern, ich wäre zu naiv, ich soll mich so und so kleiden, ich soll anders gucken oder mich anders bewegen, ich solle mich mit anderen Leuten abgeben, ich solle ein anderes Hobby machen, ich solle woanders in Urlaub gehen). Ich schlucke alles runter und traue mich in solchen Momenten kein Wort zu sagen.

Daheim raste ich regelrecht aus. Ich mache Gegenstände kaputt,ich handle selbstzerstörerisch, ich habe einen nicht enden wollende Wut. Vor allem über mich. Wie kann ich das ändern?
 
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  • #2
Ich würde so ca.100 Std. Gesprächstherapie vorschlagen, da es sich offenbar um eine postraumatische Belastungsstörung die ihre Ursache in der Kindheit hat handelt. Wird von der Kasse in der Regel genehmigt, da die 'Folgen einer Nichtbehandlung meist teuerer sind. Das Übel muss sozusagen an der Wurzel gepackt werden. Danach wirst du gewisse Trigger zumindest erkennen und kannst sie kontrollieren. Auch dein Verhältnis zu deiner Mutter z.B. wird ein danach anderes sein, das kann ich dir versprechen.


M54
 
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  • #3
Das klingt jetzt vielleicht erstmal hart, aber such dir Hilfe für deine Psyche.
Soll jetzt nicht heißen du musst zum Psychater. Es gibt da auch andere Anlaufstationen.
Aber um sich wirklich selbst zu verstehen und sein Verhalten zu ändern, das kann man nur mit Hilfe von außen. Und das sich selbst verstehen ist enorm wichtig bei vielen Dingen.
 
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  • #4
ich bin ein Mensch, der seine Meinung nicht immer sofort sagen kann. Das heißt, ich schlucke meinen ganzen Zorn immer runter, weil ich in dem Moment zu geschockt bin und mir nie die richtigen Worte einfallen. Erst einen Tag später oder gar Wochen oder Monate später traue ich mich, meine Meinung darüber kund zu tun, wenn ich meine Gedanken soweit gesammelt habe. Bis dahin hat sich aber so viel Zorn angesammelt, dass ich über die Strenge schlage und andere extrem beleidige.

Das ist schlecht. "Wochen oder Monate später" geht in meinen Augen gar nicht. Es ist völlig in Ordnung, wenn man in einer solchen Situation sagt, dass man gerade verärgert ist, aber jetzt nicht reden möchte, da man sich erst einmal sortieren möchte und warten möchte, bis der Ärger etwas weg ist. Das sollte aber nicht länger als maximal wenige Stunden dauern.

Manchmal machen Freunde oder mein Partner Bemerkungen über mein Aussehen oder mein Verhalten (ich wäre zu schüchtern, ich wäre zu naiv, ich soll mich so und so kleiden, ich soll anders gucken oder mich anders bewegen, ich solle mich mit anderen Leuten abgeben, ich solle ein anderes Hobby machen, ich solle woanders in Urlaub gehen). Ich schlucke alles runter und traue mich in solchen Momenten kein Wort zu sagen.

Was hast du denn für ein unsensibles Umfeld? Du musst unbedingt lernen, "Nein" zu sagen, Grenzen aufzuzeigen, wenn diese überschritten werden. Klar dürfen andere hier und da gerne Vorschläge machen. Aber ansonsten ist das dein Leben. Und wenn du so gucken willst, dich so bewegen willst oder in einen bestimmten Urlaub fahren willst, dann ist das eben so.

Was fällt dir denn an einem "Stopp mal. Das ist meine Sache. Ich habe das so für mich entschieden und möchte das auch so." so schwer? Hast du Angst vor der Reaktion oder dass dich jemand dann nicht mehr mag?
 
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  • #5
Nimm Abstand zu Deiner Mutter. Du musst sie nicht treffen. Sage ihr ins Gesicht, warum Du sie nicht sehen willst.

Dein Partner kritisiert Dich? Ständig?Und möchte Dich ändern? Er sagt Dir, Du wärst nicht gut genug? Deine Freunde auch?

Warum ist er dann Dein Partner, warum sind diese Menschen angeblich Deine Freunde? Seine Mutter kann man sich nicht aussuchen, Freunde schon.

Arbeite an Deinem Selbstbewußtsein. Such Dir neue Freunde. Verlass diesen Mann, der Dich nicht liebt, sondern formen möchte.

Kleines Beispiel: Mein damaliger Freund und meine zu dieser Zeit beste Freundin meinten, sie müssten mich und meine Probleme analysieren. Ich "durfte" zuhören. Sagen durfte ich nichts. Das war sehr verletzend und beschämend.
Heute habe ich keinen Kontakt mehr zu den beiden. Sie ist in Therapie, er total kaputt. Das ganze ist eine Ewigkeit her.
Ich habe jetzt Freunde, Dich mich schätzen und unterstützen. Die letzte Kritik war, dass ich ihnen nicht anvertraut habe, dass ich einen Knoten Brust hatte. Sie wollten für mich da sein, mir Halt geben und wären mit mir durch das ganze Programm gegangen (ist aber alles gut:) ).

Trenne Dich von Menschen, die Dich bewußt verletzen, die Dich nicht so akzeptieren, wie Du bist und Dich immer nieder machen.

Wenn Du es nicht alleine schaffst, such Dir professionelle Hilfe. Vielleciht hat es einen Grund, den Du nicht erkennst, dass Du Dich mit solchen Menschen umgibst. Du hast etwas besseres verdient!

w37
 
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  • #6
Ich rate nicht gleich zu Therapie. Aber in deinem Fall, lieber Fragesteller, tu ich es.
Du leidest unter deinem Verhalten, und du wirst vermutlich dein ganzes Leben lang leiden, wenn du nicht lernst, deine Meinung sofort, ruhig, freundlich und bestimmt zu sagen. Das kannst du lernen, das kannst du üben. Dazu brauchst du aber wirklich Hilfe, einen Therapeuten, einen Coach,
Deine Mutter und deine Freunde behandeln dich respektlos, weil du es mit dir machen lässt.
Du kannst lernen, dich abzugrenzen. Freundlich. Ruhig.
 
  • #7
Was fällt dir denn an einem "Stopp mal. Das ist meine Sache. Ich habe das so für mich entschieden und möchte das auch so." so schwer? Hast du Angst vor der Reaktion oder dass dich jemand dann nicht mehr mag?

Das IST schwer - wenn man eine entsprechende Vorprägung hat.

Was bei einem Kind noch als Zurückhaltung durchgeht, verselbständigt sich dann später und ist aus eigener Kraft nicht mehr zu "drehen".

Liebe FS, wenn Du schon selbstzerstörerisch handelst, besteht sehr dringender Handlungsbedarf - das könnte bis zum Ende gehen.

Zögere nicht, bitte. Du musst Dir Hilfe suchen. Lass Dich beraten, such nach einem Therapeuten, bei dem Du Dich wirklich wohl fühlst. Nein, Du musst nicht brav sein und bei dem ersten bleiben aus Angst ihn zu kränken! Du musst jemanden finden, mit dem wirklich die Chemie stimmt und bei dem Du Dich öffnen kannst - Du MUSST da jetzt wirklich egoistisch sein und jemanden für Dich suchen.

Du brauchst so dringend Hilfe wie jemand, der einen hochentzündeten Blinddarm hat. Nimm Dich und Deine Bedürfnisse ernst und tu etwas.

Wenn Du Unterstützung brauchst, schreib hier wieder, ruf die Telefonseelsorge an oder hol Dir sonstige Hilfe. Bitte.
 
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  • #8
Die Leute quasseln auf dich ein, weil sie nicht wissen, dass du ganz andere Ansichten hast und andere Absichten verfolgst.

Wenn du doch weißt, dass solche Situationen kommen, in denen du dich von deiner Umwelt bedrängt fühlst, dann studiere einen Standardspruch ein.
Beispiel: "Ich habe mir zu dem was du sagst bereits Gedanken gemacht. Ich möchte das nicht!"

Nun gibt es ja Leute, die dann noch penetrant nachfragen oder sich nicht abwimmeln lassen. Dann nochmal mit Nachdruck:
"Ich möchte das nicht! Und ich lasse mich auf keine Diskussion ein!

Lerne es auswendig und wende es an, bei jedem Thema wo du sonst runterschluckst. Wenn du dich nicht vollquasseln lassen willst, musst DU die Grenze ziehen. Sofort in der Situation! Nicht erst zuhause beim Teller zerdeppern.

Vielen von uns geht es so, dass uns die besten Argumente erst nach dem Gespräch einfallen, wenn man es in Gedanken noch x-mal durchgegangen ist. Aber es ist erlernbar in einem Gespräch seine Meinung zu vertreten. Und wenn es erst mal nur ist, "nee - will ich nicht". Das lernen schon kleine Kinder im Kindergarten. Du wirst es auch lernen.

Alles Gute!
 
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