• #121
Ich habe kein Auto, habe ein kleines Zimmer (meine gemietete Wohnung) und bin mit wenig zufrieden, weil ich ein sonderbares Hobby habe: Ich sammle leidenschaftlich gern Geld. Demzufolge wandert schon mal ein Teil meines Geldes auf das Sparbuch usw. Meine Kindheit und Jugend war von Armut geprägt, weshalb ich für magere Zeiten anlege.

In Restaurants gehe ich nicht gern, weil es mich ärgert, eine größere Summe für etwas auszugeben, das ich praktisch genauso hinkriege. Kleidung kaufe ich selten, da ich viele exzellente Second-Hand-Sachen geliehen oder geschenkt bekomme. Allerdings gönne ich mir hin und wieder Kinoabende, Cocktails mit Freunden usw., ein Mal im Jahr Schmuck im Wert von einigen Hundert Euro und meinen Liebsten auch mal die ein oder andere (Fern-)Reise, wofür pro Jahr locker mehrere Tausend Euro drauf gehen. Trotzdem habe ich immer genügend Geld, um es beiseite zu legen. Mein Zimmer ist bescheiden eingerichtet. Wieso? – Weil ich wenig zu Hause bin und mich mein Hobby ohnehin in fremde Welten entführt, sodass ich wenig um mich herum wahrnehme.

Mein Partner konsumiert leider leidenschaftlich. Ich muss mich regelmäßig zusammenreißen, um ihn nicht zu belehren, und rufe mir ins Gedächtnis, dass es sein Leben und sein Geld sind. Wenn er genug von seinen teuren Spielzeugen hat, werde ich Wege finden, diese sinnvoll einzusetzen, oder sie jemandem geben, der sie wirklich braucht. Mit einem Mann, der minimalistisch lebt, täte ich mir trotz meines bescheidenen Lebensstils schwer. Ich möchte mich nicht rechtfertigen, warum ich z.B. ein neues Handtuch gekauft habe, obwohl wir noch zwei (löchrige, 10-Jahre-alte) im Schrank haben, oder wieso ich für mein (langes) Haar fünf Klecks Shampoo brauche und nicht einen.

Als Frau minimalistisch zu sein klingt geradezu exotisch in einem Land, dessen stärkste Kaufkraft weiblichen Geschlechts ist. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass viele Männer die Wenig-Konsum-Einstellung gut finden – sofern frau sie nicht zwingt, es ihr gleichzutun.

Ich finde deine Einstellung toll: Wir leben nicht, um zu arbeiten und zu konsumieren. Wir müssen auch nicht permanent konsumieren, um etwas zu erleben.
 
  • #122
Mir ist die Diskussion hier zu extrem ...Job oder Freizeit. Sinnloses konsumieren oder ein Leben in Askese.
Meiner Meinung nach sind Extreme nie gut, in keinem Bereich. Alles was irgendwann bestimmender Selbstzweck wird hat das gesunde Maß überschritten und macht Menschen sozial unkompatibel, denn
extremistische Partner wollen die wenigsten Menschen.

Ich arbeite viel, aber auch gern. Ich sehe meine Arbeitszeit nicht als verschwendete Lebenszeit an. Geld ist mir absolut unwichtig, und genau deshalb muss davon immer soviel da sein, dass ich nie darüber nachdenken muss. Das macht meiner Meinung nach erst wirklich frei.
Ich mag es schön zu wohnen, schnelle Autos und Motorräder zu fahren, zu reisen. Aber genauso kann ich auch Dinge genießen, die nichts kosten.
Ich finde, dass man, wenn man bewusst auf kostenspielige Dinge verzichtet, um sich Minimalist zu nennen, gibt man Geld eine Bedeutung, die es eigentlich gar nicht haben sollte. Ich frag mich selten, was Dinge kosten - weil mir das egal ist, denn ich bewerte den für mich persönlichen Wert von Dingen/Aktivitäten nicht nach dem Geld, was sie kosten. Aber genau das tun Minimalisten - sie leben in einer Welt mit so wenig wie möglich Geld/Konsum und machen das Thema "Konsum" damit erst zum Lebensinhalt. Finde ich anstrengend.
Aber hey...jede/r wie sie/er mag.
 
  • #123
Alles in Ordnung, solange man die Konsequenzen alleine trägt. Also im Zweifel z. B. eben im Alter nicht in Rente gehen kann, weil man keine entsprechende Absicherung hat oder auch nicht ins Altersheim, weil die finanziellen Ressourcen nicht reichen. Unfair ist immer, das dann auf andere anzuwälzen. Die Menschen, die z. B. ihr Leben lustig im Ausland verbringen, weil hier ja "sowieso alles doof" ist und dann wieder vor der Tür stehen, wenn das deutsche Sozialsystem benötigt wird, würde ich vor der Tür stehen lassen.
Wie hier bereits auch richtig geschrieben wurde: Minimalismus muss man sich leisten können.
Unser System ist noch um Klassen besser als in vielen anderen Ländern, aber es kracht schon an vielen Stellen und an einigen ist es am Boden. Da brauch ich nicht ins Detail zu gehen, dafür bist Du zu informiert. Was für einen Grund sollte ich in etwa 35Jahren haben das Sozialsystem hier in Anspruch zu nehmen? Ich kann mir halbswegs ausmalen wie es dann aussehen wird. Nein Danke.

Wäre ich jetzt in der Situation von der TE, würde morgen die Zeitung lesen und abends Nachrichten schauen. Zusätzlich mal links und rechts über den Tellerrand, hätte ich auch keine Probleme meine Arbeitszeit zu reduzieren, sparsamer zu werden, mich von überflüssigen Ballast zu befreien.