• #91
Aber um zur Ausgangsfrage zurück zu kommen. Ich bin überhaupt nicht minimali. Ich bewohne ein viel zu großes Haus alleine. Eines meiner Autos schluckt 25 Liter Benzin. Ich fahre wenig gerade damit weil es mein Liebhaber Wagen ist. Ich spare nicht bei Nahrung aber achte was ich kaufe. Hab keine rollex da ich weder eine Uhr anziehe und keine Leidenschaft dafür habe. Ich mag Schuhe und gute Kleidung. Ich bin nicht verschwenderisch und lebe keinen unbrauchbaren Konsum. Ich lebe einmal und möchte für mich dennoch das beste, was mir und meiner Familie gefällt. Vergesse dabei nie andere und gebe viel ab. Aber bin kein Minimalist. Dafür wurde ich wirklich nicht geboren. Aber jeder wie er mag wenn es dann aus Überzeugung oder Not ist ohne andere zu verurteilen die es anders machen.
M47
 
  • #92
Minimalismus definiert jeder anders. Ich bin erst am Anfang, habe mir mittlerweile viel Literatur besorgt und möchte meinen eigenen Weg finden. So spartanisch leben wie @carpe kann ich nicht. Mir ist Gemütlichkeit, aber auch Klarheit wichtig, also nicht überladenes Zimmer mit Möbeln. Ein "muss" ist eine Küche, ein Bett und ein Sofa.

Ich konsumiere viel weniger als noch vor 10 Jahren. Bücher muss ich mir nicht kaufen, denn die Bücherei ist um die Ecke und es gibt dort haufenweise neue Bücher und Magazine. Bei Kleidung achte ich auf Qualität und kaufe ausgewählte Kleidungsstücke, gebe dann auch mehr Geld für Qualität aus. Für die Haare reicht mir ein Shampoo oder eine Kur aus natürlichen Lebensmitteln. Sport mache ich an der frischen Luft.

Eine Freundin von mir konsumiert noch weniger. Sie hat ca. 20 Kleidungsstücke, näht sich Kleidung selbst oder strickt sich die Socken und Schals. Sie hat keinen TV und schaut nur Serien über netflix oder schaut sich podcasts an. Sie wohnt in einer 30m² Wohnung und das reicht ihr.
 
  • #93
Für die Haare reicht mir ein Shampoo oder eine Kur aus natürlichen Lebensmitteln. Sport mache ich an der frischen Luft.
Ja, an der frischen Luft ist immer schön .... solange das Wetter mitspielt. Ich kann mir vorstellen, dass Tennis im Schneematsch nicht wirklich prickelnd ist.
Du kannst dich auch von oben bis unten mit Kernseife abschrubben, das ganze auch nur einmal pro Woche. Und den Friseur einsparen, indem du einen Topf aufsetzt und eine Freundin alles, was an Haaren unten rausschaut mit der Küchenschere absäbeln lassen. Du wirst es überleben .... aber auf viele Männer dann nicht attraktiv wirken.
Es kommt also auch darauf an, wie du Minimalismus ausführst. Die Frau, die nicht mehr jeden Tag, sondern nur noch jeden 2. Tag zum Stylen geht, wird wenig Attraktivität einbüssen. Der ausgefranste Topfschnitt ist da wesentlich risikoreicher .....
 
  • #94
@Tom: ja wenn du gerne im Gourmetrestaurant isst und es dir gönnst, bitteschön! Für mich wäre es zu ungemütlich und versnobt! Ich esse lieber in einer Berghütte mein Kaiserschmarrn oder ein einem urigen Restaurant mit viel Holz....das ist gemütlich.
Der Minimalist wird vermutlich beides nicht bezahlen wollen und stattdessen zu Hause kochen und das als gemütlicher empfinden. Für mich ist das Geschmackssache und hat mit "Minimalismus" überhaupt nichts zu tun.

Für mich ist ein wichtiges Kriterium immer auch, ob jemand aus seinem "minimalistischen" Lebensstil eine Religion macht oder eben einfach weniger Ansprüche hat und deswegen mit weniger Geld klarkommt.

Ja genau! Ein Teilzeit-Job und ein Nebenerwerb. So etwas wäre für mich auch eine Idee. Ein sinnvoller Nebenerwerb.
Schön, dann geht es ja nicht vorrangig um "Minimalismus", sondern um mehr Sinnhaftigkeit im Leben.

Freizeit bleibt nicht viel (ca. 4-5 h) pro Tag. Und 1 h davon ist man müde, 1 h wird gegessen und aufgeräumt. Es fehlt die Kraft für Interessen und Hobbys. Nun frage ich mich. Soll das mein Leben sein?
Ich befürchte, mit zum Beispiel 75% und einem Nebenjob wirst Du nicht unbedingt mehr Zeit haben, weil Du z. B. auch zu beiden Stellen fahren musst, was Zeit und Geld kostet. Die Themen "mehr Freizeit" und "mehr Sinnhaftigkeit durch Nebenjob" könnten sich so widersprechen. Dann könntest Du, indem Du 25 % Deines Einkommens spendest und von der Steuer absetzt, das gleiche Ziel erreichen, ohne Einbußen bei Rente etc. zu haben.

Ich kaufe auch deutlich weniger Kram als vor 10 Jahren und fühle mich damit wohl, dass mein Leben nicht mehr so "voll" ist. Konsum nervt mich an vielen Stellen auch. Ich gehe auch nicht immer nur teuer essen. Deswegen würde ich mich aber nicht als Minimalist bezeichnen.
 
  • #95
Ich denke auch, jeder der Minimalistisch leben möchte, auch hier wieder seine eigene Sichtweise vor Augen hat. Es gibt wie bei vielen anderen Dingen hier auch kein Schwarz und Weiß.
Minimalismus leben bedeutet doch lediglich, der bewusste Verzicht um Platz für das wesentliche zu schaffen. Aber auch hier ist das Wesentliche für jeden Menschen etwas anderes.

m47
 
  • #96
Der Thread zeigt, dass es viele Menschen gibt, die sich für diesen Lebensstil interessieren. Und jeder legt andere Schwerpunkte. Eben solche, die ihm Spaß machen oder wichtig erscheinen. Selbst Menschen, die viel besitzen, haben Bereiche, wo sie einsparen oder minimieren. Jeder kann nicht alles konsumieren. Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern weil dies auch viel Zeit in Anspruch nehmen würde.
Die Prioritäten kann man gut beim Kauf von alltäglichen Verbrauchsgegenständen wie Lebensmittel, Putzmittel oder Hygieneartikeln sehen. Menschen, deren Priorität beim Sparen liegt, kaufen das preisgünstigste. Gesundheitsbewusste das gesündeste. Umweltbewusste das nachhaltigste. Ich kaufe immer die kleinste Verpackung mit der ästhetischsten Typografie, auch wenn sie teurer ist. Mein persönlicher Schwerpunkt ist einfach nur wenig rumstehen haben und dabei noch etwas schönes zu sehen.
Die Vorliebe für Minimalismus schreckt selten jemanden ab, auch keine Männer. Wichtig ist, dass man sich wohl fühlt und andere Menschen nicht mit seinem Lebensstil nervt. Dass der Lifestyle bei Paaren insgesamt ein bisschen passen sollte, ist ja auch bei Nichtminimalisten so. Ein Freund von mir, der bei EP gesucht hat, besitzt zwar Haus, Segelboot und Motorrad, ist aber - obwohl er nicht müsste - sonst recht sparsam. Er nahm dann Abstand von Frauen mit Statussymboltasche und teurem Lifestyle. Er hätte bei gemeinsamen Unternehmungen mehr ausgeben müssen (selbst wenn er nur für sich gezahlt hätte) und wollte das nicht.

Und dass man nicht auf Kosten anderer lebt und seinen Kindern keinen extremen Lebensstil aufdrücken sollte, ist auch selbstverständlich.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich nur so extrem leben kann, weil ich nicht mit meinem Partner zusammen wohne und keine Kinder habe. Hätte ich Kinder, würde ich auch eine Küche und ein Sofa besitzen. Kinder wollen sich nicht als Außenseiter fühlen.
Und ich stelle fest: der ganze Minimalismus ist ein Luxusthema. Wir können uns darüber nur Gedanken machen, weil wir genug haben.
 
  • #97
@Vikky: ganz ganz falsch! Ich bin BWLerin und habe viel über unser Gesundheitssystem gelernt.... Und in der GKV versichert zu sein ist Pflicht, das weiß ich auch.
Offensichtlich hast Du nicht genug gelernt, denn das ist falsch. Du musst krankenversichert sein, nicht zwangsläufig in der GKV und das weiß ich als Informatikerin. Und man muss aus guten Gründen übrigens auch pflegeversichert sein.
Der größte Fehler den Menschen in diesen Dingen machen können ist sich (ihren Kenntnisstand) zu überschätzen und aufgrunddessen Fehlentscheidungen zu treffen, deren Folgen sie garnicht sehen/abschätzen können.

Die meisten schauen ja auch nicht, was sich ändert von dem Zeitpunkt an, wo sie eine Information aufgenommen haben bis heute.
Ich gehöre zu den rentennahen Jahrgängen und stelle in meiner Alterskohorte fest, dass viele nicht zur Kenntnis genomnen haben, dass Renten kv-, pv- und steuerpflichtig sind und oh Schock, dann sind es mit einem Mal 400-500€ im Monat weniger, als man selber berechnet hat.

Zur Zeit gehe ich um 6:15 Uhr aus dem Haus und komme um 17 Uhr heim.
Da rechne ich aus, dass Du 2 Stunden Arbeitsweg am Tag hast. Das ist meistens unangenehme Zeitvernichtung und auch Geldvernichtung. So ein Arbeitsweg wäre für mich inakzeptabel, weil meistens stressig.
Der Weg zu mehr Freizeit kann ein Umzug sein, der den Arbeitsweg erheblich verkürzt oder ein Arbeitsplatzwechsel in Wohnortnähe. Manchmal kann man (jobabhaengig) mit dem Arbeitgeber Homeofficetage verabreden - mache ich öfter, schaffe mehr als im Büro und ich bin entspannter.

In Teilzeit zu gehen und einen Nebenjob zu machen, bringt nur was, wenn der Nebenjob was einbringt, um Rücklagen zu bilden, die Altersversorgung aufzustocken und Spass macht, d.h. Ressourcen bildet statt erschöpft.
Man muss das Zweiteinkommen nicht verjuxen sondern kann sich mit minimalistischen Lebensstil dann die benötigten Freiräume schaffen.

Ich war bisher keine Minimalistin, habe viel Geld sehr unüberlegt ausgegeben, bin oft teuer essen gegangen, im Cafe frühstücken, mehr teure Kleidung, Schuhe und Taschen gekauft, als ich ich brauchte.
Mein zunehmendes Landleben spart viel Geld, mangels Möglichkeiten es auszugeben. Freunde kommen zum Frühstück oder grillen statt dass man ausgeht und ich finde es meistens angenehmer.
 
  • #98
Ne, mach Dir keinen Kopf. Gehe Deinen Weg und wer sich dann dazu gesellen will, wird passen. Aber gehe nicht davon aus, einem Minimalisten im Internet zu begegnen, die haben næmlich Besseres zu tun, als sich den ganzen Tag ins Netz zu hængen ;). Geh raus und wirf die Angel aus.
Ich teile uebrigens Deine Einstellung, habe aber den radikalen Weg gewæhlt, da ich ein Kind habe, das nicht auf alles verzichten soll. Ich bin ausgewandert und mach einen auf Vollzeit Selbstversorger und Teilzeit Job. Ich fahre damit sehr gut :).

Freut mich, dass jemand das Thema anspricht.

Viele Gruesse Nash
 
  • #99
Offensichtlich hast Du nicht genug gelernt, denn das ist falsch. Du musst krankenversichert sein, nicht zwangsläufig in der GKV und das weiß ich als Informatikerin.
Ich habe die entsprechende Passage erst nach dreimaligem Lesen verstanden und zitiere sie hier nochmal:

@Vikky: ganz ganz falsch! Ich bin BWLerin und habe viel über unser Gesundheitssystem gelernt. Die KV Beiträge in der GKV sind für Arbeitslose (insofern nicht vom Arbeitsamt Geld fließt) nicht ganz gering. Als Student hatte man noch geringere Beiträge. Und in der GKV versichert zu sein ist Pflicht, das weiß ich auch.

Nehmen wir an ich arbeite 75%, weil ich es will, dann zahlt die Hälfte der AG und die Hälfte ich. Das ist ja dann wie jetzt bei Vollzeit.
So wie ich Euch verstehe, geht es um die gesetzliche Krankenversicherung: In der GKV ist es so, dass man alle Leistungen bekommt, sofern man versichert ist, egal ob man vollzeit oder teilzeit arbeitet. Und da die GKV nach Umlage- und Solidarprinzip funktioniert, finanziert der vollzeit-arbeitende die Gesundheitskosten des teilzeit-arbeitenden natürlich mit. Genauso wie der gesund-lebende die Kosten des ungesund-lebenden mitfinanziert oder der viel-verdienende die Kosten des wenig-verdienenden.

Demgegenüber gilt in der Renten- und Arbeitslosenverischerung das Äquivalenzprinzip: Die Leistungen der Versicherung richten sich nach der Einzahlung und nach politischen Vorgaben.
Dass es aber sowieso egal wäre, wie viel man einzahlt, weil man sowieso quasi nur Grundsicherung herausbekäme, betrifft in erster Linie Geringverdiener.
Und als Geringverdiener dann zu sagen, o.k. arbeite ich noch so viel, dass ich in der GKV bin, irgendwie über die Runden komme und setze im Alter auf die Grundrente, ist natürlich auch unsolidarisch den anderen gegenüber, die diesen Lebensstil im Sozialstaat mitfinanzieren.
 
  • #100
Wenn ich deinen Nick richtig deute, dann gehörst du zu einer Generation, in der du mit deinen Wünschen nicht die Einzige bist. Es gibt genug Männer, die wenig Wert auf Konsum legen, ihr Leben anders gestalten wollen, sei es Arbeitszeit reduzieren oder freelancen. Anders als bei den leistungsgetrimmten Babyboomerjahrgängen, die stellen maximal nach der Midlifecrisis um.

Und wenn du Männer abschreckst, dann sind das die Exemplare, auf die auch der Rest der Frauenwelt nicht scharf ist, nämlich die Geizhälse, die bei jeder Kleinigkeit Gefahr wittern. Sei froh. Dir wird einiges erspart bleiben, gewisse Blutsauger suchen sich lieber hart ackernde Frauen um sich dranzuhängen. Für die bist du nicht interessant. Wunderbar! Wer es ehrlich mit dir meint und nicht durch negative Erfahrungen komplett verblendet ist, wird einen gemeinsamen Weg mit dir finden.

Viel Erfolg!
 
  • #101
Und ich stelle fest: der ganze Minimalismus ist ein Luxusthema. Wir können uns darüber nur Gedanken machen, weil wir genug haben.
So ist es. Ich würde sogar noch weitergehen: weil wir zu viel haben. Deswegen macht auch der Verzicht auf einen ordentlichen Anteil Gehalt oder Gegenstände nichts aus. Allgemein hat für mich Minimalismus etwas damit zu tun, weniger Ballast zu haben. Das kann der Verzicht auf den zweiten Porsche, die Hälfte des Kleiderschrankes oder die Wohnung zugunsten des Bauwagens sein.

Unattraktiv im Sinne der Ausgangsfrage wird das für mich in jedem Fall dann, wenn es um reines Geldsparen, womöglich noch zu Lasten anderer Menschen, geht oder ein hier auch schon beschriebener Rückzug stattfindet, der eher auf psychischen Problemen beruht. Oder eben, wenn es eben zur Pseudoreligion erhoben wird und die Selbstkasteiung das Leben im Grunde für mich weniger lebenswert macht. Ansonsten ist ein aufgeräumtes Leben doch eine feine Sache.
 
  • #102
Und ich stelle fest: der ganze Minimalismus ist ein Luxusthema. Wir können uns darüber nur Gedanken machen, weil wir genug haben.
Das trifft wohl auf die meisten in irgendeiner Art zu. Ich gehöre jetzt sicher hier eher in die untere Verdienstschiene (freiwillig gewählt), da ich dadurch meine Freizeit deutlich besser gestalten kann - 54 Tage frei im Jahr und das auch extrem flexibel. Aber auch wenn ich nicht allzu viel verdiene, wohne ich in einem Haus, in dem ich hoffentlich in 5 - 6 Jahren schuldenfrei wohne. Also lebe ich da irgendwo im Luxus. Aber sonst halt eben nicht. Die fürchterlichen Outdoorklamotten kaufe ich so, dass sie lange halten und bei Essen ist es auch so - gut eben. Ich kann mir durch das Haus nicht alles leisten was ich will. Aber ich vermisse nicht das dritte paar Ski, dass ich mir evtl. auch mit sehr viel Geld nicht kaufen würde, weil ich diese an viel zu wenigen Tagen im Jahr nutzen würde usw usf.

Ich denke wenn hier von Luxus, oder minimalistischen Lebensstil in Verbindung mit Glück oder Unglück im Bezug auf die zur Verfügung stehende Geldmenge gesprochen wird, geht es um zwei Dinge:

einmal um relative Deprivation. Wir sind mit unserer absolut gesehen ausreichenden Geldmenge zufrieden. Da wir aber wissen, dass der Nachbar deutlich mehr hat, sind wir es dann in doch nicht.

zum zweiten geht es um die Freiheit, die einem erst durch eine
gewisse Geldmenge ermöglicht wird. Dazu empfehle ich Lisa Herzog: Freiheit gehört nicht nur den Reichen.

Sie empfiehlt in Ihrem Buch einen gerechteren Umgang mit Geld. Kernaussage ist vereinfacht dargestellt, dass Geringverdiener keine Freiheit haben, da sich bei Ihnen alles, aber wirklich alles, ums finanzielle Überleben dreht und sie sich dadurch gefangen fühlen.

Das Ganze ist sicherlich in der Westlichen Welt unserem System geschuldet. Viele Arme gehen nicht mehr wählen, da sie den Glauben ans an die Politik verloren haben ... Unternehmenssteuern werden gesenkt, aber die Mehrwertsteuer wird angehoben und für Medikamente müssen wir einen Teil selbst tragen. Das lässt viele frustriert zurück. Und diese Leute können sich nicht für einen bewussten Lebensstil entscheiden. Der wird Ihnen diktiert.

Danke lieber Neverever

M 48
 
  • #103
Nochmal zum mitschreiben. Ich lebe nicht auf Kosten des Staates, weil ich weiterhin arbeiten werde (nur eben weniger). Durch meine Erparnisse kann ich auch später noch gut leben. Außerdem lasse ich mich ungern von jemandem versorgen, weil es meinem Freiheitsgefühl entgegensteht. Ich möchte finanziell unabhängig sein und daher auch weniger konsumieren.

Wollen wir uns jetzt tatsächlich über unseren Sozialstaat unterhalten?

Nach Deutschland kommen in letzter Zeit viele Menschen, die nichts einzahlen. Sie bekommen alles gezahlt.

Ich möchte nichts bewerten und mir auch keine Gedanken darum machen. Letztendlich kann doch niemand sagen wie hoch die Rente in meiner Generation sein wird. Es zahlen ja immer weniger Menschen ein.

Da ich kaum krank bin, verursache ich auch weniger Kosten und versorge andere damit. Das ist dann eben so.
 
  • #104
Dieses minimalistische Leben und die "finanzielle Freiheit" ist auch gerade ein Hype welcher durch das Internet und diverse Finanzblogs geistert.

Also ich bin ja nun auch relativ sparsam - man sagte mir mal eine Zeit lang sogar ich sei geizig, was sich aber in der letzten Zeit drastisch verbessert hat!

Ich habe auch sehr viel alten Kram den ich sehr wenig bis gar nicht benutzt habe, verkauft oder gar weggeschmissen. Es tat gut.
Aber dieses sparsame (nicht nur mir selbst gegenüber) machte mich mehr und mehr unzufrieden und unglücklich.
Billige Kleidung macht nun mal nicht glücklich! Sie hat Ziehfäden und ist schneller verschlissen als hochwertigere Kleidung (muss nicht immer der Fall sein!).

Und somit kauft man dann doppelt, anstatt einmal was Ordentliches. Und bei letzterem bin ich eigentlich eher für.

Ich habe mir jetzt endlich mal 6 Paar neue Schuhe gegönnt. Teurer Spaß, aber so habe ich jetzt fast täglich was zum wechseln. Es danken mir meine Füße, mein Gemüt und die Schuhe halten somit auch deutlich länger als nur 1 Paar.
 
  • #105
Hallo
ich sehe es auch so wie Du, lass Dir Deine Einstellung ja nicht von Familie und "Freunden" vermiesen, gerade in Hinblick auf die Rente.

Mit meinen bald 35 weiß ich nicht was meine Rente später wert ist, ist mir mittlerweile auch sowas von egal. Wenn nichts besonders schlimmes passiert, bleiben wir nur noch so lange hier in D, wie ich für meine Söhne unterhaltspflichtig bin.
 
  • #106
Grundsätzlich finde ich bei diesem Thema die Diskussion ob ich ähm.. wer möchte hier Minimalistisch leben, ich glaube es ist @Annabell_32, zum Teil mitfinanzieren muss was KV betrifft oder nicht, unwichtig. Dafür wird mir in unserem Land einfach zu viel Geld für wirklichen Scheiß verbrannt, als dass ich mich darüber beschweren würde. Sie arbeitet, bezahlt ihre anteiligen Beiträge und fertig. Dafür bekommt sie die Behandlung die ihr und uns allen zusteht. Will ich mehr oder eine vermeintlich bessere Behandlung, muss ich mehr auspacken. Was an sich schon pervers ist m.M.n..
Gerade bei unserem KV System komme ich an meine Grenzen, dass mir vor echter Wut der Schaum bis an den Ohren steht. Banken und Versicherungen sind für mich die größten Blutsauger auf diesem Planeten und kommen immer ungestraft davon. Vom Gesetz her mit einer Macht ausgestattet saugen sie die Bevölkerung Regelrecht aus.
Aber jemanden, welcher Freiwillig nur einen Tausender im Monat verdienen will und dafür persönlich auf einen gewissen Luxus oder mehr verzichtet, als Sozialschmarotzer dar zustellen finde ich mehr als übertrieben. Da haben wir im Land ganz andere Kaliber, die sich auf unser aller Kosten bereichern und nicht wirklich einen Finger dabei krumm machen. Ich habe viele Beispiele erfahren dürfen und kann das oft genug in meinem Umfeld beobachten. Ich habe oft den Eindruck das unser toller Sozialstaat aus einer Horde Wild umherlaufender Ameisen besteht und Gelder herausgeschmissen werden nur um irgendetwas zu tun. Wir sprechen nicht von 4-500 € mehr oder weniger, die wir in der KV haben hätten können. Hier geht es um Mrd. die Förmlich verbrannt werden für Mist. Aber es juckt niemanden wirklich. Warum? Weil wir alle noch genug haben. Über 80 Mio. Menschen hier sind viel zu weit weg, als dass sie die
5 Mio. überhaupt hören können, die da unten um Hilfe rufen.
Uns geht es viel zu gut, deshalb werden Minimalisten oder die welche darüber nachdenken, schief angesehen.
Wenn jemand im Bauwagen wohnen möchte, soll er doch.
Wenn er wenig arbeiten möchte, soll er doch.
Wir haben in diesem Land so viele auf unseren Lohnlisten die " GAR NICHT" arbeiten und Richtig absahnen.

m47
 
  • #107
Hallo Annabel32,
nein mich schreckt ein minimalistischer Lebensentwurf nicht ab.
Ganz im Gegenteil, es wäre schön, wenn ich ihn mir leisten könnte.

Minimalismus kann ich gerne akzeptieren, wenn er aus ökologischen oder ethischen Gründen Sinn macht.
Das was du jetzt machen willst, ist einfach Reduktion deiner Arbeitszeit, um mehr Freizeit zu haben. Dafür wärst du anscheinend bereit auf Geld zu verzichten. Mit diesem wenigen Geld, willst du dann mit möglichst wenig auskommen. Das ist dann für dich Minimalismus.

Das ist für mich kein Minimalismus, sondern weniger arbeiten und dann weniger Geld haben, dafür mehr Tagesfreizeit. Es ist mehr eine Verlagerung, mehr Zeit dafür weniger Geld. Mehr Zeit zu haben hört sich erstmal gut an. Aber ohne Geld ist freie Zeit auch nix.
Menschen, die von sozialen Transfers leben, haben auch viel Zeit, können damit aber kaum was anfangen, weil sie kein Geld haben.
Deswegen sind sie noch lange keine Minimalisten, jedenfalls keine freiwillige..

Minimalismus muss man sich leisten können.
Minimalismus ist eine Art das Leben auf wesentliche Dinge zu konzentrieren, die qualitativ wertvoll sind. Und spätestens da wirds ordentlich teuer. Minimalismus kostet viel Geld.
Das ist das absurde daran.

Wo du solche Menschen triffst, die weniger arbeiten wollen und dafür mehr Freizeit geniessen wollen? Am Besten in cafes um die Morgenzeit oder in Absturzkneipen mitten in der Arbeitswoche.
In meiner Unistadt hatten wir auch eine Bauhauskolonie, in der dann wirklich die Hardcores gewohnt haben. Oder natürlich in Aussteigerkolonien. Allerdings weiss ich nicht wie da die Aufnahmerituale sind. Aber arbeiten musst du sicher auch dort was, und wenn es in der Landwirtschaft ist.

w45
 
  • #108
Es fehlt die Kraft für Interessen und Hobbys. Nun frage ich mich. Soll das mein Leben sein?
Genauso habe ich Dich bzw. Deinen Thread auch verstanden. Es gibt auch noch ein weiteres Problem, wenn man nicht auf sich achtet bei dem Ganzen - du weißt nachher gar nicht mehr, womit du dir ne Freude machen kannst durch "was tun" statt was konsumieren. Wenn Hobbys nicht gepflegt werden, verkümmern auch die, und das Lebensgefühl, das sie einem gaben und geben könnten, ist verschüttet. Dasselbe passiert auch, wenn man in einer Beziehung alles aufgibt, was einem persönlich und allein Freude gemacht hat. Wenn man dann wieder Zeit hätte oder zwangsweise haben muss, muss das erstmal wieder aufgebaut werden, wenn man es noch finden kann (also die Ahnung, dass dieses Hobby einem mal viel gegeben hatte und vielleicht wieder könnte).
Eins davon ist . Menschen welche durch Verschuldung sich und Ihre Familie ins Unglück stürzten oder dort vor allem unverschuldet hinein gelangten, da wieder heraus zu helfen.
Finde ich sehr toll. Ist für mich geteiltes Glück in jeder Hinsicht.
 
  • #109
Junge bzw. mittelalte Menschen werden häufig dafür kritisiert, sich nicht genug Gedanken um die Rente zu machen. Das Hauptproblem sehe ich darin, dass man gar nicht weiß, ob bzw. wie lange man mal Rentner sein wird. Nur weil die durchschnittliche Lebenserwartung; genauer gesagt, das arithmetische Mittel der Lebenserwartung, irgendwo bei ca. 80 Jahren liegt, heißt das nicht, dass man selbst dieses Alter mit hoher (i.S.v. an Gewissheit grenzender) Wahrscheinlichkeit erreichen wird.

Wenn man sieht, wieviele Menschen vor oder kurz nach Renteneintritt sterben, kann man schon mal ins Grübeln kommen und sich fragen: "Macht es wirklich Sinn, mich in meinen "besten Jahren" - wenn ich gesundheitlich und attraktivitätstechnisch auf dem höchsten Level bin und mir noch viele Wege und Möglichkeiten offenstehen - einzuschränken bzw. abzuschinden für eine Absicherung, von der ich u.U. gar nichts haben werde?".

Ich persönlich mache mir schon Gedanken ums Alter und plane, privat vorzusorgen. Aber: wenn ich jetzt vor der Entscheidung stünde, mir entweder ein kostspieliges Hobby (wie Tauchen oder Reiten) zu gönnen oder mehr in die private Altersvorsorge zu stecken, würde ich mich wohl für das Hobby entscheiden. Ich würde für die Verwirklichung eines langgehegten privaten Traums ein Sabbatical einlegen bzw. meine Arbeitszeit reduzieren, auch wenn es sich negativ auf meine Rente auswirkt. Denn wer weiß, wieviel Zeit mir noch bleibt für meine Hobbies und Träume und ob ich "irgendwann später mal" noch fit genug dafür sein werde. Ich würde mich in jungen Jahren ausleben und evtl. daraus resultierende Einschränkungen im Alter in Kauf nehmen.

Naiv/verantwortungslos finde ich es, den Gedanken an "später" völlig zu verdrängen und so zu tun, als bleibe man ewig jung. Sich aber bewusst dafür zu entscheiden, lieber JETZT mehr zu leben, als Genuss/Erholung/Selbstverwirklichung auf ein nebulöses "Später" zu verschieben, ist in meinen Augen völlig legitim. Ich denke, dass die hierzulande oft anzutreffende zähe, genügsame Bereitschaft, quasi lebenslang auf "die Rente" hinzuarbeiten, ein Stück weit in christlichen Jenseitsvorstellungen wurzelt. Es wird gelebt nach dem Motto: "Sei ein guter Christ (arbeite möglichst immer Vollzeit und sorge für später vor), dann kommst du in den Himmel (kannst dir als Rentner mal ein schönes, entspanntes Leben machen)".

Aber genausowenig, wie sich die Existenz von Paradies und Hölle beweisen lässt, wissen wir eben, ob, in welcher gesundheitlichen Verfassung und mit welchen Wünschen an die verbleibenden Jahre wir mal das Rentenalter erreichen werden.

In diesem Sinne: wähle den Lebensentwurf, der sich für dich am besten anfühlt, liebe @Annabell_32; nur wähle bewusst (d.h., im vollen Bewusstsein möglicher Konsequenzen). Dann wird es auch mit einem passenden Mann klappen (oder zumindest nicht daran scheitern).
 
  • #110
Durch meine Erparnisse kann ich auch später noch gut leben. Außerdem lasse ich mich ungern von jemandem versorgen, weil es meinem Freiheitsgefühl entgegensteht.
Was ist denn dann Dein Problem und warum lässt Du Dir von Familie und Freunden reinquatschen und Dich verunsichern?
Wirf' Deine Depotauszuege auf den Tisch und sag "nehmt euch ein Beispiel dran und sorgt auch so vor", geh' zu Deinem Arbeitgeber und ändere Deinen Arbeitsvertrag. Mit Rückkehrrecht auf Vollzeit gibt es doch keinen Grund zu zaudern - einfach ausprobieren, ob Dir Dein Leben dann besser gefällt.
Du kannst es jederzeit ändern, wenn es Dir nicht mehr gefällt oder Du feststellst, dass Du wegen Minimalismus keinen Partner findest, aber unbedingt einen haben willst.

Ich habe seit meiner Scheidung einen verschwenderischen Lebensstil gepflegt, mich daran gewöhnt, es nicht hinterfragt. Gebraucht habe ich das nie, weil ich einen anderen Lebensinhalt habe - das stelle ich grad fest, weil ich mein Leben ändere.
Es macht für mich überhaupt keinen Unterschied aus, ob ich ein Buch im Cafe lese und konsumiere oder ob ich lesend auf einer Parkbank sitze. Also lasse ich den Konsum und das Geld bleibt auf dem Konto - frau weiß nie, was kommt.

Auch ich habe einen sehr hohen Unabhängigkeitswunsch. Ich möchte von niemandem abhängig sein (kein Almosenempfaenger) und erst Recht möchte ich die Gestaltungsfreiheit über mein Leben nicht abgeben, weil mir die Mittel fehlen.
Wer in seinem Umfeld kranke Menschen hat und mit etwas Verstand zum Ergebnis kommt, dass man auch bei aktuell guter Gesundheit nicht gegen Krankheit gefeit ist, der sieht auch, dass die Eigenanteile für eine gute Versorgung hoch sein können - wenn man nicht die Mindestausstattung haben will, sondern das, was einem das Leben wirklich erleichtert.

Mein Vater musste kurz vor seinem Tod in die Kurzzeitpflege, weil die unterstützende Schwester Urlaub brauchte. Er musste nicht das Standarddoppelzimmer nehmen in einer Einrichtung ohne Freizeitangebote und mit miesem Betreuungsschluessel sondern könnte sich eine vergleichsweise gute Einrichtung aussuchen mit eigenem Appartement - muss ein Minimalist vielleicht nicht haben, aber jeder will es, wenn es soweit ist. Das klappt aber nur über eigene Zuzahlungen, denn die Sozialkassen zahlen Standard, nicht Luxus.
Die Wenigsten denken darüber nach und informieren sich wenn die richtige Zeit für diese Vorsorge ist, sondern sind geschockt über die Bedingungen, wenn sie in die Situation kommen - so wie diejenigen, die ein Leben lang gearbeitet haben und nur 500€ Rente bekommen, weil sie keine oder wenig Beiträge gezahlt haben.
 
  • #111
Hier die TS,

ich glaube, es ist eine Generationenfrage und es wird sich zukünftig noch mehr in die Richtung verschieben, dass Selbstverwirklichung und Lebensqualität an erster Stelle steht bei den Menschen. Meine Großeltern und Eltern sind noch geprägt und leben das Leben als "Fleißige Arbeiter". Sie wurden sehr sparsam erzogen und ich auch. Ich habe gelernt zu sparen und das Geld nicht aus dem Fenster zu werfen, jedoch gönne ich mir schöne Reisen und unternehme schöne kulturelle Unternehmungen.

@Andriana: ich würde mich auch für das kostspielige Hobby entscheiden, weil ich jetzt leben will und nicht später.
 
  • #112
Lieber Neverever,

nochmals Danke. Bei uns wird vor Asylantenheimen und generell gegen Harz4ler protestiert und Stimmung gemacht, sie wären zu faul. etc. pp. Die wahren Sozialschmarotzer sind die Milliardäre, die keine oder nur wenig Steuern zahlen...
Wie kann es sein, dass abhängig Beschäftigte einen höheren Steuersatz haben, als Leute, die nur von Ihrem Vermögen leben. Da müsste man mal demonstrieren.
Aber irgendwie werden in unserem Land lieber Leute wie die FS kritisiert und an den Pranger gestellt.
 
  • #113
kann man schon mal ins Grübeln kommen und sich fragen: "Macht es wirklich Sinn, mich in meinen "besten Jahren"... einzuschränken bzw. abzuschinden für eine Absicherung, von der ich u.U. gar nichts haben werde?"
Ich finde, dass das eine berechtigte Frage ist, aber ich vermisse die Bereitschaft, die Konsequenzen zu akzeptieren, wenn man sie mit "nein" beantwortet hat. Jeder will den persönlichen Gewinn, der persönliche Schaden soll aber sozialisiert werden.

Ich frage mich auch immer wieder wie sozial inkompetent die Menschen sind, die sich "abschinden" für eine potenzielle spätere Absicherung. Warum suchen sie sich in Zeiten von Fachkräftemangel keinen passenden, gutbezahlten Job? Sind sie Versager, dass sie nichts Besseres finden als sie haben? Sind sie zu feige, sich dem Wettbewerb zu stellen?
Ich habe den größten Teil meines Lebens Vollzeit gearbeitet und gut verdient. Die Absicherung war Nebeneffekt, den ich garnicht wahrgenommen habe.

Weil ich eine kluge Frau bin, habe ich mir einen gutbezahlten Job gesucht, der meinen Fähigkeiten und Neigungen entsprach, statt in einem ungeliebten Job auszuharren, den ich hasse. Von "abschinden" kann da garkeine Rede sein.
So ziemlich jeden Tag ging ich gern hin und habe gern gemacht, was auf mich wartete. Ich wäre niemals in die frühzeitige Beurlaubung gegangen, wenn ich keine Fernbeziehung gehabt hätte.

Wer hier von unerträglicher Arbeitsfron berichtet sollte mal seine Handlungspotenziale (Weiterbildung, Jobwechsel) reflektieren und sich fragen, warum er diese nicht nutzt, sondern in die Freizeitzone flüchtet.

Mich stören Leistungsverweigerung/Minimalismus/Schonwaschgang nicht. Was mich stört ist die fehlende Übernahme von Eigenverantwortung wenn der Schadensfall eintritt (heul: ganzes Leben gearbeitet und keine Renze).
Der Taucher/Reiter will die Luxusversorgung, für die er selber nicht mehr zahlen kann, weil die Kohle tauchend versenkt würde. Es wird die Maximalversorgung gefordert. Die Rechnung geht zukünftig immer weniger auf. Das sollte man/frau wissen und ebenso bejahen, wenn in die Komfortzone geflüchtet wird.

@Andriana: ich würde mich auch für das kostspielige Hobby entscheiden, weil ich jetzt leben will und nicht später.
Finde ich total ok, wenn später im Krankenhaus oder Altersheim das 4-Bettzimmer dann genauso begeistert bejaht wird und nicht nach dem gegiert wird, was die "Sparfuechse" als vermeintlich unberechtigte Luxusversorgung haben.
 
  • #114
Ich habe mit 6 Std meine kleine Familie ernährt. Und so minimalistisch leben wir nicht...ok mein alter Diesel ist gerade nicht hoch im Kurs aber fährt treu und praktisch seit Jahren. Nach guten Verhandlungen habe ich ein kleines Reihenhaus und noch nie ärmlich ausgesehen. Natürlich hatte ich ein anderes Bestreben, musste ja Kita und co Zeiten einhalten und der Tag mit kindern und Haushalt ging bis 22h.
Aber für mich hätte ich nicht mehr gebraucht. Wichtig ist mir Urlaub aber dabei völlig wurscht ob Hotel, Wohnung, Bulli oder Zelt.
Hauptsache weg und ausserhalb der Ferien ist sogar mal Luxus drin.

Jetzt arbeite ich Vollzeit aber weil die Jungs teurer werden und der erste im Herbst studiert.
Allerdings habe ich für mich nicht mehr im Portemonnaie und da ich nicht sofort auf Vollzeit wechseln konnte, gab es eine Phase wo ich nicht nur Job und kids hatte.
Mensch war das schön
Also ohne die Jungs hätte es glatt so bleiben können, für mich gefühlt ja kein Verlust.
Und das ist für viele ja meist das Thema: Angst davor etwas zu verlieren. Wer im Sommer Club med macht und im Winter St Moritz oder wer gewohnt ist regelmäßig in gute Restaurants zu gehen...der hat einen Verlust bei gewohntem.
Und ggf keine Lust mit einer Partnerin in zb ne Ferienwohnung nach Holland zu gehen.
Es gibt aber auch Vollzeit arbeitende Herren, die nicht mehr verdient haben wie ich allerdings waren die, die ich kennengelernt habe nicht so glücklich über meine geistigen Möglichkeiten.

Ich kann Dich gut verstehen, man muss nicht die reichste Leiche auf dem Friedhof werden.
Und die, die es abschreckt passen eben nicht...aber Du willst wahrscheinlich nicht viele Männer, sondern nur einen.

Viel Vergnügen in deinem Leben
 
  • #115
Ich kann bei der Sache so einige Verhaltensweisen nicht verstehen.

Für manche Menschen scheint die Arbeit etwas ganz Schlimmes zu sein. Warum ändert man nichts, damit auch die Arbeit wieder Freude macht?
Bleibt am Ende des Monats Geld über, kann man das zur Bank tragen ... oder auch bspw. durch Aktienkäufe seinen Einfluss erhöhen.
Warum wird hier schwarz - weiss gemalt? Es heisst doch nicht: Arbeit ODER Hobby / Freizeit .... es geht doch beides.
Wer nicht ständig konsumieren will, muss dies auch nicht tun. Auch wer viel Geld im Monat verdient, ist nicht verpflichtet, ständig neue Smartphones zu kaufen. Niemand muss 5 Autos haben oder eine Villa für sich alleine - aber ist es für euch nicht ein gutes Gefühl, die Möglichkeiten dazu zu haben?
Sicherheit ist ein Grundbedürfnis für die Menschheit. Absolute Sicherheit gibt es nicht .... aber warum wegwerfen, was man haben kann ?
Sicher, irgendwann hat man genug Geld zur Verfügung - dann aufzuhören macht Sinn. Allerdings kenne ich einige ehemalige Unternehmer, die nach Übergabe des Betriebes einen Sommer lang Golf spielten ... und sich dann furchtbar gelangweilt haben. Und heute als "Senioren der Wirtschaft" beratend tätig sind....
Ich kann verstehen, wenn jemand ein Ziel ausser der Arbeit hat - kann auch verstehen, dass 70 Stunden Wochen nicht für jeden erstrebenswert sind. Aber ohne Ziel einfach nur auf der Couch liegen?
 
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  • #116
@Tom26 : es gibt Menschen, die eben keine Sklaven der Arbeit sein möchten. Arbeiten tue ich für andere. Da möchte ich entscheiden, wie viel Zeit ich investieren will. Mir zb reichen 6 h am Tag.

Meinen Interessen nachgehen, lernen, neues erleben und entdecken -das ist nicht arbeiten. Einen Sinn sehe ich zb darin andren Menschen und Tieren zu helfen, das mache ich ehrenamtlich.

Beim Arbeiten bekommt man vorgesetzt wo man wann zu erscheinen hat und wie lange man da sitzen muss. Das alleine schränkt mich im meiner Freiheit ein.
 
  • #117
"Macht es wirklich Sinn, mich in meinen "besten Jahren" - ...einzuschränken bzw. abzuschinden für eine Absicherung, von der ich u.U. gar nichts haben werde?".
Eine völlig berechtigte Frage und natürlich sind die Folgerungen aus der Antwort "Nein" völlig legitim. Genauso kann ich mich fragen, ob ich mich in den besten Jahren einschränke, um im Job weiterzukommen, Kinder zu bekommen, ein Haus zu bauen oder was auch immer.
Ich muss gestehen: ich arbeite auch viel, einfach weil es mir Spaß macht und mein Job interessant und abwechslungsreich ist. Ich bedaure dann die Menschen, die zwar ihren Job überhaupt nicht mögen, aber nichts ändern wollen und deshalb dann "minimalistisch" leben müssen, damit das Leben wieder Spaß macht.

Alles in Ordnung, solange man die Konsequenzen alleine trägt. Also im Zweifel z. B. eben im Alter nicht in Rente gehen kann, weil man keine entsprechende Absicherung hat oder auch nicht ins Altersheim, weil die finanziellen Ressourcen nicht reichen. Unfair ist immer, das dann auf andere anzuwälzen. Die Menschen, die z. B. ihr Leben lustig im Ausland verbringen, weil hier ja "sowieso alles doof" ist und dann wieder vor der Tür stehen, wenn das deutsche Sozialsystem benötigt wird, würde ich vor der Tür stehen lassen.
Wie hier bereits auch richtig geschrieben wurde: Minimalismus muss man sich leisten können.
 
  • #118
@Tom26 : es gibt Menschen, die eben keine Sklaven der Arbeit sein möchten. Arbeiten tue ich für andere. Da möchte ich entscheiden, wie viel Zeit ich investieren will. Mir zb reichen 6 h am Tag.
Und so entsteht er, der "Gender-pay-Gap" als eine Folge privater Entscheidungen.
Später wird dann zudem gejammert, daß Arbeitlosengeld 1 oder Rente oder Elterngeld zu wenig wären. Aber den Grund dafür, nämlich die eigenen Entscheidung, weniger zu arbeiten wird schamlos verschwiegen - sollen doch die anderen bezahlen.

Das Lamentieren über die so entstandene Lücke ist ja immer noch in den Medien zu finden und nun erleben wir mal Live, wie die echten Grundlagen dafür aussehen.

Ich werde hier die private Entscheidung, weniger zu arbeiten, nicht kritisieren. Das steht mir nicht zu.

Aber ich werde mal auf eines hinweisen: jetzt, im Alter der größten Leistungsfähigkeit der FS verlegt diese sich auf das Zurückschalten und Zurücklehnen - also in einer Zeit, wo Weichen für das spätere Berufsleben und die spätere soziale und berufliche Stellung gelegt werden.
In der Arbeitswelt wird man sich ihrer nach einigen Jahren immer an die Frau erinnern, die Dienst nach Vorschrift und in 6 h machte und lieber das Leben genießen wollte. Damit wird sicher kein Vorgesetzter eine (leistungsgebundene) Beförderung aussprechen und kein zusätzlicher Kunde (falls die FS selbsständig ist) gewonnen.

Möge das Erinnerungsvermögen der FS in einer späteren Zeit, wenn es ans Eingemachte geht (von dem sie ja weniger herstellt) dann an ihre Entscheidung gemahnen und keine Forderungen an die Menschen aufmachen, die nicht ihrem Weg gefolgt sind.

Sollte reguläre Arbeitszeit der Mehrheit aller Arbeitnehmer irgendwann auf 6 h sinken, dann wäre ihr Pensum natürlich außerhalb der Kritik.

Mensch50
 
  • #119
Für manche Menschen scheint die Arbeit etwas ganz Schlimmes zu sein. Warum ändert man nichts, damit auch die Arbeit wieder Freude macht?
Das können doch nur ganz wenige, die glücklichen Selbständigen/Freiberufler. Der Rest muss Glück haben, dass Kollegen, Chef/Angestellte und Arbeitsplatz angenehm für ihn sind und vor allem, dass er sich auch gut fühlt, weil seine Arbeit anerkannt wird. Und die schönen Arbeiten, die einer vielleicht gern beruflich machen würde, werfen vermutlich finanziell nichts ab.
Ich denke, es gibt Leute, die leben, um zu arbeiten (ich z.B., einen Brotjob könnte ich nie mit dem gleichen Elan tun), und welche die arbeiten, um davon einigermaßen zu leben.
Nicht jeder mag die Verantwortung für sich, man braucht auch noch ein besonderes Gen, wenn man arbeiten kann ohne Druck oder dass einer sagt "jetzt ist Feierabend". (Davon wollen auch die Unternehmen profitieren, die den Angestellten freie Arbeitszeiten einräumen und Homeoffice. Der Druck, den sich die Angestellten dann selbst machen, irgendwas noch zu schaffen und die Arbeitszeiten selbst zu überschreiten, kommt dem Unternehmen zugute)

Es heisst doch nicht: Arbeit ODER Hobby / Freizeit .... es geht doch beides.
Naja, kommt drauf an, wieviel Fahrzeit man z.B. hat, oder ob man abends nach dem Essen schon einschläft. Oder ob man von der Arbeit kommt und sich depressiv fühlt, weil man gemobbt, übergangen usw. fühlt.
Niemand muss 5 Autos haben oder eine Villa für sich alleine - aber ist es für euch nicht ein gutes Gefühl, die Möglichkeiten dazu zu haben?
Wieviel Prozent der Bevölkerung werden durch ihren Lohn die Möglichkeit haben, sich 5 Autos oder ne Villa anzusparen? Geht doch am Leben komplett vorbei zu denken, jeder hätte diese Option. Und wenn jeder die Jobs machen wollte, die die Wirtschaft/Gesellschaft so gut bezahlt, wer machte dann die anderen, die viel wichtiger sind für den einzelnen, wenn es um das alltägliche Überleben geht? Traurig finde ich, wenn der Job gesell. super wichtig ist, der Mensch für den Job "lebt" und dann aber mies bezahlt wird.
Aber ohne Ziel einfach nur auf der Couch liegen?
Ich glaube nicht, dass bewusste Minimalisten oder Menschen, die dem Konsum aus Bewusstheitsgründen abgeschworen haben, das tun.
Wer für seinen Beruf lebt, ist in meinen Augen ein glücklicher Mensch. Aber es gibt einen Riesenprozentsatz an Menschen, denen die Arbeit vielleicht auch was gibt, aber nicht so viel, dass sie es vor alles andere stellen. Ein paar Stunden reichen ihnen, die Verantwortung trägt ein anderer dafür, dass Herzblut in dem Ding steckt.
 
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  • #120
Die Menschen, die z. B. ihr Leben lustig im Ausland verbringen, weil hier ja "sowieso alles doof" ist und dann wieder vor der Tür stehen, wenn das deutsche Sozialsystem benötigt wird, würde ich vor der Tür stehen lassen.
Ja, da bin ich dabei. Aber gleiches Recht für alle. Was ist mit denen die abhauen und Steuerbetrug begehen??? Jeder Steuerfander bringt mehr Geld ein, als er kostet. Aber Steuerfander gibt es immer wieder und es gibt viele, die den dicken Fischen auf der Spur waren und dann bewusst in Rente geschickt wurden. Ein Schelm der böses dabei denkt. Sozialschmarotzer gibt es in allen Schichten. Die wenigen dicken Fische verursachen allerdings die großen Löcher. Und die FS würde ich nicht so einstufen. Sie macht das alles wohl bedacht und nicht mit dem Ziel uns irgendwann auf der Tasche zu Leben.

Klar gibt es auch welche mit üblen Jobs, die nichts dran ändern und im Alter finanzielle Probleme haben. Aber wie schon oben geschrieben habe - nicht jeder kann was ändern. Ich hatte mal einen Traumjob mit gutem bis sehr gutem Verdienst - je nach Tantieme. Aber der Druck war irgendwann unerträglich und gesundheitlich bedenklich. Dann lieber das jetzige und langweiligere - reicht immer noch, ist aber deutlich 5-stellig weniger. Schadet meiner Gesundheit nicht. Und wenn ein gewisses Niveau erreicht ist, läßt es sich auf rel. hohem Nievau auch gut Leben bis ins hohe Alter - und so verstehe ich die FS auch.

Liebe Annabell: mach es!

M 48