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Gast

  • #1

Scheidung in Freundschaft wie oft ist das der Fall?

Scheidung in Freundschaft wie oft ist das der Fall?

Angerecht durch einen anderen Thread, möchte ich einfach mal fragen, ob das wirklich eine Ausnahme ist. Ich bin seit 5 Jahren nach einer 25jährigen Ehe geschieden und habe heute ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Ex. Wir telefonieren ca. alle 2 Wochen miteinander, so wie mir guten Freunden und reden auch mal über unsere private Probleme mit neuen Partnern usw. Natürlich gab es direkt nach der Trennung und dann nochmal bei der Scheidung Reibereien, aber irgendwie konnten wir uns immer wieder beruhigen. Wir hatten nur einen Anwalt und die Scheidung war in 10 Minuten vorbei, danach sind wir dann noch essen gegangen, also alles andere als ein Rosenkrieg. Mein Ex war anständig zu mir und ich auch zu ihm. Wer hat das auch so hingekriegt?
 
  • #2
Zwei Fragen von mir, die ich hier sehr interessant finde. Hoffentlich antwortest Du darauf!

1) Musst Du ihr Unterhalt zahlen?

2) Weiß Deine jeweils aktuelle Partnerin, dass Du über Eure Paarprobleme mit der Ex sprichst?
 
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Gast

  • #3
@1
Ich bin eine Frau!
Zu deinen Fragen:

1. Er musste mir Unterhalt zahlen, da ich nach 25 jähriger Ehe nicht mehr sofort von einem Teilzeit-Job in einen für mich passenden Vollzeitjob gehen konnte. Inzwischen arbeite ich Vollzeit und bekomme nur noch einen ganz geringen Aufstockungsunterhalt. Der Grund hierfür: Ich bin Beamtin und durch die lange Zeit der (von beiden vereinbahrten) Erziehungszeit, fehlen mir einfach viele Jahre der Gehaltshochstufung. Das gleicht mir mein Ex jetzt aus.

2. Ja, teilweise schon, so wie es eben unter Bekannten üblich ist. Meistens geht es auch eher darum, dass er oder ich auf Partnersuche ist und dabei so einige Erfahrungen macht.
Aber mal ehrlich: Sagst du deinem jeweiligen Partner immer, wenn du mit einem alten Schulfreund oder einer Freundin über euer Leben sprecht.
Also ich habe kein Problem, wenn mein augenblicklicher Freund mit seiner Ex über unsere Beziehung spricht. Warum auch? Ich kenne es eben aus eigener Erfahrung, dass ein "Ex" nichts negatives sein muss. Wir konnten eben nicht mehr zusammen leben, aber deswegen kann man sich doch noch leiden, wir waren so lange zusammen, wir kennen uns, wie ich keinen anderen Menschen kenne. Aber ich liebe ihn nicht und bin froh über unsere Trennung.

Auch wenn du es mir nicht glaubst - es gibt eine Trennung in Freundschaft.
Mein Ex sieht das übrigens genauso wie ich.
 
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Gast

  • #4
Wir haben das auch hinter uns - waren nach der Scheidung (nur noch proforma, Scheidungsfolgenvereinbarung war erledigt) Kaffee trinken und haben, auch aufgrund des gemeinsamen Kindes noch Kontakt, feiern den Kindergeburtstag gemeinsam, gehen gemeinsam zum Elternabend usw. Viele beneiden uns um den fairen Umgang während der Trennung und Scheidung, weil oftmals leider doch Rosenkriege ausbrechen. Zu Frederikas Frage: keiner hat dem anderen Unterhalt gezahlt, es fließt nur der gesetzl. Kindsunterhalt. Obwohl mir anfangs Unterhalt bzw. mehr Geld aus dem Versorgungsausgleich zugestanden hätte, habe ich darauf verzichtet, weil er auch noch leben können soll. Aber diese Fairness findet man selten, ich weiß.
 
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Gast

  • #5
Ich habe nach 27 Jahren Ehe einen Rosenkrieg der schlimmsten Sorte hinter mir. Mein Ex hat vor der Trennung schon alle Konten leergeräumt, mir keinen Unterhalt gezahlt (hatte zum Zeitpunkt der Trennung wegen der drei Kinder nur einen Halbtagsjob), hat beim Kindesunterhalt betrogen, weil er ein zu niedriges Einkommen angegeben hat, wollte, dass die Kinder zu ihm ziehen (habe ich unterstützt und bin aus dem Haus ausgezogen), dann hat er ihnen gesagt, dass er keinen Platz für sie hat. Jetzt sind alle drei wieder bei mir, in einer 3-Zimmer-Wohnung und er ist mit seiner Scheidungsanwältin verheiratet. Die Affäre mit ihr war Grund für unsere Trennung.

Ganz ehrlich: ich habe hochgradige Bewunderung für alle, die ihre Scheidung nicht auf diese Weise betreiben und es tut mir in der Seele weh, dass eine so lange Ehe auf solche Art abgeschlossen wird. Immerhin haben wir drei super Kinder, inzwischen studieren schon zwei. Ich denke, auch das ist nicht selbstverständlich und jeder Partner sollte dafür dankbar sein.
Die Kinder haben nach der Aktion, "Papa hat keinen Platz" praktisch keinen Kontakt zum Vater. Schade.

w,51
 
  • #6
@#2: Danke für die Antworten.

Erstens empfinde ich eine "Scheidung in Freundschaft" wahrscheinlich ganz anders als Du -- nämlich im engeren Sinne als gar nicht wünschenswert. Gewiss ist es begrüßenswert, wenn man sich friedlich, konstruktiv und einvernehmlich trennt. Keine Frage. Aber Freundschaft hinterher? Das finde ich doch extrem befremdlich. Ich möchte weder mit einem meiner Ex noch befreundet sein noch möchte ich einen neuen Partner finden, der noch Kontakte zu seiner Ex hält, geschweige denn betont freundschaftliche! Also das würde mich doch extrem abschrecken und den Kontakt insgesamt in Frage stellen lassen.

Zweitens spreche ich sicherlich mit vielen Freunden und Freundinnen über Partnersuche, Onlinedating und Beziehungen, aber doch niemals über konkrete Aspekte. Partnerschaftsprobleme gehen exakt zwei Personen etwas was, und zwar die beiden beteiligten Partnern. Wenn ich herausbekommen würde, dass mein Partner mit seinen Kumpels über unsere Sexualpraktiken, meine Vorlieben oder gar über unsere Streitereien und Probleme spricht, wäre er wahrscheinlich die längste Zeit mein Partner gewesen. Vertrauen und Verschwiegenheit gehen Hand in Hand.
 
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  • #7
@5 sicherlich muss allgemein differenziert werden, wie lange die Beziehung bestand und ob gemeinsame Kinder das Leben doch irgendwie immer noch miteinander verflechten. Selbst erwachsene Kinder haben Familienfeste, zu denen beide Elternteile eingeladen werden (sollten). Daher ist es unterschiedlich zu betrachten, ob einfach nur zwei erwachsene Menschen sich trennen, deren Wege sich sowieso nie wieder kreuzen werden, oder ob andere Verflechtungen vorhanden sind. Dies ist auch eine Frage des Alters und der Dauer der Beziehung/Ehe.
 
  • #8
Für meinen Teil, ist die Begriffsbestimmung falsch.

Es ist sicher in Einzefällen möglich, ein gutes bzw. entspanntes Verhältnis zu seinem Ex-Parter zu haben (meist schon wegen der Kinder und Familienereignissen).

Aber wirkliche Freunde, können sie m. E. selten sein/werden. Da steht dann zuviel dazwischen (die frühere Intimität in allen Lebensbereichen, alles, was zur Trennung geführt hat). Gespräche über aktuelle Partner, kämen mir da nie in den Sinn.

Aber, auch ich bin dafür und halte es für sinnvoll und möglich, dass nicht alle Trennungen in einen Rosenkrieg ausarten müssen.

Es ist halt so, wie immer, wenn Erwachsene sich auch erwachsen verhalten, funktioniert das.

Bei mir hat das auch geklappt. Wir sehen uns 2 x im Jahr zum Kindergeburtstag unserer Enkel. Da wir die beide sehr lieben, beschränkt sich unser Gesprächsstoff meist auf die Kinder. Dabei verletzt keiner den Anderen und ansonsten lebt jeder sein Leben - weit entfernt voneinander!
 
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  • #9
@5 von FS:

Also über meine Sexpraktiken spreche ich weder mit meinem Ex noch mit meinen Freundinnen. Wie schon geschrieben geht es eher darum, wenn einer von uns mal wieder Erfahrungen mit Dates hatte oder um allgemeine Dinge der Partnerschaft und nicht um die intimsten Dinge. Das fände ich auch geschmacklos, aber davon habe ich ja auch nie etwas geschrieben.

Wäre es dir also echt lieber, wenn dein Partner über seine Ex herzieht und mit ihr um den Unterhalt vor Gericht streitet? Komische Ansichten.
Also wenn mein neuer Freund zu seiner Ex ein gutes Verhältnis hat, dann sagt mir das, dass er sich wahrscheinlich auch mir gegenüber anständig verhält.

Wir sind beide noch Eltern unserer Kinder und wie gesagt, wir kennen uns unser halbes Leben, das können und wollen wir nicht vergessen. Ein Mann, der keinen Kontakt mehr zu der Mutter seiner Kinder hat, wäre für mich ein absolutes NoGo.

Aber du warst ja wohl noch nie verheiratet und kannst das daher auch nicht nachvollziehen.
 
  • #10
@#8: Na, dann sind wir uns über den Punkt schon mal einig -- beruhigt mich.

Mir wäre es am liebsten, wenn mein neuen Partner seine vorige Beziehung vollständig verarbeitet hat, also alle juristischen, organisatorischen, finanziellen und vorallem auch emotionalen Lasten endgültig und vollständig verarbeitet sind. Es wäre mir am liebsten (und so war es bisher auch meistens), wenn ich weder den Namen der Ex weiß noch sie jemals kennenlerne, und er auch überhaupt keinen Bedarf hat, über sie nachzudenken oder zu sprechen. Das nenne ich alles zusammen "beziehungsfähig" und "vollständig verarbeitet". Er sollte weder Sensucht oder Leidenschaft, noch Hass und Wut gegenüber sein Ex empfinden, es sollte einfach neutral geworden sein und realistisch Gutes als gut und Schlechtes als schlecht und vorallem Vergangenes als vergangen empfinden. Das ist gesund und konstruktiv.

Sicherlich ist das mit Kindern so nicht möglich und genau deswegen schließe ich ja auch Partner mit Kindern für mich kategorisch aus. Damit würde ich einfach nicht glücklich werden.
 
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Gast

  • #11
Fast 20 Jahre Beziehung/Ehe ohne Streit, Trennung ohne Streit. Scheidungsantrag ist von unserer gemeinsamen Anwältin aufgesetzt, aber noch nicht eingereicht, weil das gemeinsame Haus vorher erst noch verkauft werden soll. Unterhaltsforderungen oder Zahlungen standen und stehen nicht an, da ich mit meinem Gehalt mit den Kindern zurecht komme. Der Scheidungstermin selbst ist reine Formsache, da es nichts gibt um das gestritten werden könnte. Ich habe mich von meinem Ex getrennt, als unsere Kinder 13 1/2 und fast 12 waren. Zwei Jahre später zog ich mit den Kindern und aller Einverständnis, aus beruflichen Gründen, ca 360km weit weg. Kontakt zwischen ihm und mir gibt es keinen, der Kontakt von ihm zu seinen Kindern besteht aus einer E-Mail zum Geburtstag. Da er nie eine Beziehung zu seinen Kindern aufbaute, haben auch sie kein Bedürfnis nach Kontakt zu ihrem Vater.

Bin seit 3 1/2 Jahren Single mit 2 Kindern, muss und habe aber in meinem Profil "getrennt lebend" angegeben. Sicherlich haben diejenigen Recht, die meinen, dass bei "getrennt lebenden" oft Ärger und Altlasten im Background lauern, aber es gibt eben auch ein paar, bei denen das garnicht so ist. Aus eigener Erfahrung schließe ich daher einen potentiellen Partner -nicht- aus, nur weil "getrennt lebend" im Profil steht, sondern frag erstmal nach, was es damit auf sich hat.

w39
 
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  • #12
Also bei mir war es auch so, dass wir uns vor der Scheidung auf eine Scheidungsfolgevereinbarung geeinigt haben und hatten auch nur einen Anwalt und die Scheidung war auch in 10 Minuten durch.

Ich habe ein etwas angespanntes Verhältnis zu meinem Ex, weil es immer wieder Probleme gibt, weil der den Kindern alle paar Monate eine neue Frau vorstellt und zwar in der einen Woche ist noch die eine da und in der nächsten Woche die andere. Oder weil meine Tochter nicht mehr hin will, weil sie das Rauchen nicht vertragen kann... etc etc.

Ich habe damals Prozesskostenhilfe beantragt, die ich jetzt nach Prüfung wieder zurückzahlen muss.Gar kein Thema, dann kann ich danach wenigstens sagen, dass ich persönlich keine sozialen Leistungen in meinem bisherigen Leben in Anspruch genommen habe. Ich habe meinen Ex gefragt, ob er mir was dazu gibt, weil es ja auch seine Scheidung war, aber da bekam ich nur die Antwort, dass er jetzt wieder Harz IV bezieht. Mein Ex ist fein raus, denn ich habe die Prozesskosten beantragt, wir hatten nur einen Anwalt, also bezahle ich jetzt die Scheidung, weil er Harz IV bezieht und mir nichts dazu geben kann. Kindesunterhalt bekomme ich auch nicht bzw. nur Unterhaltsvorschuss und darf wenn ich in Rente gehe noch einen Teil meiner Rente an ihn abdrücken.

Es gab keinen Rosenkrieg, weil ich immer an die Kinder gedacht habe, dass sie nicht darunter leiden, sie sich nicht entscheiden mussten. Aber dafür habe ich auch ganz schön eingesteckt. Bin die betrogene Ehefrau, die dann trotzdem noch die gelackmeierte ist, weil ich mittlerweile zwei Jobs habe, da wir sonst mit dem Geld nicht klar kämen, weil ich noch Rente abdrücken kann, weil ich die Scheidung allein bezahle.... während er den ganzen Tag Eier schaukelt... zwar auch kein Geld hat, aber das scheint ihn nicht wirklich zu stören, denn wenn man Stellenangebote von vornherein ablehnt, weil sie 70 km entfernt sind, scheint nicht wirklich arbeiten zu wollen.
 
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  • #13
Ich kenne drei Paare, die sich mit einem gemeinsamen Anwalt in Frieden haben scheiden lassen und auch nach der Scheidung noch entweder befreundet sind oder mindestens einen guten Umgang miteinander pflegen.

Mein eigener Fall: mein Mann hat nach der Trennung vor 17 Jahren einen Krieg angezettelt, da wir eine gemeinsame Firma und eine gemeinsame Praxis hatten, die er absprachegemäß behalten hat, ich habe unsere drei gemeinsamen Kinder "behalten". Der Streit drehte sich um meine Firmen- und Praxisanteile in siebenstelliger Höhe. Nach jahrelangen Verhandlungen, bis zum OLG, habe ich schließlich in allen Punkten recht bekommen.

ABER: in alle den schwierigen Jahren haben wir unsere Probleme von den Kindern ferngehalten. Er blieb der liebevolle Vater.

UND: mein Exmann fand eine wunderbare neue (30 Jahre jüngere :)) Partnerin, ist glücklich mit ihr, hat drei ganz liebe Kinder mit ihr, die zu ihren "großen" Halbgeschwistern eine liebevolle, enge Beziehung haben, die Wogen zwischen uns haben sich geglättet, die Jahre des Kampfes sind vergessen, wir wissen, was wir füreinander sind und waren, und wir sind jetzt Freunde und eine Muster-Patchworkfamilie :). Und ich übernehme gelegentlich die Leitung eines Projektes in seiner (unserer Ex-)Firma.
 
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  • #14
Liebe FSin,

ich habe meine Scheidung ebenso hingekriegt. Ich habe noch freundschaftlichen Kontakt zu meinem Exmann, allerdings beprechen wir nicht die neuen Beziehungen.

Ich habe dafür ganz einfach andere bessere Ansprechpartnner, nämlich mich selbst, meinen Partner und in Ausnahmefällen eine beste Freundin - der es langsam langweilig wird, immer nur zu hören, dass ich keine Probleme mit meinem aktuellen Partner habe ;-)

Die Telefonate oder Mails (ca. 1-2 im Monat) mit meinen Exmann drehen sich, wenn es denn um die Beziehungen geht eher um "Schönen Urlaub, wo geht es denn hin?", "Wann zieht ihr denn zusammen?", auf keinen Fall über intime Details. Und somit ist das für die neuen Partner überhaupt kein Problem.

Ich werde Ende des Jahres sehr groß feiern und plane, die beiden einzuladen, weil meine Betrachtung, mein Gefühl nicht mehr denkt "Ex", sondern "Mensch". Und ich entscheide, mit welchen Menschen ich mich an diesem Tag umgeben mag und mit welchen nicht, ganz unabhängig davon, ob Ex oder nicht-Ex.

Was mich eher wundert ist, dass ich fast nur Expaare kenne, die ohne Streit oder Nachtragen miteinander umgehen, sich beide anständig um gemeinsame Kinder kümmern usw.
Wahrscheinlich ziehe ich ähnlich tickende Menschen an.

w/49