• #1

Polyamory, promiskuitiv, offene Beziehung oder was eigentlich?

Hallo, liebe Forumsmitglieder,

da ich nun schon öfter von Polyamorneigung gelesen habe und mich frage, was so anders sein soll zu anderen Menschen, die auch viele Menschen lieben, aber eben nicht sexuell, frage ich mal euch, wie ihr darüber denkt.

Meine Punkte sind:

Frauen verlieben sich angeblich schnell beim Sex. Glaube ich zwar nicht, dass es per se anders als bei Männern sein soll, aber gut. Wenn das stimmt, kann keine Frau eine offene Beziehung führen, die nicht auch gleichzeitig polyamor wäre.

Was soll der Unterschied sein zu Menschen, die auch andere Menschen lieben? "Polyamor" meint ja wohl immer auch Sex, sonst hätte man z.B. mit seinem besten Freund oder seiner besten Freundin wohl auch eine polyamore Beziehung, weil manche die ja mehr lieben als ihren Partner. Von Familie und Kindern gar nicht zu reden.

Wenn ich an Berichte aus den 60er Jahren denke, so lebten die Hippie-Leute auch nichts anderes. Soll also "ich bin polyamor" einfach gesellschaftsfähig machen, im Sinne von "ich kann ja nichts dafür, dass ich so bin" (aber natürlich bin ich kein Hippie, Untreuer, Fremdgeher)?

Schon allein zu definieren, was Liebe ist, ist sehr schwer. Es behaupten Leute, die sagen, sie seien polyamor, übersetzt, sie würden eben mehrere Menschen lieben (tu ich auch). Nicht "verliebt sein", nicht "sexuell begehren", nicht "bewundern", sondern lieben. Liebe gibt es aber auch unabhängig von Sex. Aber komischerweise habe ich nie gehört, dass es dabei ohne Sex abgeht.
Man kann nun nach den vier Arten einteilen: Agape, Eros, Epithemia, Philia. Idealerweise hat eine Partnerbeziehung alles davon, sowohl das Selbstlose, das Seelische, das Körperliche und die Liebe zum anderen Ich als Persönlichkeit. Empfinden polyamore Menschen all das zu mehreren Personen oder wollen sie nur eine weitergehende offene Beziehung, in der sich auch fremdverliebt werden darf, weil man keine Lust hat, sich sexuell auf eine Person zu beschränken? Ist es die Suche nach den ewigen Schmetterlingen?

Sind alle Menschen mit Affären, die sich nicht vom Partner trennen, sondern nach einer gewissen Zeit genug haben von der dritten Person und sich wieder auf ihre Ehe beschränken, nicht auch polyamor?

Würde mich mal interessieren, wie ihr das seht.
 
  • #2
Schon allein zu definieren, was Liebe ist, ist sehr schwer.
Ja, ganz genau...jeder hat seine eigene Definition. Und ich persönlich kann es auch gar nicht so genau trennen, ob es nun
ist, was ich da für Jemanden fühle. Ich bin seit 20 Jahren verheiratet, habe immer mal wieder eine Affäre und oft ist da eben auch Gefühl dabei. Dabei schmälern die Empfindungen für meinen "Lover" aber nie die tiefen Gefühlen , die ich für meinen Mann habe, sondern bereichern mein Leben einfach. Genau das ist auch der Grund, warum ich es ohne schlechtes Gewissen tue. Bin ich damit nun polyamorös? Ja, vielleicht. Schließlich kann jeder Mensch nur die beste Version von sich selbst geben...und damit nicht alle Bedürfnisse des Partners erfüllen. Warum auch? Überspitzt gesagt, lasse ich mir ja auch nicht beim Bäcker die Haare schneiden ;-). Ich sehe es ähnlich wie bei anderen nichtsexuellen Liebesbeziehungen im Leben...man kann auch mehrere Geschwister oder mehrere Kinder lieben - jeden Menschen auf eine besondere und eigene Art. Und ich glaube nicht, dass z.B. ein Einzelkind mehr von seinen Eltern geliebt wird als ein Kind, was Geschwister hat. Liebe teilt sich nicht. Meiner Meinung nach hat jeder Mensch damit polyamoröse Züge und je nach Moralvorstellungen lässt man die auch im sexuellen Bereich zu.

w,39
 
  • #3
Für mich hat polyamor immer auch mit Sex zu tun. Sprich, wenn keine Sex mit mehreren Partner, dann auch keine Polyamorie.
Es gibt eine ganz wunderbare 37Grad-Reportage dazu, die du im Netz findest.
Mach dir dein eigenes Bild. Ich selber bin davon überzeugt, dass das nur in wenigen Fällen beiderseitig gut tut.
 
  • #4
Das muss jeder für sich individuell herausfinden. Solange niemand belogen, hintergangen etc wird, finde ich dass alles "erlaubt" sein sollte. Meine eigene Erfahrung: Langjährige gute Partnerbeziehung (fast gleich alt, sehr viele Gemeinsamkeiten), Liebe auf allen Ebenen, zunehmend von mir aus unbewusst in Richtung schwesterliche u/od mütterliche Liebe abgedriftet, daher keine sexuelle Anziehung mehr. Nach mehreren Gesprächen gegenseitig erlaubt, jeweils 1 Freund/in haben zu dürfen, falls es sich ergibt bzw man sich verknallt; dies dann auch als Zweitbeziehung. Trennung wollen wir beide nicht, da ansonsten sehr enge, liebevolle, ehrliche Beziehung. Bilanz: Bei ihm hat sich nichts ergeben und bei mir eine ungewollte Affäre inkl ernsthaftem einseitigen Verlieben meinerseits und langem Liebeskummer. Egal wie man den Weg wählt, einfach wird es nie. Was wir gerne hätten ist Polyamorie, da liebt man den Zweitpartner auch; in unserem Fall könnten wir diesen auch sexuelle Exklusivität bieten. Unter Offener Beziehung verstehe ich, dass beide (wechselnde) Affären haben, ggf auch beide noch Sex haben, d.h. dass es vor allem um den Sex an sich geht und die Abwechslung, evtl am besten ohne Verlieben. Das wäre für uns nichts.
Wenn es um Liebe und Erotik geht und um die vielen Arten der Liebe, da kann man nur sagen, es gibt tausend Facetten und kein Wunder, wenn längerfristig mit nur 1 Partner etwas fehlt.
 
  • #5
Guten Morgen,

Ich beziehe mich auf die Liebe, wo Sexualität in irgendeiner Form mitschwingt.
Jede(r) hat seine Liebesmelodie und erlaubt ist, was gefällt.Jeder kann und darf so sein, wie er will. Aber auch nur dann, wenn man seinen Liebespartner darüber informiert, damit er frei mit seinen eigenen Entscheidungen Liebe leben kann, so wie er es möchte.
Leider ist das selten der Fall und das ist purer Egoismus, etwas auszuleben, dem anderen zu verschweigen und in einem anderen Glauben zu lassen. Selbst redet man sich ein, dass man ja den anderen nicht verletzen will. Dabei geht es darum, den anderen nicht verlieren zu wollen, alles haben zu wollen und oft auch, dem anderem Gleiches nicht zugestehen zu wollen.
In einer Kennenlernphase spricht man selten darüber. welche Liebesmelodie man leben will und ob das mit der des Partners überhaupt kompatibel ist. Vieles wird verschwiegen, oft fehlt die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Und viel zu oft schwingt man mit, um den Partner nicht zu verlieren.
 
O

oh ja

  • #6
Ich denke, jeder ist auf der Suche nach dem Komplettpaket.
Das ist aber unheimlich schwer zu finden und so geht man Kompromisse ein.
Wenn man es dann nicht schafft sich zu fokussieren und zusammen zu schweißen, wird immer etwas fehlen, dass man bei anderen bekommt.
Und um so früher man sich diesen Ausgleich des Defizites bei anderen holt, um so schwerer wird es sich gänzlich einzulassen.
Man liebt dann den einen dafür, dass... und wieder einen andern dafür, dass... und schon ist man in Richtung polyamor unterwegs.

Ich denke auch Partnerbörsen beinhalten die Gefahr. Besonders Frauen, die ja nur zugreifen brauchen, können dann ambivalent werden.. oder sich mit Männern parallel einlassen... mit dem einen ist dies toll.. mit dem anderen jenes... und wenn sie dann dem Sex gegenüber offen sind, kann sich so etwas entwickeln.

Dies habe ich selbst so erlebt und mich schnell wieder zurückgezogen.
 
  • #7
Ich persönlich finde die Idee echter Polyamorie sehr interessant, habe allerdings keine praktischen Erfahrungen damit.

Ich denke, der Wunsch, ausschließlich und exklusiv geliebt zu werden, ist etwas sehr kindliches. Insofern menschlich - ein Kind ist ja auch ein Mensch und wir alle tragen kindliche Anteile in uns - aber eben unreif. Denn im Gegensatz zum (kleinen) Kind ist ein erwachsener Mensch nicht vollständig abhängig und somit auf symbiotische Beziehungen nicht angewiesen.
Im Erwachsenenalter entspring der Wunsch nach "Ausschließlichkeit" m.E. gesellschaftlicher Prägung und/oder einem schwachen, von kindlichen Anteilen dominierten Selbst (wovon ich mich übrigens keineswegs ausnehme).

Ich denke aber nicht, dass man mehrere Personen allumfassend, also Agape, Eros, Epithemia, Philia vereinend, lieben kann. Ich bezweifle sogar, dass man auch nur einen einzigen Menschen in allen Aspekten und auf allen Ebenen uneingeschränkt lieben kann. Diese Vorstellung halte ich für ein unerreichbares romantisches Ideal. Vielmehr denke ich, dass jeder Mensch, der in uns Liebe auslöst, das auf einer unterschiedlichen Ebene tut, also sozusagen unterschiedliche Bedürfnisse befriedigt.

Einen liebt man z.B. mehr auf seelisch-geistiger Ebene, einen Anderen mehr körperlich.

Sind alle Menschen mit Affären, die sich nicht vom Partner trennen, sondern nach einer gewissen Zeit genug haben von der dritten Person und sich wieder auf ihre Ehe beschränken, nicht auch polyamor?
Wenn du hier die "klassische" heimliche Affäre meinst, bei der der Ehepartner im Dunkeln tappt und der/die Geliebte mit Aussicht auf baldige Trennung geködert wird, würde ich das ganz klar verneinen.

Denn zu Liebe - egal, welcher Form - gehören unabdingbar Respekt und Fairness. Davon kann ich bei solchen Konstellationen nun ganz und gar nichts erkennen.

Wen ich liebe, dem mache ich nichts vor, um ihn für die Befriedigung meiner Bedürfnisse bei der Stange zu halten.

Ehrlich gesagte stehe ich auch sog. offenen Beziehungen skeptisch gegenüber. Dabei wird zwar mit offenen Karten gespielt, aber die Menschen, die man in die Beziehung hineinholt, zu reinen Sexobjekten degradiert. Wenn die das so wollen, z.B. weil sie selbst in einer offenen Hauptbeziehung stecken, ist das ja okay - aber ich denke, das ist sehr oft nicht der Fall.
 
  • #8
Polyamourös habe ich immer so verstanden, daß es eine Beziehung mit allen Anteilen zu einem oder mehreren anderen Menschen ist, über die alle Beteiligten Bescheid wissen und einverstanden sind.
Also kein betrügen, keine Unehrlichkeit.
Und wenn mir jemand eine solche zeigen kann, die wirklich dauerhaft anhält, und nicht nur in Künstlerkreisen, dann glaube ich irgendwann auch, dass es tatsächlich sowas gibt.....
 
  • #9
Das Thema beschäftigt mich auch.
In meiner langjährigen Beziehung zum Vater meiner Tochter war ich immer treu. Für lange Zeit war mein Mann auch nach Jahren der absolute Traummann. Dennoch gab es auch drei Mal die Situation, dass ich bei anderen Männern Herzklopfen bekam und mich von diesen stark angezogen fühlte. Es war zum einen Kopfsache, zum anderen die noch starke sexuelle Verbundenheit zu meinem Mann, dass nicht mehr daraus wurde. Das entscheidende aber war die Wertevorstellung und Fremdgehen wäre für mich in einer festen Beziehung nicht in Frage gekommen. Als die Beziehung aber auf wackligen Füßen stand und er sich die Freiheit der Trennung/ Auszeit nahm, fühlte ich mich nach heftigem Schmerz zunehmend selbst frei. Und genau da kam Nummer drei. Obwohl ich keine Affäre mit dem Neuen anfing, waren alle Verliebtheitsgefühle für meinen Mann weg. Ich hätte gern eine Freundschaft zu ihm aufrecht erhalten, aber das ging von seiner Seite aus nicht, da er aufeinmal wieder voll in Flammen stand, mit allem, was ich mir vorher gewünscht hatte und nun nicht mehr annehmen konnte: Mehr Zeit/ Unterstützung für die Familie, begehrt werden...

Ich als Frau könnte nicht gleichzeitig zwei Männer lieben UND begehren. Gleichzeitig lässt das Begehren mit den Jahren und dem Alltag nach. Also stimmt es meiner Meinung nach, dass der Mensch für die serielle Monogamie geschaffen ist.

Fast alle Männer würden zwar gern mehr sexuelle Freiheit haben. Wehe aber, wenn sie ihre Frau lieben und begehren, dann könnten die meisten es nicht ansatzweise ertragen, wenn die noch mit einem anderen was hätte. Selbst wenn das Begehren kaum noch vorhanden ist, können sie extrem besitzergreifend und eifersüchtig reagieren. Das war übrigens in Kommune 1 auch so;-)

Fazit:
Liebe in der klassischen "festen" Beziehung ist tiefe Liebe/ Verbundenheit (mit zumindest ein wenig Begehren) und Opfer/ Verzicht zugleich. Klassische "feste" Beziehungen ohne Liebe sind eine Lüge.

Alternativen sind ein Spiel mit dem Feuer, tun meist wenigstens einem weh und schließen freundschaftliche Verbundenheit dann aus.
 
  • #10
Ich bin seit 20 Jahren verheiratet, habe immer mal wieder eine Affäre und oft ist da eben auch Gefühl dabei. Dabei schmälern die Empfindungen für meinen "Lover" aber nie die tiefen Gefühlen , die ich für meinen Mann habe, sondern bereichern mein Leben einfach. Genau das ist auch der Grund, warum ich es ohne schlechtes Gewissen tue. Bin ich damit nun polyamorös? Ja, vielleicht.
Wenn dein Mann davon nichts weiss von deinen Affären, dann bist du nicht polyamorös per definitionem, sondern eine Fremdgeherin, welche die Sicherheit, welche dir dein Mann bietet geniesst und nicht gefährden willst und den Sex mit dem anderen Mann willst.

Polyamoröse Menschen sind ehrlich und offen und legen die Karten auf den Tisch. Es ist äusserst selten, dass solche Beziehungen funktionieren ohne dass mindestens einer einen hohen Preis dafür bezahlt zumal beide Partner äusserst selten einer solchen Beziehungsform zustimmen. Wenn jemand dem zustimmt, dann nur aus Angst den Partner zu verlieren und weil er von ihm abhängig ist.

Das kann niemals funktionieren, denn wenn ein Mann so leben möchte, dann wird er nur an eine Frau denken, wenn er aufwacht und abends einschläft. Es mag sein, dass er bei seiner Frau bleibt aber pausenlos an die andere Frau denkt und für mich wäre das ein Zeichen dass er in Wirklichkeit in die anderen sich verliebt hat aber aus Bequemlichkeit und Feigheit in der Ehe bleibt.

Polyamor bedeutet für mich nichts anderes als:

1) Flucht vor der eigenen Beziehung und Unfähigkeit die eigenen Probleme/Konflikte konstruktiv zu lösen. Es ist der Weg des geringsten Wiederstandes.
2) Ein Mann dem es zu mühsam ist und so anstrengen mit seiner Frau über die sexuellen Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen, will sich ausserhalb der eigenen Ehe eine Liebhaberin suchen, welche seine Bedürfnisse nach z.B. Oralsex oder Outdoorsex erfüllt, weil die eigene Frau kein Interesse daran hat.
3) Polyamorie ist nur ein Ventil für die Erkenntnis, den sexuell inkompatiblen Partner geheiratet zu haben.

Dieser Begriff bezieht sich nur auf zwischenmenschliche Beziehungen zwischen einem Mann und Frau und beinhaltet für mich immer die sexuelle Komponente! Mit dem Herzen und auch mit dem Körper also wirklich von Kopf bis Fuss vollkommen und komplet kann man nur eine Person lieben und niemals zwei. Das ist eng verbunden mit dem Verlieben, denn ich kann mich nicht gleichzeitig zwei Männer verlieben.
 
  • #11
Wenn dein Mann davon nichts weiss von deinen Affären, dann bist du nicht polyamorös per definitionem, sondern eine Fremdgeherin, welche die Sicherheit, welche dir dein Mann bietet geniesst und nicht gefährden willst und den Sex mit dem anderen Mann willst.
Wie kommst du darauf, dass mein Mann nichts davon weiß? Wir haben sehr offen darüber gesprochen, dass ich eben kein monogam veranlagter Typ bin - im Gegensatz zu ihm. Und da er mich liebt, toleriert er das.
Wenn jemand dem zustimmt, dann nur aus Angst den Partner zu verlieren und weil er von ihm abhängig ist.
Vielleicht schließt du von dir auf andere Menschen? Es soll auch Leute geben, die einem anderen Menschen zugestehen, in solchen Dingen eine eigene Meinung zu haben - insbesondere dem Menschen, der einem am meisten bedeutet. Und genau das ist meiner Meinung nach Liebe.
 
  • #12
Liebe @Mandoline, stimme dir zu.
Hinzu kommt noch ein anderer Aspekt, der empfänglich für Polyamorie macht. Die mangelnde Gesprächsbereitschaft...... Das miteinander kommunizieren und sich verstanden fühlen, fehlt in den allermeisten Beziehungen, so meine Beobachtungen. Damit meine ich nicht das Mitteilen von Hab und Gut in den Köpfen und nicht das oberflächliche, wie geht es dir, wie war es, wie isses.......Eine gute Kommunikation und das Gefühl verstanden zu werden, lassen zwei Menschen innig und sättigend zusammenschweißen und Nähe entstehen, so dass man anderweitige Ausflüchte nicht nötig hat.
 
G

Ga_ui

  • #13
Ich glaube schon lang niemandem mehr. Jeder lügt und erzählt nur seine eigene "Weisheit". Auch Ratgebern und Studien sollte man niemals glauben, sondern sich immer seine eigene Meinung bilden. Denn das alles alles dient nur dem Zweck, die Masse fehlzuleiten und sie für seine eigene Vorteile zu missbrauchen, wie viele böse Menschen und besonderes Authoritäten das wollen.

Treue ist das wichtigste soziale Mittel und war es auch schon in der Steinzeit, um sich zu gruppieren und seine Zugehörigkeit zu beweisen. Ohne Treue würde es Mord, Totschlag, Raub und unstrukturiertere Krankheiten in noch aggressiverem Maße geben. Auch deinem Chef bist du gewissermaßen zur Treue verpflichtet. Praktisch jedem Menschen, mit dem du in Kontakt kommst. Ohne das funktioniert keine Gemeinschaft.

Wer mehrere Menschen liebt, liebt aber nicht die Menschen, sondern liebt in erster Linie sein Ego und das Ego ist die größte menschliche Schwäche.
 
  • #14
@#11: Das was du als Gründe für Polyamorie aufzählst, sind die Gründe für Affären.
Polyamorie kann ja gerade NUR funktionieren wenn sehr große Gesprächsbereitschaft, sehr gute Kommunikation, viel Ehrlichkeit vorhanden sind.

Zusammengeschweißt zu sein und große Nähe zu haben, zieht leider nicht automatisch erotisches Begehren nach sich! (Manche Wissenschaftler sagen sogar, dass oft das Gegenteil der Fall ist, leider!)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #15
Hallo void,
mein Lebensthema, also hier etwas aus meiner gelebten, sehr persönlichen Sicht.
Als Erstes, ich verliebe mich nicht durch Sex in einen Mann. Hier trifft eher das Gegenteil zu. Je schneller ich mit jemanden Sex habe, desto unwahrscheinlicher wird es, dass ich für diesen Menschen auch romantische Gefühle entwickel. Warum das so ist, sei mal dahin gestellt.
Fazit: EIne offene Beziehung bedingt keine Polyamorität.
Tatsächlich kann ich jemanden tief, innig romantisch liebenn ohne ihn sexuell zu begehren.

Der Begriff Polyamourität bedeutet auch nicht, dass man mehrere Personen mit identischer Intensivität liebt. Um bei meinem Beidpiel zu bleiben.
Ich liebe meinen Mann mehr als ich je einen Menschen liebte. Er hat immer und in jedem Fall Priorität. Auch wenn ich gerade, frisch verliebt und voller wilder Schmetterlinge, einem neuen Menschen einen kleinen Platz in meinem Herzen einräume.
Der entscheidende Unterschied. Dieser Platz ist von vornherein nicht fix. Aus einer solchen Zweitbeziehung wird irgendwann, im besten Fall, eine lose Freundschaft/ Bekanntschaft.
Zumindest in meiner Gefühlswelt.

An dieser Stelle ist es berechtigt einzuwenden: " Dann ist es auch keine Liebe, also auch keine Polyamourie." Wobei wir wieder bei der Definition von Liebe wären, welche m.M.n. keine allgemeingültige sein kann.

Vielleicht tue ich mich auch daher mit der Begrifflichkeit der Polyamourie schwer.
Ähnlich wie der Begriff Liebe ist auch Polyamourie von Vorurteilen (positiven wie negativen) und einer, bis zur Farce vereinfachten, Definition belegt.

Ich stehe lieber "in Beziehung" zu den Menschen.

Zu Deiner konkreten Frage:
Bis auf den Aspekt der Selbstlosigkeit empfinde ich tatsächlich den gesamten Umfang, der von Dir bezeichneten Gefühle für all meine (vorübergehenden) Nebenbeziehungen. Allerdings in verschieden starken Ausprägungen und zeitlich limitiert.
Aspekte wie der, der Suche nach den ewigen Schmetterlingen, aufgefrischter Bestätigung der eigenen Anziehungskraft und der Lust auf das Abenteuer "neuer Mensch" (und wie ich mich in Wechselwirkung mit diesem Menschen entwickel) haben in meinem Fall eine noch höhere Gewichtung als die sexuelle Vielfalt, welche sich daraus ergibt.
 
  • #16
FS

Vielen Dank für eure Beiträge bis hier :)
Ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich eure Posts sind.

Die Reportage von 37° habe ich damals schon gesehen. Das wirkte auch mich auch nicht glücklich, und ich habe mich gefragt: Wenn schon so wenig Zeit für EINEN Partner neben Beruf und allem ist, wie dann noch mehr Partner unter einen Hut bringen. Ich hab aber auch schon mal was anderes gesehen, da ging es um eine Art Kommune, die Eltern eines Kindes wollten mit ihren neuen Partnern alle zusammen leben, damit niemandem das Kind entrissen wird. Wie die neuen Partner damit klarkamen und ob es noch Sex zwischen dem Elternpaar gab, weiß ich gerade nicht mehr.

Da ich, als ich das erste Mal konfrontiert war mit dem Begriff Polyamorie, einen Schwall Vorurteile hatte (wollen doch nur rumv*** und geben sich ein Label, weil "Fremdgeher" so mies klingt), habe ich sehr lange nachgedacht. Ich habe folgenden Ansatz THEORETISCH für mich gefunden:

Angenommen, diese ganze Zweierbeziehungsgeschichte ist nur aus christlicher und frauenfeindlicher Geschichte heraus entstanden (dagegen spricht, dass ein Mann nur SEINE Nachkommen durchfüttern will, weil er SEINE Gene weitergeben möchte, ergo darauf angewiesen ist, dass die Frau von Natur aus treu ist. Die aber kann, wenn sie "bessere Gene" sieht, durchaus umwählen, weil sie ja auch das Recht hat, ihre Gene bestmöglich weiterzugeben. Gibt es Tiere, denen es nichts ausmacht, Fremdkinder mit aufzuziehen? Ich glaube, ja, aber wissen die das dann, dass es nicht ihre Gene sind, die sie hegen und pflegen? Und viele Arten töten auch Konkurrenzkinder.). Dann wäre polyamores Leben für JEDE Person eigentlich das beste und alle, die das nicht wollen, wollen nur besitzen, weil sie innerlich noch kindlich sind. Kann ich nicht beantworten für mich. Dazu noch weiter unten was.
 
  • #17
Wenn ich mich geliebt fühle, wenn jemand mit mir redet, meine Gedanken teilt, statt zu sagen "wieso denkst du über solchen Unsinn nach", kann ich mir Liebe ohne Gewissensbisse holen, sobald ich so einen Gesprächspartner gefunden habe. Mein Partner wird sich nichts bei denken, es sei denn, er sieht, wie ich auflebe im Gespräch, und eifersüchtig wird, weil er auch sexuelle Anziehung vermutet. Was nicht ganz abwegig sein kann, wenn ich diese gesprächsmäßige Passung anfange zu übertragen auf "es muss dann auch sexuell gut passen", was aber überhaupt nicht zusammenhängt.

Wenn ich mich durch körperliche Liebe angenommen fühle, muss ich Sex, Kuscheln, Berühren haben, um mich geliebt zu fühlen (Ausweichverhalten z.B.: Ich esse, um mir körperlich was Gutes zu tun). Dh. ich habe es viel schwerer, mir dieses Gefühl zu verschaffen, wenn mein Partner krank ist oder zu viel arbeitet, weil es ihm Spaß macht, aber es bleibt zu wenig Zeit für ausgiebige Körperlichkeiten. Der körperliche Typus hat es in unserer lustfeindlichen Gesellschaft schwer, weil er gelernt hat, dass sein Körper schmutzig ist, nicht perfekt und daher nicht liebenswert ist, und er nicht wie der Gesprächstyp "fremdgehen" kann, ohne von der Moral verurteilt zu werden, selbst wenn er ehrlich offen sagt, "ein Partner reicht mir körperlich nicht, ich kann nur Nähe zu einem Menschen aufbauen, wenn ich ihn berühre, mit ihm kuschle, Sex habe" usw.

Wenn ich mich durch tiefe seelische Liebe angenommen fühle, brauche ich jemanden, der keine Angst vor Gefühlen hat.
Ich habe eine Freundin, die mir erst durch ihre negativen Gefühle wegen eines Mannes (bzw dessen Partnerin) gezeigt hat, dass ich eine moralische Grenze im Kopf hatte, die mich auch abschnitt von meinen Gefühlen. Dadurch, dass sie es zuließ (und ich immer sagte "sowas darf man doch nicht denken", was eigentlich hieß fühlen), habe ich nach und nach gemerkt, dass ich negative Gefühle habe, und wenn ich die nicht habe, sind auch die positiven moralisch überdeckt. Man spaltet die böse Seite ab, weil man es gelernt hat.
Das ist Gutmenschentum, das z.B. anderen sehr gern hilft, um sich gut zu fühlen, aber nicht ertragen könnte, wenn es dem Geholfenen auf einmal besser geht, als man es angemessen empfindet, denn das wäre ungerecht.
Außerdem äußern sich negative Gefühle trotzdem, auch wenn man sie nicht wahrhaben will.
Treue wegen Moral ist was ganz anderes als Treue wegen tiefer Gefühle und dem Wunsch, den geliebten Menschen bloß nicht zu verletzen.
 
  • #18
und alle, die das nicht wollen, wollen nur besitzen, weil sie innerlich noch kindlich sind. Kann ich nicht beantworten für mich. w
......da bin ich dann innerlich noch Kind und bin es auch sehr gerne. Kinder haben ein natürlicheres Gemüt, als kopfgesteuerte Erwachsene. Das, was meinem kindlichem Gemüt entsprang hat sich für mich im Leben immer als das Beste erwiesen. Das Beste ist für jeden etwas anderes und was, das muss jeder für sich entscheiden. Das Gefühl zeigt, ob es einem bekömmlich ist, oder nicht. Und ich stehe dazu, das ich besitzen und festhalten möchte..... mein persönliches Gedankengut und mein Wohlgefühl. Weil ich zunächst einmal mich selber lieben und achten möchte.
 
  • #19
Angenommen, diese ganze Zweierbeziehungsgeschichte ist nur aus christlicher und frauenfeindlicher Geschichte heraus entstanden (dagegen spricht, dass ein Mann nur SEINE Nachkommen durchfüttern will, weil er SEINE Gene weitergeben möchte, ergo darauf angewiesen ist, dass die Frau von Natur aus treu ist. Die aber kann, wenn sie "bessere Gene" sieht, durchaus umwählen, weil sie ja auch das Recht hat, ihre Gene bestmöglich weiterzugeben. Gibt es Tiere, denen es nichts ausmacht, Fremdkinder mit aufzuziehen? Ich glaube, ja, aber wissen die das dann, dass es nicht ihre Gene sind, die sie hegen und pflegen? Und viele Arten töten auch Konkurrenzkinder.). Dann wäre polyamores Leben für JEDE Person eigentlich das beste und alle, die das nicht wollen, wollen nur besitzen, weil sie innerlich noch kindlich sind. Kann ich nicht beantworten für mich. Dazu noch weiter unten was.
Hallo void, einen interessanten Thread hast du da gestartet. Hatte mir auch schon ein paar Gedanken über das Thema gemacht. Du übersiehst hier folgendes: Selbst wenn wir davon ausgehen dass bei "freier Liebe" fremdgehen erlaubt sein müsste, hieße das noch lange nicht dass man von diesem Recht Gebrauch machen muss. Letztlich geht es nämlich immer um die eigenen Ego-Bedürfnisse. Wenn Polyamorie natürlich ist, ist es Eifersucht/Exklusivitätsanspruch ebenso. Wer nimmt sich das Recht zu entscheiden welche dieser Bedürfnisse befriedigt werden dürfen und welche man besser zurückstellen sollte?

Die freieste und wahrhaftigste Form der (partnerschaftlichen) Liebe ist eine in der Fremdgehen erlaubt ist, aber beide kein Interesse daran haben davon Gebrauch zu machen, weil sie nichts tun wollen was ihrem Partner wehtun könnte.

Davon abgesehen ist die Rücksichtnahme in einer Polyamoren Beziehung zwangsläufig beschränkt, dem Partner wird die Pistole auf die Brust gesetzt; "Wenn du nicht mitmachst bist du raus." Das soll bedingungslose Liebe sein? tzzz... Da kann der Partner (aus welchen Gründen auch immer) noch so sehr beteuern dass es ihm nichts ausmacht, wie es ganz tief im Inneren aussieht, weiß nämlich nur er selbst.
 
  • #20
Vielleicht schließt du von dir auf andere Menschen? Es soll auch Leute geben, die einem anderen Menschen zugestehen, in solchen Dingen eine eigene Meinung zu haben - insbesondere dem Menschen, der einem am meisten bedeutet. Und genau das ist meiner Meinung nach Liebe.
Nein, ich schliesse nicht von mir auf andere Menschen, denn ich kann gar nicht polyamor leben, weil ich nicht gleichzeitig mehr Männer lieben kann auch körperlich nicht. Allerdings hatte ich einen Exfreund, welcher die "glorreiche" Idee hatte, dass wir zusammen in einen Swingerclub gingen.

Verstehen konnte ich ihn nicht, denn seine sexuellen Bedürfnisse konnte er auch mit mir befriedigen, wie ich meine mit ihm und wir haben die Sexualität nicht nur zu Hause praktiziert, denn ich hatte auch Freude, viel Freude daran nicht nur zu Hause mit ihm Liebe zu machen und bin sehr experimentierfreudig und habe Spass dran. "wenn du glaubst in einem Swingerclub etwas zu erleben, was du mit mir nicht erlebst oder eine Frau mit 3 Brüsten zu sehen, dann würde ich dich verstehen oder wenn ich wüsste, dass ich dort einen Mann mit zwei Geschlechtsorganen sehe, dann würde ich auch für diese Sensation hingehen".
Er redete davon mal wieder aber meine Worte waren: "ich habe kein Recht, dir etwas zu verbieten, denn ich bin nicht deine Mutter und du nicht mein Kind; wenn es dein brennender Wunsch ist zu gehen, dann musst du halt gehen aber die Konsequenz ist, dass du mich nie wieder im Leben sehen wirst."

Ich wäre konsequent geblieben und hätte ihn ansonsten nie wieder getroffen und er hatte Angst, mich zu verlieren so ging er nicht, weil seine Exfrau desinteressiert am Sex war. Vor einigen Monaten heiratete er, weil er ein eigenes Kind möchte und beklagte sich ein wenig über seine Frau bezogen auf die Sexualität - sein Problem, wenn er eine Frau heiratete die er kaum kannte und eine Katze im Sack kaufte.

Dein Mann könnte von dir emotional abhängig sein, darum duldet er das, wie mein Ex damals der mich nicht verlieren wollte, denn ich war ihm wertvoller als ein Swinger Club Besuch.
 
  • #21
Treue wegen Moral ist was ganz anderes als Treue wegen tiefer Gefühle und dem Wunsch, den geliebten Menschen bloß nicht zu verletzen
......da stimme ich mit dir überein. Wirkliche Treue aus dem persönliche Gedankengut eines Menschen herauszulesen, ist nicht einfach. Allzu oft begegnete ich Männern, die zu Zeiten ihrer vollen Liebesfähigkeit, mit Treue nicht viel am Hut hatten. aber jetzt. wo sie älter geworden sind und es an Standfestigkeit und Gelegenheiten mangelt, pochen sie auf absolute Treue bei einer Frau. Damit könnte ich nichts anfangen.....
 
  • #22
Mir hat ein Mann mal sehr ausführlich einen Exkurs über die Liebe an sich gehalten, die verschiedenen Begriffen, sehr philosophisch - agape, usw.
Dann über Großzügigkeit.

Und schließlich als Fazit die Polyamorie - als DAS einzige Lebenscredo und die wahre Ehrlichkeit. Wie großzügig er dieses Modell empfinden würde - und wie selbstverständlich es doch wäre, verschieden Frauen ganz verschieden und gleichzeitig zu lieben, keine käme zu kurz.

Die Diskussion endete mit meiner Frage, ob er in dieser Großzügigkeit auch SEINER langjährigen Ehefrau Polyamorie zugestehen würde, und sie dann auch neben ihm andere Partner haben dürfte..

Von IHR wurde dann ganz selbstverständlich absolute Monogamie erwartet.
Und nach dem philosophischen Exkurs folgte die biologische Begründung, dann nicht mal mehr für Polyamorie, sondern nur noch für die männliche Polygamie und die geforderte weibliche Monogamie.

Jeder soll leben wie er möchte - aber in einer Partnerschaft gehören zwei dazu, beide müssen die Beziehungsstruktur gestalten dürfen und es darf nie auf Kosten eines Partners gehen.
Ich persönlich finde Ehrlichkeit zum Anderen für unabdingbar, genauso wie zu sich selbst.
Solche Scheinargumentationen wie oben sind für mich Heuchelei -
real war da ein Mann, der auf der Suche nach einer Affäre war, diese höchstens aus Mangel an Gelegenheit nicht realisiert hatte, nie diesbezüglich ehrlich zu seiner Frau wäre - um sie zu schützen und nicht zu verletzen - und ihr nie das gleiche Verhalten zugestehen würde.
 
  • #23
Selbst wenn wir davon ausgehen dass bei "freier Liebe" fremdgehen erlaubt sein müsste, hieße das noch lange nicht dass man von diesem Recht Gebrauch machen muss.
Schon, aber dazu kommt es ja gar nicht erst, sich das zu fragen, wenn der Partner gleich klarstellt (ob nun klar ausgesprochen oder durch seine allgemeinen Ansichten), dass er fremdgehen auf keinen Fall erlauben würde. Wenn gleich diese Grenze gesetzt wurde, denkt man ja normalerweise gar nicht mehr drüber nach, ob man sie überschreiten wollen würde. Das ist so ähnlich wie mit anderen Wünschen. Wenn man real durchdenkt, ob man es überhaupt haben will, als sei es wirklich erreichbar, kommt man zu einer Entscheidung, während wenn man sich gleich die Vorstellung verbietet, weil es sowieso nicht machbar ist, immer die Sehnsucht bleibt, dass man das Allertollste nicht erlangen kann.

Letztlich geht es nämlich immer um die eigenen Ego-Bedürfnisse.
Genau das. Und deswegen ist das vermutlich eine philosophische Frage, inwieweit ein Mensch überhaupt zu Selbstlosigkeit fähig ist.
Sich für einen anderen aufzuopfern, wenn er krank ist, ist was anderes als mit ihm zusammenzuziehen und seine gelegentlichen Nörgeleien zu ertragen. Und wer weiß schon, wie eine polyamore Person leidet, wenn sie sich nicht ausleben kann, vielleicht ist das wie emotionales Verdursten.

Davon abgesehen ist die Rücksichtnahme in einer Polyamoren Beziehung zwangsläufig beschränkt, dem Partner wird die Pistole auf die Brust gesetzt; "Wenn du nicht mitmachst bist du raus."
Naja, eigentlich müsste es heißen "dann passt es nicht". Ich seh das in dieser Hinsicht wie "Heirat oder nicht" oder "Kinder oder nicht". Jeder hat seinen Lebensplan, der passen muss zu dem des anderen. Wer nicht mitmachen will, wird vielleicht von selber gern gehen.
 
  • #24
Von IHR wurde dann ganz selbstverständlich absolute Monogamie erwartet.
Und nach dem philosophischen Exkurs folgte die biologische Begründung, dann nicht mal mehr für Polyamorie, sondern nur noch für die männliche Polygamie und die geforderte weibliche Monogamie.
Biologisch kann man genauso die Polyandrie für die Frauen begründen! Eine Frau kann sich an den wenigen fruchtbaren Tagen mit noch mindestens einem zusätzlichen Mann paaren, um die bestmöglichen Gene (Stichwort: Gen-shopping und Spermienkrieg) für ihr Kind zu bekommen. Schliesslich will jede Frau ein gesundes und mit gutem Immunsystem ausgestattetes Kind auf die Welt bringen, damit es gegen Viren, Bakterien gut gewappnet ist.

Auch bei den Primaten wird zuerst ein Weibchen vom Alphatierchen begattet danach kommen die rangtieferen dran. Auch bei anderen Säugetieren ist es so. Befruchtet wird die Eizele nur von dem fitesten und gesundestem Männchen.

Rein biologisch betrachtet ist das auch bei den Menschen sinnvoll, wenn Frauen während der fruchtbaren Tagen ungeschützten Sex haben - wenn schon Männer ihre Untreue biologisch begründen wollen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #25
Ich verstehe einfach nicht, dass man als Paar zusammenbleiben muss wenn die Komponente Sex fehlt, wozu dann weiterhin ein Paar? Man kann auch getrennte Wege gehen und befreundet bleiben, ich sehe da keinen Sinn dahinter.

Ich kenne einige "Paare", welche sich nur noch gut verstehen, aber dennoch weiterhin Tisch und Bett teilen, beim Sex aber fremdgehen.

Sorry, für mich wäre das keine Beziehung, es wäre im Grunde garnichts mehr, ich kann auch jemanden mögen oder gut finden - ohne Begierde - dann lebe ich aber nicht mit ihm, sondern bin "nur" gut befreundet.

Zusammenleben ginge nur inkl. sexueller Erfüllung, fehlt diese ist es Freundschaft und dazu brauch ich kein Paar zu werden.

Ich finde es grotesk als Paar aufzutreten, aber den Sexkick anderweitig zu suchen.
 
  • #26
Also eine Beziehung zu haben und mit einem anderen Mann Sex zu haben finde ich vollkommen sinnlos und käme für mich nicht in Frage.
Deine Frage war aber auch, ob Frauen sich beim Sex verlieben.
Ja - tun sie - Männer aber genauso!
Kann man mit Sex jemanden zur Liebe zwingen? NEIN!
Frauen können auch Sex haben, ohne sich zu verlieben und den Sex trotzdem genießen.
Allerdings haben Frauen (und auch die meisten Männer) hauptsächlich Sex, wenn sie verliebt sind.
Aber dass Frauen sich verlieben, nur weil sie Sex haben, glaube ich nicht.
Dass man 2 Menschen lieben kann, glaube ich aber schon.
Ich kann nur für mich sprechen: ich würde meinen Freund/Mann niemals betrügen, selbst wenn es mich reizen würde/könnte, weil ich den Menschen, den ich liebe nicht verletzen möchte und ich nicht glaube, dass ein Mann damit klarkommt, wenn seine Frau einen anderen vögelt.
Offene Beziehung ist für mich eine Lüge! Einer leidet immer! Und in den 60er Jahren haben auch einige mehr gelitten als andere.
Das hat ja sogar Uschi Obermeier erzählt.
Auch die Männer haben gelitten.
Einen Paartausch könnte ich mir unter gewissen Umständen vielleicht sogar vorstellen - aber ich bin ja der Meinung, dass

Fremdsex (egal ob heimlich oder offen) eine Beziehung immer erschüttert.
(Stichwort: Gen-shopping und Spermienkrieg)
Auch bei den Primaten wird zuerst ein Weibchen vom Alphatierchen begattet danach kommen die rangtieferen dran.
Finde ich ein gutes Argument - demnach müssten Frauen also während der fruchtbaren Tage immer extreme Lust haben, sich mit einem absoluten Alphamann zu paaren - dem Chef, demcollsten DJ oder dem supersexy Fitnesstrainer, dem Dozenten an der Uni, dem erfolgreichen Künstler aus der letzten Vernissage - je nach Stimmung...und danach gehts wieder nach Hause zum eigenen Ollen... ;-)
 
  • #27
Zitat aus dem Film "Total Eclipse", der das Leben von Rimbaud behandelt (ich weiß nicht, ob er das wirklich so gesagt hat oder ob es ihm nur für den Film in den Mund gelegt wurde):

"L’amour n’existe pas. L’intérêt personnel existe. Les liens noués pour le profit personnel existent. Le plaisir existe. Mais pas l’amour."

Also frei übersetzt:

"Liebe existiert nicht. Persönliche Interessen existieren. Verbindungen, die wegen persönlicher Vorteile aufrechterhalten werden. Das Vergnügen existiert. Aber nicht die Liebe."

Ganz soweit würde ich vielleicht nicht gehen, auch wenn ich "wahre Liebe" noch nicht erlebt habe. Ich denke aber, dass unter dem Deckmantel der Liebe Vieles geschieht, was diese Bezeichnung nicht verdient. Und dementsprechend auch der Begriff "Polyamorie" häufig auf Konstrukte angewendet wird, auf die er nicht wirklich passt.

Damit meine ich nicht, dass es sich nur um "echte Liebe" handelt, wenn das Gefühl allumfassend ist; sich auf alle Ebenen und alle Aspekte der Person erstreckt. Wie gesagt; dass es das überhaupt gibt, bezweifle ich.

Aber "lieben" tut man in meinen Augen nur denjenigen, dessen Bedürfnisse man mindestens ebenso achtet wie die eigenen. Den man vielleicht nicht in allen Einzelheiten uneingeschränkt toll findet, aber als ganze Person annimmt. Den man also nicht auf die Eigenschaften, die man positiv/nützlich findet, reduziert; in dem Sinne, dass man andere Eigenschaften nicht beachtet oder zu unterdrücken versucht. Und den man nicht nur deshalb schätzt, weil man von ihm profitiert, sei es materiell, gesellschaftlich oder ego-technisch.

Man kann z.B. jemanden dafür lieben, dass er allgemein ein warmherziger und großzügiger Mensch ist. Wenn ich jemanden aber nur schätze, weil er MICH gut behandelt; mir das Gefühl gibt, die Tollste zu sein - dann liebe ich nicht ihn, sondern das Bild von mir selbst, dass er mir spiegelt.

Ich kann es auch nicht als Liebe sehen, wenn jemand mehrere Partner hat, unter denen er eine Hierarchie aufstellt. Ich glaube nicht, dass man "ein bisschen lieben" kann. Mehrere Menschen zugleich zu lieben, hieße für mich, sie durchaus auf unterschiedlichen Ebenen/unterschiedliche Art anziehend zu finden, aber als gleichwertig zu behandeln.

Mit vielen Menschen zu tun haben, von denen man manche unwichtiger findet als andere und auch so behandelt, ist nicht verwerflich; sondern gelebte Realität für Alle. Aber ich finde es nicht passend, das als "Polyamorie" zu bezeichnen, nur weil Sex im Spiel ist.
 
  • #28
Ich finde es grotesk als Paar aufzutreten, aber den Sexkick anderweitig zu suchen.
Hier bin ich ganz bei dir. Sich zusätzlich zur Paarsexualität Erfahrungen mit Anderen zu "erlauben", ist das Eine. Aber als Paar zusammenbleiben, wenn sexuell gar nichts mehr geht - aber nicht, weil man auf erfüllte Sexualität verzichten kann/will, sondern weil man meint, sich das von Anderen holen zu können - das kann ich nicht nachvollziehen.

Das ist, als würde eine Klinik ihr eigentliches Kerngeschäft, also die medizinische Behandlung der Patienten, komplett "outsourcen" und sich nur noch auf deren Essensverpflegung und Unterbringung beschränken - sich aber weiterhin als "Krankenhaus" bezeichnen statt als Hotel.

Klar ist Sex nicht alles in einer Beziehung, aber doch i.d.R. das, was die Geschlechter zueinander hinzieht.

Natürlich kann man sich auch aus asexuellen Gefühlen heraus mit jemandem zusammentun - aber ich hätte ein Problem damit, ein solches Konstrukt als Paarbeziehung anzusehen, weil ich damit einfach etwas anderes verbinde. Es sei denn natürlich, alle Beteiligten sind asexuell veranlagt; dann ist das anders zu bewerten.

Zusammenleben ginge nur inkl. sexueller Erfüllung
Das wiederum sehe ich anders. Romantik und Begehren können im grauen Alltag zwischen Wäschebergen, dreckigem Geschirr, vollem Mülleimer und Steuererklärung kaum gedeihen. Wer für den Partner sexy bleiben will, sollte nicht zusammenziehen.

Dagegen kann ich mir durchaus vorstellen, mit jemandem zusammenzuwohnen, den ich nur auf asexuelle Weise sehr gern habe. Denjenigen würde ich dann aber nicht als meinen "Partner" im romantisch-liebesbeziehungstechnischen Sinne bezeichen, sondern ein anderes Wort dafür finden.

In meinen Augen wäre das sowieso das allerbeste Modell: das ganze Sex- und Romantikgedöns und den Wunsch nach solider, stabiler Lebensgemeinschaft getrennt zu halten. Also z.B. mit einem guten, möglichst gleichgeschlechtlichen oder besser noch homosexuellen Freund zusammenzuwohnen und nebenbei eine Person zu haben, mit der man sich das Bedürfnis nach Romantik und sexueller Leidenschaft erfüllt.

Das würde ich dann auch nicht als "Polyamorie" bezeichnen; ich halte es aber für ein gutes Modell. Nur leider findet man für sowas schlecht Verbündete, weil die meisten Menschen hartnäckig versuchen, das schier Unvereinbare unter einen Hut zu bringen.
 
  • #29
Eine Lebenspartnerschaft besteht aus wesentlich mehr als sexuellem Begehren. Das sexuelle Verlangen kann komplett vergehen, während die enge Verbindung auf seelischer und geistiger Ebene bleibt. Nein, das ist nicht dasselbe wie irgendeine Freundschaft. Man hat einen Bund geschlossen, man ist jahrzehntelang durch dick und dünn gegangen. Man hat sich quasi gegenseitig adoptiert. Man lebt gerne zusammen, ohne einander ständig auf die Nerven zu gehen. Man tauscht sich täglich aus verbal, geistig-seelisch. Man hat ein Auge aufeinander und ein offenes Ohr füreinander. Wie oft kann man jemanden finden, mit dem das möglich ist? Würden ich oder mein Partner das aufgeben, weil einer von uns beiden sich zusätzlich in einen anderen Menschen verliebt? - Niemals. Und den Menschen, den man auch liebt, den liebt man auf eine andere, neue Weise. Denn jede Liebe ist einzigartig. Und wie ich finde, ist es absolut angebracht, solch eine neue Liebe ebenso respektvoll und wertschätzend zu behandeln wie den Menschen der Erstbeziehung. Ich habe keinerlei Verständnis für die Denke, dass ein/e Geliebte/r oft schlecht behandelt wird, als zweitklassig, als Spielzeug, Betthase, etc - dies resultiert ja nur aus dem schlechten Gewissen, wenn jemand das heimlich macht und seinen Erstpartner anlügt!
 
  • #30
Nach wie vor glaube ich nicht, dass ein Mann sich beim Sex verliebt, zumindest ein erfahrener Mann.
Ein Jüngelchen, der das erste mal Sex hat, quasi für ihn Neuland, mag da anders gepolt sein.

Aber im Grunde geht man von Männern in, will sagen, reiferen Jahrgängen aus. Diese bestätigen es hier und man liest es von Frauen, nach dem Sex war nichts weiter.

Männer nehmen den Sex oft an, die unreifere Variante und zieht weiter zum nächsten Kick und bleiben erst dann, wenn sie wirklich zu alt für den Kick geworden sind.

Ein Mann mit Weitblick und Ernsthaftigkeit geht mit keiner Frau ins Bett, mit der er sich keine Beziehung vorstellen kann, weil er das anschließende Drama nicht haben will, das Drama, das Frau eben doch mehr wollte als Kopulation.

Somit verlieben sich Männer niemals beim Sexgehoppe, sie verlieben sich längst vorher in eine Frau, deren Wesen und Charakter, der Sex steht am Ende der Liste und ist erst dann auch mit Liebe verbunden.