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  • #1

Politische Korrektheit -- ein Dorn im Auge oder wünschenswert?

Redet Ihr lieber Klartext und Tacheles, benennt die Dinge beim Namen und redet nicht um den heißen Brei herum? Oder favorisiert Ihr politische Korrektheit? Den Esatz von klaren Begrifflichkeiten durch schwammige oder gar euphemistische Formulierungen, um schmerzhafte Wahrheiten zu verschleiern, zu tarnen und angenehmer klingen zu lassen? Gerade auch im Bereich der Partnersuche wird gerne viel verschleiert und schöngeredet. Ob es nun um Getrenntlebende, Alleinerziehende, Randgruppen oder um Begriffe wie Marktwert und Beutegruppe geht, über Eigenschaften wie Intelligenz oder Treue gesprochen wird, immer wieder zergehen Diskussionen in Begrifflichkeiten anstatt die Inhalte anzupacken. Viele äußern Meinungen, die "akzeptiert und politisch-korrekt sind", obwohl sie bei persönlicher Betroffenheit wahrscheinlich auch anders reagieren würden. Oft wird Toleranz in Dingen gefordert, die mit Toleranz gar nichts zu tun haben, sondern eher mit Willkürlichkeit oder Meinungslosigkeit.
 
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  • #2
Ich persönlich kann politische Korrektheit nicht leiden, zum einen weil damit Sachverhalte oft auch einfach nur schön geredet werden was das anpacken der entsprechenden Probleme erschwert und andererseits weil daraus oft wie du geschrieben hast Diskussionen in Siubdiskussionen über Begriffe abgleiten und zudem auch die Gefahr von Missverständnissen erhöht wird.
Ebenfalls finde ich es unmöglich das man heutzutage sofort angefeindet wird wenn man etwas nicht politisch korrekt formuliert und andere einem dann gern noch Worte in den Mund legen die man nicht gesagt hat. Bestes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist die Aussage von unserem zurückgetretenen Bundespräsidenten, er hat nichts weiter als die Wahrheit gesagt aber eben nicht politisch korrekt.
Das soll aber auch nicht heißen das man Probleme nicht diplomatisch angehen sollte, aber politische Korrektheit ist in dieser Hinsicht gelinde gesagt einfach nur zu viel des "Guten".
 
  • #3
Ich bin eigentlich ziemlich gerade heraus das ist zwar für meine Umwelt und auch für mich selbst meistens nicht leicht aber ich sitze dann wenigstens nicht irgendwann abends über den Tag nachdenkend da mit Gedanken wie: Hätte ich doch mal das und das gesagt.

Ich denke die Welt wäre besser dran wenn jeder seine Meinung so sagen würde wie er sie gerade hat.Auch wenn das erstmal alles ein wenig verkomplizieren würde.
 
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  • #4
Liebe Frederika, für mich gilt, dass ich zwar durchaus diplomatisch bin, um meine Gesprächspartner nicht zu "vergräzen", gleichwohl rede ich im Allgemeinen Klartext, aber niemals so, dass ich Andere beleidige.

In dem Unternehmen, in dem ich tätig war, gab es mal eine interne Untersuchung, woraus gemachte Fehler der Mitarbeiter/-innen resultierten. Zu mehr als 70% lag es an den schwammigen, nicht deutlich formulierten Aufgabenstellungen der Vorgesetzten. Wir haben uns immer wieder selbst disziplinieren müssen, um klare Arbeitsanweisungen zu geben. Das ging soweit, dass davon gesprochen wurde, Vorgesetzte, die nicht in der Lage waren, ihre Mitarbeiter/-inen auf ihre Fehler hinzuweisen und diesen ihre Moniten aufzuzeigen, w/ "unterlassener Hilfeleistung" zu bestafen, was de facto nicht geschah, aber insofern Wirkung zeigte, dass dieses Fehlverhalten abgestellt wurde.

Exakt so handhabe ich es auch in einer Partnerschaft und bin damit bisher gut gefahren. Wenn Du allerdings den Punkt ansprichst, dass einige "bei persönlicher Betroffenheit wahrscheinlich auch anders reagieren würden", dann vermag ich das nicht mit Bestimmtheit zu bestätigen, kann es aber für mich auch nicht ausschließen, weil ich möglicherweise eine solche Situation noch nicht erlebt habe.

Beispiel Treue: Ja, ich bin absolut treu und habe mich sofort von meinem Ehemann getrennt, als sich herausstellte, dass er es -wenn auch nur 1 x- nicht war.

Beispiel körperliche Gewalt: Nein, habe ich noch nie erlebt, auch das wäre für mich ein sofortiger Trennungsgrund und definitiv nicht -nicht mal ansatzweise- tolerierbar. Allerdings kann ich bei diesem Beispiel auch nicht ausschließen, dass ich zurückschlagen (mehr wehren) würde, wenn ich geschlagen würde, obwohl ich Gewalt gemerell verabscheue).

Ich rede mir zwar die Dinge nicht schön, bin aber ein absolut positiv denkender Mensch, habe eine feste Meinung zu (fast) allen Dingen des Lebens, ziehe sie aber nicht so stringent durch, wie Du es machst, sondern lasse auch andere Meinungen zu, überdenke diese und kann sie -wenn sie gut durchdacht und fundiert argumentiert sind, durchaus nachvollziehen und neben der meinen gelten lassen. Gelegentlich -allerdings sehr selten- lasse ich mich auch "eines Besseren" belehren. Aber ich denke, das ist in meinem Fall die Weisheit des Alters.........):
 
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  • #5
Gehe mit #3 konform.
Gewisse Themen gehören angesprochen, schließlich gibt es auch kein "ein bißchen schwanger". Jedoch wird oft über Gefühle diskutiert und hierbei gibt es eben nicht nur schwarz und nicht nur weiß sondern unendlich viele Graustufen.
In Bezug auf das Wort "Marktwert" bei der Partnersuche reagiere ich persönlich "allergisch", da es sich um menschliche Personen handelt die dahinter stehen. Und hier gibt es eben Ausnahmen, und jeder "Fall" ist individuell zu betrachten.
In einer Firma ist es etwas anderes: Klare Anweisung, klare Handlung, hier geht es nicht um die Persönlichkeit, sondern um die Arbeit selbst, die getan werden muss.
Deshalb: Typsache. Natürlich diskutiert man über gewisse Dinge (zB Randgruppen), hier ist die Statistik jedoch im Weg. Dass es zB Randgruppen gibt, hat ja auch eine Vorgeschichte.
Frederika, du selbst siehst alles sehr klar, nennst die Dinge beim Namen, dadurch entfachst du wunderschöne Diskussionen in denen man die Vielfalt der Meinungen sehen kann, was mir persönlich gefällt. Mir persönlich erscheinst du manchmal etwas zu "hart", wenn man deine Ausführungen hinterfragt hast du rein statistisch gesehen natürlich oft Recht, da ich ein Gefühlsmensch (im Privatleben - im Job bin ich die taffe) bin, ist es immer wieder eine Freude an deinen threads teilzunehmen. Der Vielfalt und freien Meinungsäußerung wegen :)
w.29
 
  • #6
Politische Korrektheit wird meines Erachtens, insbesondere in Deutschland und USA, stark übertrieben. Der Inhalt von Diskussionen geht im Geschreie, was man nicht sagen dürfe, verloren. Kaum jemand hat seinerzeit das Interview mit Thilo Sarazin im Lettre International gelesen, keiner hat sich mit dem Inhalt auseinandergesetzt, aber alle sind über ihn hergefallen, nicht weil das WAS er gesagt hat, sondern das WIE er es gesagt hat, als politisch nicht korrekt empfunden wurde.

Sobald uns die politsiche Korrektheit mit Denkverboten belegt oder man bestimmte Tatsachen nicht mehr oder nur noch weichgespült aussprechen darf, können wir in unserer Gesellschaft nicht mehr offen und treffsicher bestimmte Probleme benennen, sie diskutieren und konstruktiv angehen. Die Folge ist, daß Probleme unausgesprochen bleiben und verschleppt werden, um dann von denjenigen aufgegriffen zu werden, die am wenigsten verantwortungsvoll damit umgehen.

Ein klassisches Beispiel sind für mich (ohne nun eine Subdiskussion über dieses Thema beginnen zu wollen!!!) die Probleme, die in Deutschland mit bestimmten Ausländergruppen ("Mitbürger mit spezifischem Migrationshintergrund") bestehen. Die eine (linke) politische Richtung hat prinzipiell negiert, daß es solche Probleme gibt. Ausländer waren in Anbetracht unserer Geschichte per se gut. Von Problemen zu sprechen, galt als politisch unkorrekt und wurde als ausländerfeindlich und rechtsradikal gebrandmarkt. Eine differenzierte Auseinandersetzung, in der auch unsinnige Stammtischparolen hätten widerlegt werden können, fand weitgehend nicht statt. Deshalb wurden die Probleme auch nicht angegangen und sind weitergewachsen und haben sich verselbständigt. In die Lücke gestoßen sind diejenigen, die mit dem Thema und platten und dumpfen Parolen ihr braunes Süppchen kochen. (Die andere [rechte] politische Richtung hat das Thema ebenfalls negiert, da sie nicht wahrhaben wollte, daß wir ein Einwanderungsland sind.)

Wir sollten uns wieder häufiger den real existierenden Problemen zuwenden, als uns darüber Gedanken zu machen, ob die Genderperspektive es verlangt, von DamenweltmeisterINNENschaften zu sprechen, ob man bestimmte Begrifflichkeiten (Zigeuner) verwenden darf und ob man in dieser oder jener Weise über Randgruppen sprechen darf, ohne für alles Verständnis oder aber tiefe Betroffenheit zu empfinden. Leider wird dann der Lebensinhalt der Dauerbetroffenen und Reichsbedenkenträger wegfallen. Aber vielleicht können diese Leute ihren durchaus vorhandenen Intellekt und ihre aufopferungsvolle Mühewaltung drängenderen Problemen anheimfallen lassen.
 

hanjo58

Gesperrt
  • #7
Politische Korrektheit ist eine Art Selbstverteidigungsstrategie von Menschen, die gleich in doppelter Dauerfeindschaft leben und wohl gar nicht so recht herauszufinden vermögen, wo sich der ihnen gefährlichere Feind befindet. Von Menschen, die zunächst in mitunter aufopferungsvollem Wahlkampf alles daran gesetzt haben, möglichst viele ,,Gleichgesinnte" zu finden. Von Menschen, die sich nach ihren wortreich aufgeblasenen, aber irgendwie doch zumindest stellenweise vernünftig anmutenden Ideen in der Pflicht sehen, dass aus Gedachtem auch entsprechend Getanes wird.
Allein schon ihr stiller Zwang, sich mit der Parteiführung abzustimmen, befördert die Übernahme leerhülsenhafter Begriffe gegenüber dem Denken und anschließenden Reden von Klartext, zumal ihnen ohnehin irgendwann die Gefahr droht, dass die Anzahl aller Gewählten dereinst auf deren wahren Bedarf gegen Null verringert wird.
Politische Korrektheit dient ihnen überdies zu dem schier aussichtslosen Versuch,
Weisungsbefugnisse über einen Verwaltungs-Apparat erlangen zu können, der weder über einen Ein-, noch über einen Ausschaltknopf verfügt und nicht einmal eine stand by-Funktion kennt - von einem unter Strom Stehen ganz zu schweigen.
Gleichsam aus der Gegenrichtung weisen Bundesverfassungsrichter Politikern zunehmend völlige Wirkungslosigkeit nach.
Wenig Kalorienbedarf und Hirnverschleiß ist erforderlich, wenn man solche Gefahrenmomente erst gar nicht zu einer Katastrophenwirkung kommen lässt, sondern sie in einem Sumpf aus nicht völlig gefährlich anmutenden Wortneuschöpfungen, Vorschriften, Abstimmungsprozessen und Unmöglichkeitserkenntnissen unterhalb des Luftraums geraten lässt.
Ständiger Antrieb zur Verbreitung politischer Korrektheit ist das Wissen von Politikern darum, dass Bürger wie politische Gegner denken, eigentlich werde zumindest diese Art Politikern in keiner Weise gebraucht. Und noch wichtiger: Das Wissen darum, dass dieses Denken vollkommen richtig ist.
Im Privatleben hingegen wird politische Korrektheit allein deshalb nicht angewendet, weil man andernfalls aus jedem Verein, aus jeder Kneipe, aus jedem Freundeskreis verbannt würde.
Fachbegriffe und andere Wortneuschöpfungen sollen weithin eigene Kenntnislosigkeit in ein Licht zumindest nicht widerlegbarer Aussagekraft setzen. Zudem macht es einfach Mut, statt eine niederschmetternde Wahrheit eine positiv gewendete Bezeichnung einzusetzen und Sprache eine öffentliche Dienerin darin sein zu lassen, bei Bürgerschaft wie Mitpolitikerschaft das Nichtbemerken eigenen Nichtverstehens zu verlängern.
 
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  • #8
Auch wenn ich meine Meinung gerne klar und ehrlich sage bin ich nach wie vor der Meinung, dass der Ton die Musik macht. Für mich stellt sich auch immer die Frage ob es immer sinnvoll ist alles gerade aus zu sagen oder ob man mit einer gedämpften Ausdrucksweise nicht manchmal doch weiter kommt und die Botschaft von Gegenüber viel besser angenommen werden kann. Des weitern ist es meine persönliche Entscheidung welche Ausdrucksweise und welches Denkmuster ich in meinem Leben herrschen lasse. Nur weil etwas klar, hart oder politisch unkorrekt gesagt wird ist es deshalb nicht gleich "wahrer" als eine Aussage die einem anderen politisch korrekt erscheint. Was mich manchmal an Menschen stört die von sich selbst sagen "Tacheles" zu reden bzw. politische Korrektheit abzulehnen ist, dass sie der Meinung sind sie müssten im Namen der Wahrheit nicht auf ihre Wortwahl achten und somit andere beleidigen.

Wahrheit in dem Sinne wie es die ach so ehrlichen politisch Unkorrekten handeln gibt es meiner Meinung nach nicht. Wahrheit beruht auf Wahrnehmung und jeder Mensch nimmt die Welt, seine Umfeld anders wahr- demzufolge ist für mich ein Mensch der im Namen der Wahrheit ständig nur "Tacheles" redet jemand, der seine Sicht der Dinge auf Biegen und Brechen verbreiten will. Mir persönlich höchst unsymphatische Zeitgenossen.

Manchmal heißt schönreden sich eine eigene Situation schöner zu machen als man sie selbst eigentlich empfindet weil man vor der Veränderung Angat hat- wenn aber politisch Unkorrekte von Schönreden sprechen meinen sie meißt "Ich (oder die Mehrheit der Menschen) bin der Meinung das ist schlecht, deshalb muss es auch schlecht sein und du darfst es nicht schön finden" was mich nur wieder zu dem Schluss bringt, dass Menschen die politische Unkorrektheit als Lebenseinstellung verfolgen höchst selbstverliebt bis hin zu grenzenlos selbstverherrlichend sind.
 
  • #9
@7: sehr guter Punkt!

Meiner Meinung nach muss klar zwischen Anstand und politischer Korrektheit unterschieden werden. Meines Erachtens hat das eine mit dem anderen nur bedingt, wenn überhaupt, zu tun. Man kann sich anständig, respektvoll und in gehobener Diktion ausdrücken und dabei trotzdem seine Meinung/Botschaft klar zum Ausdruck bringen, ohne jemanden zu beleidigen. Das finde ich wichtig und richtig, hat aber m.E. eben nichts mit politischer Korrektheit zu tun. Auf der anderen Seite sind Leute, die sich politisch korrekt ausdrücken, trotzdem (meiner Erfahrung nach sogar recht häufig) auf ihre Art dann doch sehr vulgär und anstössig. Ich denke da an die vielen linken Politiker, die zwar von "Menschen mit Migrationshintergrund" reden, aber in ihrem ganzen Gebahren, Auftreten, Kleidungsstil, überhaupt in ihrem ganzen unmöglichen "Stil" usw. recht vulgär und flapsig sind. Oder an all die Feministinnen, die im generischen Maskulin den auferstandenen Leibhaftigen sehen und für die das Suffix "-in, -innen" das höchste aller politisch korrekten Gefühle bedeutet - die aber jenseits dieser genau spezifizierten und als nicht verhandelbar angesehenen politischen Korrektheit über keinerlei Stil und Anstand verfügen.

Interessant ist ausserdem, dass die politische Korrektheit gerade von derjenigen politischen Seite kommt - nämlich eben von den Linken, von den Alt- und Möchtegern-68ern, und, in deren Schlepptau, von den Feministinnen -, die ihrerseits für den Niedergang von Anstand und Sitte (ich erlaube mir dieses Pathos!) verantwortlich ist. Das gibt einem doch zu denken...
 
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  • #10
Ich (w) bin immer !!! für Aufrichtigkeit und Direktheit, möglichst gepaart mit wohlwolender Höflichkeit. Wenn ich nicht jemandes "Typ" bin, will ich das doch möglichst bald wissen. Wenn nur ein Detail nicht gut gefällt, kann ich's auch nur ändern , wenn ich es weiß. Nichts ist für mich unangenehmer, als wenn "jemand" ständig um den heißen Brei redet, ausweicht, herumeiert, manipuliert, nur weil er sich etwas nicht zu sagen traut und Angst vor meiner Reaktion hat. Dieses Taktieren unterminiert von Anfang an das Vertrauen und die Beziehung kann sich nicht entwickeln sondern bleibt auf der Stelle.

Ich freue mich natürlich, wenn die direkten Aussagen (oft ja die Wiedergabe der Meinung oder auch harter Fakten, z.B. Lebensumstände, des Betreffenden) keinen sarkastischen oder beleidigenden Unterton haben. Aber selbst wenn das doch der Fall ist, weiß ich wenigstens, woran ich bin.
Später würden eine negative Einstellung oder Zweifel trotz aller anfänglichen political correctness und oberflächlicher Hinhaltetaktik sowieso herauskommen. Und dann tut's richtig weh, wenn man evlt. schon Gefühle für den anderen entwickelt hat.
 
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  • #11
Ich schließe mich voll und ganz #2 an.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass es mir gelegentlich dann doch an der nötigen Diplomatie mangelt. Ich versuche mich aber darin, denn es gibt ja Situationen, da ist es durchaus angebracht, sich etwas mehr im Sinne von politisch korrekt zu äußern. Es gelingt mir aber nicht immer und ich gerate dadurch schon manchmal ins Fettnäpfchen.
Es kommt sowieso darauf an, auf wen man trifft, denn gerade empfindliche Naturen können nicht immer mit klarer Rede umgehen.
Im Großen und Ganzen fahre ich aber sehr gut mit meiner Art Klartext zu reden, bin also ein Verfechter davon.

w/54
 
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Berliner30

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  • #12
Ich rede fast immer Klartext, außer wenn es ein deutlicher strategischer Nachteil (im Geschäftlichen Bereich) wäre.

@5 Ja du hast vollkommen recht. Ich habe zwar nicht alle aber einige Texte von Thilo Sarazin gelesen und kann ihm nur Zustimmen. Diese Art gefällt mir und regt die Leute zum denken an. Davon bräuchte unser Land noch sehr viel mehr.
 
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  • #13
#3 und Volljurist bringen meine Meinung bereits so perfekt zum Ausdruck, daß ich nicht mehr viele Worte machen muß. Im Sinne von political correctness geraten leider die Ausgangsfragen und Lösungsstrategien oft völlig in den Hintergrund und es werden sinnlose Nebenkriegsschauplätze eröffnet.

Ich verleihe meiner Meinung auch wenn sie nicht dem Mainstream entspricht, normalerweise Ausdruck. Allerdings in der von #3 geschilderten, sachlichen und unagressiven Weise, die es einem Gegenüber, auch wenn er gegenteiliger Meinung ist, ermöglicht, das Gesicht zu wahren.

<MOD: Themenfremde und unsachliche Bemerkungen gelöscht.>
 
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  • #14
@8 Inwieweit sind die Feministinnen für den Niedergang von Anstand und Sitte verantwortlich? Das erscheint mir doch sehr weit hergeholt, egal ob das nun "politisch" korrekt ist oder nicht.
 
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  • #15
Ich bin kein Freund, der "political correctness". Allerdings ist die vorliegende Fragestellung sehr allgemein gehalten. Was im Einzelfall als "politisch korrekt" zu gelten hat, darüber kann man meines Erachtens durchaus diskutieren.

Meiner Erfahrung nach sind "politisch korrekte" Leute den selbsternannten "Tachelesredern" nicht unähnlich. Zwei Seiten derselben Medaille. Beides hat mit Inhalten nichts zu tun, ist intolerant und der Auseinandersetzung in der Sache nicht dienlich. Ein Argument wird nicht dadurch besser, dass es politisch korrekt ist, aber auch nicht dadurch, dass man selber es für "Tacheles" hält. Argumente sollten schon für sich selbst sprechen ohne durch derartige "labels" bekräftigt werden zu müssen....

Übertriebene "politische Korrektheit" kann eine Diskussion völlig verhindern. Genau so oft ist "Tacheles reden" aber einfach eine Ausrede dafür, dass die eigene Meinung in einer Form geäußert wird, die nicht ganz der feinen englischen Art entspricht...
 
  • #16
Grundsätzlich ist es richtig und gut offen seine Meinung zu sagen. Schlecht ist jedoch, wenn andere dadurch an die Wand gestellt und verletzt werden. Wenn durch Offenheit andere derart beleidigt werden, dass sie "ihr Gesicht verlieren" sind die Grenzen erreicht. Dann muss man seine Wortwahl überprüfen und sich nicht wie ein Prolet auf "Tacheles reden" berufen.
 
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  • #17
Politische Korrektheit - in Deutschland hat das zu einer verödeten Politiklandschaft geführt.
Bei Männern für mich ein Charakterfehler, aber leider häufig vertreten. Sie sind es leider
gerade nicht, die mutige Meinungen gegen den Trend vertreten.
 
  • #18
Überraschung für alle die meine Posts kennen: Ich setzte mich sehr bewusst und genüsslich über PC hinweg. Es ist einfach eine Art der Zensur. Was Denkverbote nach sich zieht, weshalb es auch bei Gutmenschen (nicht zu verwechseln mit guten Menschen) so beliebt ist.

Aber, direkt und offen ist eine ganz andere Baustelle, und nochmals eine andere ist undplomatisch die Wahrheit an den Mann zu bringen.

Noch ´ne Überraschung: Man kann diplomatisch und unverletztend sein und doch klare Ansagen machen. PC hat so gar nichts mit "die Wahrheit zu sagen" zu tun.

Es wundert mich nicht daß es bei dieser Frage keinen gibt der PC verteidigt, nur im echten Leben bekennen sich die wenigsten dazu. Aber es geht uns doch allen auf die Eier/stöcke (um beide Geschlechter PC mässig zu bedienen-grins).
 
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  • #19
Bei der Kommunikation sollte es IMMER darum gehen, respektvoll miteinander zu kommunizieren. Das geht leider verloren, wenn man eine Wortwahl in Richtung "Schlampe", "fett" usw. verwendet. Ich finde sowas einfach nur widerlich. Es ist auch ein Unterschied, ob man "Klartext" redet oder einfach nur abwertend und beleidigend ist. Aber andererseits denke ich mir: Wie man sich ausdrückt, so ist und denkt man eben. Besser solche Charaktere offenbaren sich von Anfang an als solche, als wenn sowas erst später rauskommt.
 
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  • #20
#10@17
du schreibst:
Es wundert mich nicht daß es bei dieser Frage keinen gibt der PC verteidigt, nur im echten Leben bekennen sich die wenigsten dazu.


Stimmt nicht, ich habe die Frage aus der Sicht des echten Lebens beantwortet :)und so war sie wohl auch gemeint!
 
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  • #21
<MOD: Themenfremde Sticheleien entfernt.>
 
  • #22
@13:

>>Inwieweit sind die Feministinnen für den Niedergang von Anstand und Sitte verantwortlich? Das erscheint mir doch sehr weit hergeholt, egal ob das nun "politisch" korrekt ist oder nicht.<<

Nur so als Schmankerl zum Thema:
Lies mal den Artikel von Regula Stämpfli zum Thema "Intimrasur" in der Frauenzeitschrift "Emma" (findest Du sofort, wenn Du "Regula Stämpfli" und "Intimrasur" und "Emma" googelst). Nur schon den Inhalt finde ich unglaublich dümmlich - aber ganz abgesehen davon sind Wortwahl und Ton "unter jedem Borstenvieh". Aber Frau Stämpfli ist bei aller Vulgarität in ihrer Ausdrucksweise immer politisch korrekt und gilt (m.E. zu Unrecht) auch noch als Fachexpertin.

Derlei Beispiele gibt es wohl Hunderte.
 
  • #23
@17: Du sprichst mir sowas von aus dem Herzen!!!

Dein letzter Absatz ist spannend. Und ein wichtiger Punkt! Das Phänomen hat m.E. mit dem immensen Gesinnungsterror zu tun, der seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten von linker Seite systematisch und mit einer unglaublichen Breitenwirkung betrieben wird. Es wird einem suggeriert, dass alle für PC (eine schöne Abkürzung, übernehme ich als Apple-Addict gleich mal :)) seien, obwohl es eigentlich niemand wirklich ist.

In der Schweiz wurde vor kurzem die Minarettverbotsinitiative mit einer klaren Volksmehrheit angenommen. Dennoch schaffen es die Linken noch immer, immer und überall zu suggerieren, nur die allerletzten Hinterwäldler hätten für die Initiative gestimmt, so dass sich niemand getraut, offen dazu zu stehen. Ist m.E. dasselbe Phänomen wie bei der PC - eben: Gesinnungsterror!
 
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  • #24
Fair und ehrlich, aber nicht beleidigend oder verletzend - so sollte eine klare Ansprache untereinander sein. Mit zunehmendem Alter wird man sicherlich diplomatischer. Dies schadet jedoch nicht, sondern vereinfacht die Weg und führt damit ggf. schneller ans Ziel, wenn man seine eigenen Grundsätze nicht vollends aus den Augen verliert. Man sollte auch bedenken: Die Nachricht wird beim Empfänger gemacht. Also mein Zuhörer / Leser entscheidet, was und wie er etwas verstehen will und hinzu kommt auch, ob er/sie intellektuell in der Lage sein muss, es überhaupt verstehen zu können! Ich denke, dies ist ein entscheidender Punkt, der vielfach außer Acht gelassen wird. Da wird mit Fremdwörtern, ausschweifenden Erklärungen und Statistiken um sich geworfen, statt das Wesentliche klar, deutlich und für eine Vielzahl in einfacheren Worten verständlich auf den Punkt zu bringen.
 
  • #25
es gibt situationen, da habe ich mit dem wort "political correct", mein problem.
beispiel:
[Mod: Beispiel musste entfernt werden, weil die Forumsseiten Google-indiziert sind. Es bezieht sich auf Synonymausdrücke für farbige Mitbürger.]

im amerikanischen raum ist das wort "afro-amerikaner" gebräuchlich. den begriff kann ich mir in deutschland nur schwer vorstellen...afro-deutscher/europäer.
klingt irgendwie schräg.

abschliessend wäre dann noch zu klären, ob der begriff "schwarzer" korrekt ist, oder ob es nicht korrekter wäre, ihn als "maximal pigmentierten" zu bezeichenen, denn richtig schwarz ist er ja auch nicht...(achtung ironie;-)

wie ihr seht, man kann es mit der korrektnis auch übertreiben;-)
einfach seine meinung sagen, ohne beleidigend zu werden.
 
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  • #26
Ich bin eigentlich ein ziemlich großer Feind der political correctness aber ich sage nicht jedem ungeschminkt die Wahrheit ins Gesicht. Einer meiner Lieblingssprüche ist "Man sage immer die Wahrheit, man sage die Wahrheit nicht immer."

Ein Beispiel: Wenn eine Freundin mich fragen würde: "Findest Du, ich bin zu dick?!" und mich dabei mit verunsichertem Gesicht anschauen würde, würde ich niemals sagen - auch nicht, wenn es stimmen würde - : "Ja, ich finde, Du hast beträchtlich zugenommen und sahst vorher besser aus." Das würde ich für sehr taktlos und verletzend halten. Denn die Tatsache, dass sie mich das fragt, zeigt ja eigentlich, dass sie selbst weiss, dass sie zugenommen hat, also muss sie dafür von mir keine Bestätigung kriegen. Andererseits zeigt es auch, dass ihr das Thema schwer zu schaffen macht, sie damit (noch) nicht souverän umgehen kann und außerdem hofft, dass es doch nicht so schlimm ist, wie sie befürchtet. Jeder hat einen Spiegel zu Hause, jeder sieht sich selbst nackt, jeder merkt wenn die Hose, die früher locker saß, auf einmal kneift und jeder kann und muss für sich selbst entscheiden, ob er sich für genau richtig hält oder denkt: "Da könnten ein paar Kilo runter..." Wenn dagegen eine Freundin recht souverän konstatieren würde: "Mist, ich habe ziemlich zugenommen, das muss ich ändern. Kennst Du ein paar Tricks?", dann würde ich ihr eben ein paar Abnehmtipps geben und nicht erst versuchen, zu sagen, dass sie nicht abnehmen muss. Es sei denn, sie hätte ein völlig falsches Bild von sich selbst und will auf Untergewicht zusteuern.

Der Beitrag von # 5 Volljurist ist sehr gut, finde ich und beschreibt nachvollziehbar und plastisch, wie gefährlich sich manche Dinge entwickeln können, wenn niemand den Mut hat, Dinge beim Namen zu nennen. Und das, obwohl ziemlich sicher ist, dass viele Leute in Wahrheit so ähnlich denken. Es will sich aber keiner an den Pranger der (in diesem Beispielsfall Ausländerfeindlichkeit) stellen lassen. Dann lieber mit Zuckerguß und schönen Worten die Probleme überdecken statt sie beim Namen zu nennen und so vielleicht auch etwas ändern zu können.

Was die von Frederika zitierten Beispiele wie "Marktwert", "Beutegruppe" usw angeht. Bis zu einem gewissen Grad kann ich verstehen, warum sich manche dagegen wehren. Ein Mensch ist nun mal kein Produkt und auch keine Beute. Dennoch bin ich ein Fan dieser und ähnlicher Begriffe, weil sie kurz, knackig und treffend das wiedergeben, was man ansonsten in vielen Sätzen umständlich beschreiben müßte und was dann höchstwahrscheinlich dennoch mißverständlich wäre.

Gerade hier im Forum kommt es nicht selten vor, dass sich Leute empören, wenn sie durch etwas negativ betroffen sind. Kleine Männer empören sich dann zuweilen und unterstellen Frauen, die große bzw. größere Männer suchen, Oberflächlichkeit. Im Fall der Frauen-Schlankheitsdiskussionen wird dann Männern unterstellt, sie würden Magersucht fördern oder wollten nur eine Frau zum Vorzeigen, während viele Männer in Wahrheit doch Frauen mit etwas mehr Fleisch um die Knochen bevorzgen würden. Dass wir selbst also Vorlieben und Abneigungen haben, halten wir immer für selbstverständlich, die anderen dürfen das auch - allerdings nur dann, wenn wir dann nicht die Betroffenen sind...

Als Fazit würde ich sagen: Der goldene Mittelweg ist richtig. Es gibt Momente, in denen sind klare, unmißverständliche Worte nicht nur angebracht, sondern absolut notwendig - auch wenn man damit nicht auf Gegenliebe stößt. Und es gibt Momente, da ist Diplomatie - was ich im Übrigen stark von PC unterscheide - angebracht. Oft kommt man mit Diplomatie einfach weiter und muss nicht erst Gräben, die durch Verletzungen entstanden sind, zuschütten. PC hingegen ist eine Art Maulkorb. Teilweise wird ja nicht nur versucht, Leute daran zu hindern, etwas auf bestimmte Art zu sagen. Manchmal bekommt man das Gefühl, die PC soll eigentlich schon viel früher greifen und uns befehlen, was wir denken dürfen und was nicht.
 
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  • #27
Ich sehe es genau wie Samira in #15.

"Tacheles reden" bedeutet leider meist, die eigene Meinung zu sagen ohne zu bedenken, dass man den anderen damit vielleicht verletzt. Und politische Korrektheit kann nicht, wie in der Frage, als Gegensatz zu "Tacheles reden" stehen. Tacheles reden bedeutet bei Vielen leider, auf einem niederem Niveau verbal um sich zu schlagen.

Klar und deutlich, und trotzdem ohne Verletzung des Partners seine Meinung sagen, darauf kommt es an.

w53
 
  • #28
,,Wenn der Schwanz steht, ist der Verstand im Eimer." Diese von pc wohl rundum anerkannt weit entfernte einschlägige Auffassung von männlichem Verhalten würde ich überwiegend inhaltlich beanstanden. Bei der Frage nach anderweitiger Zulässigkeit käme es mir sehr auf die Zusammensetzung des Umfelds an, in das hinein dieser Satz gestellt worden ist. Verständlichkeit ohne Umschweife müssen die jeweilige Zuhörerschaft verletzungsfrei erreichen können. Dabei dürfen wörtliche Wendungen sie selbstverständlich gleichermaßen zum bezeugten Einvernehmen wie zum massiven Widerspruch herausfordern.
Weit mehr als Tacheles beinhaltet pc die Zugabe von sprachlichen Wendungen, die Rückschlüsse auf die Haltung des Senders solcher Botschaften ermöglichen. So macht es beispielsweise schon einen Unterschied, ob jemand als bleichgesichtslos, maximalpigmentiert ofer Afrodeutscher bezeichnet wird.
 
  • #29
Natürlich sind wir hier alle dafür, offen, fair und frei heraus zu sagen, was wir wirklich denken.
Hier im Forum wird das ja auch oft so gehandhabt, was sehr entlastend sein kann für unterdrückte Emotionen.

Im wirklichen Leben allerdings mutieren die meisten doch eher zu Duckmäusertum und zur Heuchelei.

Kein Wunder! Wer auf Karriere im Beruf angewiesen ist, wird wohl kaum grobe Kritik am Verhalten oder am Gedankengut von Menschen üben, auf deren Anerkennung er angewiesen ist. Politiker, die laut sagen, was den Menschen wirklich am Herzen liegt, bekommen umgehend eins auf die Mütze, oder sind sofort weg vom Fenster.
Kein Mensch wird im RL zugeben, dass er optische oder charakterliche Besonderheiten des Gegenübers beim eigenen Partner nicht tolerieren könnte. Und, und, und...

Das ist wohl auch ein Grund, weshalb hier zum Beispiel) mit diskutierende Hartz4- Empfänger/innen total geschockt sind über das, was sie sich im Forum anhören müssen. Soviel Tacheles wird öffentlich einfach nicht zugelassen, da wird die Realität geschönt und politisch korrekt geheuchelt.
Die Beispiele ließen sich endlos fortsetzen!
 
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  • #30
@28: du bringst die Wahrheit auf den Punkt - man darf hier in D ja nicht mehr alles sagen, was man denkt, sonst wird man leider gleich angeprangert und verurteilt als...! Schlimm genug!
 
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