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  • #1

Nicht mehr richtig verlieben können - geht's euch auch so?

Hallo liebes Forum, ich wusste jetzt nicht so richtig, welchen Titel ich wählen sollte.

Ich bin Anfang 30, weiblich und noch kinderlos. Ich bevorzuge das Modell feste Beziehung, Kinderwunsch und Heirat. Ich war bereits zwischen 25 und 30 verheiratet, die Ehe ging aber in die Binsen, da mein ExMann während der Ehe ein Alkoholproblem entwickelte. Ansonsten habe ich ihn sehr geliebt. Gleichfalls auch die Partner, die ich davor hatte und den einen Partner nach meiner Scheidung.

Dann habe ich angefangen onlinedating zu nutzen. Ich hatte etwa 10 Dates und bin während der Kennenlernphase oder in der Startphase einer Beziehung (2x) arg auf die Schnauze gefallen.

Seit zwei Monaten habe ich einen neuen Partner, den ich über eine SB kennengelernt habe. Wir verstehen uns sehr gut, können gut miteinander reden und wenn ¨er¨ mal ein komisches Verhalten an den Tag legt, können wir auch darüber reden. Soweit sogut. Trotzdem merke ich, dass ich nach allem was ich erlebt habe, mich nicht mehr so bedingungslos verlieben kann wie früher. Theoretisch müsste ich die rosarote Brille aufhaben. Hab ich aber nicht. Seitdem ich diese SB Erfahrungen gemacht habe, halten sich meine Gefühle im Zaum obwohl ich mir wünschte, es wäre nicht so.

Hinzu kommt, dass ich von zwei Single Freunden in meinem Alter aber auf der Suche nach Frauen NUR richtig negative Erlebnisse von onlinedating berichtet bekomme. Beide Männer sind ganz normal!

Ich frage mich mittlerweile öfter, haben mich die Erfahrungen ¨versaut¨, ist er nicht ¨der Richtige¨ oder gleiche ich unterbewusst meine Ansprüche zu stark ab, da ich nun wirklich mal den Partner fürs Leben finde möchte. Zum Vergleich, früher habe ich jemanden i.R. kennengelernt, war schnell Feuer und Flamme und das ganze steigerte sich über die Monate emotional.

Eure Gedanken und Erfahrungen dazu würden mich sehr interessieren. Verliebt man sich irgendwann nicht mehr so stark wie früher? Wird man vorsichtiger, misstrauischer? Kritischer?
 
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  • #2
Man trägt alte Verletzungen mit sich herum und es geht langsam ums Ganze. Klar ist man also vorsichtiger und man möchte keinen Fehler mehr machen, sonst rücken die eigenen Pläne von der Zukunft in weite Ferne. SO viel Zeit hat man als Frau über 30 ja nicht mehr. Der Kopf ist sehr stark und hemmt das Herz. Thats it.

W 34
 
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  • #3
Ja, man wird misstrauischer, lässt sich nicht mehr so schnell und vielleicht auch nicht mehr so sehr fallen.

In jedem Fall aber fehlt in den 30ern meist die rosarote Brille, mit der man früher an bedingungslose, romantische, rosarote Liebe geglaubt hat.

Es mag Ausnahmen geben, doch bei mir selbst ist es so.
 
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  • #4
Ich glaube, dass das eine ganz normale Selbstschutzreaktion ist. Sie sind nach den schlechten Erfahrungen tatsächlich vorsichtiger, schnell starke Gefühle zuzulassen, um eben nicht so schnell so verletzbar zu sein. Ich glaube, dass sich trotzdem tiefe Gefühle entwickeln können, aber es braucht eben seine Zeit. Und das ist doch auch in Ordnung so.
 
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  • #5
Hallo, bei mir ist es sehr ähnlich. Ich bin zwei mal hintereinander so sehr enttäuscht worden, das ich jetzt vieles weit von mir weg halte. Ganz bewusst um nicht mehr verletzt zu werden. Aber damit halte ich auch die, neue eventuelle so wunderbare Nähe, fern von mir.

Vertrauen brauch Zeit! Und die Zeit ist wohl noch nicht wirklich Reif für deine neue Liebe. Was nicht heißt, dass es nicht der richtige Partner für dich ist! Du bist wahrscheinlich mit Dir noch nicht ganz im Reinen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #6
Das ist genau das Problem, das Du beschreibst:

Weg 1: Man mailt, mailt und mailt. Damit baut sich ein Wall an Emotionen und Eindrücken auf. Man ist Feuer und Flamme und trifft sich. Alles toll. Beim Anbandeln der Beziehung fliegt man auf die Schnauze. Ergebnis: Keine Emotionen mehr.

Weg 2: Man mailt nicht mehr lang sondern trifft sich gleich und befolgt die Regel "keine Emotionen vorm ersten Treffen." Das führt aber dazu, daß das erste Treffen zu einer Art business meeting wird in Gestalt rationalen Abklärens von Kriterien mit der Folge daß zumindest einer dem andern sagt "Du bist ja lieb und nett, aber der Funke ist nicht übergesprungen"

Sei Du froh, daß Du noch Weg 1 gehen kannst.
 
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  • #7
Ich kann es auch nachvollziehen.
Nach einer großen Enttäuschung habe ich 3 Jahre gebraucht um mich wieder auf einen Menschen mit allen Gefühlen einzulassen. Aber nach nur wenigen Monaten wurde ich wieder enttäuscht.
Kann mir gar nicht mehr vorstellen mich erneut zu verlieben.
 
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  • #8
Mit 30 hat man, in der Regel, schon ein gerüttelt Maß an Erfahrung gesammelt, sowohl was Partnerschaften angeht, als auch, was die eigenen Bedürfnisse angeht. Die Liebe und alle ihre Effekte auf den Körper und das Denken sind nicht neu, nicht mehr so spannend. Man kennt es schon, hat es schonmal erlebt.

Einen Film, den man zum 2. Mal sieht ist nicht mehr so spannend, selbst wenn er mit anderen Schauspielern stattfindet, wie beim ersten gucken.

Die Liebe wirst du nie wieder so erleben, wie du sie mit 17 erlebt hast. Aber das meinen alle immer. Und das ist der Fehler im Denken der heutigen Zeit, meiner Meinung nach. Du vermisst also ein Gefühl, dass du mal zum 1. mal erlebt hast und willst das selbe Gefühl wieder zum ersten mal erleben. Es gibt aber nur EIN 1. mal. Auch in der Liebe und dem Empfinden derselben. Hier werden also Phantome der Vergangenheit gejagt. Da muss jeder Mensch quasi scheitern dran und das fühlt sich dann irgendwie enttäuschend an.

Sei dir also bewusst, wie du Liebe für dich definierst.
 
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  • #9
Ich habe geschlagene 10 Jahre gebraucht, bis ich mich wieder auf einen neuen Mann konzentrieren konnte, dann war ich wieder frei und konnte mich glücklich verlieben. Das ging Schlag auf Schlag, obwohl ich auch dachte, das wird nie wieder was. Und zu meiner Überraschung: es ist alles wie früher auch. Hoffnungslos verliebt und naiv. Die Gefühle sind überhaupt nicht schwächer, aber man ist etwas reifer als vorher und trifft Entscheidungen weiser.

Somit braucht es einfach seine Zeit. Ich habe in der Zeit Depressionen gehabt, absolut zurückgezogen gelebt und bin praktisch aus dem Leben geschieden. Ich hatte schon absolut abgeschlossen mit mir und der Welt und beizeiten mein Ende vor Augen gesehen.

Also gib die Hoffnung nicht auf, halt die Augen offen, werde mit dir im Reinen, denn solange du Frust schiebst, Wut und Enttäuschungen dich plagen, solange wird das wohl nichts. Mir hat geholfen, erstmal ganz gewaltig meinem Selbstbewusstsein auf die Sprünge zu helfen und mein Leben aufzuräumen. Unter anderem mit Hypnose, damit du wieder in dich gestärkt wirst.
 
  • #10
Eure Gedanken und Erfahrungen dazu würden mich sehr interessieren. Verliebt man sich irgendwann nicht mehr so stark wie früher? Wird man vorsichtiger, misstrauischer? Kritischer?

Ja und Nein, man verliebt sich anders, reifer, mehr unter Einbeziehung des Verstandes aber deshalb nicht unbedingt weniger. Man hat dazugelernt (oder sollte es haben) so zum Beispiel dass man seinen Emotionen erst freien Lauf lässt wenn man merkt dass der andere auch liebt.

Was heisst- willst Du das Gefühl aus Deiner Jugend wieder haben- vergiss es. Willst Du eine neue, keineswegs schlechtere Liebe erfahren, Er-Leben dann hat man alle Möglichkeiten. In der Jugend meinte man noch ein Partner wird alles besser machen- nach all den Erfahrungen weiss man (oder sollte es wissen) dass man dafür in erster Linie selbst verantwortlich ist. Dann kann man eine Liebe auch leben ohne sie mit Erwartungen zu überladen.

Diese Balance gilt es zu finden. Ich dachte auch dass ich nach dieser Enttäuschung wohl meine Schwierigkeiten haben werde. Diese Frau hat Sie durch Ihr Wesen einfach weggeblasen....
 
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  • #11
Trotzdem merke ich, dass ich nach allem was ich erlebt habe, mich nicht mehr so bedingungslos verlieben kann wie früher. Theoretisch müsste ich die rosarote Brille aufhaben.

Verliebt man sich irgendwann nicht mehr so stark wie früher? Wird man vorsichtiger, misstrauischer? Kritischer?

Liebe FS,

da geht es mir genauso. Nach ein paar Beziehungen und ein paar positiven und negativen Erfahrungen schaut man sich das andere Geschlecht sicher nicht mehr durch die rosarote Brille an und das ist auch gut so. Natürlich wird man aufgrund negativer Erfahrungen vorsichtiger, das ist ein letztlich ja auch ganz guter Schutz vor ständigen "Reinfällen". Es wäre schlechter, wenn Du es nicht würdest.

Von "bedingungsloser" Liebe halte ich so mittlerweile gar nichts mehr. Die Grundbedingung ist immer, dass ich mich auf eine Partnerin mit ihren Stärken und Schwächen einlassen kann. die rosarote Brille verdeckt das, aber löst das Problem nicht dauerhaft, also besser absetzen.

Also: schau Dir potentielle Partner an und bevor Du Dich dauerhaft bindest, solltest Du das Gefühl haben, dass auch nach Absetzen der rosaroten Brille Dein Partner weitgehend passt und das Du mit dem, was nicht 100%ig passt umgehen kannst (100%ig wird kaum jemand passen).
Vermutlich verliebt man sich nicht mehr so stark wie mit 17 weil man das Gefühl kennt und eigentlich die meisten Gefühle sich auf Dauer eher etwas abschwächen. Aber ganz sicher kannst Du Dich auch in "höherem" Alter noch intensiv verlieben und das geniessen.

m, 46
 
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  • #12
ich würde sagen, Deine Erwartung des sich-immer-wieder-verlieben-könnens ist zu hoch.

So oft begegnet einem nicht die große Liebe.

Das ist ein seltener Schatz.

Manche leben dann in Kompromissen oder kompromisslos alleine.

Welchen Weg Du gehst kann Dir Dein Selbstwertgefühl sagen.
 
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  • #13
Hier die FS.

Danke zunächst für eure Antworten. Von bedingungslosem Verlieben oder verlieben wie ein Teenie will ich ja garnicht reden. Ich versuche für mich einzuordnen, warum sich das so verhält. Ob man eben wie schon gesagt wurde, aufgrund von Erfahrungen oder dem "fortgeschrittenen" Alter sich anders verliebt. Oder ob man nur froh ist, dass man überhaupt noch jemanden gefunden hat, mit dem man kann (braucht man die rosarote Brille? Oder reicht auch körperliche Anziehung, Respekt und Kompromisse). Oder ist man nicht richtig verliebt, weil man merkt, dass es so gut nun doch nicht passt? Flacht die Verliebtheit schneller ab, weil man nüchterner beobachtet?

Für mich selbst erwarte ich von keinem hier, dass er dies zu entscheiden vermag. Logisch. Beschäftigt mich aber gerade arg das Thema. Und nein, zum Glück bin ich nie zu Dates gegangen, bei denen ein Katalog runtergerasselt wurde und wenn es nicht passte, dann Tschüss.
 
  • #14
Ob man eben wie schon gesagt wurde, aufgrund von Erfahrungen oder dem "fortgeschrittenen" Alter sich anders verliebt.

Natürlich verliebt man sich anders, man ist ja auch nicht mehr derselbe. Erfahrungen, gute wie schlechte Beinflussen das natürlich. Aber einfach froh sein Jemand irgendwie passenden gefunden zu haben?

NEIN, Zumindest für mich ist das Gegenteil der Fall- entweder das volle Kino oder gar nicht. Bekommen hab ich das volle Kino- intensiver als je zuvor und von abflauen kann auch keine Rede sein.

Also- es ist anders, aber keineswegs schlechter.
 
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  • #15
Liebe hängt sehr viel mit Glauben zusammen. Nur wer an so etwas wie Liebe glaubt, kann sie empfinden.
Wenn du allerdings nach schlechten Erfahrungen den Glauben an die Existenz der Liebe verloren hast, dann wirst du sie auch nicht mehr so empfinden.
 
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