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Gast

  • #1

Neuer Partner hat Depressionen - wie damit umgehen?

Ich bin seit Kurzem mit einem Mann 40+ zusammen bei dem eigenlich fast alles stimmt. Er sieht gut aus, ist sehr nett, zuvorkommend und aufmerksam. Er ist sehr gebildet und belesen und ein anregender Gesprächspartner. Zudem ist er wirtschaftlich unabhängig, was mir wichtig ist. Unser Sex ist sehr schön und eine Bereicherung.

Ich habe allerdings schon sehr früh festgestellt das er große Stimmungsschwankungen hat. Vor zwei Tage habe ich durch Zufall ein Schreiben gesehen, aus welchem ich schließe das er jedenfalls in psychotherapeutischer Behandlung war oder möglicherweise zeitweise auch noch ist.

Ich weiß im Moment nicht wie ich mit der Situation umgehen soll?

Alles bei uns ist noch so frisch und jetzt diese dunklen Wolken. Ich habe keine Erfahrung im Umgang mit so was. Ich weiß auch gar nicht ob ich die Kraft dafür habe und die Kraft haben will.

w39
 
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Gast

  • #2
Als Mann, der selbst 2 Jahre in Therapie war, möchte ich sagen, manche wiederholen immer dasselbe und manche gehen in Therapie, um sich selbst auf die Schliche zu kommen. Wenn es gelingt, hat jemand selbst was davon und seine Umwelt mitunter auch. Vergleichbar mit Haltungsschaeden, die zu Abnuetuungen in Gelenken fuehren können, wenn sie unbehandelt bleiben.

Sprich doch einfach mit ihm darüber.

M48
 
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Gast

  • #3
Nur, weil dort ein Schreiben von einer psychotherapeutischen Praxis liegt, heisst es ja nicht, dass er Depressionen hat, oder stand das da drin? Ich kenne so viele Leute, die zum Therapeuten gehen, die wenigsten davon haben Depressionen, aber andere Dinge, die sie aufarbeiten möchten, oder einfach konkrete Probleme, die sie mit professioneller Hilfe lösen möchten. Und ich kenne viele, für die es super wäre, mal dorthin zu gehen, die das aber strikt ablehnen und so ihre Probleme (leichterer oder schwererer Art) nie lösen.

W/43
 
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Gast

  • #4
Ich finde auch, solange da nicht draufstand, dass er Depressionen hat, solltest du auch nicht in diese Richtung denken. Menschen die zum Therapeuten gehen, weil sie merken, dass sie mit irgendwas nicht alleine klarkommen und sich lieber Hilfe holen, sind mutiger und ehrlicher zu sich also so mancher der das wirklich nötig hätte.

W31
 
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Gast

  • #5
Wichtiger als das Schreiben wären mir die großen Stimmungsschwankungen. Das wäre für mich auf Dauer nichts. Wie äußern sie sich?

w 45
 
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Gast

  • #6
Liebe FS

Wenn dir aufgefallen ist, dass er starke Stimmungsschwankungen hat, würde ich ihn darauf ansprechen. Eben genau mit den Worten, dass dir das aufgefallen sei. Du wirst dann sehen, ob er zu einem Gespräch bereit ist. Auf den Brief vom Psychopherapeuten würde ich nicht eingeben.

Du kannst ja vielleicht sagen, dass dich das irritiert oder dass du nicht weisst, wie du damit umgehen sollst. Ich würde im ygespröch immer ich-Botschaften senden, damit er sich nicht angegriffen fühlt.

Mir erscheint es wichtig darüber zu sprechen, weil es für dich als Partnerin eine grosse Herausforderung sein wird, wenn er weiterhin starke Stimmungsschwankungen etc. hat.

Ich wünsche dir viel Glück!
W/39)
 
  • #7
Wenn dir aufgefallen ist, dass er starke Stimmungsschwankungen hat, würde ich ihn darauf ansprechen. Eben genau mit den Worten, dass dir das aufgefallen sei. Du wirst dann sehen, ob er zu einem Gespräch bereit ist.
Diese Stimmungsschwankungen sind eigentlich schon der Kernpunkt. Außerdem ist es auch entscheidend wie lange er schon in therapeutischer Behandlung ist. Bei starken psychosomatischen Problemen ist dies nicht mit 1 oder 2 Jahren getan. Ich spreche hier aus Erfahrung. Meine Ex war bzw. ist seit 2005 in Behandlung und von der Rentenanstalt bezieht sie seit 2007 eine Berufsunfähigkeitsrente. Damals fing es auch mit leichten Stimmungsschwankungen an, die immer schlimmer wurden bis zur Panik vor großen Menschenaufläufen. Eventuell solltet ihr gemeinsam einen Termin bei seinen Therapeuten ausmachen. Er kann dir dann die eine oder andere Angst nehmen und vielleicht sogar bei der Entscheidungsfindung helfen. Sollte er dies ablehnen, dann kannst du auch schon deine Rückschüsse daraus machen. Auf der anderen Seite können aber seine "Probleme" auch ganz harmlos sein und du machst dir viel zu viele Gedanken. Sollte er aber über seinen Therapeuten schon in der WIR-form sprechen wird es sehr ernst für dich. So eine Beziehung kann dann mehr Kraft kosten als man hat.
 
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Gast

  • #8
Ich würde wie meine Vorschreiber erstmal drüber reden. Wenn er gezielt ein Problem angeht mit professioneller Hilfe finde ich das super, das muss keine Belastung für die Beziehung sein. Wichtig ist doch wie er mit dir umgeht.
Und Depressionen sind weit verbreitet und behandelbar. Mach dich doch schlau darüber, dann überfordert es dich nicht.
w43
 
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Gast

  • #9
Stimmungsschwankungen hat ziemlich jeder. Ich auch. Aber es geht niemanden an und ich kann mich trotzdem benehmen. Wenn ich in einer schlechten Stimmung bin, ist es nur mein Problem und darf die Stimmung meines Partners nicht beeinträchtigen.

Der Freund der FS scheint daran gearbeitet zu haben - OK. Natürlich ist es besser, immer psychisch gesund zu bleiben und niemals einen Psychotherapeuten zu brauchen. Aber gerade die gebildeten, interessanten und künstlerisch veranlagten Männer haben diese Neigung zu Stimmungsschwankungen. Depressionen kommen, wenn du etwas schreiben willst und nichts einfällt, wenn du etwas malen willst und es nicht gelingt, komponieren willst und nichts gescheites kommt. Man kommt sich wie ein Taugenichts vor.
 
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Gast

  • #10
Mir kommen da zwei Sachen in den Sinn. Will er überhaupt mit dir zusammen sein? Also ist es Lieber oder nur Sex? und wodurch sind diese Depressionen entstanden? Liebesverlust? Kummer oder Arbeitsstress? Depressionen können durch eine erfüllte Liebe verschwinden.
 
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Gast

  • #11
Es hängt vom Grad der Depression ab, wie sie Euer beider Wohlbefinden beeinflusst. Wenn sie vorübergehend und leicht ist, sehe ich überhaupt kein Problem. Auch wenn er die für ihn richtigen Medikamente bekommt, finde ich es nicht problematisch.

Ich kenne einige depressive Menschen, im Freundes- und Kollegenkreis, und sie sind soweit ich das beurteilen kann, nicht schwieriger oder unangenehmer im Umgang wie nicht-depressive Menschen. Wenn sie Medikamente nehmen, merkt man ihnen überhaupt nichts an. Meiner Erfahrung nach ziehen sich depressive Menschen vielleicht eher einmal ein wenig zurück, was für den Partner/die Partnerin aber kein Problem sein muss, je nachdem wie unabhängig und eigenständig der Partner/die Partnerin ist.

w/50
 
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Gast

  • #12
Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass Depressionen, solange sie nicht endogen sind, ein trauriger Beweis für die Feinfühligkeit und emotionale Bildung Deines Partners sind. Wie du ihn beschreibst, scheint er ein toller Mensch zu sein, bei dem Du sicher viel Einfühlungsvermögen erfahren würdest.
Gut, nun steht aber ja noch gar nicht fest, ob und wie sehr er "angeschlagen" ist. Ich würde ihn auch auf seine Stimmungsschwankungen ansprechen. Dass er offenbar in therapeutischer Behandlung ist oder war, spricht wieder für ihn. Es gibt so viele Ursachen für Stimmungsschwankungen! Meistens zeigt auch erst die Zeit, woran Du bist.
 
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Gast

  • #13
Es kommt auf die Schwere und die Ursache der Depression an und darauf, wie lange er schon in Behandlung ist und wie die Therapie anschlägt.

Ich habe sehr schlechte Erfahrungen mit dem Thema gemacht und kann daher nur zur Vorsicht raten. Menschen, die noch nie mit einem Depressiven zusammen waren, können dir hier nur bedingt Rat geben. Auch ist es meiner Meinung nach etwas ganz anderes, ob man mit einem Depressiven eine Beziehung führt oder aus dem Bekanntenkreis Leute mit Depressionen kennt. In der Regel bekommt man da die ganz schweren Abstürze nämlich nicht mit.

Ich habe was Ähnliches erlebt wie du. Ich kam mit einem Mann zusammen, bei dem am Anfang alles perfekt schien. Ein paar Wochen schwebten wir auf Wolke 7. Dann wurde er immer komischer. Er sah zunehmend alles negativ. Wenn es am Wochenende regnete, dann war das ganze Wochenende seiner Meinung nach Mist. Wir buchten gemeinsam einen Urlaub, auf den wir uns freuten. Ein paar Tage vor der Abreise fing er an, uns den ganzen Urlaub schlecht zu reden. Bestimmt ist das Hotel nicht gut, die Umgebung langweilig usw.

Ich sprach ihn mehrfach darauf an, was mit ihm los sei. Als Grund nannte er Stress bei der Arbeit und ein paar sonstige harmlose Probleme. Ich war so blind vor Liebe, dass ich das akzeptiert und mir nichts weiter dabei gedacht habe. Zwischendurch war er gut drauf und alles schien in Ordnung zu sein.

Dann kam ein totaler Zusammenbruch seinerseits, in dem er mir sagte, er bräuchte Abstand, er wisse nicht, ob er wirklich Gefühle für mich habe. Er grub sich zu Hause ein, redete wirres Zeug und gab zu, dass er seit Jahren unter schwersten Depressionen leidet. Er war auch schon in einer Klinik gewesen. Er bekam dann über Monate Psychopharmaka und war durch die Medikamente nur noch ein Schatten seiner selbst. Er wirkte wie innerlich tot, ich erkannte den Menschen, in den ich mich verliebt hatte, nicht wieder. Mal gestand er mir seine Liebe, dann wieder musste ich mir verletzende Äußerungen dahingehend anhören, dass er es eh nie ernst mit mir gemeint hatte.

Als mir das ganze Ausmaß seiner Erkrankung bewusst wurde, nämlich dass er seit ca. 20 Jahren an dieser Krankheit leidet und Therapien bei ihm nie wirklich was gebracht hatten, so dass er sie immer wieder nach kurzer Zeit abgebrochen hatte, wurde mir klar, dass ich ihm nicht helfen kann und dass ich in so einer Beziehung nur auf ewig die Leidtragende und Unglückliche sein würde. So habe ich nach ein paar Monaten Schluss gemacht.

Ich würde dir raten, dich genau zu informieren und auch mit deinem Freund zu reden. Sei aber darauf gefasst, dass er dir nicht unbedingt die Wahrheit sagt. Mein Ex hat sogar, nachdem ich seine extreme Phase mitbekommen habe, immer noch versucht, mir einzureden, er wäre gar nicht wirklich psychisch krank. Solche Menschen wissen, dass sie es schwer haben, einen Partner zu finden, der trotz ihrer Erkrankung bei ihnen bleibt. Aus diesem Grund versuchen sie alles, um ihre Krankheit zu vertuschen.
 
  • #14
Ihr solltet dringend darüber reden und ich würde als Frau und Partnerin auch größtmögliche Offenheit fordern und erwarten. Dann kannst Du nämlich besser einschätzen, welchen Umfang die Depression hat und welche Lebensbereiche betroffen sind - und ob Du damit klarkämst.

Ich lernte 2003 einen gebildeten, gutaussehenden Mann über eine Internetplattform kennen. Er hatte mir verschwiegen, daß er seit Jahren Depressionen hat, Medikamente dagegen nimmt, seit Jahren nicht arbeitet (zwischenzeitlich H4) und dazu noch internetsüchtig ist. Ich habe es erst nach ungefähr 2-3 Jahren mitbekommen, so peu a peu. Das empfand ich als sehr unfair, da ich mich sonst nicht auf ihn eingelassen hätte. Ich suchte einen Mann, der wenigstens wirtschaftlich unabhängig ist...
 
  • #15
Ich würde ihn auf seine Stimmungsschwankungen auch ansprechen..... ich hatte auch gute10 Jahre eine bi-polare Störung "Depressionen und manische Attacken".Seit 1 Jahr nehm ich keine Medikamente mehr und es ging mir zunehmend besser und heute (schon seit mehreren Monaten) fühl ich mich wieder leistungsstark und einfach gut.
Grundsätzlich gesehen kannst Du nur froh sein, wenn jemand therapeutische Hilfe in Anspruch nimmt und sich um seine Probleme kümmert. Letztendlich würdest auch DU davon provitieren.

Ich wünsch Dir weitere viel Glück W57