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  • #1

Neuer Freund hat Veranlagung zum Manisch-Depressiv sein

Hallo,

ich habe vor ein paar Wochen einen sehr klugen, empathischen,zärtlichen Mann kennengelernt.

Habe aber von Anfang an bemerkt, dass irgendwas nicht stimmt. Ich hatte schon geglaubt er hätte noch eine andere oder nicht genug Zuneigung für mich. Daher habe ihn nach kurzer Zeit gefragt warum wir uns trotz offensichtlichem Interesse so selten sehen und auch wenig telefonieren. Und sagte ihm, dass mir das zu wenig ist bzw. generell zu wenig sei um sich wirklich näher kommen zu können.

Er fand meine Ehrlichkeit und Direktheit klasse und fing an mit mir zu sprechen. Er sagte mir, dass er nie gelernt hat über Gefühle zu sprechen weil er eine sehr lieblose Kindheit hatte (viel Schläge, kein normales Familienleben, kein Austausch von Gefühlen usw). Auch kann er sich selbst nicht richtig positiv wahrnehmen bzw sich selbst nicht annehmen.
Und er brauche im Grunde Zeit (hat auch vor nem halben Jahr eine Beziehung wegen dieses Problems beenden müssen) um sich selbst zu finden andernfalls wird es bei uns genauso wie bei der letzten Beziehung. Er will sich sogar von einem Therapeuten behandeln lassen.
Die Zeit möchte ich ihm schon geben weil er es mir wert ist aber trotzdem habe ich Bedenken und auch Angst, weil ich nicht weiß was ich dabei tun kann.
Kennt sich jemand mit so etwas aus?
Habe Angst, dass wenn ich ihm (zu viel) Hilfe anbiete er sich wie "ein kranker Freak" fühlt. bzw. weiß ich nicht wie ich ihm gerade (wo er ja noch keine professionelle Hilfe hat) helfen kann ohne das diese Hilfe aus ihm einen Hilflosen macht.

Vielen Dank im Voraus.
 
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  • #2
hmm ich kenne das ganze Problem von mehreren Seiten daher einfach mal ein paar Gedanken dazu stichwortartig zusammen gefasst was du für dich daraus machst, wirst du selber sehen.

- Was du (er) beschreibst klingt nicht nach manisch-depressiv. Nicht mal ansatzweise.
- wenn er nicht gelernt hat über Gefühle zu sprechen oder sich selbst nicht wirklich (positiv) wahrnehmen können ist er wahrscheinlich nicht empathisch. Wahrscheinlicher ist es, dass er deine Empathiefähigkeit spiegelt.
- Zwischen will sich behandeln lassen und in eine Therapie gehen liegen Welten, oder auch Jahre. Und das bedeutet nicht dass er lügt.
- Als Partner ist es nicht deine Aufgabe ihn im Punkto Krankheit wirklich zu helfen. Wenn du mit ihm zusammen sein willst, dann nimm ihn an, mit seinen Fehlern, ohne Garantie dass er sich da ändern wird. Sollte er das schaffen (was bei dem was er beschreibt ein verdammt harter Weg wird) dann freue dich über jeden kleinen Schritt.
- Wenn du versuchst wirklich zu helfen wirst du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Grundlagen eurer Partnerschaft zerstören: a) du bist (offenkundig) kein Profi (Psychotherapeut) d.h. die Chancen mehr falsch als richtig zu machen sind recht groß. b) verlässt den Bereich des auf Augenhöhe Miteinander und wirst ihn kaum wieder betreten können. (nicht ohne Grund sind Beziehungen zwischen Therapeuten und Patienten keine clevere Idee) hast die Problemstellen in deinem letzten Absatz gut beschrieben.
-das bedeutet nicht dass man keine Partnerschaft aufbauen kann, nur sollte man dann die Finger vom psychotherapeutischen Bereich lassen.
 
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  • #3
Liebe FS, lass ihn ... Du trägst noch keine Verantwortung für die Beziehung ... ich habe soetwas bereits erlebt ... Du geht emotional unter ...entferne Dich von diesem Menschen. Es ist sein Problem, mach es nicht zu deinem. Genauso gut kann es auch sein, dass er lügt. LG
 
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  • #4
Hat er Dir erzählt, dass er unter einer manisch / depressiven (heute sagt man glaub bipolaren) Störung leidet? Dann braucht er in jedem Fall eine psychotherapeutische Unterstützung! Auch seine Geschichte / Kindheit klingt nach jemandem, dem psycholog. Hilfe gut tun wird. Du kannst ihm diesbezüglich nicht helfen bzw. ist es nicht deine Aufgabe. Aber ihn regelmässig zu treffen und sich besser kennenzulernen ist sicher schön. Einfach langsam angehen und Dir genug Raum nehmen und Dich auch gut abgrenzen, das würde ich Dir raten. So verfällst du in keine therapeutische Rolle und du zeigst ihm, dass er es dir wert ist :)
Zur bipolaren Störung gibt es Literatur. Dir alles Gute.
 
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  • #5
Hallo?? Möchtest du seine Krankenschwester sein?
Ich hatte auch mal kurze Zeit einen Freund , der depressiv war. Es war ein auf und ab. Dafür braucht man starke Nerven.
Er soll ich behandeln lassen. Lass dich da nicht mit einbeziehen.
Beziehung kann man das nicht nennen. Es war die Hölle. Meine Gefühle gingen mit der Zeit weg, wenn ich sah wie er sich oft mir gegenüber benahm.
Ich habe mich getrennt, und er hatte 3 Tage später die Nächste. Auch nur für ganz kurze Zeit. Und dann die Nächste. und wieder die Nächste.
 
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  • #6
Liebe FS
Da ich selber auch an einer generalisierten Angststörung erkrankt bin, neige ich eher dazu, psychisch kranke Menschen als Partner nicht per se abzulehnen. Aber:
Wenn Dein Freund noch nie in Behandlung war, woher kommt dann die Diagnose "manisch-depressiv"? Dass seine Beziehung aufgrund seiner Art zerbrochen ist, war offenbar noch nicht schlimm genug, als dass er sich deswegen Hilfe geholt hätte. Bist Du sicher, dass er es jetzt tun würde? Könnte seine schlimme Kindheit auch einfach eine billige Ausrede sein oder ein Vorwand, der nach Belieben aus dem Hut gezaubert wird? Leider macht eine Therapie (falls er denn überhaupt eine braucht und wirklich will) aus ihm nicht plötzlich einen ganz anderen Menschen, der dann nicht mehr genug von Dir bekommen kann, sich täglich meldet und Dich mit Liebesschwüren überschüttet (etwas überspitzt ausgedrückt), da darfst Du Dir nichts vormachen. Des Weiteren kommt dazu, dass eine Therapie meist Monate, wenn nicht Jahre dauert, eine schwierige Zeit für Angehörige, und da spreche ich aus Erfahrung!
Mein Tipp: Wenn Du Dir einen Mann wünschst, der da ist, offen, seine Gefühle zeigen kann usw. würde ich mich trennen. Anhand Deiner Schilderungen sehe ich, ganz realistisch betrachtet, viel Enttäuschung und Kummer und vor allem eine ungewisse Zukunft auf Dich zukommen.

Alles Liebe!

w, 43

PS: Euer Alter wäre noch wichtig, finde ich.
 
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  • #7
FS, wie kommst Du auf manisch-depressiv? Ich sehe vordergründig ein unterschiedliches Nähe-Distanz-Bedürfnis. Den Grund für sein Distanz-Bedürfnis hat er Dir mitgeteilt. m44.
 
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  • #8
Hallo. Ja, ich kenne mich hier aus. Willst Du ihn retten und barmherzig Dein Leben für ihn opfern? Bei aller Liebe sei zu bedenken, dass er wohls ein LEBEN LANG mit diesem Thema mehr oder minder (auch in Therapie) zu tun haben wird und sich eine große Last auf Dauer bei Euch einstellen kann. Wenn es Dir möglich ist, bleibt Freunde, aber pflege keine Intimbeziehung oder plane gar eine Zukunft mit ihm. Liebe Grüße und alles Gute.
 
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  • #9
Wie kommt man denn auf die Diagnose manisch-depressiv?
Er ist empathisch/gefühlvoll (wie du schreibst), andererseits meinst du, er kann nicht über Gefühle reden, obwohl er das bei dir anscheind kann.
Was ist an ihm denn nun manisch und was depressiv? Nur, weil er sich selbst nicht positiv wahrnimmt?
Wie sehen die manischen Episoden denn aus? Größenwahn, hemmungsloses Leben, Geld verprassen?
Ist es ein steter Wechsel oder sind es längere manische/depressive Episoden?
Ich sehe aus der Schilderung nichts manisch-depressives. Aber vielleicht ist es auch Borderline. Das ist bei Therapeuten und auch Selbstdiagnostikern heute sehr beliebt.
 
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  • #10
Ich habe generell ein Problem damit wenn Menschen die ganze Schuld auf die traumatische Kindheit schieben.
Ich denke dass ein Erwachsener nicht mehr die Schuld auf die böse Mami schieben kann. Er ist Erwachsen und für sein Leben selbst verantwortlich. Er meldet sich nicht, er hat kein Bedürfnis, dich öfters zu treffen und daran ist Mami schuld ?!?
Tut mir leid, das ist zu einfach.
Falls Ihr älter seid dann ist dies noch aus einer Generation wo es ab und zu mal eines auf den Hintern gegeben hat und wenig über Gefühle geredet wude-war bei us nicht anders.
Wohlbemerkt, ich unterstütze das nicht und bin mir bewusst dass es in Familien zu Missbrauch und Misshandlungen gekommen ist und immer so sein wird - aber wenn sich ein 50-jähriger seine Fehler nicht selbst eingesteht sondern Mami die Schuld gibt dann kann ich das irgendwo nicht mehr ernst nehmen.
In dem Fall sucht er eine liebe Mami und das würde ich nie sein wollen.
Das es physich kranke Menschen gibt weiss ich aber nicht jeder Mann, der sich nicht mehr meldet, ist krank!
w, 42
 
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  • #11
Ich habe generell ein Problem damit wenn Menschen die ganze Schuld auf die traumatische Kindheit schieben.
Ich denke dass ein Erwachsener nicht mehr die Schuld auf die böse Mami schieben kann. Er ist Erwachsen und für sein Leben selbst verantwortlich. Er meldet sich nicht, er hat kein Bedürfnis, dich öfters zu treffen und daran ist Mami schuld ?!?

Nein, das sehe ich anders. Eine traumatische Kindheit kann einen ein ganzes Leben lang begleiten. Erlebt man da viel Negatives, prägt es, meiner Meinung nach, die Persönlichkeit nicht unerheblich. Die Erfahrungen lassen sich ja leider nicht wie ein altes Kleidungsstück ablegen.

Woher soll da das Selbstbewusstsein kommen, wenn man als Kind ständig nur einen auf den Deckel bekommen hat. Mir läuft es hier im Forum ehrlich manchmal kalt den Rücken runter, wie leichtfertig hier Urteile über Menschen gefällt werden.
An die FS: Wie du dich verhalten sollst, kann dir doch nur dein Herz sagen.
w (40)
 
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  • #12
ich, w, hatte bis vor ein paar Wochen eine Beziehung mit einem ähnlich gelagerten "Fall". Und: Ich selbst hatte auch eine sehr lieblose Kindheit. Aber: Ich konnte auf die Dauer das abwechselnd zugewandte, dann wieder abweisende Verhalten und die Unfähigkeit, über Gefühle zu sprechen, sowie den krassen Mangel an Empathie, nicht aushalten. Sowohl er als auch ich wollten nach sieben Monaten endgültig nicht mehr. Ihn habe meine (normalen) Ansprüche genervt, mich haben die Enttäuschungen immer wieder genervt bzw. verletzt.
Ich selbst hatte wie gesagt großen Liebesmangel in meiner Kindheit und wurde ganz furchtbar seelisch misshandelt. Trotzdem kann ich mich anderen Menschen liebevoll zuwenden und ich verstehe nicht, weshalb man selber liebloses Verhalten entwickeln muss. Man hat doch letzten Endes immer eine Wahl, wie man sich entschließt, die Dinge aufzuarbeiten. Mit "weniger Liebe" zu sich und zu anderen - kommt man garantiert nicht weiter.
Deshalb, liebe FS, ich glaube nicht dass es mit diesem Mann einen Sinn hat. Du wirst aber trotz der Ratschläge nicht mit ihm schluss machen, bevor er dich nicht oft genug enttäuscht hat. Irgendwann wird deine Schmerzgrenze dann überschritten sein und dann wirst du es können.
Der krasse Wechsel zwischen liebem, zärtlichem Verhalten und dem total distanzierten, abweisenden Verhalten, sowie immer wieder NIchtmelden, - das macht einen kaputt.
Möglich wäre natürlich auch, dass er parallel noch eine andere Frau datet.
 
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  • #13
Liebe Fs,

ganz einfacher Tipp. Finger weg, egal welche Macke er hat. Willst du deine wertvolle Zeit und Jugend an einen Mann verschwenden, der solche Probleme hat?

Hast du überhaupt die Fähigkeit dazu, ihm zu helfen, hast du das Recht dazu?

Willst du eine gesunde Partnerschaft führen, oder willst du Mami bzw. Hobby-Therapeutin werden, während er dich am langen Arm emotional verhungern lässt und dich psychisch damit kaputt macht?

w 50
 
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  • #14
An 10 von 9
Selbstverständlich gibt es Menschen die sich nicht selbst aus krisen befreien können und es ist gut dass es Hilfe gibt und sie diese auch beanspruchen.
Und natürlich braucht man länger wenn man aus einen negativ geprägten Elternhaus kommt. Aber man kann nicht alles und jedes als Erwachsener auf Mami schieben, es tut mir leid.
Ich komme selbst aus einem Elternhaus in dem es alles andere als harmonisch war, mein Vater trank und meine Mutter ear überfordert und kannte oft nur rohe Gewalt.
Und trotzdem ist aus mir ein Mensch geworden der sich einbringen kann, der hilft und ein schönes Leben hat.
Deshalb: Man hat es schwer, es ist schlimm und alles - aber es ist keine Entschuldigung um 30 oder 40 Jahre später nicht eine Frau anzurufen.
nochmals w, 42
 
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  • #15
Der Mann hat große psychische Probleme. Du willst eine normale Partnerschaft und sicher nicht Hobby-Therapeutin oder Krankenschwester für ihn sein. Lass die Finger von ihm, wenn du nicht möchtest, dass dich die ganze Geschichte dauerhaft selbst runterzieht.

Ich war ein paar Monate mit einem Mann zusammen, der sich als depressiv entpuppte. Die Diagnose wurde ärztlicherseits bestätigt als der nächste Schub auftrat. Der Mann selbst hatte mir seine Krankheit bis dahin verschwiegen, die immer wieder auftretende Gefühlskälte seinerseits hatte mir aber schon im Vorfeld schwer zu schaffen gemacht und ich hatte sowieso überlegt, mich zu trennen, weil ich damit nicht klar kam und mich das alles runterzog.

Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt zügig durchgezogen habe. Es stellte sich heraus, dass der Mann schon sein Leben lang psychische Probleme hatte. Ärztliche Behandlungen und Therapien brachten immer nur kurzzeitig was.

Der Gedanke von dir, ihm Zeit zu geben, ist ja lieb und nett gemeint. Nur: Manche Menschen, die psychisch krank sind, brauchen Jahre, bis es ihnen besser geht. Andere kämpfen ein Leben lang mit so einer Krankheit, die immer wieder in Schüben auftritt.

Wenn du mit so einem Mann zusammen kommst, wird seine Krankheit ein ständiger Begleiter in eurer Partnerschaft sein. Willst du das? Ich würde dir abraten. Lies mal im Internet nach, dort gibt es Foren von Personen, die mit psychisch Kranken zusammen sind. Was diese Leute alles aushalten, da sträuben sich mir die Nackenhaare. Tu dir das nicht an! Es gibt nicht wenige Menschen, die selbst psychisch krank werden, wenn sie eine Weile mit einem psychisch Kranken zusammen waren.
 
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  • #16
Auch ich fände es wichtig zu wissen, ob "manisch-depressiv" die mehrfach abgesicherte Diagnose eines Fachmanns/einer Fachfrau ist oder er bzw. sein Umfeld sich das selbst zusammen gelesen bzw. im Internet Tests gemacht haben.

Ich schließe mich einem Vorredner an, dass ich auch eher unterschiedliche Nähe-Distanz-Bedürfnisse vermutet hätte, die in vielen (fast allen?) Beziehungen eine hervorgehobene Rolle spielen und für die eine Lösung gefunden werden muss.

w/51
 
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  • #17
FS
- Was du (er) beschreibst klingt nicht nach manisch-depressiv. Nicht mal ansatzweise.
- wenn er nicht gelernt hat über Gefühle zu sprechen oder sich selbst nicht wirklich (positiv) wahrnehmen können ist er wahrscheinlich nicht empathisch. Wahrscheinlicher ist es, dass er deine Empathiefähigkeit spiegelt.

Warum klingt das nicht manisch -depressiv? Es gibt ja auch eine Zeit in der die Betroffenen eine Art Mischzustand haben. Dabei sind sie gleichzeitig beides, manisch und depressiv.
Was ich darüber gelesen habe passt für mich zu seinem momentanen Verhalten.
Ich denke auch das es unterschiedliche "Stärkestufen" dieser Störung gibt. Und bei ihm ist es vielleicht nicht so stark ausgeprägt wie bei anderen?
Er hat auch einen Beruf dem er sehr gewissenhaft und konzentriert nachgeht (Jurist)
Einige Dinge passen vielleicht nicht 100% zu all den Beschreibungen einer bipolaren Störung und es ist ja auch nur seine eigene Vermutung (die laut auszusprechen sicher auch viel Zeit und Grübelei in Anspruch nahm) aber es ist ja auch egal WAS genau es ist, fakt ist, dass es ihm nicht gut geht und er im Grunde dringend professionelle Hilfe braucht.

Und zu deiner anderen Bemerkung: wie meinst du das wenn du sagst: "Wahrscheinlicher ist es, dass er deine Empathiefähigkeit spiegelt."? Meinst du ich projiziere meine eigenen Gefühle auf ihn oder er kopiert im Grunde nur meine Gefühle und reagiert au sie im gleichen Masse weil er selbst nicht weiß wie das geht...Gefühle ausdrücken und zeigen?
 
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  • #18
FS

nun ist es so, dass wir seit ein paar Tagen gar keinen Kontakt haben. Er ist allerdings auch weggefahren (was schon zu Beginn unserer Treffen fest stand) und hatte mir noch vorher gesagt, dass er ein wenig Angst hat, dass er da wo er ist (Frankreich) einen Depri bekommt oder eben wegen diesem alleinsein melancholisch wird. Er sei vorher noch nie allein solange weggewesen usw.

Nun meldet er sich nicht und reagiert auch nicht auf eine sms, die ich ihm gestern schrieb. Ganz unverfänglich fragte ich nur ob er gut angekommen sei. Also ohne belastende, nervende Fragen zu stellen...trotzdem keine Antwort.
Entweder hat er einfach keinen Bock, keine Zeit (was man ja aber immer hat, denke ich zumindest) oder ihm geht es schlecht und er weiß nicht wie er darauf antworten soll.
Mache mir Sorgen um ihn.

Klar wäre es das einfachste ihn aufzugeben. Aber er ist ein "Guter" und ich habe weitaus schlimmere Situationen mit Männern erlebt, die augenscheinlich NICHT gestört waren. Jedenfalls keine Krankheit hatten. Also wieso wird mir hier, nur weil es ein (noch nichtmal diagnostiziertes) Problem mit ihm gibt, geraten ihn ganz sein zu lassen.
Er ist zu gut und es wäre zu schade ihn sich selbst zu überlassen.
Und helfen will und kann ich ihm ja nur indem ich eben genau das tue, ihn nicht imj stich zu lassen und ihn zu stützen wenn er reden will oder so. Wenn es wirklich so schlimm um ihn steht dann braucht er (und soweit ist er ja schon) professionelle Hilfe...und vielleicht den Schubser von Freunden...
 
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  • #19
Liebe FS,

nach deinem letzten Post wird klar, dass du nichts von dem annehmen willst, was dir hier geraten wurde. Du stehst zu dem Mann, obwohl du nicht wirklich weißt, was mit ihm los ist, willst ihm helfen, eine Mischung aus Freundin und Therapeutin sein. Das ist deine Sache.

Dann jedoch hättest du die Frage gar nicht zu stellen brauchen. Du hast hier Meinungen von Personen gehört, die schon eine Beziehung mit psychisch kranken Menschen hatten und die dich gewarnt haben. Diese Leute meinen es gut, auch wenn du das jetzt nicht glauben willst. Pass auf, dass du nicht in die Schiene "Helfersyndrom" hineinrutschst. So hörst du dich nämlich jetzt schon an.

Wenn sich der Mann nicht mehr meldet, ist es für dich das Beste, glaube mir!
 
  • #20
Du wolltest ihn nie verlassen, sondern Tipps, wie Du gekonnt vorgehen, ihn unterstützen könntest, ohne dass ihr miteinander in ein Abhängigkeitsverhältnis rutscht.

Ich würde, und damit schlägst Du zwei Fliegen mit einer Klappe, zusammen mit ihm zu einer Therapieberatung gehen: Er geht damit überhaupt erstmal hin (ja, da könnten noch Welten zwischen Idee und Umsetzung liegen), und Du hilfst ihm, ohne ihn konkret und langfristig zu bevormunden. Horch Dich mal um, welcher Psychologische Psychotherapeut (PP) geeignet sein könnte.

Verlassen könnte ich einen Mann, in den ich bereits verliebt wäre, auch nicht, nur weil er Probleme hat... ;-)
Außerdem würde ich mir auch Sorgen machen und ihm sehr wohl hinterhertelefonieren, wenn er länger nichts von sich hören lässt, dabei aber freundlich, unabhängig und nicht offensichtlich sehnsüchtig sein. "Wollte nur mal Deine Stimme hören!". Wenn er es dann beendet, weil es ihm zu eng wird, wandle es in eine Freundschaft um und schleppe ihn trotzdem zum Therapeuten. Anders wird er nie beziehungsfähig.
 
  • #21
Nachtrag: Ach ja, und etikettiere seine Gemütsverfassung nicht, lass auch das den Fachmann tun, dadurch wird für Deinen Freund die Hemmschwelle, sich zu offenbaren, auch niedriger.
 
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  • #22
Liebe FS

hier nochmal Gast #1
Ich wiederhol nochmal einen Teil meines allerersten Satzes: "was du für dich daraus machst, wirst du selber sehen".

Meistens schreibe ich so etwas, weil ich es wörtlich meine. Die umgangssprachliche Formulierung ist ja "...musst du selber wissen." Das halte ich für Blödsinn. "Du wirst es sehen." Die Antworten, die wir (ich) dir hier zu geben versuchen sind... Samenkörner. In ein paar Monaten kannst du darauf zurück blicken und anhand derer feststellen was für dich brauchbar war oder gewesen wäre.
Selbst wenn du deine Frage vorsichtig formulierst. Du bist emotional schon involviert und damit ist eine rein rationale Entscheidung... zumindest schwierig. Schau doch mal hin, wie es dir jetzt geht wo er sich für ein paar Tage nicht meldet. Ich kenne dutzende Leute, die im Ausland standardmäßig ihr Handy ausmachen. Muss hier nicht sein, kann aber. Du bist noch nicht in einer monatelangen Beziehung und schon jetzt (zumindest scheint es so) machst du dir Sorgen, die nichts mehr mit einer Partnerschaft auf Augenhöhe zu tun haben. Und das wird schlimmer werden. Irgendwann beginnen deine Gedanken nur noch um diesen einen schwarzen kern zu kreisen: Was ist mit ihm? Warum meldet er sich nicht? Ist ihm was passiert? Hat er sich vielleicht etwas getan? Was dich als Partner beschäftigen sollte ist der Wunsch das er eine schöne Zeit hat und dich darauf freuen von ihm wieder zu hören wenn er wieder da ist. Aber das wird dir schwer und schwerer fallen, weil auf Grundlage dieser vermeintlichen Diagnose das Vertrauen einfach fehlt. Und das wird dich auffressen.

Ich will noch versuchen einen wenig auf deine Fragen einzugehen. aber vorher eine kleine Präambel: ich hatte absichtlich in Stichworten geantwortet. 1) Ich bin kein Psychotherapeut, nichteinmal ein Psychologe. Das einzige was ich habe ist eine Prüfung für mein Nebenfach Psychologie mit dem Schwerpunkt affektive Störungen (also auf Gefühle bezogen, Depression, bipolar, whatever). 2) Selbst wenn ich Therapeut wäre würde ich nicht viel mehr sagen, weil Ferndiagnosen, schon schwierig sind, wenn man mit der Person selber redet/schreibt, du bist eine dritte Person, die ein paar Gedanken äußert. 3. Ich habe gesagt es klingt nicht nach bipolar.
Warum?
Vorschlag: Schnapp dir den DSM oder ICD-10 und geh mal wirklich die Fakten durch. Da steht nirgendwo etwas von der Unfähigkeit über Gefühle zu spechen. Bipolare Menschen sind idR hochsensible Menschen, die genau spüren wie es ihnen geht. Bipolare Menschen können ohne Weiteres tiefe emotionale Bindungen zu anderen aufbauen. Wenn sie es nicht tun, dann weil ihnen der Grund,die Kraft dazu fehlt. Das beschreibst du aber nicht. Was du schreibst klingt (!) am ehesten (!!) nach einer Persönlichkeitsstörung, wenn (!!!) überhaupt eine Krankheit vorliegt. Da du keine PT, oder Psychiater bist kannst du das nicht beurteilen.

Fortsetzung folgt
 
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  • #23
Fortsetzung Gast #1

Auf Grundlage deiner Reaktionen auf ihn, hab ich auch einen wagen Verdacht was es sein könnte, (wenn überhaupt... s.o) aber ich werde das nicht ausführen (siehe Präambel). Und ja oftmals verraten die Reaktionen der Mitmenschen über den Gesundheitszustand mehr über eine Person als ein Gespräch mit dieser.

Zum Thema spiegeln: Es gibt Menschen (graduell wohl alle, aber ich rede grad von einer sehr stark ausgeprägten Form), die haben das Talent Gefühle und Fähigkeiten ihrer Mitmenschen zu spiegeln. Ein wenig so wie Roque bei den X-men, nur ohne Berührung. Wenn diese eine starke (i.S.v. gesunde) eigene Persönlichkeit haben, ist das eine wunderbare Fähigkeit, die zu fast magieartiger Empathie befähigt. Mathematische Fähigkeiten, Kunst was immer du willst, wenn sie in ein Umfeld geraten wo dies präsent ist, werden sie es aufnehmen und spiegeln. Wenn die Person instabil ist passiert das gleiche wie bei Roque: Dem Umfeld wird die Kraft abgesaugt und es bleibt kein Leben übrig. Gleichzeitig aber ist es ja auch nichts der Person eigenes und wird daher auch nicht lange anhalten. Wenn du stärker Empathie-fähig bist, und deine Texte deuten darauf hin, dann halte ich es für wahrscheinlich dass er diese Fähigkeit gespiegelt hat. Spür hin, schau wie es sich entwickelt. Fühle wie es dir geht, nach einem Treffen, Gespräch mit ihm. Fühlst du dich leerer? dann würde ich dir raten höllisch aufzupassen.

Ich hoffe ich konnte etwas deutlicher machen was ich meine, und meine Wahl der Bilder haben dich nicht zu sehr irritiert, so oder so: Du wirst sehen, welches Samenkorn aufgeht, was du für dich daraus machst.
Bis dahin alles Gute
 
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  • #24
FS
Du wolltest ihn nie verlassen, sondern Tipps, wie Du gekonnt vorgehen, ihn unterstützen könntest, ohne dass ihr miteinander in ein Abhängigkeitsverhältnis rutscht.

Ich würde, und damit schlägst Du zwei Fliegen mit einer Klappe, zusammen mit ihm zu einer Therapieberatung gehen: Er geht damit überhaupt erstmal hin (ja, da könnten noch Welten zwischen Idee und Umsetzung liegen), und Du hilfst ihm, ohne ihn konkret und langfristig zu bevormunden. Horch Dich mal um, welcher Psychologische Psychotherapeut (PP) geeignet sein könnte.

Verlassen könnte ich einen Mann, in den ich bereits verliebt wäre, auch nicht, nur weil er Probleme hat... ;-)
Außerdem würde ich mir auch Sorgen machen und ihm sehr wohl hinterhertelefonieren, wenn er länger nichts von sich hören lässt, dabei aber freundlich, unabhängig und nicht offensichtlich sehnsüchtig sein. "Wollte nur mal Deine Stimme hören!". Wenn er es dann beendet, weil es ihm zu eng wird, wandle es in eine Freundschaft um und schleppe ihn trotzdem zum Therapeuten. Anders wird er nie beziehungsfähig.

Ganz genau, ich will ihn nicht verlassen nur weil er ein Problem hat! Kann mir einer hier sagen, dass er einen tollen Mann/Frau kennengelernt hat und der aber ohne Probleme ist? Die gibt es nämlcih immer ab einem bestimmten Alter (ich 36, er 32). Jeder hat sein Päckchen zu tragen.
Danke für deine Ratschläge, die klingen plausibel und machbar.
Im Übrigen schreiben wir uns gerade wieder...sms und email. Und das obwohl er wohl anderes zu tun hat im da wo er ist (im Urlaub).
Und genau, ich habe Angst bzw. weiß nicht wie ich ihn behandeln soll ohne dass er sich "unmännlich" oder wie ein "Kranker" fühlt. Also etikettieren werde ich versuchen zu vermeiden..:)
Danke.
 
  • #25
Gern doch! Aber mich beeindruckt schon sehr, was Gast 1 hier nochmal festhält:
Was dich als Partner beschäftigen sollte ist der Wunsch das er eine schöne Zeit hat und dich darauf freuen von ihm wieder zu hören wenn er wieder da ist
In einer wie auch immer schief geratenen Beziehung drehen sich die Gedanken dagegen fast ausschließlich um:
Was ist mit ihm? Warum meldet er sich nicht? Ist ihm was passiert? Hat er sich vielleicht etwas getan?
Es ist ganz wichtig, das Ziel einer gesunden, beidseitig stabilen Beziehung nicht aus den Augen zu verlieren. Ich habe auch lange dazu tendiert, eher Männer anzuziehen, die eine teilweise extreme Bindungsstörung mitbrachten, und bei mir Nähe und Wärme suchten. Darüber ist im Forum auch viel zu finden (z.B. " Bindungsstörung- ein Problem der heutigen Zeit? ")
Die Bereitschaft Deinerseits Nähe zu geben ermöglicht nur noch lange keine auch nur ansatzweise belastbare Beziehung. Klar, es gibt so viele Menschen, die nicht in sich ruhen, und man ist so sehr versucht zu helfen. Aber das funktioniert auf freundschaftlicher Basis eher als in einer Beziehung.
Alles Gute :)
 
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  • #26
Liebe FS
Ich finde Deine Einstellung, jemanden nicht gleich zu verlassen, nur weil er ein "Problem" hat, ja sehr lobenswert, nur spielt es eine grosse Rolle, wie einschneidend oder beschneidend dieses Problem ist. Vom gebrochenen Bein über Diabetes bis zu einer Suchterkrankung oder psychischen Beeinträchtigung ist alles darin enthalten. Machst Du da gar keinen Unterschied?
Was ich Dir mit Bestimmtheit sagen kann ist, dass dieser Mann Hilfe braucht, aber dazu bräuchte es erstmal eine Krankheitseinsicht, was bei ihm offenbar nicht vorhanden ist. Oder denkst Du nicht, er hätte sich Beistand geholt, bevor seine letzte Beziehung definitiv gescheitert ist? Und wenn er gar nicht krank ist, sondern sein Verhalten seinem ureigensten Charakter entspricht? Was machst Du dann? Gut, vor dieser Möglichkeit verschliesst Du ja leider komplett die Augen.
Was Du tun kannst? Nichts Spezielles, so sein wie immer, Deine Wünsche und Vorstellungen anbringen und auch mal auf den Tisch hauen, wenn Dir etwas gar nicht passt. Wenn Du ihn nicht als armen Kranken ansiehst, wirst Du Dich auch richtig verhalten. Er braucht im Moment KEINE Hilfe von Dir, sondern er braucht Dich als normale Frau. Mitleid oder übertriebene Rücksichtnahme sind hier fehl am Platz. Er ist in einem Alter, wo das Argument der schlimmen Kindheit nicht mehr als Entschuldigung für alles herhalten darf.
Mir stellt sich einfach eine ganz grosse Frage: Warum noch keine Therapie bis jetzt und warum jetzt damit anfangen? Hat er sich schon angemeldet oder um eine Therapiestelle gekümmert?
 
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  • #27
also, wenn der typ in der tat an VS leidet- manische depression- dann kann ich dir nur raten: renn weg so schnell du noch kannst. die krankheit zerstört alles was man leben nennen kann.
oder spiel weiterhin mit bis du nix mehr weisst wo dir der kopf steht und zum schluss liegst du in der klapse evtl. 1 zimmer neben an;)
alles gut!
ps: hab meine manischDepressive freundin nach 2 jahre kampf verlassen. heute bin ich super glücklich und bereue nix.
MD patienten sind ein fass ohne boden...
 
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  • #28
Wenn ein Mensch eine Manie hat, fühlt er sich hervorragend. Er ist euphorisch und kann erstaunliche Leistungen vollbringen. (ist es so bei ihm)?
In der Manie ist die Depression oftmals schon angelegt. Die Patienten balancieren auf einem Drahtseil und jederzeit kann das Gleichgewicht verloren gehen.
Willst du dir soetwas antun? Du bist noch jung, es würde auch dein Leben verändern.
 
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  • #29
Die Patienten balancieren auf einem Drahtseil und jederzeit kann das Gleichgewicht verloren gehen.

Ja, das ist wahr. Ich bin selbst Betroffene (bipolare Störung Typ II). Und tatsächlich "tut sich" mein Mann "so etwas an" und das seit 11 Jahren ;) Die meisten Menschen hier haben keine Ahnung von der bipolaren Störung, geschweige denn, was das überhaupt ist, sorry! Manie muss z.B. nicht mit euphorischer Stimmung einhergehen, sie kann auch dysphorisch sein (reizbar, aggressiv!) und je nachdem ob man bipolar Typ I oder Typ II ist, ist die Manie mehr oder weniger schlimm.

Mit der richtigen Therapie und dem richtigen Lebensstil ist ein ganz normales Leben möglich. Ein ganz normaler Job, eine ganz normale Partnerschaft oder sogar Familie, vorausgesetzt, man achtet sehr sorgfältig auf seinen Lebensstil. Und dabei kann der Partner helfen und muss weder "Hobbypsychologen spielen" noch "Krankenschwester", noch muss der Betroffene in Watte gepackt werden.

Wenn der Patient Krankheitseinsicht zeigt, bereit ist, sich frühzeitig (!) behandeln zu lassen, an sich arbeitet, lernt Episoden frühzeitig zu erkennen und zu handeln, bestehen sehr gute Chancen auf ein normales, erfülltes Leben und eine erfüllte Partnerschaft. Ganz wichtig für Betroffene ist es, Stress zu vermeiden, auch dabei kann der Partner helfen, ohne dem Patienten jedes Steinchen aus dem Weg räumen zu müssen.

Bei mir brach die Erkrankung mit 17 aus, ich hatte weder traumatische Erlebnisse, noch eine "schlechte Kindheit" - bei mir ist es schlicht und einfach genetisch bedingt. Ich lernte, damit zu leben, rechtzeitig zu handeln, wenn was ist, mein Leben so zu gestalten, dass sich keine Symptome einstellen (bzw. nur selten).

Heute stehe ich mitten im Leben, arbeite in Vollzeit, habe einen erfüllenden - und ganz dem Klischee entsprechend kreativen - Beruf, bin beruflich erfolgreich, verdiene gut, bin glücklich verheiratet und habe ein erfüllteres Leben als so manch ein "Normalo" ;) Es geht! Ja "so etwas" kann man sich durchaus als Partner "antun" ;) hängt allerdings auch stark vom Patienten selbst ab.

Gruß

w, 39, bipolare Kämpferin :)
 
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