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Gast

  • #1

Neue (glückliche) Beziehung nach dem Tod des Partners

Wer hat bereits die Erfahrung gemacht, seinen Partner durch den Tod zu verlieren und danach eine neue glückliche Beziehung zu führen?

Mir geht es gerade so und manchmal stoße ich auf merkwürdige Gedanken.

Einmal musste ich lernen, Liebe zu unterteilen, denn ich liebe meinen verstorbenen Partner immernoch, nur anders. Wie soll man auch jemanden aktiv lieben der nicht mehr da ist? Nur über diese Erkenntnis, die viel Zeit brauchte, und dieses Gefühl konnte ich mich für eine neue Partnerschaft öffnen.

Begriffe und Formulierungen wie "Traummann", "Du bist das Beste was mir je passiert ist.", "Wir sind füreinander bestimmt" sind doch schwer zu benutzen, denn sie müssten immer ein "jetzt" angefügt bekommen. Trennt man sich von einem Partner oder wird man verlassen, werden diese Begriffe und Formulierungen wieder frei, aber wenn der geliebte Partner stirbt? Wenn man das zum neuen Partner sagt, kommt er sich nicht merkwürdig vor?

Vielleicht kann auch jemand, der mit einer Witwe oder einem Witwer zusammen lebt schildern, wie es für sie/ihn ist zu wissen, dass der letzte Partner nicht "entliebt" ist.

Ich freue mich auf Meinungen.

Also falls es wichtig ist: Ich bin eine Frau, Ende 30, mein Partner ist vor drei Jahren gestorben und mit meinem neuen Partner gehe ich sehr offen mit dieser Vergangenheit um.
 
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Gast

  • #2
Deine Geschichte hat mich berührt.
Selbst bin ich nicht betroffen, aber ich möchte trotzdem etwas dazu sagen. Begriffe wie Traummann oder "füreinander bestimmt sein" erinnern mich eher an Märchen bzw. Schicksalsgläubigkeit. "Du bist das Beste, was mir je passiert ist" ist eine Zeile aus einem deutschen Popsong. Muss man so etwas wirklich zu seinem Partner sagen? Reicht es nicht zun sagen, dass man den Partner liebt, glücklich ist, mit ihn zusammen zu sein oder sich total wohl an seiner Seite fühlt? Deine Frage zielt darauf ab, dass es nur einen wirklichen / tollen / perfekten Partner im Leben gibt. Das ist nicht so. Ich finde es toll, dass du dich nach deinem schweren Verlust für einen neuen Partner geöffnet hast und wünsche euch beiden alles Gute! w, 46
 
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Gast

  • #3
Hallo FS,

ich bin der neue Partner in der von dir geschilderten Situation. Am Anfang unserer Beziehung hat sie noch viel von ihrem verstorbenen Partner erzählt. Auf ihren Wunsch waren wir später im Kurzurlaub an dem Ort, an dem sie mit ihm die letzten Tage verbracht hat. Später sagte sie mir, sie hatte in den Tagen das Gefühl ihr verstorbener Partner hätte sie in diesen Tagen "freigegeben". Ich habe eine Trennung mit Betrug hinter mir und bin der Meinung, diese ist deutlich schwerer zu verkraften. Denn den Tod hat man nicht in eigener Hand. Der Tod muss als gegeben akzeptiert werden und er gehört zum Leben dazu. Ich denke, ich darf das sagen da ich inzwischen selbst lebensgefährlich erkrankt bin und damit jetzt die Sicht ihres verstorbenen Partners habe.

Die von dir genannten Formulierungen behalten dennoch ihre Gültigkeit. Und zwar für den Zeitabschnitt, für den sie ausgesprochen wurden. Der verstorbene Partner würde, sofern er wirklich verliebt war, sich ebenfalls wünschen dass der andere Partner wieder glücklich wird.

Ihr verstorbener Partner spielt inzwischen eher die Rolle eines guten Freundes. Sie denkt gern an diese Zeiten zurück. Ich kann damit gut leben, da ich weiß wie sehr sie mich liebt. Würde ich sie mit ihren verstorbenen Partner im Punkt Liebe teilen müssen, wäre keine Beziehung entstanden.

m43
 
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Gast

  • #4
Ich bin Witwer, meine Frau verstarb vor 4 Jahren im Alter von 64 Jahren.
Nach ihrem Tod war ich sehr depressiv. Schließlich lernte ich über Internet ein nette Partnerin kennen. Es hat aber sehr lange gedauert, bis ich meine Gedanken an 5 Jahren Zusammensein und 42 Jahre Ehe etwas verdrängen konnte. Meine Partnerin sagte anfangs immer, warum bist so nachdenklich und traurig, Du denkst bestimmt wieder an Deine verstorbene Frau. Mit der Zeit konnte meine Partnerin mich aber so toll aufbauen, daß ich mehr und mehr fröhlicher wurde und nicht mehr ständig an die Vergangenheit denke. Aus anfänglicher Zuneigung ist echte Liebe geworden.
 
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Gast

  • #5
Habe einen Mann kennengelernt, dessen Frau erst vor 7 Monaten verstorben war. Wir sind eine sehr enge, vertrauensvolle Partnerschaft eingegangen und haben eine gemeinsame Zukunft in allen Einzelheiten geplant, da er glaubte, dies bereits zu können. Das war ein folgenschwerer Irrtum. Eines Morgens teilte er mir mit, er könne unser gemeinsames Leben nicht weiterführen, da er über den Tod seiner Frau nicht hinwegkäme. Er müsse noch für eine lange Zeit allein weiterleben. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich hatte meinen Gefährten und meine Zukunft verloren. Ich packte in Windeseile meine Sachen und fuhr zurück in meine Wohnung, die ich zum Glück noch nicht aufgegeben hatte. Nach einem anschließenden Telefonat habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Nach dieser bitteren Erfahrung und dem Leid bin ich klüger geworden und werde nie wieder eine so enge Beziehung eingehen.
 
  • #6
Habe einen Mann kennengelernt, dessen Frau erst vor 7 Monaten verstorben war. Wir sind eine sehr enge, vertrauensvolle Partnerschaft eingegangen und haben eine gemeinsame Zukunft in allen Einzelheiten geplant, da er glaubte, dies bereits zu können. Das war ein folgenschwerer Irrtum.
Nach nur 7 Monaten - das war eindeutig zu früh, das geht doch fast nie gut.

Nach dieser bitteren Erfahrung und dem Leid bin ich klüger geworden und werde nie wieder eine so enge Beziehung eingehen.
Das verstehe ich gar nicht. Alle anderen Männer können doch nichts dafür, dass ihr Zwei zu früh eine enge Bindung eingegangen seid bzw. versucht habt. In der Regel sollten Erfahrungen zwar klüger machen, aber doch nicht das Leben ausbremsen.

Ich wünsche dir, dass du offener für deine Mitmenschen wirst und alles Gute.
 
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Gast

  • #7
Mir ist das passiert. Mein Mann starb 2002 und ich dachte, ich würde nie wieder jemanden lieben, außer ihm. Bis zum Jahr 2009 war ich fest überzeugt von dieser Ansicht, dann trat ein Mann in mein Leben, den ich anders und gleichzeitig ebenso sehr liebe wie meinen ersten. Ich kann die Liebe, die ich empfinde, nicht vergleichen, es ist eine andere Zeit, andere Umgebung, andere Menschen, ich bin reifer, verändert und trotzdem wieder glücklich, wie damals auch. Irgendwie paradox, aber wunderschön.
Wir mussten uns zusammenraufen, wie es nun mal so ist, wenn man lange alleine gelebt hat. Ich denke immerwieder inzwischen mit Freude und Liebe an meinen verstorbenen Mann, aber mein Leben ist jetzt im Hier, nun mit dem Anderen - im Sommer werden wir heiraten und ich freue mich darauf.
w45
 
  • #8
Vielleicht kann auch jemand, der mit einer Witwe oder einem Witwer zusammen lebt schildern, wie es für sie/ihn ist zu wissen, dass der letzte Partner nicht "entliebt" ist.
Ich wär so einer...

Es wäre seltsam wenn Sie ihn aus Ihrem Herzen verbannt hätte. Damit hätte ich ein Problem.

Nun liebe FS, es kommt darauf an auf welche Art Du den Verstorbenen noch liebst. Ist es ein Liebevolles Andenken dass aber dennoch viel Platz in Deinem Herzen für den jetzigen PArtner lässt hat Mann damit kein Problem. Muss man jedoch um seinen Platz dort kämpfen ist es für Dich einfach noch zu früh. Ein Ersatz ist keiner gerne.
Meine Liebste hats mir leicht gemacht, kein Gedenkaltar in der Wohnung, keine wöchentlichen Besuche am Grab, keine schwarz gerahmten Bilder in der Wohnung, keine Grübeleien über ihn. Nur ab und zu eine kleine eigene Gedenkminute (die ich nur in bestimmten Situationen mitbekomme). Und ansonsten leben wir im hier und jetzt, planen die Zukunft. Sie gibt mir nie das Gefühl nur ein Ersatz zu sein.

Du musst Dich also selbst hinterfragen: Hast Du in Deinem Herzen schon genug Platz für Deinen neuen Partner dass er sich nicht drängeln muss? Drei Jahre können ausreichen, müssen es aber nicht.
7 Monate wie bei #4 sind aber entschieden zu wenig, das musste schief gehen.