• #1

Mit 57 zurück in die Heimat und Fernbeziehung führen?

  • Vor über 30 Jahren bin ich aus meiner Heimat Bayern weggezogen, habe 4 Kinder bekommen und mir hier ein Leben aufgebaut, jedoch das Heimweh und der Wunsch zurückzukehren war immer da. Aus Rücksicht auf meine Kinder bin ich hier geblieben und habe immer gesagt, wenn alle aus dem Haus sind, dann gehe ich zurück. Jetzt ist es soweit, die Jüngste ist seit fast 2 Jahren weg und ich könnte endlich mal an mich denken. Ich muss dazu sagen, dass ich einen Partner habe, der aufgrund seines guten Jobs nicht mitziehen würde, aber er weiss um meine jahrelange Sehnsucht und hat mir den Vorschlag gemacht, dass ich endlich meinen Traum erfüllen soll und wir uns dann am Wochenende gegenseitig besuchen und wenn er in Rente ist, würde er dann nachkommen.
  • Vor 2 Jahren bin ich schwer erkrankt und habe viel nachgedacht und mich gefragt, wann mache ich endlich mal was ich will und wie schnell kann alles vorbei sein im Leben. Und dann ist es zu spät und man bereut nie das gemacht zu haben wovon man immer geträumt hat. Meine fast 80 jährige Mutter lebt noch alleine in Bayern und ich möchte auch gerne in ihre Nähe ziehen weil man ja nicht weiss wie lange sie noch so fit ist.
  • Aber trotz allem habe ich doch starke Bedenken. Ich habe Angst, dass ich keine Stelle mehr finde (ich bin 57 und würde hier eine sichere Stelle aufgeben !), vor dem Alleinesein und dass ich das alles vielleicht bereuen könnte.
  • Trotzdem treibt mich die Sehnsucht und ich finde mein Leben hier langweilig und eintönig und möchte so gerne noch einmal etwas ganz Neues wagen. Ich überlege ob ich einfach mal Bewerbungen schreiben soll um zu sehen ob ich überhaupt noch eine Chance habe auf dem Arbeitsmarkt.
  • Würdet Ihr das Risiko wagen oder lieber hier mehr oder weniger unzufrieden im sicheren Alltag bleiben?
 
  • #2
Hallo FS,

verstehe ich dich richtig. Du willst wieder zurück in deine Heimar Bayern und da wo du früher gewohnt hast. Bist du denn noch ab und zu dort vor Ort? Fehlt dir das dann wenn du wieder weg bist?

Ich kann dich verstehen, auch weil ich Bayern und die Berge liebe. Es gibt Orte in Dt da würde ich niemals hin, gerade so der Ruhrpott...da muss man schon von dort sein, um das gut zu finden. Landschaftlich ist der Süden einfach reizvoller.

Aber bei dir würde ich nochmal genauer schauen was deine Sehnsucht ist. Manchmal möchte man etwas anderes als das was man denkt. Also hinter deiner Sehnsucht nach Bayern kann etwas anderes stecken...Suche nach Freiheit vielleicht?
Probiere doch mal folgendes aus: gehe für ein paar Wochen (nimm Urlaub) in eine Pension/Ferienwohnung in Bayern, lebe dort auf Probe und schau wie sich das anfühlt.

Ich habe schon gehört, dass Frauen gerade nach durchgestandenen Krankheiten eine andere Sicht auf das Leben haben. Sie sind dankbar und möchten im Hier und Jetzt leben. Oftmals trennen sie sich dann, anstatt in unglücklichen Beziehungen zu verharren.

Auch wenn es mit deinen 57 Jahren schwierig wird bezüglich Jobssuche, würde ich es einfach wagen. Dein Partner sagt ja selbst, er würde nachkommen und kommt am Wochenende zu dir. Würdest du mit der Fernbeziehung klarkommen oder brauchst du die Nähe? Das sind Fragen, die du klären solltest. Du wirst auf jeden Fall irgendwo Abstriche machen müssen.

1.) Leben in Bayern, aber erst einmal Fernbeziehung, neuer Job, neue Menschen kennenlernen-dafür aber die Natur und das schöne Gefühl

2.) Leben an deinem bisherigen Ort mit Partner, Kinder in der Nähe und Job-dafür aber unglücklich

Da kann dir leider keiner helfen, das musst du selbst entscheiden. Daher fände ich das vorübergehende Leben im Urlaub dort in Bayern ein Anfang
 
  • #3
Zu allererst: Gratulation zu Deinem Partner, dass er Dir Möglichkeit lässt und nicht herummosert!
Sicher, mit 57 ist es nicht leicht, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Wie schaut es mit Ruhestand aus, bist Du da noch weit davon entfernt? Besteht die Möglichkeit eines Teilruhestandes?
Wage auf alle Fälle das Risiko. Wenn Du hier weiter arbeitest, könntest Du hin und wieder in die Heimat fahren und dort bei Deiner Mutter wohnen? So könntest Du dort nach und nach wieder Fuß fassen. Und je nach dem, wie es sich mit einer neuen Arbeit ergibt, bist Du eben bis zur Pension nur zeitweise in der Heimat oder mehr oder weniger rasch gleich fix dort.
ErwinM, 49
 
  • #4
Bewirb dich...und dann siehst du ja, ob du in Bayern Arbeit bekommst. Ohne Job, ohne irgendein konkretes Ziel, würde ich nie irgendwo hin gehen. Freunde und Bekanntschaften ergeben sich nicht einfach so, sondern immer durch irgendein Projekt.

Ich würde auch (oder tu es) an der Verwirklichung meiner Träume arbeiten. Man kann das auch in Schritten tun. Ihr könntet all eure Ferien hier in Bayern verbringen und mal vor Ort klären, ob ihr euch hier auf längere Zeit wohl fühlt (ruhig mal im November, wenn nicht immer die Sonne scheint und der Himmel blau ist). Oder du könntest in deinen Ferien ohne Mann dort mal ein paar Wochen verbringen und schauen, wie es dir gefällt.

Wen hast du noch in Bayern ausser deiner 80 jährigen Mutter? Bist du dort vernetzt oder musst du neu anfangen? Kommt ja auch immer drauf an, WO in Bayern das ist...Stadt oder Land?
 
  • #5
Aber trotz allem habe ich doch starke Bedenken. Ich habe Angst, dass ich keine Stelle mehr finde (ich bin 57 und würde hier eine sichere Stelle aufgeben !), vor dem Alleinesein und dass ich das alles vielleicht bereuen könnte.
Meine Meinung ist, ich würde dir das nicht empfehlen.
Würdet Ihr das Risiko wagen oder lieber hier mehr oder weniger unzufrieden im sicheren Alltag bleiben?
Die Unzufriedenheit liegt in dir tief begründet nicht im Außen, du kannst genauso ein kurzweiliges Leben führen da wo du jetzt bist. Wenn du gehst, bist du zwar anders abgelenkt von dir, aber du nimmst sich ja selbst mit. Deine Langeweile liegt ausschließlich in dir selbst!
 
  • #6
Ich überlege ob ich einfach mal Bewerbungen schreiben soll um zu sehen ob ich überhaupt noch eine Chance habe auf dem Arbeitsmarkt.
Ich finde, man sollte fremde Menschen nicht durch Vortäuschen von Sachverhalten, die nicht der Realität entsprechen, unfreiwillige unbezahlte Dienste für sich erbringen lassen. Man läßt sich ja auch keine Autos vorführen oder fährt welche Probe, wenn man eigentlich gar keine Kaufabsicht hegt.

Dein Anliegen, nach der Entlassung Deiner Kinder aus der mütterlichen Obhut wieder in die alte Heimat zurückzugehen, kann ich indes sehr gut nachvollziehen: ich bin auch einer von denen, die sich nichts sehnlicher wünschen als ab und an durch die Natur und die Berge zu wandern, statt immer nur aus dem Fenster sehend oder Bilder betrachtend davon zu träumen. Noch spielt die Gesundheit mit, noch traue ich mir Tageswanderungen und leichte Gipfel zu, noch ist der Zustand nicht eingetreten, von dem es aus dem Bekanntenkreis heißt: das kann ich alles machen, wenn ich mal alt bin. Pustekuchen!

Und deshalb mein Rat: noch bist Du jung genug, Deine Träume zu leben („Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum”). Warte nicht, bis es irgendwann zu spät ist. Wenn Dein Partner Dich liebt, wird er Dich dabei unterstützen und sich über die Nachrichten freuen, die Du ihm aus deiner neuen alten Heimat zusendest, weil Du so glücklich bist, endlich wieder dort zu sein, wo auch Deine Wurzeln sind, und dieses Glück mit ihm teilen möchtest.

Und solltest Du wirklich brutal scheitern (was ich mir nicht vorstellen kann, anständige und fleißige Menschen sind überall begehrt), werdet Ihr eine neue Lösung finden. Also nimm Dir Urlaub, suche Dir eine Stelle, und wenn Du sie in Aussicht oder zumindest ein gutes Gefühl hast, kündige die alte.
 
  • #7
Meine Familie kommt aus Ostpreußen und ist 1944 geflohen.
Tiefe Traurigkeit vor allem bei meinem Großvater, der viel verloren hat, aber auch bei meinem Vater, der dort seine Kindheit verbrachte, bis er 8 Jahre alt war. Seine Geschwister waren jünger, konnten sich später nicht mehr erinnern und haben besser im neuen Leben Fuß gefasst.

Das verlorene Leben, Status, Gutshof und die Sehnsucht danach begleiteten mich durch meine ganze Kindheit und Jugend, bei allen Familienfeiern war das das Top-Thema.

Nach 1990 konnte man sukzessive wieder dort hin und mein Vater machte es. Danach war Ruhe.
Denn das, dessen er nachtrauerte, gab es nicht mehr.
Kein Gut, kein Status. Und leben wollte er dort nun auch nicht mehr. Das ist heute Polen, da geht es den Leuten sehr viel schlechter als uns.
Mein Großvater hatte in Königsberg studiert, da kann man bis heute schlecht hin, denn das ist Russland.
Außerdem war er 1990 schon weit über 80 und so hat er es nicht mehr gesehen, wonach er sich immer verzehrt hatte.
Er hätte aber Königsberg ohnehin nicht gesehen, sondern Kaliningrad und da hätte er ganz sicher nichts mehr erkannt.

Ok, bei dir ist der Fall nicht so eindeutig.
Du wirst ja sicher immer mal in deiner alten Heimat gewesen sein, aber auch du trauerst nicht dem Ort nach, sondern der Zeit.
Deiner Jugend.
Du findest am jetzigen Wohnort keine Freunde ?
Nun, wir alle finden jenseits der Schul- oder meinetwegen Studienzeit nur sehr schwer Freunde.
Dein Leben hier ist eintönig ? Das liegt in dir drin, nicht am Ort.
Du liest das doch hier gelegentlich, oder ?
Also ich schon.

Mein Tip, versuche es, aber mit Rückkehroption.
Kann nämlich gut sein, dass du wirklich keine Arbeit findest, das ist mit 57 sicher nicht leicht, insbesondere, wenn du keine Kontakte hast.
Kann sein, dass deine alten Freunde nicht mehr zur Verfügung stehen oder inzwischen nicht mehr zu dir passen.
Und dass du keine neuen findest. Ich wohne jetzt fünf Jahre am neuen Wohnort und habe hier keine einzige Freundin gefunden.
Kann sogar sein, dass du dich mit deiner Mutter gar nicht mehr so gut verstehst, wenn du sie häufig siehst.

Wie wäre ein Testlauf ? Kannst du lange Urlaub nehmen und mal z.B. für sechs Wochen zu deiner Mutter ziehen ?
Und in der Zwischenzeit versuchen, dort zu wohnen als ob es für länger wäre ? Mit Alltag, meine ich.

Mir wäre das alles viel zu vage, was du beschreibst. Mir ist der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach.
Es aber gar nicht zu versuchen, würde ich auch nicht, weil du dann immer träumst und haderst.
Wie mein Vater, bis er einen Test machen konnte und danach seinen Seelenfrieden fand.
Mein Großvater hat bis zuletzt gehadert und geseufzt.

w 51
 
  • #8
Problematisch ist in jedem Fall, dass du dich im jetzigen, scheinbar sicheren Alltag nicht mehr wirklich wohl fühlst. Also musst du etwas ändern, denn selbst die 8-9 Jahre bis zum (gängigen) Rentenbeginn sind entschieden zu lang, um sie nur halb zu leben.

Du hast nun zwei Möglichkeiten und die, die ich vorziehen würde, ist deine Vorstellung, vom jetzigen Standpunkt aus schon einmal Bewerbungen loszuschicken.
Die andere wäre, herauszufinden, mit welchem vorzeitigen Rentenbeginn du die geringsten finanziellen Verluste in Kauf nehmen müsstest, um dann in der Vorruhestand zu gehen. Die damit gewonnene Freizeit käme auch deinem Partner sicher entgegen, denn du könntest dabei den Besucherweg zu ihm (und nicht umgekehrt, er zu dir) auf dich nehmen.

Solltest du den Bewerbungsweg wählen, ist es sicher sinnvoll, dabei klar zu kommunizieren, dass es dir vorrangig um die wenigen Jahre bis zum Rentenantritt geht, du aber evtl. auch bereit bist, darüber hinaus reduziert zu arbeiten. Das kommt oft gut an, weil du ehrlich bist und ein Arbeitgeber eine möglicherweise voll eingearbeitete und integrierte Kraft nicht gleich wieder in den Ruhestand entlassen muss.
Bei dem Angebot, über den offiziellen Renteneintritt weiter tätig zu sein, wirst du für dich selbst entdecken, dass ein allmählicher Rückzug aus dem Arbeitsleben (Umstieg von einer 5-Tage-Woche auf eine 4-Tage-Woche; ein Jahr später auf eine 3-Tage-Woche usw.) dir selbst entgegen kommt. Ein Arbeitsende von heute auf morgen lässt manch einen in ein Loch fallen - das bliebe dir erspart.

Lass dir Zeit bei deinen Überlegungen; an den Reaktionen auf deine Bewerbungen wirst du ebenfalls sehen, welcher Weg der gangbare ist. Noch eine gute Nachricht: der Hype »je jünger, je aktiver, umso besser!« ist out. Inzwischen zählt längst wieder Erfahrung und Zuverlässigkeit!
 
  • #9
Heyho,
Deine Mutter ist ja wirklich ein zeitkritisches Thema. Da ich irgendwann das gleiche Thema habe, denke ich auch manchmal, wie ich es anstellen könnte, meine Eltern noch mehr zu sehen, habe zu deren Wohnort allerdings null bezug und fühle mich in meiner Wahlheimat pudelwohl.
Bis zur Rente hast du noch ein gutes Weilchen zu arbeiten, aber gegen Bewerbungen spricht doch NIE etwas! Es könnte Zeitverschwendung sein, aber hey, das Thema ist dir sehr wichtig und die Wirtschaft brummt doch momentan.
Die in Aussicht gestellte Fernbeziehung würde mich stressen - wie viele Jahre hat er noch bis zur Rente?
Kommt für dich Auszeit in irgendeiner Form infrage, Sabbatical, unbezahlter aurlaub o.Ä.?
 
  • #10
Feste Stelle und einen festen Partner vor Ort wären für mich zwei ausreichend gute Gründe zu bleiben. Auf Wochenendpendeln quer durch die Republik und eine Beziehung auf Distanz hätte ich keine Lust. Schade, dass du das Leben mit deinem Job und deinem Lebensgefährten nicht genießen kannst und es dir eintönig vorkommt. Woran liegt das? Magst du deinen Job nicht? Gibt es Probleme in der Partnerschaft?

Deine Mutter ist natürlich ein gravierendes Argument, das darf man nicht ausblenden. Ansonsten würde ich, wenn ich du wäre, fest planen, mit deinem Partner nach Renteneintritt nach Bayern zurückzukehren, um dort unseren Lebensabend zu genießen. Mit Ende 50 seid ihr ja nicht mehr so ewig davon entfernt. Bis dahin würde ich die letzten Jahre meines Berufslebens und das Leben ohne Kinder genießen, viel Urlaub und freie Zeit in Bayern verbringen, schon mal überlegen, wo man leben möchte, Kontakte pflegen usw.

Wenn da nicht noch deine Mutter wäre... Ob sie das gewichtigste Argument ist, sofort umzusiedeln, kannst nur du entscheiden. Gibt es Geschwister vor Ort? Das sind so Gedanken, die da mit hineinspielen. Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung.
 
  • #11
Liebe FS,
wenn Du ohnehin daran denkst, eine Fernbeziehung zu führen, dann fang doch mal umgekehrt an: fahr' monatelang jedes Wochenende in Deine geplante Heimat und guck' Dir an, wie es da ist oder ob Du idealisierst, ob Du Kontakte dort hast bzw findest, wie die Fahrerei jede Woche ist, was das alles kostet etc. etc.

Und parallel guckst Du nach einem Job. Stellst Du nach einem halben Jahr fest: da ist es viel besser, tolle Wohnung und auch Job sind da, Wochenendbeziehung ist auch kein Problem, dann nichts wie hin statt weiterhin zu verharren wo Du Dich nicht wohlfühlst.

Dass Dein Leben dort wo Du den größten Teil Deines Erwachsenenlebens verbracht hast öde und langweilig findest, liegt an Dir - Du machst nichts aus Deinen Möglichkeiten. Die Vermutung liegt nahe, dass es in der alten Heimat auch nicht anders sein wird - liegt an Dir, nicht am Ort.

Ich wäre vorsichtig zu glauben, dass der Partner in Rente einfach so umzieht. Hat er sich wirklich Gedanken gemacht, ist das sein Wunsch, hat er in seiner Heimat keine Sozialkontakte oder ist es nur so dahingesagt, weil er nicht glaubt, dass Du es tust?
Das könnte euch in ein paar Jahren dann auf die Füße fallen, wenn Du alt, allein, gesundheitlich angeschlagen in Bayern sitzt und er feststellt, er will und wird nicht nachziehen.

Ich führe seit mehr als 2 Jahren eine WE-Beziehung und bin berufstätig, in Deinem Alter. Es ist unglaublich anstrengend jede Woche zu pendeln und kostet sehr viel Geld. Ich bin unendlich froh, wenn es nächsten Monat zu ende ist und ich umziehe.
Hängt also davon ab, wie lange dann die Fernbeziehung dauert, ob ihr das schafft oder weniger pendelt und euch entfremdet.
 
  • #13
Hallo, danke für Eure Tips. Ich habe seit über 30 Jahren den Wunsch wieder nach Bayern zurück zu gehen, wenn ich dort war und zurück fahre heule ich im Auto, auch wenn im Fernsehn eine Sendung über einen bekannten Ort dort kommt. Ich liebe die Natur, die Berge die Menschen dort und bereue zutiefst dass ich als junge Frau dort weggegangen bin. Aber wie gesagt es ist nicht einfach, ich weiss nicht wie sehr ich meinen Partner vermissen werde, im Moment können wir beide uns eine Wochenendbeziehung gut vorstellen, da unsere Beziehung eher freundschaftlich ist. Sicher werde ich hier auch vieles andere vermissen, vorallem meine Kinder, aber die leben ihr Leben und ich sehe sie jetzt auch nicht all zu oft. Ich habe noch meine beste Freundin in Bayern und meine Mutter, die mich aber auch nicht unbedingt bei meinem Vorhaben unterstützt. Sie hat über 30 Jahre ihr eigenes Leben gelebt und hat einen recht grossen Bekanntenkreis, nur wenn sie mal pflegebedürftig werden würde weiss ich nicht wer dann noch für sie da wäre. Ich müsste mir dort auch erst einen neuen Bekanntenkreis suchen. Ich würde eher ländlich wohnen wollen. Auch muss ich noch fast 9 Jahre arbeiten und kann nicht früher in Rente. Es ist eine schwere Entscheidung, vorallem deshalb weil ich nicht mehr so jung bin.
 
  • #14
Meine Liebe,

sortiere dich. Das ist meine Idee zu deiner Anfrage. Es kann keinen Rat geben, weil es um deine Bedürfnisse geht. Deine, nicht die von anderen Menschen.

Mir scheint, dass es da einen ganzen Haufen von Überlagerungen gibt. Der barmherzige Samariter fällt mir dazu ein. Eine sehr tiefgründige biblische Überlieferung vom Helfen und helfen lassen. Sehr vielschichtig und tiefgründig. Deine Unentschlossenheit zeugt ja davon.

Und wie wäre es, um fehlgeleitete Helferalluren zu enttarnen, erstmal danach zu forschen, was dich selber leitet, was du selber möchtest, und zwar aus den gleichen Gründen, die du anführst, um den anderen Akteuren behilflich zu sein. Wieder ein religiöses anspruchsvolles Motiv: Liebe deinen nächsten wie dich selbst. Die Botschaft lautet hier liebe dich selbst und dann die anderen wie dich selbst. Tust du das schon?

Denkanstöße, mehr nicht! Suche und finde deinen eigenen Weg. Ganz herzliche Grüsse sendet dir Ute
 
  • #15
  • Jetzt ist es soweit, die Jüngste ist seit fast 2 Jahren weg und ich könnte endlich mal an mich denken.
  • Vor 2 Jahren bin ich schwer erkrankt und habe viel nachgedacht und mich gefragt, wann mache ich endlich mal Angst, dass ich keine Stelle mehr finde (ich bin 57 und würde hier eine sichere Stelle aufgeben !),
  • Würdet Ihr das Risiko wagen oder lieber hier mehr oder weniger unzufrieden im sicheren Alltag bleiben?
Also kaum ist das letzte Kind aus dem Haus, erkrankst du schwer, bist aber in einem sicheren Arbeitsverhältnis, trotz der schweren Erkrankung, mit vielleicht langer Ausfallzeit?

Eine Bekannte von mir im ähnlichen Alter hat nach 1 1/2 Jahren Jobsuche, trotz mehrfacher Berufsausbildung und langjähriger Berufstätigkeit, ohne schwere Krankheit, endlich wieder einen Job gefunden, aber mit schlechten Konditionen. Sie musste nehmen, was sie bekommt. Das ist die Realität auf dem Arbeitsmarkt. Es sei denn, du bist Altenpflegerin, oder Erzieherinn, da wirst du keine Probleme bei der Jobsuche bekommen, obwohl... du bist ja schwer erkrankt. Wie willst du das im Lebenslauf und im Vorstellungsgespräch kommunizieren?

Inwiefern bist du mit deiner schweren Erkrankung am Genesen, weil eine schwere Krankheit auch die Beziehung zu einem Mann negativ beeinflussen kann. Wer weiss, vielleicht kommt daher der Vorschlag deine Partners, nach Bayern zu ziehen, weil der dich auf Abstand, wegen deiner Erkrankung, bekommen/halten will.

Wie willst du mit der Erkrankung den Umzug stemmen, dich neu einleben, einen halbwegs gut bezahlten Job finden, dich im Job neu einleben, denn das Bayern, was du damals kanntest, gibts nicht mehr.

Ich empfehle dir, hole dir prof. Hilfe und schau, was die wahren Gründe für deine Unzufriedenheit in deinem jetzigen Wohnort/Umfeld sind.

Für das Stillen der Sehnsucht nach Bayern halte ich auch lange Urlaube dort für ein gutes Mittel, um die Sehnsucht erstmal zu stillen. Werde wieder richtig gesund. Schau, was diese Bewährungsprobe mit der Beziehung zu diesem Mann macht und dann überleg neu.

W Ü50
 
  • #16
und meine Mutter, die mich aber auch nicht unbedingt bei meinem Vorhaben unterstützt. Sie hat über 30 Jahre ihr eigenes Leben gelebt und hat einen recht grossen Bekanntenkreis, nur wenn sie mal pflegebedürftig werden würde weiss ich nicht wer dann noch für sie da wäre.
Du benutzt deine Mutter als Vorwand....lass das! Wie ein Leben zu Ende geht, wissen wir alle glücklicherweise nicht vorher. Das kann ganz plötzlich sein oder langsam. Wenn sie zum Pflegefall wird, wirst du sie nur schwerlich alleine pflegen können. Und sie will es auch gar nicht...sie möchte ihr Leben leben und tut es. Sie ist dort, wo sie wohnt, wirklich gut vernetzt.

Ich schliesse mich den anderen an, die sagen, dass es an dir liegt, wenn dein Leben langweilig und eintönig ist (so spannend ist es in Bayern auf dem Land auch nicht, wenn man nichts draus macht). Man fällt in ein Loch, wenn die Kinder das Haus verlassen und muss anfangen, sich wieder neu zu finden, zu interessieren. Die ganze Zeit hatte man für andere mitgedacht und sich engagiert und verlernt, das eigene Leben an erste Stelle zu stellen. Wenn dir jetzt nur einfällt, die Pflege deiner Mutter anzugehen, die das gar nicht will, dann ist das der falsche Ansatz.
 
  • #17
Liebe FS,
viele Anregungen und Denkanstöße hast du ja schon bekommen.
Mich macht bei dir nachdenklich, dass du das Verhältnis zu deinem Mann als "eher freundschaftlich" beschreibst. Meine Ehe endete nach 18 Jahren- aber für meine Mutter wäre mein Vater nach fast 50jähriger Ehe sicher "unverzichtbar". Du bist dir sicher, dass dir die Beziehung zu deinem Mann noch wirklich wichtig für dich ist, du keine indirekte, vor dir selbst nicht eingestandene Flucht vor ihm planst?

Wenn du deine Ehe weiter stützen möchtest, würde ich dir folgenden pragmatischen Vorschlag unterbreiten wollen:
Sucht euch eine kleine Wohnung, eine, wie die sein sollte, die du auch allein für dich jetzt suchen wolltest, als gemeinsame Wochenendwohnung, und pendelt beide jedes zweite Wochenende hin. Dort könnt ihr auch eure Urlaube verbringen, zu zweit die Gegend erkunden, ihr spürt, was euch mit der Fahrerei blühen würde, du hast einen Fuß in der Heimat und behältst dein finanzielles Standbein dort, wo du es jetzt hast. Dann könntest du deine Wohnung, dein Häuschen in Bayern auch ausschließlich nach inneren Bedürfnissen aussuchen, nicht nach beruflichen Erfordernissen innerhalb Bayerns.
Wenn du nicht erkrankt wärst, würde ich dir auch eine Jobsuche in Bayern vorschlagen. Dazu kenne ich keine Einzelheiten, weiß nicht, wie schwerwiegend sie immer noch ist, vielleicht könntest du die Arbeitssuche aber auch so noch angehen.
Es würde mich sehr interessieren, ob deine alte Heimat nur dann der emotionale Hafen für dich ist, wenn du dort ohne deinen Mann sein kannst.

Ich bin 47, stamme ebenfalls aus Bayern, habe mit meinem Exmann auch 4 Kinder, hätte aber nicht mehr nach Bayern zurückkehren wollen und auch nicht innerlich unverändert zurückgehen können, nachdem ich Jahre im Ausland und in Thüringen verbracht hatte.
Ich werde heute noch nostalgisch, wenn ich in der alten Gegend bin, aber "Heimat" ist es nicht mehr für mich. Und ich gehöre auch nicht mehr dazu für diejenigen, die dort geblieben sind.
Nach meiner Ehe wäre ich auch beinahe zurückgezogen, hätte hier vor Ort alles liegen gelassen, oder wäre bereit gewesen, überall in Deutschland mit einem neuen geliebten Partner neu anzufangen. Ich habe dann vor Ort meinen jetzigen Partner gefunden, bin geblieben.
Diese Stadt und mein neuer Partner sind mir jetzt Heimat. Aber ich habe das Glück, dass es hier vor Ort überdurchschnittlich viele Zugezogene gibt, das schafft neue Gemeinsamkeit, und ich habe mir nach der Ehe ein berufliches Projekt gesucht, das mich fordert und glücklich macht.
Auch bei dir sehe ich mehr allgemeine Unzufriedenheit, eine unbestimmte Flucht vor der Endlichkeit des Lebens zurück zum Anfang.

Alles Gute dir!
 
  • #18
Ich schliesse mich den anderen an, die sagen, dass es an dir liegt, wenn dein Leben langweilig und eintönig ist (so spannend ist es in Bayern auf dem Land auch nicht, wenn man nichts draus macht).
Das kann man so sehen, muß man aber nicht. Dem einen ist halt die Umgebung relativ egal, der andere kann nur in seiner Heimat wirklich glücklich sein. Und dieser Unterschied kann sogar Beziehungen sprengen, wenn einer das Heimatgefühl des anderen nicht nachvollziehen kann, weil er selber keines hat – erkläre mal einem Blinden das Wesen der Farbe!

In Bayern auf dem Land, das kann je nach Einstellung gähnend langweilig oder das Paradies auf Erden sein. Die Fragestellerin neigt wohl eher dem letzteren zu. Und auch was das Spannende daran betrifft: nur weil einer die Optionen nicht sieht, weil sie ihm nichts bedeuten, heißt das noch lange nicht, daß sie nicht existieren.
 
  • #19
Ich finde, man sollte fremde Menschen nicht durch Vortäuschen von Sachverhalten, die nicht der Realität entsprechen, unfreiwillige unbezahlte Dienste für sich erbringen lassen. Man läßt sich ja auch keine Autos vorführen oder fährt welche Probe, wenn man eigentlich gar keine Kaufabsicht hegt.
.
Das ist auf dem Arbeitsmarkt für mich kein Argument. Seinen Marktwert prüfen halte ich für völlig legitim, und die FS ist durchaus bereit, ggf. die Stelle anzunehmen. Fast immer ist der Arbeitnehmer ohnehin der Schwächere in der AN-AG-Beziehung, von daher alles ok.
 
  • #20
du bist ja schwer erkrankt. Wie willst du das im Lebenslauf und im Vorstellungsgespräch kommunizieren?
Das muss die FS weder im Lebenslauf noch im Vorstellungsgespräch kommunizieren, es sei denn, es handelt sich um eine Krankheit, die für andere eine Gefahr darstellt (z. B. Ansteckungsgefahr). Eine krankheitsbedingte Fehlzeit muss weder im Lebenslauf noch im Vorstellungsgespräch erwähnt werden.