• #1

Mein Freund tut alles für seine Familie und Freunde, und ich soll das auch

Mein Freund und ich sind seit mehreren Jahren zusammen und zu seiner Familie (viele Geschwister) hatte ich noch nie eine herzliche Beziehung, wir sind uns aber fast immer (nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten) respektvoll und höflich begegnet. Waren wir zu zweit, hat er sich oft über seine Geschwister aufgeregt, die eine große Belastung für ihn darstellen würden. Tatsächlich ist die Situation die, dass er ihnen bei nur allem Erdenklichen hilft.

Seine Geschwister und Freunde (alles erwachsene Menschen, zumeist mit eigenen Familien) stehen täglich auf der Matte und fordern seine Hilfe. Egal ob Geld oder Zeit, ob er hier mal was ausleihen soll oder dort mal etwas erledigt werden muss. Sie fragen ihn und er kann nicht nein sagen. Täglich ist dabei nicht übertrieben. Egal wie kopflos es auch sein mag, egal wie sehr man auch meinen sollte, dass sie ‘das nun wirklich auch selbst (mal) können sollten‘ am Ende wird er in die Bresche springen. Ich stehe da und frage mich, wo hier einmal Schluss sein soll? Oder würden andere Menschen sagen, dass es daran nichts auszusetzen gibt?

Ich könnte das respektieren, immerhin ist dies sein Handeln. Nun ist es aber so, dass er mich in diese Aufgaben seit Jahren vollkommen selbstverständlich mit einbezieht. Wo ich aus seiner Sicht helfen kann, soll ich es auch tun. Ich bin so höflich, dass ich die Dinge, um die ich gebeten werde, nicht abschlagen kann. Aber ich habe keine Lust darauf, ist dies nun egoistisch? So sieht er mich nämlich, wenn ich meinen Unmut äußere. Eine Frustration hat sich bei mir aufgestaut, so dass es in mir schon grollt, wenn ich nur einen seiner Brüder oder Freunde kommen sehe. Ich kann ihnen nicht aus dem Weg gehen. Er denkt, was ich auf langer Distanz für die anderen tue, tue ich eigentlich für ihn, denn praktisch bittet er mich letztlich. Und für seinen Partner tut man das ja gerne. Ich denke, selbstverständlich ja. In diesem Fall nicht.

Dieses Thema hat einen schlimmeren Streit als den anderen nach sich gezogen. Es ist zum roten Tuch geworden. Er hält mich für egoistisch, auf die Frage, ob er sich irgendwann mal vorgestellt hat, das runter zu schrauben, bekomme ich schon gar keine Antwort mehr. Einigungen, die darauf abzielten uns gegenseitig nicht mehr damit zu behelligen, sind alle schief gelaufen.
Ich habe Angst, dass dieses Thema nach uns nach unsere Beziehung verpestet. Vielleicht kann jemand von euch aus eigener Erfahrung reden, oder hat ein paar Gedanken oder Aufmunterungen.
 
  • #2
Ich bin so höflich, dass ich die Dinge, um die ich gebeten werde, nicht abschlagen kann.
Also leidest du unter dem gleichen Syndrom wie er, nämlich, keine klare Grenze ziehen zu können.
Da darfst du dich über das Ergebnis nicht wundern.
Für sich selbst einstehen zu können, ist kein Egoismus, sondern gesunde Psychohygiene. Vielleicht könnt ihr euer Abgrenzungsproblem gemeinsam lösen?
Und nein, natürlich mußt du dich in seine Aktionen nicht einbeziehen lassen, warum auch, es ist doch seine Familie?
 
  • #3
Auch mein Freund hilft allen und jedem.
Mein Problem dabei ist, dass es mir wehtut, wenn er ausgenutzt wird.
Er hat ein paar wenige Freunde, die ihm auch helfen würden und das auch schon getan haben, wenn auch keiner in dem Maße, wie sie nehmen. Aber das ist nicht schlimm, ich rechne das nicht auf.
Und er hat ein paar wenige Freunde, die an ihm auch Interesse haben, wenn es nichts zu helfen gibt, sich z.B. mit ihm / uns zum Grillen treffen wollen oder mit ihm auf ein Oldtimertreffen fahren.

Mein Wunsch wäre es, dass er nur den Leuten hilft, bei denen man beides bejahen kann. Das wären dann vielleicht 5, max. 10 Leute.

Aber er hilft jedem !
Immer wieder.
Auch Leuten, die ihn danach oder sogar währenddessen schlecht behandeln.
Er bezahlt sogar die Pizza für beide, wenn der Tag rum ist und man, nachdem er geholfen hat, noch auf seiner Terrasse sitzt.

Ich könnte schreien.

Aber er will davon nicht abweichen. Er erkennt das Problem, widerspricht mir gar nicht.
Aber offenbar hat er etwas von dieser, wie ich persönlich finde, Anbiederei. Ich finde, er kauft sich damit Freunde oder auch das Gefühl, gebraucht zu werden.
Er ist dazu bereit, dieser Tatsache ins Auge sehend.

Nun, er ist erwachsen. Er will das so. Ich habe es ein- oder auch dreimal thematisiert und jetzt lasse ihn machen, wonach ihm ist.

Allerdings mache ich bei diesem Spiel selbstverständlich NICHT mit.
Er bittet mich aber auch nicht darum.
Ich weiß nicht, ob er es anfangs mal leise getan hat. Falls ja, habe ich das wahrscheinlich im Keim erstickt.

w 48
 
  • #4
Hier gibt es keinen Magic Trick. Entweder akzeptierst du den Mann mit seiner Hilfssucht (= Gefallsucht), oder du trennst dich und vergeudest keine Lebensjahre, von denenen es gute nur in begrenzter Zahl gibt.
Niemand kann dir da helfen oder dir gar die Entscheidung abnehmen.
 
  • #5
Hilft euch die Familie im gleichen Ausmaß?
Wie wäre es, das mal genau auszuloten und herauszufinden, ob es sich um eine starke soziale Familienbande handelt (was in schwierigen Zeiten sehr nützlich sein kann) oder ob sie ihn ausnutzen
 
  • #6
@Chiroko Frage mal Deinen Freund, was die Anderen Alles für ihn getan haben ?

Mir scheint, er wird von den Anderen ausgenutzt, damit sie es nicht selber tun müssen.

Es sind tlw. Egoisten, die den bequemeren Weg suchen. Damit sich Andere für sie abmühen, anstatt sie selber.

Ich habe mich bei manchen "Freunden" rar gemacht. Und nicht immer geholfen. Das kostet Überwindung, aber tut MIR gut.

Eine Bekannte (65, Single) ist sogar so eingebildet, daß sie meint, man müsse ihr (ständig) helfen. Gewiss, sie ist körperlich eingeschränkt und braucht tlw. Hilfe. Aber wer sich so schlecht ernährt, nie zum Arzt geht, Übergewicht sammelt, nach 50 Meter schon außer Atem ist, aber stur auf seine Weise besteht - ist selber schuld daran.
Und da kann sie auch Andere suchen die ihr helfen, denn sie habe ja einen großen Freundes- und Bekanntenkreis.

Es ist schwierig, genau zu erkennen und abzuwägen, wenn Jemand wirklich Hilfe braucht. So habe ich einer anderen Bekannten (auch Übergewicht und stur) zweimal ihr rechtes Bein vor der Amputation gerettet. (In das Krankenhaus gebraucht, oder Notarzt gerufen)
Kostete aber jeweils einen ganzen Tag Arbeit. Mit "dort anrufen" genügt längst nicht. Inzwischen ist sie endlich im Pflegeheim, und weiter auf beiden Beinen = jetzt kümmern sich Andere um sie.

Ich helfe eigentlich nur noch, wenn ich dafür Zeit habe, oder im akuten Notfall. Aber nicht als "Dauer-Abo"

Ich gehe immer seltener sofort an mein Handy. Ein Blick aufs Display - aha - besser nicht ran gehen. Ich warte lieber auf deren Nachricht, oder rufe später zurück. Und das kann spät werden.
So werden sie erzogen, dass ich nicht sofort für sie springe.
Sondern gezwungen sind, sich Alternativen zu überlegen.

Buchtipp:"Die Kunst ein Egoist zu sein" Darin geht es nicht darum, ein egoistisches Schwein zu werden. Sondern sich selber zu schützen.
 
  • #7
Chiroko,
Ich versteh schon das dich das aufregt.
Ich würde dir spontan raten ,lass deinen Freund das mit sich selbst ausmachen. Wichtig ist nur wenn du das für dich nicht möchtest darauf konsequent darauf zu bestehen und das auch durchzusetzen .
Keine Diskussionen mit deinem Freund mehr. Wirklich .
Er darf. Du musst nichts. Fertig.
Ganz einfach.
 
  • #8
Hilft euch die Familie im gleichen Ausmaß?
Wie wäre es, das mal genau auszuloten und herauszufinden, ob es sich um eine starke soziale Familienbande handelt (was in schwierigen Zeiten sehr nützlich sein kann) oder ob sie ihn ausnutzen
Die Definition von "ausnutzen" wird bei beiden wohl eine sehr unterschiedliche sein, da gibts keinen objektiven Wertmaßstab.
Und dann gibts auch noch die Leute mit Helfersyndrom, die ihr Selbstwertgefühl daraus ziehen, ständig etwas für andere zu machen. Dadurch fühlen sie sich wertvoll und gebraucht.
So einfach ist die Sache eben nicht.
Das einzige Kriterium ist: fühlt er sich selbst unter Druck gesetzt, tut er etwas, was er nicht will? Wenn nein - dann wirst du damit leben müssen, wie er ist.
 
  • #9
Die Frage ist doch, beruht das auf Gegenseitigkeit oder werdet ihr ausgenutzt?

Wenn es in dieser Familie üblich ist, sich täglich zu sehen und viele Dinge gemeinsam zu machen (z. B. der eine spült das Geschirr ab, der andere trocknet es ab und man plaudert dabei ein bisschen) dann würdest du deinen Freund mit deiner Weigerung aus dem Familienverbund drängen.
 
  • #10
Nein, Du bist nicht egoistisch in meinen Augen, sondern die Geschwister sind es. Aber solange Dein Freund es gern macht, sieht er es nicht und können die Geschwister nicht eigenständig werden. (Klingt so, als sei er der Älteste, der schon immer mit eingespannt war, die Eltern zu entlasten und zurückzustecken, wenn ein Geschwisterkind geboren wird.)

Nun ist es aber so, dass er mich in diese Aufgaben seit Jahren vollkommen selbstverständlich mit einbezieht.
Ja, das ist die Folge - die Partnerin wird der dritte Arm, damit der Mann seine Mission erfüllen kann (oder auch andersrum, Männer werden auch mit eingespannt. Aber ich glaube, meist trifft es die Frau, dass sie selbstverständlich "mithilft". Ich kenne es auch, dass ich nicht "nein" sagen konnte. Das ist dann das Los, wenn man ein Handwerk beherrscht und einen Freund mit Anhang hat, und dieser meint, man "könne es doch mal machen", ohne zu wissen, was ES für Mühe macht. Mein Ex meinte immer, "sag doch nein". Keine Ahnung, was passiert wäre, wenn ich wirklich mal "nein" gesagt hätte, ich glaube, zu seiner Mutter, die immer der Meinung war, niemand tue jemals was für sie und damit alle in Schach hielt, hätte ich das nicht sagen können. Was er umgekehrt für meine Familie gemacht hat, ist weniger als winzig. Das war von meiner Familie aus selbstverständlich, ihn damit nicht zu behelligen.)

Wenn man das einmal angefangen hat, kommt man schlecht aus der Nummer wieder raus. Nur eine Krankheit macht es manchmal, dass die anderen sich (hoffentlich) auch mal kümmern bzw. entdecken müssen, dass sie es auch alleine können, was sie gerade wieder vom anderen gemacht kriegen wollten. Und hier zeigte sich auch, wer auch mal für Deinen Freund da wäre.

Er denkt, was ich auf langer Distanz für die anderen tue, tue ich eigentlich für ihn
Das ist Erpressung, die Dir nie erlaubt, eine ablehnende Entscheidung zu treffen und ihn dabei nicht zu verletzen.

Das Thema HAT eure Beziehung schon verpestet.
Was soll man tun? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.
Wichtig finde ich, dass er von dem Trichter runterkommt, dass Du es für ihn tust, wenn Du Dich mit einspannen lässt. Aber wie... Immer wieder klarstellen und stark bleiben? Sagen, dass er vielleicht einen emotionalen Nutzen draus zieht, den anderen zu gefallen und sich unentbehrlich zu machen, Du aber nicht? Das klingt aber in diesem Wortlaut gemein.
 
  • #11
Jeder hat seine innere Grenze und wenn man diese immer ignoriert, dann kostet es viel Kraft und Energie.
Somit ist es Dir auf Dauer gar nicht möglich, dem Wunsch Deines Freundes nachzukommen und dich zu ändern. Die Streits belegen es ja, denn Euch fliegen bei dem Thema schon die Nerven.
Ich finde ja völlig zu Recht und halte diese extreme Art des Helfersyndroms auch nicht für gesund.
Den Hang zu diesem kenne ich und ein Helfersyndrom ist übrigens auch egoistisch!
Übernimmt man alles hat man auch indirekt das sagen und braucht den Applaus und die Anerkennung.
Alles logisch. ..Nur wenn er das nicht sehen will, helfen diese Argumente wenig.
Was kann er nicht. ..Wo kommt er völlig an seine Grenzen? Joggst Du, dann lasse ihn laufen und wenn er hechelt sag ihm, wenn er Dich liebt macht er weiter.
Irgendetwas was du ihm spiegeln kannst.
Ansonsten ruhig und klar abgrenzen! Nicht laut und souverän! Plan einen Pärchentag zb Sauna! Sind die anderen wichtiger, sag es ihm ruhig und geh alleine in die Sauna
 
  • #12
Freunde kaufen (oder erarbeiten, oder erkämpfen oder...) trifft es.

Der Grund dafür liegt in mangelndem Selbstwertgefühl. Der Partner der FS hat ständig das Gefühl nicht einfach nur als Person zu genügen, sondern er muss machen und tun und sich aufopfern und sich das Gemocht-Werden erarbeiten, nur dann fühlt er sich beruhigt, dass er alles getan hat, was in seiner Macht steht.

Das ist wie ein tiefes, schwarzes Loch, ein Fass ohne Boden, in dem all die Mühe und Arbeit verschwindet - ohne dass nur annähernd etwas zurück kommt.

Liebe FS, wird das besser oder schlimmer mit den Jahren? Kannst Du leben mit diesem zutiefst unsicheren Mann? Ändern wirst Du ihn nicht, er ist ja sicher nicht mehr 20.
 
  • #13
Hallo Chiroko
Ich kann dich total verstehen. Du bist nicht egoistisch. Ich empfehle dir an dieser Stelle wärmstens ein Buch, dass dir helfen wird, dich vernünftig abgrenzen zu lernen. Und wenn du das Buch durch hast, gib es deinem Freund. "Nein sagen ohne Schuldgefühle - gesunde Grenzen setzen" von Henry Cloud / John Townsend. Viel Erfolg!
 
  • #14
Dieses Thema hat einen schlimmeren Streit als den anderen nach sich gezogen. Es ist zum roten Tuch geworden. Er hält mich für egoistisch, auf die Frage, ob er sich irgendwann mal vorgestellt hat, das runter zu schrauben, bekomme ich schon gar keine Antwort mehr. Einigungen, die darauf abzielten uns gegenseitig nicht mehr damit zu behelligen, sind alle schief gelaufen.
1) Lebt Ihr zusammen oder nicht ? Wollt Ihr Kinder oder nicht ? Was habt Ihr denn für eine Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft und kann es mit ihm ggf. eine werden - wenn er das Geld das in der Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft zwischen ihm und Dir vorhanden ist, seinen Geschwistern gibt (oder geben könnte) bzw. die Freizeit die er für Dich und ggf. den Nachwuchs hätte bei den Geschwistern abhängt ?

2) Kriegt er das Geld das er andern gibt und die Zeit die er andern opfert irgendwie wieder zurück ?

3) Wenn er Dich haben will, mußt Du wichtiger sein als seine Familie (Eltern und Geschwister). Wenn er Dir das nicht durch Loyalitäten und Taten zeigt, hat das mit Deinem Freund keine Zukunft. Ein klarer Trennungsgrund. Für mich ist dieses illoyale und nicht wertschätzende Verhalten auf Dauer schlimmer als z. B. mal fremd gehen.
 
G

Ga_ui

  • #15
Ich bin immer wieder fassungslos, was ich hier schon für Familienkonstruktionen gelesen habe und wie naiv die Leute sind, ihr Leben wegzuwerfen für solche ausbeuterischen Familien!

Da gibt es kein Ende! Solche Familien sind Narzissten und hören niemals auf. Der Betroffene wird komplett zerstört und ausgenommen, in seiner Zeit, seinem Geld, seinen Gefühlen. Wünschen werden soweit umgedreht, dass der Betroffene (dein Freund) glaubt, es ist ja seine eigene Idee, zu helfen.

Er wird sich daraus niemals lösen können!! Bitte glaub mir das! Mag sein, dass mal klare Ansagen etwas helfen. Aber auch nur zeitweise, dann werden ihm Undankbarkeit vorgeworfen und dass er anderen ja was schuldig ist für sein Leben. Solche Familien geben niemals auf! Es hilft nur Distanz und den Kontakt aufs Nötigste reduzieren.

Man könnte ja mal damit anfangen, dass man gar nicht mehr zur Verfügung ist: Telefon aus, beim Klingeln nicht öffnen. Aber da darf dein Freund kein so Weichei sein, sondern auch mal mithelfen!

Dein Freund soll sich dann melden, wenn ER es für richtig sieht, nicht wenn andere etwas von ihm wollen! Das ist sehr wichtig, sich ABGRENZEN zu können!

Zweitens: Um Gottes Willen, natürlich sollst du das nicht auch machen! Ich finde, hier haben sich wieder zwei hilflose gefunden, für die die Umwelt sehr gefährlich werden kann.

Lernt beide Grenzen zu ziehen und konsequent zu sein, sonst geht ihr beide als Opfer unter in dieser Welt! Und lernt auch den Gegensturm (das Geschrei, die Beleidigungen, die Undankbarkeit, die Drohungen, die Tränen) von anderen auszuhalten! Denn der wird kommen, wenn man anderen Leuten erstmals seine persönlichen Grenzen aufzeigt! Da muss man richtig stark sein, denn das wird noch härter!
 
  • #16
Das sind menschliche Parasiten und sie spüren ganz genau, wo es für sie Futter gibt. Sie kennen keine Rücksicht, kein Maß, kein Mitleid. Sie nehmen und sie fordern unter heftigster emotionaler Erpressung, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht. Und dann treffen sie auf ihren perfekten Gegenpart - einen Menschen, der an Gefallsucht (danke für das perfekte Wort, @LuckyBastard) leidet und es jedem recht machen will.

Du kannst dich nur weiter abgrenzen, denn normal ist es nicht, dass täglich Menschen auf der Matte stehen, für die man sich kaputtschuften darf. Sie kommen, solange sie etwas bekommen. Versiegt die Quelle, gehen sie einfach woanders hin, ohne sich zu bedanken, ohne sich auch nur umzudrehen, denn dein Freund ist für sie nur ein Mittel zum Zweck. Da gibt es nur die Abgrenzung oder Trennung, gesunder Egoismus ist nicht schlimm, sondern überlebensnotwendig. Sonst kann man gleich sein komplettes Gehalt spenden und die gesamten 24 Stunden für jeden anderen kostenlos schuften und selbst dann kämen noch welche, die sagen, es sei nicht genug. Und das hochgradig perfide Wort "egoistisch" soll dir ein schlechtes Gewissen machen und dich zum gewünschten Verhalten nötigen.

Nachtrag: und glaube mir eins - die "Freunde" und Familie lachen sich über deinen Freund hinter seinem Rücken kaputt, weil er für sie der Depp vom Dienst ist.
 
  • #17
Oh weh. Ich habe leider keine Lösung für Dich. Ich musste etwas Ähnliches erleben. Ich habe mich getrennt. Vielleicht kannst du es anders lösen.

Ich habe mich damals getrennt, weil ich merkte, dass seine Hilfsbereitschaft zu meinen Lasten geht. Ich bin aber nicht bereit, unfreiwillig in andere zu investieren, weil er zu feige ist, Nein zu sagen. Das änderte sich auch nicht.

Nur ein paar Beispiele: wir waren im Umzug mit Möbelpackern und LKW. Er wollte mittendrin weg, weil eine Freundin auf dem Parkplatz von einem Möbelhaus Hilfe bräuchte den Anhänger an den PkW zu hängen. Genau, weil es dort keinen anderen gibt. Das bedeutete, dass er mit An- und Ruckfahrt 3 h unterwegs war und ich mich um den Umzug alleine kümmerte, damit er jemanden helfen kann.
Oder er gab seiner verheirateten Schwester (Beide Vollzeitjob, Ehemann Banker) einen größeren Geldbetrag, weil sie finanziell sehr klamm war. Sie kaufte sich in der Woche eine Handtasche für 1000 Euro und buchte den nächsten Urlaub - 2 Wochen mit Ehemann in einem 4* Hotel. Mein Freund dagegen konnte in dem Jahr nicht in Urlaub fahren, weil er kein Geld hatte. Auf mein Schimpfen, dass er so blöd ist, seiner Schwester eine Luxushandtasche und den Urlaub zu finanzieren, während er selbst dann spart und er mir damit auch Probleme macht, weil ich deshalb entweder ohne ihn in Urlaub fahren muss, also alleine oder eine Begleitperson suchen muss, oder ebenfalls auf den Urlaub verzichten oder seinen Urlaub mit mitfinanzieren muss, meinte er, dass diese Dinge für mich sowieso nicht wichtig sind. Falsch!!

Ich habe mich getrennt, als ich verstanden habe, dass er nicht unabhängig sondern immer abhängig ist.

Ich müsste immer damit rechnen, dass er unsere Pläne über den Haufen wirft, damit er jemanden helfen kann. Er war mir zu unzuverlässig. So einen Lebenspartner will ich aber nicht.
 
  • #18
Liebe Chirok
Die Familie bleibt ein Leben lang unsere Familie. Als unsere Wurzel können wir sie nicht verleugnen. Wir haben unterschiedliche Optionen unsere Ursprungsfamilie in unser Erwachsenenleben zu integrieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es hier viele Variationen gibt. Die einen brechen den Kontakt ab, die andern fühlen sich ein Leben lang "verpflichtet", sich um Probleme und Sorgen der Ursprungsfamilie zu kümmern, andere pflegen einen sehr schönen und befriedigenden Kontakt, ....

Wir haben alle unsere eigene Geschichte. Ich denke, dass die Antworten auf deine Frage daher auch mannigfaltig ausfallen.

Wenn es deinem Freund wichtig ist, "alles" für seine Familie zu tun, dann ist das seine Ansicht, die es zu respektieren gilt.

Er kann aber nicht von dir verlangen, dass du im gleichen Masse "alles" für seine Familie tust. Du tust genau das, was für dich stimmig ist. Wenn er meint, sich für andere aufopfern zu müssen, kann er das tun. Du bist sicher nicht egoistisch, wenn du das nicht tust. Sich von familiären "Verstrickungen" zu lösen, ist für viele nicht einfach, weil Schuldgefühle mitspielen. So scheint es bei deinem Partner zu sein.

Ich würde dir empfehlen, ihm zu sagen, dass du respektierst, was er für seine Familie macht und dass du dir wünschst, dass er deine Handlungen respektiert. Nochmal sagen, dass du ihn liebst und mit ihm leben willst (wenn das so ist).

Viel Glück und alles Liebe für Euch!
 
  • #19
3) Wenn er Dich haben will, mußt Du wichtiger sein als seine Familie (Eltern und Geschwister). Wenn er Dir das nicht durch Loyalitäten und Taten zeigt, hat das mit Deinem Freund keine Zukunft. Ein klarer Trennungsgrund. Für mich ist dieses illoyale und nicht wertschätzende Verhalten auf Dauer schlimmer als z. B. mal fremd gehen.
Ja, sehe ich genauso, für mich sind das egoistische Energievampire, die ich schon lange nicht mehr an mich ran lasse! Ich sehe für dich mit diesem Mann auch keine Zukunft, es wird noch schlimmer werden und du wirst erst noch so richtig ins leiden kommen und kostbare Zeit verplempern!
 
  • #20
Oder würden andere Menschen sagen, dass es daran nichts auszusetzen gibt?
Wäre das mein Partner gäbe es für mich etwas auszusetzen. Schon alleine deswegen weil ich ein ganz andere Typ Mensch bin und mich das stören würde einen Partner zu haben der keine Grenzen zieht, jedes gesunde Maß überschreitet, sich offensichtlich ausnutzen lässt. Wenn die Partnerin genauso tickt mag das harmonisch sein aber so... Ich habe den Eindruck, dass eure Vorstellungen von Beziehung, von einem Miteinander in der Familie viel zu sehr differiert. Seine Meinung steht scheinbar wie festzementiert, er wird sich nicht ändern, dazu fehlt schon mal jede Einsicht. Im Endeffekt kannst du nur selbst bestimmen wo deine Schmerzgrenze liegt und welche Konsequenzen du daraus ziehst. Ich würde das nicht mit machen.


w33
 
  • #21
Ich möchte erst zuerst herzlich für eure vielen Antworten hierzu danken. Die ersten Antworten die ich hierzu gelesen hatte und dass dieses Thema so in meinem Kopf rumschwirrte, dass ich hier dazu Hilfe gesucht habe, hat mich dazu gebracht das Thema gestern noch einmal anzusprechen. Mit dem fulminanten Ausgang, dass er sich von mir getrennt hat. Lasse ich das Geschehene Revue passieren, fällt mir auf, dass er ohne von mir vor diese Wahl gestellt geworden zu sein, sich dennoch verhalten und entschieden hat, als hätte ich ihn gefragt ‚ich oder deine Familie‘ und er hat seine Familie gewählt. Ich bin traurig und entsetzt, dass nach über vier Jahren es so endet und dann mit Behauptungen, die nicht stimmen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #22
Sei froh, manchmal ist es gut, wenn einem eine Entscheidung abgenommen wird. Auch wenn du das jetzt nicht selbst so sehen kannst, es konnte dir nichts Besseres passieren!
Du wurdest gerettet aus einer Beziehung in der du nur an xter Stelle gekommen/gestanden bist. Bist du dir selbst so wenig wert, dass du dabei Jahre lang zugesehen hast? Denkst du nicht selbst ganz tief in dir drinnen, dass du besseres verdient hast?
 
N

nachdenkliche

  • #23
Oh mein Gott! Sei froh, dass Du ihn los bist!!! Ich kann mir gut vorstellen, dass Dich das umso wütender macht. Weil Du Dir Gedanken gemacht hast um ihn. Du kannst aber nicht sagen, dass das keine Vorgeschichte hatte, stimmts? Es war ein ganz dickes Problem, was ihr hattet.
Er ist Dir nun zuvor gekommen. Vielleicht hatte er von den ganzen Debatten die Schnauze voll (verstehe mich bitte richtig).
Vom Gefühl her, wäre es mir an Deiner Stelle auch lieber gewesen, wenn ich mich getrennt hätte.
. Ich bin traurig und entsetzt, dass nach über vier Jahren es so endet und dann mit Behauptungen, die nicht stimmen.
Kannst Du mal schreiben, worum es da ging?
 
  • #24
Lasse ich das Geschehene Revue passieren, fällt mir auf, dass er ohne von mir vor diese Wahl gestellt geworden zu sein, sich dennoch verhalten und entschieden hat, als hätte ich ihn gefragt ‚ich oder deine Familie‘ und er hat seine Familie gewählt. Ich bin traurig und entsetzt, dass nach über vier Jahren es so endet und dann mit Behauptungen, die nicht stimmen.
Ja das ist traurig. Es war wohl schon länger ein Reizthema zwischen euch beiden, und offenbar unvereinbare Standpunkte.
Ich weiss, momentan hilft das noch nicht, aber: Kopt hoch, es ist besser so. Ihr habt nicht genug zusammen gepasst.
 
  • #25
Ich möchte erst zuerst herzlich für eure vielen Antworten hierzu danken. Die ersten Antworten die ich hierzu gelesen hatte und dass dieses Thema so in meinem Kopf rumschwirrte, dass ich hier dazu Hilfe gesucht habe, hat mich dazu gebracht das Thema gestern noch einmal anzusprechen. Mit dem fulminanten Ausgang, dass er sich von mir getrennt hat. Lasse ich das Geschehene Revue passieren, fällt mir auf, dass er ohne von mir vor diese Wahl gestellt geworden zu sein, sich dennoch verhalten und entschieden hat, als hätte ich ihn gefragt ‚ich oder deine Familie‘ und er hat seine Familie gewählt. Ich bin traurig und entsetzt, dass nach über vier Jahren es so endet und dann mit Behauptungen, die nicht stimmen.
Auch wenn es schmerzhaft ist, bitte sei froh darüber. Er hat dir einen Gefallen getan, weil er aus der Hölle nicht herauskommt, die er sich selbst geschaffen hat und dich immer tiefer hineingezogen hätte. Er wird irgendwann völlig verarmt, allein und einsam enden und dann wird er es bereuen, aber das ist dann nicht dein Problem. Er kann da nicht raus und um das Dilemma zu lösen, hat er dich aufgegeben, denn seine Familie ist in der Überzahlt und hat ihn viel zu sehr im Griff. Er hätte dich auf lange Sicht kaputt gemacht, da sei dir sicher.
 
  • #26
Oh Mann, dass tut mir sehr leid!
Welche Wegwerfmentaliät, wer nicht so funktioniert wie es jemand will, wird aussortiert.
Nein das hat wirklich niemand verdient!
Irgendwann wirst du erkennen, dass er sein soziales Unvermögen mit Hilfe überspielt.
Nur jetzt wird dir kein Spruch helfen um nicht traurig zu sein.
Ich hoffe du hast dir noch Freunde erhalten können, mit denen Du reden kannst!
Drück dich einmal
 
  • #27
Herzlichen Dank noch einmal, auch für eure lieben Worte der Aufmunterung.

Ich war und bin wohl leider ähnlich wie mein Freund damit behaftet, dass ich es nicht richtig gelernt habe nein zu sagen. Ob das nun bei ihm Gefallsucht ist oder etwas anderes, müsste letztlich ein Kenner diagnostizieren. Ich hatte wohl bisher schlichtweg das Glück, dass bei mir solch ein aufopferungsvolles Verhalten von meinen eigenen Freunden nie ‚forciert‘ wurde, ich es dafür aber umso mehr bei meinem Freund erleide.

Wie sehr seine eigene Familie und Freunde helfen, kann ich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Ich bin mir sicher, würde er z.B. sagen, dass er am Flughafen feststeckt, dass sie dann kommen würden. Aber sicher nicht im gleichen Ausmaße. Er hat sinngemäß mir oft offenbart, dass sie ihm in etwa mehr Klotz am Bein sind als Hilfe. Und ganz einfach sieht es so aus, dass er ja auch nicht sie fragt, sondern mich. Das heißt, wir würden mit fast all unseren Angelegenheiten gar nicht zu seiner Familie, seinen Freunden gehen, weil wir diese Angelegenheiten zusammen geklärt haben.

Ich habe das Gefühl, dass wir alle sehen, was er nicht sehen möchte, er es aber eigentlich selbst weiß. Anstatt es zu ändern, was so einfach sein sollte (?) er lieber weitermacht und sogar lieber noch sicht trennt. Ich könnte mir vorstellen, dass wie hier von Nigiri genannt wurde, er tatsächlich glaubt, dass ich mit einer Weigerung ihm sein Leben schwer mache (aus Familienbund drängen). Aber das war nie meine Absicht und wurde auch nie so geäußert. Ich weiß nicht, wie es sein kann, dass mein eigener Wunsch nicht daran teilzuhaben, was ihn wiederum nicht daran hindert alles weiterhin zu tun, als Konsequenz bedeuten würde, dass ich seine Familie und Freundschaften kaputt mache. Es gab doch auch mal ein Leben vor mir.

Auf jeden Fall ist er der Zweitälteste und einzig ‚verfügbare‘. Wir leben gemeinsam, seit wir zusammen sind, weil ich ihn relativ jung kennengelernt habe und auf dem Weg ins Studium war, für das ich aus einem anderen Land zurückgekommen bin. Da haben wir uns direkt entschlossen zusammen zu ziehen. Aus meiner Sicht übrigens eine traumhafte Sache. Ich möchte nie wieder ohne Partner leben. ^^ Ich bin jetzt 24, er fünf Jahre älter und selbstständig, ich arbeite auch.

Ein zentraler Punkt der Trennung war natürlich mein Egoismus und, dass ich seine Familie nicht akzeptieren würde. 'Wie könne er eine Frau haben, die seine Familie nicht akzeptiert'.