• #1

Mein Freund der ewige Student

Mein Freund der ewige Student
Ich brauche euren Rat. Mein Freund ist 29 Jahre alt, mittlerweile ist er bei seinem schätzungsweise 6. Versuch seine Bachelor Arbeit zu beenden. Leider mit wenig Aussicht auf Erfolg. Es mangelt ihm eindeutig nicht am Können oder an seiner Intellegenz, im Gegenteil. Sondern einzig und allein an der Disziplin über ein halbes Jahr kontinuierlich an der These weiter zu schreiben (und vor allem zu beenden). Hinzu kommt dass er im Ausland studiert, jedoch in Deutschland wohnt. D.h. die Dozenten und Beratungstermine auch noch physisch sehr weit weg sind.
Ich habe die Vermutung dass er in eine Depression abrutscht, weil er immer mehr davon redet sein Leben nicht in den Griff zu bekommen bzw. eh nichts zu können und sich immer weiter zurückzieht.
Das Problem ist: er will das Studium nicht abbrechen, weil dann mit fast 30 da steht und bis dahin nur sein Abitur geschafft hat. Verständlich, aber abschließen kann er es auch nicht.
Andererseits würde er gerne eine Ausbildung beginnen, was sich als schwierig erweist, da er Jahre ohne Erfolg studiert hat und er bei jedem Rückschlag immer mehr in seinem "Selbstzweifel-Sumpf" versinkt.
Mittlerweile redet er nur noch davon, nicht zu wissen was er machen will und garkeine Interessen mehr zu haben.
Ich würde ihm so gerne helfen, ich weiß nur leider garnicht WIE und WAS überhaupt eine gute Lösung für ihn wäre.
Ich wäre für jeden Ratschlag und Tipp sehr Dankbar!!
 
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  • #2
Für Probleme im Studium, eigentlich hier ja schon am Ende vom Studium, gibt es Beratungsstellen an jeder Uni. Wie man eine Bachelorarbeit 6x "versägen" kann, ist mir schleierhaft, in deutschen Prüfungsordnungen sind auch gar nicht so viele Wiederholungen zulässig.
 
  • #3
Wie ? Der ist fast 30 und hat noch nichtmal den Bachelor ?
Der dauert doch nur 6 Semester. Meiner Meinung nach, ist er depressiv. Laß Dich da nicht reinziehen und mache lieber heute als morgen Schluß.
Eins ist dann allerdings klar: Dann rutscht er richtig ab, aber das ist nicht Dein Problem.
 
  • #4
Ich habe mich von einem Ewigenstudenten getrennt vor 6 Jahren. Er hat es aber allen bewiesen und hat nun eine Stelle an der Uni und macht seinen Doktor. Aber leichtsinnig und etwas faul ist er trotzdem geblieben. Nun hat er unplanmäßig eine Studentin geschwängert und ist wieder mal pleite.

Nun zu Dir: Ich glaube nach 6. Versuchen kommt irgendwann die Uni dran und erlaubt es nicht mehr also ist die Sache für ihn entschieden. Es gibt eine Anzahl von Maximalsemestern und dann ist Schluß ob man will oder nicht.

Intelligenz ist eine Sache aber fürs Studium braucht man Durchhaltevermögen. Wenn es nicht seins ist, dann wäre es an der Zeit sich einfach irgendeine Stelle zu suchen.

Im Altersheim zum Beispiel, wo immer Leute gebraucht werden. Eine Ausbildung könnte er dann berufsbegleitend machen.
 
  • #5
Liebe FS,
mal wieder viel zu wenig Infos: wo lebt ihr, wo studiert Dein Freund, was studiert er, lebt Ihr zusammen, wovon bestreitet Dein Freund seinen Lebensunterhalt?

Ich gehe mal davon aus, dass Du selber nicht studiert hast und Dich daher in dem Umfeld Studium und berufliche Perspektiven von Jungakademikern nicht auskennst, er Dir deswegen einen vom karierten Pferd erzählen kann.

Du unterliegst einem großen Irrtum: Deinem Freund mangelt es deutlich an Intelligenz, denn sonst würde er nicht seit mehr als10 Jahren im Bachelorstudium abhängen. Wäre er intelligent, würde er seine Unfähigkeit länger an einem Stück zu arbeiten erkennen und diese Intelligenz in die Themenwahl einfließen lassen, d.h. das Thema so wählen, dass er die Bachelorarbeit in 6 Wochen zusammennagelt. Das Wissen dafür sollte er in 10 Jahren Studium ja wohl angesammelt haben.
Daraus folgt: Du schätzt die Faehigkeiten Deines Freundes vollkommen falsch ein: er ist nicht intelligent, er ist faul und undiszipliniert, es mangelt ihm erheblich an Selbstreflexion.

Ich betreue seit mehr als 20 Jahren Trainees (BWL und Informatik). Ich lese alle ihre Bachelor- und Masterarbeiten vor ihrem Firmeneintritt. Ich habe noch keine gut bewertete Bachelorarbeit gesehen, für die man ein halbes Jahr intentsiv arbeiten muss, maximal 3 Monate.

Ich kenne auch kein ernstzunehmendes Unternehmen, welches Leute einstellt oder gar ausbildet, die mit 30 Jahren ihren Bachelor machen, weil man weiß, was man sich im Praxisbetrieb für ausdauerschwache Lowperformer mit ihnen einhandelt. Keienr wartet auf ihn, biss er nachgereift ist. Dein Freund wird Hilfskraft in Zeitvertragen bleiben, mit Aussicht auf Altersarmut, wenn er nicht rumschlurrrt, weil er auf ein fettes Erbe wartet.

Wie sehen Deine Lebensplaene aus? Passt er dazu?
Meine Nichte hat übrigens so ein Exemplar ohne Erbeerwartung als Partner. Er ist mittlerweile 30+ und jobbt mal hier, mal da.
Sie ist eine sehr erfolgreiche Akademikerin (30) und weiß dass Familiengründung mit ihm nicht geht - hat sich von der Idee verabschiedet. Jetzt zieht sie beruflich bedingt um und er dackelt hinterher. Ein Hiwi-Job findet sich für ihn überall.
Wenn die Beziehung mal scheitert fällt er auf einen sehr harten Boden.

Du kannst nichts für ihn tun - er ist wie er ist. Er muss sein Leben in die Hand nehmen, Du Deins.
 
  • #6
Ohje - das hört sich nicht so schön an.

Ich würde ihm ein paar Anlaufstellen für Therapeuten / Psychologen raussuchen. Es hört sich für mich so an, als wenn er - wie du bereits vermutet hast - in eine Depression rutscht bzw. schon reingerutscht ist. Er sollte sich besser frühzeitig Hilfe holen, bevor das ganze im Desaster endet.

In seinem Alter haben andere schon deutlich mehr erreicht - das sieht er wahrscheinlich auch.

Einigen Menschen hilft ja auch schon der bekannte "Tritt in den Hintern"; doch dafür kenne ich deinen Partner zu wenigen um es einzuschätzen.

Alles Gute für euch!

Mod: Ausdrucksweise angepasst. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl.
 
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  • #7
Als ich jünger war, glaubte ich auch, Männern, die nichts auf die Reihe kriegen, helfen zu müssen. Zunächst einmal: es ist mir im Prinzip unterm Strich nicht gelungen. Aus einer Kuh wird keine Antilope, nur weil man ihr dabei helfen will.

Es könnte sogar sein, dass ein Mann Hilfe annimmt, aber es sorgt für ein ständiges Ungleichgewicht, für emotionale Hypotheken, die sie dann nicht mögen, auch wenn sie sie in Anspruch nehmen.

Ich habe selbst schon erfahren müssen und habe es schon bei vielen anderen mitbekommen, dass gerade Kandidaten wie dieser hier in Depressionen verfallen, weil sie ihr Leben nicht gebacken bekommen. Und dann tun sie auch gerne eines: sie kicken ihre Partnerin.

Ich weiß nicht, wie lange Ihr schon zusammen seid und wie die Beziehung ansonsten noch läuft, aber solche sind instabile Beziehungskandidaten. Leider.

Ansonsten, ich weiß nicht, wie man so jemanden helfen könnte. Verständnisvoll bist Du ja. Aber Du kannst ja schlecht seine Prüfungen für ihn machen. Viel Glück.
 
  • #8
ich glaube das Einzige was da hilft, ist Coaching und/oder Psychologe! Er hat jetzt so irren Druck, das schaffen zu müssen - das geht nicht allein. Ein Profi, seriös, mit guter Ausbildung, kann bestimmt helfen. Sucht gemeinsam so jemanden, zeitnah!
 
  • #9
Erfolg im Studium hat nichts mit Intelligenz zu tun. Sondern mit Fleiss, Disziplin, Organisation und (Langzeit-)Motivation.

Also an den meisten deutschen Hochschulen gibt es Beratungsstellen für Prokrastinierer (Aufschieber), denn noch nie war die Ablenkung durch Dauerberieselung, Handy und Internet so groß wie heute.

Vielleicht besteht die Möglichkeit so ein Angebot in Wohnortnähe zu nutzen, auch wenn man an einer anderen Hochschule studiert.

Vielleicht hat Dein Freund aber auch eine Depression, eine Bipolare Störung oder ähnliches hat, die dann oft erst greifbar werden, wenn solche Anforderungen gestellt werden.

Zudem kann auch der jahrelange "Genuss" von Kannabis oder anderen in Studentenkreisen nicht unüblichen Substanzen zu solchen Problemen führen.

Da wäre dann professionelle Hilfe angesagt.

Grundsätzlich gibt es endlos Literatur über das Aufschieben und die Mittel dagegen. Und als fast fertiger Akademiker sollte Dein Freund keine Probleme haben, sich selbst mit dem Lesestoff für so einem Thema zu versorgen.

Wenn er finanziell gut gestellt ist, kann er sich auch jemanden engagieren, der ihm hilft, die Arbeit zu schreiben. Das löst zwar nicht das Problem mit dem Prokrastinieren, würde aber immerhin zu einem Abschluss führen. Wie weit so eine Hilfe geht, muss dann auch jeder selber wissen.

Ich hatte hier auch gerade einen Bekannten, der seine Bachelorarbeit nicht geschrieben hat. Und dann Gnadenweise noch einen weiteren Versuch bekommen hat.

Bei dem hatte es meines Erachtens damit zu tun, dass ein Betriebspraktikum bei einem Ausbeuterbetrieb gemacht hat, und sich nie vorher einen Plan gemacht hat, was er denn eigentlich mit seinem Abschluss machen will. Die Realität, dass er trotz Ingenieur-Bachelors kaum was verdienen wird, wenn er denn überhaupt eine Stelle findet, hat ihn sehr runter gezogen.

Selbst der Druck des gesamten Umfelds samt Freundin und Kind konnten da kaum was ändern. Ob er es jetzt geschafft hat, weiss ich noch gar nicht. Er hatte aber immerhin angefangen.
 
  • #10
Verständlich, aber abschließen kann er es auch nicht.
Ich kann nicht heißt, ich will nicht!
Der Gute tut sich selber leid und klemmt sich nicht dahinter. Lächerlich!
Eine Bachelorarbeit dauert ein halbes Jahr - was solls? Das ist doch locker machbar!
Tritt ihm in den Arsch und hör auf mit dem Verständnis.
Er ist schlichtweg zu faul und findet Ausreden - wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe.
Ich sitze seit Monaten gerade jeden Tag trotz meiner Kinder abends zuhause und lese Fachliteratur für eine Facharztprüfung und die werde ich auch schaffen. .
Was ist denn an einer Bachelorarbeit so schwer? Nach 6 Versuchen müsste er ja wissen, wie es geht.
Psychologe nützt da GAR NIX, der mimt Verständnis und nimmt Euch Zeit und Geld ab.
Es hilf nur sich zusammenzunehmen, Nächte durcharbeiten und kontinuierlich weitermachen, komme, was wolle. Keine Wochenenden ausgehen, keine Partys, keine Restaurants, keine Freunde - nur schreiben - evtl. sogar woanders als sonst - abgeschieden.
Mein Tipp also: Kein Verständnis - sondern er muss es selber wollen. Er findet aber eben Ausreden.
Langfristig überholt der Fleißige immer das Talent.

Mod: Ausdrucksweise angepasst. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl.
 
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  • #11
Ich habe einen Onkel an den mich erinnere als ich noch Teenie war. Fast 40 und ewiger Student. Ein Vollpfosten wie er im Buche steht, Ehrlich. Der war m.M. nach schon blöd studiert. Kam sich vor wie der Messias, weil wir blödes Familienpack ja alle unstudiert und dumm waren. Arrogant bis zum erbrechen. Seine Frau, also mein Tantchen eine so liebe herzensgute Frau, war nicht studiert. Arbeitete immer sehr viel im Krankenhaus und hat den Spako ein Leben lang durch geschliffen. Der Sohn, also mein Cousin wurde dann auch so ein Spako wie der Vater. Ich konnte es nicht glauben. Studiert glaube ich heute noch. Beide Vater und Sohn waren immer Loser und werden immer Loser bleiben. Nicht weil sie ihr Studium nie beenden werden, sondern weil sie sich allein durch den Versuch des studierens für was besseres halten. Ich konnte die beiden noch nie riechen. Nur mein Tantchen hab ich geliebt. Sie war liebevoll, Ehrlich, Einfach natürlich und eine ganz besondere Seele. Ist leider nie von dem Onkel weggekommen. Warum auch immer. Ein schöner Moment war als der Onkel der meiner Mutter einmal sagte ihre Kinder( 4) wären alle dumm und würden es im gegensatz zu seinem Sohn und ihm, nie zu etwas bringen. ( Ja die Siebziger waren hart, Grins....) Dieser besagte Onkel irgendwann vor meinem Haus stand und versuchte mich anzupumpen. Wärend ich ihm zwanzig Minuten mit der übelsten Arroganz die ich vorher nicht an mir kannte, erklärte er solle sich zum Teufel scheren, dachte ich die ganze Zeit über an meine Mutter, die dass damals sehr getroffen hatte. Ich wünschte Sie hätte diesen Moment noch erleben dürfen.
Ich glaube solche Langzeitstudies werden nie aus dem Quark kommen liebe FS.
m46 ( der manchmal etwas ausschweifend wird )
 
  • #12
Auweia. So einen kenne ich auch. Als ich ihn kennenlernte, war er 33. Er erzählte mir eine glaubwürdige Geschichte, warum er noch studierte. Er hatte eine ganz einfache Berufsausbildung gemacht, um im Geschäft seiner Eltern mitarbeiten zu können, musste das aus steuerlichen Gründen übernehmen. Nebenbei studierte er was ganz anderes und verdiente auf selbständiger Basis seinen Lebensunterhalt. Und er hatte auch sonst große Pläne, viele Interessen. Und er hielt sich für besonders schlau.

Aber jedensmal, wenn es darum ging, das Studium abzuschließen, für Prüfungen zu lernen, kam irgendwas dazwischen, was für ihn mehr Priorität hatte.

Das Ende vom Lied: Nun, 12 Jahre später, hat er sein Studium immer noch nicht beendet, er redet auch nicht mehr davon, keinem seiner Träume ist er auch nur ein Stück näher gekommen. Er wurschtelt mit seiner Selbständigkeit herum und kommt unter dem Strich nicht auf wesentlich mehr als den Mindestlohn.

Meine - unakademische- Einschätzung : er ist einfach faul und hat kein Durchhaltevermögen, kann Wichtiges nicht von Unwichtigem trennen. Vielleicht auch psychische Probleme, Angst vor Erfolg.

Wie oben schon jemand schrieb: Intelligent ist das nicht.

Wer nach Süden fliegen will, steigt nicht in den Flieger nach Norden...

Mein Tip: Wenn du einen Partner willst, der immer Chaos verursacht und nichts auf die Reihe bekommt, was sich dann auch in alltäglichen Belangen zeigen wird, dann bleib bei ihm...

Wenn er selbst den Schuss nicht hört, kannst du es auch nicht für ihn richten.
 
  • #13
Mir ist auch nicht bekannt, dass man seine Abgabe der Arbeit so oft und so lange verschieben kann. Wo studiert er denn?
Wieso sind die Dozenten so weit weg? In D wäre er meines Erachtens nach längst exmatrikuliert.
Ich habe die Vermutung dass er in eine Depression abrutscht, weil er immer mehr davon redet sein Leben nicht in den Griff zu bekommen bzw. eh nichts zu können und sich immer weiter zurückzieht.
Hm, das klingt ja so. Ich hab gesehen, dass viele Menschen keine Fähigkeiten haben, eine Arbeit anfangen zu können. Aber dann muss man sich Hilfe holen, es gibt sogar im Netz Gleichgesinnte. Studieren ist das eine, aber eine eigenständige Abschlussarbeit zu schreiben, eine brauchbare Gliederung zu machen usw., das andere.
Vielleicht hat er auch Angst, weil nach der Beendigung des Bachelors ja die Frage ansteht, was er als nächstes tut, und für den Master hat er anscheinend nicht die nötigen Fähigkeiten oder Energien.
Andererseits würde er gerne eine Ausbildung beginnen
? Was für eine Ausbilung? Immerhin hätte er jetzt mit ein wenig Anstrengung die Möglichkeit, einen Abschluss zu kriegen (und wenn es mit ner fast vier ist), was soll dann die Zögerei, entweder ich lass das mit dem Abschluss und versuche, was neues zu starten, oder ich schmeiß hin und bemühe mich gleich um die Ausbildung. Ich versteh schon sein Problem mit dem Alter, aber das wird ja nun mit der Zeit nicht besser. Also irgendeinen Schritt müsste er für sich tun.
Mittlerweile redet er nur noch davon, nicht zu wissen was er machen will und garkeine Interessen mehr zu haben.
Ich würde ihm raten, sich Hilfe an der Uni zu holen, also bei der psychologischen Beratungsstelle. Ich hab zwar keine Ahnung, was ihm da geraten wird, aber ich denke, die haben viel Erfahrung mit seinem Problem. Allein scheint er ja nicht weiterzukommen.
Ich würde ihm so gerne helfen, ich weiß nur leider garnicht WIE und WAS überhaupt eine gute Lösung für ihn wäre.
Du kannst meines Erachtens auch nichts tun, außer ihm raten, zur Beratungsstelle zu gehen. Es ist ein Problem, das Dich nicht betrifft und bei dem Du keine Erfahrung hast. Also wäre Dein Schritt nur die Weiterleitung und Ermutigung zu einer richtigen Beratung.
 
  • #14
Wenn dein Freund mit 30 nicht mal den Bachelor hat, wird das nichts mehr mit der akademischen Laufbahn.
Den hat man heute, wenn man im G8-Gymnasium war, mit 21.
Ein Bachelor ist auch nicht gerade ein Sprungbrett für eine Karriere.
Ich würde diesen Anschluß so bewerten wie früher den Techniker, den man nach drei Jahren bekam.
Oder eben das Vordiplom, auch nach 2,5 bis 3 Jahren ( ok, das hinkt etwas, weil das ja kein eigenständiger Abschluß war. Also doch Techniker ).

Soweit ich weiß ( bei meiner Tochter ist das jedenfalls so ), muß man sich für einen Masterstudienplatz wieder bewerben und auch da geht es um die Noten, es gibt also den NC.
Bei ihr wird nur etwa jeder 10. Bachelor einen Masterstudienplatz bekommen. Zu den Noten mußte sie auch noch ein ganztägiges Testverfahren durchlaufen.
Das schafft dein Freud nie.

Heute weht ein anderer Wind als damals, als ich mein Diplom machte.
Die Anforderungen sind wesentlich höher, die Freiheiten des Studentenlebens vollkommen dahin. Rumgammeln wird nicht mehr verziehen. Nächtliches Feiern und nächstmorgenliches Schwänzen sind nicht mehr möglich.
Dein Freund wird unter diesen Umständen nie einen richtigen akademischen Abschluß schaffen und selbst wenn, ist er dann Mitte 30 und hat auf dem Arbeitsmarkt keine Chance.

Wie du damit umgehen willst, weiß ich nicht.
Für mich wäre so ein Partner nichts, Depressionen hier oder her.

w 49
 
  • #15
Naja, es gibt ja noch die Möglichkeit, dass er nicht unintelligent, faul, oder undiszipliniert ist, sondern einfach nur von Anfang an im falschen Fach studiert. Das hätte er viel eher im Studium lösen müssen, hat er aber aus Gründen, die wir hier nicht wissen, eben nicht gemacht. Bringt ja auch nichts, sich über "hätte, hätte, Fahrradkette" aufzuregen. Manchmal trifft man eben dumme Fehlentscheidungen im Leben, diese immer widerzukäuen hilft jetzt auch nicht weiter. Es hilft nach vorne zu gucken, es muss immer irgendwie weitergehen. Und das ist es, was deinem Freund klargemacht werden muss.
Ich kenne das selber, dass man ein Fach studiert, was einen zwar am ehesten interessiert, was aber trotzdem nicht das Gelbe vom Ei ist. Man hat es angefangen, weil man sein Abi nicht umsonst gemacht haben will, weil man meint, dass das soziale Umfeld es von einem erwartet, und man diese Erwartungen zu seinen eigenen Ansprüchen erhebt, und die Selbstachtung in den Keller rutschen würde, wenn man das jetzt nicht durchzieht (und tausende Gründe mehr). Und irgendwann kommt man dann in eine Situation, die einem wirklich richtig schwer fällt, wo man eine Menge Motivation braucht, um sich durch die schwere Zeit durchzubeißen, und ohne Ziel fehlt ihm halt einfach der Biss. Manche Menschen landen dann in so einer Spirale, und verpassen den Punkt, wo sie hätten aussteigen sollen. Das ist bei deinem Freund wahrscheinlich schon vor Jahren gewesen.

Übrigens gibt es nicht wenige Leute, die ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen und dann erst anfangen zu studieren, ich war mit 30 auch noch Studentin, habe aber immer mein Geld voll selbst verdient. Da dauert so ein Studium eben länger als bei den ganzen Leuten, die einen geraderen Weg haben. Ich sage mir immer, besser spät, als nie, und ich muss sagen, meine Arbeitgeber fanden meinen Weg eigentlich immer toll. Ich hatte niemals Nachteile dadurch. Deswegen ist die pauschale Verurteilung wegen des Alters meiner Ansicht nach ziemlich gemein, wenn man die Umstände nicht kennt.
10 Jahre finde ich allerdings auch ziemlich krass, und ich denke auch, wenn er noch länger wartet, hat sich das Problem von universitärer Seite eh bald von selbst erledigt.
Dann kann er ja mal gucken, wie das Leben als Pizzabäcker so ist. Oder Taxifahrer. Oder vielleicht in der Eisengießerei als Zeitarbeiter?
 
  • #16
Lass ihn seinen eigenen Weg einschlagen. Lass ihn notfalls abrutschen. Lass ihn Depressionen bekommen. Lass ihn vor allem sich selbst aufbauen und sein Leben ordnen.

Ich habe schulisch auch sehr lange gebraucht, von allen Seiten wurden dann bessere "Empfehlungen" gemacht. Ich habe mich dann dem doch gefügt und war einige Jahre später totunglücklich, weil ich auf andere gehört habe. Wegen anderen habe ich dann sogar in einem 400 Euro Job gearbeitet und bin dort erst recht jahrelang hängen geblieben.

Andere Leute drängen einem nur ihre eigenen Pläne auf, die eigentlich nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen.

Wenn du dir das nicht angucken kannst, dann hast du das Recht, dich zu trennen nur bitte mach eins nicht: Ihm helfen, wo er sich nicht helfen lassen will.

Wo ist denn sein Problem mit dem Lernen? Schau, wo du ihm bei seiner Disziplin helfen kannst, damit er vorran kommt in seinen Wünschen.
 
  • #17
Sorry, aber viele Eltern erziehen ihre Kinder zur absoluten Unfähigkeit, ihnen wird alles abgenommen, Mama macht dies, Papa macht jenes. Ist der Sprössling zu schlecht in der Schule liegt es grundsätzlich daran, dass Lehrer unfähig sind. Von klein auf wird den Kindern vermittelt, dass sie nichts müssen, was sie nicht wollen. Sie lernen nicht, etwas durchzuziehen, sondern gehen immer den Weg des geringeren Widerstandes in dem festen Glauben, dass das Geld sich auf dem Konto von alleine vermehrt. Sie müssen nicht sparen für etwas, das sie haben wollen, regelmäßig neues Handy, Markenklamotten, schlafen bis in die Puppen, feiern bis zum abwinken... Irgendjemand wird sich schon kümmern. Sie lernen überhaupt nicht, was es heißt, etwas erreichen zu wollen und dafür auch Opfer zu bringen. Die eine Sorte Eltern interessiert sich überhaupt nicht für ihre Kinder und demotiviert sie damit, die andere Sorte lobt sie ständig für irgendeinen Mist, für laue Ergebnisse und merkt gar nicht, dass denen damit kein Gefallen getan wird. Sieht man im Beruf tagtäglich, Viele denken null mit, sind stinkfaul, halten sich aber für die Allergrößten und versuchen immer, mit minimalsten Aufwand das Maximale zu bekommen. Sie sind null belastbar, null kritikfähig, statt an sich zu arbeiten zicken die rum und feiern krank wenn ihnen was nicht passt. Übrigens ist diese Mentalität auch das ist der Grund, warum viele junge Frauen alte Männer als Partner aussuchen, weil sie ihre teuren Täschchenen und Schühchen, durchgestylte Wohnungen usw. jetzt sofort haben wollen statt sich diese selbst zu erarbeiten. Es wird bei den Eltern geschnorrt, riesen Schulden werden gemacht, einfach unfassbar. Viele wollen schnelles Geld ohne was dafür zu leisten deshalb sind diese unsägliche Casting-Shows auch erfolgreich. Lieber machen die sich zum Depp, Hauptsache, nicht Verantwortung tragen, keine Verpflichtungen. Sieht man auch an den Beziehungen.
Der Freund ist nicht depressiv, er hat schlichtweg nie gelernt, sich dahinter zu klemmen und das Ding durchzuziehen.
Selbstverständlich sind nicht alle so, aber meiner Meinung nach gehört der Freund der FS in diese Kategorie. Ist aber nur meine Meinung.
 
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  • #18
Moin,


evtl. hilft dir mein Erfahrungsbericht als jemand der selbiges erlebt hat.


Nach Abi und Ausbildung habe ich mit einem Ing-Studium angefangen.


Bis dahin war mir immer alles zugeflogen, musste mich nie anstrengen. Im Studium merkte ich aber es klappt nicht mehr und ich muss viel lernen. Ich wollte zwar lernen, aber schaffte es nur sporadisch. Je mehr ich wollte, desto mehr war ich angestrengt. Teilweise lag ich Tage im Bett ohne auch nur irgendetwas zu machen, war aber total ausgepowert. Schlussendlich habe ich dann nach 4 Jahren aufgehört. Konnte aber Dank der Ausbildung schnell wieder arbeiten.


Zwar waren mir meine Probleme aufgefallen, ich hatte aber immer die Gedanken, nächstes Semester machst du es besser. Des Weiteren möchte man sich selbst auch nicht eingestehen, dass man es nicht schafft.


Ich habe dann eine Untersuchung machen lassen und dabei wurde festgestellt, dass ich eine Form von Asperger habe. Vereinfacht ist es so, dass mein Gehirn ständig Reizen ausgesetzt und diese nicht, wie bei "normalen" Personen aussortieren kann. Ich brauchte einerseits die Energie mich darauf zu konzentrieren zu lernen und anderseits die Energie mich mit dem schwierigen Stoff auseinanderzusetzen. Dies weiß ich nun, kann ich nur eingeschränkt.


Worauf ich hinaus will. Es könnte sein, dass dein Freund nicht einfach nur „faul“ ist, sondern noch etwas anders dahintersteckt.


Meine Ratschläge für Ihn wären daher:


-evtl. krankschreiben lassen

-eine Person engagieren die ihm Struktur gibt und bei der Bachelor-Arbeit hilft.

-einen Ghostwriter beauftragen (kommt gar nicht so selten vor, wie man denkt)

-sich professionelle Hilfe holen


Meine Ratschläge für dich wären:


-zeig Verständnis, für mich war es sehr belastend, wenn man mir nachgesagt hat, dass ich faul wäre. Zumal einige aus der vermeintlichen Faulheit auch noch Dummheit folgern.


-organisiere ihm die Hilfe. Mir hätte es damals sehr geholfen, wenn mir jemand die Termine organisiert hätte.


-such auch dir Hilfe. Auch Helfer brauchen Hilfe.


-bewerte deine Beziehung als Ganzes. Passt sonst alles? Könnest du dir auch vorstellen mit ihm zusammen zu sein, wenn er so bleibt. Meine Frau (Ich manchmal auch) z.B. hat heute noch Probleme es zu akzeptieren, dass ich einige Dinge gerne tun möchte, es aber einfach nicht kann.

m32
 
  • #19
Meine Nichte (28) tut sich wahnsinnig schwer mit ihrem Studium und versemmelt zahllose Prüfungen. Sie ist weder dumm noch faul.

Sie war bei einem Psychiater, der ihr alles mögliche sagte, unter anderem, dass es auch bei jungen Erwachsenen so etwas wie ADHS gäbe, und er verschrieb ihr Ritalin. Sie sagt, seit sie das nehme, könne sie sich hinsetzen und ein paar Stunden am Stück fürs Studium arbeiten, was ihr vorher nicht möglich war.

So spät das Studium abbrechen wäre wirklich unsinnig. Wobei dieses mit dem Bachelor ja noch längst nicht fertig ist. Ich hoffe, er arbeitet nebenher.

Frau 50
 
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  • #20
Ja, ich wollte das mit der Vermutung auf Asperger (also hochfunktoneller Autismus) auch schreiben, aber dachte, ich würde zensiert werden.

Mein Beispiel mit dem Date, der mit 30 Jahren obwohl brilliant auch vergammelte, aber doch die Kurve kriegte an der Uni (einigermaßen) ist auch ein Asperger-Mann. Jetzt hat er sich aber in eine ungeplante Schwangerschaft reingeritten, weil er eben nicht vorausplanen kann.

Es ist nun so, wie Jan sagte, die Reizüberflutung aber auch Perfektionismus lassen einen Asperger erlähmen. Tatsächlich kann aber auch eine Unfähigkeit dahinter stecken größere Zusammenhänge zu begreifen - Asperger sind brilliant im Detaildenken aber das bilaterate Denken (so heißt es glaube ich) kann ihnen Probleme bereiten.

Wenn ich die FS wäre, würde ich in dieser Richtung schauen - leider ist unsere Gesellschaft immer noch nicht wirklich auf dem neuesten Stand was Autisten/ Asperger ausmacht und wie man diesen oft hochintelligenten Leuten hilft.
 
  • #21
Was mir noch vollkommen unklar ist welche negative Auswirkung die Threadstellerin jetzt davon für sich ableitet?

Nicht repräsentativ genug, möchte schnellstmöglich in die Kinderpause entschwinden was ohne ein gutes Einkommen des Männchens nicht funktioniert... ?

Ich kenne persönlich drei Dauerstudenten. Der 1. hat dann mit Mitte 30 eine Ausbildung angefangen. Kandidat 2 34 Jahre jung diskutiert jetzt seit gut 4 Jahren mit diversen Unis herum wo er seine Doktorarbeit schreiben soll (hat 1 Diplom und 2 Master) arbeiten will er aber nicht ohne Dr. Der 3. studiert seit er 19 ist und feiert dieses Jahr seinen 65 der weiß genau wo er was vom Staat bekommt.
 
  • #22
Es stimmt nicht, dass man nach soundsovielen Versuchen automatisch exmatrikuliert wird. An meiner Hochschule, einer ganz normalen staatlichen deutschen Uni, kann man jede Prüfung und auch die BA-Arbeit beliebig oft wiederholen.

Ich kenne das Problem mit dem Prokrastinieren und dem Endlos-Studium nur zu gut. Meinen Bachelor habe ich noch problemlos in der Regelstudienzeit mit einer guten Abschlussnote geschafft. Ich galt als Vorzeige-Studentin, habe ein Stipendium erhalten, bekam einen Hiwi-Job förmlich aufgedrängt. Jetzt im Master habe ich zwar alle erforderlichen Kurse gemacht, quäle mich aber seit Jahren mit den letzten Hausarbeiten herum, die vor der Masterarbeit noch zu schreiben sind.

Ich denke, dieser "Absturz" hat zum einen mit Depressionen und einer inneren Verweigerungshaltung zu tun ("kein Bock zu funktionieren, wenn im Privatleben alles schief läuft", Ablehnung der früher überstrapazierten Rolle der "Musterschülerin", generelles Gefühl der Sinnlosigkeit), aber auch viel mit der Struktur des Studiums. Mein Bachelorstudiengang war extrem verschult. Es war genau festgelegt, was man wann macht; Wahlfreiheit gab es praktisch nicht. Um in den konsekutiven Master zu kommen, musste die BA-Arbeit in einem Zeitfenster von 6 Wochen nach dem letzten Pflichtpraktikum fertiggestellt werden. Das haben auch fast alle geschafft.

Wen wundert's? Das Zauberwort lautet hier wohl: soziale Kontrolle. Nun sitze ich in einem Masterstudiengang, der viel freier strukturiert ist und bin mit dieser Freiheit heillos überfordert.

Ich denke, dein Freund ist keineswegs zu doof. Bei den meisten, die ewig nicht zu Potte kommen, hapert es an Motivation, der Fähigkeit zur Selbstorganisation und z.T. vielleicht auch an den Techniken des wissenschaftlichen Schreibens. Es gibt Studiengänge, da sind die wirklich erst bei der Abschlussarbeit gefragt.

Beratungsstellen, Schreibgruppen etc. können hier sicher gute Hilfe leisten.

Es können aber eben auch tiefere Ursachen hinter so einer Blockade stecken. Wenn dein Freund z.B. Angst vorm Erwachsenwerden hat, helfen alle Zeitmanagement-Tipps und Schreibkurse wenig, weil er unterbewusst gar nicht fertig werden WILL. Insofern würde ich ihm auch nahelegen, sich psychologischen Beistand zu suchen. Es muss nicht gleich eine "richtige" Therapie sein. An den meisten Unis gibt es psychologische Beratungsstellen, wo in harmlosen Fällen direkt geholfen werden kann. Bei Anzeichen von z.B. klinischer Depression wird man allerdings weiterverwiesen.

Du solltest aber auch dich selbst nicht aus den Augen verlieren. Wenn er dich zu sehr runterzieht, musst und darfst du dich schützen - notfalls durch Trennung. Verliere v.a. deine Pläne nicht aus den Augen. Wie alt bist du, willst du Familie? Das wird mit ihm wohl in absehbarer Zeit nicht drin sein. Selbst wenn er sein Studium demnächst irgendwie schaffen sollte, wird ihm vermutlich noch auf Jahre die nötige Reife fehlen.
 
  • #23
Um der Sache mal durch etwas Focussierung auf die Sprünge zu
Helfen,die Zauberfragen:
1 Angenommen, der große Lottogewinn kommt rein,würde er eine andere Ausbildung beginnen? Oder zB gar nicht arbeiten, sondern statt dessen reisen.?Welcher innere Freiraum erschließt sich,wenn
Keine materielle Not da ist
2. Er wacht morgens auf und sein Leben ist so, wie er es sich je geträumt hat, er kann mit Freude alles tun oder lassen, Menschen begegnen,kreativ sein,im Büro Sitzen in der Natur sein was auch immer......was wäre denn SEIN traumhaftes Leben in dem sich seine
Sehnsüchte und Fähigkeiten ausdrücken? Alle Einfälle notieren!

Letzte Frage,später dann zu stellen:
3. angenommen ,es gibt nur noch 6 Monate Lebenszeit zur Verfügung, was wäre dann wirklich WICHTIG?
Fragen, die für jeden manchmal ganz nützlich sind.....W
 
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  • #24
Nichts gegen ein Faulenzer-Semester oder ein wenig Prokrastination hier und da, aber nach meiner persönlichen Erfahrung sind Menschen, die ihre berufliche Entwicklung in derart extremer Weise schleifen lassen, für mich nicht als Partner geeignet, weil sie diese Mentalität des laissez-faire in der Regel auch auf andere Lebensbereiche ausweiten.

Ich hatte einen solchen Partner, der auch nicht dumm war, sondern faul. Der zeitlebens nichts aus seinen Talenten gemacht hat. Ein paar Jahre war ich noch der Antrieb in unserer Beziehung, aber irgendwann konnte auch ich ihn in keiner Weise mehr mitziehen, weder beruflich, noch privat oder was die Qualität unserer Partnerschaft anging.

Falls zwei aufeinander treffen, die eine ähnliche Lebenshaltung haben, kann das sicherlich eine gute Ausgangslage sein. Man macht sich gegenseitig einfach keinen Druck und hat eine entspannte Erwartungshaltung.
Sobald aber einer aktiver und engagierter tickt als der andere, wird es früher oder später zu einem immer störenderen Ungleichgewicht kommen. Einer fühlt sich ständig unter Druck und abgehängt, während der andere irgendwann keine Lust mehr hat, ständig den Motor zu spielen.
 
  • #25
Also um mal kurz ein paar Fragen zu beantworten:
- er kann seinen Bachelor so oft wiederholen wie er will

- ich studiere selbst auch, kann ihm aber einfach in seinem Fach nicht weiterhelfen. Vorallem weil er seine BA auf Englisch schreibt.

- er hat keine Prüfungen mehr zu bestehen, er hätte sogar einen sehr guten Schnitt im 1,.. Bereich. Es ist ihm tatsächlich einfach unmöglich die BA zu verfassen. Was sicherlich auch daran liegt, dass er längst das Interesse am Fach verloren hat und in der Branche garnicht mehr arbeiten will. Sondern nur noch den Abschluss damit er mit 29 nicht da steht und bei Null anfängt.

- Und zu guter letzt: mir kommt es tatsächlich überhaup nicht in den Sinn mich von ihm zu trennen. Mir geht es einzig und allein darum WIE ich ihm helfen kann. Aber es ist natürlich sehr einfach jemand als Versager abzustempeln und zu verlassen.

Großen Dank an alle die mir mit ihren Tipps und Ratschlägen weitergeholfen haben!
 
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  • #26
Also wenn er nicht mehr will, weil ihn das Thema nicht interessiert und er in dem Beruf nicht mehr arbeiten will, ist das blöd. Dann kann er sich ja auch nicht mehr mit der Vernunft ransetzen, dass er was davon hat. Aber es gibt schon noch eine Interpretation eines solchen Abschlusses, der nicht mit dem Fach zu tun hat. Man zeigt Leuten, die sowas als Anzeichen brauchen, dass man geistig arbeiten kann und in der Lage ist, seine Erkenntnisse in ein eigenes Schriftstück zu fassen. Ebenso wie es Leuten, die den Doktor gemacht haben, unterstellt wird, dass sie Sitzfleisch und einen hohen Grad an Überwindung haben, weil fast alle sagen, dass ihnen das Thema total zum Halse raushing am Ende, und sie es aber doch beendigt haben. Also es sind schon noch andere Dinge, die man hineininterpretiert in einen Hochschulabschluss, ob sie nun stimmen oder nicht. Insofern hätte er zumindest das als Pluspunkt.

Was mir geholfen hat bei der Diplomarbeit war, obwohl ich mich sowieso drauf gefreut hatte und gerne schreibe, dass ich anderer Leute Arbeiten angesehen habe. Ich hatte auch ein Buch, das ich schön gestaltet fand, weswegen ich mir auch große Mühe mit der Form gegeben habe. Aber ich wollte die Arbeit ja schreiben und das Thema war toll. Also vielleicht hilft es ihm, wenn er sich andere Arbeiten ansieht, sich mit Literatur beschäftigt, wie man sowas schreibt. An unserer Uni gab es sogar einen Kurs dafür.

Aber der Hauptpunkt scheint mir die fehlende Motivation. Es gibt aber z.B. Jobs, die kriegt man nur mit Hochschulabschluss, auch, wenn der artfremd ist. Vielleicht müsst ihr euch damit mal befassen, was der Abschluss als solcher für eine Bedeutung hat.
 
  • #27
Ich würde auch dringend raten, dass er zur Psychologischen Beratungsstelle einer Uni geht. Die kennen sich mit diesem Problem bestens aus und sagen ihm, wo er sich ggf. längerfristige Hilfe holen kann. Wichtig ist, dass er sich wirklich auch helfen lassen will! Die gerne genommene Ausrede ist ja da auch immer "Die konnten mir nicht helfen." Wenn man sich jedoch helfen lassen will, dann wird einem auch geholfen!
Daher: Von einer weitergehenden Psychotherapie könnte er in seiner Situation nur profitieren. Er befindet sich in einer kritischen Phase im Leben, in der noch einmal grundsätzlich überlegt werden muss, wie es weitergehen soll, wie er weitermachen will. Das geht ganz Vielen an diesem Punkt im Leben so und ist keine Schande.
Das wird natürlich nicht von heute auf morgen zu lösen sein, sondern wird ein längerer Prozess. Da er, wie es sich anhört, bereits in die Depression rutscht, sowieso.
Er muss mit professioneller Unterstützung herausfinden, was SEIN Weg ist. Und wenn er sich notfalls die Bachelorarbeit von einem Ghostwriter schreiben lässt (das kostet natürlich Geld), damit er den Abschluss hat, für sein Seelenheil, und dann etwas ganz anderes beginnt.
Du kannst ihn nur unterstützen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Du alleine wirst sein Problem nicht lösen können.

w51
 
  • #28
Na, FS, liest du etwas, was du nicht lesen wolltest? ;)

DU KANNST IHM NICHT HELFEN!!!

Seine Eltern hätten das bereits in seiner Kindheit tun müssen, indem sie ihm beibringen mussten, SELBSTÄNDIG und EIGENVERANTWORTLICH zu handeln. Das haben sie gründlich vergeigt und er offenbar nicht gelernt, eine pädagogische Meisterleistung von sogenannten Über-Eltern! Versager hin oder her, so hat ihn hier auch niemand bezeichnet.

Wenn du Ersatzmutti spielen willst, bitte. Es wird dich nur nicht glücklich machen und ihn auch nicht weiterbringen. Aber warum stellst du dann überhaupt so eine Frage, wenn du eh dein eigenes Ding machst? *kopfschüttel*

Du hast übrigens schon ein Kind... Ihn. Denn er scheint völlig lebensunfähig zu sein, wenn er auf sich gestellt ist, kommt einem Kind zumindest ungefähr gleich. Dein Wunsch nach Familiengründung wurde also schon erfüllt, nur hast du dafür eben keinen Partner (auf Augenhöhe!). Das beides wird es mit diesem Jungen auch nicht geben.
Überlegs dir:
- Trennung und Familiengründung
- Bei ihm bleiben und Mutti spielen
 
  • #29
Meine Freundin, die ich im Studium kennengelernt habe, war eine super-intelligente und engagierte Studentin der Sozialphilosophie. Aber wenn es um Prüfungen ging, hat sie die wegen ihrer Prüfungsangst eher mäßig geschafft. 3 Tage vor Abgabe einer entscheidenden Hausarbeit von ca. 30 Seiten kam sie zu mir und teilte mir mit, sie wolle das Studium schmeißen. Sie habe noch keine einzige Zeile zu Papier gebracht.

Ich hatte zwar ein anderes Studienfach und von ihrem Thema keine Ahnung, kann aber ganz gut schreiben. Also haben wir uns 3 Tage in ihrer Kemenate eingeschlossen (Ein-Zimmer-Wohnung, Tütensuppen, ca. 4 Stunden Schlaf pro Nacht). Ich habe mich vor ihren PC gesetzt und sie gecoacht, d.h. Fragen gestellt und alles zu Papier gebracht. Sie hatte viele Bücher zu dem Thema gelesen, sogar mehr als nötig, war aber nicht dazu in der Lage, ihre These auf Papier zu bringen. Sie konnte alle Fragen beantworten und in ihrem Kopf war im Grunde genommen alles fertig. Ich brauchte "nur" zu strukturieren, alles zu Papier zu bringen und habe während der 3 Tage sehr viel über ihr Thema gelernt. Die Hausarbeit haben wir dann 5 Minuten, bevor der Fristbriefkasten an der Uni schloss, eingeworfen, uns einen Schnaps genehmigt und einen ganzen Tag lang durchgeschlafen. Die Hausarbeit hat sie dann mit einer 2-3 bestanden und auch ihr Studium beendet. Es war klar, dass ich ihr den Allerwertesten gerettet hatte. Hinterher haben wir noch oft an dieses Erlebnis zurückgedacht.

Vielleicht ist Dein Freund auch so einer? Ich weiß nicht, was man da machen soll. Ist aber nicht Deine Baustelle. Er sollte sich auf jeden Fall Unterstützung suchen, in welcher Form auch immer. Ob Du diesen Weg mit ihm gehen willst, musst Du selber wissen...
 
  • #30
Ich würde ihm so gerne helfen, ich weiß nur leider garnicht WIE und WAS überhaupt eine gute Lösung für ihn wäre.
Ich kann verstehen, dass du ihm gerne helfen möchtest. Es ist nicht leicht zu ertragen, mitzuerleben, dass es dem eigenen Partner schlecht geht und er sich hilflos fühlt. Es sagt sich von außen leicht "Verlass ihn, der kriegt nix auf die Reihe, was willst du mit so einem etc.". Wenn man selbst Teil des Systems ist, sieht das schon ganz anders aus.
Dennoch halte ich nüchtern fest: Dein Freund ist Ende 20, er studiert seit vielen Jahren und hat auch nach wiederholten Versuchen sein Studium noch nicht beendet. Er ist erwachsen! Einen - mündigen - Erwachsenen kann man ganz schlecht an die Hand nehmen und "helfen", indem man ihm sagt, tu dies, tu das, DAS wäre das Beste für dich, ich mach dir hier und dort mal einen Termin aus, und da gehst du dann hin. So was kann man als Mutti/Vati mit seinem - noch nicht erwachsenen - Kind machen (-und selbst da stellt sich mir die Frage, ob das in jedem Fall ein guter Weg wäre...). Aber als Partnerin? Nur, wenn du zu deinem Freund ein Mutti-Kind-Verhältnis haben willst.
Es liegt in seiner Verantwortung, sich Unterstützung zu suchen! Wenn du den Eindruck hast, er schafft das aktuell nicht alleine, kannst du ja Kontakt zu Beratungsstellen, Psychologen etc. aufnehmen und die Problematik dort mal schildern (-wobei ich selbst das schon grenzwertig finde, hätte ja auch was Übergriffiges) oder sogar einen Termin für ihn ausmachen und mit ihm hingehen. (Da wäre es dann halt, das Mutti-Kind-Verhältnis.) Nur letztendlich steht trotzdem das Sprichwort im Raum: Man kann einen Esel zum Wasser führen, trinken muss er schon selbst.
Alles Gute.