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Gast

  • #1

Mann mit starken Emotionen - oder einfach nur schlechte Kinderstube?

Mein letztes Date beklagte sich darüber, dass seine Exfrau wenig Emotionen gezeigt hätte. Er erläuterte es: Im Film "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?"seien starke Emotionen. L. Taylor / R. Burton spielen ein Ehepaar, welches sich auf einer Party anfänglich gegenseitig kritisiert und später - mit steigendem Alkoholpegel - auf das Übelste beschimpft. Im Film geht es weit unter die Gürtellinie, was besonders gut funktioniert, da ja beide die empfindlichen Stellen des anderen nach langer Ehe gut kennen. Unter starken Emotionen in einer Partnerschaft stelle ich mir etwas ganz anderes vor. Ich habe da eine ziemlich eindeutige Meinung: ganz schlechte Kindestube / übelste Streitkultur! Oder was glaubt Ihr, was das für ein Typ Mann das ist, der solche "starken Emotionen" vermisst?
 
  • #2
Den Film kenne ich nicht, aber das Theaterstück mit Hannelore Hoger in der Hauptrolle. Erstaunlich, dass dein Datepartner diese Art der Zerfleischung als wünschenswert ansieht.

Wenn mein Partner mich in ähnlicher Weise angehen würde, würde ich auch durch relative Emotionslosigkeit auffallen.

Und dann würde ich ganz, ganz schnell meine Koffer packen!
 
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Gast

  • #3
So ein Quatsch - dieser Mann wünscht sich doch nicht, dass die Partnerin ihn beschimpft, er meint doch vielmehr, dass es ihm total wichtig ist, dass Emotionen ausgedrückt, verbalisiert, kommuniziert werden. Er scheint ein Mann zu sein, dem es 1000mal lieber ist, wenn eine Frau ihm ihre Meinung knallhart um die Ohren haut, als eine Frau, die wie ein Mäuschen still und leise alles in sich reinschluckt. Dieser Mann will Reibung in der Beziehung, Auseinandersetzung und Impulsivität. Also ich finde so einen Mann richtig klasse! Beziehungen gehen doch deshalb auseinander, weil zu wenig kommuniziert wird, weil die Partner nicht authentisch sind, weil sie oft lieber "schlucken" als mal den Mund aufzumachen und ihre Bedürfnisse auszudrücken. Der Film "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" spiegelt nichts anderes als das, dass Partner nach vielen Jahren im Suff sich beschuldigen in Bezug auf Dinge, die sie über all die Ehejahre nicht kommuniziert haben. Weiter machen die im Film den anderen für ihr Glück bzw. Unglück verantwortlich, das kommt da rüber und natürlich kann sowas nur emotional rüberkommen (in Verbindung mit Alkohol sowieso). Was grundsätzlich aus dem Film gelernt werden kann: Jeder ist für sich selbst verantwortlich, jeder ist seines Glückes Schmied und jeder hat doch die Chance, sich authentisch zu leben, vorausgesetzt er kommuniziert dem Partner gegenüber seine Ansprüche und dackelt nicht nur dem Partner hinterher um danach diesen dann schuldig zu sprechen. Okay, also Dein Date ist ein Mann, der sich vor keiner Auseinandersetzung scheut und das ist absolut positiv! w/46
 
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Gast

  • #4
Mich würde bei so einem Mann das nackte Grauen packen.
Ich habe vor Jahren auch mal jemanden kennengelernt, der eine "Kampfbeziehung" suchte, wie er es selbst ausdrückte. Ich habe schnell die Flucht ergriffen, das ist nichts für mich.
Ich möchte Harmonie und Geborgenheit, keine Reibung in der Partnerschaft, jedenfalls nicht mehr, als unbedingt sein muss. Ich habe kein Bedürfnis, jemandem meine "Meinung knallhart um die Ohren" zu hauen, wie #2 schreibt. Das Leben ist hart genug ...
 
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Gast

  • #5
Ich glaube, es gibt viele Menschen, die in einer Beziehung immer um irgendetwas kämpfen müssen und das dann, meiner Meinung nach, fälschlicher Weise als Liebe bezeichnen. Sonst fühlen sie sich nicht geliebt und unwert. Bekommen sie von ihrem Partner, Wärme, Geborgenheit, ein Geben, was sich eben aus der Wertschätzung in einer Beziehung ergeben sollte, rennen sie weg, weil sie es nicht annehmen können. Reibung finde ich auch wichtig, nicht Stress, oder den Partner verbiegen wollen, sich selbst aber auch nicht. Nur Harmonie ist auch nicht gut. Ein ausgeglichenes Geben und Nehmen und dann klappt das schon. Die Fähigkeit zu bitten und seine Wünsche zu artikulieren, ohne zu Erwarten, dass sie erfüllt werden...Kommunikation!!! Emphatie!
 
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Gast

  • #6
Da tippe ich auf Prolo-was will der eigentlich mit der Aussage bezwecken? Mit Emotionen meint der Herr wohl was ganz anderes.Aus der Frage werde ich nicht schlau. Wie alt bist Du??
w/57
 
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Gast

  • #7
Es gibt ganz viele Männer die auf hysterische, völlig durchgeknallte Frauen vom Borderline-Typus stehen. - Kultivierte, beherrschte Frauen finden sie "kalt". - Bei den Freaks können sie sich so schön überlegen fühlen, wenn die total abdrehen. Das passt in das Frauenbild vieler Männer. -

Kultiviert und kopfgesteuert, das darf nur ein Mann sein, eine Frau mit dengleichen Eigenschaften gilt als berechnend, kühl, unangenehm kopfgesteuert.

Hab ich schon sehr oft von Männern gehört.
 
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Gast

  • #8
Es muss, darf alles Platz haben in einer echten Beziehung, solange die Liebe da ist findet "Mann/Frau" immer einen Weg. Nur Hamonie ist nicht die Wirklichkeit. Auch die Frau darf ihre und kann in einer echten Beziehung ihre Bedürfnisse äussern. Die Frage ist doch, sind beide reif genug kritikfähig mit Konfliktsituationen umzugehen.
 
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Gast

  • #9
@5 von FS: bin 52 Jahre alt

Bin also Trennungs- und Scheidungserfahren, aber in zivilisierter Form. Und ich lege nicht den geringsten Wert auf einen Mann, der Reibung und Auseinandersetzung sucht. Wenn Gesprächsbedarf besteht, dann bitte frühzeitig, höflich und zu passender Stunde. Ich fand den Typen unmöglich - und habe mich schleunigst verabschiedet mit den Hinweis, dass ich mich bei solcher Art der "Konfliktbewältigung" umdrehen und den Raum verlassen würde - für immer. So etwas bitte nicht in meinem Leben (ich liebe Dramen, aber nur auf der Bühne von Schauspielhaus oder Oper, nicht im richtigen Leben). Das ganze war mir so fremd, dass ich hier mal fragen musste, wie andere das statement des Mannes bewerten.

Was mich wundert: hier wird entweder "kühle Frau = emotionsarm" oder "emotionale Frau = borderline bzw. durchgeknallt" typisiert. Vielleicht war seine Exfrau warmherzig, gern auch gefühlvoll ist und im Streitfall einfach höflich geblieben? Bloss weil man eine wenig aggressive Gesprächskultur pflegt, muss man doch nicht gefühlsarm sein.
 
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Gast

  • #10
@2 von FS:
Dein Statement (der Mann will, dass die Partnerin überhaupt Gefühle äußert) war auch meine anfängliche Vermutung. Aber: auf meine Nachfrage stellte er diesen Film als einziges Bespiel in den Raum. Das fand ich so absurd. Zumal er auf mich so emotionsarm wie eine Registrierkasse wirkte.