• #1

Mann mit Asperger Syndrom. Wie jetzt damit umgehen?

Hallo Forumsgemeinde,

ich möchte euch um Rat fragen und bin euch dankbar für das Teilen eurer Erfahrungen mit mir. Ich habe vor 16 Wochen einen Mann kennengelernt, er ist super lieb zu mir, bemüht sich um eine Beziehung. Wie ich mitbekommen habe, leidet er an Autismus, einer schlimmen Krankheit. Bisher ist die anbahnende Beziehung perfekt, aber was sind eure Erfahrungen, ratet ihr mir dazu mit ihm eine Beziehung zu führen oder ist es nicht sinnvoll.
 
  • #2
Selbstverständlich hat jeder das Recht seine eigene Meinung und Entscheidung zu treffen, ich von mir aus würde eine solche Beziehung niemals eingehen, da ich weiß was alles dahinter steckt und alles sein könnte, auf dieses Risiko lasse ich mich nicht ein! Ich bin gesund und möchte einen Partner in meiner Beziehung, der ebenso von vornherein auch gesund ist!
 
  • #3
Da ist vermutlich kaum eine pauschale Antwort möglich - gestörte soziale Interaktion und stereotype Verhaltensmuster auf der einen Seite, überragende Inselbegabungen auf der anderen Seite. Man sieht es ja öffentlichkeitswirksam bei Greta.
Wie alt seid ihr? Ist eine Familie noch im Bereich der (geplanten?) Möglichkeiten? Wie wäre es, dich mit einem Fachmann zu Deiner Frage zu unterhalten?
Rein grundsätzlich würde ich persönlich Partnerinnen mit psychischen Krankheiten ausschließen.
 
  • #4
Liebe Missuperior,

Sie koennen mit einem Asperger nur gluecklich werden, wenn Sie ihn wirklich lieben, denn A. sind sehr schwierige Menschen. Auch hier gibt es leichtere und schwerere Formen, vor allem wenn noch ADHS dazukommt.

Mein juengerer Sohn ist ein Asperger. Heute ist er 53 Jahre alt und sehr erfolgreich im Beruf. A. sind intelligent und haben meistens irgendeine besondere Faehigkeit. Ihr handicap ist die fuer uns unverstaendliche andere Sichtweise auf Menschen und Ereignisse und die Unfaehigkeit, sich in andere Menschen einzufuehlen. Deshalb wird das A. Syndrom auch nicht als Krankheit, sondern als Wahrnehmungsstoerung bezeichnet. Diese Stoerung ist noch nicht lange bekannt, so dass mein Sohn in den 70er Jahren noch als schwer erziehbar eingestuft wurde. Heute weiss man Bescheid. A.-Kinder bekommen in der (normalen) Schule einen Begleiter, der sie kennt und unterstuetzt. Viele koennen dadurch einen normalen Berufsabschluss machen und auch studieren.

Als Lebensgefahertin eines A. braucht man viel Geduld und muss so manche Kroete schlucken. Das wird aber durch Treue und Aufrichtigkeit belohnt. Asperger sind nicht in der Lage zu luegen, wahrscheinlich, weil sie dazu nicht raffiniert genug sind. Sie werden erleben, dass Ihr Freund Familienfeste nicht mag oder sich dort merkwuerdig benimmt. Die Freundin meines Sohnes laesst ihn einfach so sein wie er ist und kuemmert sich nicht darum, was andere sagen, und das seit 20 Jahren.

Probieren Sie es weiter mit Ihrem Freund, ob Sie mit den Wahrnehmungsstoerungen leben koennen, die bei ihm vielleicht sehr leicht sind. Menschlich enttaeuschen wird er Sie nicht.
 
  • #5
Nach nur 16 Wochen tolle "Anbahnung" und einer Diagnose kann mE nicht viel geraten werden. Ich würde schauen, wie es sich in den nächsten Wochen entwickelt.

Ich kann aus dem Bekanntenkreis berichten, dass es auch Asperger weniger stark ausgeprägt gibt. In dem Fall bekommt derjenige in Gesellschaft die Zähne nicht auseinander. Streit scheint auch schwierig zu sein, manchmal verletzend und emotionsgeladen, während er sonst auf andere eher emotionslos und sehr distanziert wirkt.

Ich denke, dass man es weniger nur von der Diagnose abhängig machen kann, eher davon, wie der andere damit umgeht und wie stark ausgeprägt sich die Erkrankung bemerkbar macht.
Willst Du eine Friede-Freude-Eierkuchen-Familie aufbauen, womöglich noch mit Kindern? Dann halte ich das u. U. für schwierig.

Wie alt seid ihr?
Was macht er beruflich? Würde mich sehr interessieren.
Asperger haben oft große Probleme mit Schule und Ausbildung.
 
  • #6
Seit wann ist Autismus eine Krankheit? Autisten sieht man ihre "Krankheit" überhaupt nicht an. Vielleicht stottern sie leicht und können Sätze nicht so flüssig formulieren, aber wer kann sich heute noch vernünftig ausdrücken und eine normale Kommunikation an den Tag legen?
Ich glaube, du wirst mit einem Autisten glücklicher, als so manchem selbstbewussten Mann, der weiß, was er alles kann.
 
  • #7
Seit wann ist Autismus eine Krankheit? Autisten sieht man ihre "Krankheit" überhaupt nicht an.
Gleiche Diskussion wie bei den Hochbegabten und Hochsensiblen. Politisch korrekt könnte man es natürlich als "Besonderheit" bezeichnen.

Narzissten sieht man ihre Krankheit auch nicht an. Ist ihr Verhalten deswegen unproblematisch oder harmlos?

Ich denke, bei der Partnerwahl schaut man sich die Person an, lernt sie kennen und entscheidet dann, ob man mit ihren Eigenschaften über einen längeren Zeitraum eine glückliche Beziehung oder aber ein eigenes glückliches Leben führen kann. Viele Verhaltensweisen sieht man anderen Personen nicht an.

Ob sich das dann rein formal als "Krankheit" bezeichnen lässt oder nicht, ist doch völlig egal und auch in der Fachwelt diskutiert. Jedenfalls gibt es eine "Diagnose" und es ist eine "Störung"...
 
  • #8
Ich muss jetzt mal sofort antworten ohne die anderen Antworten gelesen zu haben.
Eine schlimme Krankheit!?
Sry, da möchte ich schreien wenn ich das lese.
Es handelt sich weder um eine Krankheit wo man eine Pille gibt und es ist weg noch eine psychische Krankheit, es ist eine Wahrnehmungsstörung, die es in unterschiedlich ausgeprägten Formen gibt.
Nicht jeder Autist ist ein gestörtes Menschlein das wippend herum sitzt, nicht jeder ist ein Hochbegabter ( Inselbegabung haben sogenannte 'Savants', einige Savants sind autistisch, aber nicht ALLE Autisten sind Savants!) nicht alle reden nicht oder sehen nur sich, nicht alle haben stereotypes Verhalten usw
Ein Autist ist einer von vielen, sowie ein Mensch der genau so individuell ist wie der andere.
Wo hast du bitte her das es eine schlimme Krankheit ist!?
Keine Ahnung was ich konkret zu deiner Frage sagen soll, wenn es so eine schlimme Krankheit ist such dir lieber einen 'gesunden' Mann.
Lg w. 34 mit autistischem Kind
 
  • #9
Mein Neffe ist Asperger Autist, intelligent, keine Inselbegabung, keine Beschulung seit dem 12.Lebensjahr möglich. Aggressiv, teilweise unberechenbar wenn es nicht nach seinem Willen geht. Esstörung. Lebt weiterhin bei seiner Mutter, das wird sich auch nicht ändern vermutlich. Es gibt sicher angenehmere Möglichkeiten, sein Leben zu verbringen. Natürlich ist die Schwere der Störung weit gefächert. Ich rate dir ab.
 
  • #10
Mein ältester Sohn ist Asperger. Er ist hoch begabt, Physiker, und er hat eine Frau und einen kleinen Sohn. Asperger sind genauso verschieden wie alle anderen Menschen. Zudem ist die Ausprägung sehr unterschiedlich. Asperger können sozial gehemmt sein und haben oft Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen. Man muss viel Geduld haben. Aber sie sind aufrichtig, loyal und ehrlich. Mit ein bisschen Verständnis und Toleranz für die Stärken und Schwächen eines Aspergers kann man auch mit einem Asperger eine harmonische Beziehung führen. Meine Schwiegertochter und mein Sohn führen eine sehr harmonische Ehe. Also, bitte, lass dich nicht abschrecken, und fokussiere nicht so sehr auf die "Asperger-Seiten". Nimm ihn, wie er ist; dann kann er dir sehr viel geben.
 
  • #11
Du nennst Dich Miss Superior und nennst Asperger eine schlimme Krankheit.

Du hättest Dir einfach mal Zeit nehmen können und einfach fühlen, wie denn sein Verhalten und Euer Miteinander ist - das ist seine individuelle Form.
Du hättest Dich auch mal informieren können, was Asperger ist, und welche Bandbreite an Symptomen.

Lass es mit ihm, Du achtest ihn nicht und schätzt ihn nicht - Du hast ihn schon in eine Schublade gesteckt.
Lass ihm die Chance, eine Frau zu finden, die seine Besonderheit akzeptieren kann.

W,50
 
  • #12
Ich muss jetzt mal sofort antworten ohne die anderen Antworten gelesen zu haben.
Eine schlimme Krankheit!?
Sry, da möchte ich schreien wenn ich das lese.
Es handelt sich weder um eine Krankheit wo man eine Pille gibt und es ist weg noch eine psychische Krankheit, es ist eine Wahrnehmungsstörung, die es in unterschiedlich ausgeprägten Formen gibt.
Nicht jeder Autist ist ein gestörtes Menschlein das wippend herum sitzt, nicht jeder ist ein Hochbegabter ( Inselbegabung haben sogenannte 'Savants', einige Savants sind autistisch, aber nicht ALLE Autisten sind Savants!) nicht alle reden nicht oder sehen nur sich, nicht alle haben stereotypes Verhalten usw
Ein Autist ist einer von vielen, sowie ein Mensch der genau so individuell ist wie der andere.
Wo hast du bitte her das es eine schlimme Krankheit ist!?
Keine Ahnung was ich konkret zu deiner Frage sagen soll, wenn es so eine schlimme Krankheit ist such dir lieber einen 'gesunden' Mann.
Lg w. 34 mit autistischem Kind
Ich finds auch seltsam. Hört sich so an, als ob die FS zum ersten Mal was von Autismus gehört hat. Dabei findet man Autisten mittlerweile an fast jeder Schule oder in jedem Betrieb. Das ist in keinem Falle eine „sehr schwere Krankheit“, im schlimmsten Falle ist es eine „schlimme Wahrnehmungsstörung“.
Es gibt tausend Formen von Autismus, es gibt Autismus - Spektrumsstörungen, etc.
Ob man das lassen sollte oder nicht, hängt doch davon ab, wie man den Menschen erlebt. In den letzten 16 Wochen (bei Beziehungen eine Wochenangabe zu machen, hat auch was autistisches, wer zählt denn da die Wochen?) scheint er doch in derLage gewesenzu sein, die Beziehungsanbahnung sehr nett zu gestalten. Also wo ist das Problem? Lass es doch einfach auf dich zukommen, FS.
 
  • #13
TE,

welchen Sinn sollte es denn haben? Für Dich oder andere?

Für mich würde es nur ein "Nogo" sein, wenn ich mir Kinder und ein schönes Familienleben wünschen würde. Im fortgeschrittenen Alter würde ich eher den Menschen sehen und ob ein Alltag, wie ich ihn mir vorstelle überhaupt möglich ist.
 
  • #14
... ratet ihr mir dazu mit ihm eine Beziehung zu führen oder ist es nicht sinnvoll.
Ich würde dir abraten. Aber nicht, weil er in deinen Augen »anders« ist, du unterstellst ihm sogar eine »schlimme Krankheit«.

Wir sind alle »anders«, glücklicherweise - nämlich ganz eigene Persönlichkeiten. Du solltest lieber für dich (nicht für ihn!) herausfinden, ob ER mit einer so vorurteilsbelasteten (und ganz offensichtlich völlig uninformierten) Frau glücklich werden könnte. An seiner Stelle würde ich mich immer beobachtet fühlen, du würdest jede Bemerkung von ihm, jede Handlung immer einordnen wollen: normal - oder nicht normal?? Für mich wärest DU der Stressfaktor in der Beziehung, so es denn zu einer käme.
 
  • #15
Autismus ist eine Verhaltensstörung und es gibt durchaus viele Formen davon. Eine Form ist Asperger Syndrom und Menschen mit Asperger Syndrom haben sehr oft eine andere (durchaus logische und rationale) Wahrnehmung als "Normale" Leute. Es gibt viele Prominente Menschen mit Asperger-Syndrom. Du kannst es googeln und du wirst dich wundern, wer alles Aspi war/ist. Es heißt, dass die Menschheit niemals da gewesen wäre, wenn es keine Asperger Syndrom gegeben hätte.

Ein sehr schöner Animationsfilm gibt es über dieses Thema. Es heißt Mary & Max. Das ist sehr rührend und gleichzeitig ist es auch die Geschichte einer Freundschaft. Natürlich gibt es auch den Film Rain Man mit Dustin Hofman, wo Autismus im klassischen Sinne thematisiert wird.
Ich denke, dass die Menschen mit Asperger Syndrom durchaus Beziehungsfähig sind. Du sollst dich nur darauf einlassen können und auch stark genug sein, die äußerliche "Kälte" zu überstehen. Denn dahinter steckt sehr oft eine warmherzige und wunderbare Seele.
 
  • #16
Schlimme Krankheit? Hast du vorher noch nie was von Autismus gehört? Es ist keine Krankheit, und schlimm ist zumindest Asperger auch nicht unbedingt. Ich gehe aber auch nicht mit, wenn hier Leute sagen, „jeder ist doch besonders“. Nicht umsonst gibt es Diagnosen und Unterstützung für Autisten, Depressive, Borderliner usw. Da fällt etwas aus der Norm, was das Leben für denjenigen schwieriger zu bewältigen macht; man muss es ja nun nicht hindrehen als gelte das für jeden und wäre was tolles, dann könnte ich auch sagen, meine schlechten Augen machen mich halt besonders, ich sehe die Welt anders.. das mag zwar sogar irgendwie stimmen, aber hauptsächlich macht es das Leben schwieriger für Umfeld und Betroffene.
Also, auch bei Asperger gibt es eine große Bandbreite. Manche sind einfach etwas ungeschickt sozial, manche sehr schwierig im Umgang. Wenn jetzt der Mann bei dir sich schon so um dich bemüht und du gar nichts komisch fandest vorher, ist er wohl nicht stark beeinträchtigt und klar kann es da klappen. Wir hier wissen ja nicht, wie genau es sich bei ihm äußert. Hat er das versucht zu erklären? Wenn du Kinder willst, solltest du aber wissen, dass es eine starke erbliche Komponente hat.
W, 36
 
  • #17
Das Asperger Syndrom ist keine Krankheit. Autisten sind Menschen mit einer anderen, intensiveren Wahrnehmung als „Normale“. Weil das häufig nicht oder nicht rechtzeitig erkannt wird, entwickeln Autisten häufig eine soziale Störung im Umgang mit Menschen. In meinem nahen Umfeld gibt es einen Asperger Autisten, ein hochintelligenter und liebenswürdiger junger Mann, außerdem sehr attraktiv. Wer in der Lage und willens ist, sich auf einen solchen Menschen einzulassen, wenn er verliebt ist, hat bestimmt ein glückliches und spannendes Leben vor sich. Solche Menschen sind sehr menschenfreundlich, weder boshaft noch intrigant.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #18
er ist super lieb zu mir, bemüht sich um eine Beziehung. Bisher ist die anbahnende Beziehung perfekt, aber was sind eure Erfahrungen,
Liebe FS, was sagt er zu seiner Diagnose? Wie ist er aufgestellt?
Was habt ihr bisher an Schönem erlebt? Macht Dich nur die Diagnose unsicher? Wie ist sein Verhalten? Wie geht es Dir? Wie lebt er? Wie alt seid ihr?
Du hast wenig geschrieben. Es ist schwer, da differenziert zu be-raten.....
 
  • #19
Ich finde es schön recht merkwürdig , wie man jemanden zu einer Beziehung mit einem Asperger raten kann, wenn da schon Zweifel bestehen. Ich persönlich kann mit körperlichen Beeinträchtigungen umgehen, mit psychischen möchte ich nicht. Keine Depressiven, Borderliner, Autisten. Das Leben ist hart genug. Habe genug gesehen in meinem Leben um mir für mich ein Urteil bilden zu können.
 
  • #20
Lass es mit ihm, Du achtest ihn nicht und schätzt ihn nicht - Du hast ihn schon in eine Schublade gesteckt.
Lass ihm die Chance, eine Frau zu finden, die seine Besonderheit akzeptieren kann.
Hm.
Für die Schubladen sorgt meist das persönliche Umfeld schon. Eltern oder Freunde die sich dann entsprechend äußern.
Es wird ihr um Erfahrungen anderer gehen, positiv und negativ, weil sie vielleicht noch gar keine "Besonderheiten" bei ihm hat ausmachen können. Dem stehen dann die schlimmsten Befürchtungen des Umfeldes entgegen.

Sie kann sich auch zum Thema belesen. Wird sie sicher auch schon getan haben. Sie wird aber von kaum merklich bis extrem alles finden.

Die Frage nach Erfahrungen ist für mich nachvollziehbar.
 
  • #21
Eltern oder Freunde die sich dann entsprechend äußer
So etwas habe ich mir immer verbeten, da gibt es ein Stopp.

Wenn ich das lese -

er ist super lieb zu mir, bemüht sich um eine Beziehung. (...)Bisher ist die anbahnende Beziehung perfekt,
Das ist ihre Erfahrung mit ihm.
Aber wichtig ist die Meinung Fremder, oder dem Umfeld.
Sie hat das Etikett "schlimme Krankheit" geklebt - trotz des positiven Erlebens.

Wenn er Asperger hat, kann er nicht täuschen, auch dann ist er genau so und hat es wohl in eine sozial verträgliche Form gebracht. Therapie gemacht, gelernt, wie er ausgleicht, anscheinend mit Erfolg.

Er hat, wie jeder Mensch, verdient, dass er vorurteilsfrei angenommen wird.
Sie kann es nicht, sie zweifelt, dann sollte sie es lassen - ihm und ihr zuliebe.

w,50
 
  • #22
Persönliche Erfahrungen habe ich ehrlich gesagt nicht. Wobei ich durchaus schon Menschen getroffen habe, von denen ich dachte, dass sie einen leichten Fall von Asperger haben könnten (oder sagt man, Asperger sein?). Auch habe ich mehrere männliche Freunde, die sich selbst für Asperger halten (was aus meiner Sicht komplett absurd ist). Ich kenne aber niemanden mit einer bestätigten Diagnose.

Allerdings hat mich das Thema eine zeitlang sehr interessiert und ich habe viel darüber gelesen. Meines Wissens besteht die "Kernsymptomatik" bei Asperger ja in einer Beeinträchtigung der Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und "normale" Kommunikationsmuster zu befolgen. Betroffene haben typischerweise Schwierigkeiten, Ironie zu verstehen, in Unterhaltungen "zwischen den Zeilen zu lesen"; neigen dazu, Monologe zu halten (oftmals über Spezialinteressen) und wirken allgemein unemotional und "hölzern" im Umgang. Ich denke, all diese Besonderheiten treten im Gespräch relativ schnell zutage.

Ihr kennt euch jetzt 16 Wochen. Du erwähnst selbst keinerlei Auffälligkeiten oder Probleme im Umgang; beschreibst eure bisherige Beziehung vielmehr als "perfekt". Ich denke, sooo schwer kann der Mann nicht betroffen sein. Oder er hat gelernt, hervorragend zu kompensieren. Ich vermute ehrlich gesagt, bei einem wirklich schwer ausgeprägten Asperger-Autismus mit massiver Kommunikationsstörung könnte eine "normal" entwickelte (neurotypische) Frau nur schwer Gefühle für den Betroffenen entwickeln. Bekanntermaßen fahren Frauen ja besonders auf lässige, humorvolle, redegewandte Männer ab, und diese Kriterien dürfte ein Mann mit einem schweren Fall von Asperger kaum erfüllen.

Oder habt ihr bislang (wegen Corona?) hauptsächlich oder sogar ausschließlich schriftlich kommuniziert? Dann ist eine Einschätzung natürlich schwierig.

Ich habe keine Ahnung, wie sich Asperger-Betroffene in engen Beziehungen verhalten; wie es um die Konfliktfähigkeit bestellt ist etc. Aber da du von dir aus keinerlei Auffälligkeiten beschreibst, kann ich mir wie gesagt nicht vorstellen, dass du es mit einem "schweren Fall" zu tun hast.

Um die Lage besser einschätzen zu können, bräuchte man mehr Infos. Also wann und von wem wurde die Diagnose gestellt, ist er in Therapie, wie oft habt ihr euch bisher getroffen und was habt ihr unternommen?
 
  • #23
Ihr kennt euch jetzt 16 Wochen. Du erwähnst selbst keinerlei Auffälligkeiten oder Probleme im Umgang; beschreibst eure bisherige Beziehung vielmehr als "perfekt". Ich denke, sooo schwer kann der Mann nicht betroffen sein.
Wie bei allen Beziehungen sind oft nach 16 Wochen die Wolken noch rosarot. Wie oft lesen wir hier von Problemen, die nach Jahren auftreten und doch eigentlich vorhersehbar gewesen wären. Also hier umso mehr: Augen auf, ob das an Kommunikation möglich ist, dass die FS sich in einer Beziehung wünscht.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #24
Ich kenne einen überragenden Wissenschaftler, von dem ich 100% weiss, dass er ein Aspi ist (er nennt sich selbst so). Er ist sehr, sehr erfolgreich, seit Ewigkeiten glücklich verheiratet und mittlerweile mehrfacher Großvater. Seine Frau ist ebenfalls Wissenschaftlerin, aber bei weitem nicht so abgehoben wie er und eine absolute Pragmatikerin mit sehr gutem, pflegeleichten Charakter.

Was ich über ihn sagen kann: er ist faszinierend, da er sich über die Jahre hinweg unglaubliches Wissen auf vielen Gebieten angeeignet hat. Wenn jemand also auf intellektuelle Gespräche und generell auf Bildung steht, ist so ein Partner sehr bereichernd. Sonst ist der Mann (auf seine eigene Art) sehr sozial, ehrlich, hilfsbereit und hat ein gutes Herz. Also ein guter Partner!

Auf der anderen Seite gibt es aber die typischen Kleinigkeiten, die Aspis oft haben: er ist ein absoluter Gewohnheitsmensch, und wenn etwas nicht wie gewohnt ist, ist er völlig überfordert. So weigert er sich, Hemden in einer anderen Farbe als weiß zu tragen, kriegt bei bestimmten Gewürzen die Krise, ordnet seine Musiksammlung akribisch, lässt niemanden seine Bücher oder seine CDs berühren, etc. Seine Frau und die Menschen, die ihm mögen (ich z.B.) halten dies für niedlich und witzig, andere sind genervt.

Auch wirkt er in Gesellschaft oft arrogant und unnahbar, ist er aber nicht. Er hat einfach Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Kommunikation. Du musst einfach wissen, welche Knöpfe Du bei ihm drücken musst, damit er sich Dir gegenüber öffnet.

Im Übrigen finde ich es ganz schlimm, wie Aspis hier von einigen als krank dargestellt werden. Das sind sie nicht. Sie sind meistens harmlose und freundliche Zeitgenossen. Sie mit Narzissten zu vergleichen, ist schon ein starkes Stück.
 
  • #25
Vielleicht mag sich @Missuperior ja nochmal mit Einzelheiten zu den inzwischen vielen Fragen melden?
Wie hast Du es überhaupt "mitbekommen"? Hört sich nach am Rande irgendwo aufgeschnappt an - wie nicht von ihm persönlich mitgeteilt.
 
  • #26
Liebe Misssuperior,
puha..., nach all den Beschreibungen hier kursiert leider ziemlich viel Halbwissen, aber die Diagnostik ist hier auch noch in den Kinderschuhen, und auch hier spreche ich aus eigener Erfahrung. Es gibt x Formen, vom rain man, über das Kanner Syndrom (nur Mädchen), von geistig eingeschränkt, mit auffälligen Ticks, bis hin zu Hochintelligenten mit Inselbegabungen undundund... Auch dass sie nicht lügen können halte ich nur für eingeschränkt zutreffend. Wie bei jedem anderen Menschen gilt: es kann passen, oder auch nicht. Autisten brauchen idR viel Struktur, bestehen auf Plänen, geraten in unvorhersehbaren Situationen mal völlig aus den Fugen, aber sie haben Stärken und Fähigkeiten, wo man nur staunen kann, und manche Äusserungen hauen einen ob ihrer puren Gedankenursprünge, die sich nicht an Herkömmlichem orientieren, einfach komplett aus den Schuhen. Sie lieben auch, aber eben anders. Es kann x wörtliche Liebesbekundungen am Tag geben, aber Dein Geburtstag kann vergessen werden. Es gibt ein wunderbares Buch, "Der Junge vom Saturn". Kann ich nur empfehlen! Lern ihn kennen, konventionell wird es sicher nicht 😁
 
  • #27
Hier die Fragestellerin

Er ist faszinierend wie kein anderer Mensch auf dieser Welt. Auch was ihr geschrieben habt, er wirkt kühl und unannahbar. Schwierig zu beschreiben. Danke für eure Antworten, wobei ich gehofft habe, dass ihr mir eure Erfahrungen schreibt, wonach ich ja gefragt hatte.
 
  • #28
Hier die Fragestellerin

Er ist faszinierend wie kein anderer Mensch auf dieser Welt. Auch was ihr geschrieben habt, er wirkt kühl und unannahbar. Schwierig zu beschreiben. Danke für eure Antworten, wobei ich gehofft habe, dass ihr mir eure Erfahrungen schreibt, wonach ich ja gefragt hatte.
Nun hier hat wohl niemand persönliche Beziehungs-Erfahrungen mit so einem Menschen.

Im Bekanntenkreis gibt es ein Paar. Sie, Mathematikerin und Informatikerin, wirkt tendenziell wie eine milde Variante von "Sheldon Cooper" in "The Big Bang Theory". Für ihn bedeutet es Anpassung.

Dazu gehört es auch Paartreffen mit Menschen zu organisieren, die erstens während des Paartreffens ihre Vorträge interessiert hören und zweitens intellektuell in der Lage sind eine passende Frage zu stellen.

Er ist immer froh wenn andere ihn diesbezüglich entlasten. Mir persönlich reicht dieser Service alle paar Wochen, dann werden ihre Vorträge nicht langweilig zumal sie auch regelmäßig aber eben nicht täglich neues interessantes Wissen aufsaugt.

Er hat aber ihr auch schon seine Grenzen gezeigt (zusammen ziehen ja aber nicht heiraten), so das sie die gemeinsame Beziehung auf F+ zurück gestuft hat.

Da er unbedingt eine Freundin haben wollte, er anderen nicht gereicht hat und sowieso immer bei Frauen landet die ihn dann dominieren akzeptiert er die Situation. Nur heiraten will er nicht und bleibt diesbezüglich auch hart.
 
  • #29
Da er unbedingt eine Freundin haben wollte, er anderen nicht gereicht hat und sowieso immer bei Frauen landet die ihn dann dominieren akzeptiert er die Situation. Nur heiraten will er nicht und bleibt diesbezüglich auch hart.
Das ist dann wohl der Kern der Info. Wer keine Auswahl hat und doch nicht alleine bleiben möchte, der nimmt dann eben irgendjemanden, mit dem er seinen Freundeskreis ruiniert und auch keine vernünftige Paarbeziehung hinbekommt. Ich erkenne nicht ganz den Nutzen, er wird wohl einen sehen...
 
  • #30
@Missuperior : er hat auf jeden Fall grosses Glück dass er jemanden an seiner Seite hat welche ihn so toll, sogar " faszinierend wie kein anderer Mensch" findet. Das Wichtigste für einen Aspie ist es dass er so akzeptiert und genommen wird wie er ist und sich nicht verstellen und zu stark anpassen muss. Das kostet hochfunktinale-Autismus- Störung- Betroffene extrem viel Kraft und ist meistens mit ein Grund warum sie soziale Kontakte auf ein Minimum beschränken. Ihr Nervensystem ist auch schneller überfordert von allerlei Reizen was zu Nervenzusammenbruchartigen ( vorübergehenden) Zuständen führen kann ( Meltdowns). Es ist wichtig dass sie ihre eigenen " Regeln" , Strukturen, Gewohnheiten nicht aufgeben müssen da diese für sie Kraftquelle, Halt und Sicherheit sind in einer Welt deren Regeln und sozialen Grundlagen nicht die ihren sind.