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  • #1

Liebeskummer - wie werde ich wieder glücklich?

Hallo,

folgende Problematik: Ich war in meinem Leben nicht oft verliebt und wenn, dann heimlich und unglücklich. Es ist also nie etwas aus dem Mann und mir geworden. Den Mann, in den ich seit Anfang dieses Jahres heimlich verliebt bin, sehe ich seit letzter Woche nicht mehr, weil das Dienstleistungsverhältnis beendet ist. Es war ja klar, dass das irgendwann so kommen wird, aber es kam für mich trotzdem etwas abrupt.

Tja: da sitze ich und ärgere mich im Grunde auch darüber, dass es mich so erwischt hat und es NATÜRLICH mal wieder kein Happyend geben konnte. Dabei war ich vorher, als ich ihn noch nicht kannte, ein glücklicher Single. Ich bin leider introvertiert, eher ruhig, kann aber schnell auftauen, wenn ich echtes Interesse anderer Menschen spüre.

Anfangs lief unsere Unterhaltung ganz nett.

Leider gab es auch Zeiten, wo er öfter unfreundlich zu mir war. Das hat sich zwar wieder gebessert, aber so manch ein Verhalten seinerseits hat letztendlich verhindert, dass ich mich ihm gegenüber so öffnen konnte, wie ich das gern getan hätte. Ich hätte ihm so gern Verschiedenes erzählt, aber mich dann nicht mehr getraut, weil ich nicht wusste, wie das ankommt. Und nun sitze ich hier und denke: Hättest du mal einfach immer drauflos geredet. Hinzu kam: Wir waren von Anfang an per Sie. Die letzten Monate hat er die Sätze immer so gedreht, dass die direkte Anrede außen vor blieb. Ich habe es dann genau so gemacht, weil ich auch nicht "Sie" sagen wollte. Offenbar war der Zeitpunkt, zum Du überzugehen, einfach verpasst. Wie oft habe ich mir gewünscht, dass er einfach zwanglos "Du" sagt. Mit anderen hat er sich geduzt. Die konnten miteinander natürlich viel besser kommunizieren. Wenn ihr jetzt meint, ICH hätte es ihm anbieten können (beide im selben Alter) - ich habe mich einfach nicht getraut. Ich bin die Schüchterne, er ist es nicht, sondern im Gegenteil sehr kommunikativ und kann reden wie ein Wasserfall.

Na ja - nicht gut gelaufen. Nun ist das Ganze beendet und ich möchte wieder so glücklich werden wie vorher - als ich ein wirklich glücklicher Single war. Ich habe im Grunde keine Freunde. Ich habe meine Arbeit, einige nette Kollegen, mit denen ich mich gut verstehe. Als Intro lebt man oft so, kommt aber, wenn man sich nicht gerade wegen anderer Leute unglücklich macht, so ganz gut klar. Mein Hobby ist übrigens alte Film- und Pressefotos sammeln. Ich rede kaum darüber, weil ich davon ausgehe, dass die meisten das eher langweilig finden.

Kennt ihr - die ihr sicher auch nicht selten in eurem Leben Liebeskummer hattet - einen "Trick", so schnell wie möglich wieder so glücklich zu werden wie man war, bevor dieser bestimmte Mensch in euer Leben trat? Kennt ihr auch dieses Gefühl, dass nichts mehr Spaß macht, woran man vorher Freude hatte? Ich möchte mich gern wieder so fühlen, wie ich mich letztes Jahr gefühlt habe ...
 
  • #2
Wenn ich du wäre, würde ich erstmal an den Basics arbeiten: Bekanntschaften machen -> Freundschaften schließen -> darüber dann potentielle Partner kennenlernen. Das ist der klassische Weg, der am besten funktioniert - bei allen. Auch gerade wenn du nicht der weltoffenste Mensch bist.

Ich finde dein Hobby sehr interessiert, da speziell. Was sammelst du da genau? Kannst du dich irgendwelchen Vintage-Kreisen anschließen? Um welchen Jahrgang handelt es sich dabei? 20er Jahre? 50er Jahre? Ich könnte mir vorstellen, dass Männer aus diesen Interessenfeldern sehr gut zu dir passen würden.

Ja, es gibt einen Trick: Sich nicht nur auf einen Mann fixieren, sondern allen Männern offen und freundlich begegnen, Kontakte knüpfen und darüber kannst du ja dann wieder andere Männer kennenlernen.
 
  • #3
Ich kenne dieses Gefühl sehr gut.
Diesen Wunsch, dass der Schmerz oder andere negative Gefühle wie Leere aufhören mögen.

Ich habe mehrmals sehr heftig gelitten.
Und ich habe dann jeweils sogar ganz kurz daran gedacht, mich zu betäuben, z.B. mit Alkohol oder Hasch. Aber erstens hätte ich nicht gewußt, wie ich an Hasch kommen soll und Alkohol schmeckt mir einfach nicht und dann hätte ich auch Angst gehabt, dass mir das gefallen könnte.
Dass ich es immer wieder machen würde, weil es klappt. Das Vergessen und Verdrängen.

Es nützt ja nichts, man muß da durch.
Es nützt auch nichts, sich mit einem anderen Mann abzulenken, wenn man von dem eigentlichen verlassen worden ist.
Später holt einen die Trauer wieder ein und man verlängert so eher das Leiden.

Gib dir die Zeit, ich denke, du kannst es nicht beschleunigen.
Auch nicht mit Ablenken oder wenn du dich in eine Aufgabe stürzt.

Nimm es einfach so hin.
Halte es aus.
Der Schorf auf einer Schürfwunde fällt nach zwei Wochen ab, wenn du einfach die Heilung abwartest.
Wenn du Öle oder Heilpasten draufschmierst, fällt der Schorf nach 14 Tagen ab.

Irgendwann merkst du, dass du jetzt was konzentriert bearbeitet hast und daher in der vergangenen Stunde nicht an ihn gedacht hast.
Später merkst du, dass du einen Abend lang richtig Spaß hattest und viel gelacht hast.
Und noch später merkst du, wenn du doch mal an ihn denkst, wenn du eine Quittung von ihm in der Hand hast oder so, dass du es dann gar nicht begreifen kannst, welche starken Gefühle du mal für ihn hattest.

Dieser Tag wird ganz sicher kommen.
Und die Gewissheit dessen hilft dir, es heute besser auszuhalten. Du weißt, du wirst wieder frei.

w 49
 
P

proudwoman

  • #4
Liebe Cassel, von Dir lese ich hier im Forum immer sehr, sehr gerne und ich dachte mir immer, sie ist eine wirklich sympathische Frau. Umso erschrockener war ich, als ich jetzt eine Frage von Dir lese mit dem Thema Liebeskummer! Das Du ein eher introvertierter Mensch bist, glaube ich Dir gerne. Dieser Mann hat geredet wie ein Wasserfall, wie hast Du das denn ausgehalten? Meinst Du, das wäre so gut gegangen mit Euch beiden? Ich Frage Dich deshalb, weil ich das nur schwer ertrage. Das ist manchmal so schlimm, dass ich denke, ich sinke zu Boden....Liebe Cassel, ich denke, Du bist in einem halben Jahr über dem Berg. Wende Dich anderen Menschen zu, vielleicht gibt es eine nette Arbeitskollegin, mit der Du mal was unternehmen kannst? Hast Du Geschwister?
Du hast auch geschrieben, das dieser Mann ab und an unfreundlich Dir gegenüber war, das hätte mich jetzt eher abgestoßen. Hattest Du das Gefühl, er mag Dich auch? Bestünde die Möglichkeit später nochmal mit ihm Kontakt aufzunehmen? Wie habt ihr euch verabschiedet? Mir kommt das so vor, als ob er nichts kapiert hat und dass Deine Gefühle einseitig waren. Kann das sein?
Ich war in meinem Leben ganze drei mal verliebt. Das letzte mal war der Grund, warum ich hier bin. Aber mit diesem Thema habe ich abgeschlossen und lebe sehr zufrieden, vielleicht noch nicht so, wie vor dieser Beziehung, aber ich bin soweit, dass ich sagen kann, das brauche ich nicht mehr, freue mich aber für jeden, der mit seinem Partner glücklich ist. Aber das Lesen hier hat mich ziemlich verändert . Ich brauche das nicht mehr, aber wenn es sich doch nochmal ergeben sollte...warum nicht? Bleibe ganz gelassen, liebe Cassel...alles Liebe! W demnächst 62
 
  • #5
Ich bin ein sehr rationaler Mensch und mir hilft es bei allem, was so passiert und wozu auch mal Liebeskummer gehörte, wenn ich Hintergründe und Zusammenhänge verstehe.
Mir also klarmache, dass Gefühle nichts weiter als elektrische Impulse des Gehirns sind, die bestimmten Steuerungsmechanismen unterliegen (um es jetzt mal ganz laienhaft auszudrücken), und welchen Sinn es macht, dass wir sie fühlen.
Und ganz genauso wie bei körperlichen Wunden zeigen emotionale Verletzungen, dass hier etwas falsch gelaufen ist. Sowas passiert, ist aber vermeidbar wenn man gut auf sich aufpasst.
Ich setzte mich bewusst damit auseinander, reflektiere meinen Eigenanteil und versuche etwas aus der Erfahrung zu lernen, also ändere entweder mein Verhalten oder passe meine Erwartungen an.

Zwischendrin hilft aber auch ganz einfach Ablenkung...also sich was Gutes tun ;-)
 
  • #6
Ich bin leider introvertiert, eher ruhig, kann aber schnell auftauen, wenn ich echtes Interesse anderer Menschen spüre. (…) Ich habe im Grunde keine Freunde. Ich habe meine Arbeit, einige nette Kollegen, mit denen ich mich gut verstehe. Als Intro lebt man oft so, kommt aber, wenn man sich nicht gerade wegen anderer Leute unglücklich macht, so ganz gut klar. Mein Hobby ist übrigens alte Film- und Pressefotos sammeln.
Ja, das kommt mir alles sehr vertraut vor, so bin ich auch, und daher ist es zum einen nicht so leicht, Leute näher kennenzulernen (es muss beim Gegenüber schon Interesse sichtbar sein, damit man überhaupt auftaut und selber welches zeigen kann – oft ein Teufelskreis), und da das nicht so oft passiert, wirken Zurückweisungen und Misserfolge doppelt schwer. Meine zaghaften Annäherungsversuche an andere Leute verlaufen auch meistens im Nichts.

Mir hat bei Liebeskummer immer geholfen, mir hammerhart jedes Mal, wenn die Gefühle hochkamen und die Gedanken anfingen zu kreisen, einzubläuen: "Schluss jetzt, die will Dich nicht! Die will Dich einfach nicht, und mehr ist da nicht zu überlegen!" So konnte ich mich am Schnellsten mit den Realitäten abfinden. Aber ob das auch anderen hilft, weiß ich nicht.
 
  • #7
Vielen Dank für eure lieben Zeilen und aufmuntenden Worte. Das tut gut, obwohl ich im Moment wirklich ziemlich down bin, Noch habe ich Urlaub, ab nächste Woche arbeite ich wieder. Die viele Arbeit wird vielleicht helfen ...

Ja, ab und an hatte ich das Gefühl, dass er mich mag. Aber es gab auch eher unerfreuliche Phasen, wo ich dachte: Warum ist das so? Es fing doch ganz anders an. Es gab dann eine Phase, wo er mich öfter geneckt hat oder er mich (absichtlich?) weniger beachtet hat, was mich zunehmend verunsichert hat. Im Juli machte er einen Scherz auf meine Kosten zu seiner Kollegin, während ich dabei war. Da ich darauf etwas angesäuert reagierte, war er die weiteren Wochen wieder so freundlich wie am Anfang, Er hat dann auch mehr Privates erzählt und musste dabei wohl feststellen, dass mein Leben völlig anders ist als seins. Er ist sehr sportlich, scheint sehr viele Bekannte zu haben, erzählte von verschiedenen lustigen Zusammentreffen mit seinen Freunden. Ich konnte solche Geschichten von mir nun mal nicht erzählen. Wenn ich versucht hätte, mich interessanter zu machen als ich bin, hätte ich flunkern müssen.

Die Phase, wo er manchmal knapp war und mich ab und zu neckte, war manchmal schon resignierend, und natürlich habe ich in den Zeiten gedacht: Nein. Ein Mann, der echtes Interesse hätte, würde keine Frau vergraulen wollen.
Davon bin ich eigentlich überzeugt und habe das sehr oft anderen hilfesuchenden Frauen geschrieben. Aber dann lese ich wiederum woanders, dass Neckereien seitens der Männer durchaus Interesse bedeuten KANN (also auch jenseits manipulativer PUA-Spielchen). Tja, und wenn Frau verliebt ist, deutet sie gern alles positiv ...

Ich habe eine gute Arbeitskollegin, der ich gestern Abend noch eine Stunde telefonisch was vorgeheult habe. Sie konnte mich kurzfristig aufmuntern. Aber auch heute brummt mir der Schädel und ich überlege, ob ich mir etwas zur Beruhigung aus der Apotheke hole. Irgendwas mit Johanniskraut vielleicht. Irgendwie möchte ich mich auch betäuben ...

Zu meinem Hobby: Ich sammle Pressefotos aus der Zeitspanne 1920er bis 1980er Jahre. Da man so etwas nur käuflich erwerben kann, kann das ganz schön ins Geld gehen.
 
  • #8
Liebeskummer kenne ich gut. Das war jedesmal unglaubliches Leiden und zum Glück passiert mir das auch sehr selten. Es hat mich jedesmal was über mich gelehrt.

Leider gab es auch Zeiten, wo er öfter unfreundlich zu mir war.
Genau das ist ein Zeichen, dass Du einseitig verliebt warst und es nicht schade ist, dass Du nichts getan hast. Wenn einer unfreundlich zu Dir ist, macht er sich ja nicht mal die Mühe, ein nettes Verhältnis zu erhalten.
Du hast geschrieben, dass es ein Dienstleistungsverhältnis gab. Deswegen frage ich mal: War der Mann Kunde oder sonstwie "über Dir"?
Ich frage das, weil Menschen, die "über einem" sind und DANN auch noch unfreundlich, dh. ihre Position ausnutzen, um ihre Laune mal eben loszuwerden, sind für mich unattraktiv.
aber so manch ein Verhalten seinerseits hat letztendlich verhindert, dass ich mich ihm gegenüber so öffnen konnte, wie ich das gern getan hätte
Sei froh. Man denkt immer als Verliebte, dass der andere das auch hören wollen würde und sich dafür interessiert bzw. dass man dadurch eine Chance bekommt. Anhand seines unfreundlichen Verhaltens siehst Du doch aber schon, dass er von Dir nichts wollte und das nur peinlich gewesen wäre am Ende.
Ich könnte mir auch vorstellen, er hat gemerkt, dass Du ihn gut findest, und hat Dir deswegen das "Du" nicht angeboten, um keine Nähe entstehen zu lassen und nicht später eine Absage erteilen zu müssen, was das Arbeitsverhältnis gestört hätte. War er überhaupt Single?
So wie Du den Mann beschrieben hast, finde ich ihn unsympathisch und denke, dass Du nicht unglücklich sein musst, dass es nichts geworden ist.
Es gibt bestimmt Dinge, die Du sofort verziehen hast, weil Du verliebt warst. Die würde ich mir mal ansehen. Wenn ein anderer so wäre, würde Dich das dann stören? Falls ja, ist das ein Minuspunkt bei dem Mann.

Liebeskummer braucht Zeit und dass man den anderen nicht mehr sehen muss. Ich habe noch nichts gefunden, das den Lern- und Vearbeitungsprozess einer seelischen Krise beschleunigen könnte. Es ist leichter für mich, wenn ich nicht gegen den Kummer kämpfe, sondern ihn ausleben kann. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo ich vom Thema erschöpft und auch gelangweilt bin, weil ich es wieder und wieder durchgekaut habe, dann will ich die Zeit nicht mehr geben, weil es keine neuen Erkenntnisse bringt. Betrachte mal den Mann, als seiest Du nicht verliebt gewesen. Hat er wirklich so tolle Eigenschaften?
 
  • #9
Es ist immer blöd, wenn sich zwei kennenlernen, aber keiner von beiden "ordentliche" Annäherungsversuche unternimmt. Ich kann mein Interesse auch immer nur so dezent andeuten, dass die Gegenseite das wahrscheinlich nicht mal als Signal erkennt.

Und dann beginnt immer das große Rätselraten, warum vom Ggenüber nichts zurückkommt: Ist sie auch nur so schüchtern oder will sie nicht? Erkennt sie nicht, was ich andeute? Erkenne ich irgendwelche Signale nicht?

Durch solche Schüchternheit odere Introvertiertheit wird das ganze Zwischenmenschliche nur noch schwieriger, und man muss leider lernen, immer wieder mit kaum verständlichen Reaktionen klarzukommen – nicht nur bei der Partnersuche, sondern auch beim "simplen" Kontakt mit potenziellen neuen Bekannten: "War das jetzt eine Abfuhr? Nicht zu deuten." – Und was tut man als Schüchterner in so einem – häufigen – Zweifelsfall? Man zieht sich zurück, denn man will sich dem Gegenüber ja nicht aufdrängen.

Das war jetzt keine Antwort auf Deine Frage nach "Tricks", ich weiß. Man muss einfach warten, bis der Kummer vergeht. Und er vergeht, Gott sei Dank.
 
  • #10
Ich habe an Dich zwei Ratschläge: Zum einen treib Sport! Sport hat sehr schnell positive Wirkungen aufs Gemüt. Ich verstehe, dass Du introvertiert bist, aber versuch es doch einmal mit Sport in der Gruppe, zum Beispiel in einem Kurs im Fitnessstudio. Da lernst Du schnell Leute kennen und kannst freundlich und ungezwungen Kontakte knüpfen. Das wird auch Dir als introvertiertem Menschen Energie geben. Man kann zum anderen beispielsweise über die Social Networks Spontacts oder New in Town zu Veranstaltungen gehen, zum Beispiel gemeinsam Radfahren, Wandern, Essen gehen, Frühstücken mit anderen Frauen etc. Ich habe dort schon viele einsame und introvertierte Menschen getroffen, denen es so ging wie Dir. Sie sind bei den Veranstaltungen auf weltoffene Menschen gestoßen, die ihnen zugehört haben und nett waren. Dadurch wirst Du Deinen Liebeskummer schnell vergessen.
 
  • #11
Betrachte mal den Mann, als seiest Du nicht verliebt gewesen. Hat er wirklich so tolle Eigenschaften?
Genau das habe ich gerade getan. Die Beschreibung des Mannes wäre dann so:
Er hört sich gern selbst reden. Er scheint mir jemand zu sein, der ganz viele Leute kennt bzw. kennen will. Er redete neulich von einer "Bekannten", musste dann aber überlegen, wie diese eigentlich heißt. Er hört gern bei Gesprächen anderer Leute zu und mischt sich ein (auch in Situationen, in denen er sich eigentlich ganz mir hätte widmen sollen). Ab und zu (eher selten) machte er sich wichtig vor mir, stellte sich als sehr kompetent, geradezu heldenhaft dar, wobei ich das irgendwie ganz süß fand (doof von mir, oder?) Er hat nach eigenen Angaben viele Freunde und Bekannte.

Eine weitläufige Kollegin, die er nach eigenen Angaben nicht kannte, hat er in meinem Beisein plötzlich überschwänglich begrüßt wie eine gute Freundin. Als ich ihn fragend ansah, meinte er, er habe sie doch schon mal gesehen, er kenne sie doch ....

Ich weiß, dass er Vater ist. Wenn er von sich redete, hörte es sich an, als sei er Single. Ich dummes Schäfchen habe mich nie getraut zu fragen. Er hat mich allerdings auch nie gefragt, ob ich liiert bin. Ich habe auch dann gelächelt, wenn er knapp zu mir war. Zweimal hat er meinen Unmut gespürt. Da hatte ich allen Grund, ärgerlich über sein Verhalten zu sein, und er wurde dann jeweils wesentlich netter.

Wenn ich das hier jetzt selbst so lese - ihr werdet wohl mit Recht fragen: Was ist an ihm toll?
Es war halt so, dass ich ihn beim ersten Sehen und vom ersten Eindruck her schon attraktiv fand. Ohne ihn wirklich zu kennen. Ich war in einer Ausnahmesituation und er konnte mir helfen. Da er so kommunikativ war, hatte ich trotz meiner Intro-Neigung sofort einen guten Draht zu ihm. Anfangs dachte ich sogar: Mit dem kann ich über alles reden.

Jetzt denke ich: Wir haben uns vor 2 Wochen noch ganz nett unterhalten, ich habe ihm freundlich zugelächelt - und die Woche danach der Abschied: Danke für alles, sagte ich. Dann ging ich. Es kam abrupt, obwohl ich wusste, dass es bald dazu kommen wird. Ich habe das einfach verdrängt.

Und das mit dem Nicht-Duzen (was mir wirklich einen Stich ins Herz gab) - das war ein Deja-vu-Erlebnis. Vor 12 Jahren war ich mal heimlich verliebt in einen Mann, der auch nur so um sich schmiß mit dem Du. Auch so einer mit ganz vielen Bekannten. Mich siezte er. Dieser frühere Mann wusste genau, dass ich gern per Du mit ihm gewesen wäre. Er war ranghöher, ich habe viel für ihn getan (dienstlich und privat). Das sei nun mal nicht üblich, sagte er damals zu mir ... aber mit anderen mir gleichgestellten Kollegen ging das.

Seid bitte weiterhin freundlich zu mir, ja? Wenn mir das jetzt nicht passiert wäre und ich solche Zeilen von einer anderen FS lesen würde, würde ich auch denken: Nee, was es nicht alles gibt ...
 
  • #12
Liebe Cassel,

dein gesamtes Schreiben hört sich für mich sehr traurig an. Ich nehme dir das irgendwie nicht ab, dass du vorher ein wirklich glücklicher Single warst.
Wenn jemand sagt, er wäre nur sehr selten im Leben, und wenn, dann heimlich und unglücklich, verliebt gewesen, dann nagst das schon am Selbstbewusstsein.
Auch wenn du eine introvertierte Frau bist, hast du Sehnsüchte und Gefühle, die du hier im Forum ja auch mitgeteilt hast.

Es handelt sich anscheinend bei dem Mann, in den du jetzt heimlich verliebt warst, um einen Kollegen, der nun versetzt wurde und nicht mehr mit dir zusammen arbeitet. So habe ich das jedenfalls verstanden.
Könnte es sein, dass du seine Freundlichkeit dir gegenüber, mit interessiert an dir als Frau, missverstanden hast.
Wäre er selber verliebt in dich gewesen, dann hätte er es dir bestimmt irgendwie gezeigt und gesagt.

Ich weiß nicht wie alt du bist. Nur wenn du noch gar nicht die Möglichkeit hattest, eine wirkliche Beziehung zu führen, wirst du mit deiner zwar liebevollen, aber zurückhaltenden und schüchternen Art, immer Probleme haben auf andere Menschen zuzugehen.
Und ob es für dich ausreicht, ewig ein glücklicher Single zu sein, das weißt nur du alleine.

Es gibt ein Zitat von Mahatma Gandhi " Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt".
Wenn du das Zitat etwas umänderst, dann könntest du sagen "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für deine Welt".

Bevor du dich wieder heimlich und mit unglücklichem Ausgang verliebst, nimm dein Leben doch mutig selber in die Hand. Setze dir zuerst mal einige bescheidene Ziele:
bleib nicht immer alleine zu Hause....
melde dich in einem Kurs an, in dem du Menschen
kennenlernen kannst, die ähnliche Interessen haben
wie du. Da ergeben sich häufiger Möglichkeiten mit
anderen in Kontakt zu kommen und Freundschaften
zu schließen.
In Vereinen lernt man auch Männer kennen, in die man sich evtl. verlieben kann.
Echtes Interesse von anderen Personen, das du dir ja wünscht, wirst du nur erfahren, wenn du selber offen auf jemanden zugehst. Nicht alles so bierernst nimmst und auch mal über einen Scherz lachen kannst, auch wenn er auf deine Kosten geht. Manchmal ist das gar nicht so böse gemeint.

Und wenn du dann selber geübt bist im Umgang mit anderen, dann kannst du ja auch kontern und die Lacher sind auf deiner Seite.

Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du bald deine jetzige Traurigkeit verlierst und mit neuem Mut in die Zukunft schaust.
LG
Santosha
 
P

proudwoman

  • #13
Seid bitte weiterhin freundlich zu mir, ja? Wenn mir das jetzt nicht passiert wäre und ich solche Zeilen von einer anderen FS lesen würde, würde ich auch denken: Nee, was es nicht alles gibt ...
Warum sollten wir denn unfreundlich zu Dir sein? Du bist ja eine total nette Frau und ich würde so ganz spontan sagen, der "Kerl" hat die ganze Zeit nicht gemerkt, was für eine feine Frau er da vor sich hatte.
Gute Idee von @void ! Das was Du da in nichtverliebten Zustand über ihn geschrieben hast, da würde ich sagen, auf Dauer macht er Dich nicht glücklich, ihr passt nicht zusammen. Das ist zwar auch ein arg strapazierter Rat, aber Du hast etwas besseres verdient. Ich habe das Gefühl, er hat Dich gar nicht wahr genommen. @Schnov hat Recht, das geht vorbei...liebe Cassel
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #14
Guten Morgen liebe Cassel,

es ist sehr schön und gleichzeitig traurig Deine Zeilen zu lesen. Du weisst es sicher selbst: Die Liebe beginnt in Dir. Es ist schon bezeichnend wie Du Dir diesen Mann zu Deinem Gunsten gut und dann nicht so schreibst. Du gehst Kompromisse ein und lässt Dinge zu ("Sie",unfreundlich, unaufmerksam, verletzend, oberflächlich), die nicht zu Dir passen und Dir nicht gut tun.

Mache Dir bewusst, dass es Dich nur so gibt wie Du bist und das finde zumindest und sicher nicht nur ich sehr gut. Dann wirst Du merken, dass der Liebeskummer auf (D)einer Wahrnehmung beruht, die nicht den Tatsachen entspricht. Du hast das Ganze Dir schön gefühlt und gedacht und nicht gut auf Dich aufgepasst. Lerne daraus.
 
  • #15
Danke, ihr Lieben.

Ich lasse nun einfach meine Trauergefühle zu. Wenn mir zum Weinen ist, weine ich eben. Ob das nun zu Hause oder ab Dienstag bei der Arbeit bei meiner engsten Kollegin passiert - ich unterdrücke es nicht. Wenn ich an ihn denke, versuche ich, weniger an die erste Begegnung oder die Begegnungen zu denken, in denen immer mal wieder die Hoffnung keimte, dass wir wenigstens irgendwie in Kontakt bleiben können, sondern ich denke dann besser an die unerfreulicheren launenhaften und kurz angebundenen Momente, die mich oft verunsicherten, aber ich trotzdem (meist) ein lächelndes Gesicht bewahrte.

Ich hatte in den letzten Monaten natürlich oft gedacht: Es wäre so schön, wenn ... aber dann sofort gedacht: Das kann nur was werden, wenn es mir gelungen wäre oder gelingen könnte, sein Herz zu berühren ...

Ich möchte wirklich versuchen, unter Menschen zu gehen. Wenn er von seinen Freunden berichtete, mit denen er sich abends traf, dachte ich manchmal: Ja, so lebt man heute. Nicht so wie ich. Der muss mich ja für total langweilig halten ... Es ist eben schwierig, Anschluss zu finden. Wenn ich allein z. B. ein Straßenfest besuche, sehe ich ringsum Menschen, die sich laut lachend unterhalten. Da bleibe ich meist nicht lange. Ein Verein? Da müsste ich überlegen, was eventuell in Frage kommen könnte. Sport geht eher nicht, weil ein Arm nach einer Mehrfachfraktur höchstens zu 70 % wiederhergestellt ist.

Aber ich gehe heute Nachmittag ein wenig spazieren. Auch wenn's regnet ...
Tut gut, mich hier ein bisschen ausquatschen zu können. Danke.
 
  • #16
Ich kann mich eigentlich genau in Deinen Club einreihen. Erstmal zu dem anderen Mann:

ich habe viel für ihn getan (dienstlich und privat). Das sei nun mal nicht üblich, sagte er damals zu mir ... aber mit anderen mir gleichgestellten Kollegen ging das.
Ich hab hier auch mal einen Thread gestartet, in dem es um was ähnliches ging. Wenn mir auf beruflichem Wege jemand begegnet ist, den ich toll fand, war ich immer bereit, mehr für ihn zu tun als ich gemusst hätte. Und das wurde auch sehr gern genommen. Aber zurück kam nicht die gleiche Aufmerksamkeit bzw. Üblichkeiten wurden nicht mal gegeben. Jemand, der so handelt, will einen klar auf Abstand. Anders ist das nicht zu deuten.
Ich denke auch, diese Männer halten es für Blödheit, dass man sich so "ausnutzen" lässt, so blind durch die eigenen Gefühle.

Nee, aber wenn Du das süß findest, reagierst Du zu Deinem Nachteil auf eitles Getue und die Tatsache, dass er Dich nicht gleichauf sieht. Wenn er immer freundlich und aufmerksam zu Dir gewesen wäre und Du ganz klar gemerkt hättest, dass er Dich mag, dann würde ich das vielleicht auch noch süß finden, weil es ja um Deine Gunst buhlt und Unsicherheit zeigt, ob Du ihn toll findest. Aber darum ging es ja nicht.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass Deine Anbetung für "verwirrte Dankbarkeit" gehalten wurde. Wenn er Dir geholfen hat und aber nichts von Dir wollte, Du Dich aber verliebt hast, wirkte das eventuell so, als wolltest Du, dass er sich um Dich noch mehr kümmert und Du anhänglich wirst. Jemanden, dem man hilft, sieht man auch meist nicht auf Augenhöhe. Also musste da auch Abstand her.

Ich dummes Schäfchen habe mich nie getraut zu fragen.
Sei froh. Nicht noch Öl ins Eitelkeitsfeuer.
 
  • #17
Ich weiß auch sehr schnell, ob ich jemanden liebe oder nicht. Früher war für mich damit auch gleich klar, dass man auch zusammen passt. Aber man weiß nicht, ob man auch das Verhalten desjenigen lieben kann und dessen Weltsicht und wie er mit Menschen umgeht usw. Also darf das Spontan-Gefühl allein auf keinen Fall einen "Vertrauensvorschuss in allen Bereichen" bedeuten. Es wirkt auf Menschen, die mit ihren Gefühle nicht so klar sind, so, als wäre man blind-gefühlsgesteuert oder ausnutzbar-blöd. Man überrennt die Gefühls-Langsamen damit auch, wenn man es sie merken lässt. Für narzisstische Charaktere ist man DAS perfekte Gegenüber.

Deswegen sollte man das meiner Ansicht nach nicht zeigen, dass man gerade einen potentiellen Partner vor sich zu sehen glaubt. Und das ist auch richtig, denn ein potentieller Partner kann derjenige nur werden, wenn auch der Rest passt, und das muss sich erstmal zeigen. Weitergedacht: Jemand, der erst rausfinden muss, ob er sich verlieben könnte, sich nicht sicher ist, was er fühlt usw., passt auch nicht zu Menschen, denen das gleich klar ist. Denn die werden ewig auf Leidenschaft und Feuer hoffen, das nie kommt, während die Langsamen immer misstrauisch sein werden, weil sie die Begeisterungsfähigkeit nicht verstehen und erst lange brauchen, um den Gefühlen anderer zu trauen und ihre eigenen zu entwickeln oder zu merken.

Ich habe eigentlich immer nur darum getrauert, dass der Mann nicht so war, dass ich eine Beziehung mit ihm hätte führen können, nicht darum, dass ich ihn nicht "bekam" und "es Liebe für mich nicht gibt". Das finde ich wichtig zu unterscheiden, weil das erste bedeutet, dass auch ich gesehen habe, dass ich nicht glücklich geworden wäre damit, das letztere bedeutet, dass ich mir einreden würde, ich sei nicht gut genug gewesen oder hätte irgendwas anders machen müssen. Das stimmt aber nicht.

Ich hab vor Zeiten mal folgendes sinngemäß in einem Buch gelesen, wo Beziehungen unterschieden wurden nach dem, was der Partner empfindet:
a) Ich liebe dich, aber das, was du tust und sagst, nicht.
b) Ich liebe dich nicht, aber ich liebe, was du für mich tust und sagst.
c) Ich liebe dich und was du tust und sagst.

Bei c) würde ich die Toleranzspanne betrachten, man muss ja nicht alles lieben, was der andere tut und sagt, a) macht dauerhaft unglücklich, b) ist einfach eine Nutzbeziehung, bei der die Person auch sofort warmwechseln würde und dann in Bedenken gerät, ob der nächste auch so aufmerksam, treu sein wird und ob der Lebensstandard gehalten werden kann usw.
 
  • #18
Gönne dir doch einfach mal den Besuch bei einer netten Kosmetikerin. Eine die nicht viel redet, aber Erfahrung hat.
Wo du dann in eine Decke geborgen liegst und das weibliche Feld dich wieder die Liebe spüren lässt - im Gesicht, am Hals ... einfach nur genießen und spüren, dass du ein liebenswertes Gesicht hast. Ja überhaupt, dass du ein Gesicht hast, das spüren kann, was vielleicht noch kein anderer Mensch oder Liebhaber mit deinem Gesicht sanft erweckt hat.
Mit gesunden Cremes und natürlichen Düften, geht das tief in die Seele.
Du musst für so einen Termin nichts erklären, einfach nur dass du entspannt genießen und dich erholen willst.
Ebenso kannst du dir deine Füsse massieren lassen. Den Rücken. Oder eine komplette schamanische Wellness gönnen von Zeit zu Zeit. Je nach dem was du wieder zu lassen möchtest. Es gibt viele Massagen, wo du deine Unterhose anlassen kannst - und es gibt sogar auch Massagen, wo man bekleidet massiert wird.
Suche dir aus, was in deiner Situation stimmig ist. Es sind wundervolle Möglichkeiten wieder Nähe und Berührung zu lassen zu können.
Tipp: Auch wenn du mit dem Arm teilweise gehandycapt bist, kannst du dennoch selbst auch etwas Wellness lernen (z.B. eine kleine Schröpfkopfmassage mit der gesunden Hand ausführen) mit der du dir selber oder anderen gut tust. Das ist doch prima für deine zukünftige Beziehung - lege die Saat.
Solche Kurse bringen Nähe. Alle Kurse welche die Sinne erfreuen, bringen viel Nähe unter den Teilnehmern - z.B. Kochkurs, Aroma-Öle, Tanzen, Paartanz... oder schau mal im VHS Programm nach Gruppentänzen oder alten rituellen Tänzen z.B. irischer Volkstanz, da ist echt was los.
Daheim kannst du dich dann ausruhen, aber aktiv gelebt wird draußen.
KOMM RAUS aus dem Grübeln ...

Alles was du an diesem Mann so liebenswert gefunden hast, waren Anteile in dir selbst, welche gelebt werden wollen:
Lachen, Plaudern, Raum einnehmen, Vital Leben, Es nicht soooo genau nehmen, Neues willkommen heißen als wäre es altvertraut,
...
'Er' ist zur Zeit weg ... Aber alles in dir, das gelebt werden will ist da und zwar so deutlich wie noch nie. Nimm es an!
 
  • #19
Hallo, liebe Cassel,

der Thread ist ja nun schon ein paar Jahre alt.
Mich würde interessieren, was Du heute darüber denkst, also über den Mann und Deine Gefühle. Hat Dein Liebeskummer noch lange gedauert, hast Du irgendwas gefunden, was Dir am besten geholfen hat?
 
  • #20
Mein Kummer hat noch sehr lang gedauert, aber das war kein Liebeskummer. Heute denke ich, das war auch damals kein richtiger Liebeskummer, sondern Kummer in einer seinerzeit psychisch ganz schwierigen Zeit. Und in die hat mich leider dieser Mann gebracht. Wenn ich damals ausführlich erzählt hätte, wie er sich mir gegenüber mehrfach verhalten hat, hätten hier wohl einige die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Dass ich mich nicht dagegen gewehrt habe.

Leider ging die Geschichte im Jahr 2017 noch weiter. Da war ich noch mal 3 Monate dort in Behandlung. Gesundheitlich war ich zu dem Zeitpunkt nicht mehr so angeschlagen wie das Jahr davor. Ich wollte das richtig toll abschließen. Ich war immer nur darauf gepolt, alles gut zu machen, was im Jahr davor nicht so lief. Ich war regelrecht unter Leistungsdruck.

Am letzten Behandlungstag erzählte er in meinem Beisein einer Praktikantin, wie schwierig er die Arbeit im Jahr davor mit mir fand und wie froh er war, als andere Kollegen mit einsprangen und er mich zeitweise abgeben konnte. Und das ist nur die Kurzform. Ich weiß das alles noch wortwörtlich. Ja - da sprach er genau das aus, was ich im Jahr davor immer wieder gefühlt habe, da er sich zeitweise auch keine Mühe gab, seinen Ärger zu verbergen (weil am Anfang die Fortschritte auf sich warten ließen) - und ich habe nicht auf mein Bauchgefühl gehört. Ich habe keine Konsequenzen gezogen.

Und mit einem Mal war klar: Der konnte mich wirklich nie leiden. Und zum "Abschied" würgte er mir das rein. Eine respektvolle Verabschiedung wurde so zunichte gemacht. Der hat richtig nachgetreten. Ich habe dem nie etwas getan.

Ich habe manchmal gelächelt, obwohl mir zum Weinen war. Ne richtige Ansage hätte der bekommen müssen. Der hatte völlig den Respekt vor mir verloren. Das ist einfach passiert. Lange Zeit habe ich mich deshalb rumgequält. Antworten gesucht. Viel geschrieben. Ich glaube, ich hatte sogar Flashbacks, wenn ich an Orten war, die mich an diese Zeit erinnerten. Ein Häufchen Elend war ich, ohne Selbstvertrauen.

Letztes Jahr schrieb ich eine Beschwerde. Weil ich abschließen wollte. Weil ein respektvoller Abschluss ja nicht möglich war. Weil ich spürte, dass ich über dieses gemeine Verhalten sonst nie wegkomme. Und weil ich mich die ganze Zeit verkannt fühlte.

Wenn ich hier lese, wie manche Menschen andere runtermachen, um sich selbst zu erhöhen, am liebsten von sich sprechen und sich selbst zu lobpreisen - das hat auch er gemacht. So offensichtlich. Sein Verhalten mir gegenüber lese ich hier immer wieder in anderen Geschichten. Er ist ein N. wie aus dem Bilderbuch.

Die Traurigkeit wird nie so ganz weggehen - fürchte ich ... obwohl ich einiges aus dieser Zeit gelernt habe ...
 
  • #21
Vielen Dank für Deine Antwort.
Das klingt alles sehr traurig. Zumindest weißt Du, dass es kein Liebeskummer war. Ich glaube, manchmal bringen andere Menschen Saiten in einem zum Klingen, ohne dass man diese Leute dann auch wirklich will, dass sie die Musik am Laufen halten.

Sein Verhalten klingt wirklich gemein. Ich glaube, es gibt Menschen, die sich dadurch, dass ein anderer seine Grenzen nicht verteidigt, gereizt fühlen, die immer mehr zu überschreiten. Ich hatte auch schon mit solchen Leuten zu tun, beim Studium z.B., bei denen es klarer Machtmissbrauch war, denn ich war in gar keiner Position und anfangs hatte ich auch Vertrauen.

Dass narzisstisches Verhalten solchen Kummer hinterlassen kann, ist irgendwie unerklärlich. Irgendwas bedienen die doch, wonach man sich im Außen sehnt, aber innerlich entwickeln müsste, um Narzissten zu erkennen und einen Bogen um sie zu machen.

Ich kenne auch, dass es mich total irritiert(e), wenn jemand plötzlich fies wurde. Manchmal habe ich gar nicht gemerkt, dass das eine Aggression werden sollte. Z.B. wenn mir jemand Fragen auf ner Party stellte quer übern Tisch, um mich eigentlich mit den Antworten bloßstellen zu wollen (z.B. dass ich sagen "muss", dass ich Single bin und niemanden "gefunden habe" bislang, oder weil die Frau hoffte, dass ich mein Studium geschmissen habe, fragte sie, ob ich es zu Ende gemacht habe). Da konnte ich auch keine Grenze setzen, obwohl das sehr unangenehm war, so fanatisch ausgefragt zu werden. Ich hatte auch Hemmungen, die Party zu stören mit "harten Worten".

Bei solchen Kummerbekanntschaften wie die bei Dir versuche ich, mir immer zu sagen, dass das Leben zu kurz und zu kostbar ist, um wegen ihnen traurig zu sein. Also so in Richtung, dass man sich selbst auch entscheiden kann, woran man denkt, und ob man strahlt oder in sich gekehrt ist. Klappt natürlich nicht immer, aber immer besser.

Ach, und was ich auch kenne: Wenn man sich irgendwas vorstellt, wie es laufen soll (so wie Du mit dem guten Abschluss) und dann wird es richtig besch***en. Und manchmal - ganz selten - gibt es einen Flow, wo man es weder fürs Ego mal gebraucht hätte noch anstrebte. Wenn ich das Rezept wüsste ...
Und dieses Gefühl, nicht genug gemacht zu haben oder dass man was anderes hätte machen müssen, um einen zwischenmenschlichen Erfolg zu haben, das kenne ich auch. Aber ich seh das so, dass Menschen, die einen mögen und was empfinden, genauso ticken müssten und einem entgegenkommen, statt einen aufzugeben oder sogar gemein zu werden. Wenn man empfindsamer ist als andere, sich mehr Gedanken macht, ist man manchmal überrascht, dass bei anderen so gar nichts da ist. Ich vermute dann immer noch, dass da wenigstens ein paar Gedanken sind, ein bisschen Reflektieren. Ist vielleicht der Wunsch, dass es doch ein bisschen Bedeutung gehabt hätte für den anderen. Aber ich fürchte, das war einfach einseitige Energieverschwendung.
 
  • #22
Auch eine solche Reaktion gab es mal. Während meiner Eingliederungszeit fragte er mich, wie es denn so laufe. Als ich ehrlich sagte, dass mich die stundenweise Arbeit doch sehr ermüde ( ich muss auch hinzufügen, dass die sogenannte Wiedereingliederung mehr ein Durchjagen war bei fast vollem Arbeitspensum. 1. Woche 4 Stunden, 2 Woche 6 Stunden, während ich kaum Kraft im rechten Arm hatte), da rief er einer Kollegin, die auch gerade jemanden in Arbeit hatte, zu: Du, ist sie letztes Mal bei dir eingeschlafen?

Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon so einiges eingesteckt - und war noch immer nicht in der Lage, mich zur Wehr zu setzen.

Aber ganz zu Anfang - da war er nett, lustig, unterhaltsam, lachte mir zu ...
(machte sich wichtig, wollte überall auffallen, überall mitreden. Was wirklich dahintersteckt, erkennt man immer erst später).

Zu einigen Threads fallen mir immer wieder Parallelen ein, und manchmal bringe ich dann Beispiele aus dieser Zeit. Wie neulich, als es darum ging, warum manche Männer angebliche "Makel" ansprechen. Der "Waren die Arme eigentlich schon immer so"-Spruch kam ja auch von ihm. Und dass ich wegen der langen Narbe am Ellbogen im Sommer keine Shirts tragen könne (Shirts? Ich liebe meine schönen Sommerkleider, auf die ich nie verzichten würde ):cool:

Im Großen und Ganzen habe ich mir immerhin schon mal fast selbst verziehen. Ich war ja physisch durch den Unfall eingeschränkt. Die psychischen Probleme kamen ja dann durch ihn dazu. Ich habe mir lange Zeit gesagt: Das war krankheitsbedingt, dass ich mich nicht besser zur Wehr setzen konnte.

Aber es ist absolut richtig, dass das Leben eigentlich zu kurz ist, um wegen eines solchen Mannes langzeit zu leiden. Aber das Ganze hat nun mal einen ganz gewaltigen Knacks bei mir hinterlassen.
 
  • #23
Leider gab es auch Zeiten, wo er öfter unfreundlich zu mir war. Das hat …letztendlich verhindert, dass ich mich ihm gegenüber so öffnen konnte, wie ich das gern getan hätte.
Ernsthaft @Cassel,

du hast dich mit einem Mann beschäftigt, der "unfreundlich" zu dir war? Wieso? Nur damit du nicht alleine warst?

Mein Hobby ist übrigens alte Film- und Pressefotos sammeln. Ich rede kaum darüber, weil ich davon ausgehe, dass die meisten das eher langweilig finden.
Ich überlege gerade, wie das ist.
Legst du diese alten Film und Pressfotos in Heften oder Alben ab und bewahrst sie dann in Schränken oder Schubladen auf?
Und dann schaust du sie dir hin und wieder an?

Was ist alternativ oder zusätzlich mit körperlichen Dingen, wie Tanzen, Laufen, Wandern etc.?

Kennt ihr - die ihr sicher auch nicht selten in eurem Leben Liebeskummer hattet - einen "Trick", so schnell wie möglich wieder so glücklich zu werden wie man war, bevor dieser bestimmte Mensch in euer Leben trat?
Liebeskummer hatten sicher viele schon mal und er geht irgendwann vorbei. Warum tust du nicht das, was du gemacht hast, als du noch "glücklicher Single" warst?

Kennt ihr auch dieses Gefühl, dass nichts mehr Spaß macht, woran man vorher Freude hatte? Ich möchte mich gern wieder so fühlen, wie ich mich letztes Jahr gefühlt habe ...
Hast du kein Interesse daran, etwas gemeinsam mit Menschen zu machen - was zugegeben, derzeit überwiegend nur online geht - dann hole deine Film- und Pressefotos raus und schau dir an, was du in den Jahren alles so gesammelt hast.

Oder beschäftige dich mal mit neuen und ganz anderen Dingen, soweit dies während der Corona-Einschränkungen möglich ist.

Es ist Einstellungssache, wie du dich fühlst. Wenn du dich also fühlen willst, wie letztes Jahr, dann kannst du das auch.
 
  • #24
Dieses Zur-Schau-gestellte Märtyrium, dass er sich um Dich kümmern musste, und diese Gehässigkeiten dabei sehe ich auch als Paradebeispiel, dass er sich Deiner bedient hat für dieses narzisstische Aufwerten.
Ich denke auch, wenn man schon eine Krise hat aufgrund eines Unfalls, dass man dann besonders mit sich beschäftigt ist und nicht die Kraft hat, sich noch gegen solche Grenzüberschreitungen von außen zu wehren.

Der Vollpfosten, der das bei meinem Studium damals machte (allerdings lief das anders als bei Dir, weil er ja eine Lehrkraft war und nicht offen zu mir so sein konnte), sagte dann am Ende mal, als er sich eigentlich hätte bei mir entschuldigen müssen, weil klargeworden war, dass er mir Unrecht getan hatte und das als Grund genommen hatte, mir wiedermal zu zeigen, dass ich ein Nichts bin, dass er das nur getan hatte, um mich voranzubringen. Der Druck sei gutgemeint. So ungefähr, als ob ich sonst nichts schaffe. Völlig bescheuert, weil es die ganze Zeit sichtbar war, dass das nicht stimmte, und vor allem eine nette Erklärung für ihn, sein wirklich mieses Verhalten zu rechtfertigen.

Ich habe schon öfter von Leuten aus der Medizin (nicht Ärzten, nur Sprechstundenhilfen, Krankenschwestern und Krankengymnastikkräften) solche Geschichten gehört. Niedertracht, Sadismus und, dass die Person makelbehaftet sei oder eben sich nicht so haben solle (wenn man was am Makel ändern wollte). Dazu eigene Diagnosen, dass es aussichtslos sei, was man wollte als Patient.
Einer sagte mal zu einer Mutter, dass ihr Baby in der Schule wohl keine Leuchte werden würde. Das hatte der Mann an der Kopfform des Kindes sehen wollen.
Ich denke, die merken die Verunsicherung und die Verletzlichkeit, und das reizt sie, ihren Frust da ganz "fachmännisch oder -fraulich" abzulassen. Dabei überschreiten sie nicht nur ihre Kompetenzen.
 
  • #25
Ich finde, Du hast gar nichts zu "verzeihen" bei Dir, also im Wortsinne. Es passierte leider so und Du hast draus gelernt. Das bzw. Dich in der Situation musst Du nicht bewerten, weil es selbst ohne Unfall ja von irgendwoher kam und man nicht "fertig" ist, dass man nie was dazuzulernen hätte.

Klar, man ärgert sich drüber, weil man sich hat schikanieren lassen, aber hinterher noch was negatives Bewertendes über sich zu denken, ist für mich, genau die Position einzunehmen, die dieser andere schon eingenommen hat. Ist ja auch ein Niedermachen von einem selbst.
Man sollte sich trösten, dass man auf diese fiese Art etwas im Leben lernen musste.

Ich hatte mir, als es mir mit dem Bewerten mal genauso ging und ich mich selbstwertmäßig am Boden fühlte, plötzlich gedacht, ob ich andere auch so bewerten würde, abwerten würde. Und die Antwort war natürlich "nein". Jedenfalls nicht bewusst, denn wenn ich bei mir so denke, kann ich ja nicht behaupten, nicht unbewusst auch bei anderen so zu denken. Soll heißen, wenn ich meine, dass ICH das leisten müsste für Selbstwert, denke ich EIGENTLICH auch, dass andere es müssten, aber ich sehe das natürlich vordergründig nicht so. Der andere ist Opfer geworden und darf das sein, aber ICH nicht, MIR darf das nicht passieren.
Warum nicht? Weil ich denke, ich müsste alles besser können? Wieso, warum muss ich einen anderen Maßstab, einen anspruchsvolleren, erfüllen?
Also Frage: Würdest Du denken, dass jemand anderer in Deiner Lage damals sich was zu verzeihen hätte? Dass er was falsch gemacht hat, das er hätte anders machen können, und daher quasi "verdient" hat, dass ihm das passiert?
Ich denke nicht, dass Du das so siehst. Ich seh das auch nicht so. ER ist derjenige, der sich mies verhalten hat. Und ja, er hat dadurch bewirkt, dass Du Dich stärkst gegen sowas.

Wenn man es esoterisch sehen will ohne Emotionen, so hat er was aufgedeckt, das Du bearbeiten musstest, da es nunmal diese zerstörerischen Menschen auch gibt und es nur eine Frage der Zeit ist, bis man dem nächsten begegnet. Aber das ist nur die eine Ebene, die andere ist die Gefühlsebene, und hier könntest Du, statt Dir was verzeihen zu wollen, Dich selbst auch in den Arm nehmen und Dich trösten.

Und selbst wenn man sagt "diese Lehre des Lebens ist halt passiert und ich habe drunter gelitten", muss man sich nicht BEWERTEN, dass man diese Lehre überhaupt "brauchte" oder gar, dass man in der Situation eben schwach war und sich nicht verteidigen konnte.

Er müsste sein Verhalten viel eher bewerten und sich grämen. Und sich dann auch sagen, ich konnte nicht anders, weil es in meiner Vergangenheit xy lief (vielleicht hatten sie nie die Chance zu einem Medizinstudium und sind nun dauermissgünstig Frustrierte). Und das müsste er sich verzeihen, dass er so hässlich zu anderen Menschen war. HIER gibt es ja wirklich was zu arbeiten mit "um Verzeihung bitten". Aber nicht bei demjenigen, der unter einem anderen gelitten hat.
 
  • #26
Warum tust du nicht das, was du gemacht hast, als du noch "glücklicher Single" warst?
Zunächst einmal ist das ja ein alter Thread aus 2016. Ich schrieb das vor 4 Jahren. Gestern habe ich auf eine Frage von void mich noch mal nachträglich zu dieser alten Geschichte geäußert.

Ich bin ein glücklicher Single. Mit diesem Mann war ich auch nicht zusammen. Es war ein Dienstleistungsverhältnis. Ich war seinerzeit in physischer und psychischer Hinsicht nicht mehr ich. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich wieder die wurde, die ich vorher war.

Was mir damals passierte, würde ich heute nicht mehr zulassen. Ich war in einer ganz schwachen Position und auf Hilfe angewiesen. In dieser Zeit habe ich hin und wieder Abwertungen erlebt. Und am letzten Tag kriegte ich noch mal so richtig einen mit ...

Das war's eigentlich. Void hat sehr gut verstanden, was mir da passierte, und sie kann es nachfühlen. Genau so war es ....
 
  • #27
Das war er. Ich hatte damals, als ich hier mein Herz ausschütten wollte, immer Angst, mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Mir war auch klar, dass ich hier wohl ziemlich Haue bekommen würde, wenn ich wegen seiner Abwertungen ins Detail gegangen wäre. Und das hätte mich sicher noch ein Stück weit unglücklicher gemacht.

Niedertracht und Sadismus - ich bin überrascht, wie gut du das einschätzen kannst, liebe void, obwohl ich nur einen Bruchteil dessen erwähnt habe, was ich da wirklich erlebt habe. Eine Frau, die ich damals im Krankenhaus kennenlernte, schlug mir eine Therapie vor. Das wollte ich nicht. Ich habe das überwiegend allein mit mir ausgemacht.

In einem anderen Zusammenhang - das hatte nichts mit diesem Mann zu tun - habe ich das auch mal erlebt, dass einer dachte, man müsse mich mit harschen Worten antreiben. Das war mein Fahrlehrer in den 1980er Jahren - lange her und auch eine unangenehme Erfahrung. Manche Menschen bilden sich ein, sie könnten andere einschätzen - und liegen dabei völlig falsch und machen's nur noch schlimmer.
 
  • #28
Manche Menschen bilden sich ein, sie könnten andere einschätzen - und liegen dabei völlig falsch und machen's nur noch schlimmer.
Genau, und dann geben sie auch noch ihrem innerlichen Frustabbau-Sadisten Zucker. Wobei ich mir bei dem Fahrlehrer noch vorstellen könnte, dass der einfach nur ungeduldig und ruppig war und dachte, hier könnte er es ungefiltert rauslassen. Sadismus ist ja noch was anderes als Genervtsein und sich nicht benehmen, wobei das aber nun keine Eigenschaft ist, die ein Lehrer haben sollte.

Der Mann, mit dem ich an der Uni zu tun hatte, war auch mal Lehrer und an der Uni so richtig frustriert, dass er kein Prof war. Alle Macht, die ihm gegeben war, war die über seinen Bereich, der von Profs ab und an gekürzt und für weniger wichtig eingeschätzt wurde, und über die Studenten, die von ihm abhängig waren. Wenn er z.B. merkte, dass man es eilig hatte, weil man noch eine Lehrveranstaltung hatte, machte er extra langsam. Das war der Beweis für mich, dass sein "Druckausüben" keineswegs der Lehre diente, sondern nur seinem inneren Abgang. Am Schluss überschritt er seine Kompetenzen und konnte nur durch eine Mauschelei seinen Fehler wieder beheben, den ich sonst hätte ausbaden müssen. Und dann hätte ich aber erzählt und auch einen Zeugen dafür gehabt, dass er schuld daran gewesen wäre.

Ich habe das überwiegend allein mit mir ausgemacht.
Ich irgendwie auch. Aber ich konnte eine Zeitlang nicht aufhören, über diesen A. zu reden. Meine Familie stöhnte schon. Aber die haben auch nie das Richtige gesagt wie "Mann, der ist furchtbar", sondern immer nur Lösungsvorschläge machen wollen, die nicht brauchbar waren und von denen oft einer auch noch lautete "wenn du es nicht aushältst, musst du aufgeben". Wegen so einem dann noch mein Leben vermurksen ... Vor allem hieß das ja, dass alle anderen Studenten das gut wegsteckten, aber zu denen war er ja nicht so. Wieder mal MEIN Manko, hätte das geheißen.
Aber mich hat das auch nachhaltig beeinflusst. Wenn man woanders unter der Macht eines Menschen steht, eines Chefs z.B., und dann aber die Situation nicht ändern kann, muss man dauernd Grenzverteidigung betreiben, was Energie zieht, oder man wird gleich so massiv, dass er einen in Ruhe lässt. Aber das ist jetzt auch nicht unbedingt was, das ich bräuchte. Und bei einem Sadisten denke ich, dass der mit einem Mal Grenzsetzung nicht zufrieden ist. Ich glaube, die einmalige Grenzsetzung funktioniert nur bei diesen unfreundlichen, trampeligen Leuten, die dann merken, dass auch was zurückkommen kann.
Heißt es nicht auch, dass man Niederträchtigen nur ausweichen kann, denn es gibt kein positives Verhalten, mit dem man die Situation ändern könnte?
 
  • #29
Wenn er z.B. merkte, dass man es eilig hatte, weil man noch eine Lehrveranstaltung hatte, machte er extra langsam.
Klingt ähnlich fies wie das nach meinen ersten Schwimmversuchen im Bewegungsbad, die mir Spaß machten, aber natürlich am Anfang anstrengend und ermüdend waren. Als ich ihm das sagte und ausnahmsweise einmal ziemlich groggy auf der Liege lag, wollte er sofort eine Ergometer-Übung. Was sonst immer nur am Schluss der Stunde gemacht wurde. Ich habe das sofort durchschaut, aber das alles mitgemacht, damit er keinen Grund bekam, sich an höherer Stelle (Ärzte) über mich zu beklagen. Ich wollte seiner Behandlung nicht im Weg stehen, damit er keinen Grund zum Ablästern hatte. Es ging mir damals um "so gute Leistung wie möglich erbringen und Sympathien zurückbekommen. Überzeugen wollen, dass ich auch ein guter Mensch bin". Hört sich irgendwie furchtbar und klein an? Klar - ich war ja psychisch am Boden. Aber wenn dann mal was richtig gut lief - dann war ich so glücklich. In meinen Illusionen ...
 
  • #30
Liebe Cassel,

Schön, wenn es Dir wieder gut geht.

Aber - die Verletzungen bleiben, mit Glück heilt es etwas.
Aber das Misstrauen bleibt - und die Erfahrung, genau dann, wenn man schwächer ist, sich vielleicht nicht wehren kann, dass dann genau diejenigen, die man braucht, denen man vertrauen muss, in dieser Situation ihre Macht missbrauchen.
Wohl wissend, dass ihre Übergriffe ungeahndet bleiben.
Weil man sich als Opfer schämt, es bagatellisiert....

Ich passe heute schon sehr darauf auf, mich nicht in Abhängigkeiten zu begeben, Kontrolle zu bewahren...
Die Narben bleiben.

Ich glaube nicht, dass es in solchen Situationen Liebe ist, die man empfindet, sondern das Kind in einem sich nach Wärme, Geborgenheit, elterlichen Liebe und Fürsorge sehnt - und dann alles in Kauf dafür nimmt für die Illusion.

Schade, dass gerade in diesen Gesundheitsbereichen etliche Menschen diese Schwäche missbrauchen.

Pass gut auf Dich auf,
Du liest Dich total lieb.

W,50
 
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