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  • #1

"Kinder als Megaprojekt"

http://www.n-tv.de/politik/Kinder-als-Megaprojekt-article9811006.html

Klingt ganz schön ernüchternd. Verkopfte deutsche Mentalität anstatt sich emotional auf etwas erfreuliches einzulassen?

http://www.n-tv.de/politik/Die-grosse-Unlust-article9808311.html

"Die Untersuchung zeigt: Das liegt nicht nur am Geld oder an fehlenden Kita-Plätzen."
Das ist eigentlich die Grundessenz dessen was ich schon oft vermutet habe. Es liegt nicht an diesen "Grundlagen" sondern imHo daran, dass wir ein "männliches" Karrierebild haben und das sieht nunmal vor, den zu bevorzugen der am meisten für den Job gibt. Und da wir ein berechnendes Volk sind, rechnen wir in Stunden und nicht in "Leistung". Zumindest die meisten Betriebe machen immer noch "Dienst nach Stechuhr" und verzichten auf die individuelle Beurteilung nach Leistung.

Also "Frauen zurück an den Herd" kanns nicht wirklich sein, aber was tun, wenn die Politik genau dieses Frauenbild eigentlich haben will und sogar finanziell unterstützt?
 
G

Gast

  • #2
Die Politik unterstützt mitnichten das Bild 'Frauen zurück an den Herd'.
Im Gegenteil, Frauen, die ihre Kinder selbst betreuen wollen, an deren Entwicklung teilhaben wollen, wird genau das ziemlich schwer gemacht. Tatsächlich bedeutet es finanzielle Einbußen hinzunehmen.

Ich wollte aber nie ein Kind 'nebenbei' aufziehen, für das immer nur die Zeiten übrig sind, die für Beruf, Leistung, Karriere nicht benötigt werden.

Daher habe ich ab der Geburt meines Kindes von zu Hause gearbeitet, Arbeitszeiten eingeschränkt und dafür aktiv an der Entwicklung meines Kindes teilgenommen.
Man muß Prioritäten setzen!
Wenn ich irgendann mal von dieser Welt gehe, werde ich in den Minuten davor sicher nicht vermissen, mich mehr um Karriere gekümmert zu haben.
 
M

Mooseba

  • #3
Ich bin auch erschrocken, wie üblich es vor allem in Westdeutschland noch ist, dass die Frau grundsätzlich zuhause bleibt, sobald das erste Kind da ist, und dann vielleicht später mit ein bisschen Teilzeit wieder arbeitet. Ist im Osten deutlich seltener. Eine der wenigen Sachen, die dort besser laufen.

Dennoch glaube ich nicht, dass dies Hauptursache für die zurückgehende Bereitschaft zum Kinderkriegen ist. Es liegt vielmehr an der bereits angesprochenen verkopften deutschen Mentalität, geprägt von protestantischer Arbeits- und Pflichtethik, German Angst, einer gewissen, immer noch vorhandenen, aber gern geleugneten nationalen Scham, einer eher geistigen Schwere (nicht Schwermut) bzw. Tiefe (die deutschen Denker waren schon weltweit eine Ausnahme, mit ihrem schweren Gedankengängen und ihrem Absolutheitsdenken), deutsche Genauigkeit und somit Übervorsicht (alles muss genau geplant sein) usw. Das wirkt jetzt alles weit hergeholt, aber das hat uns über Generationen, durch unsere Sozialisation, durch unser Bildungssystem etc. geprägt. Den Deutschen als Volk mangelt es an Selbstbewusstsein, aber sicher nicht an vermeintlichen Sorgen und das schlägt sich auch im Fortpflanzungswillen nieder. Das Einfach-so hat uns noch nie gelegen.

So, das war jetzt mal ein Kauderwelsch.
 
G

Gast

  • #4
Tatsächlich bedeutet es finanzielle Einbußen hinzunehmen.
Diese Einstellung ist meiner Ansicht nach der Hauptgrund für die geringe Geburtenrate. Es ist die Gier der aktuellen Frauen-Generation nach Konsum und Status.

Kein Mensch käme auf die Idee neue Autos als "finanzielle Einbußen" zu sehen, oder Fernreisen, oder die viel zu grosse Wohnung, der überfüllte Kleiderschrank, die vielen Restaurantbesuche, und das Geld verpraßen im allgemeinen - aber Kinder werden als "finanzielle Einbuße" wahr genommen. Verkehrte Welt.

Kinder bedeuten Glück, Kinder sind ein Privatvergnügen, Kinder kosten Geld, und es ist gut so. Menschen sollten es so sehen, dass Zeit und Geld niemals besser als in eigene Kinder investiert werden kann.

m
 
  • #5
Es ist die Gier der aktuellen Frauen-Generation nach Konsum und Status.
Menschen sollten es so sehen, dass Zeit und Geld niemals besser als in eigene Kinder investiert werden kann.
Es ist nicht Gier, sondern andere Vorstellungen und Verwirklichungen ihrer Art zu leben.

Es gibt Frauen und Männer, denen bedeutet Bildung, Beruf und Karriere mehr, anstatt Kinder.
Die wollen lieber in ihrem Job bleiben, anstatt Kinder. Die haben nichts gegen Kinder, aber wollen selber Keine. Weil ihnen Anderes mehr zusagt.

Außerdem mehr Möglichkeiten im Job. Mal drei Überstunden am Abend - kein Problem.
Mal für den Job ins Ausland fliegen - kein Problem. Weil zuhause keine Kinder zu versorgen.

Intensiver Job = Ruhe und Erholung in ihrer Freizeit wichtig. Die haben keine Kraft und Nerven zuhause sich auch noch mit Familie auseinander zu setzen.

Außerdem finanzielle Unabhängigkeit. Eigenes Geld, statt von einem Mann abhängig zu sein.
Selber entscheiden können. Keine Vorwürfe, denn sie geben ihr eigenes Geld aus.

Wer aber lieber Kinder haben möchte, statt Anderes - auch ok.

Der Ein hat sein Mega-Projekt im Job - der Andere mit seiner Familie zuhause.

"Jeder soll nach seiner Facon selig werden" (Friedrich II., König von Preußen, 1740)
 
G

Gast

  • #6
Wenn mein Arbeitgeber mir jeden Monat ein Rätsel namens Lohn hinterlässt, dass mich Haushaltsbuch führen lässt damit ich ein für mich allein akzeptables Leben führen kann - wie soll ich dann auf einmal den Kopf ausschalten und planlos 7 neue Zwerge in die Welt setzen?
Ich bin nicht arm und verdiene sicher über dem Durchschnitt, aber dennoch habe ich einen Anspruch an mein Leben, den ich nicht aufgebe. Eventuelle Kinder sind für mich verlustfrei oder bleiben eben aus. Her mit der Kohle und ich zeuge ein neues Dorf, kein Problem. Stehen halt leider Charakterschweine wie Herr Hundt im Weg (die Elternzeit wird wahrscheinlich eher abgeschafft als die NPD) und die tolle deutsche Lohnzurückhaltung, damit der Export nicht gefährdet ist. Das geht soweit, dass das Ergebnis nicht nur fehlende Binnenkaufkraft ist sondern eben auch Kindermangel. Aber in 30 Jahren, wenn die Geizigkeit der Arbeitgeber endlich in einem echten Fachkräftemangel resultiert hat, werde ich mal eine Woche durchlachen.

Das Durchschnittkind kostet bis zur Volljährigkeit eben soviel wie ein Durchschnittshaus, warum soll ich das verklärt ausblenden?
 
G

Gast

  • #7
Ich bin der Ansicht, es geht auch darum, dass viele von uns es "richtig" machen wollen, vielleicht neigen wir in der Hinsicht auch stärker zu Selbstzweifeln. Mir blieb ein Gespräch mit zwei Italienerinnen in Erinnerung, in dem ich sinngemäß etwa sagte, dass Kinder ein sehr hohes Verantwortungsgefühl erfordern und man soviel falsch machen kann, worauf beide Italienierinnen sinngemäß antworteten, dass das schon irgendwie ginge und und gar nicht so kompliziert wäre.

Einfach ist es meiner Meinung nach für die Unterschicht, die sich keine Gedanken macht und für die Oberschicht, die die meisten Probleme auf Grund verschiedenster Ressourcen lösen kann. Für alle dazwischen ist es schwierig.

w/50
 
G

Gast

  • #8
Hätte ich heute nochmal die Wahl - mit dem Wissen und den Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gesammelt habe - ich würde mich auch gegen ein Kind entscheiden. Ja, man ist in Westdeutschland Anfeindungen ausgesetzt als Mutter, die Vollzeit arbeiten geht. Man wird schräg angeschaut und wird, je nach persönlichem Engagement in Kindergarten oder Schule partiell geduldet im Kreise der zum Teil doch durchaus faulen,Kaffee trinkenden Muttertiere, die das Geld ihrer Männer ausgeben, die Kinder täglich mit dem familieneigenen Van durch die Gegen kutschieren und sich damit als unentbehrlich und vielbeschäftigt ansehen. Da Stillstand durchaus Rückschritt bedeutet, drehen sich deren Gespräche um Windeln, Babyfläschen und Freizeitbeschäftigung oder die neusten Angebote bei Aldi und Co sowie Schimpfen, dass die paar Teilzeitstunden Arbeit doch so anstrengend sind - während mein Horizont ständig im Berufsleben weiter gebildet wurde. Unterschiedlicher hätten Lebensentwürfe nicht sein können - Zustimmung habe ich damals vor 12 Jahren hauptsächlich von ehemaligen ostdeutschen Frauen erhalten.

@Bernd50 ja, jeder (jede Mutter/Frau) sollte nach seiner Facon glücklich werden - aber es sich auch selbst leisten können und bezahlen! Sich vom Ehemann auch über die Ehe hinaus finanzieren zu lassen, nur weil man vorher lieber zuhause war, statt arbeiten zu gehen, ist unfair. Da kommt dann immer das Argument "Zum Wohl der Kinder". Doch komisch, warum werden denn Kinder von Vollzeit arbeitenden Mütter auch groß, intelligent und erfolgreich und sind teilweise sogar selbständiger und besser erzogen als Kinder von Vollzeitmüttern? Aber, da nicht sein kann, was nicht sein darf, .... w/43
 
  • #9
Ich glaube, es sind zwei Sachen. Einmal die sehr zählebigen westdeutschen Traditionen, die dazu von der Politik unterstützt werden. Da machen sich Frauen untereinander die Hölle heiß, sich nicht genug um die Kinder zu kümmern (früher ging es dazu noch um die Dauerwelle und die Sauberkeit der Hauses). Eng damit verknüpft ist eine extreme Zahlungsbelastung für den Mann. Er hat für den Spaß aufzukommen, ob er von seiner Frau und seinen Kindern nun noch etwas hat oder nicht. Die Belastung des Mannes äußert sich im Zeugungsstreik. Viele Frauen über 30 wollen Kinder. Die von ihnen angepeilten Männer meist nicht.
In Ostdeutschland sind die Kinderbetreuungsmöglichkeiten besser und die Menschen anders sozialisiert. Da ist es nicht unbedingtes Ziel, dass sich eine Frau vom Mann abhängig macht. Nur hier sind die Verdienst- und Jobmöglichkeiten begrenzt. Wer was drauf hat, geht zum Arbeiten in den Westen und dann s.o.
Es ist ganz interessant, was im provinziell westdeutsch geprägten Prenzlauer Berg gerade passiert. Die studierten Frauen, die früher selbstverständlich zu Hause blieben, ob ihre Männer das nun toll fanden oder nicht und dann um die besten Cupcakes zum Kindergeburtstag wetteiferten, die beste frühkindliche Förderung organisierten, Bioterror vom Zaun brachen oder aber dem Bovarismus anheim fielen und sich gelangweilt scheiden ließen, arbeiten größtenteils wieder. Die Kosten für Wohnen und Kinderbetreuung sind enorm gestiegen, das schafft eine Arbeitskraft nicht mehr, das zum Einen. Zum Anderen sind eine Menge Familien aus Frankreich, Skandinavien, Amerika und Spanien zugezogen, die es total schräg finden, dass sich studierte Frauen wie Nannies am Tag auf den Spielplatz setzen. Das gesellschaftliche Mikroklima hat sich geändert, was dem Stadtviertel sehr gut tut.
 
  • #10
Es ist die Gier der aktuellen Frauen-Generation nach Konsum und Status.
So ein Schwachsinn, es wäre für mich nie infrage gekommen, mir auf Kosten des Erzeugers meiner Kinder zu Hause einen faulen Lenz zu machen, nur weil ich ein Kind geboren habe. Ebenso wurde in der ersten Zeit jeweils sehr viel für das jeweilige Baby, bzw. Kind investiert.
Genau so bin ich sowohl mit Kind dabei bzw. später mit Kind in der Kita arbeiten gegangen, es stellte sich bei uns nicht die Frage, selbstständig, Publikumsverkehr usw.
Dieses ganze Getüdel um die ersten, wichtigsten Jahre des Kindes, die man niemals in fremde Hände gegeben hätte usw. geht mir gewaltig auf den Keks. Es gibt einfach zu viele Familien, bei denen sich solche Fragen von vorn herein verbieten. Und wenn ich etwas lese von Rabenmütternplatzt mir eh jedes Mal gleich der Kragen.
Und weil dies so geworden ist, weil Müttern mit kleinen Kindern ÜBERALL Steine in den Weg gelegt werden, meist nicht mal von den Arbeitgebern, wir beschäftigen im Moment auch zwei Mütter mit Kleinkindern, sondern von ihrem Umfeld, von den Bessermuttis mitsamst ihren Ehemännern aus dem vorletzten Jahrhundert, deshalb denke ich, daß es wohl eher was mit eigenem Verschulden zu tun hat, wenn man sich so etwas freiwillig antut. Und ein gewisser, immer größer werdender Prozentsatz der deutschen Frauen ist wohl in der Lage, dieses zu reflektieren.
Ist es denn nicht so, daß nach dem Willen dieser Besserwissenr, eine Frau aufhört, sie selbst zu sein, solbald sie ein Kind geboren hat? Zumindest wird genau dieses als DAS allein seelig machende angesehen!
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #11
Die Geburtenrate in der ehem. DDR war ja durchaus bedeutend höher als heute. Die Ursachen könnten darin liegen:

- bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf - damit meine ich: mehr Kita-Plätze, aber auch bessere Wiedereinstiegschancen von Frauen nach einer Babypause,
- niedriges Konsumklima: Die täglichen Lebenshaltungskosten waren niedrig, all die ganzen Selbstverwirklichungsprojekte, Weltreisen und Shoppinganfälle gab es politisch bedingt nicht;
Die Anzahl der Möglichkeiten war begrenzt und damit auch die Angst, etwas zu verpassen
- Kinder gehörten einfach zu einem normalen Leben dazu und auch Männer wollten ihre Kinder bis zum Alter von 30 bekommen (heute fühlen sie sich mit 40 noch zu jung dazu)

Damit will ich unter keinen Umständen sagen, daß ich diese Zustände begrüße, es ist lediglich ein Erklärungssansatz. Für die heutige Zeit sehe ich noch folgende Probleme:

- Perfektionswahn, Planungswahn: frau/mann glaubt, ihr Leben perfekt planen und strukturieren zu können und erwartet Kinder zum Zeitpunkt X auf Knopfdruck; In den Zeiten der Wirtschaftskrise einfach lächerlich
- gestiegene Schwierigkeiten bei der Partnersuche (Blick in die Runde!)
- Gestiegene Ansprüche der Berufswelt: jeder hat allzeit verfügbar, mobil und einsatzfähig zu sein. Permanente Erreichbarkeit wird sowieso vorausgesetzt. Shopping rund um die Uhr - aber wer fragt die Verkäuferinnen, wer ihre Kinder ins Bett bringt?
- Sinkende Reallöhne, prekäre Arbeitsverhältnisse, "Generation Praktikum" - der Einstieg in das Berufsleben ist heute selbst für Akademiker schwieriger als noch in der Generation unserer Väter;
Ständige Unsicherheit am Arbeitsplatz verleitet mal nun eben nicht zum Kinderzeugen
 
G

Gast

  • #12
Ich glaube nicht, dass das der Hauptgrund ist. Immer mehr Frauen und Männer wollen einfach keine Einschränkung der Lebensqualität hinnehmen, die mit Kindern verbunden ist: man ist nicht mehr so flexibel, Kinder kosten Zeit und Nerven und auch Geld. Und sie verzichten dann auf Kinder. Für wen das alles kein Problem ist, der kann ja Kinder haben. Aber die sinkende Geburtenrate spricht für meine These.
 
  • #13
Frauen wollen doch zu Hause bleiben. Das merkt man doch auch hier in verschiedenen Treads. Erzähle ich, ich habe 8 Wochen nach der Geburt voll gearbeitet, meinen Ex rausgeschmissen und auch noch ein Haus ausgebaut, wird mir unterstellt, die Kinder vernachlässigt zu haben. Jede Hausfrau, die den ganzen Tag vor der Glotze hängt, erzieht angeblich ihre Kinder besser als ich. Ich finde Frauen, die nach der Geburt jahrelang zu Hause bleiben einfach nur faul. Das große Erwachen kommt dann bei einer Trennung.
Trotz aller Kosten, demnächst studieren beide und ich habe für sie noch nie einen Cent Unterhalt erhalten, sind meine Kinder das Tollste und Schönste was ich inm meinem Leben hinbekommen habe. Die Bindung zu meinen Kindern ist auch wesendlich stärker als bei den meisten Familien, die ich kenne. w51
 
  • #14
Viele Frauen erwarten schon bei der Partnerwahl, das der Partner alles zahlen kann.
Auch den Lebensunterhalt für Kind UND Mutter bezahlt, wegen ihrem Kinderwunsch. Am besten auf Dauer = Modell "Hausfrau + Mutter".
Außerdem größere Wohnung, größeres Auto, Urlaub teurer weil mehr Personen, usw.

Ein Paar. Der Mann absolut keine Schönheit, auch nicht geistig, und außerdem Schnarcher = getrennte Schlafzimmer.
Aber 2.800 Euro netto/Monat + schöne, größere Neubau-Mitwohnung -> Kinderwunsch der Frau -> gemeinsame Tochter. Vorher mit anderen Partnern: Kein Kinderwunsch.

Dieses "Problem" haben Männer aber nicht, wenn sie Frauen ohne Kinderwunsch haben.
Die außerdem in ihrem Beruf bleiben, und ihr eigenes Geld verdienen wollen.
Somit Kinderwunsch ein No-go. Also rational statt emotional.
Und dem Projekt "Kind/er" wird aus dem Weg gegangen, in dem man damit erst gar nicht anfängt.

d.h. nur ganz Wenige machen eine (gemeinsame) Planung, wie man Kinder auch mit weniger Ressourcen haben könnte. (wie z.B. die früheren Generationen)
 
  • #15
Die Studie gibt zumindest teilweise mein eigenes Stimmungsbild wieder.

Mein Job wäre für eine Mutter mit Kleinkind nicht machbar. Unregelmäßige Dienstreisen, Arbeitszeiten, Abendveranstaltungen etc. werden von keiner KiTa abgedeckt.

Ich kenne auch keinen einzigen Mann, der bei solchen organisatorischen Engpässen einspringen und zumindest gelegentlich einen beruflichen Termin absagen würde. Das gilt auch für die Männer in meinem Umfeld, die unbedingt Kinder wollten - dort stemmen die Frauen die Organisation weitestgehend und nehmen ganz allein berufliche Nachteile in Kauf. Eine solche Elternschaft könnte ich mir niemals vorstellen, sie scheint aber in meinem Umfeld das einzige praktisch gelebte Modell zu sein.

Gleichzeitig würde ich meinen Beruf niemals komplett aufgeben oder auch für mehrere Jahre aussetzen. Das hätte einfach dauerhaft Folgen für meine gesamte Erwerbsbiografie mit möglichen Gehaltserhöhungen, Beförderungen etc. bis hin zu Rentenansprüchen. Für eine Sekretärin, Verkäuferin oder öffentlich Bedienstete mag das ein überschaubares und kalkulierbares Risiko sein, bei einem akademischen, organisatorisch fordernden Job sieht das leider anders aus.

Also müsste ich Kind und Job gleichzeitig stemmen. Das wäre ein echtes Problem, wahrscheinlich sogar unmöglich. Dazu kommt noch, dass ich weiter eine gute Partnerin/Geliebte bleiben wollte. Und spätestens an dieser Stelle ist wirklich der Punkt der Überforderung erreicht.

Also mache ich das, was ich tatsächlich schaffen kann und was mir ein zufriedenes Leben beschert: ich widme mich meinem Liebsten und meinem Job. Freunde und Hobbys reichern das nach Bedarf und Zeitressourcen an, aber an so riesige Zusatzaufgaben wie Elternschaft wage ich mich nicht heran.
 
  • #16
Da passt ja dann auch ganz gut der Artikel hier:
Wer in Deutschland ein Kind bekommt, verliert 266 000 Euro...
Rückläufige Geburtenrate: Wer in Deutschland ein Kind bekommt, verliert 266 000 Euro

FOCUS Online: http://www.focus.de/finanzen/recht/tid-28704/ruecklaeufige-geburtenrate-wer-in-deutschland-ein-kind-bekommt-verliert-266-000-euro_aid_885405.html

Schon traurig wenn Kinder nur noch Konsummindernd und als anstrengend wahrgenommen werden.
 
G

Gast

  • #17
deutschland-ein-kind-bekommt-verliert-266-000-euro_aid_885405.html
Schon traurig wenn Kinder nur noch Konsummindernd und als anstrengend wahrgenommen werden.
Anstregend sicherlich auch, wie alles im Leben. Aber eines muß man auch mal sehen. Wie viele Ehen gehen in Deutschland kaputt? 2/3?! Und davon haben sicherlich auch ganz viele Kinder und dann wird es richtig teuer. Ich habe 6 Jahre 680 Euro mtl abgedrückt, da meine Ex aus dem Job war und der kleine im Kindergarten (Kita Geld) war. Nun zahle ich zwar nur noch 400 Euro aber ein weiteres Kind möchte ich wirklich nicht mehr haben. Auch wenn ich mein Sohn liebe und ein Lächeln für vieles Entschädigt.
 
G

Gast

  • #18
Diese Einstellung ist meiner Ansicht nach der Hauptgrund für die geringe Geburtenrate. Es ist die Gier der aktuellen Frauen-Generation nach Konsum und Status.
Ja klar und Männer haben überhaupt kein Interesse an Konsum und Status ^^
Wir leben in einer Konsumgesellschaft, das betrifft Frauen wie Männer. Das ständige Rufen nach mehr Kindern ist doch nichts weiter als der Ruf nach mehr fleißigen, konsumfreudigen Arbeitsbienchen; Mütter sollen so schnell wie möglich wieder ins Berufsleben um ihren wirtschaftlichen Beitrag zu leisten. Glaubt den ernsthaft jemand daran, dass die Politik in diesem Bereich fördert weil ihr die Familienfreuden so am Herzen liegen? Es geht wie immer ums Geld, um Wirtschaftswachstum, darum genug Kaufkraft zu mobilisieren, wer soll denn sonst den ganzen Schrott kaufen der täglich produziert wird. Da ist es doch kein Wunder wenn Kinder eingeplant und kalkuliert werden wie das nächste Arbeitsprojekt, der nächste Karriereschritt.
 
G

Gast

  • #19
Mieze hat recht. Der größte Teil der Organisation bleibt an den Frauen hängen. Unser Kind war damals nicht geplant, aber gewollt. Ich habe diese Entscheidung niemals in Frage gestellt. Aber Voraussetzung zum Kinderkriegen sollte schon eine gewisse materielle Basis sein. Sich blauäugig in dieses Megaprojekt zu stürzen bringen dem Kind und dessen Eltern nicht viel. Und dass man in einigen Teilen Deutschlands immer noch schief angeschaut wird, wenn man nach einer gewissen Zeit wieder arbeiten geht, macht es nicht einfacher. Noch schwieriger wird es, wenn die Voraussetzungen für eine Berufstätigkeit nicht gegeben sind. Der Osten profitiert immer noch und hoffentlich weiterhin von dem gut ausgebauten KITA-System. Hier ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zumindest möglich. Ich bin seit Jahren alleinerziehend mit zwei Kindern. Ohne KITA-Plätze und die Unterstützung eines gut funktionierenden "Netzwerkes" wäre es sehr, sehr schwer geworden.
 
G

Gast

  • #20
Und dass man in einigen Teilen Deutschlands immer noch schief angeschaut wird, wenn man nach einer gewissen Zeit wieder arbeiten geht, macht es nicht einfacher.
Stimmt absolut! Als alleinerziehende Akademikerin (BWL) auf verzweifelter Sucher noch einem Vollzeitjob kann ich das nur bestätigen. In anderen Ländern funktioniert das einfach besser, bzw. ist der Normalfall.
 
G

Gast

  • #21
Hinzu kommen dann noch die Bedingungen denen Kinder heute ausgeliefert werden.
Ehrgeiz der Eltern, Identifikation der Eltern über die Leistungen ihrer Kinder, ein absolut hohles Schulsystem welches eher Kreativität vernichtet als schafft, der Druck der schon im Kindergarten herrscht- wenn dein Kind nicht so richtig sprechen kann o einfach etwas später dran ist als andere- lernbehindert- dann sollst du mit ihm gleich zum Logopäden, Schultherapeuten und es wird geqäult mit Stunden zum üben.
In der Schule zählen nur gute Noten- denn die Angst der Eltern aus ihrem Kind könnte heutzutage ohne Studium nix mehr vernüftiges werden ist so groß und Lehrer sind sowieso alle schuld...
Kinder werden heute von A nach B gefahren zur Schule, zum Sport, zum Musikunterricht usw. alles streng organisiert eingetragen in einem Kalender den Mami am Kuhlschank hat und in dem sogar Treffen mit Freunden durchterminiert werden.

Ich für mein Teil kann nur sagen wir sind frührer wesentlich freier und unbeschwerter groß geworden.

Vielleicht schreckt das auch noch Menschen ab, die Kinder lieben und diese nicht in solche Umstände hinneingebären wollen.

w42 ( kinderlos)
 
G

Gast

  • #22
Diese Einstellung ist meiner Ansicht nach der Hauptgrund für die geringe Geburtenrate. Es ist die Gier der aktuellen Frauen-Generation nach Konsum und Status.
m
Und was ist mit der Gier der aktuellen Männer-Generation nach "Konsum und Status"?

Wenn die heutigen Männer bereit wären, so zu leben, wie ihre Großmütter, dann würde doch alles beim Alten bleiben - nur mit umgekehrten Vorzeichen!

Der finanziell abhängige Mann bleibt zu Hause, kümmert sich um Haushalt und Kinder und hält der berufstätigen Gattin den Rücken frei.

Praktizieren Sie das so? Nein, das wäre kein befriedigender Lebensentwurf für Sie? Warum sollte eine Frau das dann anders sehen?!
 
G

Gast

  • #23
Ich denke man braucht sich nur mal an zu sehen wie viele Single es gibt. Da ist doch dann eigentlich klar das auch die Geburtenrate zurück geht.

Denn ich als Single komme nicht auf die Idee ein Kind in die Welt zu setzten obwohl ich in keiner Beziehung bin. Mal eben so....
 
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