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Gast

  • #1

Kann man Liebe zerreden oder kaputt denken?

Sowohl von der eigenen Seite her, weil man das ganze Kennenlernen vielleicht garnicht mehr richtig genießen kann, als auch von der Seite des potentiellen Partners, weil man sich bedrängt fühlt?
 
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Gast

  • #2
Also wenn ich ehrlich bin, dann wünsche ich mir eine, die genauso verkopft ist wie ich und mit der man seine Gefühle ausdiskutieren, sich selbst nach verschiedenen psychologischen und literaturtheoretischen Denkschulen analysieren kann. Im Falle des Falles würde ich mich da erst recht verlieben!

m28, (weder Literaturtheoretiker noch Psychologe)
 
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Gast

  • #3
Liebe ist ein zartes Pflänzchen, das gehegt und gepflegt werden will. Wort- oder andere Gefechte können schon Blütenblätter aushebeln, die umgebende Erde betonieren oder schlimmstenfalls die aufkeimende Saat komplett entwurzeln.

Konkret gilt die Faustregel, mit Feingefühl zu handeln. Ein abgerissenes Blättchen kann auch wieder nachwachsen. Gerade erlebe ich das: man macht unabsichtlich Fehler aus der eigenen Biographie und aktuellen Situation heraus, und alles wird sofort sorgfältigst wieder "repariert". Es blüht wunderbar wild in diesem neu angelegten Gärtchen...

Und ja, einmal hat ein Mann mit grenzüberschreitenden Berührungen und grober Knutscherei allen meinen guten Gefühlen für ihn den Boden entzogen. Er hatte ungefähr das Feingefühl eines Bulldozers.
Da war es zwangsläufig vorbei, bevor es angefangen hat - und wenn nicht bei dieser Gelegenheit, so hätte es früher oder später sowieso gekracht. Das passte einfach hinten und vorne nicht.
 
  • #4
Ein gesundes Maß an Selbstreflektion kann nie schaden. Uns das sag ich mal so als Mann! Aber es kann alles übertrieben werden (ist das nicht eine schön geschlechtsneutrale Formulierung??? Geht doch!).

Liebe nud "denken" vertragen sich nur bis zu einem gewissen Maß, z.B. wenn sich die Frage stellt, warum ich mich nur gerade wieder in sojemanden verliebt hab, oder in jemanden, der mir offenbar nicht gut tut. Dann hilft Denken, die bisher gemachten Fehler nicht zu wiederholen. Nicht denken hilft, sie nochmal zu genießen....
 
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Gast

  • #5
Ja ich kenne das.
Da werden schon zu Beginn NoGos und Wünsche ersonnen, die noch gar nicht spruchreif sind oder Pläne gemacht, über die ich jetzt noch nicht entscheiden kann und will, weil es zu früh dafür ist.

Ich wünsche mir jemanden, der die Dinge genauso locker und freudig angeht wie ich.
Gefühle "auszudiskutieren" wie Gast 1? Hilfe, da laufe ich weg, ich erlebe sie lieber und genieße sie...und hoffe, mein Partner tut dasselbe.
 
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Gast

  • #6
Liebe geht nicht über den Kopf, deshalb kann der Kopf Liebe nicht entstehen lassen oder aber auch der Kopf kann die bestehende Liebe kaputt machen! m
 
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Gast

  • #7
Ich wünsche mir jemanden, der die Dinge genauso locker und freudig angeht wie ich.
Gefühle "auszudiskutieren" wie Gast 1? Hilfe, da laufe ich weg, ich erlebe sie lieber und genieße sie...und hoffe, mein Partner tut dasselbe.
Du siehst das wie ich finde zu negativ. Freudig und locker schließt nicht aus, ganz offen über Gefühle zu reden. Gerade beim Kennenlernen ist Sie die Richtige, wenn Sie,mich und ich Sie jederzeit geradeheraus fragen kann: “Wie fühlst du dich mit mir?“ und ich kenne auch keine Frau, die bei dieser emotionalen Offenheit von meiner Seite nicht sehr erfreut ist.
 
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Gast

  • #8
Ja, das geht. Wenn nicht auf genügend gesunden Abstand geachtet, sondern gleich voll drauf gegangen wird, weil man/frau so froh ist, endlich mal wieder jemanden gefunden zu haben. Die Lösung dafür ist: Es langsam angehen lassen und nicht immer gleich und allzeit bereit sein, wenn der/die Liebste sich treffen oder sonstwas will.

w
 
  • #9
Liebe(r) FS,

ich philosophiere und diskutiere zwar genauso gerne wie Gast # 1 über Gefühle und Absichten etc., aber selbst ein permanentes zerreden und kaputt denken wäre mir zuviel. Und damit wären ich auch schon bei der Beantwortung deiner Frage: Ja, ich denke man kann Gefühle und Liebe kaputt denken und zerreden, gerade in der Kennenlernphase. Da wissen doch beide noch nicht worauf es hinausläuft. Auch wenn man am Anfang noch schrecklich verliebt ist und der Himmel voller rosa Wolken hängt, gibt das nie die Garantie, dass es für immer und ewig hält. Daher schieße ich mich der Grundaussage von Gast #4 an ... einfach das genießen, was man gerade hat und erlebt und sich eben nicht so viele Gedanken darüber machen...
 
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Gast

  • #10
Ja kann man..Dieses Kaputtreden ist ein Zeichen der Zeit..

Jede Kleinigkeit wird oft viel zu sehr Thematisiert (auch hier) ..Es entstehen Probleme die nicht wirklich welche sind oder sich schnell von selber wieder erledigen.

Ich erlebe diese ständige Thematasierung vermehrt in der Partnerschaft und am Arbeitsplatz..

Letztendlich soll viel Reden ja Probleme lösen und zu einer verbesserte Kommunikation beitragen.

Der Nachteil ist jedoch das man vieles zeredet und so auch dazu Beiträgt andere nicht "Ihre" Erfahrungen machen zu lassen sondern sie im Vorfeld davor schützen will.

m47
 
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Gast

  • #11
Also wenn ich ehrlich bin, dann wünsche ich mir eine, die genauso verkopft ist wie ich und mit der man seine Gefühle ausdiskutieren, sich selbst nach verschiedenen psychologischen und literaturtheoretischen Denkschulen analysieren kann. Im Falle des Falles würde ich mich da erst recht verlieben!

m28, (weder Literaturtheoretiker noch Psychologe)
Falls das nicht ein Fake ist (ich kann kaum glauben, dass das ernst gemeint sein soll):
Bei so einem Mann würde ich weglaufen, so schnell, dass man nur noch einen Kondensstreifen sieht. Ich dachte, bloß Frauen machen das - Gefühle brunnentief ausdiskutieren, sich selbst und den Partner in Grund und Boden analysieren usw. ...
Grausig.
w, Literaturwissenschaftlerin
 
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Gast

  • #12
Der Nachteil ist jedoch das man vieles zeredet und so auch dazu Beiträgt andere nicht "Ihre" Erfahrungen machen zu lassen sondern sie im Vorfeld davor schützen will.
m47
Ist es wirklich sinnvoll, andere Menschen genauso leiden zu lassen, anstatt den Menschen vorher zu sagen, dass sie ihr Verhalten überdenken sollen, damit halt gewisse Enttäuschungen nicht entstehen?

Ich erlebe das gerade mit einer Freundin, die kaum hat sie einen Mann kennengelernt, ihn gleich in ihre Wohnung zum "Kaffee" einlädt. Den Kaffee nehmen die Männer natürlich mit, aber danach hört sie oft nichts mehr von denen. Ich rede mir schon fast den Mund fusselig, aber sie rafft es nicht, dass sie so keinen Mann dauerhaft an sich binden kann. Wenn die Männer sich dann nicht mehr melden, ist sie kurz traurig, aber macht beim nächsten Mann wieder den gleiche Fehler.

w
 
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Gast

  • #13
Jedenfalls kannst du dir deine Gefühle auch nicht dadurch erhalten, dass du dein Denk- und Redebedürfnis unterdrückst. Jede "Vermeidehaltung" beeinträchtigt dich ja bereits emotional.

Wahrscheinlich ist das von deiner Seite der Versuch, "normales" Verhalten anzunehmen, aber ich glaube, wirklich "helfen" kann da nur der passende Partner resp. die passende Partnerin, die das kennt und dich so liebt, wie du bist.

m 50
 
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Gast

  • #15
4@6:
Ich spreche über das, was ich erlebt habe.
Das Wort "ausdiskutieren" erscheint mir nämlich sehr gezwungen. Jemanden zu fragen wie es ihm/ihr geht ist etwas anderes. Solange es nicht zum Verhör wird.

Denn wenn ich jemanden oftmals und gern berühre, selbst gern berührt werde, küsse und freudestrahlend und händchenhaltend durch die Straßen laufe, dann finde ich solche Fragen irgendwo unnötig und schwach.

Alles schon erlebt: trotz oben genannter emotional offener Taten, wolle mann mit mir ständig analytisch über mein Gefühlsleben diskutieren und genau wissen, wie sich die Entwicklung dieser Gefühle zukünftig gestalten wird. Ich wurde von Plänen und seinen "Gefühlen" regelrecht überrollt. Ich weiß nicht, ob es "fishing for compliments" oder Unsicherheit war, mir wurde das einfach auf Dauer zu viel und ich hatte zu gar nichts mehr Lust - für mich war es komplett zerredet.
 
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Gast

  • #16
Sowohl von der eigenen Seite her, weil man das ganze Kennenlernen vielleicht garnicht mehr richtig genießen kann, als auch von der Seite des potentiellen Partners, weil man sich bedrängt fühlt?
m40
Genauso wie zu schnelles Vorgehen nicht förderlich ist, kann zu zögerliches Vorgehen die Ernsthaftigkeit in Frage stellen. Wenn hier die Geschwindigkeit beider zu sehr abweicht kann es schnell zu Ende sein mit dem Kennenlernen.
 
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Gast

  • #17
Da denke ich, wie in anderen Lebensbereichen, gerne an den guten alten Paracelsus: Auf die Dosis kommt es an. Eine kräftige Prise Hirnlosigkeit ist wohl der Kern aller Verliebtheit und Leidenschaft; wenn es immer wieder ein komplett falscher Partner ist oder es ständig hakt, kommt man wohl um eine kleine Selbstreflexion nicht herum...
Nicht umsonst entscheidet sich ja im Übergang von der rosaroten Phase zur Realität, ob ein Paar zusammenbleiben will. Da wird wohl genau dieses empfindliche Gleichgewicht austariert. Trotz aller Irrtümer und Schmerzen, die die Liebe bereiten kann, finde ich es jammerschade, wenn sie wissenschaftlich seziert wird. Aber wer gerne über die Liebe mit der Liebsten / dem Liebsten philosophieren mag, dem empfehle ich "Die Liebe" von Peter Lauster :)
(w)
 
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Gast

  • #18
Liebe ist eine Haltung, die kann man nicht zerreden. Im Gegenteil, wer sich seiner selbst bewusst ist, kann sich viel freier dazu entscheiden, trotzdem zu lieben. Das sehe ich wie Gast #1 - und ich bin auch kein Fake.

Ich persönlich finde es sehr bedauerlich, dass die allermeisten Menschen sich selbst so wenig hinterfragen und auf viele "Warum"-Fragen nur ein "Weiß nicht" oder einen Gemeinplatz zu bieten haben. Intelligenz, Bewusstsein, Neugierde... das sind spannende Sachen. Man muss sich natürlich darauf einlassen wollen/können.
 
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Gast

  • #19
Definitiv! Viele Frauen fangen das zerreden mit der Frage "Was denkst du?" an. m
 
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Gast

  • #20
ich würde auch sagen das es auf die richtige Dosis ankommt..

Grundsätzlich besteht Lebensfreude und Glück aus den einfachen Dingen des seins, des hier und jetzt..

Wer ständig analysiert und diskutiert in einer Partnerschaft zerstört die einfachen Dinge..
 
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Gast

  • #21
Definitiv! Viele Frauen fangen das zerreden mit der Frage "Was denkst du?" an. m
Warum haben Männer ein Problem damit? Die Frau fragt aus Interesse, um den Mann besser kennenzulernen und verstehen zu können. Das funktioniert nur über Kommunikation. Eien gute, erwachsene und gesunde Kommunikation ist der Treibstoff für eine gute Beziehung, die Beide glücklich machen kann, wenn beide es wissen und es auch praktivizieren, wie man richtig kommunizieren sollte.

w
 
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Gast

  • #22
Je mehr man miteinander redet, desto schneller kommt man an den Punkt, an dem man sich nichts mehr zu sagen hat.

m
 
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Gast

  • #23
Hallo,

das ist mein erster Beitrag in diesem Forum. Bisher habe ich immer nur mitgelesen. Ich befürchte, ich habe grade gestern durch zuviel Nachfragen und zuviel Wollen eine aufkeimende Beziehung (5 Dates, Intimität war gegeben) zerstört. Ich habe einfach nur zeigen wollen, wie sehr ich an ihm interessiert bin und dass er mir wichtig ist. Scheinbar hat er jetzt kalte Füße bekommen oder einfach nie genug Interesse an mir gehabt. :-(

w, 30
 
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Gast

  • #24
Mir geht es da ähnlich wie #1, ich finde einen regen Austausch, etwas, andere und sich zu ergründen sehr anziehend, und wenn dieser dann auch noch mit Worten umgehen kann...
Aber dennoch kann man die Liebe mit seinen Gedanken verjagen. Sich, die Situation und den Anderen ständig in Frage zu stellen, Zweifel und "Theorien" haben und bestimmte Erwartungen vermitteln die den anderen bedrängen...
 
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Gast

  • #25
Je mehr man miteinander redet, desto schneller kommt man an den Punkt, an dem man sich nichts mehr zu sagen hat.

m
Quatsch, typisch männlich, dann redet man zu viel das Falsche und da läuft Frau bzw. Mann garantiert schnell weg.

Es kommt immer auf eine gute Balance in einer klaren und wertschätzenden Kommunikation an. Der Mensche "redet" sogar mit Tieren und das soll auch zuviel sein?

w
 
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Gast

  • #26
Man kann alles zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben tun. Aber ebenso besteht die Möglichkeit es zu lassen.

Ich denke, das ist eine Frage dessen, wie wichtig man sich selber nimmt.

Ist das Selbstbewusstsein in Ordnung, passen Selbst- und Fremdbild so übereinander, dass man das Thema weder zerredet noch kaputt denkt. Dann weiß man einfach die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Man genießt; Liebe!

Passen Selbst- und Fremdbild nicht übereinander, hängt man in einem Hamsterrad, dass einen anstrengt, man aber dennoch nicht verlassen kann.

Man kann jahrelang einen Traum jagen oder sich das Leben "einfach" gestalten. Heißt, die Dinge sich zukommen lassen. Oder kennt Jemand Irgendeinen, der mit dem Kopf such die Wand kann?