• #1

Kann man durch eine psychische Krankheit zum Single-Leben verdammt sein?

Hallo zusammen, ich (m/35) bin schon seit 3 Jahren Single und meine Beziehungserfahrungen davor waren nie sonderlich gut. Das liegt sicherlich auch daran dass ich mit Borderline kämpfe und ein normales Leben damit eher unter Einschränkungen möglich ist. Mit Tabletten, Therapie und Selbsthilfegruppe kann zwar ich teilzeit arbeiten und auch sonst mein soziales Leben genießen (habe einen großen Freundeskreis und unternehme viel), aber wer Borderliner kennt der weiß dass dies schnell und ganz ordentlich kippen kann.

Es ist nicht überraschend dass dies ein Problem bei der Partnersuche ist. Ich habe zwar viele Eigenschaften die Frauen 30+ suchen, Intelligenz, Humor und finanzielle Absicherung, aber es stellt sich natürlich die Frage welche Frau (oder welcher Mann) sich eine schwerwiegende psychische Erkrankung ins Haus holen möchte. Ich habe sehr viel Verständnis dafür, wenn jemand das nicht möchte. Eine Anschuldigung soll das nicht sein.

Trotzdem stellt sich die Frage: Bin ich zum Single-Leben verdammt? Sollte ich vielleicht gezielt psychisch kranke Frauen suchen? Nach dem Motto: ich brauche zwar sehr viel, kann aber auch sehr viel geben?

Ich leide nicht allzu sehr unter dem Single-sein, man kann auch da sein Leben aktiv gestalten und viele schöne Momente erleben. Aber nach einigen Jahren wünscht sich jeder auch mal wieder eine besondere Nähe ...
 
  • #2
Ich würde sagen, es kommt auf das Ausmaß deiner Erkrankung an. Verletzt du dich selbst? Trinkst du? Was tust du, um die Anspannung loszuwerden? Borderline ist nicht gleich Borderline. Woran scheiterten deine letzten Beziehungen? Leider sind Persönlichkeitsstörungen nicht heilbar, aber man kann dennoch an sich arbeiten!
 
  • #3
Angeblich ist Gleichklang eine Partnervermittlung die auch für Menschen mit psychischer Störung geeignet ist.

Meine Meinung zu Borderlinern ist allerdings durch einen "Feindkontakt" mit einer nicht selbst reflektierenden Borderlinerin geprägt. Ich hatte nicht den Eindruck, dass diese Frau vor, während ihrer 17 jährigen Ehe und danach Probleme hat(te) per Love Bombing neue Interessenten zu gewinnen. Sie switscht etwa alle drei Monate.

Sie hat auch einen sehr großen Verwandten und "Freundes"-Kreis, darunter auch ihren Bruder der in ihrer Kindheit einen "prägenden" Einfluss hatte und einen eindeutig narzisstisch gestörten Kumpel der beim Triangulieren ihrer "Interessenten" immer eine wesentliche Rolle hat. Es gibt noch mehr Merkwürdigkeiten.

Insgesamt kein überzeugender Kreis von Menschen. Die Paarung Borderliner und Narzisst scheint es aber häufiger zu geben.

Tja ob du eine Beziehung halten kannst hängt von deiner Belastbarkeit ab und inwieweit du das Thema Selbstverletzung kanalisieren kannst.
 
  • #4
Hallo mb83,

leider kenne ich mich mit Borderline so gar nicht aus. Ich glaube auch, dass nicht alle Borderliner gleich sind. Magst du hier schreiben inwiefern sich das auf deine letzten Beziehungen ausgewirkt hat bzw. wie das so abläuft? Ich würde da gerne mehr erfahren.
Ich dachte immer, dass da eher Frauen betroffen sind.

Eine frühere Freundin von meiner Schwester ist Borderlinerin und hat auch immer Probleme in Beziehungen gehabt..es war für den Partner nicht einfach. Also ich denke, dass du zumindest eine Partnerin mit viel Toleranz und innerer Stärke brauchst. Eine, die deine Gefühlsausbrüche nicht an sich ranlässt und damit umgehen kann...also tendenziell ein ruhiger Pol und nicht zu emotional darf sie sein. Ich stelle mir eher eine rationale Frau vor, die selbst keine Gefühle zeigt bzw. benennen kann.

Ob es dann auch klappt, weiss man nie. Ich habe gelesen, dass Borderliner auch langjährige Beziehungen führen können.
Bei zwei Borderlinern klappt es sicherlich überhaupt nicht, kann ich mir vorstellen. Ich kenne mich aber zu wenig aus und bin auch hier gespannt auf andere Antworten.
 
  • #5
Trotzdem stellt sich die Frage: Bin ich zum Single-Leben verdammt? Sollte ich vielleicht gezielt psychisch kranke Frauen suchen? Nach dem Motto: ich brauche zwar sehr viel, kann aber auch sehr viel geben?
Ich finde, du klingst sehr sympathisch, und ich glaube nicht, dass du zum Single-Leben verdammt bist. Und ich an deiner Stelle würde nicht nach einer psychisch kranken Frau suchen, sondern nach einer, die dir gefällt und du ihr. Sie verliebt sich ja nicht in deine Einschränkungen, sondern in dich als Mensch, und deine Einschränkungen gehören zu dir.
Wichtig ist, dass du dich wirklich richtig gut kennen lernst (am besten weiterhin in Gruppen und in Therapie), weiterhin etwas für deine seelische Gesundheit tust und dich auch damit beschäftigst, wie deine Einschränkungen potentiell die Beziehung beeinträchtigen. Mit diesem Wissen solltest du, wenn du eine Frau näher kennenlernst, auch irgendwann (nicht sofort) einen offenen Umgang pflegen. Wenn du deiner Partnerin genau sagen kannst, wie sie in bestimmten Situationen mit dir umgehen soll, und sie sich darauf einlässt, dann kannst du auch eine glückliche Beziehung mit ihr führen. Es gibt so viele Menschen, die sich nicht kennen und mit ihren Problemen jegliche Beziehung ruinieren. Du aber weißt, was mit dir los ist, und das kann dir auch zum Vorteil gereichen.
Wenn man Diabetes hat oder Asthma, muss man seine Krankheit auch irgendwie managen und auf alle Eventualitäten gefasst sein. Wenn man seine Psyche gut kennt, kann man das auch mit schwierigen psychischen Problemen tun. Viel Glück dir bei der Partnersuche!
 
  • #6
Lieber mb83

Eins vorweg - ich kenne mehrere Menschen mit Borderline, die haben auch eine Partnerin oder einen Partner gefunden. Wie glücklich diese Beziehungen sind, kann ich von aussen nicht beurteilen. Es sind jedenfalls stabile Beziehungen, d.h. Ehe mit Kindern.
Ich weiss, im Internet wird immer wieder beklagt, wie "unheilbar" die sogenannten "Borderliner" sind und wie gefährlich und zerstörerisch. Dabei denke ich, diese Problematik wird vor allem dann destruktiv, wenn sie dem Betroffenen nicht bewusst ist und wenn er nicht aktiv daran arbeitet, sein Befinden und seine Beziehungen zu verbessern. Nicht selten sind Borderline Betroffene auch instabil, weil sie in einem kranken Umfeld ausharren und sich nicht gegen missbräuchliche Einflüsse schützen. Das sollte man bedenken.
Ich habe zwar viele Eigenschaften die Frauen 30+ suchen, Intelligenz, Humor und finanzielle Absicherung, aber es stellt sich natürlich die Frage welche Frau (oder welcher Mann) sich eine schwerwiegende psychische Erkrankung ins Haus holen möchte.
Wenn du dich als schwerst kranker "Fall" präsentierst, möchte sich das in der Tat niemand ins Haus holen. Solche ungenauen Formulierungen machen einfach Angst. Man weiss nicht, was einen erwartet. Mein Rat wäre, dass du dir konkret Gedanken machst, welche deiner Eigenschaften in einer Partnerschaft nützlich, und welche Eigenschaften hinderlich sein könnten und wie du dir wünschen würdest, dass eine Partnerin damit umgeht. Überlasse es nicht dem neuen Menschen in deinem Leben, eine Risikoabschätzung vorzunehmen und sich Gedanken machen zu müssen, wie man dich nehmen soll. Erkläre, was deine "Macken" sind und was du brauchst, wenn sie ausbrechen.
 
  • #7
Ich bin offen, da inzwischen selbst betroffen:
Die Wahrscheinlichkeit, mit einer psychischen Krankheit partnerlos zu bleiben, ist gegeben.

Wer in einer stabilen Beziehung lebt und dann psychisch erkrankt, wird möglichweise durch die Beziehung resp. durch den Partner aufgefangen.
Ich selbst hatte mir während der sehr schweren Trennung vom Vater meiner Kinder eine Depression " eingehandelt" und habe in größeren Abständen immer wieder kurze depressive Episoden.
Therapien waren letztendlich nicht zufriedenstellend - die Therapeuten wollten mir meine Befindlichkeit regelrecht ausreden, genauso wie die Männer, zu denen ich weit nach der Scheidung Vertrauen gefasst hatte.
Ich lebe ohne Partner, für mich und meine Kinder ist das die bessere Variante. Mir selbst bleiben so herbe Enttäuschungen erspart und meinen Kindern sowieso.
 
  • #8
Es ist nicht überraschend dass dies ein Problem bei der Partnersuche ist. Ich habe zwar viele Eigenschaften die Frauen 30+ suchen, Intelligenz, Humor und finanzielle Absicherung, aber es stellt sich natürlich die Frage welche Frau (oder welcher Mann) sich eine schwerwiegende psychische Erkrankung ins Haus holen möchte. I
Hallo mb83,
nun, eine psychische Erkrankung ist jetzt nicht gerade ein Plus bei der Suche, aber als unmöglich würde ich Dein Problem nicht ansehen. Wie sieht es denn in diesen Selbsthilfegruppen aus? Was sind da alles für Menschen? Wär da eine Möglichkeit gegeben? Oder über den Freundeskreis? Die finanzielle Absicherung würde ich jetzt nicht in den Vordergrund stellen, die interessiert eine selbständige Frau eh nicht. Vorallem wird es durch halbtags auch nicht so riesig sein.
Wie schaut es in Deinem Verhalten aus? Wie äußert sich das?
Ich würde hier nicht so schnell aufgeben.
m44
 
  • #9
Hallo mb83,
ich weiß nicht, ob Du hier passende Antworten bekommst. Schau doch mal in einem Borderline Forum; dort wird das Thema sowohl von Betroffenen als auch deren Angehörigen / Partnern diskutiert.
Da gibt es z.B. die "Borderline Platform".

Viel Glück!
 
  • #10
Du klingst sehr sympathisch und ich hoffe, dass du nicht zu einen Singleleben "verdammt" bist.
Du beschreibst dich als humorvoll und intelligent - damit hast du schon mehr zu bieten als die "Normalo-Männer", die ich die letzten 2, 3 Jahre gedatet habe. Diese hatten zwar keine diagnostizierte Psychische Krankheit, aber erhebliche Defizite in Sachen Empathie, Verantwortungsbewusstsein und Selbstreflektion.
Genau mit diesen Eigenschaften kannst du in unserer heutigen Ego-Gesellschaft punkten. Ich bin mir sicher, dann ziehst du auch eine dementsprechend tolle Frau in dein Leben.
 
  • #11
In erster Linie bist Du erst mal ein Mensch. Kein Borderliner. Du bist ein Mann mit Borderline personality disorder.

Ihr grenzt euch immer selbst ab und glaubt diese Krankheit verstecken zu müssen. Versuche damit etwas offensiver umzugehen. Du sollst die Zeichen deiner Krankheit (wenn vorhanden) ja nicht gleich jedem präsentieren. Aber Menschen reagieren verständnisvoller als Ihr (Borderliner) glaubt.

Warum solltest Du keine Frau kennenlernen, Kind(er) & Beziehung?
Menschen mit Borderline personality disorder zeichnen sich durch eine enorm hohe emotionale Intelligenz aus. Damit würdst Du viele Frauen beeindrucken können. Sieh auf deine Stärken.
 
  • #12
Trotzdem stellt sich die Frage: Bin ich zum Single-Leben verdammt? Sollte ich vielleicht gezielt psychisch kranke Frauen suchen? Nach dem Motto: ich brauche zwar sehr viel, kann aber auch sehr viel geben?
Ich leide nicht allzu sehr unter dem Single-sein, man kann auch da sein Leben aktiv gestalten und viele schöne Momente erleben. Aber nach einigen Jahren wünscht sich jeder auch mal wieder eine besondere Nähe ...
Grundsätzlich ist kein Mensch zum Single-Leben verdammt, auf jeden Topf gibt es einen Deckel, man braucht nur Zeit, Geduld und Ausdauer! Sei glücklich und froh dass du die besondere Eigenschaft hast, dass du unter dem Single-Leben nicht leidest, eine sehr gute Voraussetzung für eine zukünftige Beziehung, alles Gute für dich!
 
  • #13
Lieber FS,

Erst mal mein Mitgefühl. Du willst wahrscheinlich kein Mitleid, mitfühlen darf man aber. Menschen mit psychischen Erkrankungen haben es schwer, das muss ich hier ja nicht weiter erläutern.

Ob du eine Frau finden wirst, die sich auf eine Beziehung mit dir einlässt, kann ich dir nicht sagen. Unmöglich ist das nicht. Ich kann hier nur für mich sprechen. Ich würde es nicht. Zu oft muss ich in meinem Job mitansehen, wie schwer es Angehörige von psychisch Kranken haben. Beziehungen haben schon genug Konfliktpotenzial, wenn beide Partner gesund sind. Auch so ziemlich alle meiner Freundinnen würden sich nicht auf einen Mann mit deiner Erkrankung einlassen. Tut mir leid.

Andererseits sehe ich viele psychisch Kranke, die einen Partner haben. Du solltest die Hoffnung also nicht aufgeben. Du musst auch nicht gezielt psychisch kranke Frauen suchen, jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass Partner von psychisch Kranken oft selber gewisse Defizite haben. Wäre eine solche Frau denn ein Problem für dich?
 
  • #14
Wie ist denn genau Borderline bei dir ausgeprägt ? Genau davon hängt doch ab wie eine Beziehung laufen kann.
Ich persönlich würde stark an mir arbeiten und immer wieder mich hinterfragen, wenn mich eine Gefühlswelle erfasst. Was steckt dahinter ? Ich würde mir eine feste Station (Therapie) suchen und aufbauen und wenn du schreibst, dass du einen guten Freundeskreis hast, bist du ja auch schon mal gut integriert und scheinst Kontakte halten zu können.
Borderline kann schon andere stark zerstören, wenn der Borderliner keine Einsicht hat und Spiele um Spiele spielt. Wenn du so einer bist, dann hoffentlich ohne Partner, aber wenn dich einfach immer wieder die Welle packt und du dagegen ankämpft und deinen zukünftigen Partner davon unterrichtest und dein eigenes Rettungsboot trotzdem baust, dann sehe ich nicht, weshalb es nicht mit einem Partner klappen sollte.
Auch wenn es jetzt kein guter Vergleich ist, alkoholkranke sollten auch nicht unbedingt zusammen sein, genauso sehe ich es mit psychischen Kranken. Die Krankheit selbst ist keine Verdammnis aber wenn genau das die Schwachstelle von dem anderen ist, dann tun die beiden Kranken sich nicht gut.
Such dir eine starke, offene Frau und Spiele immer mit offenen Karten und sei ein Vorbild für Borderliner und arbeite an dir. Damit inspierist du vielleicht den einen oder anderen oder gibst Hoffnung. Alles Gute
 
  • #15
Sind wir nicht alle belastet? jeder kämpft auf seine Weise mit Mustern aus der Kindheit, seinem inneren Kind. Manche Menschen haben eben etwas mehr Pech als andere mit ihrer Geschichte, auch Borderline hat seine Vorteile, aber eben auch Nachteile. Du bist doch einfach nur viel empfindsamer als andere und musst dich mehr anstrengen um „normal“ zu sein. Na und? deswegen bist du kein Partner 2. Klasse.

Arbeite einfach an dir weiter, verfall in keine Opferrolle! Borderline Kriterien/Ausprägung dieser Störung bilden sich laut Statistik mit der Zeit unter Therapie und stetiger Arbeit an sich selbst zurück. Vorallem wenn du n gutes soziales Netz und nen Job hast.

Die passende Person wird auch in dein Leben kommen, ob krank oder „normal“
 
  • #16
Lieber FS, Du scheinst stark reflektiert und das ist ein sehr sehr guter Weg für Dich. Auch scheinst Du (vermute ich mal??) Dein Leben überraschend gut im Griff zu haben. Hast einen Job und stehst finanziell gut da mit nettem Freundeskreis. Da hast Du vielen Borderlinern einiges voraus.

Dieser Personenkreis hat häufig massive Geldsorgen, ein ausschweifendes Sexual- und Beziehungsleben, häufige Wohnungs- und Jobwechsel und jede Menge andere Dramen, die das Zusammenleben mit ihnen sehr schwer bis unmöglich machen.

Daher ein großes Lob an Dich. Du bist der Beweis, dass man seinen Problemen und Störungen nicht hilflos ausgeliefert ist.

Ganz ehrlich: wenn ich mich umschaue oder nachlese: es gibt jede Menge Leute mit erheblichsten Störungen, die auch Beziehungen führen. Ich kenne keinen einzigen Narzissten, der auf eine Beziehung verzichtet nur weil er so ein A********* ist. Das nur mal so am Rande.

Auch für Dich wird sich ein Deckelchen finden, eine nette Frau, die zu Dir passt und Dich zu schätzen weiß. Und bis es so weit ist: mach weiter so. Großes Kompliment.
 
  • #17
Ich finde, du klingst sehr sympathisch, und ich glaube nicht, dass du zum Single-Leben verdammt bist.
Genau das dachte ich mir auch, als ich seinen Text las. Und es fällt mir verdammt schwer, eine "schwerwiegende psychische Krankheit" dem Autoren dieses Textes zuzuschreiben. Ich denke, man sollte mit Begriffen vorsichtig umgehen, denn sie prägen unser Denken und unsere Selbstwahrnehmung stark, egal ob wir es wollen oder nicht. Wie es bereits erwähnt wurde, hat Borderline viele Formen und Facetten. Auch viele gesunde Menschen haben (zumindest gelegentlich) Borderline-Symptome (ja, auch ich, obwohl ich gesund bin). Du solltest einfach die Richtige für Dich finden! Suche sie, bis Du sie findest. Ich wünsche Dir bei der Suche viel positive Kraft. ;)
 
  • #18
Hmm... schwierig. Niemand ist perfekt und Krankheiten sind keine Schande. Entscheident ist vor allem, ob diese angegangen werden oder sich in die Opferrolle begeben wird. Da ich Letzteres sehr häufig beobachte, habe ich offen gestanden bei der Partnerwahl schon sehr genau hingeschaut.
 
  • #19
Machs dir doch nicht so schwer! Du bist jung und ob man eine Beziehung möchte, hängt von dem eigenen Willen ab, aktiv zu werden.

Beziehung ist Arbeit. Es wäre sinnvoll, erst einer normalen Arbeit nachzugehen mit Langzeitziel, um Erfolgserlebenisse zu haben und emotional stabil zu werden. Die Aufgabe eines Mannes ist eben immer noch, dass er Geld verdient, um einmal eine Familie versorgen zu können. Viele Männer wollen heutzutage so gar nichts mehr, das bietet eben auch keinen Anreiz für eine Beziehung.
Vielleicht definitierst du erstmal deine Ziele mit einer Partnerin? Dein Geschlecht bietet heute kein vernünftiges Rollenmodel mehr, orientiere dich deswegen an Männern, die eine gutlaufende Beziehung haben und hole dir dort Tipps ein.

Du könntest dich geistig fit für den Partnermarkt machen oder dein Schicksal akzeptieren. Besser wäre, an dir zu arbeiten.

Mach Sport, kümmer dich um deine Gesundheit, nähre dein Hirn mit Lernstoff und Wissen, vielleicht kommst du dann irgendwann mal runter von den Medikamenten. Das hat alles was mit Ausdauer und Wille zu tun.

Mit keinen Beziehungen klar zu kommen, hat mehr was mit emotionaler Unabhängigkeit zu tun, denn mit Borderline.
 
  • #20
Es kommt darauf an, wie sich die Persönlichkeitsstörung bei dir bemerkbar macht. Es kann funktionieren oder die Hölle auf Erden sein.
Mein Ex-Freund hat eine diagnostizierte Depression aufgrund eines Traumas in der Kindheit. Wenn man ihn besucht, kann es vorkommen, dass er nur vor sich hin starrt und den Besuch nicht beachtet. Das macht er aber nur mit Leuten, die er oft sieht, also nur mit seiner Partnerin. Sieht er Menschen selten, kann er sich ein paar Stunden zusammen reißen. Deshalb verabredet er sich selten mit jemanden. Er sagt, er ist gerne alleine und fühlt sich so am wohlsten.
Dazu kommen noch Stimmungsschwankungen und wenn es ihm zu nah wird, dann kann das in verbaler Aggression enden. Er ist sonst zu Menschen sehr freundlich, aber seine Beziehungspartner kann er wegen Banalitäten oder der falschen Frage heftig anfahren. Um wieder Distanz zu schaffen. Am besten ist es, wenn man ihn nur einmal die Woche sieht und keine Erwartungen hegt. Damit kommt er klar. Von sich selbst sagt er, dass er beziehungsunfähig sei.
Ich hätte mir gewünscht, dass er das vor Beginn unserer Beziehung gewusst hätte. Mir wäre viel Leid erspart geblieben. Auch wenn ich als Partner weiß, dass er krank ist, es ist schwer dieses anlehnende Verhalten nicht auf sich zu beziehen. Obwohl ich Streit aus anderen Beziehungen nicht kenne, habe ich mir die Schuld daran gegeben, wenn normale Gespräche eskalierten. Als Partner kommt man nicht gerade mit viel Selbstbewusstsein aus solch einer Beziehung heraus.
Mittlerweile kann ich das ganze mit gesunder Distanz betrachten. Wir haben noch Kontakt. Wenn man keine Beziehung zu ihm hat, ist er ein liebenswürdiger Mensch. Seine Erkrankung hat leider zur Folge, dass er keine oder nur schwierige Beziehungen führen kann, was sehr traurig ist.
Du scheinst sehr reflektiert zu sein. Vielleicht schaffst du es mit therapeutischer Hilfe, immer wieder an dir zu arbeiten, um eine gesunde Beziehung führen zu können.
 
  • #21
Die Paarung Borderliner und Narzisst scheint es aber häufiger zu geben.
Mit der Paarung Borderline und Narzisst würde ich vorsichtiger umgehen. Denn das kann zwei Folgen haben: 1. Die Narzisstin wirkt "ansteckend" auf ihn und er beginnt sein eigenes Ego mehr zu pflegen; 2. Die Narzisstin stärkt sich auf seinen Kosten, nämlich indem sie ihn niedermacht und somit seine letzte Lebenskraft aussaugt.
Der mb83 braucht eine tolerante, starke und durchaus positive Frau, die einerseits ihren Optimismus beim Umgang mit seiner Lage bewahren und andererseits sein Ego auf irgend eine Weise stärken kann.
 
  • #22
Mit entscheidend sind deine Komorbiditäten. Als da wären möglicherweise Depressionen, Psychosen, Narzissmus, Essstöringen und das Thema Selbstverletzung z.B. durch Ritzen, Alkohol bzw. Drogenmissbrauch, riskante Sexualität bzw. Verhaltensweisen (Kaufsucht, Schulden machen, riskantes Autofahren ...)

Wenn das alles kaum vorhanden ist bzw. von dir irgendwie kanalisiert wird (z.B. extremer Sport an Stelle von Ritzen) hast du schon eine Chance auf eine normale Beziehung.

Allerdings neigen eher Menschen mit Helfersyndrom zu Beziehungen mit schwierigen Persönlichkeiten. Geh vielleicht auf Parties mit vielen Krankenschwestern.
 
  • #23
Guten Morgen,

lieber FS, ich schließe mich @Rabentochter an.

Ich hätte keine Angst, mich auf dich einzulassen, denn die Art, wie du dazu stehst und sorgsam damit umzugehen scheinst, macht es möglich, auch mit dir eine gute Beziehung hinzubekommen, da bin ich sicher.

Ich wünsch dir von Herzen viel Glück!
 
  • #24
@mb83
Ich komme aus einer Beziehung mit einem Mann mit Persönlichkeitsstörung, wohl eine instabile Persönlichkeit. Wir kannten uns 7 Jahre und führten 5 Jahre eine feste Partnerschaft. Große Liebe und Leidenschaft. Ich vermisse ihn täglich, trennte mich aber aus Selbstschutz. Es ist also möglich. Nur werden Deine Partnerschaften nicht ewig dauern. Und du solltest flexibel sein und dich auf einen schnellen Wechsel seelisch einstellen. Das größte Problem bei meinem letzten Partner waren unkontrollierte Wutausbrüche ohne jeden Anlass, von 0 auf 180, verbunden mit häuslicher Gewalt. Ich musste öfters aus seiner Wohnung flüchten. Ständiges Fremdgehen, Affären, Sexsucht, Romanzensucht, diverse Parallelbeziehungen waren die andere für mich sehr verletzende Baustelle. Und natürlich eine Wahrnehmungsstörung, also im normalen Alltag täglich Probleme sehen und erfinden, wo keine sind! Oder dem Partner in einer Notsituation nicht beistehen, ihn z.B. nicht ins Krankenhaus fahren, sondern lieber einen Tagesausflug mit einer Affären Frau machen - ohne Reue und schlechtes Gewissen. Sich nicht um den Anderen kümmern. Alle paar Monate abtauchen. Unzuverlässigkeit, Termine absagen, nicht ans Telefon gehen oder anrufen. Kein geregelter Tagesablauf, keine normale gesunde Ernährung, kein Wahrnehmen und Behandeln von Krankheiten. Sich Abschotten von der Umwelt und Ängste in der Öffentlichkeit, z.B. Paranoia, Angst vor öffentlichen Plätzen. Am schlimmsten war aber das regelmäßige Sich-Zutrinken, bis er schon mal in eine andere Persönlichkeit kippte. Dann erinnerte er sich nicht mehr an die Partnerschaft und Dinge, die vor einer Woche waren. Die Symptome ähnelten einer Demenz. Ich denke, eine Partnerschaft ist letztlich nur in einer LAT machbar, mit Safer Sex und nur in jungen / mittleren Jahren. Aber jeder Mensch und seine Entwicklung sind verschieden. Versuche dein Glück einfach - du machst einen reflektierten und intelligenten Eindruck! Alles Gute!
 
  • #25
Natürlich geht das. Du brauchst die entsprechende Partnerin. Eine, die sensibel ist und Dir das Gefühl von Sicherheit vermitteln kann. Schau Dir das Beispiel von Robbie Williams an. Ich habe auch eine Freundin, die eine stabile Partnerschaft eingehen konnte, nachdem sie unzählige Jahre dauernd gewechselt hat, natürlich jedes Mal unter enormem Stress. Sie hat jemanden gefunden, der stabil genug für sie ist und in Zeiten, in denen sie sich unsicher fühlt oder ihn beispielsweise attackiert, besonnen und liebevoll reagiert. Nur das Projekt Zusammenleben hat bei den beiden nicht funktioniert, sie aber auch nicht getrennt.
 
  • #26
Vielen lieben Dank an jeden, der sich de Zeit genommen hat eine Antwort zu schreiben! Das gibt mir viel zum Denken und gute Ansatzpunkte zum Weiterkommen!

Ich hätte mir gewünscht, dass er das vor Beginn unserer Beziehung gewusst hätte. Mir wäre viel Leid erspart geblieben. Auch wenn ich als Partner weiß, dass er krank ist, es ist schwer dieses anlehnende Verhalten nicht auf sich zu beziehen. Obwohl ich Streit aus anderen Beziehungen nicht kenne, habe ich mir die Schuld daran gegeben, wenn normale Gespräche eskalierten. Als Partner kommt man nicht gerade mit viel Selbstbewusstsein aus solch einer Beziehung heraus
Das ist meine große Angst. Ich sehe es selber oft in der Selbsthilfegruppe, nämlich bei denen Teilnehmern, die einen Partner haben. Diese Partner müssen manchmal schon verdammt viel einstecken. Natürlich kann man viel tun durch Tabletten, Therapie, Yoga, etc ... Ich finde diese Hilfe ernst zu nehmen ist auch eine wichtige Vorraussetzung wenn man als psychisch erkrankte Person einen Partner möchte. Aber sofern der Partner nicht aus Stein ist wird er in den Krisenzeiten trotzdem viel leiden, so wie bei dir mit den Schuldgefühlen und dem angeknacksten Selbstwert ist.
 
  • #27
Untreue und körperliche Gewalt waren zum Glück in meiner Beziehung kein Thema. Auch war mein Partner immer zuverlässig und hilfsbereit.
Das Problem ist, dass er in der Kommunikation vieles falsch interpretiert hat, aus jeder Banalität einen Streit gemacht hat, paranoide Tendenzen hatte und schnell auf 180 war.
Es dauerte eine Weile, bis ich das realisierte. In den ersten Monaten konnte er sich wohl zusammen reißen. Und dann war ich schon zu verliebt, um mich zu trennen.

Da ich beruflich mit psychisch Erkrankten arbeite, dachte ich, dass ich Profi in der Kommunikation bin und das schon schaffe. Aber es war egal, wie ich reagierte, er wurde verbal aggressiv oder abweisend.
Bei Streit bleibe ich ruhig, das interpretierte er als "kalt".
Irgendwann wägte ich jedes Wort ab und war nicht mehr authentisch. Und manchmal hat auch ein Gesichtsausdruck gereicht, um ihn wütend zu machen.

Das war meine erste Beziehung mit einem psychisch kranken Menschen. Die Vorgänger waren alle völlig unauffällig mit perfekter Biografie. Deshalb hatte ich im privaten Bereich keine Erfahrung und keine Vorstellung, wie schnell man in eine destruktive Beziehung geraten kann.
Ich weiß nicht, wie sich deine Erkrankung, lieber Fragesteller, äußert. Aber als ehemalige Partnerin hätte ich mir am Anfang Ehrlichkeit gewünscht. Dazu auch Bemühungen, die Probleme zu verbessern. Aber das sehe ich bei dir positiv. Mein Partner hätte nie eine solche Frage in einem forum gestellt. Auch Therapie und Medikamente lehnt er ab. Mal abgesehen von den Kurzgesprächen beim Neurologen, um den Krankenschein verlängert zu bekommen.
Ich sehe es positiv, dass du arbeitest. Das können dysfunktionale borderliner nicht. Und du hast dadurch soziale Kompetenzen.
Du solltest einer potentiellen Partnerin erklären, wie du in manchen Situationen reagieren könntest und was zu beachten ist. Sollte dich etwas triggern, wäre es hilfreich, wenn du deine Partnerin frühzeitig informierst und ihr Strategien habt, das es nicht eskaliert. Z.b kann deine Partnerin aus der Situation gehen, wenn es hoch kocht. Das habe ich auch oft gemacht, um mich zu schützen. Ich habe mich freundlich verabschiedet und angekündigt, dass wir uns wieder sehen, wenn es ihm besser geht. Also nicht wütend die Situation verlassen, sondern immer die Tür symbolisch offen halten.
Trotz der Schwierigkeiten war es meine lebendigste Beziehung mit den meisten Emotionen. Und ich konnte auch sehr viel über mich lernen.
 
  • #28
Das ist meine große Angst. Ich sehe es selber oft in der Selbsthilfegruppe, nämlich bei denen Teilnehmern, die einen Partner haben. Diese Partner müssen manchmal schon verdammt viel einstecken.
Lieber mb83
Es ist gut, dass du das siehst und somit auch Empathie entwickeln kannst für Personen, die sich in einer Beziehung befinden mit psychisch kranken Menschen.
Was du ausblendest: Auch nicht-diagnostizierte "Normalos" können in Beziehungen ziemlich anstrengend sein. Diese Personen haben manchmal auch schädliche Muster, aber weil sie ihre Gefühle verdrängen oder ihre Handlungen besser rationalisieren, begeben sie sich gar nie in Therapie und reflektieren sich nicht. Ich habe den Eindruck, manche Menschen mit Borderline suchen sich auch wirklich schwierige und belastete Partner (natürlich sind keine der Foristen hier gemeint), die ihre Schwachstellen noch deutlicher hervor treten lassen.
 
  • #29
Hallo,

ich glaube nicht, dass Du grundsätzlich zum Single - Leben verurteilt bist.

Finde aber auch, dass Du nicht gezielt nach einer Partnerin SUCHEN solltest, die selbst psychische Probleme hat.

Ich denke es gibt viele Menschen, die so viel lieben können, dass Krankheiten - egal welcher Art - gemeinsam "bewältigt" werden können. Wenn deine "guten" Zeiten zusammen mit deiner Partnerin für euch beide erfüllend sind, musst Du nicht Single bleiben - dann wird die Gespeicherte Liebe der schönen Zeiten die schlechteren Zeiten überdauern. Davon bin ich überzeugt.

Was eine Beziehung zu einer ebenfalls psychisch erkrankten Person angeht, so würde ich sagen, da verdoppeln sich ja die Probleme. Ich glaube auch, dass es für DICH nicht unbedingt das Beste wäre - schließlich musst Du ja auf Dich selbst achten. Es schließt sich natürlich nicht völlig aus - wo die Liebe hinfällt - aber gezielt nur danach suchen würde ICH jetzt nicht.

Wenn Du ansonsten ein "erfülltes" Leben hast, würde ich dieses mit Deinen Freunden genießen und nichts erzwingen. Es wird zum richtigen Zeitpunkt die Richtige in Dein Leben treten - das wünsche ich Dir.

Nun aber auch noch zu Deinen Bedenken, wie Du mit Deiner Erkrankung umgehen sollst, wenn Du eine Bekanntschaft machst. Ich finde, wenn es Dir gut geht und Du jemanden triffst, der Dich nett findet und ihr eine schöne Zeit habt, so würde ich diese Zeit erst einmal als "Beweis" nehmen, dass Du auch SO sein kannst. Natürlich, wenn Du merkst, dass etwas ernstes draus werden könnte, musst Du mit offenen Karten spielen, aber wenn die Liebe bis dahin schon so sehr Ihr "Unwesen" getrieben hat ;-) dann kannst Du entspannt erklären, was Deine "Errungenschaft" erwarten könnte - aber immer Deine gute Seite kennen und sehen.
 
  • #30
@RabentochterIch habe mich aufgrund einer ehem. Beziehung (1. Beziehung) mit einem Borderliner in Therapie befunden. 3 Jahre brauchte ich um mich davon lsychisch zu erholen. SSV, Morddrohungen, Suiziddrohungen, psych. und körperl. Gewalt, Fremdgehen, Prostitution seinerseits, all das habe ich mitbekommen. Glücklicherweise habe ich mich nicht angesteckt. Nach 1 Jahr Horrorbeziehung fokgten 2 Jahre Stalking seinerseits. Er wusste wo ich wohnte und arbeitete (kleiner Ort), schließlich blieb mir nur der Umzug weiter weg.
Es tut mir sehr leid dass du diese Erfahrungen machen musstest :( Besonders psychischer Druck durch SSV / Suiziddrohungen und starke Probleme beim Loslassen sind durchaus typisch, damit hast du absolut recht.

Dinge wie Morddrohungen und körperliche Gewalt halte ich nicht für typisch Borderline. Das ist schon sehr krass und geht meiner Meinung nach weit über Borderline hinaus ... Ich glaube dir dass es dir so ergangen ist und finde es schrecklich was du erleiden musstest, aber möchte darauf hinweisen dass Gewalttätigkeit (gegen andere) auch für Borderliner ziemlich untypisch ist.

@RabentochterDaher meine Fragen an den FS:
1. Was für maligne Impulse hast du (SSVs, Gewalt, Drogenkonsum?)
2. Bist du in der Lage monogam zu leben oder bist du zwanghaft promisk?
3. Wie stellst du dir DEINE Zukunft vor & wie mit deiner Partnerin (Familie, Finanzen, gem. Lebenspunkte)?
Ich beantworte dir gerne deine Fragen und verstehe gut wieso du diese stellst. Zu 1: SSV und Drogenkonsum muss ich bejahen. Letzteres beschränkt sich aber seit 8 Jahren auf den Konsum von Zigaretten und sozialem Trinken. Gewalt (gegen andere) war nie ein Thema bei mir, auch nicht in Trennungen. Ich bin mit zwei ehemaligen Partnern noch gut befreundet. Frage 2 ist einfach zu beantworten: ich hatte in meinem Leben nur drei Geschlechtspartner, also eher das Gegenteil von promisk. Frage 3 müsste ich eher in einem Buch beantworten. Oder anders gesagt: einen konkreten Plan habe ich nicht. Ich konzentriere mich aktuell eher darauf, ein aktives Single-Leben zu führen, einen regen Freundeskreis zu pflegen und mich weiterzuentwickeln.