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  • #1

Jede(r) ist seines Unglücks Schmied ?!

Oder nicht? Oder ist es das Schicksal das sich uns gegenüber so ungnädig verhält?
Ist es vielleicht unser Wesen, unser Charakter, unsere Gedanken die entsprechende Gefühle erzeugen und die dazu gehörigen Taten und manchmal auch Untaten, die dafür verantwortlich zeichnen, dass wir verlassen werden oder ebenso den Partner auch verlassen.

Sind wir also selber schuld und nicht unser Gegenüber oder unser Schicksal, wenn wir hier klagen (müssen), nicht rechtzeitig die Konsequenzen gezogen zu haben? Nur weil wir nicht imstande waren Ereignisse/Situationen in der Anbahnungs- und Beziehungsphase richtig zu interpretieren.
Was meint ihr - wer ist für unser eigenes Unglück verantwortlich?
 
  • #2
+ Jeder ist für sein eigenes Handeln verantwortlich.
+ Jeder ist aber auch dem Handeln der anderen sowie den Naturgewalten ausgesetzt.
+ Niemand kann alles beeinflussen und daher auch nicht Glück oder Unglück alleine bestimmen.

Bezogen auf Partnerschaft und Liebe gilt genau das gleiche: Wir sind genauso frei wie unsere Partner und deren Handeln ausgesetzt, so wie sie dem unseren ausgesetzt sind -- und beide sind eben zusätzlich externen Einflüssen ausgesetzt.

Nein, es ergibt keinen Sinn, immer nach Schuld oder Ursachen zu suchen, manches passiert einfach, ohne dass wir es hätten beeinflussen können. Das mag man dann Schicksal nennen, aber nur im Sinne von "nicht von uns einzelnen beeinflussbar", nicht im transzendenten, esoterischen Sinne.

Nichtsdestotrotz gibt es natürlich viele Aspekte einer Partnerschaft, die wir beeinflussen können und sollten. Insofern verusachen und verschulden wir natürlich schon das meiste dessen, was in einer Beziehung passiert oder nicht passiert, zumindest zu einem gewissen Anteil. Wir sollten nicht ignorieren, dass es in ganz vielen Fällen unsere persönlichen Entscheidungen, Fehler, Schwächen sind, die zum Scheitern einer Beziehung führen.

Aber nicht jede Beziehung lässt sich einfach durch gutes, richtiges Verhalten aufrecht und glücklich erhalten. Manchmal ist man einfach nicht kompatibel, entwickelt sich auseinander, verändert sich einer zu stark, als dass man damit klar kommen kann. Nicht immer ist Misserfolg in Partnerschaftsfragen vermeidbar, nicht immer ist es Versagen oder Unvermögen. Ganz oft ist es besser, sich einzugestehen, dass es einfach nicht passt, als Schuld zu suchen in sich oder dem anderen.

Um den Schicksalsaspekt noch einmal aufzugreifen, muss man natürlich auch erkennen, dass ganz viele Komponenten der Partnerschaftsanbahnung wirklich Zufall sind -- wen man wann wo in welcher Stimmung und Situation trifft zum Beispiel.
 
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  • #3
Um den Schicksalsaspekt noch einmal aufzugreifen, muss man natürlich auch erkennen, dass ganz viele Komponenten der Partnerschaftsanbahnung wirklich Zufall sind -- wen man wann wo in welcher Stimmung und Situation trifft zum Beispiel.

Ich stimme Dir in all Deinen Aussagen zu, bis auf diesen Schlussatz.
Tatsächlich hinterlässt die Situation und Stimmung einen bleibenden Eindruck bei einer Person, die man neu kennenlernt. Diese kann ihr Urteil über einen nur aufgrund dieser wenigen Informationen bilden. Das Gedächtnis ist so strukturiert, dass Anfang und Ende, sowie hoch emotionale Momente besonders gut erinnert werden. Daran kann man wenig rütteln, außer man relativiert der ersten Eindruck durch viele weitere - doch die wenigsten setzen auf diese nachhaltige Strategie des Kennenlernens.
Insofern kann man natürlich beeinflussen, wann und in welcher Stimmung man auf Partnersuche geht oder eben nicht. Oder wie man mit zufälligen Begegnungen umgeht. Denn dieser Eindruck wird Konsequenzen auf den weiteren Verlauf haben.
 
  • #4
Insofern kann man natürlich beeinflussen, wann und in welcher Stimmung man auf Partnersuche geht oder eben nicht.
Wir sind uns eigentlich auch in diesem Punkt einig. Natürlich kann man dem "Zufall auf die Sprünge helfen". Logisch, wer nie ausgeht, wird auch niemanden kennenlernen -- es sei denn der Postbote ist Single. Natürlich bringt es etwas, viele Menschen zu treffen und viele Gelegenheiten zu generieren. Nichtsdestotrotz bleibt es überwiegend Zufall, wen man trifft.
 
  • #5
Zu Vielem im Leben gehört auch Glück oder Pech - was man ggf. nicht beeinflussen kann.

Man kann nicht gleich alles wissen, sondern muß ggf. erst aus Erfahrungen lernen.

Der neue Partner meiner ex-Freundin hat nun m.o.w. die gleichen Probleme mit ihr, wie ich früher.
Also, kann es nicht an mir gelegen haben ? - Hm, etwas schon. Aber längst nicht ausschlaggebend.

Es ist gut, auch selbstkritisch zu sein. Aber nicht gut, die Schuld nur bei sich selber zu suchen.
Oft ist es keine Schuld, sondern die Paare haben sich "auseinander" entwickelt + gelebt.
Mit all meinen bisherigen Partnerinnen, wollte ich nicht mehr zusammen sein.
 
  • #6
Sind wir also selber schuld und nicht unser Gegenüber oder unser Schicksal, wenn wir hier klagen (müssen), nicht rechtzeitig die Konsequenzen gezogen zu haben? Nur weil wir nicht imstande waren Ereignisse/Situationen in der Anbahnungs- und Beziehungsphase richtig zu interpretieren.
Was meint ihr - wer ist für unser eigenes Unglück verantwortlich?
Zum überwiegenden Teil handeln wir aus unseren Gefühlen (meistens unbewussten) heraus. In einer Partnerschaft und auch in jeder zwischenmenschlichen Begegnungen geht es um gegenseitige Interaktion. Aufeinander bezogen bedeuten das nichts anderes als, dass wir nur auf die Worte, Verhalten und Taten unseres Gegenübers reagieren. Aktion-Reaktion.

Deshalb ist es enorm schwierig das Knäuel -- welches zum Beziehungsende geführt hat -- zu entwirren und sich den Weg (den Faden) der letztlich zum Scheitern einer Partnerschaft geführt hat, anzuschauen und die Ursachen klar zu erkennen. Wobei ich darin (nach einer freiwilligen Therapie) gut geübt bin und meistens den Weg der zu einer Krise führte gut erkennen und beschreiben kann.

Nun die meisten Faktoren dafür, ob eine Partnerschaft gelingt oder nicht, liegen zu einem grossen Teil auch in uns selber, in unserer Persönlichkeit. So könnte man tatsächlich deine Frage bejahen und sagen: Ja wir sind selber der Schmied unseres eigenen (Un)Glücks. Doch wiederum auch nicht, weil wir auf unserem Lebensweg so viele positive wie negative Erfahrungen, Eindrücke gesammelt haben, die unsere Persönlichkeit geformt und gebildet haben. Und genau für unsere Persönlichkeit sind wir meistens nicht verantwortlich.

Solange es uns aber nicht bewusst ist, welche unbewussten Mechanismen unser Verhalten bestimmen, solange werden wir wohl die gleichen Fehler in einer Endlosschleife wiederholen. Das gilt für beide Partner gleichermassen. Eine Therapie kann helfen, sich selbst besser zu verstehen d.h. der Quelle bestimmter Gedanken und Gefühle nachzugehen und das darauf folgende Verhalten und Handeln nachzuvollziehen/zu begreifen.
 
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  • #7
Im Grunde lässt man sich viel zu oft auf Situationen ein, wo einem der gesunde Menschenverstand meist schon vorher sagt: Hey, pass auf!!!
Warum das so ist weiß ich auch nicht-vielleicht Prinzip "Hoffnung", oder "wird schon schief gehen".
Gehts dann schief macht man dicke Backen und fragt hier im Forum was andere davon halten, lach!
Ich denke daher also schon, dass jeder sehr oft seines Unglücks Schmied ist und viel mehr auf seine "Warnlämpchen" hören sollte.
 
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  • #8
  • #9
Nun ja, wenn ich also beim Kennenlernen die Zeichen übersehen habe, die einem Treuebrecher ja bekanntlich auf die Stirn geschrieben stehen, dann darf ich mich später nicht beklagen, oder wie?
Das ist mal wieder so ein Extremfall. Aber man kann oft schon Nähe-Distanz-Bedürfnis, störende Hobbys (Pferdenarr 5x die Woche) oder andere inkompatible Gewohnheiten erkennen.

Das bedeutet doch nicht, dass man immer und alle Sachen ausschließen kann.
 
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  • #10
Jeder ist für sein eigenes Handeln verantwortlich.

OK, wie würdest Du dann den folgenden Fall beurteilen?

Eine Frau, die sich treu nennt und mir noch vor 3 Tagen sagte, sie sei „nicht so frei wie es scheint”, bietet mir Sex an. Ich könnte nun denken „was soll’s, sie ist für ihre Treue selbst verantwortlich“ und mich darauf einlassen. Ich könnte aber auch denken „sie würde das nicht tun, wenn sie sich nicht von dem anderen getrennt hätte” und mich ebenfalls darauf einlassen. Im ersten Fall bin ich ein Treuebrecher, im zweiten nicht. Da ich kein Freund des Russischen Roulette bin, lasse ich es ganz bleiben. Und verliere die Frau, die sich - wie sich später herausstellte - meinetwegen getrennt hatte.

Bin ich nun für mein Unglück verantwortlich, oder bin ich es nicht?
 
  • #11
Eine Frau, die sich treu nennt und mir noch vor 3 Tagen sagte, sie sei „nicht so frei wie es scheint”, bietet mir Sex an. Ich könnte nun denken „was soll’s, sie ist für ihre Treue selbst verantwortlich“ und mich darauf einlassen. Ich könnte aber auch denken „sie würde das nicht tun, wenn sie sich nicht von dem anderen getrennt hätte” und mich ebenfalls darauf einlassen. Im ersten Fall bin ich ein Treuebrecher, im zweiten nicht. Da ich kein Freund des Russischen Roulette bin, lasse ich es ganz bleiben. Und verliere die Frau, die sich - wie sich später herausstellte - meinetwegen getrennt hatte.

Bin ich nun für mein Unglück verantwortlich, oder bin ich es nicht?
Natürlich bist Du für Dein Handeln verantwortlich, also dafür, in einer unsicheren Situation die sichere Lösung bevorzugt zu haben. Ich hätte auch gehandelt wie Du.

Die Frau ist verantwortlich dafür, eine unsichere Situation geschaffen zu haben, anstatt einfach Klartext zu sprechen.

Glück und Unglück sind hier der falsche Maßstab. Die Frau hätte einfach besser kommunizieren müssen.

Ergänzen möchte ich, dass Du natürlich zusätzlich den Fehler gemacht hast, mit einer vergebenen oder frisch getrennten Frau anzubandeln. Beides ist nicht sinnvoll, auch warme Wechsel sind verachtungswürdig und destruktiv. Willst Du so eine Frau, die Dich dann auch ein paar Monate oder Jahre später gegen den nächsten im warmen Wechsel tauscht? Der Charakter ändert sich nicht so oft, wie man sich wünschen würde...
 
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  • #12
zusätzlich den Fehler gemacht hast, mit einer vergebenen oder frisch getrennten Frau anzubandeln

Ich habe natürlich nicht mit einer vergebenen Frau angebandelt, Frederika. Sie kam damit erst nach dem ersten Kuß ‘rüber. Es sah für mich auch so aus, als hätte sie sich emotional bereits abgenabelt und müsse die Trennung halt nur noch aussprechen. Und dafür brauchte sie wohl moralische Unterstützung.

Gescheitert ist die Sache letztlich an diesem »jeder ist für sein eigenes Handeln verantwortlich«: sie wußte ja, daß sie keinen Treuebruch begeht. Hingegen war ich der Auffassung, daß es mich sehr wohl etwas angeht, ob ich an einem Treuebruch beteiligt bin oder nicht.

Ich hätte nie geglaubt, daß man damit sooooo falsch liegen kann.
 
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  • #13
Ich habe natürlich nicht mit einer vergebenen Frau angebandelt, Frederika. Sie kam damit erst nach dem ersten Kuß ‘rüber. Es sah für mich auch so aus, als hätte sie sich emotional bereits abgenabelt und müsse die Trennung halt nur noch aussprechen. Und dafür brauchte sie wohl moralische Unterstützung.

Gescheitert ist die Sache letztlich an diesem »jeder ist für sein eigenes Handeln verantwortlich«: sie wußte ja, daß sie keinen Treuebruch begeht. Hingegen war ich der Auffassung, daß es mich sehr wohl etwas angeht, ob ich an einem Treuebruch beteiligt bin oder nicht.

Ich hätte nie geglaubt, daß man damit sooooo falsch liegen kann.


Einen fremden Mann zu küssen ist also kein Treuebruch! Das ist mir absolut neu und unverständlich!
 
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  • #14

Oh, dieser Satz beinhaltet so viel Arroganz und Blödsinn. Das Leben hat man nicht voll im Griff, weder in der Liebe noch anderswo. Man kann nichts für sein Aussehen, das man genetisch mitbekommen hat. Man kann nichts für Schicksalsschläge. Am besten zeigt sich der Unsinn dieses Sprichwortes, wenn man diesen Satz an einen Rollstuhlfahrer wendet, der schon von Geburt an behindert ist. Ihm gegenüber eine Frechheit.

m, 38
 
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  • #15
mich wundert dass ausgerechnet Menschen die im Hinblick auf die berufliche Laufbahn klar zwischen Losern und Machern unterscheiden (was ist mit dem Familienbetrieb der in der Krise vor die Hunde geht?) in Partnerschaftsdingen darauf plädieren, dass das Leben nunmal nicht planbar ist.
 
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