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Gast

  • #1

Ist Verliebtsein nur ein paranoides Symptom ?

Verliebtsein kann wohl in deutlichster Ausprägung verstanden werden als sofortiges schicksalhaftes Erkennen, dass jemand unser finaler Lebenspartner ist. Unterscheidet sich dies dann überhaupt qualitativ davon, sich selbst für Napoleon zu halten, oder sich an der Scheinerklärung zu berauschen, andere Menschen würden mit "Magnetstrahlen" die eigenen Gedanken manipulieren ? In allen Fällen liegt doch das überwältigende, wenn auch fragwürdige Gefühl einer spontanen Erkenntnis darüber vor, wie die Welt in Wirklichkeit läuft. Es wird praktisch relevant, wenn man die Rolle des Verliebtseins auf die individuelle Biographie und die langfristige Zufriedenheit eines Menschen betrachtet, also wenn z.B. der eine Partner dieses schicksalhafte Gefühl hat, der andere aber nicht, und die Beziehung am Ende vielleicht sogar zerbricht. Soll man also dieses Verliebtsein, das ja ein sehr starkes Belohnungsgefühl beinhaltet, nun suchen bzw. zur Grundlage einer Beziehung machen, oder nicht ?
 
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Gast

  • #2
Ich mag diese Gedankengänge!
 
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Gast

  • #3
Ich halte mich gern für Napoleon, und mit St. Helena kann ich mich, glaube ich, auch anfreunden.
 
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Gast

  • #4
... dass jemand unser finaler Lebenspartner sein könnte. Ich denke, der Konjuktiv ist hier durchaus angebracht, denn ob's dann so ist, zeigt sich ja erst in der Folge. Aber die Vision eines gemeinsamen Lebens gehört schon dazu. Der Unterschied zu den genannten "Magnetstrahlen" ist, dass eben in jedem Fall schon zwei mit derselben Vision dazu gehören.
 
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Gast

  • #5
Inwiefern sich das Verliebtsein von Größenwahn oder dem Moment des "Erkennens der Wirklichkeit" unterscheidet, vermag evt. ein Experte zu beurteilen. Verliebtsein am ANFANG einer Beziehung ist wohl normal und gehört dazu. Sie sollte aber getrennt werden von der Frage, ob daraus eine Partnerschaft auf Dauer entstehen kann. Aber der Reihe nach:

Was die Frage nach dem Verliebtsein nur eines Partners angeht, gibt es aus meiner Sicht 2 Varianten, die man unterscheiden muss:

1. Wenn wirklich nur einer dieses Gefühl hat, der andere aber nicht, könnte es für den nicht verliebten z.B. nur eine Vernunftbeziehung sein. Der verliebte Partner sollte das zur Sprache bringen und hinterfragen. Wenn ja, muss er sich fragen, ob ihm das auf Dauer reicht.

2. Ansonsten kann es sein, dass beide zwar verliebt sind, aber nur einer drüber spricht/sich äußert, der andere sich aber zurück hält. Dann kann der Eindruck entstehen, das Verliebtsein bestünde nur auf einer Seite. Hier könnte man dem Verliebten raten, ebenfalls zu prüfen, ob er mit diesen wenigen Gefühlsbekundungen klarkommt. Manchmal ist viel wichtiger, was der Partner tatsächlich für einen tut, als nur auf die 3Worte zu warten. Also abwarten, wie sich die Beziehung entwickelt. Spätestens, wenn bei ihm die Schmetterlinge zugunsten eines tiefen Gefühls der Gemeinschaft mit dem anderen i.S.e. soliden partnerschaftlichen Basis (und eben einem ernüchterten Umgang miteinander) weicht, reicht ihm auch das Verhalten des Partners.


Die These des letzten Satzes kann ich hingegen gar nicht teilen - sobald nämlich Verliebtsein und das adäquate Feedback eine "Belohnungsfunktion" hat, sollte man sich fragen, ob das der Sinn von Partnerschaften ist. Wir sind nicht mehr im Eltern-Kind-Schema, in dem Kinder um ihrer selbst willen geliebt werden. Kinder werden belohnt (oder bestraft). Warum erwartet man von einem Partner auf Augenhöhe so etwas wie Belohnung?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich ein interessantes Buch "Die Liebesfalle" von einem Herrn Maaz, das ich sehr empfehlen kann. Die Erkenntnisse sind zwar manchmal recht nüchtern, aber genau das schützt vor Enttäuschungen in einer Beziehung und zeigt Wege zu fairer, gegenseitig bereichernder Partnerschaft.

Wohl gemerkt, Verliebtsein zu Beginn ist gut und wichtig, aber dieses als Bedingung oder schicksalhaften Wink für ein langes gemeinsames Leben anzusehen, führt in die völlig falsche Richtung. Ein Umdenken in diesem Bereich macht Mühe, denn man muss damit leben, nie DIE Erfüllung schlechthin durch einen anderen erwarten zu können und zu erhalten. Diese Erkenntnis lohnt sich m.E. aber sehr, weil man den Partner dadurch nicht mehr mit völlig überzogenen Erwartungen überlastet.

w36
 
  • #6
nüchtern betrachtet ist Verliebtheit eine Hormonvergiftung

obs für eine lange PArtnerschaft reicht weiss man erst wenn die Vergiftung abgeklungen ist und Vertrautheit und Vertrauen diesen Platz eingenommen haben- also Liebe daraus geworden ist

Gruss, Napoleon ;-))